Mittwoch, 18. Dezember 2013

Auf der Frühlingswiese

Saftiger Löwenzahn mit stechend gelben Blüten spriesst wild aus der Erde. Über die gesamte Wiese ist er verstreut. Dazwischen sind leicht violette Blüten zu sehen, von dieser seltsamen Blume, deren Namen ich stetig vergesse. Wenn man die Blütenblätter, die eher kleine Röhrchen darstellen, abzupft und sie auf die Zunge legt, schmeckt man Honig.
Am Wegesrand zupft ein Mädchen eine Pusteblume ab und pustet die weissen Schirmchen über die Strasse. Voller Freude kichert es.
Zwischen Wegesrand und wiese schlängelt sich ein klarer Gebirgsbach durch die Idylle. Kleine Stromschnellen und Wasserfälle bilden ernste Gefahren für all die unzähligen Papierschiffe, die von den Kindern gerne aufs Wasser gesetzt werden. Sie machen Wettrennnen. Dem Sieger winkt meist eine Tüte voller Süssigkeiten. Die einzige Ausnahme bildet der kleine Ryan. Er beschenkt den Gewinner immer mit einem gesunden Reiskeks oder einer Stange Süssholz, achten doch seine Eltern extrem auf eine gesunde und abfallfreie Ernährung.
Hinten beim Waldrand stehen zwei Rehe, die misstrauisch auf die Strasse blicken. Ein Wildhase hüpft geradewegs auf die Wiese zu. Man sieht gerade noch sein Puschelschwänzchen hinter den Wildblumen verschwinden. Er hüpft vorbei an Bienen, und Stauden. Beim Stumpf des alten Apfelbaumes schert er nach Links aus und hüpft aus dieser Geschichte davon.
Hätte er den Weg nach rechts eingeschlagen, hätte er die kleine Suzie passiert, die mit einem morschen Zweig einen leblosen Frauenkörper piekst. Der Schädel ist zu Brei geschlagen. Der zahnlosgeprügelte Mund steht offen. Die Zähne liegen in der Nähe des Kopfes im Gras. Wo einst ihre Nase war, ragt ein zu einer grotesken Figur geschlagener Fleischklumpen aus dem Gesicht hervor. Vom nackten Fleisch dessen, was am Tag zuvor noch ein Gesicht darstellte, ist kaum etwas zu sehen, laben sich doch bereits Hunderte von Fliegen und anderem Getier daran.
Ein zarte Briese weht über die Wiese. Suzie riecht den Geruch verwesenden Fleisches in der Mittagssonne nicht, steht sie ideal zur Windrichtung. Noch einmal piekst sie den Leichnam, verliert dann aber das Interesse und geht mit ihrem Papierboot in der einen, den Stock in der anderen Hand zum Fluss. Sie hofft auf ihre Freunde, die bald mit ihren Booten kommen sollten. Schliesslich will sie heute gewinnen! 

Freitag, 13. Dezember 2013

Der wiedergefundene Freund - Eine Fabel

Im Hotel zum goldenen Choleriker (höhö wie treffend diese Bezeichnung doch ist) war es, als die Eule mit den bunten Federn auf diesen Praktikanten traf.
Ein kleiner Pfau, kaum grösser als die Eule selbst (oder gar kleiner?), der irgendwie nicht so richtig in diesen Betrieb passen wollte. Er war einfach zu verrückt für das Hotel zum goldenen Choleriker, in dem sich die seltsamsten und exotischsten Kreaturen wiederfanden...
So gab es eine Gestalt, kalt und glatt wie eine Schlange aber mit der Figur einer Giraffe und deren beste Freundin, ebenfalls kalt und glatt wie eine Schlange aber mit der Figur eines Walrosses, welche den Pfau gar nicht mochten. Auch die Eule mit den bunten Federn mochten sie nicht. Überhaupt konnten sie niemanden leiden und verschossen ihre Giftpfeile in alle Richtungen. - Doch dies ist eine andere Geschichte, und soll ein ander Mal erzählt werden...
Der Pfau gab sich gänzlich unbeeindruckt von deren Herrschaft. Schliesslich existierten noch eine Löwin, eine Maus und eine Eule, welche ihm wohlgesonnen waren.
Der cholerische Chef war dem Pfau alles andere als zugetan. Zweifelte er doch an den Fähigkeiten des Pfauen. So fluchte er täglich über die eigene Kurzsichtigkeit und Dummheit, hatte der Pfau doch bereits den langersehnten Lehrvertrag in der Tasche.
Leider sollte der Pfau die anderen bald verlassen, um sich für eine kurze Zeit anderen Aufgaben zu widmen. Eine bittere Lehre blieb an seiner Stelle zurück. Seine geistreichen Spässe konnten auch von den Affen aus der Küche nicht überboten werden, trotz dem sie in diesem Glauben lebten...
Als der Pfau seine Ausbildung beginnen sollte, war die Eule jedoch bereits nicht mehr dort, und so sollten sich die beiden aus den Augen verlieren...
Zwei Jahre später trafen sie wieder aufeinander und waren noch immer ein Herz und eine Seele. Der Pfau hatte ein wunderschönes Federkleid bekommen, von welchem er, mit gespaltener Zunge, sagte, es werde noch viel schöner werden... Sein Herz noch immer am rechten Fleck, wenn man auch über den Verstand in Zweifel geraten könnte... Nicht dass die Eule dies jemals tun würde. Es sind immer die anderen.

Der Pfau wird auf Dauer einen festen Platz im Herzen der Eule mit den bunten Federn haben, mochte sie die "Verrückten" doch immer am meisten.

Montag, 9. Dezember 2013

Der geizige Rassist

Aus wahrhaftiger Angst davor, er könnte mich mit seinem Lieferwagen überfahren, verzichte auf den Gebrauch seines richtigen Namens und auch darauf, sein Hotel zu erwähnen. Gesagt sei so viel: Es ist ein Hotel, das einen dieser, in der Schweiz üblichen Namen trägt wie:
Hotel zum goldenen Ochsen, Gasthof zum Bären, Hotel Krone, Landgasthof König, Restaurant Sonne, Gasthof Löwen...
Der Besitzer, im wahrsten Sinne des Wortes ein Choleriker, wie er im Lexikon beschrieben steht. Geizig und rassistisch noch dazu. Obschon er zum Sous-Chef Z aus Deutschland sagt, er solle dahin zurück gehen, wo er hergekommen ist, beschäftigt er ihn, da er ihm weniger Lohn bezahlen muss. Einmal brüllte der Choleriker durch die Küche (sodass es jeder Gast hören konnte): "Z! Du deutscher Nichtsnutz! Es reicht mir mit Dir! Du bist wahrhaftig eine Geldverschwendung! Die nächste Grenze ist gleich bei Laufenburg! Verschwinde aus meiner Küche und mach Dich auf den Weg über die Grenze! Euch Gesindel kann man für nichts gebrauchen!"

A, sein Spühler, kommt ursprünglich aus Namibia. Obschon er sich täglich über diesen "Abschaum" aufregt, behält er ihn - des Geldes wegen. Eines Tages hat er sich bei mir darüber beklagt: "Dahinten musste ich einen Wohnblock kaufen, damit ich diesen afrikanischen Abschaum irgendwo unterbringen konnte! Diesem Gesindel gibt doch keiner eine Unterkunft! Miete bezhalen die natürlich auch nicht! Ich ziehe es ihm vom Lohn ab! Fressen tut er ja ohnehin hier! Und der frisst weiss Gott viel! Von der Hungersnot da unten ist nichts zu sehen! Der frisst wie ein Mähdrescher, aber ist nach wie vor so mager! Das ist keine Armut da unten! Das liegt an den Genen! Gebrauchen kann man den auch nicht! Aber sonst gibt dem ja niemand Arbeit! Ich schon! Und was ist der Dank?! Häh?! Ich muss mich tagtäglich über diesen Dreckskerl aufregen!"

 Dann gibt es da noch K, einen Kongoaner, der eines der drei Restaurants alleine schmeisst. Der Dank dafür ist ein Lohn von knapp CHF 2000,- und tägliche Rügen. Jeden Tag kommt K vor der Zeit zur Arbeit und macht einen verdammt guten Job. Ehrlichgesagt, für diesen Hungerslohn hätte ich mich nicht dermassen ins Zeug gelegt. Im sicheren Glauben, K werde immer bei ihm bleiben, behandelt er ihn wie den letzten Dreck. Es gab einen Tag, an dem K den Choleriker am Hemdkragen packte und zum Schlag ausholte. Der sonst so stolze und erhabene Choleriker wimmerte nahezu und kreischte nach Z, der ihm zu Hilfe eilen sollte. Z konnte das Schlimmste verhindern. Seit dem Tag nimmt sich der Choleriker ein klein wenig zurück, wenn es um K geht.


Die eine Lehrtochter, eine gebürtige Türkin, die in der Schweiz aufgewachsen ist und perfekt Mundart spricht, ist ihm ein Dorn im Auge. So wehklagte er einst seinem Stammtisch: "So weit sind wir schon in diesem Land! Meine Lehrtochter ist eine Türkin! Jetzt muss ich schon die Türken aushalten! Seht Euch um! Manchmal glaube ich mich in Afrika! Gerade mal zwei Schweizer arbeiten für mich! Der Rest kommt aus Afrika, der Mongolei, Ägypten und der Türkei! Wenn das so weitergeht mache ich bald zu! Hänge ein mächtiges Schild an die Tür mit der Aufschrift: WEGEN ZU VIEL ABSCHAUM GESCHLOSSEN!"