Sonntag, 30. März 2014

Mit Schreckensflug AF276 durch die TWILIGHT ZONE

Prolog

Bereits liegen 40 Gesprächsminuten hinter uns. Noch immer verhandeln wir über unseren Flug. Ich bin gegen eine Abreise ab GVA (Genf Cointrin) noch weniger mag ich mit dem Gedanken anfreunden, mit der Air France zu fliegen. Gegen eine Flugreise in einem Airbus wehre ich mich vehement! 
"Hier ist ein günstiger Flug mit Aeroflot!" ertönt es aus dem Lautsprecher. Ich bin es langsam leid und so ist meine Antwort nur noch ein gelangweiltes "Airbus". Die Suche geht weiter. Die Suche meiner Reisebegleitung, habe ich bereits still für mich entschieden, dass ich bei KLM buchen werde. 
Schliesslich begibt sie sich wieder zurück auf die Webseite von den Holländern. 
Aus humanitären Gründen, bin ich kompromissbereit. Ihr Flugticket kommt günstiger, wenn wir mit KLM's Partnerin, der AirFrance fliegen - ab Genf. Für mich hat die Reise just in jenem Moment einen bitteren Beigeschmack, woran die Erzählungen einer Bekannten über etwaige Terroranschläge nichts ändern. Aber gut, der Flug ist gebucht, meine Reisebegleitung ist glücklich. Ich bleibe skeptisch.

Von Genf Cointrin nach Charles de Gaulle Paris,  France

Wieso die Schweiz noch immer als "Paradebeispiel" für Organisation angesehen wird, sollte spätestens seit dem Fall der SWISSAIR zum Nachdenken anregen... 
Wir warten auf unseren Flug. Eine unverständliche Durchsage brummt durch die Lautsprecher. War das jetzt Englisch oder Französisch? Keiner weiss es so genau. Erneut kommt eine Durchsage. Erstere sollte Englisch darstellen. Die Zweite ist in perfektem Französisch, dem ich nur teilweise mächtig bin. Daher sollte man sich auch hier fragen, wieso der französischen Durchsage entnehmen konnte, dass unser Flug AF1643 nach CDG (Charles de Gaulle, Paris) mit rund 20min Verspätung eintreffen wird. Die Zeit zum Umsteigen dürfte knapp werden... 

Rund 40min später sitzen wir im A321. In einem recht schmutzigen A321. Als ich die Kaffeeflecken auf dem Klapptischchen erspähte, sagte ich ganz trocken zu meinem Gegenüber: "Das gibt es bei der KLM nicht." Jenen Satz, sollte ich während den folgenden 11,5 Stunden noch öfters von mir geben... 

Auch hier waren die Durchsagen des Piloten in unverständlichem Englisch gehalten. Gedanken an die Crossair überkamen mich. Bilder der Wrackstücke von Crossair Flug 498 schossen durch meinen Kopf. Kommunikationsschwierigkeiten galten als eine der Ursachen für die Tragödie... 
Sollte ich meinem Gegenüber jenes Ereignis detailliert schildern? Ich liess es bleiben und begnügte mich damit, zu sagen, dass man das Englisch der KLM Piloten sehr wohl verstehen würde...

Schreckensflug AirFrance 276 von Paris nach Tokyo

Als ich meinen Mitmenschen erzählte, dass wir mit der AirFrance nach Japan fliegen werden, waren die Reaktionen allesamt negativer Art. Negative Erfahrungsberichte wie auch Befürchtungen wurden mir geschildert. Ich hätte es als OMEN anschauen und auch ernst nehmen müssen - reisten wir ab GVA geradewegs in die, die TWILIGHT ZONE (Intro):

Die Idee zu dem Bild ist allerdings
ein Abklatsch aus In the mouth of madness

Bereits am GVA kamen die ersten Probleme auf uns zu, waren die Lautsprecherdurchsagen nur schwer verständlich. Einerseits weil sich selbst das Englische wie Französisch anhörte und andererseits, waren die Durchsagen zu leise. Was ich der französischen, jedoch nicht der englischen Durchsage entnehmen konnte war, dass sich unser Flug um 15 Minuten verspäten würde, woraus dann schliesslich eine Stunde wurde.
Folglich hatten wir am pompösen und recht schön anzuschauenden CDG (Charles de Gaulle, Paris) eine knappe Transferzeit, erschienen jedoch gerade rechtzeitig zum Boarding.


In der B777 wollten die negativen Ereignisse dann einfach kein Ende nehmen:
Spassig war ja, dass man in der Business Class noch gut voran kam. Der Gang wurde dann immer schmaler, bis er fast so schmal, wie der Abstand zum Vordersitz war. Meine Reaktion war folgende:
Willkommen in der Economy der AirFrance!

Es hätte mir eine Warnung sein sollen. Ich hätte mich weigern sollen, die B777 der AirFrance zu betreten, nach dem ersten Flug, mit dieser Airline. Natürlich war es ein Omen. Ich hatte mein Schicksal selbst in der Hand - und änderte nichts daran. Beim Security-Check wurde einer Gestalt in langer schwarzer Kutte eine Sense abgenommen, durch die Lautsprecher des pompösen Flughafens Charles de Gaulle in Paris, war "Rocky Mountain High" von John Denver zu vernehmen (*jener starb bei einem Flugzeugabsturz), dennoch ging ich schnellen Schrittes zum Gate und betrat die 777, ohne zu ahnen, welch schwerwiegende Folgen das haben würde... 

Das Personal schien gestresst und genervt zu sein. Ähnlich dem Personal in einem gewissen Flughafenhotel... Auch diese Kiste war schmutzig! Schmuddlig sahen sogar die Sitze der Business Class aus. Der Gang von der Business über die Economy Comfort wurde immer schmaler, bis man schliesslich zu einem Gang gelangte, der so schmal war, dass recht breite Menschen, diesen nicht hätten bezwingen können. Hallo Economy class der Air France! "Bei KLM sind die Gänge breiter..."

Auch hier wies mein Klapptischchen Kaffeeflecken auf. Beim herunterklappen wurde mir gleich ein "Amuse bouche" (kleine Vorspeise) serviert. Brotkrümel vom Essen meines Vorgängers. Der Boden war schmutzig und auf meinem Kissen klebte ein Haar, welches nicht von mir war. 
Könnte es noch schlimmer werden? JA

Meine Begleitung erfreute sich am Entertainmentsystem. "Hast Du gewusst, dass genau das Grund für den Kabelbrand war, der SWISSAIR Flug 111 vor Halifax ins Meer stürzen liess?" Meine Begleitung konnte sich über die neugewonnene Information nicht so recht freuen. (Ich sollte mir angewöhnen, solch wichtige Informationen künftig in Englisch von mir zu geben, damit jeder Passagier davon profitieren kann...)

Gaumenschmaus: "VEGAN" à la France

Mein VEGANES Essen, welches eigentlich vegan hätte sein sollen und wohl nur der Form halber den Namen VEGAN trug/trägt, sah wie folgt aus:





Anders als bei der KLM, die bei jedem Getränkeservice heissen Grüntee anbieten, gibt es dieses Getränk bei der AirFrance nur zum Lunch beziehungsweise zum Dinner.
Erstaunlicherweise schmeckte der doch recht grüne Grüntee aber sehr gut. Hier gibt es also doch mal einen Pluspunkt für die Franzosen. -_^

Mein Hauptgang bestand aus einem recht eigen schmeckenden Curry. Wohl aus Rücksicht auf all die zahnlosen Passagiere, erhielt auch ich einen gut verkochten Basmatireis. Er schmeckte so, als wäre er in Currywasser verkocht worden. Sehr interessant.
Möglicherweise wurde auch das verkochte Gemüse gleich im selben Topf mitverkocht... Oben auf meinem Curry-Inferno lagen zwei Fladen, deren Zutaten mir bis heute unbekannt sind. Sie schmeckten aber auch sehr eigen und waren von der Konsistenz her etwa so gummiartig, wie das, was bei der AirFrance als Brötchen bezeichnet wird. Mir stellte sich die Frage, wieso man bei Reis und Gemüse Rücksicht auf die zahnlosen Passagiere nahm, aber bei allem was irgendwie mit Brot verwandt ist, nicht...?
Dem Reis war nebst Gemüse auch noch Ei beigemischt worden. Da ich ein veganes Menü bestellt hatte, musste es sich um eines dieser neuen Gentech-Eier handeln, über deren Existenz ich kürzlich in einer Zeitschrift gelesen hatte. Allerdings waren die noch nicht auf dem Markt, sondern befanden sich erst in der Zucht- und Testphase in einem Labor in den Vereinigten Staaten. Demnach musste es sich doch um ein Hühnerei handeln. Super.

Gut versteckt in dieser AirFrance Kartonbox befanden sich Butter und ein Nature Yoghurt. WTF?

Die Luft in Flugzeugen wird ja recycelt und besteht im Grunde nur aus Kohlendioxid und den Hautpartikeln anderer Passagiere. Dieser Luft könnte man doch noch leckere Düfte beimischen, etwa denen, die durch Flatulenz erzeugt werden. Anders kann ich mir nicht erklären, wieso man einen Bohnensalat serviert bekommt. Aus Rücksicht auf meinen Magen und die Riechkolben der anderen Passagiere, habe ich diesen Gaumenschmaus stehen lassen. Da Rita Tomaten noch weit mehr verabscheut, als ich, habe ich ihren Salat bekommen. Tomate mit Gurke. Wieso bekomme ich mit meinem veganen Menü denn eine Pampe aus Bohnen, Tomatenabfällen und Kartoffeln? Offenbar sind Gurken bei der AirFrance nicht vegan.

Als vegan betrachtete die AirFrance dafür mein Dessert. Was hier wie etwas aussieht, das bei Zombie.... - lassen wir das. Ich denke jeder kann sich selbst ausmalen, womit mein Dessert verglichen werden könnte...
Mein Dessert jedenfalls war ein Griesspudding, der liebevoll mit Pistazien dekoriert worden war.

Zum Essen gab es eben dieses gummiartige Weissbrot, das mich beim Kauen entfernt an einen Fahrradschlauch erinnert hat... Jedenfalls war es aus Weissmehl - gesund! Dazu gab es BUTTER. Ja, AirFrance, mein veganes Abendessen habt ihr wirklich versaut... Na ja...

Immerhin gab es, gegen den schlechten Curryatem, diese bunten kleinen fröhlichen süssen Mouth Refresher, die weniger des Geschmacks sondern der Farbe und Grösse wegen für pure Freude sorgten.
Allerdings hat Rita keine bekommen. War wohl wirklich gegen den schlechten Curryatem gedacht...

 Und hier die Fehler nochmals zusammengefasst:
- Curryreis mit Ei
- Butter
- Weissbrot
- Griespudding
- Nature Yoghurt

Es ist recht interessant, zu sehen, was die AirFrance unter "vegan" versteht...

Wenn wir schon beim Gourmet-Menü der AirFrance sind, hier noch mein Frühstück:


Tadaaa! Mein Frühstück ist da! 
Orangensaft aus dem Pappbecher, mit mehr Zucker als Orangensaft-Konzentrat. Ein paar Stück Obst, worüber ich absolut dankbar war, Erdbeer-Confiture und:
Wieder dieses Fahrradschlauchbrötchen. 
Als ob das Fahrradschlauchbrötchen nicht schon genug gewesen wäre, gab es, separat in einer Pappbox liegend, ein weiteres weisses Brötchen, dessen Konsistenz auch nicht besser war. Ich wusste genau, sollte ich das essen, würde mein Magen rebellieren... nice.
Dazu gab es etwas, das ich erst für Margarine hielt, das sich aber bei genauer Betrachtung als eine andere Butter herausstellte. 
Nun richte man sein Augenmerk auf die Ecke hinten links. Was steht denn da und grinst vor sich hin? Das Nature Yoghurt, welches bereits beim Abendessen mit Verachtung gestraft wurde. Möglicherweise war es ja das Selbe? -_^



Modisch gekleidet in diese Alubox lag ein vegetarisches Samosa, neben einem Dal. Ich nehme jedenfalls an, dass es sich um Dal handelte, welches ich aus dem selben Grund, aus dem ich den Bohnensalat habe stehen lassen, nicht gegessen habe. 

Tief in der Nacht - Gedenken an Kalojev

Die Nacht legte ihren Schleier aus Finsternis und Schrecken über Flug AF276. Die meisten Passagiere schlummerten vor sich hin - so auch meine Begleitung. Blaue Pillen bescherten ihr einen wunderbaren Schlaf. 
Ich beobachtete die Mitreisenden. Eine Frau schaffte es tatsächlich, über den ganzen Flug hinweg einen Film nach dem anderen zu schauen... 
Der kleine Bildschirm in der Sitzlehne meines Vordermanns zeigte mir die Reiseroute. Wir befanden uns über Russland. Der Name der Stadt UFA leuchtete in gelben Lettern auf dem dunklen Hintergrund. Bilder zweier kollidierender Flugzeuge (Bashkirian Airlines Flug 2937 & DHL Flug 611) nahe Überlingen beim Bodensee bahnten sich den Weg, aus der Kiste meiner Erinnerungen hinauf, an die Oberfläche. Ich gedachte an Vitali Kaloyev und den toten Peter Nielsen... 


"Dong" Das Symbol leuchtete auf, man solle sich anschnallen. Die "englische" Durchsage des Piloten war, wie immer, unverständlich. Einzig "turbulence" war zu verstehen. Und schon wurde die Maschine ein bisschen durchgeschüttelt. Hie und da war ein Schrei zu vernehmen. Hervorgebracht von verängstigten Passagieren, die sich dem Tode nahe sahen... Sollte ich just in dem Moment den Schrei des Märtyrers von mir geben? Das wäre ein Spass! ^_^

Wenn Decken ihr Winterfell verlieren

Weder im A321 von GVA nach CDG, noch in der B777 von CDG nach NRT waren die Kabinen sauber. Die Klapptische waren noch schmutzig von unseren Vorgängern, der Boden sah aus, als hätte er schon seit Längerem keinen Staubsauger mehr gesehen und auch die Scheiben waren verschmiert - wohl mit dem Stirnfett des Vorgängers. Yamyam


Die Sonnenstrahlen schienen durch das kleine mit Eiskristallen gezierte Fenster. Ein Schrei des Entsetzens brachte das ganze Flugzeug in Aufruhr! AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA! 


Meine schwarze Hose und mein schwarzes Jäckchen waren voller beiger Fusseln! Diese **** Decke! Ich sah aus, wie ein Penner, war ich über und über mit diesen Fusseln übersät (Die Körperfressen kommen) Nachdem ich mich über die Dauer von rund 15 Minuten mit dem Kissen "abgerollt" hatte, war mein Erscheinungsbild wieder oke. "Die Decken bei der KLM sind aus Baumwolle und fusseln nicht!" 
Meine Decke fusselte so stark, dass meine einst schwarze Hose und mein einst schwarzes Jäckchen einen beigen Flaum aufwiesen, welchen ich über die Dauer von rund 20 Minuten mittels Kissen abzufegen versuchte. Es gelang mir recht gut... Na ja, immerhin sah ich danach nicht mehr ganz so arg nach frisch aus der Mottenkiste aus.






















Nachtgesichter

Die Gesichter der Flight Attendants sprachen Bände und erinnerten mich an die Gebrüder Klopek aus Meine teuflischen Nachbarn, deren freundliche Gesichter im Film ebenso für Hochstimmung deren Gäste sorgten, wie die Gesichter der FA's für die der Passagiere.

Als der Terrorist in der Klokabine verschwand...

Seit dem 11. September 2001 wird Jedermann hellhörig bei Worten wie "Terrorist". Verhalten sich Passagiere eines Flugzeugs nicht der Norm entsprechend, kann es schon mal zu Notlandungen kommen. Gab es doch einen Fall, in dem sich ein Passagier "zu" lange auf der Toilette aufgehalten hatte und bereits zuvor recht unruhig gewirkt haben muss. Besorgte (ums eigene Leben, welches ja jäh hätte beendet werden können, bspw. mittels im Klohäusschen hochgehender Bombe) Passagiere alarmierten das Personal, das Flugzeug landete ausserplanmässig auf dem nächstgelegenen Flughafen, die Passagiere wurden evakuiert und der an Durchfall leidende vermeintliche Terrorist, wurde vom SWAT in ärztliche Hände eskortiert. 
Dies nur ein Beispiel dafür, dass man, als Insasse eines Flugzeuges, Sachen wie eben "Terrorist", "Allahu akbar" oder ähnliches nicht sagen und Schweissperlen auf der Stirn vermeiden sollte. 
Da ich aber nicht der Norm entsprechen möchte und als besorgter (eher amüsierter) Passagier der B777 der AirFrance innewohnte, konnte ich es nicht vermeiden, einen (vermutlich harmlosen) Passagier als Terroristen zu denunzieren - wenn auch nur für meine Kollegin (und vermutlich die zwei Sitzreihen vor und neben uns hörbar). Er zeigte sämtliche, für Terroristen typische, Verhaltensweisen, als da wären: Er ging abermals im Gang auf und ab und suchte EINE GÜRTELTASCHE TRAGEND die nahegelegene Toilette auf. Dort verweilte er über einen längeren Zeitraum, was für einen Terroristen bereits zu lange war. So diskutierten sämtliche möglichen Szenarien durch und kamen zu dem Schluss, dass jener Mann, mit der auffällig schwarzen Gürteltasche ein Selbstmordattentäter sein muss, der just in diesem Moment im eine Bombe zusammen bastelt. Da man mit Erinnerungen kreativ umgehen kann, denke ich ihm einfach noch ein rotes ramboähnliches Stirnband um die Stirn gebunden hinzu, einfach um der Sache noch etwas Würze zu verleihen. 
Nach geraumer Zeit (und möglicher in der Toilette deponierter Bombe) ging der potentielle Mohammed-Atta-Anwärter zurück zu seinem Platz. Dass wir das Flugzeug lebendig verlassen konnten, schreibe ich seinem Ungeschick, eine Bombe basteln zu können, zu. 

Letzte Worte...

Abschliessend möchte ich aber noch die überraschend sanften Landungen beider Flugzeuge hervorheben.

Dennoch, werde ich nie wieder bei AirFrance buchen, resp. einem Codeshare zusagen.



Mittwoch, 26. März 2014

Die Gunst Ihrer Majestät der Würfel

Es weint sich aus der Winterhimmel… unter dessen Tränen gehe ich schnellen Schrittes zu diesem seltsamen Gebilde aus Würfeln, zu dem ich von Ihrer Majestät zitiert wurde. 
Am Tage zuvor wurde mir, durch einen Boten Ihrer Majestät ein Schriftstück überbracht, in dem ich zu Hofe zitiert wurde. Natürlich überlegte ich mir, ob es nicht besser wäre ins Exil zu gehen. Irgendwo fernab des Würfelpalastes. Aber ich entschied mich zum würdevollen letzten Gang… 

Zu Hofe wurde ich vom Geschmeiss kritisch beäugt. Es wurde getuschelt. Einige hielten bereits Steine in den Händen. „Der der ohne Sünde ist werfe den ersten Stein“ Sollte dies mir gelten? 

Keine Zeit des Wartens. Ich wurde sogleich zu Ihrer Majestät und dessen Gefolgsmann und Untertan vorgelassen. Ich sollte mich setzen - im Verhörzimmer. Wie im Film wurde mir ein Scheinwerfer ins Gesicht gehalten. Ich wurde angebrüllt: „Gestehe! Gestehe endlich! Verdammtes Weibsstück! Gestehe!“
Gar grausge Sünden, welche mir zur Last gelegt wurden sollte ich gestehen getan zu haben. Einiges entsprach der Wahrheit. Anderes war zu verschleiert, als dass man von wahren Begebenheiten hätte sprechen können. 
Mir wurden Bilder gezeigt. Bilder auf denen einstige Kollegen abgebildeten waren, welche das Verhör nicht überstanden hatten. 
Ich schwieg. 
Die Daumenschrauben wurden angelegt. Ich schwieg. 
Mir wurde kontinuierlich mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen. Ich schwieg. 

Der Untertan Ihrer Majestät brüllte mich, die Nerven bereits verloren, an: „Gestehe! Gestehe endlich! Verräter! Du sollst brennen! Brennen sollst Du!!!“
Ich schwieg. 

Ihre Majestät erhob sich. In den mit pompösen goldenen Ringen geschmückten Fingern hielt er eine Schriftrolle, welche er ausrollte. Mit einem selbstgefälligen überlegenen Grinsen, las er mir meine Vergehen vor…
 - INSUBORDINATION
 - PERFIDIE
 - HOCHVERRAT
Je nach dem war die Strafe Folter oder Tod durch Folter. Mir wurde unterbreitet zu gestehen, damit ich einen schnellen fast schmerzfreien Tod sterben würde. Sollte ich weiterhin nicht gestehen, sollte ich brennen. Also waren die Steine des Geschmeiss’ nicht für mich bestimmt gewesen. Immerhin ein Trost, wenn auch ein schwacher. 

Während mir mit einer recht stumpfen Klinge, der grosse Zehe abgesäbelt wurde, sollte ich meine Unterschrift unter das, mit krakeliger Hand verfasste, Geständnis setzen. Ich musste 8 Zehen, 3 Finger und ein Ohr einbüssen, ehe die feinen Herren zu der Einsicht kamen, dass ich die mir vorgeworfenen Vergehen nicht begangen hatte. 

Ihre Majestät war ratlos. Ihrer Majestät Untertan kochte vor Wut. Er wusste es. Er wusste genau, dass ich die Schreiben verfasst hatte, welche das Königreich in Verruf brachten. Sämtliche Schriftstücke waren aus meiner Hand verfasst worden. Dennoch gestand ich nicht. Wozu auch? 
Ihrer Majestät blonder Untertan rückte seine Brille zurecht und bemerkte, „Selbst wenn dieses Weibsstück schuldig ist, ohne die 3 Finger ihrer rechten Hand, wird sie keine Schriftstücke mehr verfassen können.“
Er hatte ja keine Ahnung, dass ich die Schreiben mit der linken Hand verfasst hatte. 
Ich wurde aus dem Verhör entlassen und von den mir zur Last gelegten Vergehen freigesprochen. Sobald etwas Zeit verstrichen ist, werde ich erneut Schriftstücke unters Volk bringen. Sollten sie mir den linken Arm nehmen, werde ich die Texte diktieren. Schneiden sie mir die Zunge heraus, werde ich dennoch in der Lage sein, meine Schriftstücke zu verbreiten. Und selbst wenn sie mich töten, so werden meine Schriftstücke doch weiter existieren. 
Das Volk weiss, um die finsteren Machenschaften Ihrer Majestät Untertan und wird sich auflehnen. Verteidigungsanlagen werden errichtet werden. 

Gestern erst hörte ich die Stimme eines alten Mannes sagen: „Lass uns gehen zu Henri, und sprechen über REVOLUTION.“

Dienstag, 11. März 2014

Meine Sitzreihe ist nicht vorhanden

Ich mag den Typen vom KLM-Kundendienst, mit dem ich dieses sympathische Telefonat führen durfte wirklich.

Kurz nach Erhalt der Mail über den Flugzeug-change verfiel ich in panische Angst. Auslöser war die Frage nach dem Sitzplatz, welchen ich im A380 mit Bedacht gewählt hatte.
Über die Website war beim Seatmap noch immer das des A380 hinterlegt, also blieb mir nichts anderes übrig, als den Kundendienst anzurufen.
Ein sehr sympathischer, entweder neuer oder noch recht junger, Mitarbeiter meldete sich. Mit meinem Anliegen war er kurz überfordert und fragte, ob ich kurz Zeit hätte, er würde seinen Supervisor diesbezüglich fragen. Natürlich hatte ich Zeit :-)
Er meldete sich kurz darauf wieder und verkündete die frohe Botschaft:
Die Sitzplätze werden übernommen. Das heisst, Sie haben in der B777 die gleiche Sitzplatznummer, wie im A380. 
DAS irritierte mich doch stark, denn hatte ich doch das Seatmat der AF B777-200 auf dem Bildschirm vor mir und da war keine Sitzreihe L verzeichnet. Reihe K war die Letzte. Dies teilte ich dem Mitarbeiter mit und brachte ihn so etwas ins Schleudern. Ein witziger Dialog folgt:
"Sind Sie sicher? Das... ähm... kann eigentlich nicht sein."
"Ja, ich habe das Seatmap der B777-200 vor mir, und da existiert keine Sitzreihe L."
"Ähm... *seufz*... ja da bin ich grad überfragt. Haben Sie noch etwas Zeit? Ich würde meinen Supervisor nochmals fragen."
"Ja natürlich, kein Problem."
"Vielen Dank. Kleinen Moment. Bin gleich zurück. - Sind sie noch da?"
"Ja."
"Danke fürs wiederholte Warten! Also, mein Supervisor hat gesagt, die Sitzplätze werden übernommen und die Sitzreihe L ist in der B777-200 vorhanden."
"Okeee? Jetzt bin ich irritiert."
"Woher haben Sie denn das Seatmap?"
"Von der Page der AirFrance."
"Omg... ähm... ja dann wird es sich wohl um ein Altes handeln. Also Sie haben wirklich den Sitzplatz XX L, denn das ist bei uns im System so erfasst und in diesem System können wir keine Sitzplätze vergeben, die nicht vorhanden sind."
"Achso. Oke. Na gut. Und wo genau befindet sich denn dieser Platz? Ich achte immer auf Notausgang und vorallem darauf, dass ich keinen **** Gof hinter mir sitzen habe."
"Ähm ja... also Sie haben zwei Sitzreihen hinter sich."
"Kann man das noch ändern?"
"Leider nein. Ich habe nur noch einen freien Sitzplatz und der befindet sich in der Mitte in der Mitte."
"Omg...nein Danke. Das nun wirklich nicht. Und den Flug umbuchen, ginge das?"
"Moment.... nein leider nicht, weil Sie bei den Tarifbestimmungen akzeptiert haben, dass Umbuchungen nicht möglich sind. Hald weil der Flug so günstig war."
"Und gegen Aufpreis geht auch nicht?" frage ich mit leichter Verzweiflung in der Stimme.
"*lach*, leider nein. Ich kann wirklich nichts für Sie tun. Tut mir leid."
"Na ja, dann kann man nichts machen. Schade, aber trotzdem vielen Dank."
"Ja sehr gerne. Und über den Sitzplatz machen Sie sich keine Sorgen. Der wird schon da sein."
"Ja da bleibt mir ja nichts anderes übrig, als Ihnen zu vertrauen, was?"
"Hehe, ja scheint so."
"Gut, dann gehe ich am 30. in diese B777 und lasse mich überraschen, ob mein Sitzplatz vorhanden ist."
"*lach*, ich hoffe doch! Also Sie werden bestimmt einen Sitzplatz haben."
"Und wenn nicht, mache ich Tragflächen-Surfing. *lach*"
"*lachanfall* oder so!"
"Gut, vielen Dank nochmals."
"Ich danke auch - und frohe Weihnachten."
"Das wünsche ich Ihnen auch  - Dankeschön."

Tja, und so lasse ich mich überraschen, ob die B777-200 der Air France einen Sitzplatz für mich bereit hält. Eine Freundin meinte, wenn nicht, kannst Du Business fliegen. Ist doch auch schön. Haha wir werden sehen.

---------------
#navilicious

Samstag, 8. März 2014

Böse Omen

Wir schreiben das Jahr 2007. Auf dem Weg zum Bahnhof versuche ich verzweifelt, mich mit meinem Sony Ericsson online einzuchecken. Diese Technik muss allerdings noch ausgebaut werden. Die Seiten lassen sich nur schwer anzeigen und diese mobiltelefon-optimierten Seiten sind ein Wirrwarr an Links und Worten. Sprich, es funktioniert natürlich nicht. Soll ich das jetzt als böses Omen betrachten? 

Letztendlich hat der Check-in via Computer funktioniert und ich sitze auf meinem Fensterplatz in der Boeing 737 der holländischen KLM - Royal Dutch Airlines. Eine Freude, alles ist in blau! ^_^
Während mein Flugzeug die Startbahn entlang rollt, schaue ich aus dem Fenster und erspähe ein ausgebranntes Flugzeugwrack jenseits der Startbahn im Gras stehen. Ungläubig schaue ich wie gebannt auf dieses grüne Ding ohne Fensterscheiben. Was ist hier passiert?! 
Ist das ein Omen? 
Die 737 hebt ab in die Lüfte und fliegt ohne Zwischenfall nach Schiphol - Amsterdam. Neben mir sitzt eine Chinesin, mit der ich mich zu unterhalten beginne. Als sie mich anlächelt erschrecke ich kurz! Ihre Zähne sind gänzlich schwarz, was mich für einen Moment an Mrs. Kirsh in Stephen King’s ES erinnert. Diese freundliche alte Dame, die plötzlich schwarze Zähne entblösst und letztendlich zum halbverwesten Leichnam von Beverly Marsh’s Vater mutiert. 
Sie heisst Hao und ist auch auf dem Weg nach Japan. Sie wird mit ihrem Orchester in Tokyo auftreten. Wenn ich Zeit habe, solle ich doch vorbeikommen. Sie gibt mir die Adressen:

Akasaka Excel Hotel Tokyo
2-14-3 Nagato-cho
Chyoda-ku
Tokyo 100-0014

Bunkamura Orchid Hall Tokyo
2-24-1 Dogenzaka
Shibuya-ku
Tokyo

Am Schiphol verabschieden wir uns voneinander. Vor der B737 steht ein Bus, der uns zum Terminal fahren wird. In einer Stunde geht mein Anschlussflug nach Narita, Japan. Mein erster Langstreckenflug - und dann bin ich auch noch alleine unterwegs. Ja, ein bisschen nervös bin ich schon. 
Der Flug verläuft auch ohne Zwischenfall. Neben mir sitzt eine ältere Japanerin, mit der ich mich unterhalte. Unsere Unterhaltung verläuft in einem Mix aus Englisch und Japanisch und ist überaus amüsant. 

Am Narita Flughafen warte ich, mit unzähligen anderen, auf mein Gepäck, das fast zuletzt kommt. Natürlich wird meine Sporttasche von eine Zollbeamtin durchsucht. Alle Anderen können durchgehen, aber meine Tasche wird unter die Lupe genommen. Super, noch ein Omen. Die Dame ist sehr freundlich und amüsiert sich über meine Sushi-Kissen, die sich in der Tasche verbergen. Geschenke für meine Gastfamilie. 
Da weder Koks noch sonstige ilegale Rauschmittel gefunden werden, bekomme ich meine Tasche zurück und gehe zum Ausgang, wo eigentlich ein Transfer auf mich warten sollte. Von den rund 12 Namenstafeln, die von fremden Händen gehalten werden, steht auf keinem mein Name drauf. Na super! Von meiner Schule habe ich eine Notfallnummer erhalten, falls nach einer Stunde niemand kommen sollte. Also setze ich mich hin und warte. Dabei werde ich von sechs japanischen Roadies observiert. 
Irgendwann ertönt mein Name aus den Lautsprechern. Ich soll mich beim Infodesk melden. Hoffnung keimt auf! 
Die Dame am Desk ist der englischen Sprache allerdings nicht mächtig, was mich angesichts der Location doch etwas irritiert. Wie kann man ohne Englischkenntnisse an einem Flughafen arbeiten? Ich sage ihr meinen Namen nochmals und sie nickt schliesslich und winkt einen finsteren Taxifahrer zu sich. DEN hatte ich zuvor gesehen, aber sein Schild trug den Namen einer anderen Person. 
Ich kann nicht behaupten, dass der Mann von freundlicher Natur ist. Weder ein Hallo noch sonst was. In amerikanischen Filmen reden die Taxifahrer doch unentwegt mit einem. 
Mein Taxifahrer, der vom Äusseren und überhaupt durch seine ganze Attitüde für eine Rolle als Yakuza hätte anheuern können, telefoniert die ganze Fahrt durch. Seine grauen, streng nach hinten gekämmten Haare passen farbilich perfekt zum dunklen Anzug und dem weissen Hemd. Er trägt eine riesige Sonnenbrille, wohl um die Furchen in seinem Gesicht zu verstecken. Ich sehe sie trotzdem. Die Nägel seiner kleinen Finger sind lang und gelb. An seinem Mobiltelefon baumeln eine Vielzahl unbehaglicher Gegenstände. Als da wären ein bondage doll, Handschellen, Ketten, Peitschen, eine kleine Pistole… Zu allem Überfluss wird die Gegend auch immer beklemmender. Weg von der Zivilisation sehe ich nur noch Fabriken. Lagerhallen. Zerfallene Gebäude. 
Natürlich fällt mir just in dem Moment das Gespräch ein, das ich kurz vor meiner Abreise mit einem Freund geführt hatte. Wir hatten uns über Hostel unterhalten. Er meinte, ich werde dann von einem finsteren Taxifahrer in einem schwarzen Taxi entführt und in eine zerfallene Gegend verschleppt, wo ich dann Hostel life erleben werde. Was haben wir gelacht! 
Angesichts des finsteren Taxifahrers, des schwarzen Taxis und der zerfallenen Gegend bekomm ich es nun aber doch ein bisschen mit der Angst zu tun und spiele gedanklich durch, wie ich mich am besten zur Wehr setzen und fliehen könnte. Ja ich überlege mir sogar ernsthaft, die Tür des Taxis zu öffnen und aus dem fahrenden Auto zu springen. 
Der Jetlag macht mir jedoch zu schaffen und die drückende Hitze ebenfalls. Was für ein perfektes Opfer ich doch abgebe! 

Plötzlich befinden wir uns wieder in der Zivilisation. Das Taxi hält vor einem riesigen Gebäude, zu dessen Eingang eine gigantische Treppe führt. Ich halte das Gebäude aus rotem Backstein für eine Bibliothek oder sonst eine öffentliche Einrichtung. Weit gefehlt. Ich werde den nächsten Monat hier wohnen. Es ist die GRAND RESIDENCE in Abiko, wo meine Gastfamilie wohnt. Die kommen auch schon die Treppe herunter und begrüssen mich überschwänglich. 


Jetzt wird alles gut.