Sonntag, 6. August 2006

Der Rasenmäher


6. August 2006


5 Kinder, 3 Katzen, 4 Hunde, 2 Elternteile. Das ist Familie Vick. Herr und Frau Vick machen ihrem Namen alle Ehre, könnte man jetzt denken. Aber das denkt man nur, wenn man der deutschen Rechtschreibung nicht mächtig ist. =)
Frau Vick, und darüber berichteten die Zeitungen noch lange Zeit später, war an diesem folgenschweren Tag mal wieder ausser Haus. Herr Vick wohlmöglich bei der Arbeit. Der Kinderwagen, in dem die neugeborenen Zwillinge schliefen, stand vor dem Haus - in praller Sonne. Der kleine Sohn Tim, der zwei Jahre älter als sein Bruder David ist/war spielte mal wieder nackt auf der Strasse vor dem Haus. Das er nicht schon längst Opfer eines Pädophilen geworden ist, grenzt an ein Wunder. 

Der kleine David, grad mal 6 Jahre alt, entdeckte and diesem Tag den Rasenmäher. Vater Vick, hatte ihn am Vorabend nicht in den Geräteschopf gestellt. Klein David gelang es, den Rasenmäher in Gang zu bekommen. Ein vertrautes Surren hallte durch die Nachbarschaft. Der Geruch nach gemähtem Gras verbreitete sich. Das Nachbarsmädchen sonnte sich auf dem Dach des Elternhauses und störte sich sehr an jenem Geruch. Also packte sie ihr Zeug zusammen und verzog sich ins Haus.
Kurz darauf ging ein unbeschreiblicher Schrei durch die Luft. Ein helles Kreischen. Das Kreischen eines Kindes, dass seinen Willen nicht bekommt. Doch in diesem Fall sollte es anders sein. Das Gekreische eines Kindes, das allmählich ganz gehäutet wird.
Tim ging ganz langsam in den Garten. Nun kreischte auch er. Kreischte den Namen seines Bruders. Es war Nachmittag. 13:30 Uhr. Keiner hörte die Kinder. Alle waren bei der Arbeit. Das Nachbarsmädchen hatte, gestört vom Lärm des Rasenmähers, ihre neue Tokio-Hotel-CD aufgedreht und blätterte mit den Kopfhörern auf dem Kopf in einer Illustrierten. Wippte mit den Füssen auf und ab. Auf und ab. Und genau so trat der kleine Tim von einem Bein aufs andere. Auf und ab. Auf und ab.
Der Darm des kleinen David - noch nicht tot - wickelte sich immer mehr um die Innereien des Rasenmähers. Der Beutel färbte sich in ein tiefes rot. Einer der Hunde begann den Beutel abzulecken. 
Nach wenigen Minuten war alles vorbei. Die Schreie waren nur noch Erinnerungen in den Bäumen. Ein leises Wimmern war im Garten der Familie Vick zu vernehmen. Tim. Tim sass auf dem Boden, die Hände vors Gesicht geschlagen und weinte bitterlich.
Der Rasenmäher summte nun kaum hörbar. Verklemmt. Vom kleinen David war kaum noch was übrig geblieben. Und das, was da im Garten herum lag, landete in den Mägen der Hunde.
Und während Hund Mikrok auf dem einen Auge des kleinen Davids herum kaute, starb einer der Zwillinge im Kinderwagen in der prallen Sonne. 

Die Hunde leckten den Rasenmäher ab und kauten auf Davids Überresten herum. Sie leckten und geiferten. Rissen den Beutel des Mähers auf und knurrten. Gierten nach Blut und Fleisch des toten Kindes. 
Tim weinte noch immer als Frau Vick nach Hause kam. Erst begriff sie gar nicht, was geschehen war. Hatten die Hunde doch schon beinahe das einst rote Gras wieder grün geleckt und gefressen. Sie ging wortlos ins Haus uns schloss die Tür. Tim weinte noch immer. Die Hunde leckten sich die Pfoten.
Die Nägel des Nachbarmädchens wurden rot lackiert.


© Navi M.