Sonntag, 28. Dezember 2014

Nahezu fossile EDV

Zeigte sich ein Gast recht echauffiert über die Aktualität unserer Gästecomputer, welche ausschliesslich für unsere Businessgäste zugänglich waren.
Erst funktionierte der USB-Stick nicht, worauf der Herr meinte, ich könne diese fossilen Computer auf die nächste Müllkippe bringen. Ich überlegte kurz, ob ich nicht entgegnen soll "ein Muesum wäre doch bei fossilen Computern ein viel besserer Abnehmer.", habe es dann aber unterlassen. Er schnaubte und fügte hinzu, dass so etwas eine regelrechte Zumutung sei! So etwas könne doch in der heutigen Zeit nicht wahr sein! 
Er wollte mir die Unterlagen dann per E-Mail senden, was sich aufgrund von Wartungsarbeiten am Mailserver, welche natürlich gerade in dieser halben Stunde stattgefunden hatten, verzögert hätte. Also fragte ich, ob er nicht einen anderen Stick, habe und es mit jenem nochmal versuchen möchte. 
Kurz darauf kam er wieder mit einem anderen Stick vorbei. Er grinste mich an und meinte, er versuche es noch mit jenem. Ein Jauchzen war zu vernehmen und er schrie, er habe Erfolg! Der Stick funktioniere! Was war ich erleichtert. ^_^
Während der Tintenstrahldrucker *hust* seine Arbeit tat, kam der Herr wieder zu mir und fragte, ob die Drucker aus dem Jahre 1992 stammten. Damals hätte man sich mit solch antiquierten Modellen abmühen müssen.
Er wisse, ich könne nichts für die minderwertige Ausstattung des Gästecorners, aber er möchte mir dennoch sagen, dass er kürzlich in Amsterdam gewesen sei, den Namen des Hotels habe er vergessen, aber da sei ein jeder Meetingraum mit einem Drucker ausgestattet.Wir sollen uns doch mal Gedanken darüber machen. Denn schliesslich nutze ihm der schönste Raum nichts, wenn er dann so etwas zum Drucken vorgesetzt bekomme.
Er ging wieder zurück zu seinen Gästen um nach ca. 10 Minuten wieder zu kommen, um sein Druckerzeugnis abzuholen. Beim Eingang zum Gästecorner lauschte er erst und meinte dann ganz bestürzt, dass das Ding ja immernoch nicht fertig ausgedruckt habe. Ein amüsiertes Lächeln konnte ich mir da nicht mehr verkneifen. Er meinte dann, es sei wirklich eine Zumutung in einem V--I--P--Bereich mit solchen Urgesteinen arbeiten zu müssen. Wenn er 100 Seiten zum Ausdrucken habe, müsse er ja einen Tag früher anreisen. Ich lachte amüsiert und nickte. Auch er war bereits nicht mehr sauer, sondern leicht amüsiert - oder auch bereits so sehr in seiner Verzweiflung, dass sein Zustand in latenten Wahnsinn überging?
Er habe sich einen anderen Standart versprochen. Sein Homeoffice wäre ja besser ausgestattet! Er habe 3(!) Laserdrucker darin stehen! Einer davon ist in Farbe. Die kosten heute auch nicht mehr alle Welt! So fragte er dann ob ich denn noch einen TINTENSTRAHLdrucker zu hause hätte? "Nein, auch ich habe zwei Laserdrucker - einer davon in Farbe." Nun lachte er laut los und meinte nur: "Sehen Sie?"
Unterdessen war der Drucker mit der Arbeit fertig. Als der Gast mit seinen Papieren wieder an mir vorbeiging meinte er nur, ich solle ihn bitte zitieren und dies alles meinen Vorgesetzten mitteilen.
Sehr gerne -_^

Zugegeben, als er Anfangs maulte, dachte ich nur "schon wieder einer dieser gestressten Businesstypen", doch seine Aussagen waren so schön, dass ich ihn zum Schluss richtig mochte. Schliesslich hatte er ja nicht ganz Unrecht...

Eigentlich hätte ich mir seinen Namen heraussuchen und ihm eine Dankeskarte schicken sollen - ausgedruckt auf dem Tintenstrahldrucker. Er erhellte meinen tristen Tag in jenem düsteren Hotel doch erheblich ^_^ 



Sprechende Fahrstühle und fehlende Meeting-Etagen

Kommt ein gänzlich aufgelöster (erst jetzt während dem Umschreiben dieser Erzählung fällt mir auf, wie makaber das klingt... Ein gänzlich aufgelöster Gast, wäre wohl kaum noch in der Lage, irgendwo hin zu gehen...naja), ja ver(w)irrter Gast zu mir gestürmt. 
"Sie! Verzeihen Sie bitte! Können Sie mir vielleicht helfen? Ich habe ein Meeting in der 14. Etage. Aber der Fahrstuhl sagt, dass sich dort nur das Parkhaus befindet?"
Erstmal bin ich mir nicht sicher, ob ich über die Existenz eines sprechenden Fahrstuhls erstaunt sein, oder ob ich so tun sollte, als hätte er das nicht gerade eben gesagt. Ich entscheide mich schliesslich für Letzteres und antworte ihm, dass sich in der 14. Etage auch Meetingräume befinden. Beruhigt und doch etwas misstrauisch geht er zu den Fahrstühlen, schaut kurz in die Kabine um dann wieder zu mir zurückzukommen: "Sind Sie sich da auch wirklich sicher? Da steht wirklich nur Parking."
"Nein, sicher bin ich mir nicht. Selbst war ich noch nie da oben. Aber meine Kollegen reden immer davon. Kommen Sie, gehen wir doch zusammen nachschauen.", würde ich gerne zur Antwort geben. Anstelle davon sage ich nur, dass ich mir dessen ganz sicher bin und sich nebst dem Parking auch Meetinräume da oben befinden.

Ein Arbeitskollege von mir meinte nur: "Hättest doch sagen sollen: WAS?! Da oben gibt es gar keine Räume?! Meine Kollegen haben mich demnach immer verarscht, wenn sie gesagt haben, sie gehen nach oben! Was für eine masslose Frechheit!"

13.12.2013

Anmerkung: 
2014 habe ich Japan in einem Airporthotel um die Existenz sprechender Fahrstühle erfahren. Beim betreten der Kabine wünschen sie einen guten Tag, dann weisen sie daraufhin, dass die gewünschte Etage erreicht wurde und man vorsichtig aussteigen soll. Beim Aussteigen auf einer Etage, wünschen die Fahrstühle einen angenehmen Aufenthalt. Verlässt man die Kabine in der Lobby wünschen sie einen schönen Tag. 
Nun braucht es wahrlich keine Liftboys mehr... schade. 

Wo aller Anstand fehlt

Eine riesige Veranstaltung gibt es heute zu bewältigen. Wir alle nennen sie nur "Das grosse Fressen", denn etwas anderes ist es nicht. Rund 600 Gäste sind gemeldet. Erfahrungswerte zeigten, dass sich diese 600 sehr hungrigen Menschen den ganzen Tag in der Nähe des Buffets aufhalten und drei bis viermal Nachschlag holen. Man muss sich all diese Menschen, dicht aneinandergedrängt in einem engen Foyer vorstellen. Am besten schaut man sich dazu Bilder überfüllter japanischer Züge an und denkt sich einfach ein 10 Meter langes Buffet und eine Reihe Stehtische dazu.
Andererseits erinnert es auch an eine Viehherde. Unsereins denkt dabei natürlich gleich an Schlachtvieh beim Verzehr der Henkersmalzeit ehe es seinen letzten Gang über das grüne Lenoleum gen Old Sparkey antritt. Jener Anblick zeigt mal wieder auf, dass der Mensch nicht anders ist als Vieh - mit der Ausnahme, dass er sich gegenseitig abschlachtet - meist im Namen der Religion. So ist der Kirche Vergangenheit von einem mit dem Blut Unschuldiger (aka Ungläubiger/Hexen) durchtränkten Leichentuch bedeckt. Aber ich schweife ab - wie so oft -_^
In diesem Jahr jedoch, sollte es nicht ganz so arg werden, war doch wunderbares Wetter gemeldet, weshalb eine Vielzahl an Gästen ausblieb.

Ich erspähe drei Teller bei der Bierzapfanlage, wo noch immer diese inzwischen betrunkenen Ukrainer stehen, und räume sie ab. Als ich zurückkomme hält mir ein Deutscher eine Colaflasche vors Gesicht: "Können Sie mir mal helfen?!" Da ich absolut keine Ahnung habe, worauf der gute Mann hinaus will, frage ich, trotz seines scharfen Tones, noch freundlich nach: "Entschuldigen Sie, wobei denn?" Der Mann, der unverkennbar auf dem Rücken eines Vollblüters im Jagdgalopp durch die Kinderstube gehetzt war, rollt mit den Augen und hat dann tatsächlich den Nerv mir folgende Worte entgegen zu schleudern: "Die Flasche festhalten, damit ich sie öffnen kann! Sind Sie ein Idiot?!" Das wars. Hilfsbereit halte ich die Flasche fest und sage: "Liebend gerne halte ich Ihnen, der kein Idiot ist, die Flasche fest, damit Sie sie öffnen können!" Er schüttelt genervt den Kopf, rollt mit den Augen und beugt sich kurz übers Getränkebuffet um sich des Flaschenöffners zu entledigen. Die in mir aufkeimende Wut drängt mich dazu, ihm in diesem Moment einen kräftigen Arschtritt zu verpassen, damit er filmreif übers ganze Getränkebuffet fliegt. Die rationaldenkende Seite in mir, hält mich gerade noch davon ab. Schliesslich bin ich auf Arbeit. Also packe ich meine ganze Wut in ein messerscharfes "Bitte sehr der Herr. Sehr gerne geschehen!" Und so gehts wie im Kindergarten weiter. Kommt von ihm ein entnervtes "Danke sehr!!!", worauf ich entgegne: "Bitte sehr! Man darf trotzdem anständig bleiben!" Worauf er meint, "Ja merken Sie sich das! Sie sind diejenige, die keinen Anstand besitzt! Ich bin schliesslich Gast hier!" Mit den Worten dreht er sich ab und macht einen Schritt. Doch ehe er entkommen kann, gebe ich ihm mit belehrendem Ton mit auf den Weg: "Wissen Sie, wie man in den Wald schreit, kommts zurück!" Er schüttelt den Kopf und verschwindet in der Viehherde äh, Menschenmenge. 

Rund 4 Stunden später kommt einer der Veranstalter auf mich zu und fragt, ob ich die Person sei, die mit einem seiner Gäste ein Problem gehabt habe. Zwei Minuten später darf ich mich seiner Assistentin erklären. Als sie und drei weitere Damen, die hinter ihr stehen, hören, dass dieser Mensch mich als Idiot bezeichnet hatte, halten sie erschreckt den Atem an. "Ungeheuerlich!" In der Tat.

Eine meiner Arbeitskolleginnen meint nur, sie bewundere mich, für meine Zurückhaltung, hätte sie ihm wohl links und rechts eine runtergehauen...
In Gedanken male ich mir eine Gegenüberstellung aus: Der Typ, der aus der Haut fährt, weil ich ja keinen Anstand besitze und ich, die das letzte bisschen Geduld verliert, zu allem bereit die Ärmel hochkrempelt und entscchlossen fordert: "Jetzt reichts! Alter komm her! Wir gehen vor die Tür und tragens aus!"

So weit sollte es nicht kommen. Die Angelegenheit war vom Tisch.

- Ein Bericht vom 9.12.2013