Freitag, 5. Februar 2016

Das ALIEN ist tot!

Es ist noch gar nicht so lange her, seit meinem kurzen Aufenthalt, nennen wir es beim Namen, seit meiner kurzen Nacht auf der Notaufnahme des St. Luke's international Hospital in Tokyo. Und nun sitze ich hier, im Zimmer 124 auf der Station 112 des Spital Zofingen und schreibe über meine, teilweise eigenartigen, Erlebnisse...

Vor mir sitzt Miss Ghanush am Tisch und strickt. Sie kann uns nicht leiden. Sitzt da in der Sonne, ha wenn da noch Sonne wäre! Da sie am Tisch am Fenster sitzt, musste das Pflegepersonal die Sonne aussperren. Miss Ghanush hätte sonst wieder zu schreien angefangen - aber dazu später. Sie flucht über diese drei "Tanten" die mit ihr im Zimmer sind. Die eine kann sie gar nicht leiden, da sie aus Syrien kommt. Für jene "Tante" hatte sie gestern ganz viele Beleidigungen bereit. Gut, dass die Frau kein Schweizerdeutsch versteht.... aber dazu später...

Sonntag, 31. Januar 2016

Nach einer kurzen Nacht, die ich in den Gemächern eines Freundes verbringen durfte, trat ich, mit leichten Bauchschmerzen, die Heimreise an. Ich war erstaunt darüber, wie gut das Tram morgens um 6:00 Uhr doch besetzt war. 
Mein Bauch war aufgebläht, dass man Adipositas hätte vermuten können und schmerzte. Ich schrieb es dem Alkoholkonsum des vergangenen Abends zu. 
Trotz Bauchschmerzen hatte ich Hunger, oder meinte es wäre Hunger und ass etwas, von dem ich wusste, ich vertrage es gut. Die Schmerzen wurden schlimmer. Immer noch schrieb ich mein Unwohlsein dem Alkohol zu und vertraute darauf, dass am Folgetag alles wieder gut - oder zumindest besser sei. 
Am Sonntag war ich zu nichts zu gebrauchen und schlief eigentlich nur oder wälzte mich aufgrund der Schmerzen im Bett hin und her. 

Montag, 01. Februar 2016

Die Magenschmerzen war noch da. Es war ein wenig besser und da ich kurz zuvor schon wegen einer Magendarmgeschichte krankgeschrieben war, schleppte ich mich zur Arbeit. Obschon sich jene Schmerzen, nicht wie meine typischen Lebensmittelunverträglichkeitsschmerzen äusserten, war ich optimistisch. Etwas Bewegung und dann wirds schon besser. 
Gegen 10:00 Uhr morgens verliess ich meinen Schreibtisch und ging... na ja, ich meine es war eher ein sich-hin-schleppen, zu meinem Chef ins Büro. Der meinte, ich sehe gar nicht gut aus und solle gleich gehen. Beim Hausarzt bekam ich erst für den Folgetag einen Termin - wundervoll. 
Die Heimreise (zwei Stunden mit dem Zug) war die reinste Qual. Ich glaubte, mein Bauch würde bald platzen, so gebläht war er. Die Schmerzen sind wohl am besten zu vergleichen, mit der Szene aus ALIEN, wo Kane sich auf den Esstisch wirft und sich den Bauch hält. Unmittelbar darauf reisst seine Bauchdecke auf und das ALIEN erscheint erstmals. 
Ich habe mich in dem Zugabteil (glücklicherweise, in einem Zweierabteil des ICN) liegen sehen, mit geplatzten Bauch, sodass meine Eingeweide herausquellen. Die Fenster sind mit Blut bespritzt. Blut läuft am Fenster herunter. Blut und Hautfetzen. Eine Blutlache bildet sich unter mir. Angewiderte Blicke. Geschrei - meist von Frauen. Panik bricht aus. Einige Smartphone Kameras werden aktiviert. Die einen machen Fotos andere filmen das Geschehen, in der Hoffnung, das nächste Hitvideo auf Youtube zu posten.  Jemand schreit nach Rettung - wo es längst keine Rettung mehr gibt. 
Irgendwo unter den Sitzen keift ein kleines ALIEN vor sich hin... 
Aber von diesem Szenario ist nichts wahr geworden. Zumindest nicht zu jenem Zeitpunkt. Ich sollte noch zuhause eintreffen. 

Am Nachmittag brachten mich meine Eltern dann in die Notaufnahme des Spital Zofingen. Dort herrschte reges treiben. Ich wurde im Gang abgestellt, da keine Koje mehr frei war. 15:30 Uhr wurde mir Blut abgenommen. Ca. 19:00 Uhr kam ein recht arroganter Arzt zu mir, der dann fragte, was ich in der Notaufnahme mache. Ob ich einen Hausarzt habe. Ja! Wenn ich bei diesem gleich einen Termin bekommen hätte, wäre ich nicht im Notfall aufgekreuzt... (natürlich habe ich ihm das mit Worten des Anstands mitgeteilt) Er tastete dann Bauch und Rücken ab, ordnete eine Urinprobe an und meinte, sehr wahrscheinlich sei es eine Nieren- / Nierenbeckenentzündung. Im Urin wurden aber keine Anzeichen gefunden. Kurz vor 21:00 Uhr verabschiedete sich die Oberärztin mit den Worten "Kurz gesagt, ich weiss auch nicht was ihnen fehlt.".  Im Blut wurden keine Entzündungsanzeichen gefunden und so wurde ich mit den gleichen Schmerzen, aber dafür mit Schmerzmitteln entlassen. Die Ärztin meinte, wenn es am nächsten Tag nicht besser sei, soll ich nochmals vorbeikommen oder den Termin beim Hausarzt wahrnehmen. 
Dafalgan und Novalgin sei Dank, war die Nacht einigermassen erträglich. 

Dienstag, 02. Februar 2016

11:15 Uhr war der Termin bei der Hausärztin. Zu Fuss ging ich meinen Weg dorthin. Gewöhnlich schaffe ich die Strecke in 10 Minuten. Mit Bauchschmerzen und der Möglichkeit auf einen baldigen Alienausbruch dauerte es dann gut 15-20 Minuten.
Meine Ärztin tippte auf eine Entzündung im Dickdarm und verschrieb mir etwas, dass den Magen schont und Antibiotika. 
Ich ging wieder nach hause und fühlte mich nicht schlechter als zuvor. Am Nachmittag durfte ich fühlen (oder ertragen) wie die Schmerzen stetig schlimmer wurden. Gegen Abend musste ich mich 5x übergeben und schon war ich wieder auf dem Weg in die Notaufnahme. 
Dieses Mal ging die Aufnahme sehr schnell. Man kümmerte sich gleich um mich und es wurde auf den Appendix getippt. Eine heitere Deutsche führte den Ultraschall durch, konnte das Ding aber nicht richtig ausmachen. Ich sollte über Nacht dableiben. 
Am Morgen hiess es dann nochmals Ultraschall und gleich darauf kam eine Ärztin und erzählte mir, es sei definitiv der Appendix und sie würden am Nachmittag operieren. *schluck* Die erste Operation. 
Sie erzählte mir, wie die Operation ablaufen würde und teilte mir eine Dokumentation aus, in der alle Risiken etc beschrieben waren. *schluck*
Gegen Mittag kam jemand von der Anästhesie und erklärte mir, wie die Narkose ablaufen würde. Auch dazu erhielt ich eine Dokumentation. 
Ich hatte also Zeit, mich mental darauf vorzubereiten, dass ICH operiert würde. ICH, die sonst immer mit einem blauen Auge davon gekommen ist. Na wundervoll. 
Die Berichte, die im Internet kursieren, über Menschen, die bei der OP bei vollem Bewusstsein waren, geisterten mir im Kopf herum. Dank an Stephen King für seine Kurzgeschichte "Autopsieraum 4"... Da war zwar eine Schlange der Übeltäter, aber dennoch... Juuu

Irgendwann am Nachmittag hiess es dann, Miss Gray? Strümpfe anziehen! Es geht los! 
Ach diese Pflegerin ist einfach herrlich. Ich liebe ihre Art. 
Ich wurde in den OP gebracht. Das ganze Team hat sich mir vorgestellt und es wurde nochmals kurz alles erklärt. Peaches und ich witzelten noch darüber, dass mir möglicherweise ein Bein fehlen wird, da beim Namensschild an meinem Bett der Vorname falsch geschrieben war. Als ich dann da im OP war und ich hörte, wie jemand sagte, sie würde die Stirn desinfizieren, überlegte ich kurz, ob ich wohl nachfragen sollte. Schliesslich sollte mir ja nicht die Schädeldecke geöffnet werden. Sie erklärte mir dann aber gleich, es sei für die Elektroden. Aha. Ich wurde nach Name, Geburtstag und Eingriff gefragt und dann hiess es Sauerstoff einatmen. Darauf hiess es zweimal tief einatmen und dann kommt der grosse Schlaf. Anders als im Film, war ich weder beduselt noch schläfrig. Ich war gleich weg und kam im Aufwachraum wieder zu mir. 
Was im OP vor sich gegangen ist, kann ich nur annehmen, aber während der 90 Minuten, in denen mein Appendix, der sich bereits selbst in drei Teile zersetzt hatte, entnommen wurde, muss es etwa so ausgesehen haben:



An der Stelle muss ich erwähnen, dass ich zwar immer vom ALIEN in mir gesprochen habe, wenn ich Magenschmerzen hatte, aber es war der Bruder eines befreundeten Chinesen (auch bekannt, als der NRT-MANN), der mir in wechat nach erfolgreicher Operation folgendes geschrieben hat: "Yeah! The ALIEN is dead!"

Navi M. Gray nach der OP... ungeschminkt, aber happy ^_^