Montag, 31. Juli 2006

Die Hitze kann dem Verstand ganz schön zusetzten

Die Buchhandlung, ein Neubau. Jahr 2005. Wir verfügen über eines der teuersten und besten Lüftungssysteme der Zeit. Daher haben wir im Inneren von unserem Glasbunker auch immer 5-8°C wärmer als draussen. Im Winter wäre das ja bestimmt von Vorteil. Aber im Sommer?

Kürzlich: J. und ich stehen an Kasse 1. Ich mache für einen tätowierten Typen ein paar Geschenke, wohl für seine Kinder. J. kassiert bei einer älteren Dame Mitte 40 ein und sagt zu mir: "Ich kann nicht verstehen, wieso I. die Türe immer geschlossen haben will. So hat man gar keinen Sauerstoff mehr. Ich ersticke noch hier drin!" Die Kundin zu J.: "Es gibt immer Leute, die nicht begreifen, dass man die Türen geschlossen halten muss, wenn man eine Klimaanlage hat!" J.: "Wir haben ja gar keine Klimaanlage." "Ah, nicht." Und sie nimmt ihr Zeug und verlässt das Geschäft. J. zu mir: "Du, wieso hat mich die jetzt so angefahren?" Ich breche in schallendes Gelächter aus (die Hitze kann dem Verstand ganz schön zusetzen) und sage, dass ich keine Ahnung habe.
Sie lacht ebenfalls schallend und sagt: "Es gibt schon kreuzdumme Personen!" Der wartende Kunde: "Ich hoffe, sie meinen nicht uns." Mein Kunde: "Anwesende ausgeschlossen." J. bedient den wartenden Kunden. Als er rausgeht dreht er sich nochmals um und sagt zu meinem Kunden ganz amüsiert: "Sagen sie mir dann Bescheid, wenn sie das selbe über mich sagt, ja?", lächelt und geht.

Das ist ein Geschenk !



31. Juli 2006


Ist euch schon einmal aufgefallen, dass der Mensch immer weniger Anstand besitzt? Kein Guten Morgen, kein Danke, kein ich hätte gerne. Er nimmt nicht mal mehr die Sonnenbrille ab, wenn er ein Geschäft betritt. Manche tragen gar ihre Sonnenbrille und haben die Stöpsel ihres I-Pods in den Ohren, hören in einer für die Ohren gänzlich ungesunden Lautstärke, die zu einem Hörgerät im 23 Lebensjahr führt, Musik und schreien die Buchhändlerin an, weil sie sich sonst selbst nicht hören. 

Das wohl beste Beispiel für die unhöfliche Art des Menschen mit Seinesgleichen umzugehen ist die Dienstleistung des Geschenkverpackens.
"Das gibt ein Geschenk!" "Das ist zum Schenken!" "Ich will, dass sie mir das einpacken!" "Können sie mir das noch ein bisschen einpacken?" "Geschenk!" "Kann ich das als Geschenk haben?" "Einpacken!"

Für alle, denen das lästig ist:
Auf jene Fragen: "Das gibt ein Geschenk!" "Kann ich das als Geschenk haben?" erwidere ich ein: "Schenken kann ich ihnen das nicht."
Meistens merken sie es und fragen, ob man es dann einpacken würde. Meist mit einem Lächeln. Aha.

"Geschenk!"
"Wie bitte?" als hätte man die Person nicht verstanden. Oder man ignoriert es einfach, holt eine Plastiktasche hervor und schiebt das Buch hinein. Dann schaffen es die werten Kunden doch noch ganz höflich zu fragen, ob man es noch geschenkverpacken könnte.
"Einpacken!" (Was ein Kunde an Weihnachten 2004 zu J. schrie. Sie holte daraufhin eine Plastiktasche hervor und packte das Buch hinein. Die Frau des Brüllers fragte daraufhin ganz höflich und kleinlaut (da ihr das Verhalten ihres Mannes oberpeinlich und unangenehm war) ob sie es als Geschenk verpacken könnte.

"Das gibt ein Geschenk!" 
a) ignorieren
b) "Aha. Ja hätten sie denn gerne, dass ich es ihnen einpacke?" "Ja gerne."

"Können sie mir das noch ein bisschen einpacken?"
"Ich kann es auch ganz einpacken. Erweist sich meist als einfacher."

Weihnachten 2004
Ein Kunde zu I.: "Das ist ein Geschenk!" Sie daraufhin ganz erfreut: "Für mich? Dankeschön!" Der total irritierte Kunde: "Ähm... ich meinte eigentlich, ob sie mir das einpacken würden."

Kürzlich eine Kundin zu mir: "Packen sie mir die 5 Sachen noch schön ein?"
"Schön ist immer individuell."
"(lacht) ich denke schon, dass sie das schön machen."
Ich in Gedanken: "Hueregottverdammt, ich weiss ja, dass der Mensch und die ganze verdammte Zeit in Eile geraten sind, aber ist es wirklich so verflucht schwierig ein Buch einzupacken?! Der Mensch ist echt nicht mehr selbstständig! Geht in ein Geschäft und es ist natürlich selbstverständlich, dass die gekauften Sachen noch verpackt werden. Als ob man das nicht mehr selber machen könnte. Wäre doch eine ideale Beschäftigung während dem Fernsehen! Ah diese Idioten immer! Nichts, gar nichts können sie mehr selbst machen. Sie schaffen es ja nicht mal, ihre EC-Karte durch das Gerät zu ziehen... Obwohl es noch angezeichnet ist, wie..."

Tipp von einer Freundin:
Wenn das nächste Mal einer sagt: "Das gibt ein Geschenk!" Dann das Papier hervorholen, auch eine Schere und Klebestreifen. Dem Kunden vor die Nase stellen mit den Worten: "Hier bitte."
Eine revolutionäre Idee wäre auch der Selbstbedienungs-Päckchentisch. Die Kunden dürften sich selber im verpacken üben. Wäre ganz bestimmt sehr amüsant zum zu schauen! (<- mittlerweile gibt es die in div. Geschäften ^_^ Ja, der Wandel der Zeit)

Übe Dich in Geduld - und es wird sich auszahlen



31. Juli 2006


Egal ob der Tag ein Samstag ist, ob es Weihnachtsverkauf ist oder sonst ein Tag unter der Woche, an dem grad viel los ist. Diese enorme Geduld der Wartenden ist immer wieder erstaunlich.
Vor Kasse 1 sammelt sich eine Warteschlange, na ja, eher eine Wartemasse an, denn in einer Schlange stehen können sie nicht. Sie stehen irgendwo in der Gegend herum und fragen sich dann auch noch, wieso andere vor ihnen an die Reihe kommen. An Kasse 1 herrscht viel Betrieb. 3 Buchhändlerinnen stehen dahinter und kassieren ein oder machen Geschenke. Jawoll Geschenke, denn der Mensch ist ja nicht mehr selbstständig...
Wir zwei, an Kasse 2 stehende Buchhändlerinnen haben nichts zu tun. Keiner beachtet Kasse 2. Wird gekonnt ignoriert. Manche wartenden Köpfe drehen sich ab und an in unsere Richtung, kommen jedoch nicht herüber. Möglicherweise ist Kasse 2 ja nur Dekoration? Das denke ich auch. Mhm...

"Sie können auch hier zur Kasse 2 kommen!" ruft meine Kollegin. Köpfe drehen sich. Fragezeichen verdecken die Gesichter. Soll ich oder soll ich nicht? Hm... eine gewichtige und auch schwere Frage. Und doch! Zwei Personen fassen Mut, setzen einen Fuss vor den anderen und machen sich auf den beschwerlichen Weg zur Kasse 2. Möglicherweise sind ja die zwei Stufen abschreckend und ein triftiger Grund, wieso Kasse 2 gemieden wird?
Kaum sind die beiden heil und sicher an Kasse 2 angekommen, fassen auch andere der Wartenden Mut und begeben sich, ganz dem Gruppenzwang verschrieben, zur Kasse 2. 
Soll einer denken, dass sei immer so, so hat er sich getäuscht. Man kann auch an Kasse 2 stehen und den Wartenden zurufen. Köpfe drehen sich eventuell. Aber es kommt auch vor, dass man lieber wartet als die zwei Stufen zur Kasse 2 hinab zu steigen. Denn Kasse 1 hat ja eine 1 und ist somit quasi Firstclass. Wer sich herablässt und zur Kasse 2 geht, der ist nicht mehr in der Upperclass. Oh ja... ich verstehe es ja, dass der Gruppendruck und natürlich auch das Ansehen an so einem Tag innert weniger Minuten schwinden kann.
Anderes Beispiel: J. steht an Kasse 1 und bedient alleine 4 Kunden. An Kasse 2 stellt sich ein alter Veck (Rentner) auf. Kaum angekommen, schaut er wütend um sich und schreit: "Wird man hier auch bedient?!"

Anderes Beispiel: Vor Kasse 1 hat sich die übliche Meute versammelt, die ihre Bücher bezahlen will. Aber längst nicht alle. Von zehn Personen wollen 5 bezahlen, 3 haben ein Buch bestellt und 2 wollen eine Auskunft. Sei es nun über ein Buch oder über irgendeine Strasse oder ein Geschäft. Möglicherweise auch eine Wegbeschreibung.
Die Buchbesteller warten geduldig vor Kasse 1, um ihren vorher sorgfältig überlegten Spruch aufzusagen: "Hallo, ich war vor ca. 4 Tagen hier und habe, bei Ihrer Kollegin ein Buch bestellt. Der Autor war... Moment... wie hiess der auch gleich... ähm... ah ja, Jane Austen. Ich weiss den Titel allerdings nicht mehr. Aber es ist ein Taschenbuch, ein hellblaues Taschenbuch. Von einem dbv Verlag."
"Bestellte Bücher sind im oberen Stock an Kasse 4 abzuholen." Und das wars auch schon mit der Geduld. Genervt erklimmen sie Treppe. Alte Leute nehmen die Treppe, die jungen benutzen den Lift. 
Anderes Beispiel: Wieder die übliche Meute vor Kasse 1. Ein alter Veck als einer der Hintersten: "Hier muss man immer warten! Herrgott, geht das mal vorwärts da vorne!" J. steigt in den Lift und sagt: "Herrgott, im Coop müssen Sie auch warten!" 

© Navi M.

Von Diäten und McDonalds

31. Juli 2006


Eine Kundin fragt mich nach Kochbüchern zum Thema Diät oder auch einfach nur Abnehmen bei Kindern. Mit dabei hat sie ein Mädchen und einen Jungen die schätzungsweise etwa 7 und 9 Jahre alt sind. Ihr Sohn müsse etwas abnehmen, wie man sehen könne.
Sie blättert in einigen Büchern herum, ist hellbegeistert und möchte sie auch gleich mitnehmen.
Während die Mutter an der Kasse in ihrem Kleingeld herumkramt, fragt die kleine Tochter: "Mami, fahren wir jetzt zu McDonalds?" Die Mutter nickt.

O-h-n-e  W-o-r-t-e


Freitag, 28. Juli 2006

Schild vor dem Kopf



28. Juli 2006


Eine Geschichte über den Alltag einer Buchhändlerin...

Wie in jedem anderen Geschäft auch, steht eine Kundenleittafel zwischen der Treppe und dem Lift, Fahrstuhl oder Aufzug. Das Parterre bietet zwei Kassen. Kasse 1 und Kasse 2. Letztere der beiden wird gerne ignoriert. Aber dazu in einer anderen Geschichte.

An jeder Kasse steht weiss auf rot: "Bestellte Bücher im 1. Stock an Kasse 4". Auch die Kundenleittafel, auch ein Stück das meisterlich ignoriert wird, gibt für jeden, der sich dafür interessiert, Auskunft darüber, dass bestellte Bücher im oberen Stock an Kasse 4 abgeholt werden müssen.

Freitag der 28. Juli 2006

Steht ein bebrillter Mann in grünem T-Shirt vor Kasse 2 (staun, hat mal einer Kasse 2 entdeckt!!!) und schaut ziemlich genervt zu J., die eine Kundin berät. Ist ja schrecklich, dass man eben mal ein paar Minuten warten muss. Aber auch die Warterei passt hervorragend in eine andere Geschichte.
Als er mich kommen sieht strahlt er mich schon von weitem an. "Guten Morgen", grüsse ich den seltsamen Zeitgenossen. "Guten Morgen, Meier mein Name, ich habe ein Buch bestellt."
"Bestellte Bücher dürfen Sie gerne im oberen Stock an Kasse 4 abholen."
"Aha.", der Ton wird scharf und der grün bekleidete Typ wird ärgerlich, "Wie wäre es, wenn sie langsam aber sicher mal ein Schild aufstellen würden, damit man nicht vergebens warten muss?!" Ich deute auf die Beschriftung. Weiss auf rot, righty right. "Sehen sie, hier steht es ja, und genau so auch bei Kasse 1, wie auch auf der Kundenleittafel." Der nette Kunde, schaut kurz. Sichtlich nicht beeindruckt davon. "Aha, ja da läuft man ja auch gleich hin!" Mit einer zornigen Wende begibt er sich in Richtung Treppe, steigt diese hoch und grinst mich an. Ich schüttle nur den Kopf und frage mich, wieso der Typ ein Buch bestellt, wo er ja offensichtlich nicht lesen kann.