Sonntag, 7. August 2011

Die hohe Kunst des 4-Teller-Tragens

Ein friedliches (abgesehen vom damaligen selbstverliebten und arschigen Managing Director) 4-sterne Haus in Interlaken...
Da nur zwei HP Tische reserviert waren, war ich allein im Service. An für sich wäre das in Ordnung gewesen, wären da nicht plötzlich noch 5 à la carte Tische an rund 35 Personen, ein Hotelgast mit einem Anliegen bezüglich des Wasserkochers, 3 Herren an der Bar und darüberhinaus noch ein Roomservice dazu gekommen...
Irgendwie konnte ich das Alles managen und war heilfroh, als zum Schluss nur noch ein 4er Tisch mit netten älteren Damen aus Österreich übrig war. Die sollten nur noch das Dessert bekommen und so sah ich ein baldiges Ende meiner Schicht kommen.
Aus der Küche brüllte es in Richtung Pass: "DESSERT!". Da standen sie also, vier rechteckige lange Teller, die ich vom ersten Tag an nicht mochte. Da ich keine Lust hatte, zweimal zu laufen, und mir dachte, dass ich auch schon 4 Suppen und 4 normale Dessertteller getragen habe, dürfte dies auch kein Problem darstellen. So frei nach dem Motto: Ich riskiere lieber, dass mir etwas runterfällt, als das ich zweimal laufe, nahm ich den ersten Teller auf, dann den zweiten, den dritten und als ich den 4. Teller in der rechten Hand hielt, bemerkte ich, dass der 3. Teller wackelte und mir vom Arm zu rutschen drohte. Keine Hand frei, und doch versuchte ich den Teller noch zu stützen. Denkste. Der Teller landete laut scheppernd auf dem Boden, wo er zerbarst und das Dessert die Fugen ausfüllte.
Da der Koch ein recht cholerischer und leicht zu reizender Mensch war, überlegte ich kurz, ob ich ihm das wirklich sagen sollte. Aber was wäre die Alternative gewesen? Also nahm ich all meinen Mut zusammen und drückte den Knopf der Gegensprechanlage: "Duhu? Mir ist ein Dessert runtergefallen. Ich bräuchte noch eines. Sooooorry." Zu hören war, wie er mit seinen stahlkappenverstärkten Schuhen irgendwo dagegentrat. Dann kam er zur Gegensprechanlage und meinte, "Na super! Aber das dauert 10 Minuten! Die Scheisse muss erst auftauen!" "Oke, kein Problem, danke."

Am Tisch der vier Damen verkündete ich, dass ich eine gute und eine schlechte Nachricht hätte. "Fangen wir doch mit der Guten an: Ihr Dessert ist fertig und eben von der Küche hochgeschickt worden." Die Damen waren erfreut und fragten dann gleich, wo es denn sei. "Ja... und somit kommen wir zur schlechten Nachricht. Das, was sie eben so laut scheppern gehört haben, war eines der Desserts. Es dauert rund 10 Minuten bis ein Neues gemacht wurde." Die Damen brachen in schallendes Gelächter aus und meinten, das könne doch jedem mal passieren. Es war kein Problem.

Noch fröhlicher waren sie, als ich je einen Digestiv offerierte, als Entschuldigung für die lange Wartezeit. ^_^