Montag, 17. Februar 2014

There is someone walking behind me...

Im DVD-Player rotierte Final Destination 3. Im Kino war ihr die Ironie des Songs nicht aufgefallen. Oder doch, und sie erinnerte sich einfach nicht mehr daran... There is someone walking behind you ertönte aus dem Autoradio, just in dem Moment als sich der führerlose LKW bedrohlich den Akteuren näherte...
Über solche Ereignisse amüsierte sie sich jedes Mal erneut. Schliesslich konnte sie da noch nicht ahnen, dass dieser Songtext bald Bezug zu ihrem Leben nehmen würde...

Sie war ein Freak, lebte in einer Welt bestehend aus Filmzitaten. Sie war das personifizierte IMDB. Oft wurde sie von anderen Filmfreaks so bezeichnet, was sie mit Stolz erfüllte.
Kontakt zu Gleichgesinnten pflegte sie nur über Foren und Chatrooms im Internet. Wahre Freundschaften kannte sie nicht. Hatte sie nie kennen gelernt. In der Sparte about me ihres Chatprofils stand daher, wie nicht anders zu erwarten, ein Filmtitel, dem es nichts weiter hinzu zufügen gab: Odd girl out

Ihre besorgte Mutter warnte sie vor der Gefahr aus dem Internet. Da würden sich nur Pädophile und anderweitig Geisteskranke herumtreiben. 
Ihre Mutter hatte keine Ahnung! Na ja, vielleicht doch, in Anbetracht des Films Megan is missing... Aber IHR würde so etwas nicht passieren. Schliesslich traf sie sich nie mit Menschen. Also wäre die Chance, als Leiche in einer blauen Plastiktonne verscharrt zu werden, sehr gering.

Ihre zahlreichen Accounts wurden plötzlich vermehrt angeklickt. Anhand der IPs erkannte sie, dass da draussen jemand war, dem sie wohl imponierte. Sie erntete immer mehr und mehr Klicks und Likes. Von jener IP schienen verschiedene Konten auszugehen. Möglicherweise ein Internetkaffee? 

Sich über ihre ansteigende Popularität im Internet freuend, machte sie sich, nichts böses ahnend, auf den Weg zur Arbeit. Die Arbeit... Ein Ort, für welchen sie diverse treffende Filmtitel aufzählen konnte: 
Cube, Ein Gebäude voller Räume, in welchen grosse Gefahr lauerte, wie bei ihrer Arbeit als Zimmermädchen... 
Stephen King's Misery, weil sie sich angesichts ihrer Cheffin, wie Paul Sheldon fülte...
Men behind the sun, weil sie sich teilweise in der Rolle eines "Baumstammes" wiederfand. Als unfreiwilger Teilnehmer an einem Experiment der Unit 731...
Das Haus der Vergessenen, weil die gefangenen Kinder, genau wie der Abteilungsleiter und dessen Assistenz, nichts hörten, nichts sahen und nichts sagten... 
Und so weiter... 

Immer öfter hörte sie auf dem Heimweg Schritte hinter sich, konnte aber nie jemanden sehen. In ihrer Handtasche lagen alsbald eine Schere, ein Springmesser, ein Butterfly, ein Pfefferspray als auch Schlagringe verborgen. Sie wollte sich ja verteidigen können...- im Ernstfall... 

Eines Tages sah sie eine finstere Gestalt unter ihrem Fenster stehen. Sie meinte, jene Gestalt auch auf dem Heimweg schon gesehen zu haben. War sie in Halloween?! Verfolgt von Michael Myers?! Wohl kaum! Aber ganz wohl war ihr nicht mehr... 

Als ob dieser Stalker nicht schon genug gewesen wäre, nahmen auch die Mobbingattacken seitens ihres Abteilungsleiters zu. Er liess keine Gelegenheit aus, um ihr eins reinzuwürgen. Zum einen waren ihre Arbeitszeiten Jenseits von Eden und auch aus ihren 2 freien Tagen wurde ein Tag und zwei halbe. Er kritisierte sie, wo er nur konnte. Ihn hätte man in einer blauen Kunststofftonne verscharren sollen! 

Die Gestalt trieb sich täglich vor dem Plattenbau herum, in dem sie wohnte. Sie erhielt anonyme Anrufe und dazu fand sie nahezu jeden Tag einen anonymen Brief in ihrem Briefkasten vor. 

Ihre Mutter meinte, das wäre bestimmt einer dieser Freaks aus dem Internet! 
Woher hätte sie denn wissen sollen, dass es ihrer Tochters Chef war, der sie stalkte und belästigte? 
Der freundlich und sympathisch wirkende blonde Mann mit den trübblauen Augen, der sie immer so fröhlich anlächelte, wenn sie ihre Tochter von der Arbeit abgeholt hatte... 

Im Gerichtssaal gestand er dann seine Tat ein. Er sei es gewesen, der das 18-jährige Mädchen brutal vergewaltigt und sie anschliessend, bei lebendigem Leib, in den grossen Wäschetrockner gesteckt hatte. Er hatte so etwas in My bloody Valentine gesehen. Natürlich im Remake von 2009. Sie kannte die Szene aus dem Original von 1981. 

Während ihr verbrühter, mit Blasen überzogene Körper im Trockner rotierte, lief im Radio Don't fear the reaper.