Freitag, 29. November 2013

Ein winterliches Experiment der Unit 731

Wem die Unit 731 unbekannt ist, der möge sich seine Infos hier holen. Bei näherem Interesse empfiehlt es sich den ersten Teil von Men behind the sun zu schauen.
Um mein Empfinden besser unterstreichen zu können, gibt es weiter unten einen Clip aus Men behind the sun. Leser schwächeren Gemütes sollten sich diesen allerdings nicht unbedingt ansehen.

Es war im Jahre 2010 als ich, da noch immer der Meinung künftig die Hotelfachschule Luzern zu absolvieren, eine Stelle als Room Attendant in einem 5-Sterne, Deluxe, Small Leading Hotels of the World, etc... Hotel im winterlichen Skigebiet in der Schweiz angenommen hatte. Mitte November fiel bereits der erste Schnee. Der rapide Temepraturabfall erinnerte enfernt an The Day after tomorrow, gefror doch der Atem in der Nase...
Das Hotel war saniert worden und uns wurde die zweifelhafte Aufgabe zuteil, alle 10 Etagen (inkl. der reich mit Spiegeln ausgekleideten Suiten) vom Baustaub zu befreien. Zu sechst befanden wir uns im Wohnbereich der einen Suite, der allein grösser war, als meine gegenwärtige Wohnung in Zürich. Meine Zimmergenossin A und ich befanden uns im hinteren Teil und versuchten den grauen Wandschrank schwarz zu bekommen. Stunden strichen ins Lande und der Wohnbereich wies kein Staubkorn mehr auf. Es war geschafft!
Unser Supervisor beauftragte einige der Mädchen, sich den Badezimmern anzunehmen, andere sollten die Balkons putzen. So durften A und ich uns auf den Balkon begeben, der die gleiche Fläche wie der Wohnbereich hatte. Unser Supervisor meinte, das bemooste Balkongeländer müsse wieder gänzlich in weiss erstrahlen. Ein heftiger Windstoss veranlasste ihn dann, sich besser wieder ins warme Innere des Hotels zu verfügen. A und ich blieben auf dem Balkon und schauten einander mit dem typischen "ernsthaft jetzt?"-Blick an.
Jede von uns führte einen Eimer mit heissem Wasser und einen Putzlappen mit sich. Handschuhe gab es natürlich keine. Die erst vereinzelt fallenden Schneeflocken vermehrten sich zunehmend. Nach rund 15 Minuten, die wir frierend auf dem Balkon verbrachten, war der Himmel trüb und ein Schneesturm sollte über uns hereinbrechen. A und ich tauchten unsere geschundenen Hände erneut in den Wassereimer und versuchten die bemoosten Stellen zu entfernen. Da allerdings das gesamte Geländer mit Moos und Dreck versehen war, dauerte dies einige Zeit.
Kalter nasser Schnee peitschte uns ins Gesicht. Wir hatten genug und wollten wieder ins Hotel. Die Balkontür war jedoch geschlossen. So klopfte A leicht genervt an die Glasscheibe. Unser Supervisor kam zum Vorschein und fragte, ob wir fertig wären. Nein. Aber es herrscht ein regelrechter Blizzard. Wir sollen mal nicht übertreiben. Das muss heute fertig sein! Ihr habt noch eine Stunde Zeit. So schloss er die Tür wieder und sperrte uns auf Balkon, auf dessen Boden mittlerweile eine undurchsichtige Schneeschicht lag.

Das Wasser in den Eimern war inzwischen kalt. Die Hände brannten. Jedem sollte das Gefühl von frostigem Winterwind auf nassen Händen bekannt sein... Es dürfte nicht weiter für Erstaunen sorgen, dass mir die eine Szene aus Men behind the sun durch den Kopf schoss: Die blanken Hände einer Chinesin werden dort abermals in der Winterkälte mit Wasser übergossen, bis sich schliesslich eine Eisschicht bildet... Etwas später werden diese Hände in heisses Wasser getaucht, um hinterher geschält zu werden. Natürlich alles im Dienste der Wissenschaft... So schaute ich um mich, um etwaige, in weisse Kittel gekleidete, japanische Wissenschaftler mit Klemmbrett zu erspähen...
Mit bereits tauben Fingerspitzen putzten wir weiter, einfach um nicht zu erfrieren...

Eine Stunde später war das Geländer blitzblank und erstrahlte unter der Eisschicht in makellosem Weiss! Unsere Lippen waren rissig, so auch die Hände. Die tauben Fingerspitzen tauten langsam wieder auf. Wir waren bis auf die Knochen durchgefroren und lagen am kommenden Tag mit Fieber im Bett. - Aber der Balkon war wieder blitzblank - und das ist doch die Hauptsache!