Sonntag, 28. Dezember 2014

Nahezu fossile EDV

Zeigte sich ein Gast recht echauffiert über die Aktualität unserer Gästecomputer, welche ausschliesslich für unsere Businessgäste zugänglich waren.
Erst funktionierte der USB-Stick nicht, worauf der Herr meinte, ich könne diese fossilen Computer auf die nächste Müllkippe bringen. Ich überlegte kurz, ob ich nicht entgegnen soll "ein Muesum wäre doch bei fossilen Computern ein viel besserer Abnehmer.", habe es dann aber unterlassen. Er schnaubte und fügte hinzu, dass so etwas eine regelrechte Zumutung sei! So etwas könne doch in der heutigen Zeit nicht wahr sein! 
Er wollte mir die Unterlagen dann per E-Mail senden, was sich aufgrund von Wartungsarbeiten am Mailserver, welche natürlich gerade in dieser halben Stunde stattgefunden hatten, verzögert hätte. Also fragte ich, ob er nicht einen anderen Stick, habe und es mit jenem nochmal versuchen möchte. 
Kurz darauf kam er wieder mit einem anderen Stick vorbei. Er grinste mich an und meinte, er versuche es noch mit jenem. Ein Jauchzen war zu vernehmen und er schrie, er habe Erfolg! Der Stick funktioniere! Was war ich erleichtert. ^_^
Während der Tintenstrahldrucker *hust* seine Arbeit tat, kam der Herr wieder zu mir und fragte, ob die Drucker aus dem Jahre 1992 stammten. Damals hätte man sich mit solch antiquierten Modellen abmühen müssen.
Er wisse, ich könne nichts für die minderwertige Ausstattung des Gästecorners, aber er möchte mir dennoch sagen, dass er kürzlich in Amsterdam gewesen sei, den Namen des Hotels habe er vergessen, aber da sei ein jeder Meetingraum mit einem Drucker ausgestattet.Wir sollen uns doch mal Gedanken darüber machen. Denn schliesslich nutze ihm der schönste Raum nichts, wenn er dann so etwas zum Drucken vorgesetzt bekomme.
Er ging wieder zurück zu seinen Gästen um nach ca. 10 Minuten wieder zu kommen, um sein Druckerzeugnis abzuholen. Beim Eingang zum Gästecorner lauschte er erst und meinte dann ganz bestürzt, dass das Ding ja immernoch nicht fertig ausgedruckt habe. Ein amüsiertes Lächeln konnte ich mir da nicht mehr verkneifen. Er meinte dann, es sei wirklich eine Zumutung in einem V--I--P--Bereich mit solchen Urgesteinen arbeiten zu müssen. Wenn er 100 Seiten zum Ausdrucken habe, müsse er ja einen Tag früher anreisen. Ich lachte amüsiert und nickte. Auch er war bereits nicht mehr sauer, sondern leicht amüsiert - oder auch bereits so sehr in seiner Verzweiflung, dass sein Zustand in latenten Wahnsinn überging?
Er habe sich einen anderen Standart versprochen. Sein Homeoffice wäre ja besser ausgestattet! Er habe 3(!) Laserdrucker darin stehen! Einer davon ist in Farbe. Die kosten heute auch nicht mehr alle Welt! So fragte er dann ob ich denn noch einen TINTENSTRAHLdrucker zu hause hätte? "Nein, auch ich habe zwei Laserdrucker - einer davon in Farbe." Nun lachte er laut los und meinte nur: "Sehen Sie?"
Unterdessen war der Drucker mit der Arbeit fertig. Als der Gast mit seinen Papieren wieder an mir vorbeiging meinte er nur, ich solle ihn bitte zitieren und dies alles meinen Vorgesetzten mitteilen.
Sehr gerne -_^

Zugegeben, als er Anfangs maulte, dachte ich nur "schon wieder einer dieser gestressten Businesstypen", doch seine Aussagen waren so schön, dass ich ihn zum Schluss richtig mochte. Schliesslich hatte er ja nicht ganz Unrecht...

Eigentlich hätte ich mir seinen Namen heraussuchen und ihm eine Dankeskarte schicken sollen - ausgedruckt auf dem Tintenstrahldrucker. Er erhellte meinen tristen Tag in jenem düsteren Hotel doch erheblich ^_^ 



Sprechende Fahrstühle und fehlende Meeting-Etagen

Kommt ein gänzlich aufgelöster (erst jetzt während dem Umschreiben dieser Erzählung fällt mir auf, wie makaber das klingt... Ein gänzlich aufgelöster Gast, wäre wohl kaum noch in der Lage, irgendwo hin zu gehen...naja), ja ver(w)irrter Gast zu mir gestürmt. 
"Sie! Verzeihen Sie bitte! Können Sie mir vielleicht helfen? Ich habe ein Meeting in der 14. Etage. Aber der Fahrstuhl sagt, dass sich dort nur das Parkhaus befindet?"
Erstmal bin ich mir nicht sicher, ob ich über die Existenz eines sprechenden Fahrstuhls erstaunt sein, oder ob ich so tun sollte, als hätte er das nicht gerade eben gesagt. Ich entscheide mich schliesslich für Letzteres und antworte ihm, dass sich in der 14. Etage auch Meetingräume befinden. Beruhigt und doch etwas misstrauisch geht er zu den Fahrstühlen, schaut kurz in die Kabine um dann wieder zu mir zurückzukommen: "Sind Sie sich da auch wirklich sicher? Da steht wirklich nur Parking."
"Nein, sicher bin ich mir nicht. Selbst war ich noch nie da oben. Aber meine Kollegen reden immer davon. Kommen Sie, gehen wir doch zusammen nachschauen.", würde ich gerne zur Antwort geben. Anstelle davon sage ich nur, dass ich mir dessen ganz sicher bin und sich nebst dem Parking auch Meetinräume da oben befinden.

Ein Arbeitskollege von mir meinte nur: "Hättest doch sagen sollen: WAS?! Da oben gibt es gar keine Räume?! Meine Kollegen haben mich demnach immer verarscht, wenn sie gesagt haben, sie gehen nach oben! Was für eine masslose Frechheit!"

13.12.2013

Anmerkung: 
2014 habe ich Japan in einem Airporthotel um die Existenz sprechender Fahrstühle erfahren. Beim betreten der Kabine wünschen sie einen guten Tag, dann weisen sie daraufhin, dass die gewünschte Etage erreicht wurde und man vorsichtig aussteigen soll. Beim Aussteigen auf einer Etage, wünschen die Fahrstühle einen angenehmen Aufenthalt. Verlässt man die Kabine in der Lobby wünschen sie einen schönen Tag. 
Nun braucht es wahrlich keine Liftboys mehr... schade. 

Wo aller Anstand fehlt

Eine riesige Veranstaltung gibt es heute zu bewältigen. Wir alle nennen sie nur "Das grosse Fressen", denn etwas anderes ist es nicht. Rund 600 Gäste sind gemeldet. Erfahrungswerte zeigten, dass sich diese 600 sehr hungrigen Menschen den ganzen Tag in der Nähe des Buffets aufhalten und drei bis viermal Nachschlag holen. Man muss sich all diese Menschen, dicht aneinandergedrängt in einem engen Foyer vorstellen. Am besten schaut man sich dazu Bilder überfüllter japanischer Züge an und denkt sich einfach ein 10 Meter langes Buffet und eine Reihe Stehtische dazu.
Andererseits erinnert es auch an eine Viehherde. Unsereins denkt dabei natürlich gleich an Schlachtvieh beim Verzehr der Henkersmalzeit ehe es seinen letzten Gang über das grüne Lenoleum gen Old Sparkey antritt. Jener Anblick zeigt mal wieder auf, dass der Mensch nicht anders ist als Vieh - mit der Ausnahme, dass er sich gegenseitig abschlachtet - meist im Namen der Religion. So ist der Kirche Vergangenheit von einem mit dem Blut Unschuldiger (aka Ungläubiger/Hexen) durchtränkten Leichentuch bedeckt. Aber ich schweife ab - wie so oft -_^
In diesem Jahr jedoch, sollte es nicht ganz so arg werden, war doch wunderbares Wetter gemeldet, weshalb eine Vielzahl an Gästen ausblieb.

Ich erspähe drei Teller bei der Bierzapfanlage, wo noch immer diese inzwischen betrunkenen Ukrainer stehen, und räume sie ab. Als ich zurückkomme hält mir ein Deutscher eine Colaflasche vors Gesicht: "Können Sie mir mal helfen?!" Da ich absolut keine Ahnung habe, worauf der gute Mann hinaus will, frage ich, trotz seines scharfen Tones, noch freundlich nach: "Entschuldigen Sie, wobei denn?" Der Mann, der unverkennbar auf dem Rücken eines Vollblüters im Jagdgalopp durch die Kinderstube gehetzt war, rollt mit den Augen und hat dann tatsächlich den Nerv mir folgende Worte entgegen zu schleudern: "Die Flasche festhalten, damit ich sie öffnen kann! Sind Sie ein Idiot?!" Das wars. Hilfsbereit halte ich die Flasche fest und sage: "Liebend gerne halte ich Ihnen, der kein Idiot ist, die Flasche fest, damit Sie sie öffnen können!" Er schüttelt genervt den Kopf, rollt mit den Augen und beugt sich kurz übers Getränkebuffet um sich des Flaschenöffners zu entledigen. Die in mir aufkeimende Wut drängt mich dazu, ihm in diesem Moment einen kräftigen Arschtritt zu verpassen, damit er filmreif übers ganze Getränkebuffet fliegt. Die rationaldenkende Seite in mir, hält mich gerade noch davon ab. Schliesslich bin ich auf Arbeit. Also packe ich meine ganze Wut in ein messerscharfes "Bitte sehr der Herr. Sehr gerne geschehen!" Und so gehts wie im Kindergarten weiter. Kommt von ihm ein entnervtes "Danke sehr!!!", worauf ich entgegne: "Bitte sehr! Man darf trotzdem anständig bleiben!" Worauf er meint, "Ja merken Sie sich das! Sie sind diejenige, die keinen Anstand besitzt! Ich bin schliesslich Gast hier!" Mit den Worten dreht er sich ab und macht einen Schritt. Doch ehe er entkommen kann, gebe ich ihm mit belehrendem Ton mit auf den Weg: "Wissen Sie, wie man in den Wald schreit, kommts zurück!" Er schüttelt den Kopf und verschwindet in der Viehherde äh, Menschenmenge. 

Rund 4 Stunden später kommt einer der Veranstalter auf mich zu und fragt, ob ich die Person sei, die mit einem seiner Gäste ein Problem gehabt habe. Zwei Minuten später darf ich mich seiner Assistentin erklären. Als sie und drei weitere Damen, die hinter ihr stehen, hören, dass dieser Mensch mich als Idiot bezeichnet hatte, halten sie erschreckt den Atem an. "Ungeheuerlich!" In der Tat.

Eine meiner Arbeitskolleginnen meint nur, sie bewundere mich, für meine Zurückhaltung, hätte sie ihm wohl links und rechts eine runtergehauen...
In Gedanken male ich mir eine Gegenüberstellung aus: Der Typ, der aus der Haut fährt, weil ich ja keinen Anstand besitze und ich, die das letzte bisschen Geduld verliert, zu allem bereit die Ärmel hochkrempelt und entscchlossen fordert: "Jetzt reichts! Alter komm her! Wir gehen vor die Tür und tragens aus!"

So weit sollte es nicht kommen. Die Angelegenheit war vom Tisch.

- Ein Bericht vom 9.12.2013

Dienstag, 28. Oktober 2014

Nicht von dieser Welt...

Mein Sitznachbar wurde von einem brennenden Gegenstand so heftig am Kopf getroffen, dass er das Bewusstsein verlor. Mit meiner Decke versuchte ich das in Flammen stehende Etwas zu löschen. Sonst hätte ich zusehen müssen, wie sich erst Blasen auf der Haut des Herren auf Sitz 48B gebildet hätten, welche dann aufgeplatzt wären und sich seine Haut in Flammen aufgelöst oder einfach schwarz geworden wäre. Möglicherweise wäre er auch geschmolzen, wie der Typ in Indiana Jones - Jäger des verlorenen Schatzes, dessen Haut und Blut wie flüssiges Wachs gen Boden flossen, bis nur noch das Skelett übrig war.
Einerseits habe ich meinem Sitznachbarn das Leben gerettet, weil ich nicht zusehen wollte, wie seine Augäpfel gen Boden kullern, ich den üblen Geruch nach verbrannter Haut nicht direkt neben mir haben und nicht selbst in Flammen stehen wollte. Mir gefällt meine Haut da wo sie ist und wie sie ist.
Als ich meine Decke weggenommen hatte, erkannte ich, dass der Gegenstand ein verkohltes Baby war. Deswegen hat das Balg also plötzlich aufgehört zu heulen. Alles klar.
Der vordere Teil der Kabine stand in Flammen. Ein blutiger Ball schoss umher, wie ein Pingpongball - nur viel grösser. Grösser und in Gestalt eines Babys. Es war ein weiteres Baby, das nicht gesichert und somit zum Wurfgeschoss mutiert war. Danke liebe Eltern... Danke, dass Ihr Euch an die Sicherheitsvorschriften haltet! Wegen Eurer scheiss ungesicherten Brut, wäre mein Sitznachbar fast verbrannt!
Welche sadistische Gottheit war wohl dafür verantwortlich, dass solche Idioten auf meinem Flug waren?

Es roch nach verbrannten Haaren, nach verbrannter Haut. Menschen schrieen umher. Der Airbus wackelte heftiger als diese eine Jahrmarktsattraktion und drohte förmlich auseinander zu brechen.
Ein Koffer, oder das zermatschte Ding, das vor wenigen Minuten noch ein plärrendes Baby gewesen war, traf mich derart am Kopf, dass auch ich das Bewusstsein verlor und es meinem Sitznachbar gleichtat, in dem ich vor mich hin schlummerte.

Als ich wieder zu mir kam, brüllten diejenigen, die noch nicht dem Flammentod erlegen waren, umher, kletterten in den Trümmern des brennenden Infernos umher und versuchten verzweifelt am leben zu bleiben. Der vordere Teil des Airbus, samt Cockpit war verschwunden. Weggebrochen. Der mittlere Teil war in weiter Ferne auszumachen. Die Maschine war in drei Teile zerbrochen.
Sämtliche Passagiere, die im mittleren Teil gesessen hatten, waren in der Flammenhölle gebraten worden. Mein Sitz, im Heck der Maschine, rettete mir das Leben - vorerst.
Ich wollte aufstehen und davon laufen, doch wurde ich durch etwas im Sitz gehalten. Panik kam auf. Dann erst realisierte ich den noch immer geschlossenen Sicherheitsgurt. Ich hatte mich immer über die Menschen lustig gemacht, die eine Flugzeugkatastrophe nur nicht überlebt hatten, weil sie zu doof waren, den Sicherheitsgurt zu öffnen. Tja... Hochmut kommt vor dem Fall, was? Nun gehörte ich auch zu diesen Idioten. Zumindest fast, denn ich konnte den Gurt noch rechtzeitig öffnen - glaubte ich. Doch dann hörte ich wieder dieses Geräusch. Ein Röcheln. Ein Schnauben. Etwas, das ich zuvor für einen technischen Defekt gehalten hatte. Es war kein technischer Defekt. Es war etwas Unmenschliches. Es war wie eine Art Knurren einer Bestie. Nicht von einem Tier. Nicht von einem Menschen. Von einer, aus einem Horrorroman entsprungenen Kreatur, die Tod und Verdammnis bringen würde. Nun konnte ich die Umrisse erkennen. Die Kreatur befand sich etwa 10 Sitzreihen vor mir. Hatte sie mich gesehen? Sie hatte mich gesehen. Wir blickten einander direkt in die Augen. Sie blickte in meine verängstigten Blauen und ich in seine leblosen Schwarzen. Das Röcheln wurde stärker und lauter. Ich sah Klauen und messerscharfe Zähne. Die Gestalt schoss auf mich zu. Ich würde sterben.

Als ich die Augen öffnete, war die Kreatur verschwunden. Das Knurren war noch da. Es dauerte einen Moment bis ich begriff, dass das alles nur ein Traum war und ich mich in diesem Hostel befand. Es dauerte einen weiteren Moment, bis ich begriff, dass das Röcheln und Knurren, von dem ich noch immer behaupte, dass es unmenschlich war, nichts anderes war, als das Schnarchen, der Person neben mir...
Ich drückte mir das Kissen aufs Ohr und zog die Decke über den Kopf, was diese bestialischen Laute allerdings nur leicht dämmten. Es hörte sich an, als wäre dieses Geschnarche mit Dolby Surround Sound ausgestattet. Es war nicht von dieser Welt...
Ich dachte an Homer Simpson, wie er aus dem Fenster brüllt "Kann ich endlich mal Ruhe haben!". Mir fiel "Das kleine Arschloch" ein, mit den Worten "Sie hören nun, sehr seltsame Geräusche."
Ich dachte an meinen Eispickel und daran, die Kreatur neben mir zu erstechen, einfach damit ich in Ruhe schlafen konnte... Den Eispickel hätte man mir beim Sicherheits-Check am Flughafen ohnehin abgenommen, daher musste ich mich meinem Schicksal - einer schlaflosen Nacht, fügen...

Morgen werde ich mir Oropax besorgen...

Montag, 13. Oktober 2014

Trendy Mandy - in loving Memory

Armando C. ist ein Leichnam und ruht rund 2 Meter tief unter der Erdoberfläche. Zu Lebzeiten hat er diese mit knappen 155cm überragt und mit ca 45kg belastet. Er hat ihr also nicht geschadet, doch das Leben schadete ihm und zwar dergestalt, dass er keinen anderen Ausweg sah und 2010 seinen Ausstieg gab.
Als ich durch seinen damaligen Freund, dessen Namen ich mir aus reiner Dekadenz partout nicht merken wollte, vom Tod meines besten Freundes erfahren musste, starb ein Teil von mir.
Den Namen dieses Menschen, werde ich eventuell in meinem Moleskine über das Jahr 2010 notiert haben. Vielleicht aber auch nicht. Als er mich anrief und seinen Namen nannte, wusste ich jedenfalls nicht, mit wessen verheulter Stimme ich da das Vergnügen hatte und fragte recht barsch nach. Erst als Du sagtest, Du seist Mandos Freund, dämmerte es mir. Da war ja jemand... Das war die einzig nette Geste seinerseits. Dass er mich über den Tod von meinem Bunny informiert hatte. Aus reinem Pflichtbewusstsein heraus, lud er mich sogar zur Beerdigung ein. Was hat er angenommen, was ich da tun würde? Ehe sie Mandy's Holzkiste in der Erde versenkten, seinen Körper leblos prügeln und in das Loch werfen? Wäre ich zur Beisetzung gegangen, wäre wohl neben Armando's Leiche auch noch die seines "Freundes" verscharrt worden...

Trendy Mandy

Dein lebloser Körper lag bei -8°C in einem, für Leichenschauhäuser typischen, Kühlschrank. Bei dieser Temperatur können sich Bakterien kaum vermehren und so wird die Autolyse hinausgezögert.
Schliesslich wurdest Du in einem hölzernen Sarg unter die Erde gebracht. Hierzulande ruht man auf einer saugfähigen Matratze, welche die letzen Flüssigkeiten aufsaugt. Anderswo wärest Du auf Stroh, Sägemehl oder Torf gebettet worden. Nett.
Der Sarg besteht aus Holz, weil er luftdurchlässig ist, sprich der Sauerstoff gelangt aus dem Boden in den Sarg, sodass der Körper gut verwesen kann - anstatt einfach zu verfaulen.
Wenn wir nun wüssten, wieviel Sauerstoff und Wasser in der Erde ist, unter der Du begraben liegst, könnte man genauer sagen, wie lange der Verwesungsprozess dauert. Aber da uns jenes Wissen verwehrt bleibt, begnügen wir uns mit dem Wissen, dass das Gewebe nach gut 12 Jahren völlig zersetzt ist. Dein Gerippe wird noch etwas länger brauchen. Nach der üblichen Ruhezeit von 30 Jahren wir von Dir nichts mehr übrig sein. Nur noch die Erinnerung an Dich.
Aber freu Dich. Dass Du von Würmern gefressen wirst, ist nur ein Mythos. Denn Würmer leben in einer Tiefe von 30cm und Dein Grab befindet sich gut 2m unter der Erdoberfläche.
Würde man Dich also heute exhumieren, bestünde die Chance, dass man Dich noch annähernd erkennen würde. Ich sage das nur für den Fall, dass jemand eine indianische Grabstädte finden und Friedhof der Kuscheltiere Realität werden lassen möchte...

Im Internet haben wir uns damals kennen gelernt. Schliesslich waren wir in Aarau am Bahnhof verabredet. Den würdest Du heute übrigens gar nicht wieder erkennen. Unseren Treffpunkt gibt es gar nicht mehr. Na ja. Ich sah Dein Gesicht in der Menge. Das angepisste Gesicht eines kleinen Thai, der mit finsterer Miene die Menge nach mir absuchte. Ich trug diese weisse lange Bluse, von der Du immer als den "Ärtzekittel" gesprochen hattest. Ich habe dieses Teil immer noch in meinem Schrank hängen. Habe sie aber seit Deinem Tod nie mehr getragen. Aber das ist wohl mehr Zufall. Aber vielleicht würde ich dann auch permanent an Dich und unsere gemeinsame Zeit denken und wie ein Schlosshund heulen.
Jedenfalls warst Du immer ehrlich, manchmal verletzend ehrlich, aber ehrlich. Du hast mir immer gesagt, ob mir etwas steht oder nicht. Beim Shoppen muss ich daher oft an Dich denken. Aber andererseits sind einige Jahre verstrichen und ich weiss mich nun einzukleiden -_^
Du wirst jetzt auf Deiner Wolke sitzen und Dir Deinen Teil dazu denken. Nur Geduld, wir werden uns wieder sehen und dann können wir uns bis in alle Ewigkeit austauschen.
Ein Lächeln legte sich über das zuvor noch finstere Gesicht. Du hättest einfach keinen Bock neue Leute zu treffen, war die Antwort auf die Frage nach der finsteren Miene. Wir waren uns jedoch gleich sympathisch und quatschten über alles und jeden. Es war so, als kannten wir uns schon seit Jahren. So entstand eine innige Freundschaft, die noch über Deinen Tod hinaus geht. Eine Freundschaft, wie wir sie pflegten, werde ich kein zweites Mal erfahren... Es war einzigartig, absolut inkommensurabel.

Es war 2010, als ich mit diesem Praktikum beschäftigt war. Es war das Jahr, in dem Du eine neue Lehrstelle antreten solltest, dies auch tatest - für ca. 2 Wochen. Bis Dir Spott und Hohn zu viel wurden und Du den Entschluss gefasst hast, abzutreten.

Nie werde ich vergessen, wie wir damals, es muss 2003 oder 2004 gewesen sein, in Zürich, entweder am HB oder an der Bahnhofstrasse sassen, und uns über die Kleidung der Leute amüsierten. Erinnerst Du Dich an den Sommer der Nippel? Den Sommer, an dem ein beängstigend grosser Teil der Frauen, beschlossen hatte, ohne BH aus dem Haus zu gehen. Erinnerst Du Dich an die Anblicke? Das würdest Du bestimmt, aber Du bist ja nicht mehr da.

Du hattest diesen Hund, namens Marley. Siehst Du, an dessen Namen erinnere ich mich sogar. Aber an den Deines "Freundes"? Fehlanzeige. War Marley ein Rottweiler? Ich weiss es nicht mehr. Wir waren in Zürich. Unten an der Limmat und haben den warmen Sommertag genossen, gelacht und haben gequatscht und getratscht. Wir waren gut im Tratschen... haha

Nie werde ich unseren Ausflug nach Bern vergessen. Ausgerechnet am heissesten Tag des Jahres fuhren wir dahin. Es war heisser als es die Feuer in der Hölle je sein werden!
Erinnerst Du Dich an den Typen mit seiner Fönstimme? "Gets do ned no es Wasser dezue?" XD

Bunny, ich stelle mir oft die Frage, wäre es anders gekommen wenn... Heute ist so ein Tag, was auch Anlass für diesen Text war...
Wärst Du heute noch da, wenn ich Zeit für Deinen letzten Anruf gehabt hätte? Du warst verzweifelt, wolltest reden. Musstest reden. Ich war immer für Dich da gewesen. Aber nicht zu dem Zeitpunkt, an dem Du mich so dringend gebraucht hattest. Ich war damit beschäftigt eine Bewerbung zu kreieren, für eine Stelle, für die ich dann eine Absage bekommen habe. Haha... ja! Dafür habe ich Deinen Anruf ignoriert und mir gedacht, ich kann ja dann zurück rufen. Als ich das dann irgendwann getan habe, war es zu spät. Da hingst Du bereits, mit einer Schlinge um den Hals, in der Wohnung dieser Kreatur, die sich Deinen "Freund" nannte.
Wärst du heute noch unter uns, wenn Du nicht bei dem hättest wohnen müssen? Bei ihm, wo Du so unglücklich warst? Wärst Du noch unter uns wenn da nicht diese Kreaturen auf der Arbeit gewesen wären, die Dich tagtäglich fertig gemacht haben?
So hast Du mich mit der Schuld, die mich trifft, zurück gelassen. Ich erlebe Höllentage, an denen mich die Schuld aufzufressen droht. Aber sie sind nicht mehr so häufig, wie unmittelbar nach Deinem Abgang.

Trendy Mandy, der Tag wird kommen, an dem ich vor unseren Schöpfer treten und meinen letzten Wunsch äussern darf. Der wird da sein, Dir eine runterhauen zu dürfen.
Eines Tages werden wir uns wieder begegnen. Du wirst Dein jugendliches Antlitz bewahrt haben - ganz wie Dorian Gray. Ich werde dann entweder 29 sein, (falls ich den kommenden Flug nach Japan aufgrund eines Dschihadisten oder so nicht überleben sollte) oder ich werde Dir als alte faltige Frau gegenübertreten. Deine Worte werden dann, wie immer, ehrlicher Natur sein und Du wirst mir sagen, wie scheisse ich mit Falten aussehe... Ich freue mich! ^_^

Trendy Mandy,
Ruhe in Frieden

Dienstag, 9. September 2014

Charlie räumt auf

Da sich der Verfasser überhaupt nicht mit Schusswaffen auskennt und keine Ahnung hat, welcher Art Charlies Waffe war, darf sich der Leser in Gedanken selbst eine aussuchen...

Das hohe und leicht heisere Bellen des Hundes ging seit Stunden. Bereits seit mehreren Tagen. Mehreren Wochen. Eigentlich ging das schon seit 3 Monaten so, seit dem Tag, in der Geschichte der Menschheit, an dem seine höllischen Nachbarn diesen verdammten Köter angeschafft hatten. Den Hund, den sie zuvor hatten, haben sie ins Tierheim gesteckt, weil er angeblich den kleinen David gebissen habe. Selbst wenn das stimmen sollte, wäre es nicht weiter verwunderlich gewesen, zerrte diese gottverdammte Brut ständig an dem armen Tier herum oder zielten mit Fussbällen auf ihn. Charlie wünschte sich innig, dass der Hund, ein Collie - wie Lassie - dem kleinen David, der mit Abstand die lauteste unter den sieben Ausgeburten der Hölle war, anstelle in die Hand gleich die verdammte Halsschlagader durchgekaut hätte. Wunschdenken.

Die tägliche Lärmbelästigung ging schon seit Jahren so. Die sieben Bälger brüllten, krähten, weinten, heulten, johlten, keiften und kreischten tagein tagaus im Garten herum. Das Geräusch des Fussballs, der auf die Hausmauer geschossen wurde, machte Charlie fast wahnsinniger, als das ständige Gekreische.
Gespräche mit den Eltern jener Brut brachten nichts. Die Mutter, mit der Figur einer russischen Rübenbäuerin und dem Auftreten eines Wikingers, brüllte selbst den ganzen Tag herum. Wenn sie nicht ihren mageren Ehemann zur Schnecke machte, dann brüllte sie die Kinder an - aber nie den kleinen David, aus dem würde mal ein Fussballprofi werden - oder keifte Hund und Katze an.

Charlie stellte sich des öfteren die Frage, was er in seinem früheren Leben wohl falsch gemacht hat, dass er mit so etwas bestraft wurde. Er erhielt - wie jeden Tag - keine Antwort darauf.
Er fühlte sich so, als ob sich neben ihm die Pforte zur Hölle aufgetan hätte. Bestialische Kreaturen hausten dort. Und dieser Gestank, der täglich zu ihm herüber drang...

Es war Anfang September, als das hohe Bellen des Hundes plötzlich verstummte. Ziemlich zeitgleich war ein Knall zu vernehmen.
Der miese Köter, lag tot mit einem Loch, so gross wie das Rad eines Autos, ein paar Meter hinter der Stelle, an der er zuvor gestanden und gebellt hatte, im Gras. Gut, das war jetzt gelogen. Das Loch wäre so gross gewesen wenn der Hund selbst grösser gewesen wäre. Da ein West Highland White Terrier aber nicht annähernd die Grösse eines Autorades hat, gab es den Hund nun in doppelter Ausführung. Der Kopf war gerade noch so zu erkennen, endete aber in einem Gemetzel aus Haaren, Blut und Fleisch.

Nils kreischte. Auch seine gleichaltrige Schwester stimmte mit ein. Alsbald kreischten und schluchzten sechs von sieben Kindern. Charlie wollte sie allesamt ins Jenseits befördern. Er legte das Gewehr an und da fiel ein Balg nach dem anderen um. Dem kleinen Tobias zerfetzte er den Schädel. Nicht mal der Zahnarzt hätte dieses Durcheinander von Blut und Fleisch noch identifizieren können. Die Zähne waren irgendwo verstreut oder gar zu Staub zerfallen. Wer weiss das schon?
Charlie lächelte. Sechs. Aber wo war dieser kleine Scheisser? Dieser Superstar? Wo war dieses verdammte Balg nur?!

Da fuhr auch schon der riesige Wagen, ja fast schon ein Lieferwagen, die Einfahrt hoch. David rannte mit seinem neuen Fussball in den Garten. Da kam also die letzte dieser Kreaturen endlich aus ihrem Loch gekrochen.
David kreischte. Charlie zielte - und traf. Das Bein des kleinen David war zerfetzt. Er lag im Gras und kreischte. Charlie dachte sich, dass das auch nicht anders klingt als sonst.
Die Wikingerbraut brüllte. Charlie richtete auch sie hin. Ein Schuss und Ruhe herrschte. Bis auf das Schluchzen und krähen des kleinen David war nichts mehr zu hören.

Als dieser Waschlappen von Vater nach einer weiteren 12-stündigen Schicht nachhause kam und den Garten betrat, starrte er ungläubig in dieses Durcheinander aus Gedärmen, Gliedmassen, Blut und Haaren. Er sah den kleinen David, der mittlerweile verblutet war. Er ging zu den Überresten seiner Frau, oder besser EX-Frau. Sein schmaler Mund verzog sich zu einem Lächeln. Er schaute in den Garten seines Nachbarn. Charlie sass im Schaukelstuhl, trank ein Bier und putzte seine Waffe.
Der Waschlappen von Vater - oder Ex-Vater, trat an den Zaun. Er lächelte und nickte Charlie dankend zu. Charlie deutete rüber zu kommen.
So sassen die Beiden in Charlie's Garten, tranken ein (oder mehrere) Bier und absorbierten den Klang der Stille. 

Sonntag, 31. August 2014

The SANDRIAN CHURCH

Der Medienrummel bei Erscheinen ihres Buches war nicht schlecht. Reporter aus aller Welt wollten ein Interview mit der Autorin bekommen.
In ihrem ersten Buch, erschienen in der Rubrik Erfahrungen, schildert die Autorin die Ereignisse vor, während und nach ihrer Zeit bei den SANDRIANERN.

Sie muss 16 gewesen sein, als sie erstmals Kontakt mit einem Mitglied der SANDRIANER hatte, doch wusste sie nichts von dessen Hintergrund.
Sie wusste auch nicht, dass sie den direkten Weg in deren Fänge beschritt, als ein Praktikum in diesem kleinen düsteren Buchladen des Herrn Sylvius absolvierte.

2 Jahre nach diesem Praktikum fand sie sich in den Fängen der SANDRIANER wieder, deren oberstes Gebot es war, sich den Menschen Untertan zu machen, ihn seelisch zu missbrauchen und zu foltern.
Sie schildert Praktiken der Gehirnwäsche, die auch bei ihr angewendet wurden. Sie sollte die SANDRIANER lieben und ehren. Sollte sich ihnen mit Leib und Seele verschreiben - was sie, um ihr Leben willen, auch tat.
Obschon sie gequält und gedemütigt wurde, unterwarf sie sich dem Orden. Hoffte auf Erlösung. Hoffte auf eine Aufnahme in die höheren Kreise - welche ihr stets verwehrt blieb, witterten die Oberen doch, ihre innere Abneigung gegen den Orden. Niemals hätte sie eine von ihnen sein wollen. Hinterhältig, intrigant, manipulierend, falsch und abgrundtief böse. So war sie weitere Jahre der Folter und Qual ausgesetzt.

Die SANDRIANER, welche ihren Sitz in der SANDRIAN CHURCH hatten (oder noch heute haben), galten nach Aussen hin, als Glaubensgemeinschaft. Als gute Samariter. Doch jeder, der sich etwas näher mit ihnen befasste, und es schaffte, nicht in deren Fänge zu geraten, wusste um die Wahrheit. Erkannte das Böse, das hinter den Backsteinmauern schlummerte.
Man kommt hinein, aber keiner kommt raus... 

Im Dorf wurde gemunkelt, es handle sich um Satanisten. Die Autorin dementierte dies vehement. Hätte sie die Wahl gehabt, hätte sie sich eher der FIRST CHURCH OF SATAN, denn der SANDRIAN CHURCH verschrieben. Aber diese Entscheidung wurde ihr damals von den SANDRIANERN abgenommen. Sie geriet in deren Klauen, an denen das Blut unzähliger Unschuldiger bzw. Ungläubiger haftet.

Nach Erscheinen ihres Buches wurden Stimmen gegen die SANDRIAN CHURCH laut. Die Zeitung BLICK widmete dem Thema ganze 4 Seiten. Die abscheulichen Bilder erhielten sie von einem anonymen Insider, so der Absender. Die Bilder wurden nur zensiert abgedruckt, da man sich nicht der Publikation von Snuff schuldig machen wollte. Im Internet kursierten die Bilder unzensiert nebst weiteren Fotos anderer "Glaubensgemeinschaften". Auf Youtube erschienen gar qualitativ schlechte Handyvideos, welche die Schilderungen der Autorin bestätigten, sich hinterher aber als Fake herausstellten.

Zwei Monate nach Erscheinen der autobiografischen Publikation mit dem Titel THE SANDRIAN CHURCH - Leidensgeschichte einer Abtrünnigen verschwand die Autorin spurlos. Verschwörungstheoretiker glauben, sie sei erneut in die Fänge des Ordens geraten. Nach zahlreichen Leserbriefen und öffentlichen Demos vor dem Bundeshaus in Bern, entschied sich die Zürcher Kantonspolizei doch noch dazu, den Hauptsitz der SANDRIAN CHURCH zu durchsuchen.
Was sie dort vorfanden, sollte die ganze Welt in Staunen versetzen.
Sie fanden nichts. Keinen Folterkeller, keine Leichen, ja noch nicht einmal einen Altar. Der Sitz erinnerte mehr an eine Hippie-Kommune, denn an einen Sektentempel, meinte der Sprecher der KaPoZürich.

Auf zahlreichen Webseiten lässt sich nachlesen, was Verschwörungstheoretiker zum Verschwinden der Autorin äussern. Diese behaupten, die SANDRIANER hätten lange genug Zeit gehabt, ihren Sitz auszuräumen, um ihn friedvoll wirken zu lassen. Wer weiss, was sich da im Keller abspielt?
Für die Polizei ist der Fall erledigt. Ein waghalsiger Journalist schlich sich bei den SANDRIANERN ein, und wurde die wieder gesehen, so verkünden es zumindest die Webseiten.

Wenn man den Schilderungen der Autorin Glauben schenken kann, und besonderes Augenmerk auf das Kapitel legt, in dem sie die Methoden beschreibt, mit denen Abtrünnige zu Tode gefoltert wurden, können wir nur hoffen, dass sie nicht mehr lebt.

Andere Seiten meinen ja, das Buch wäre ein riesengrosses Fake. Fiktiver Dünnschiss einer Frau, die einfach ein bisschen Aufmerksamkeit und Geld wollte, sich mit besagtem Geld irgendwo ins Ausland abgesetzt hat und sich über uns kaputt lacht.

Gestern wurde auf Youtube ein neues "Enthüllungsvideo" hochgeladen - und bereits weniger Minuten wieder gelöscht. Die Botschaft war:

Hütet Euch vor den SANDRIANERN. Sie sind überall. Sie sind unaufhaltsam... 

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Diese Geschichte ist Désirée Hasler (wuhuuu i ha mol ned Frey gseit) gewidmet... 

Freitag, 8. August 2014

Von der Vielfalt erschlagen

Seit über 30 Jahren nun, arbeitete sie als Buchhändlerin. Sie liebte ihren Job. Sie liebte Bücher. Sie liebte diese anderen Welten, in die sie stetig eintauchen und sich darin verlieren konnte. Es war ihre Flucht aus der Realität.
Sie mochte die meisten Kunden. Wirklich. Doch manchmal kam es vor, dass sie mal jemanden nicht mochte. Ja geradezu verabscheute. 30 Jahre in diesem Betrieb. Und seit 10 Jahren kam diese eine boshafte Kundin des öfteren vorbei. Sie hatte die Schnauze voll. Gestern sollte der letzte Tag gewesen sein, an dem sie sich von dieser Person anherrschen lassen musste… 

Es geschah in der Woche darauf. Sie war alleine in der Buchhandlung und wollte gerade schliessen, als dieses Weib in den Laden gestürmt kam. Schon beim Eingang krähte sie, ob ihr Buch denn noch immer nicht eingetroffen sei! Wieder beklagte sie sich über den laschen Service, und dass sie ihre Ware künftig bei Amazon beziehen werde - damit drohte sie bereits seit 5 Jahren. 
Wieder herrschte sie sie an. Wieder warf sie ihr vor, wie unfähig sie doch in ihrem Job war. Wieder sagte sie, dass sie nicht verstehen könne, wie eine so unfähige Person, so lange in diesem Beruf arbeiten konnte… 

Während die abscheuliche Kundin, in den Grusskarten stöbernd, mit dem Rücken zu ihr stehend, weitere Beleidigungen von sich gab, griff die Buchhändlerin nach Claude Cueni’s Script Avenue und schlug diesem Reibeisen von Frau damit auf den Kopf. Sie schlug nochmals zu. Und noch einmal. 637 Seiten in Karton gebunden, schossen auf die, mittlerweile am Boden liegende Frau ein. Die Blutspritzer passten farblich perfekt zu den Lettern der SCRIPT AVENUE. Da dieses Buch bereits recht lädiert war, spazierte sie in aller Ruhe zum Regal mit dem Buchstaben L und griff nach dem Marginalienband von Jonathan Littell’s Die Wohlgesinnten. Nicht etwa wegen der Thematik, sondern wegen des Gewichts der 1482 Seiten im Kartonschuber. Die Kundin versuchte sich aufzurappeln. Die Buchhändlerin stellte sich direkt vor sie hin, schüttelte den Kopf und verkündete mit fiesem Lächeln, dass sie der Kundin Attacken und Sticheleien hier und jetzt für immer beenden werde. Der Blick angsterfüllte Blick der Kundin freute die Buchhändlerin. Sie zückte ihr iPhone und schoss ein Foto. Als das Smartphone wieder in ihrer Hosentasche versunken war, schmetterte sie die 1482 Seiten im Kartonschuber ins Gesicht der Kundin. Diese schrie unter Qualen auf. Ihre Wange und die Lippe waren aufgeplatzt. Das rechte Ohr zerfleddert. Sie begann wimmernd um ihr Leben zu flehen, ja sie bettelte geradezu. Obschon dies der Buchhändlerin eine gewisse Genugtuung verschaffte, prügelte diese weiter auf ihr Opfer ein. Irgendwann hielt sie inne und begann ihr Opfer mit allen möglichen Büchern zu bewerfen. Zuerst kam Nora Roberts geflogen. Darauf ein Taschenbuch von Danielle Steel, gefolgt von David Baldacci’s Schnulze und dem neuen Nicholas Sparks. 
Sie rollte die Reclam-Ausgabe von Hauptmann’s Bahnwärter Thiel zusammen, drückte sie ihrem Opfer ins rechte Auge und bohrte solange darin herum, bis sie den Augapfel entnommen hatte.
Danach holte sie den Brieföffner, stiess diesen in des Opfers Unterleib und zog ihn mit aller Kraft nach oben. Sie hatte unterschätzt, wie viel Kraft ein so stumpfer Gegenstand kostete. Dennoch blieb sie hartnäckig und schlitzte weiter, bis sich der Bauch auftat und die Eingeweide heraus quellten. Ihr Opfer starrte ungläubig mit zwei geschwollenen Augen auf die Wunde im Bauch. Die Buchhändlerin begann damit, ihr Opfer auszuweiden… 

Die Kunden, die am darauffolgenden Tag die Buchhandlung betraten, waren erst geschockt, dann entzückt. Sie machten der Buchhändlerin zahlreiche Komplimente über die diesjährige Halloween-Dekoration. Sie habe sich mal wieder selbst übertroffen! 

Vom Eingang bis zur Kellertreppe hin zog sich eine breite Blutspur durch den gesamten kleinen Laden. 
Neben der Kasse befand sich ein kleiner Aufsteller, dessen Schriftzug „Top Titel“ verkündete. Darunter lagen die beiden zerbeulten und rotbraun gefärbten Tatwaffen.

Der ausgehöhlte Torso hing in der Abteilung für Kunst und Lifestyle. In der Bauchhöhle brannte eine Glühbirne und spendete etwas Licht. Ein Kunde fragte gar, ob er diese Lampe kaufen könnte?! Die wäre einfach grossartig! Auf dem obersten Regal der Horror-Abteilung thronte ein Kopf mit leeren Augenhöhlen. Die Augen lagen in einer gusseisernen Schale in der Okkultismus-Abteilung. 
Die abgetrennten Gliedmassen lagen auf der Pyramide mit den Krimis, welche allesamt mit Blut verschmiert waren. 
Die Gedärme waren liebevoll um die kleine Pyramide mit dem Buch des Monats drapiert. Darauf befand sich das Buch Darm mit Charme. 

Donnerstag, 3. Juli 2014

Pendler-Horror #01

Erst echauffiert sich eine Frau mittleren Alters darüber, dass sich dreiste (eher schlaftrunkene) Menschen in Abteile setzen, deren Fenster mit dem verhassten (besonders bei Durchsagen wie "Zwei Wagen im Sektor D sind geschlossen") "RESERVIERT"-Schild versehen sind. Nachdem sie, gehässigen Tones, erfolgreich alle Menschen in die Flucht geschlagen hat, kehrt für gute 2 Minuten Ruhe ein... Niemand ahnt etwas, vom Grauen, das sich, virusartig sogleich in Gestalt bellender Teenies in den "RESERVIERT"-Abteilen aufteilt. Es wird gekreischt, gelacht, laute Musik gehört und einmal mehr wird demonstriert, dass die Installation dieser Klapptische eine überaus schlechte Idee war, wird doch in gesundem Rhythmus damit Krach gemacht. Und wieder saust die Platte herunter. Und wieder... Und ich würde gerne die Hand des Übeltäters dazwischen legen und so lange (und ausdauernd) mit der Tischplatte darauf schlagen, bis von einst fensten Knochen nur noch feine Splitter übrig sind. In Anbetracht dessen, dass Jemand dieses Blutbad würde aufwischen müssen und mir wohlmöglich eine Geldstrafe auferlegt würde, welche jedoch aufgrund der milden Tat genauso milde ausfallen dürfte, lasse ich es bleiben. Wenn ich es auf eine mehrjährige Haftstrafe und Geldbussen in Millionenhöhe anlegen würde, lüde ich einfach eine Raubkopie eines Films im Internet hoch. Aber mir gefällt es doch recht gut in Freiheit zu leben. 

Am HB angekommen ergiesst sich die Menschenmasse übers Perron. Auch die kreischenden Halbwüchsigen sind mitdabei und übertönen sogar das Quietschen des bremsenden Zuges auf dem Gleis nebenan.

Kurz vor der Rolltreppe, welche mich gleich zum Perron 44 führen wird, werde ich von einem Rollkoffer erfasst. Er rollt dreist über meine Füsse und wird von eben diesen sogleich weggekickt. Der sich in Eile befindende Businessman dreht verdutzt den Kopf. An der Stelle, an der eine Entschuldigung ausgesprochen werden sollte, ertönt lediglich ein seichtes "Oh". In Anbetracht der Zeitenwende, sollte man sich mit einem "Oh" schon zufrieden geben. Schliesslich gäbe es noch drei weitere Möglichkeiten:
a) perfektionierte Ignoranz
b) man wird aggressiven Tones angepöbelt
c) von einem, sicherlich ungewaschenen und daher höchst unhygienischen, Messer wird man durchlöchert

Auf der Rolltreppe kämpfen zwei Mittelalte ums Überleben. Zumindest lässt dieses hitzige Kopf-an-Kopf-Rennen dies vermuten. 

Ilegalerweise halte ich mich vor der 1. Klasse auf und freue mich auf einen hoffentlich nicht so turbulenten Arbeitstag.

NS: mittlerweile befinde ich mich, diesen Beitrag auf meinem iPhone tippend, im IC gen Olten. Der Geruch der Exkremente, die der Toilettenbenutzer gerade ausgeschieden hat, verteilt sich im ganzen Waggon. 
Morgen werde ich mir das Buch vom freundlichen Darm zu Gemüte führen. Und eventuell noch eines über Lüftungssysteme für Zugstoiletten. Dazu noch eines über DIY-Störsender für Handys. Einfach weil mich die Telefongespräche zu so später Stunde (eigentlich egal zu welcher) nicht interessieren. Weder das in den Kongo oder nach Nigeria (diese Sprachen sind recht schwer auseinanderzuhalten). Auch nicht das eine nach Deutschland. 

In dem Sinne: gepriesen seiest Du, Steve Jobbs, und Deine Ingenieure! Hoch lebe mein iPod!

Donnerstag, 29. Mai 2014

Wenn das Telefon nicht mehr klingelt - eine Reise durch die Wirren der Cablecom

Dieses Ereignis würde, wäre es denn ein Buch, veröffentlicht bei BASTEI LÜBBE in der Reihe "Erfahrungen", den Titel tragen: "In den Fängen der Cablecom - Der harte Überlebenskampf einer Familie ohne Internet und Telefon"

Es war ein warmer Tag im Frühsommer, als der TV die Sender plötzlich nicht mehr in gewohntem (unvorteilhaftem) HD ausstrahlte. Störungen. Der digital receiver war defekt.
So rief mein Vater bei der CABLECOM an und wurde fast schon genötigt sich doch für die HORIZON-Box zu entscheiden. Nach langem Gerede wurde gleich telefonisch ein neuer Vertrag aufgesetzt. Kurz darauf erhielten wir die HORIZON... just to make bad things worse

Am Tag danach funktionierte noch immer nichts. Wieder wurde mit dem Kundendienst telefoniert.
Irgendwann funktionierte dann der Fernseher wieder. Doch der PC meines Vaters wollte sich nicht mit dem Internet verbinden (mein iMac hatte zu diesem Zeitpunkt noch die volle Verbindung -_^). Auch unser Telefon war dann tot.

Wieder rief mein Vater bei der CABLECOM an, langsam nicht mehr so geduldig und auch nicht mehr ganz so freundlich. Wieder hiess es, "bis morgen Abend wird es gehen."

Schliesslich kam ein "Fachmann" vorbei. Fachmann... Er schaute sich das Gerät an. Steckte alle Stecker erneut ein und aus. Installierte die HORIZON neu und meinte, das wars. Mehr könne er auch nicht machen. Er verstehe nicht, warum der PC meines Vaters keine Internetverbindung herstellen könne... Ob die Tochter (also ich) ein Notebook habe, das er sich mal ausborgen könne? Auf den empörten und sehr viel sagenden Blick meiner Mutter, meinte er dann sogleich, dass es auch ohne gehen würde.
Der "Fachmann" ging in den Feierabend - und ward nicht mehr gesehen. Zurück blieb eine Familie ohne funktionierendes Telefon und einem internetlosen Computer.

Am Tag darauf, es war ein Donnerstag, war ich mehr denn je auf eine Internetverbindung angewiesen, hatte ich doch einen Auftrag erhalten, eine neue Webseite zu erstellen. Mein iMac sagte mir aber, dass es kein Netzwerk "M." mehr geben würde. AAAAAAAAAAA!
Wurde unser Modem abgeschaltet, da wir mit der HORIZON ja kein Modem mehr brauchten... Bis morgen Abend wird es dann alles funktionieren, hiess erneut seitens CABLECOM.

Ich installierte die Box erneut und fragte mich, wieso das Kennwort, welches auf der Box aufgedruckt ist, denn FALSCH sei... Denn unser W-LAN war da - mit einem neuen Namen. Nur hatten wir keinen Zugriff darauf.
Schliesslich stellte sich dann heraus, dass der "Fachmann" das Kennwort der HORIZON in das Kennwort unseres W-LAN's geändert hatte. Allerdings hatte er nicht kapiert dass "PW" für Passwort steht und keinesfalls mit ins Passwort des W-LAN's gehörte... So änderten wir unsere W-LAN Kennwörter (auf jedem einzelnen Gerät) mit PW davor und schon hatten wir wieder eine Verbindung zum Word Wide Web. Alle - ausser mein Vater.
Da sollte sich dann, mittels Fachmann bei FUST, herausstellen, dass sich sein Security package nicht mit dem der HORIZON verträgt und deswegen war das W-LAN lahmgelegt.

Das Telefon funktionierte weiterhin nicht. In der folgenden Woche kam ein Schreiben der CABLECOM ins Haus geflattert. Es war ein Standardschreiben von wegen "Herzlich willkommen bei der Cablecom... schön, dass sie sich für uns entschieden haben... hier ist ihre neue Telefonnummer: XXX XXX XX XX
Mein Vater rastete aus! Seit nunmehr 25 Jahren besitzen wir die gleiche Telefonnummer! Was fällt denen ein!
Wieder ein Anruf beim Kundendienst der CABLECOM, der möglicherweise in Indien stationiert ist, sprachen doch ALLE ein recht seltsames "Deutsch"...
Unverständnis bei der Cablecom... Niemand wusste warum und wieso...

Weitere zwei Tage später, war die Nummer noch immer nicht geändert. Ein erneuter Anruf mit Androhung von K-TIPP und BEOBACHTER und Wechsel zur SWISSCOM (die laut Hörensagen auch nicht besser sein soll).
Da wurde mein Vater zu einem Schweizer durchgestellt, der sich der Sache dann angenommen und erledigt hatte.

Nach nahezu 1,5 Wochen ohne Telefon und weiteren 1,5 Wochen mit einer neuen Nummer, haben wir nun unsere, seit 25 Jahren bestehende Telefonnummer wieder zurück bekommen...






Sonntag, 25. Mai 2014

Geisel der SBB

Dieses Ereignis würde, wäre es denn ein Buch, veröffentlicht bei Bastei Lübbe in der Reihe "Erfahrungen", den Titel tragen: "Ich war eine SBB-Geisel - Die verheerende Geschichte im Kampf um die Freiheit"...

Feierabend! Man möchte nur noch nach hause gehen. Geht zielstrebig durch den "Züri HB", um, am Perron angekommen, beim Anblick eines alten "Kriegswaggons" zurückzuschrecken! Man blickt voller Hoffnung dem Zug entlang und sieht, einzig die Waggons der 1. Klasse sind moderner und klimatisiert. Passagiere der 2. Klasse dürfen sich in nicht klimatisierten, fast schon fossilen, Waggons einfinden. Man zieht ernsthaft in Erwägung, 30 Minuten auf nächsten Zug zu warten...
Fenster und Türen stehen weit offen, sodass ein laues Lüftchen durch den stickigen Waggon weht.
Die Wärme ist erdrückend. Die Luft liesse sich in Scheiben schneiden. Die Gemüter der Passagiere bewegen sich zwischen genervt und kochend vor Wut, was die hitzige Atmosphäre noch mehr aufheizt und dann bellt noch einer mit seiner bebenden Stimme in sein Mobiltelefon rein. Da eine Zweite und noch einer. Es werden immer mehr. Ähnlich den "Zombies" in Stephen King's "Cell" mutieren sie von liebevollen Menschen in schnaubende Bestien, tun sie alle ihren Unmut über die "Unfähigkeit der SBB" kund.
"Eine Katastrophe ist das! Ich ersticke in diesem Scheisszug!"
"Scheiss SBB!"
"Sie haben's wieder geschafft, scheiss SBB!"
und so weiter...

Der Zug setzt sich 6 Minuten zu spät in Bewegung. Alle Fenster stehen offen. Es weht ein kühler Wind durch die Waggons.
Irgendwann kurz nach Spreitenbach bleibt der Zug stehen, um sich schleichend wieder in Bewegung zu setzen.
Ich erinnere mich, an die Erzählung einer Bekannten. Sie erzählte mir, wie sie den SBB-Supergau erlebt hatte. Sass sie in einem Zug, kurz vor dem Tunnel bei Spreitenbach, als alles versagte. Das gesamte Schienennetz war lahm gelegt (wegen eines Eichhörnchens... darüber sollte man jetzt gar nicht weiter nachdenken...). Sie war mit unzähligen anderen Passagieren über eine Stunde lang in dem Waggon eingesperrt. Garend. Irgendwann wurden dann die Türen geöffnet und sie konnten ins Freie und frische Luft atmen. Man bedenke hier, dass bei einem Stromausfall auf keine Klimaanlage mehr funktioniert und sich so ein Waggon, in der prallen Sonne stehend, doch recht schnell aufheizt...

Jedenfalls war es dann 19:00 Uhr und wir hatten noch nicht einmal Aarau erreicht. Ich rief meinen Vater an, ob er mich in Olten abholen möchte, was er dann auch getan hat.
Bei Dulliken schlich die Kiste wieder in einem Tempo, dass man jede Schnecke für einen Sprinter gehalten hätte. Der Gestank der Bremsen durchströmte den Waggon. Wir drohten zu ersticken. War dies ein perfider Plan, um die Überbevölkerung im Keim zu ersticken?

10 Minuten zu spät trafen wir dann in Olten ein. Die Anschlüsse konnten natürlich nicht abgewartet werden. Besonders dann nicht, wenn die Passagiere den Zug nicht verlassen. Die Türen der alten Waggons liessen sich nicht öffnen. Wir standen, einander anstarrend, in den Gängen. Wieder stimmte man in Klagelieder gegen die SBB ein.
Schliesslich sah man ein paar Menschen am Zug entlang gehen. Sie mussten von hinten kommen. So machten sich alle Passagiere auf den Weg zum hintersten Waggon, dessen eine Tür offen stand. Ich hatte glücklicherweise nur zwei Waggons zu passieren. Andere Passagiere hatten da einen weit längeren Fussmarsch vor sich. Tatsächlich, diese eine Tür stand unter Einfluss eines ohrendurchdringenden hohen Pfeiftons offen.
Wir gingen neben dem Zug entlang wieder die ganze Strecke nach vorne in Richtung Unterführung. Ein gestresster Schaffner passierte mich rennenderweise und schrie seinem Kollegen zu, dass sich die Türen nicht öffnen liessen. Noch immer gab es ein paar gefangene Menschen, die hinter den Türen standen und raus in die Freiheit wollten...


Wie ich die Unterführung verlassen hatte und bei den Parkplätzen stand, war auch der Zug nicht mehr am Bahnhof. Offenbar konnten doch noch alle Menschen befreit werden.

Während der Heimfahrt sahen wir einen Zug auf der Brücke Richtung Bern stehen. Der stand einfach still, als würde er auf bessere Zeiten warten. Es war eben dieser Zug mit den Kriegswaggons...

Hach SBB, Eure Passagiere lieben Euch für solche Survival-Abenteuer! ^_^


Freitag, 23. Mai 2014

Hanging in the balance

(Orignal German text was written on Saturday, 2013/09/28 "Auf der Kippe")


Her picture in the mirror seemed to be unreal. This woman wasn't her. Couldn't be her. The bursted lip. The dried up blood spatters in her face. The formerly white and now blood soaked summer dress. The dark blue, nearly black, and swollen right eye. From her perfectly drawn black eyelid line were only some dark smudged lines left. Her preferred eyeliner from Shiseido, which had let look her so perfect and so beautiful yesterday, turned her into a monster over night. She was only a shadow of herself now. 

"This is not me!"
She stared into the strange face in the mirror, and that face just stared back.
A parallel universe had just to exist. An other world, in which she was staying in front of the mirror, brushing her hair with a smile and where she was happy. Tears run down over her cheeks. Tears of the lack of comprehension. Tears of fear. Tears of desperation - tears of hate.
The view from her deformed self in the mirror averting, she groped after her scalpel. But she felt no pain. There was a huge and deep wound in her leg. The blood was running down and built a small puddle round her foot. Again and again she dragged the cold blade through her naked skin. Nothing. Just emptiness. There was no sign of the usual relief. The blade felt down. She left the bathroom.
Beside her bed cowering on the cold floor, she was reflecting the past night. How could he have done that? How could she have let him do that? Has she ever been happy together with him?
Certainly they had spent good and beautiful hours together, but they had often fought together as well. Way too often. She couldn't remember, when he had caused her physical pain for the first time. It must have been a long time ago in the past...
Lately, it happened more and more often, that he was hurting her. That he vent his wrath on her. All his accumulated aggressions. Why, she didn't know.
She thought of her best friend, who told her on the phone recently, that she would not recognize her: "I've always looked up to you. You've always been my role model. What happened?! Why do YOU of all people acquiesce that?!" She didn't know an answer. When did this negative metamorphosis start? In former times she didn't acquiesce something from anyone.
She was deeply astonished by the fact, that Vanessa, her best friend, looked up to her. She admired her all the time. Vanessa was such a strong woman and she was so proud of being friends with this "amazon". But now? She was nothing! Because of HIM she had turned away from her friends. Even her horse she had turned away her back, because of her boyfriend was more important. Her boyfriend. Her first boyfriend. Everyone wanted him, but she has got him! And now? What did she has now? Nothing. She had a violent and hot-tempered goon, who had found his true love in cigarettes and alcohol. She couldn't explain, why she was together with such a person for such a long time. What happened with her? She had given him all her love, but it was never enough. She had done everything for him, but it just was not enough. She always had bowed to him. He wanted it that way. He was the lord. He was in authority - always. Contradiction meant torture. She had learned that slowly and painful. She had never lied nor cheated on him. He lied constantly and had some affairs, what she had suspected. Later on, her suspicion should be confirmed. She learned of all his girls and was able to uncover some lies. When she had spoken to him about that, he lost control of his temper, denied everything and threw her one of his combat boots in the face. Despite the pain, she had dared, even presumed to counter something. The answer came in a flash hurtled towards her - in the form of his fist, which gouged between her ribs and his combat boots, with whom he had beaten her until the darkness of unconsciousness occurred her.
While she thought further about it, she took off her stiff summer dress. In some places it stuck on her skin. Stucket the clotted blood. Back in the bathroom she stood unter the shower. The cold water was a blessing. She washed the blood out of her hair and from her skin. She wanted to clean herself. She wanted to wash herself free of her past and so she remained for 50 minutes under the cooling water jet. 


Despite of her injuries, the woman, who was now staring at her in the mirror, didn't look broken and desperate anymore. Something had changed. The eyes of the woman in the mirror shone full of joie de vivre. On her face was a smile of trimuph. In her mind she saw the last pictures of her ex boyfriend. How his motionless body lay on the sofa. He had no more power over her. He was no more the lord over her. 


In the mirror cabinet was still the "murder weapon", which she had to destroy. So she unscrewed the lid of the small dark glass bottle and poured the deadly rest into the toilet. The bottle landed in the trash can. To see was the white label added with the beautifully curved writing "Wolfsbane". Beside lay a book with the title "The deadliest plants of Europe".



Freitag, 9. Mai 2014

In the cemetery of Montmartre

(orignal text was written on Thursday, 2009/03/09 "Auf dem Friedhof von Montmartre")

«In the cemetery of Montmartre, cries from the winter sky»

Cold, the air in February. I can just barely feel my legs yet, but it doesn't matter. I'm remembering the christmas eve. This one fateful night... How tortured he must have been suffering to dead. For hours and hours... and hours... till the end came.
The snow is falling. Again. There is already so much snow on the ground. All the gravestones have got white bonnets. In the winter night, the cemetery looks like it was a beautiful painting.
I'm inflaming the match and lightening the red grave candle's wick with its flame. The shadows of the relief-like letters of his name are dancing with the candle's flame in the wind. Dancing on a cold stone. I'm shivering while I'm reading his name. Erik. Why? Why was it you?! What have I done?!

I'm getting overhauled by the memories of the christmas eve. I see us. Erik and me, dancing at the "Danse macabre". There are others dancing around us. Others like us. Black. All are we wearing black clothes. Erik is wearing a flouncy shirt of white silk combined with a black blazer. Baroque. I'm peering into his green eyes. Everything I feel is love. Deep true love. We are meant for each other.

The ball is over. Too fast. Erik and me are walking through the car park. I'm slipping on a iced place, but he catches me softly. We're laughing. For the first time of my life, I'm happy. Honestly... After my bad childhood with several foster parents, which never have loved me, did I finally find someone, who loves me.

Imperatively do I want do drive the car. I just have the learner's license indeed, but nevertheless am I a good driver. Erik is sceptic. Means it is too dangerous tonight. I insist. I'm looking with begging eyes into his green ones, till he says yes. He is smiling, whereupon his long vampire fangs are visible.  He throws the keys over to me.

The streets are white. The trees are white too. We're driving through a peaceful winter wonderland. We're alone in the streets. The world is us. The future as well.
Erik tells me how deep his love for me is. Everything is perfekt.

I'm slamming on the brakes! I'm trying to alter the course! Everything is turning. I'm losing control... I lost the control over the car. A pound! The crash! The airbag! A dark curtain is falling down. I'm passing out.

Erik is sitting next to me. Perforated with metal and branches. But he is alive. He must have horrible pain. Blood is running out of his mouth.
I wouldn't know that, if I hadn't seen the pictures the police showed me. When the firefighters fetched him out of the wreck of his car after two hours, is he dying.

I can see his green eyes, just as green as the pill with the skull picture. His green eyes. He loves me. The green pill. It promises fun. The green pill. It makes you happy. The green pill.
Erik avoids drugs. Me too, actually... but...
Erik is dead... me too - in some way.

Because of a woman and a bound of rosy elephants in the street did I kill my boyfriend. It was hallucination. Green pills and rosy elephants.

I'm no more able to move. The winter is too cold. I'm crying lying in the snow. The sky is crying too. I can feel its cold tears on my cold skin.
We both are crying. Erik up in the sky and me down here on earth. On the ground.

I'm lying in front of his grave. I can't move anymore. I'm tired. The black curtain. I'm dying.
Can you see me dying? I'm dying alone...

Erik, soon I will be together with you again.

Sonntag, 30. März 2014

Mit Schreckensflug AF276 durch die TWILIGHT ZONE

Prolog

Bereits liegen 40 Gesprächsminuten hinter uns. Noch immer verhandeln wir über unseren Flug. Ich bin gegen eine Abreise ab GVA (Genf Cointrin) noch weniger mag ich mit dem Gedanken anfreunden, mit der Air France zu fliegen. Gegen eine Flugreise in einem Airbus wehre ich mich vehement! 
"Hier ist ein günstiger Flug mit Aeroflot!" ertönt es aus dem Lautsprecher. Ich bin es langsam leid und so ist meine Antwort nur noch ein gelangweiltes "Airbus". Die Suche geht weiter. Die Suche meiner Reisebegleitung, habe ich bereits still für mich entschieden, dass ich bei KLM buchen werde. 
Schliesslich begibt sie sich wieder zurück auf die Webseite von den Holländern. 
Aus humanitären Gründen, bin ich kompromissbereit. Ihr Flugticket kommt günstiger, wenn wir mit KLM's Partnerin, der AirFrance fliegen - ab Genf. Für mich hat die Reise just in jenem Moment einen bitteren Beigeschmack, woran die Erzählungen einer Bekannten über etwaige Terroranschläge nichts ändern. Aber gut, der Flug ist gebucht, meine Reisebegleitung ist glücklich. Ich bleibe skeptisch.

Von Genf Cointrin nach Charles de Gaulle Paris,  France

Wieso die Schweiz noch immer als "Paradebeispiel" für Organisation angesehen wird, sollte spätestens seit dem Fall der SWISSAIR zum Nachdenken anregen... 
Wir warten auf unseren Flug. Eine unverständliche Durchsage brummt durch die Lautsprecher. War das jetzt Englisch oder Französisch? Keiner weiss es so genau. Erneut kommt eine Durchsage. Erstere sollte Englisch darstellen. Die Zweite ist in perfektem Französisch, dem ich nur teilweise mächtig bin. Daher sollte man sich auch hier fragen, wieso der französischen Durchsage entnehmen konnte, dass unser Flug AF1643 nach CDG (Charles de Gaulle, Paris) mit rund 20min Verspätung eintreffen wird. Die Zeit zum Umsteigen dürfte knapp werden... 

Rund 40min später sitzen wir im A321. In einem recht schmutzigen A321. Als ich die Kaffeeflecken auf dem Klapptischchen erspähte, sagte ich ganz trocken zu meinem Gegenüber: "Das gibt es bei der KLM nicht." Jenen Satz, sollte ich während den folgenden 11,5 Stunden noch öfters von mir geben... 

Auch hier waren die Durchsagen des Piloten in unverständlichem Englisch gehalten. Gedanken an die Crossair überkamen mich. Bilder der Wrackstücke von Crossair Flug 498 schossen durch meinen Kopf. Kommunikationsschwierigkeiten galten als eine der Ursachen für die Tragödie... 
Sollte ich meinem Gegenüber jenes Ereignis detailliert schildern? Ich liess es bleiben und begnügte mich damit, zu sagen, dass man das Englisch der KLM Piloten sehr wohl verstehen würde...

Schreckensflug AirFrance 276 von Paris nach Tokyo

Als ich meinen Mitmenschen erzählte, dass wir mit der AirFrance nach Japan fliegen werden, waren die Reaktionen allesamt negativer Art. Negative Erfahrungsberichte wie auch Befürchtungen wurden mir geschildert. Ich hätte es als OMEN anschauen und auch ernst nehmen müssen - reisten wir ab GVA geradewegs in die, die TWILIGHT ZONE (Intro):

Die Idee zu dem Bild ist allerdings
ein Abklatsch aus In the mouth of madness

Bereits am GVA kamen die ersten Probleme auf uns zu, waren die Lautsprecherdurchsagen nur schwer verständlich. Einerseits weil sich selbst das Englische wie Französisch anhörte und andererseits, waren die Durchsagen zu leise. Was ich der französischen, jedoch nicht der englischen Durchsage entnehmen konnte war, dass sich unser Flug um 15 Minuten verspäten würde, woraus dann schliesslich eine Stunde wurde.
Folglich hatten wir am pompösen und recht schön anzuschauenden CDG (Charles de Gaulle, Paris) eine knappe Transferzeit, erschienen jedoch gerade rechtzeitig zum Boarding.


In der B777 wollten die negativen Ereignisse dann einfach kein Ende nehmen:
Spassig war ja, dass man in der Business Class noch gut voran kam. Der Gang wurde dann immer schmaler, bis er fast so schmal, wie der Abstand zum Vordersitz war. Meine Reaktion war folgende:
Willkommen in der Economy der AirFrance!

Es hätte mir eine Warnung sein sollen. Ich hätte mich weigern sollen, die B777 der AirFrance zu betreten, nach dem ersten Flug, mit dieser Airline. Natürlich war es ein Omen. Ich hatte mein Schicksal selbst in der Hand - und änderte nichts daran. Beim Security-Check wurde einer Gestalt in langer schwarzer Kutte eine Sense abgenommen, durch die Lautsprecher des pompösen Flughafens Charles de Gaulle in Paris, war "Rocky Mountain High" von John Denver zu vernehmen (*jener starb bei einem Flugzeugabsturz), dennoch ging ich schnellen Schrittes zum Gate und betrat die 777, ohne zu ahnen, welch schwerwiegende Folgen das haben würde... 

Das Personal schien gestresst und genervt zu sein. Ähnlich dem Personal in einem gewissen Flughafenhotel... Auch diese Kiste war schmutzig! Schmuddlig sahen sogar die Sitze der Business Class aus. Der Gang von der Business über die Economy Comfort wurde immer schmaler, bis man schliesslich zu einem Gang gelangte, der so schmal war, dass recht breite Menschen, diesen nicht hätten bezwingen können. Hallo Economy class der Air France! "Bei KLM sind die Gänge breiter..."

Auch hier wies mein Klapptischchen Kaffeeflecken auf. Beim herunterklappen wurde mir gleich ein "Amuse bouche" (kleine Vorspeise) serviert. Brotkrümel vom Essen meines Vorgängers. Der Boden war schmutzig und auf meinem Kissen klebte ein Haar, welches nicht von mir war. 
Könnte es noch schlimmer werden? JA

Meine Begleitung erfreute sich am Entertainmentsystem. "Hast Du gewusst, dass genau das Grund für den Kabelbrand war, der SWISSAIR Flug 111 vor Halifax ins Meer stürzen liess?" Meine Begleitung konnte sich über die neugewonnene Information nicht so recht freuen. (Ich sollte mir angewöhnen, solch wichtige Informationen künftig in Englisch von mir zu geben, damit jeder Passagier davon profitieren kann...)

Gaumenschmaus: "VEGAN" à la France

Mein VEGANES Essen, welches eigentlich vegan hätte sein sollen und wohl nur der Form halber den Namen VEGAN trug/trägt, sah wie folgt aus:





Anders als bei der KLM, die bei jedem Getränkeservice heissen Grüntee anbieten, gibt es dieses Getränk bei der AirFrance nur zum Lunch beziehungsweise zum Dinner.
Erstaunlicherweise schmeckte der doch recht grüne Grüntee aber sehr gut. Hier gibt es also doch mal einen Pluspunkt für die Franzosen. -_^

Mein Hauptgang bestand aus einem recht eigen schmeckenden Curry. Wohl aus Rücksicht auf all die zahnlosen Passagiere, erhielt auch ich einen gut verkochten Basmatireis. Er schmeckte so, als wäre er in Currywasser verkocht worden. Sehr interessant.
Möglicherweise wurde auch das verkochte Gemüse gleich im selben Topf mitverkocht... Oben auf meinem Curry-Inferno lagen zwei Fladen, deren Zutaten mir bis heute unbekannt sind. Sie schmeckten aber auch sehr eigen und waren von der Konsistenz her etwa so gummiartig, wie das, was bei der AirFrance als Brötchen bezeichnet wird. Mir stellte sich die Frage, wieso man bei Reis und Gemüse Rücksicht auf die zahnlosen Passagiere nahm, aber bei allem was irgendwie mit Brot verwandt ist, nicht...?
Dem Reis war nebst Gemüse auch noch Ei beigemischt worden. Da ich ein veganes Menü bestellt hatte, musste es sich um eines dieser neuen Gentech-Eier handeln, über deren Existenz ich kürzlich in einer Zeitschrift gelesen hatte. Allerdings waren die noch nicht auf dem Markt, sondern befanden sich erst in der Zucht- und Testphase in einem Labor in den Vereinigten Staaten. Demnach musste es sich doch um ein Hühnerei handeln. Super.

Gut versteckt in dieser AirFrance Kartonbox befanden sich Butter und ein Nature Yoghurt. WTF?

Die Luft in Flugzeugen wird ja recycelt und besteht im Grunde nur aus Kohlendioxid und den Hautpartikeln anderer Passagiere. Dieser Luft könnte man doch noch leckere Düfte beimischen, etwa denen, die durch Flatulenz erzeugt werden. Anders kann ich mir nicht erklären, wieso man einen Bohnensalat serviert bekommt. Aus Rücksicht auf meinen Magen und die Riechkolben der anderen Passagiere, habe ich diesen Gaumenschmaus stehen lassen. Da Rita Tomaten noch weit mehr verabscheut, als ich, habe ich ihren Salat bekommen. Tomate mit Gurke. Wieso bekomme ich mit meinem veganen Menü denn eine Pampe aus Bohnen, Tomatenabfällen und Kartoffeln? Offenbar sind Gurken bei der AirFrance nicht vegan.

Als vegan betrachtete die AirFrance dafür mein Dessert. Was hier wie etwas aussieht, das bei Zombie.... - lassen wir das. Ich denke jeder kann sich selbst ausmalen, womit mein Dessert verglichen werden könnte...
Mein Dessert jedenfalls war ein Griesspudding, der liebevoll mit Pistazien dekoriert worden war.

Zum Essen gab es eben dieses gummiartige Weissbrot, das mich beim Kauen entfernt an einen Fahrradschlauch erinnert hat... Jedenfalls war es aus Weissmehl - gesund! Dazu gab es BUTTER. Ja, AirFrance, mein veganes Abendessen habt ihr wirklich versaut... Na ja...

Immerhin gab es, gegen den schlechten Curryatem, diese bunten kleinen fröhlichen süssen Mouth Refresher, die weniger des Geschmacks sondern der Farbe und Grösse wegen für pure Freude sorgten.
Allerdings hat Rita keine bekommen. War wohl wirklich gegen den schlechten Curryatem gedacht...

 Und hier die Fehler nochmals zusammengefasst:
- Curryreis mit Ei
- Butter
- Weissbrot
- Griespudding
- Nature Yoghurt

Es ist recht interessant, zu sehen, was die AirFrance unter "vegan" versteht...

Wenn wir schon beim Gourmet-Menü der AirFrance sind, hier noch mein Frühstück:


Tadaaa! Mein Frühstück ist da! 
Orangensaft aus dem Pappbecher, mit mehr Zucker als Orangensaft-Konzentrat. Ein paar Stück Obst, worüber ich absolut dankbar war, Erdbeer-Confiture und:
Wieder dieses Fahrradschlauchbrötchen. 
Als ob das Fahrradschlauchbrötchen nicht schon genug gewesen wäre, gab es, separat in einer Pappbox liegend, ein weiteres weisses Brötchen, dessen Konsistenz auch nicht besser war. Ich wusste genau, sollte ich das essen, würde mein Magen rebellieren... nice.
Dazu gab es etwas, das ich erst für Margarine hielt, das sich aber bei genauer Betrachtung als eine andere Butter herausstellte. 
Nun richte man sein Augenmerk auf die Ecke hinten links. Was steht denn da und grinst vor sich hin? Das Nature Yoghurt, welches bereits beim Abendessen mit Verachtung gestraft wurde. Möglicherweise war es ja das Selbe? -_^



Modisch gekleidet in diese Alubox lag ein vegetarisches Samosa, neben einem Dal. Ich nehme jedenfalls an, dass es sich um Dal handelte, welches ich aus dem selben Grund, aus dem ich den Bohnensalat habe stehen lassen, nicht gegessen habe. 

Tief in der Nacht - Gedenken an Kalojev

Die Nacht legte ihren Schleier aus Finsternis und Schrecken über Flug AF276. Die meisten Passagiere schlummerten vor sich hin - so auch meine Begleitung. Blaue Pillen bescherten ihr einen wunderbaren Schlaf. 
Ich beobachtete die Mitreisenden. Eine Frau schaffte es tatsächlich, über den ganzen Flug hinweg einen Film nach dem anderen zu schauen... 
Der kleine Bildschirm in der Sitzlehne meines Vordermanns zeigte mir die Reiseroute. Wir befanden uns über Russland. Der Name der Stadt UFA leuchtete in gelben Lettern auf dem dunklen Hintergrund. Bilder zweier kollidierender Flugzeuge (Bashkirian Airlines Flug 2937 & DHL Flug 611) nahe Überlingen beim Bodensee bahnten sich den Weg, aus der Kiste meiner Erinnerungen hinauf, an die Oberfläche. Ich gedachte an Vitali Kaloyev und den toten Peter Nielsen... 


"Dong" Das Symbol leuchtete auf, man solle sich anschnallen. Die "englische" Durchsage des Piloten war, wie immer, unverständlich. Einzig "turbulence" war zu verstehen. Und schon wurde die Maschine ein bisschen durchgeschüttelt. Hie und da war ein Schrei zu vernehmen. Hervorgebracht von verängstigten Passagieren, die sich dem Tode nahe sahen... Sollte ich just in dem Moment den Schrei des Märtyrers von mir geben? Das wäre ein Spass! ^_^

Wenn Decken ihr Winterfell verlieren

Weder im A321 von GVA nach CDG, noch in der B777 von CDG nach NRT waren die Kabinen sauber. Die Klapptische waren noch schmutzig von unseren Vorgängern, der Boden sah aus, als hätte er schon seit Längerem keinen Staubsauger mehr gesehen und auch die Scheiben waren verschmiert - wohl mit dem Stirnfett des Vorgängers. Yamyam


Die Sonnenstrahlen schienen durch das kleine mit Eiskristallen gezierte Fenster. Ein Schrei des Entsetzens brachte das ganze Flugzeug in Aufruhr! AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA! 


Meine schwarze Hose und mein schwarzes Jäckchen waren voller beiger Fusseln! Diese **** Decke! Ich sah aus, wie ein Penner, war ich über und über mit diesen Fusseln übersät (Die Körperfressen kommen) Nachdem ich mich über die Dauer von rund 15 Minuten mit dem Kissen "abgerollt" hatte, war mein Erscheinungsbild wieder oke. "Die Decken bei der KLM sind aus Baumwolle und fusseln nicht!" 
Meine Decke fusselte so stark, dass meine einst schwarze Hose und mein einst schwarzes Jäckchen einen beigen Flaum aufwiesen, welchen ich über die Dauer von rund 20 Minuten mittels Kissen abzufegen versuchte. Es gelang mir recht gut... Na ja, immerhin sah ich danach nicht mehr ganz so arg nach frisch aus der Mottenkiste aus.






















Nachtgesichter

Die Gesichter der Flight Attendants sprachen Bände und erinnerten mich an die Gebrüder Klopek aus Meine teuflischen Nachbarn, deren freundliche Gesichter im Film ebenso für Hochstimmung deren Gäste sorgten, wie die Gesichter der FA's für die der Passagiere.

Als der Terrorist in der Klokabine verschwand...

Seit dem 11. September 2001 wird Jedermann hellhörig bei Worten wie "Terrorist". Verhalten sich Passagiere eines Flugzeugs nicht der Norm entsprechend, kann es schon mal zu Notlandungen kommen. Gab es doch einen Fall, in dem sich ein Passagier "zu" lange auf der Toilette aufgehalten hatte und bereits zuvor recht unruhig gewirkt haben muss. Besorgte (ums eigene Leben, welches ja jäh hätte beendet werden können, bspw. mittels im Klohäusschen hochgehender Bombe) Passagiere alarmierten das Personal, das Flugzeug landete ausserplanmässig auf dem nächstgelegenen Flughafen, die Passagiere wurden evakuiert und der an Durchfall leidende vermeintliche Terrorist, wurde vom SWAT in ärztliche Hände eskortiert. 
Dies nur ein Beispiel dafür, dass man, als Insasse eines Flugzeuges, Sachen wie eben "Terrorist", "Allahu akbar" oder ähnliches nicht sagen und Schweissperlen auf der Stirn vermeiden sollte. 
Da ich aber nicht der Norm entsprechen möchte und als besorgter (eher amüsierter) Passagier der B777 der AirFrance innewohnte, konnte ich es nicht vermeiden, einen (vermutlich harmlosen) Passagier als Terroristen zu denunzieren - wenn auch nur für meine Kollegin (und vermutlich die zwei Sitzreihen vor und neben uns hörbar). Er zeigte sämtliche, für Terroristen typische, Verhaltensweisen, als da wären: Er ging abermals im Gang auf und ab und suchte EINE GÜRTELTASCHE TRAGEND die nahegelegene Toilette auf. Dort verweilte er über einen längeren Zeitraum, was für einen Terroristen bereits zu lange war. So diskutierten sämtliche möglichen Szenarien durch und kamen zu dem Schluss, dass jener Mann, mit der auffällig schwarzen Gürteltasche ein Selbstmordattentäter sein muss, der just in diesem Moment im eine Bombe zusammen bastelt. Da man mit Erinnerungen kreativ umgehen kann, denke ich ihm einfach noch ein rotes ramboähnliches Stirnband um die Stirn gebunden hinzu, einfach um der Sache noch etwas Würze zu verleihen. 
Nach geraumer Zeit (und möglicher in der Toilette deponierter Bombe) ging der potentielle Mohammed-Atta-Anwärter zurück zu seinem Platz. Dass wir das Flugzeug lebendig verlassen konnten, schreibe ich seinem Ungeschick, eine Bombe basteln zu können, zu. 

Letzte Worte...

Abschliessend möchte ich aber noch die überraschend sanften Landungen beider Flugzeuge hervorheben.

Dennoch, werde ich nie wieder bei AirFrance buchen, resp. einem Codeshare zusagen.



Mittwoch, 26. März 2014

Die Gunst Ihrer Majestät der Würfel

Es weint sich aus der Winterhimmel… unter dessen Tränen gehe ich schnellen Schrittes zu diesem seltsamen Gebilde aus Würfeln, zu dem ich von Ihrer Majestät zitiert wurde. 
Am Tage zuvor wurde mir, durch einen Boten Ihrer Majestät ein Schriftstück überbracht, in dem ich zu Hofe zitiert wurde. Natürlich überlegte ich mir, ob es nicht besser wäre ins Exil zu gehen. Irgendwo fernab des Würfelpalastes. Aber ich entschied mich zum würdevollen letzten Gang… 

Zu Hofe wurde ich vom Geschmeiss kritisch beäugt. Es wurde getuschelt. Einige hielten bereits Steine in den Händen. „Der der ohne Sünde ist werfe den ersten Stein“ Sollte dies mir gelten? 

Keine Zeit des Wartens. Ich wurde sogleich zu Ihrer Majestät und dessen Gefolgsmann und Untertan vorgelassen. Ich sollte mich setzen - im Verhörzimmer. Wie im Film wurde mir ein Scheinwerfer ins Gesicht gehalten. Ich wurde angebrüllt: „Gestehe! Gestehe endlich! Verdammtes Weibsstück! Gestehe!“
Gar grausge Sünden, welche mir zur Last gelegt wurden sollte ich gestehen getan zu haben. Einiges entsprach der Wahrheit. Anderes war zu verschleiert, als dass man von wahren Begebenheiten hätte sprechen können. 
Mir wurden Bilder gezeigt. Bilder auf denen einstige Kollegen abgebildeten waren, welche das Verhör nicht überstanden hatten. 
Ich schwieg. 
Die Daumenschrauben wurden angelegt. Ich schwieg. 
Mir wurde kontinuierlich mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen. Ich schwieg. 

Der Untertan Ihrer Majestät brüllte mich, die Nerven bereits verloren, an: „Gestehe! Gestehe endlich! Verräter! Du sollst brennen! Brennen sollst Du!!!“
Ich schwieg. 

Ihre Majestät erhob sich. In den mit pompösen goldenen Ringen geschmückten Fingern hielt er eine Schriftrolle, welche er ausrollte. Mit einem selbstgefälligen überlegenen Grinsen, las er mir meine Vergehen vor…
 - INSUBORDINATION
 - PERFIDIE
 - HOCHVERRAT
Je nach dem war die Strafe Folter oder Tod durch Folter. Mir wurde unterbreitet zu gestehen, damit ich einen schnellen fast schmerzfreien Tod sterben würde. Sollte ich weiterhin nicht gestehen, sollte ich brennen. Also waren die Steine des Geschmeiss’ nicht für mich bestimmt gewesen. Immerhin ein Trost, wenn auch ein schwacher. 

Während mir mit einer recht stumpfen Klinge, der grosse Zehe abgesäbelt wurde, sollte ich meine Unterschrift unter das, mit krakeliger Hand verfasste, Geständnis setzen. Ich musste 8 Zehen, 3 Finger und ein Ohr einbüssen, ehe die feinen Herren zu der Einsicht kamen, dass ich die mir vorgeworfenen Vergehen nicht begangen hatte. 

Ihre Majestät war ratlos. Ihrer Majestät Untertan kochte vor Wut. Er wusste es. Er wusste genau, dass ich die Schreiben verfasst hatte, welche das Königreich in Verruf brachten. Sämtliche Schriftstücke waren aus meiner Hand verfasst worden. Dennoch gestand ich nicht. Wozu auch? 
Ihrer Majestät blonder Untertan rückte seine Brille zurecht und bemerkte, „Selbst wenn dieses Weibsstück schuldig ist, ohne die 3 Finger ihrer rechten Hand, wird sie keine Schriftstücke mehr verfassen können.“
Er hatte ja keine Ahnung, dass ich die Schreiben mit der linken Hand verfasst hatte. 
Ich wurde aus dem Verhör entlassen und von den mir zur Last gelegten Vergehen freigesprochen. Sobald etwas Zeit verstrichen ist, werde ich erneut Schriftstücke unters Volk bringen. Sollten sie mir den linken Arm nehmen, werde ich die Texte diktieren. Schneiden sie mir die Zunge heraus, werde ich dennoch in der Lage sein, meine Schriftstücke zu verbreiten. Und selbst wenn sie mich töten, so werden meine Schriftstücke doch weiter existieren. 
Das Volk weiss, um die finsteren Machenschaften Ihrer Majestät Untertan und wird sich auflehnen. Verteidigungsanlagen werden errichtet werden. 

Gestern erst hörte ich die Stimme eines alten Mannes sagen: „Lass uns gehen zu Henri, und sprechen über REVOLUTION.“