Mittwoch, 20. Dezember 2006

Reserviert !

So geschehen am 20.12.2006



Und wieder mal ein Morgen voller Harmonie, Ruhe und Gelassenheit in der Schweiz. Der EC von Olten nach Luzern ist der Schauplatz des Harmonisierens zwischen alten und jungen Menschen und deren Machtspielchen.
Du willst in den Zug einsteigen und wirst von einem Dir entgegen fallenden Fahrgast fast erschlagen. Woher der kommt? Die Frau wollte eben ihren Fuss die erste Stufe setzen als sie von einer Rentnerin und deren Koffer zur Seite geschubst wird. Man ist zwangsweise an ein Rugbyspiel erinnert.
Schliesslich haben wir es auch geschafft, in den Zug zu steigen. Wir gehen durch den Gang. Vor mir: Stau. hinter mir eine gehässige Frau, die mich dauernd anschubst. Sichtlich gestresst ist die Alte. Möglicherweise weil sie schon mit einem Fuss im Grabe steht? Oh ja, ich erkenne die Umrisse des Todes dicht hinter ihr. Er schwingt seine Sense... ^^ Zumindest könnte man das meinen.
Ich mache einen Schritt zurück und dränge sie so nach hinten. Sie drängt sich an mir vorbei - ohne Rücksicht auf Verluste -, knallt einem sitzenden Fahrgast ihre Tasche an den Kopf und herrscht die Leute an, die in einem Viererabteil sitzen: "Wir haben reserviert! Das sind unsere Plätze!" Die Fahrgäste im Abteil sind ganz erstaunt über diesen Tonfall und diese Lautstärke so früh am Morgen und schauen sich ungläubig an. Da brüllt die Alte noch mal: "Das sind unsere Plätze! Da steht es angeschrieben! Könnt ihr nicht lesen?! Verschwindet von hier!" Die Leute stehen auf und wollen das Abteil eben verlassen als die nette alte Frau schon wieder zu krähen anfängt: "Frechheit so etwas!" Sie dreht sich um und sieht, dass auch im Abteil nebenan Reservationsschilder angebracht sind. Da wird es ihr zu viel: "Ihr könnt auch gleich gehen! Da ist nämlich auch reserviert! Macht doch die Augen auf!" In der Schlange hinter mir befinden sich Fahrgäste, die sich auf Kosten des Reibeisens vor mir köstlich amüsieren, sowie auch der Rest des Altersausflugs, von denen allesamt nach vorne drängen. 

GEDULD IST AUS DER MODE GEKOMMEN

Es ist doch wirklich ein Phänomen. Diejenigen, die den ganzen Tag über Zeit hätten zu verreisen, reisen stetig zu Stosszeiten und regen sich dann auf, weil es so viele Leute hat...

Montag, 18. Dezember 2006

CHF 1000,-


Es ist Freitagmorgen und fast nichts los in unserer kleinen Buchhandlung. Da kommt ein Familienvater, der aussieht wie der Bürstenbinder, der sein ganzes Leben lang nur Parisienne geraucht hat, zur Kasse und legt ein Buch hin. Er öffnet seinen Geldbeutel, in dem eine purpurne 1000-Franken-Note frisch fröhlich vor sich hinkichert und fragt: „Können Sie mir auf einen 1000er wechseln?“
„1000er nehmen wir nicht an.“ Da darf die purpurne Note weiterhin in der dunklen Brieftasche schlummern, während er anfängt los zu jammern: „Gottverdammt noch mal!“, und in dem Augenblick fällt mir eine Szene aus dem kleinen Arschloch ein, da wo der Vater seine Calvin Klein Unterhose sucht, die das kleine Arschloch als Kopfbedeckung trägt. Der Vater hämmert gegen die Tür mit den Worten, Verdammte Drecksauscheisse, wo ist meine Calvin Klein Unterhose!!! „Kein Geschäft hier nimmt diesen Scheiss an! Wohin kommt man denn da noch?! Gottverdammt noch mal! Wo wird man dieses Dreckszeug los?!“ Ich frage mich, ob ich wohl was sagen soll und denke, dass er die Worte ja nicht an mich gerichtet hat sondern an die Luft vor ihm. Ich höre mir seinen Ausbruch an und sehe, wie es der Frau peinlich ist und denke, dass er ein gutes Beispiel für seinen kleinen Sohn ist, der ihn mit weit aufgerissenen Augen anstarrt. Da legt er wieder los: „Hier gibt’s ja nicht mal einen scheiss Automaten, der diesen Scheiss annimmt!“ – Denken wir da nicht alle an Homer Simpson? Wie er da am Telefon sitzt und sagt: „Das sind wirklich die beschissensten Bescheisser die uns beschissen haben.“ Juuu, zum Glück habe ich das, was man Körperbeherrschung nennt, und breche somit nicht in schallendes Gelächter aus und hinterlasse somit vor lauter Lachen auch keine Urinlache hinter der Kasse. Haben wir alle noch mal Schwein gehabt. Da wendet er den Blick zu mir und sagt in einem ruhigen und höflichen Ton: „Tut mir leid, dann können wir das Buch nicht nehmen. Einen schönen Tag wünsch ich noch.“ Als wäre nichts gewesen, wünsch ich der Familie auch einen schönen Tag. Im rausgehen flucht er seine Frau an: „Das ist doch echt nicht zu glauben! Ein neues Center und keiner nimmt diesen Scheiss an!“
Ja ja, und somit gehören sämtliche Geschäfte im Center zu beschissenen Scheissern, die diesen Scheiss nicht annehmen… ^^

Freitag, 1. Dezember 2006

Aber es steht im Katalog !


Kommt eine verbittert dreinschauende Kundin auf mich zu und zeigt mir den Katalog des Betriebs. Mit ihrem schrumpligen Finger deutet sie auf ein Buch auf der aufgeschlagenen Seite des Hauptkatalogs. "Haben sie das?" Natürlich nicht, da wir ja keine erotischen Roman am Lager haben dürfen. "Und das?" Wieder deutet sie auf das Buchcover, auf dem ein blonder Mann mit entblösstem Oberkörper eine Blondine im roten Kleid und halb entblösstem Busen in den Armen hält. Nein auch das haben wir nicht da. Wie auch? Ich verneine freundlich. Sie wird langsam stinkig. Blättert hektisch weiter und zeigt wieder auf ein solches Buch. "Und das? Haben sie das?!" "Nein auch das haben wir nicht hier." Und nun folgt ein spannender Dialog:
"Haben sie eigentlich auch etwas aus dem Katalog da!"
"Wir haben einiges aus dem Katalog am Lager, aber längst nicht alles."
"Und wieso nicht?!"
"Wir hätten gar nicht genug Platz für alles."
"Und ist alles was sie hier haben auch im Katalog?"
"Nein."
Somit trabt sie aus dem Geschäft, ohne Danke oder auf wieder sehen.

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Kommt eine Kundin in den Laden galoppiert, schnappt sich schnaubend wie ein Vollblüter nach einem Rennen einen Katalog und blättert ihn hektisch durch. Da das schnaubende Pferd, dass da vor mir steht und wie ein Hund hechelt eher einem gemästeten Spanferkel gleicht und bei der Atmung auch genau so grunzt beginne ich mich zu fragen, ob sie den heutigen Tag wohl ohne Herzinfarkt überstehen wird?
Nach langem blättern hat sie die ersehnte Seite endlich gefunden und teilt mir - noch immer schnaubend - mit, dass sie diesen Artikel haben muss und deutet mit ihrem fleischigen Finger auf ein Buch, dessen Cover ich nicht erkennen kann, da ihr Finger in seiner ganzen Breite das ganze Bild verdeckt. Endlich erkenne ich das Cover und verneine. Darauf die Kundin: "Aber es ist im Katalog!" Sie schreit, ja brüllt schon fast. Gerade so als ob es um Leben Tod ginge. "Wir haben nicht alles hier, was im Katalog ist."
"Aha! Wieso gibt es dann überhaupt einen Katalog?! Dann muss ich die Scheisse trotzdem wieder bestellen!"
"Ich kann ihnen Titel auch in die Filiale kommen lassen."
"Aber dann muss ich wieder herkommen und sie holen?"
"Ähm... ja."
"Ich komme nicht noch mal her! Dann bestelle ich es lieber übers Internet, dann muss ich nur zum Briefkasten und nicht noch mal hier raus!"
Mit diesen Worten stampft sie davon. Ob der Boden nun Löcher bekommen hat? Dellen? Nein nichts. "Mein liebes Walross", denke ich, "ein Spaziergang zum Briefkasten ist ja gut und recht, aber ein paar Meter weiter würden auch nicht schaden."