Freitag, 10. Januar 2014

Tortured

Die Sonne hing am Mittagshimmel und warf ihre wärmenden Strahlen gen Erdboden. Was für ein wunderbarer Frühlingstag!
Der kleine Alpi tobte mit seinen gleichaltrigen Freunden über die saftigen und weiten Wiesen des Bauernhofes. Seine Mutter sonnte sich fernab in der Nähe des grossen Kirschbaumes. Auch sie genoss den Frühling. Ganze Schwärme von Zitronenfaltern flogen in Pirouetten durch die Lüfte und bildeten bunte Farbkleckse auf dem sonst so blauen Himmel. 

Alpi spürte einen heftigen Schlag auf dem Hinterkopf und sackte zusammen. Als er die Augen wieder öffnete, war es dunkel um ihn. Es dauerte einige Minuten, bis er richtig zu sich kam, hatte es der zuvor verabreichte Schlag doch in sich gehabt. 
Nervös in die Dunkelheit hineinblickend, stellte er fest, dass er nicht allein war. Das Atmen Anderer war zu hören. Nun überlegte er, ob es sinnvoll wäre, in die Runde zu fragen, wer denn da sei. Allerdings hätte dies auch eine schlechte Idee sein können. Vielleicht sollte er ja noch immer bewusstlos da liegen? Alpi spielte beide Szenerien gedanklich durch und entschied sich dann doch, seinen ganzen Mut zusammen zu nehmen und sich bemerkbar zu machen. „Wer ist da?“ flüsterte er. Seine Stimme wollte einfach nicht fest sein, sie versagte. „Ich bin Lexi. Alpi, bist du das?“ hörte er eine vertraute Stimme fragen. Es war Lexi! Eine seiner Freundinnen. „Ja Lexi, ich bins! Wo sind wir hier? Was ist passiert?!“ „Ich weiss es nicht, Alpi… Ich weiss es nicht.“ Er hörte, wie Lexi zu wimmern begann. Da meldeten sich  weitere seiner Freunde zu Wort. Sie waren alle da. Jeder einzelne seiner Freunde, mit denen er zuvor noch auf der grossen Wiese gespielt hatte. Was war nur los? Keiner hatte eine Antwort auf die Frage. Keiner. Ausser dem kleinen Lyzander. „Mein Bruder hat mir von sowas erzählt. Er hat gesagt, man wacht an einem finsteren Ort auf. Dann sieht man kurz die Sonne und hört Schreie. Gequälte Schreie. Und dann ist man plötzlich selber der, der schreit und brüllt. Und dann wird es wieder schwarz.“ Lyzander’s grosser Bruder war vor einem halben Jahr spurlos verschwunden. Keiner hatte einen Anhaltspunkt. Keiner wusste, ob er abgehauen oder entführt worden war. Keki gefiel diese finstere Prophezeiung gar nicht, und so kam es, dass er den kleinen Lyzander anherrschte, er solle sein Maul halten! 
Die Luft an jenem finsteren Ort wurde immer drückender. Der Durst immer grösser. Einer von Alpis Freunden konnte sich nicht mehr auf den Beinen halten und brach in sich zusammen. Tolle. Er war der Erste, der es hinter sich hatte. Zwei Stunden, nach dem er zusammengebrochen war, war er tot. 
Alpi und seinen Freunden wurde die Tatsache bewusst, dass sie sich in echter Gefahr befanden. Das es kein Entrinnen geben würde. Möglicherweise war doch etwas Wahres an dem, was der kleine Lyzander erzählt hatte. Es herrschte eine beklemmende Stille. Jeder schien über das Selbe nachzudenken… 

Auf einmal wurde die Tür aufgerissen! Sie waren von der Helligkeit geblendet und sahen nicht, was vor ihnen lag. Eine dunkle bedrohlich wirkende Gestalt kam auf sie zu. In der Mitte des Gefängnisses blieb er stehen und brüllte: „RAUS HIER!“ Doch keiner wagte sich zu bewegen. Mit einer blutverschmierten Metallstange schlug er auf Lila ein. Sie brach zusammen. Er schlug weiterhin auf sie ein. Trat mit seinen Stahlkappenstiefeln in ihre Rippen. Erneut brüllte er, dass sich alle von hier verpissen sollen. Lyzander ging voran. Wow, war der mutig. Die anderen folgen ihm zaghaft. Die bedrohliche Gestalt schlug weiter wahllos mit seiner Metallstange auf Alpis Freunde ein. Neues Blut klebte daran. Tropfte herunter. Lilas Blut. Lila. Alpi drehte sich nach ihr um. Lila lag auf dem Boden, schwer atmend. Die Augen waren geschlossen. Blut rann aus der grossen, das Gehirn freilegenden Wunde, übers Gesicht auf den Boden. Sie zuckte. Lila. 

Es wurde wieder dunkel. Schreie waren zu hören. Schmerzensschreie. Folter und Tod schien ihr Schicksal zu sein. Dies liessen jene Schreie vernehmen. 
Es war dunkel und eng. Sie konnten weder vor noch zurück. Sie alle standen da in der Dunkelheit und warteten. Die Luft war stickig und trocken. Ein fauliger Geruch nach geronnenem Blut und Fäkalien drang zu ihnen durch. „Wir werden alle sterben…“ flüsterte Lyzander. „Mein Bruder hatte recht.“ Keki, wimmerte: „Ich will nicht sterben.“ 
Gellende Männerstimmen waren zu vernehmen: „HOSTEL mal anders, was?! HAHAHAHA“
„Hast Du den Kleinen vorhin gesehen? Wie der gezappelt hat, als ich ihn aufgeschlitzt habe? Wie ein verdammter Fisch am Haken!“
„Dafür hat mich die andere vorwurfsvoll angeglotzt, als ihr das verdammte Blut aus der verdammten Kehle geschossen kam.“
„Hey Männer! Ist doch scheissegal! Die fühlen ohnehin nichts. Wozu der ganze Scheiss mit betäuben? Frag mal Karl, der hat eben eine Niere rausgeschnitten. Die hat vielleicht herumgebrüllt.“
„Ah das war die Kleine von Karl? HAHAHA. Als ob DIE noch eine Niere brauchen würde.“
„Achtung Männer! Nachschub! Weiter gehts!“

Einer nach dem anderen wurde geholt. Alpi zitterte. Er blieb als Letzter zurück. Er hörte die gequälten Schreie all seiner Freunde. Er wusste, sie litten alle Höllenqualen, ehe sie verstarben. Alpi hoffte, sie mögen es bei ihm schnell erledigen. Dann war auch er an der Reihe…
Einer der Männer kam zu ihm. Packte ihn. Zerrte ihn weiter. Alpi wehrte sich. Versuchte dem Mann in die Hand zu beissen. Schlug und trat nach ihm. Da kam ein zweiter Mann dazu, der Alpi einen Stromschlag verpasste. Dieser rannte los. Er rannte über den anderen Mann hinweg. Blieb stehen. Musste sich orientieren. Schaute hin und her. Rannte weiter. Dann rutschte er aus und landete auf dem Bauch. Stiess sich das Kinn am Boden. Er schaute um sich. Er lag in einer riesigen Blutlache. Er war im Blut seiner Freunde ausgerutscht und lag nun dort. Ein Blick nach oben. Panik! Er sah seine Freunde. Alle in der Mitte aufgeschlitzt. Sämtliche Innereien lagen unter ihnen auf dem dunkelroten Boden. 
Es war Lexi, die mit aufgeschlitztem Bauch da hing und zappelte. „Lexi….“ Diese schaute ihn hilfesuchend flehend an. Er konnte ihr nicht helfen. Was hätte er tun können? „Es tut mir leid.“ flüsterte er, stand auf und versteckte sich hinter einer grossen Maschine.
Fremde Schreie waren zu hören. Er sah die Mutter von jemandem. Sie wurde aufgehängt. Ein Messer wurde ihr in den Bauch gerammt und mit aller Gewalt nach unten gerissen. In ihrem Bauch klaffte eine grosse Wunde. Sie schrie und brüllte. Sie flehte den Mann an, damit aufzuhören. Sie gehen zu lassen. Dann flehte sie nur noch, er möge sie doch töten. JETZT. Der Mann ignorierte ihr Gezappel genauso wie ihr Flehen. Er begann ihr die Eingeweide herauszureissen. Alpi sah wie die Farbe aus ihren Augen verschwand. Weiss und Rot. Sie schrie noch einmal. Das letzte Mal. Dann kam ein weiterer Mann hinzu, der ihr den Kopf abschnitt. Mit einer grossen Klinge fing er an durch ihren Hals zu säbeln. Sie gurgelte, rang nach Luft. Lebte noch immer. Der Kopf landete in der Blutlache auf dem Boden. Wurde in eine Ecke gekickt. Achtlos. Alpi blickte in die toten Augen. Da wurde schon eine weitere Mutter aufgehängt. Alpi schlich weiter zurück. Er musste entkommen. Er musste hier raus…

Alpi gelang schliesslich die Flucht. Bezahlt hatte er diese mit seinem rechten Auge. Doch er rannte weiter und weiter. Schliesslich wurde auf einer Landstrasse von einem Ehepaar gefunden und mit nach hause genommen, wo sie ihn gesund pflegten. 
Alpi trifft in jeder Nacht in seinen Träumen auf seine Freunde. Er sieht sie auf der grünen Wiese. Diese verfärbt sich bald in ein dunkles Rot. Blutgetränkt. Seine Freunde sieht er abgeschlachtet da liegen. Diese Bilder wird er für den Rest seines Lebens nicht mehr los werden. Sie werden ihn stetig begleiten. In der Erinnerung oder im Traum.


Er hat es nie jemandem erzählt. Das Ehepaar jedoch, schien darum zu wissen, kümmerten sie sich doch liebevoll um ihn. Es war ihnen egal, dass seine rechte Kopfhälfte entstellt war. Den anderen Kühen im Stall auch.


- Nachwort - 
Wenn ich das heute so lese, denke ich, was für ein Wiesel ich doch bin. 
Natürlich dürfte die Erzählung ein bisschen mehr Tiefe besitzen. Jedoch gefällt mir das Überraschungsmoment. Der letzte Satz. 
Woher habe ich das wohl? John Grisham. Die Jury. Wir erinnern uns, an den Anwalt, dessen Name mir aktuell nicht einfallen will, der sein Plädoyer hält. Dann erzählt er, was mit Tonya passiert ist. Doch zuvor verlangt er, dass die Geschworenen ihre Augen schliessen. Er erzählt die Geschichte. Und am Schluss schlägt er jedem in die Fresse, in dem er sagt: "Und jetzt stellen sie sich vor, sie wäre weiss." Bäm! In your face!
Ich denke, ich kann nicht länger behaupten, ich sei kein militanter Veganer. Doch, kann ich. Ich gehe ja nicht missionieren. Oder gar hausieren, um meine Propaganda zu verbreiten, wie das etwa diese Zeugen Ieohvas zu tun pflegen... 

Dienstag, 7. Januar 2014

Seewasser für die Gäste

Mir wurde die Ehre zu Teil in einem der wohl schönsten Hotels der Schweiz arbeiten zu dürfen. Von Bergen, Wäldern, See und Wasserfällen umgeben, waren die knapp 6 Monate nebst der Hektik der Hotellerie einfach traumhaft. Arbeiten möchte ich der Hektik wegen nicht mehr dort, aber übernachten tu ich alle Jahre mal wieder im "Märchenschloss".

Wir hatten Glasflaschen mit Kristallprägung. Das Etikett schien aus dem 17. Jahrhundert zu stammen und verriet den Namen des Hotels und ausserdem dass es sich um hoteleigenes Wasser handelte. An dieser Stelle möchte ich sagen, dass ich nicht näher auf eben jenes Wasser eingehen werde, weil ich mich nicht plötzlich auf der Anklagebank eines Gerichtsaals wiederfinden möchte.

Die Gäste, die dieses Wasser bestellten, stellten oft die Frage, woher das Wasser denn sei? Ob es sich um Seewasser handle? Jene Frage erschien mir stets recht eigenartig. Seewasser für die Gäste eines hochangesehenen 4-Sternehauses... haha Nein. Es handelte sich dabei um Quellwasser.
Ich war beim Mittagsservice im Restaurant als ich von einem älteren Ehepaar gefragt wurde, was für Wasser das denn sei. Quellwasser von der hauseigenen Quelle. Der Mann schmunzelte und meinte, er habe schon gedacht, es sei vom Wasserfall. Ob wir Jemanden hätten, der die Flaschen da abfülle?
Da der Mann zu Scherzen aufgelegt war, entgegnete ich, dass unsere Azubis das zweifelhafte Vergnügen hätten, sich in die tosenden Fluten zu begeben und Wasser abzufüllen, wenn sie eines Fehlers bezichtigt würden. Der Mann schaute mich prüfenden Blickes an, merkte dann, dass es nicht ernst gemeint war und begann schallend zu lachen. Schliesslich stimmte auch seine Gattin und das Ehepaar am Nebentisch in das Gelächter ein.


Mir winkte nebst einem guten Trinkgeld im Verlauf des Nachmittages ein weiterer Schwatz mit eben jenem Paar. Da sie drei Tage bei uns waren, gab es bei jeder Begegnung etwas zu Lachen. ^_^