Samstag, 1. August 2015

Die Schafphase


Miralind und ich durchlebten einen ereignisreichen Arbeitstag. Schliesslich war es ein Freitag und jener Wochentag verläuft bei uns immer ereignisreich. Da haben alle Psychopathen Freigang und beehren uns mit einem Besuch. 
Einmal, es war ein Freitag, verlief alles harmlos und normal und wir hörten entfernt schon die Titelmelodie von TWILIGHT ZONE. Rod Sterling kam um die Ecke geschlichen und begann seinen Prolog zu unserem Freitag und schloss mit den üblichen Worten „…in der Twilight Zone.“

Wie dem auch sei. Ein Mann steuerte auf mich zu und erkundigte sich nach diesem schwedischen Autor der schon ein paar Bücher geschrieben hat. 
Ähm ja… 
Nach kurzem Hin und Her stellte sich heraus, dass die Rede von Knausgard war (der zwar aus Norwegen kommt, aber wie sagte Flip in "Fascht e Familie" doch immer so schön? "Kei Detail"). So begleitete ich ihn zu dessen Büchern und fragte, ob er noch etwas möchte. 
Er entgegnete mir mit einem „Maaaa“.
Etwas irritiert und ein lautes Lachen verkneifend ging ich zu der guten Miralind, die mich schon - aufgrund meiner typischen Mimik - erwartungsvoll anstrahlte. So stellte ich ihr eine Frage: „Was bedeutet ‚Maaa‘? Heisst das ‚Oh vielen Dank!‘ oder ‚Verzieh dich endlich?‘“
Miralind und ich philosophierten über die Meinung des Lautes „Maaa“. Nach zahlreichen Vermutungen und Spekulationen kamen wir schliesslich zum Schluss, dass „Maaa“ definitiv dem Schafslaut nachempfunden sein musste. 
So sagte ich zu Miralind, „wenn mich das nächste Mal einer nervt, sage ich auch nur noch ‚Maaa‘.“ Sie meinte daraufhin sie starre die Kunden dann nur noch an und mache „Maaa“. So brachen wir erstmal in schallendes Gelächter aus und spielten ein paar  mögliche Situationen durch. 

Die Schlüsselszene ging in etwa wie folgt. Es ist doch schon ein Weilchen her und ich erinnere mich nicht mehr 1:1 an jedes Wort, aber in etwa so hat es sich zugetragen:

Miralind als Kundin und ich als ich

Ich: „Guten Tag“
M: „Ich will diesen Bestseller haben! Von diesem Mann!“
Ich: „Welchen meinen sie denn genau?“
M: „Na dieser Bestseller! Den  müssen sie schon kennen, bei diesem Beruf! Also ehrlich!“
Ich: „Maaa!“
M: o_O
Ich: „Verzeihung, ich befinde mich eben in meiner Schafphase. Maaaaaaaaaa“

Und so ist der Ausdruck Schafphase entstanden und wir befinden uns seither fast täglich in einer solchen - wenn auch nur zum Spass. 

Übrigens wird der eine Computer seit dem immer wieder von einem Schaffigürchen, welches ich aus der Kinderabteilung ausgeliehen habe, geziert. Irgendjemand, der dem Schaf-Hype nicht erlegen ist, bringt es immer wieder zurück in die Abteilung und ich hole es immer wieder. 

Denn, dem Schafphasen-Kunden sei Dank, vermag ein Schaf auch den finstersten Arbeitstag zu erhellen! 



Ich denke, die Bilder sprechen für sich, oder?