Donnerstag, 3. Juli 2014

Pendler-Horror #01

Erst echauffiert sich eine Frau mittleren Alters darüber, dass sich dreiste (eher schlaftrunkene) Menschen in Abteile setzen, deren Fenster mit dem verhassten (besonders bei Durchsagen wie "Zwei Wagen im Sektor D sind geschlossen") "RESERVIERT"-Schild versehen sind. Nachdem sie, gehässigen Tones, erfolgreich alle Menschen in die Flucht geschlagen hat, kehrt für gute 2 Minuten Ruhe ein... Niemand ahnt etwas, vom Grauen, das sich, virusartig sogleich in Gestalt bellender Teenies in den "RESERVIERT"-Abteilen aufteilt. Es wird gekreischt, gelacht, laute Musik gehört und einmal mehr wird demonstriert, dass die Installation dieser Klapptische eine überaus schlechte Idee war, wird doch in gesundem Rhythmus damit Krach gemacht. Und wieder saust die Platte herunter. Und wieder... Und ich würde gerne die Hand des Übeltäters dazwischen legen und so lange (und ausdauernd) mit der Tischplatte darauf schlagen, bis von einst fensten Knochen nur noch feine Splitter übrig sind. In Anbetracht dessen, dass Jemand dieses Blutbad würde aufwischen müssen und mir wohlmöglich eine Geldstrafe auferlegt würde, welche jedoch aufgrund der milden Tat genauso milde ausfallen dürfte, lasse ich es bleiben. Wenn ich es auf eine mehrjährige Haftstrafe und Geldbussen in Millionenhöhe anlegen würde, lüde ich einfach eine Raubkopie eines Films im Internet hoch. Aber mir gefällt es doch recht gut in Freiheit zu leben. 

Am HB angekommen ergiesst sich die Menschenmasse übers Perron. Auch die kreischenden Halbwüchsigen sind mitdabei und übertönen sogar das Quietschen des bremsenden Zuges auf dem Gleis nebenan.

Kurz vor der Rolltreppe, welche mich gleich zum Perron 44 führen wird, werde ich von einem Rollkoffer erfasst. Er rollt dreist über meine Füsse und wird von eben diesen sogleich weggekickt. Der sich in Eile befindende Businessman dreht verdutzt den Kopf. An der Stelle, an der eine Entschuldigung ausgesprochen werden sollte, ertönt lediglich ein seichtes "Oh". In Anbetracht der Zeitenwende, sollte man sich mit einem "Oh" schon zufrieden geben. Schliesslich gäbe es noch drei weitere Möglichkeiten:
a) perfektionierte Ignoranz
b) man wird aggressiven Tones angepöbelt
c) von einem, sicherlich ungewaschenen und daher höchst unhygienischen, Messer wird man durchlöchert

Auf der Rolltreppe kämpfen zwei Mittelalte ums Überleben. Zumindest lässt dieses hitzige Kopf-an-Kopf-Rennen dies vermuten. 

Ilegalerweise halte ich mich vor der 1. Klasse auf und freue mich auf einen hoffentlich nicht so turbulenten Arbeitstag.

NS: mittlerweile befinde ich mich, diesen Beitrag auf meinem iPhone tippend, im IC gen Olten. Der Geruch der Exkremente, die der Toilettenbenutzer gerade ausgeschieden hat, verteilt sich im ganzen Waggon. 
Morgen werde ich mir das Buch vom freundlichen Darm zu Gemüte führen. Und eventuell noch eines über Lüftungssysteme für Zugstoiletten. Dazu noch eines über DIY-Störsender für Handys. Einfach weil mich die Telefongespräche zu so später Stunde (eigentlich egal zu welcher) nicht interessieren. Weder das in den Kongo oder nach Nigeria (diese Sprachen sind recht schwer auseinanderzuhalten). Auch nicht das eine nach Deutschland. 

In dem Sinne: gepriesen seiest Du, Steve Jobbs, und Deine Ingenieure! Hoch lebe mein iPod!