Dienstag, 17. Mai 2016

Ich war ein Cutter (Autoaggressionen)


Seit gestern studiere ich an einer passenden deutschen Übersetzung für diesen Titel herum. "I used to be a cutter" trifft es messerscharf. Ich, der die deutsche Sprache doch liegt, war nicht in der Lage eine adäquate deutsche Übersetzung zu Wege zu bringen und fragte meinen guten alten DrO_og um Rat. Ja die deutsche Übersetzung wäre dann wohl "Ich war eine Ritzerin" oder so. Aber jenen Begriff "ritzen" empfanden wir beide schon damals, zu unseren Glanzzeiten - man könnte sie als Blutrausch-Zeiten bezeichnen - als falsch und gänzlich unpassend. Beim Begriff "ritzen" habe ich ein Bild von einer Nadel, die über Haut kratzt vor mir. Die Realität zeigt einen scharfen Gegenstand, im besten Fall ein Skalpell oder wenn wir an mein Blutbad von 2009 zurückdenken, dann ein Kellnermesser. Diese Zacken hatte ich wahrlich nicht bedacht in meiner Rage. Wie dem auch sei, das deutsche Wort ist einfach falsch. Man ritzt nicht. Man schneidet. Die ersten Versuche mögen bei manchen Menschen vielleicht eine Art des Ritzens sein. Jedoch schneidet man durch die Haut. Im Englischen wird es daher treffend betitelt. Cut, Schnitt. Aber jetzt stelle man sich mal diesen Titel vor: "Ich war eine Schneiderin" XD
"Ich habe mich über viele Jahre meines Lebens selbst verletzt gehabt". Trifft es auch, aber als Titel doch zu lang.

Wie dem auch sei, sagte mir die Chefin des Tibits im Seefeld in Zürich beim Vorstellungsgespräch, ihre Erfahrung mit Cuttern (ja auch sie benutzte das englische Wort) sei, dass sie immer wieder rückfällig werden, sobald sie Stress ausgesetzt sind. Lange haben mich ihre Worte begleitet. Über manche Jahre hinweg sogar.
Ich erinnere mich an die Zeit in einem Businesshotel: zwar machte mich dieser Job absolut stressresistent, aber nicht ohne Blut vergossen zu haben. Als ich dort anfing, durfte ich doch auf gut ein Jahr ohne Cutten zurückblicken und betrachtete mich als "geheilt". Das war ich auch, bis der Stress immer grösser wurde. Die Sehnsucht nach einer Klinge wurde grösser und grösser, bis sie schliesslich siegte und ich im Office eine Flasche zerbrochen und mir die den Glassplitter durchs Fleisch gezogen habe. Es war die absolute Erlösung. Nochmals und nochmals in die gleiche Wunde. Mein Arm war recht abgestumpft, weshalb die Linderung mit etwas mehr Aufwand verbunden war. Ich verband meinen Arm und ging zurück an die Arbeit. Wenn der Stress wieder aufkeimte, drückte ich mir einfach einen Fingernagel in die Wunde. Keiner meiner Arbeitskollegen hat das je mitgekriegt. Nicht einmal in der Garderobe, wo wir uns alle umziehen mussten. Man wird geschickt. Jedenfalls hörte ich jedes Mal die Chefin des Tibits sagen "Cutter werden immer rückfällig, sobald sie Stress haben." Und sie hatte vollkommen recht.

Zeit verstrich, das Skalpell blieb unbenutzt und so auch das Kellnermesser. Einmal fast draufgehen reicht. Mir ging es gut und ich lebte ein Leben fernab von Depression und dem Drang der Selbstkasteiung.

Gestern dann, war sie da. Vergleichbar mit dem Horrorfilm The Grudge. Sie ist hinter Dir her. Sie jagt Dich. Verfolgt Dich. Du merkst es erst nicht und plötzlich ist sie da und zieht Dich in ihren Bann...

Früher waren mir die Gründe meiner Depressionen und Tiefs nicht bekannt. Dieses Mal war es anders. Ich werde jedoch, bitte entschuldigt meine Leser, den Teufel tun und Euch den Grund nennen. Ihr würdet denken, was auch immer... Ich kann nur sagen, dort wo andere ein Herz haben, hatte ich bislang ein Tiefkühlfach, in dem mein Herz gut eingelagert war. Dieses Schockfrosten hatte es auch bitter nötig, nachdem ich, 2013, dem Germanen B, den Tritt gegeben und ihn aus meinem Leben verbannt hatte. Leider scheint es so, dass das Tiefkühlfach bald den Geist aufgibt. Denn es taut. Das Herz taut auf. Die dicke Eisschicht darum taut, schmilzt davon und mein Herz wird bald wieder freigelegt sein. Freigelegt und somit schutzlos und Ziel für weitere Torpedos. Ich denke, zurück in der Schweiz, werde ich mir ein neues Tiefkühlfach zulegen müssen, denn hier in Tokyo eines zu erwerben wäre falsch. Die Stecker sind nicht kompatibel. Soviel dazu. Die Einen unter Euch, meine geschätzten Leser, wissen, worum es hier geht, andere nicht. Aber das ist in Ordnung.

Menschen reagieren unterschiedlich. Eine Freundin von mir, mit Cutter-Vergangenheit erzählte mir eine nahezu unglaubliche Begebenheit. Ihre Vorgesetzte, habe sie gefragt, ob sie sich das wegen ihr antun würde. Dabei sind die Narben alt, längst weiss. Dafuq? o_O
Die meisten Menschen, die mich darauf ansprechen, beginnen mit "Hey, kann ich dich etwas persönliches fragen?" und dann weiss man genau was kommt. Was soll's? Sprich mich darauf an und ich antworte Dir. Wieso soll ich mich deswegen verstecken? Und wieso sollte ich ein Problem haben, darüber zu sprechen? Es ist Vergangenheit, was die Farbe der Narben bestätigt.
Ich hatte zu meinen Blutrausch-Zeiten eine Person in meinen Leben, ja ich bezeichnete sie als Freundin, obschon ich mir heute sicher bin, dass sie nie eine war. Sie konnte es weder verstehen noch irgendwie nachvollziehen. Sie fragte mich, wieso ich das tue, wollte eine Antwort aber gar nicht hören sondern erzählte mir nur, dass ich total krank sei. Sie sprach mich über mehrere Jahre hinweg öfters darauf an, einfach um mir mitzuteilen, dass sie das bescheuert fände. Danke. Wieso müssen Menschen anderen Menschen permanent ihre Meinung unter die Nase reiben? Keinen interessiert's!
Interessant ist auch, dass die meisten Menschen den Unterschied zwischen Cutten aus Verzweiflung und Cutten aus Freude an Body Modification nicht verstehen.
Aber über die Gedanken und Sinn und Zweck, Absichten, Sitten, Gebräuche, etc. von Body Modification zu schreiben, würde den Rahmen dieses Eintrags sprengen. Eventuell kommen wir in einem anderen Eintrag dazu.

Mir wäre fast die Decke auf den Kopf gefallen (später in der Nacht, wäre dies durchaus möglich gewesen, da wir ein Erdbeben verzeichnen durften) also habe ich meine Sachen gepackt und mich auf einen Spaziergang begeben. Mein Ziel war Odaiba. Frustshoppen. 13km zu Fuss. Die Strecke von der Azumabashi in Asakusa bis zur Shinohashi war die reinste Hölle. Meine Depression ereilte mich und folgende Gedanken habe ich meinem iPhone anvertraut:

Emotional breakdown

Wau... Ich bin im Loch und falle immer tiefer. Der Drang zum Cutten ist zentraler denn je, seit ... "seit Beginn der Aufzeichnungen"? Jedenfalls seit vielen Monden. Es braucht alles an Kraft, um nicht los zu heulen und noch mehr an Kraft, dass ich mir nicht meine scharfen Krallen aka Fingernägel ins Fleisch bohre. Wie gerne würde ich das jetzt machen...
Es ist eine Sucht. Nach physischem Schmerz ist alles besser - es scheint besser. Der Schmerz verschafft Linderung - für eine gewisse Zeit. Sieh es rational!
Jedoch hatte ich mir nach meinem Beinahe-Suizid geschworen, mein Fleisch nicht mehr so zu malträtieren. Meinem gezeichneten Körper dies nicht mehr anzutun. Gottverdammt! Was für einer Folter ich mich mit diesem Schwur nur ausgesetzt habe... Ich könnt mir ja selbst die Visage renovieren, so mit der eigenen Faust. Aber mach dies mal hier in aller Öffentlichkeit. Hallo Aufenthaltsbewilligung in Japan - in einer lauschigen Gummizelle XD
Ausserdem war ich nie Fan von jener Art der Selbstkasteiung. Also lassen wir den Gedanken beiseite. 
Es ist ein Kampf. "Es tobt ein Krieg in mir" hiess so nicht ein Song von ... von ... wie hiess sie noch... diese Gothic Band... ASP! Ich meine, da ging es allerdings um Lykanthropie. 
Es tobt ein Krieg in mir. Der Drang nach Linderung. Der Drang nach physischen Schmerz gegen meinen Verstand. In der gegenwärtigen Verfassung bin ich allerdings nicht sicher, ob mein Verstand gewinnen wird... Es braucht alles an Selbstbeherrschung. Wie lange werde ich durchhalten? Es wäre so leicht, so schnell. Finger unter den Ärmel, Nagel ins Fleisch drücken oder durch ziehen. Dieser Schmerz ist realer, als jener, durch eine Klinge hervorgerufener. Niemand würde es sehen, aber ich würde es spüren. Linderung. Erleichterung. Ja fast schon Manie! Aber ich würde es wissen. Meine Hand umschliesst das iPhone fester. Wir beweisen Stärke. Wir halten Wort. 

Ich habe Vorstellungen, sehe Bilder, wie in einem Film. Ich sehe meinen Suizid vor mir ablaufen. Ich stürze mich von der Rainbow Bridge in die ewigen Wasser des Sumida, von wo mein lebloser aufgedunsener Körper in die Meere geschwemmt wird, wo er dann irgendwann die Farbe wässeriger Erbsensuppe annehmen und von Tieren angeknabbert werden wird. Was bringt mir dieser Suizid? Suizid bringt einem nur etwas, wenn jemand diesen filmt und das Video auf youtube stellt. Ja, wir leben in wahrhaft kranken Zeiten... 

Erkenntnis: Nur physischer Schmerz kann psychischen bekämpfen.

(Hier erfolgte eine Beschreibung des Quell meiner Depression - wird ev. irgendwann mal ergänzt. Da fällt mir ein, ich muss noch ein Gedicht löschen...)

Jetzt kommen die Tränen... Eventuell sollte ich aufhören Blutengel zu hören. KLISCHEE! Lacht mich aus, Ihr habt ja recht! XD

Meine Psyche ist sooo am Arsch... 

Die mit unseren Initialen bestickten Handtücher liegen bereits im Ofen. Jedoch ist dieser noch nicht angefeuert und der Kanister mit Brennsprit steht ungeöffnet daneben. Noch... Eventuell öffne ich diesen und schütte den Inhalt über die Frottierwäsche... 

(Ein paar recht schockierende und nicht für die Öffentlichkeit bestimmte Erkenntnisse)

Ou wau, Alte geh zur Therapie! Du bist durch! 

3h später... Mir gehts besser. Zum Glück sind solche Ausbrüche nie von langer Dauer. Wau... heftig. Intensiv... Scheisse... so kaputt.. 

Und wenn die Suizidgedanken sich eventuell eine Nummer ziehen und sich hinten anstellen könnten? Bzw. bis zu den Öffnungszeiten warten könnten? Noch ist nichts entschieden. 

Übrigens, ich habe gesiegt! Verstand über Psychose! ^_^

FIGHT TO SURVIVE ! 

IF YOU CAN DO IT, GET UP AND PROVE IT, GET UP AND SHOW THEM WHO YOU ARE! 

IT'S THE MOMENT OF TRUTH

Donnerstag, 12. Mai 2016

Dating in Japan #6 : (aka Be-TAchi einsam und allein)

Meine getreuen Leser, ich muss Euch (vorerst) enttäuschen. Jenes Geschöpf habe ich bisher (noch) nicht getroffen, dachte aber, Ihr giert bestimmt nach Unterhaltung.
Möglicherweise werde ich ihn morgen zu Gesicht bekommen, wenn ich meine gute Freundin Sung besuche, denn sie vermietet Zimmer in ihrem Hüüüsli in Tokyo und der gute Be-Tachi einsam und allein wohnt bei ihr.
Und da sind wir auch schon bei der Erläuterung, wie dieses Subjekt überhaupt auf mich gekommen ist. Sung hatte vor eine Dinnerparty zu geben und hat nebst ihren Hausgenossen, ein paar Klassenkameraden und auch mich eingeladen. Sie hat ihren Hausgenossen dann ein Foto von mir gezeigt. Just in jenem Moment, und ich kann nur raten, dass es in etwa so geschehen sein muss, verformten sich Be-TAchi's Augen herzförmig, wurden herzrot und quollen auf.
Kurzfristig musste Sung die Dinnerparty dann jedoch absagen, da sie für einen Test lernen musste. Sie kochte dann nur für ihre Hausgenossen. Als ich das Essen gesehen hatte, war ich nicht traurig, dass ich nicht dabei war: Tierkadaver en masse.

Jedenfalls sagte Sung mir erst kein Wort, wegen des Be-TAchi-Typen. Sie machte in LINE einen Gruppenchat mit mir und ihm und verabschiedete sich dann. Ich verabschiedete mich dann auch und verliess nach ihr die Gruppe. Oh wie blöd, so ganz ohne seine Kontaktdaten zu haben. Er jedoch, fragte Sung nach meinen und so schrieb er mich wieder an und fragte nach meiner WeChat-ID. Gut für Euch, oh meine bald in schallendes Gelächter ausbrechenden Leser, denn, was ich da an Nachrichten erhalten habe, lässt sich NICHT übertreffen!
TAchi-_- (so der Beginn, seiner ID in WeChat) hat den Preis als verrücktester Typ gewonnen. Was für ein Trostpreis!

Und weil es so schön ist, und Ihr, oh meine geschätzten Leser, mir bestimmt nicht glauben würdet (obschon ich Euch noch nie belogen habe), dürft Ihr Euch die originalen Screenshots zu Gemüte führen:































Eine unheimliche Nacht in einem leeren Haus in Tokyo

Oh meine Leser, es ist dem Zufall oder dem Schicksal zu verdanken, dass ich die letzte Nacht überdauert habe. Mein Ableben wäre durchaus möglich gewesen...
Man stelle sich vor, ich wäre tatsächlich dahingesiecht, dann hätte ich nicht über die Ereignisse der letzten Nacht schreiben können und Ihr hättet nie erfahren, was mir zugestossen ist... 

Es kommt ein Sturm

Schon der ganze Tag war recht windig. Was sage ich "recht", war verdammt windig. In der Nacht zuvor, war ich mit dem Metal Dude in Shinjuku etwas trinken. Da es geregnet hat, hatte ich meinen Knirps dabei, welcher auch vonnöten war. Wieder zuhause, habe ich den Knirps aufgespannt und zum trocknen vor der Haustüre gelassen. Wer hätte mit starken Bodenwinden am frühen Morgen gerechnet? Jedenfalls ist mir im Laufe des Nachmittags, da als mir beinahe ein Fenster entgegen geflogen ist, eingefallen "Scheisse! Mein Schirm!". Ein Blick aus dem Badezimmerfenster (und was, liebe Rechtschreibprüfung ist am Wort "Badezimmerfenster" falsch???) bestätigte meine Befürchtung: Mein Schirm war einfach nicht mehr da. Der ist wohl durch halb Sumida geflogen und hat irgendwo sein Ende gefunden. Ein Grund nach Asakusa rüber zu gehen und einen neuen Schirm zu kaufen. Hach ja... Zwei Jahre hat dieser Schirm Regen, Schnee und Wind überdauert und nun ist er einfach nicht mehr da. Ich konnte mich nicht einmal mehr verabschieden v_v 
Der Himmel verdunkelte sich zunehmend und der Wind wurde stärker und stärker. Die Abdeckung der Waschmaschine, die sich im Vorgarten befindet, ist auch davon geflogen. Der Sichtschutz vor dem, Achtung wieder das falsche Wort, Badezimmerfenster, ist erstaunlicherweise noch da. Das ganze Haus bebte und gab seltsame Laute von sich. Knarren und Scharren und Klopfen... 

"Lassen sie mich rein! Ihr seid alle des TODES!!!"

Irgendwann am späten Nachmittag erklang die Türklingel, welche ich erstmals hören durfte. Ich ignorierte den fremden Besucher. Einerseits, erwartete ich keinen Besuch und andererseits befand ich mich im oberen Stock und hätte runter gehen müssen. Wozu? Niemand weiss, dass ich hier wohne. Und mein Vermieter hätte sich via E-Mail angemeldet. Also ignorierten wir die Klingel. 

Am Abend, während der Dämmerung, klingelte es erneut. Ich ignorierte es wieder. Da ich mit einer Freundin via Whatsapp Sprachnachrichten austauschte, berichtete ich ihr davon. Sie meinte auch, sie würde nicht öffnen. Ob ich nicht sehen könne, wer es ist. Nein. Ich müsste auf den Balkon gehen und dann würde mich der Eindringling sehen. Ein Guckloch in der Tür gibt es hier nicht. 
Sie meinte dann, vielleicht ist es jemand von den E-Werken. Ich entgegnete, "Als Mensch, der seine Kindheit und Jugend mit dem Konsum von Filmen zugebracht hat, weiss ich, dass sich Einbrecher, Mörder etc. oftmals als Menschen von E-Werken und co tarnen." Wir lachten. Schliesslich war es ja schon irgendwie witzig. Dann machten wir uns Gedanken darüber, wer es wohl sein könnte und mit welcher Absicht. 
Schliesslich meinte sie, vielleicht möchte mir jemand meinen Schirm zurückbringen? "Ach, den können sie auch über den Zaun schmeissen."

Erinnert Ihr, oh meine geschätzten Leser, Euch an Poltergeist 2? "Reverend" Kane steht vor der Tür der Freelings und will ums verrecken das Haus betreten. "Lassen sie mich rein. Ehe es zu spät ist." Als ihm der Zutritt verweigert wird, schreit er schliesslich "Ihr seid alle des Todes! Des TOOODES!" Ehrlich gesagt, habe ich für einen kurzen Moment mit so etwas gerechnet. Aber Kane interessiert sich wohl wahrlich nur für Carol Ann und nicht für Navi M. Gray. 


Der Eindringling und unheimliche Geräusche aus dem Wandschrank

Draussen war es bereits dunkel. Ich befand mich im zweiten Stock meines Häuschens und war nach wie vor fleissig mit chatten beschäftigt. Einerseits mit meinem Droog via Whatsapp und mit anderen Freunden via LINE und Wechat. Draussen pfiff der Wind durch die nahezu menschenleeren Strassen Tokyos. Es krachte und knallte. Sachen flogen durch die Gegend. Schliesslich begann es noch zu regnen und weit weg war ein Donnern zu vernehmen. Ein richtiges Frühlingsgewitter? Ich machte mir Gedanken zu Blitzableitern bei japanischen Häusern... Wie sicher sind die? HELP!
Schliesslich klingelte es wieder. Ich machte keine Anstalten, die Tür zu öffnen. 
Hier muss ich erwähnen, dass sich die Klingel vor dem Gartentor befindet. Sprich der Besucher steht erstmal nicht direkt vor der Haustür. 
Dann klopfte es mit kräftiger Faust gegen die Haustür. Ich erschrak dergestalt, dass ich mein iPhone fallen lies. Es hämmerte regelrecht dagegen. Draussen heulte der Wind. Der Regen hämmerte an die Fensterscheiben. Und wieder hämmerte eine Faust gegen meine Haustür. Ich schrieb meinem Droog, "In dieser Nacht werde ich sterben. Jemand hämmert an meine Haustür." Das war die letzte Nachricht, die sie von mir erhalten sollte. Danach war der Akku meines portablen Wi-Fi-Routers alle. Das Ladegerät lag wunderbar im unteren Stock. Scheisse. Wieder hämmerte es gegen die Haustür. Ich setzte mich auf den Boden neben der Couch und harrte aus. Schliesslich hörte ich etwas im Wandschrank direkt vor mir! Ich starrte auf die Schranktür. Sie war geschlossen. Kein Platz für Nozokime (ein neuer japanischer Horrorfilm. Nozokime bedeutet, Augen in den Spalten. Sei es Spalten zwischen den Vorhängen, wenn eine Tür nicht richtig verschlossen ist, etc. Der Metal Dude erzählte mir von dem Film und ich schaute natürlich den Trailer und wurde regelrecht paranoid). Es klang so, als sässe jemand im Wandschrank, der sich bewegt. Als ziehe dieser jemand, oder dieses Etwas, sein Bein an sich. Mit Gänsehaut der übelsten Sorte redete ich mir ein, oder versuchte mir einzureden, "Das bildest du dir ein... Das bild ich mir nur ein... Das ist nicht real." Das klappte ganz gut, bis ich aus dem Schrank ein Geräusch vernahm, als schiebe jemand eine schwere Kartonkiste über den Boden. Unten hämmerte es wieder gegen die Tür. "Was wenn ich einfach die Augen schliesse? Habe ich dann eine Überlebenschance?"
Ich versuchte rational zu denken. Unten steht möglicherweise ein Serienkiller vor der Tür. Was heisst hier möglicherweise? Komm schon! In einer stürmischen Nacht, prügelt jemand an meine Haustür. Das kann sich nur um einen Serienkiller handeln. Im Schrank vor mir befindet sich kein Jemand sonder ein Etwas. Seit DAGON wissen wir, wir haben immer zwei Möglichkeiten. Will ich von einem paranormalen Wesen in eine andere Welt verschleppt oder von einem Serienkiller unter Höllenqualen und Folter ausgeweidet werden? 
Ich hatte die Bilder vor mir. Er gelangt ins Haus. Fegt meine Kosmetika vom Tisch. Schmeisst mich auf diesen und rammt mir sein Messer in den Bauch. Zieht es von oben nach unten sodass meine Eingeweide rausquellen. Auf dem Fussboden entleert sich die Flasche mit dem Gesichtstonic von
SHISEIDO. Mein Blut vermischt sich mit dem Tonic auf dem Fussboden. Er trennt mir Arme und Beine ab, da er ein Sammler ist. Er hat zuhause eine Art Museum, mit abgetrennten Gliedmassen in Pflanzentöpfen. Die einen sind schon fast ganz bis auf die Knochen zersetzt. Überall tummeln sich Maden und sonstiges Getier (Guinea Pig - Flowers of Flesh and Blood) Während ich da liege und vor mich hin sterbe, geht er nach oben, öffnet die Schranktür und wird von dem Wesen im Schrank ins Jenseits befördert. Zu spät für mein sterbendes Ich. 
Das Wesen aus dem Schrank kriecht, seltsame Geräusche von sich gebend, die Treppe herunter. Beugt sich über mich und starrt mich an. Ich sterbe. Ich bin eigentlich schon tot. Als ich wieder aufwache, befinde ich mich im Schrank und bin ein Geisterwesen. 
Wollte mich das Wesen im Schrank warnen? Gar beschützen? Da es, Jahre zuvor, vom selben Typen ermordet worden ist? Ähnlich, wie die Frau im Spiegel, in der einen Folge von X-Factor aka Beyond believe? Wir werden es nie erfahren... 


Was wirklich geschehen ist

Oben Erwähntes hätte ja wirklich passieren können. Ich meine, schliesslich lebe ich allein in einem Haus, einem möglicherweise verfluchten Haus, in Japan. Schon einmal JU-ON gesehen? Möglich wärs. 
Mein Wi-Fi-Router-Ladegerät befand sich mit mir im zweiten Stock. Die Wi-Fi-Verbindung war nie getrennt. Ich war stetig in Kontakt mit meinen Freunden. Irgendwann klingelte es wieder an der Tür. Und ich hörte Stimmen von der Strasse her kommen. Ob die etwas mit dem Klingeln zu tun hatten, werden wir nie erfahren. Ich rechnete ernsthaft mit einem Klopfen an der Tür, dies blieb aber aus. 
Ein Knarren und Scharren hörte ich auch. Auch eine Art Klopfen. Jedoch erst sehr viel später in der Nacht. Als ich bereits in diesem steinharten und unbequemen Bett lag und schlafen wollte. Ich schrieb es dem Wind zu. Selbst wenn es wirklich aus dem Schrank gekommen ist, ich wollte es einfach nicht wissen. Wer öffnet schon mitten in der Nacht, in der Dunkelheit eine Schranktür? 

Jedenfalls hätte sich so etwas tatsächlich ereignen können. Ich meine, die besten Voraussetzungen für den Anfang eines Horrorfilms oder Psychothrillers waren gegeben: 
Ein altes japanisches Haus, eine Frau allein zuhause, eine stürmisch-regnerische Nacht, ein Fremder vor der Tür. Kommt schon Leute, ehrlich, wie viele Filme fangen so an? Da ich ja völlig abgeklärt bin und mich bei Filmen immer über diese Idioten aufrege, die der Herkunft des Geräuschs auf den Grund gehen oder die Tür öffnen wollen und immer sage, so etwas würde ich ganz bestimmt nicht machen, machte ich dies auch nicht. Ich verharrte einfach im zweiten Stock. 
Ich schickte meinem Droog eine Sprachnachricht, in der ich ihr mitteilte, ich müsse so etwas von dringend Pipi, aber die Pipibox befinde sich im unteren Stock. Und ich habe nicht einmal einen Eimer hier oben. Ich harrte aus. Ehe es zu einer Notwasserung kommen konnte, ging ich dann aber doch nach unten. In meiner rechten Hand hielt ich, festumklammert, einen Kugelschreiber mit dem silbernen HILTON Logo. Ein Kugelschreiber ist besser, als gar keine Waffe zu haben. Obschon ich mit einer Silhouette vor der Haustür (Milchglastür) gerechnet hatte, war keine zu sehen. Es sass auch kein Mädchen in weissem Kleid im Wohnzimmer. Und auch kletterte keine Sadako aus der Badewanne. Das Haus war leer und ich konnte ganz beruhigt die Pipibox aufsuchen. Schrieb meinem Droog zuvor, "Ich gehe jetzt Pipibox. Falls du nichts mehr von mir hörst, alarmiere die Luftwaffe!" Sie hörte jedoch nach dem Besuch der Pipibox gleich wieder von mir. 


-> Jetzt just in diesem Moment, wo ich hier sitze und schreibe, klingelt es wieder an meiner Tür...
Dafuq? ?_?


Freitag, 6. Mai 2016

Dating in Japan #3 : Wadidraa aka der Misthaufen auf Speed

Diese Erzählung befindet sich lediglich deshalb in der Kategorie "Dating in Japan" weil es in Japan geschehen ist und weil der Typ (W-rido) es für ein Date gehalten hatte. Ich nicht. Naiv Navi (na merkt Ihr etwas? XD)

Zu seiner Person

Habe ich mich gestern mit Wadidraa auf Speed getroffen. Natürlich heisst er nicht so, seine Ausstrahlung jedoch gleicht einem ausgetrockneten Flussbett, nur dass ein solches nicht so furchtbar lästig ist. Vielleicht sollte ich ihn als wunderbar feuchten Misthaufen bezeichnen, welcher von einer ganzen Armee von Fliegen eingenommen worden ist. Denn solche Fliegen können schon ganz schön lästig sein. Also nennen wir ihn der Einfachheit halber einfach Misthaufen auf Speed. Andererseits erfüllt ein Misthaufen einen Zweck. Was Wadidraa für einen Zweck im grossen Plan des Lebens erfüllen soll, ist mir schleierhaft. Er ist einfach nur lästig, unfreundlich, von sich selbst überzeugt und fürchterlich penetrant. Ja die personifizierte Penetranz in Person!

Wie wir uns begegnet sind, 2015 in der Yamanote gen Shinbashi

Wadidraa lernte mich im vergangenen Jahr kennen. Genau, nicht ich ihn, sondern er mich. Mich auf mein Zimmer im HILTON in Daiba freuend, stand ich in der Yamanote gen Shinbashi, als mich dieser Typ mit Hut in Französisch anquatscht. Gestern habe ich erfahren, er habe damals Französisch gesprochen, weil ich aussehe, wie jemand aus Paris oder Lyon, aber ganz bestimmt nicht wie jemand aus der Schweiz. (Wie sehen Schweizer denn dann wohl so aus? o_O)
Jedenfalls sprach er mich dann in Englisch an und wir unterhielten uns. In Shinbashi stiegen wir aus und er nahm meinen Koffer, was mir, da nach dem Motto "Selbst ist die Frau" lebend, so gar nicht gefiel, aber er hatte darauf bestanden, schliesslich sei er ja der Mann. Was auch immer.
Wir gingen in ein Kaffee und tranken einen Kaffee zusammen und unterhielten uns weiter. Eigentlich war er die meiste Zeit am reden, darüber wie sein Leben ist Japan so verläuft. Er lebe nun seit 5 Jahren in Tokyo und habe kaum was anderes zu tun, denn arbeiten. Er erzählte weiterhin von seinen Erlebnissen im Nachtleben von Roppongi und erzählte mir recht detailliert, was für beschissene Beziehungen er mit Japanerinnen gehabt hätte. So wie er redete, klang es so, als hätte er in den vergangen 5 Jahren so Einige gehabt. Er hatte keinen positiven Punkt nennen können. Wieso er dann überhaupt noch Japanerinnen date, wenn alle so nervig wären. Ja weil manche verdammt hübsch seien. Und genau jene, die verdammt hübsch sind, interessieren sich für unseren Misthaufen auf Speed. Klaaar, und ich kümmere mich um ein Schwein mit Namen Misery und misshandle derzeit einen ans Bett gefesselten Schriftsteller namens Paul Sheldon (Stephen King's Misery, für alle, die den Wink nicht verstanden haben).Ich sollte ein anderes Beispiel nennen, denn es gibt doch Menschen, die mir so etwas zutrauen würden... Also nochmals: Klaaar, und ich habe mir eben Karten fürs Konzert von Justin Bieber gekauft...
Jedenfalls war ich recht müde und fand die Unterhaltung nur teilweise amüsante und interessant. Irgendwann machte ich mich dann auf nach Daiba, wo mich mein Kingsize-Bett schon sehnsüchtig erwartet hatte. Wadidraa fragte noch nach meinem Facebook-Account, welchen ich ihm mitgeteilt habe. Im Nachhinein kann ich dieses fehlerhafte Verhalten nur meiner Übermüdung zuschreiben oder einer geistigen Umnachtung...
Ich bekam genau eine Nachricht von ihm auf Facebook und dann war Funkstille.

Bist du in Tokyo?

Kaum war ich im April diesen Jahres in Tokyo angekommen, teilte mir der Facebook-Messenger mit, Wadidraa aka der Misthaufen auf Speed, habe mir eine Nachricht geschickt. Er fragte, ob ich in Tokyo sei. Ich schaute aus dem Fenster, auf die Rainbowridge, deren Fotos ich zuvor übrigens gepostet hatte, und dachte so, "Nein. Ich bin in der Serengeti." Wieso stellt man eine so saudumme Frage? Ob wir was trinken gehen würden oder am Abend zusammen weggehen würden. Sorry keine Zeit. Die hatte ich wirklich nicht. Und selbst wenn ich nur meine Zehennägel geschnitten und mein Gesicht auf Poren untersucht hätte. Ich hatte keine Zeit.
In der Zeit, die ich in Kyoto verbracht hatte, fragte er nochmals. Ich teilte ihm mit, ich sei in Kyoto. Ah ok. Ich soll mich melden, wenn ich Tokyo bin. SOLL! Im Befehlston.

Let's meet

Vorgestern schrieb er mir erneut. "Ich will nicht noch einmal fragen, aber..."
Irgendwie wollte ich mich gar nicht mit ihm treffen, wusste aber nicht recht wieso. Weibliche Intuition? Gab dann aber den Donnerstagnachmittag an, da ich am Abend ohnehin ein Date in Shinjuku hatte und dachte, so bin ich dann bereits in Shinjuku. Natürlich hatte er Zeit und hier fängt die wunderbare Geschichte an:

Ich fragte nach Ort und Zeit. Shinjuku sagte er, um 12:00 Uhr. Ich lachte innerlich. Schon wieder Shinjuku haha. Dieses verdammte Shinjuku lässt mich in diesem Jahr kaum aus seinen Fängen...
Shinjuku ist gut. Da ich am Abend ein Date habe, passt das. Wir verabredeten uns für den Park. Ich denke, ihm hat das nicht so gepasst, aber was solls. Misthaufen auf Speed sollten nicht noch grosse Forderungen stellen, ja diese noch nicht einmal denken.
Dann fragte ich, nach dem Treffpunkt:
"Shinjuku"
"Aber wo?"
"Shinjuku! Kennst du doch."
"WO IN SHINJUKU?"
"Bahnhof."
"Welcher Ausgang?"
"Minami guchi."
"Ist dort das Alta?"
"Minami guchi. Bahnhof."
"Ja ist das der Ausgang gegenüber vom Studio Alta?"
"Ist ein Bahnhof."
"Der Bahnhof heisst also Minamiguchi?"
"Ausgang."
Da wir wissen, spätestens seit meinem Blogeintrag über das weisse Hemd, dass Navi M. Gray nicht gerade mit viel Geduld gesegnet ist, musste ich die Initiative ergreifen.
"Ok, das wird mir zu mühselig. Treffen wir uns beim Parkeingang."
"Welcher Park?"
An der Stelle wurde ein grosses leuchtendes WTF auf meinem Gesicht sichtbar. Hatten wir uns nicht für den Shinjukugyoen verabredet???
"Shinjukugyoen"
"Ok. Komm nicht zu spät. 12 ist 12!"
Als ob Navi M. Gray jemals zu spät zu einem Treffen kommen würde (es sei denn, die SBB hat ihre Finger im Spiel)...

Kaffeetalk und wieder sind sie da, die ätzenden Touris

Natürlich war ich viel zu früh in Shinjuku. Gute 50 Minuten. Aber das kam mir gerade recht, da ich meinem Moleskine noch ein paar Sachen anvertrauen musste. Ausserdem befindet sich auf dem Weg zum Park ein Dutour, dem ich unbedingt einen Besuch abstatten wollte und auch getan habe. Jenen Dutour verliess ich dann mit gemischten Gefühlen:
Ich stand in der Schlange und der Barista lächelte mich an, als wären wir alte Bekannte. Etwas irritiert war ich schon. Als ich dann an der Reihe war, begrüsste er mich gleich in Englisch und fragte, was ich gerne hätte. Auch dies tat er mit einem Lächeln. Ich bestellte meinen "hotto midiamu soy ratte" und er strahlte noch mehr und teilte mir mit, das sei auch sein Lieblingsgetränk. ^^ Dann fragte er, was ich in Shinjuku mache, gehe gleich in den Park und treffe mich mit Freunden. Ja im Park sei er auch am liebsten. Sei richtig schön und wenn er heute nicht arbeiten müsste, wäre er auch dort. Soso? -_^
Ich fand unser Gespräch sehr nett und war fast traurig, als ich meinen Kaffee bekommen hatte und somit keinen Grund mehr hatte, noch länger dort zu bleiben. Ausserdem warteten hinter mir zwei gutgenährte deutsche Zicken, die, und ich zitiere:
Zicke 1 "Was labert dieser heisse Typ so lange mit dieser Fotze?!"
Zicke 2 "Scheiss Tourischlampen!"
Zicke 1 "und wie sie aussieht... schon mal was von style und so gehört?"
Zicke 2 "hahahaha *unverständliches Geflüster*"
Und einmal mehr fühlte sich Eure werte Erzählerin so herrlich überlegen. Im Vorbeigehen musterte ich die beiden sehr penetrant. Verzog das Gesicht, signalisierte ihnen so, dass mir ihr "Style" auch nicht zusagt und sagte mit einem leicht fiesen und leicht amüsierten Grinsen "Schöni Ferie". Weder Zicke 1 noch Zicke 2 haben noch einen Laut von sich gegeben.


Kurzer Personenbeschrieb:

Zicke 1:
- Oberarme mit Umfang meiner Oberschenkel
- gelbes T-Shirt mit einem Loch in der Naht
- ein BH, der zwei Nummern zu klein war, und somit der Balkon heruasquellte
- 3/4 Blue Jeans, stretch, ebenfalls zu klein
- Ihr Wampen, der über den Hosenbund quellte, war zu sehen
- abgelatschte weisse Turnschuhe
- braune Handtasche der Marke Wühltisch
- Sonnenbrand
- blonde Haare mit Zopfgummi zusammengehalten
- Haut, die nach Lotion schreit!

Zicke 2:
- Etwas schmaler, als ihre Freundin, aber noch immer fetter als ich
- rosa-weisses Shirt mit Herzchen und Sternen und so
- gelber Tüllrock der knapp über den Arsch kam
- weisse Kniestrümpfe mit Schleifchen
- Turnschuhe in blau
- schwarze Handtasche der Marke Wühltisch
- fettige offene blonde Haare
- Haarreif mit Katzenohren
- gespachtelt nach dem Motto "Lolita make up - gewollt aber nicht gekonnt"
  sie sah eher nach Clown, denn Lolita aus.
  Es ist schwer zu sagen, ob sie auf Dekora oder Lolita machen wollte... egal, beides hat nicht
  funktioniert.


12 heisst 12! und Metal ist böööse

Es war Punkt 12:00 Uhr und der Misthaufen auf Speed war nicht vor Ort. Ja ja... Die haben wir gerne. Orden andere an, ja pünktlich zu sein, aber selbst ist man zu spät. 
Ich warte immer 10 Minuten. Höre ich nichts von der Person, bin ich nach 10 Minuten weg und ward nicht mehr am Treffpunkt gesehen. 12:06 Uhr kam der Misthaufen mit Fliegen daher geschlendert, telefonierend. 
Meine Begrüssung war ein nettes Hallo gefolgt von einem "Du bist zu spät". Er kam dann mit der Ausrede des Jahrhunderts. Ich an seiner Stelle hätte ja der JR die Schuld gegeben, aber er habe noch Geld abheben wollen und wusste eine Nummer des PINs nicht mehr. Die Bank kann das erst morgen regeln. Daher musste er sich von einem Freund Geld leihen und zeigt mir auch gleich seinen 10000 YEN-Schein (ca. CHF 100.-). 
Anfangs war die Unterhaltung ja noch nett, wurde aber zunehmends abstruser... 

Kurz nach 12:00 Uhr hatten wir uns getroffen. Kurz vor 16:00 Uhr habe ich ihn stehen lassen. Die letzten Worte, die er von mir zu hören bekommen hatte, waren in Schweizer Mundart "Ke Ahnig."

Aber ich will nicht vorgreifen. Fangen wir ganz vorne an. Wir trafen uns also vorm Park. Ehe wir diesen betreten konnten, wollte er noch Futter und Getränke einkaufen. Monsieur Ich-lebe-seit-5-Jahren-in-Japan-und-kenne-mich-aus kannte sich in diesem Teil von Shinjuku allerdings gar nicht aus. Ob es einen Conventient store hier gäbe. Wir befinden uns in Tokyo, Shinjuku. Wie kommt er auf die Idee, dass es keinen gäbe?
Jedenfalls wies ich darauf hin, dass er sogar zwischen 3 auswählen könne. LAWSON, 7i und Family Mart. Der LAWSON war ihm zu weit weg. Also gingen wir gen Family Mart, wo er dann aber doch einen Supermarkt vorgezogen hat. Was ich trinken will. Nichts. Bin versorgt. Dann stand er vor dem Chipsregal. Ob Pork-taste für mich ok wäre. Ich esse noch immer keine Tiere. 
"Ist ja kein Tier. Ist nur der Geschmack. Ist das ok?"
"Ich esse auch nichts, was nach totem Tier schmeckt und mag ohnehin keine Chips essen."
Das ist dann angekommen. Er steht vor dem Kühlschrank mit dem Alkohol und will mich dazu nötigen, auch welche von diesen scheusslichen alkoholartigen Fruchtsodas zu kaufen. Solche die der gute Yoko (wir erinnern uns? Japan 2014) zum Frühstück getrunken hat. 
"Nein Danke."
"Die sind verdammt lecker!"
"Ich mag das Zeug nicht."
"Kennst du doch gar nicht."
"Doch, darum weiss ich, dass ich sie nicht mag."
"Woher denn? Die sind lecker! Hast doch noch nie getrunken."
"Zu süss und sowieso ekelhaft. Ich trinke sowas nicht. PUNKT."
"Ah ja... Metal trinkt Bier."
"Nein danke."
"Was trinkst du denn in Japan?"
"Grüntee."
"Du solltest Wasser trinken. Grüntee schmeckt nicht."
Habe ich eigentlich je erwähnt, dass ich eine Allergie auf das "du solltest" habe? Wenn ich das mehrmals von der gleichen Person zu hören bekomme, kann es sein, dass ich ungehalten reagiere und gewalttätig werde. In meinen Fingern beginnt es dann zu zucken und meine Gedanken drehen sich einzig darum, ob der Kugelschreiber den linken oder den rechten Augapfel durchbohren soll. 

Danach gingen wir in den Family Mart, wo ich mir einen Salat kaufen wollte. 
"Sieht seltsam aus? Was ist das?"
"Salat."
"Isst du nur Salat?"
"Ja."
Bezahlen durfte ich ihn selber nicht. Das hat der Kerl so an sich. Er macht ganz auf Japaner und bezahlt alles. Den Parkeintritt hat er auch bezahlt. 

Im Park setzten wir uns auf eine Bank, weil der gute Misthaufen auf Speed sich die Hose (der Marke Wühltisch) nicht ruinieren wollte. Es handelte sich dabei um eine einfache schwarze Jeans, die man bei Bedarf in eine ganz gewöhnliche Waschmaschine werfen könnte. Aber gut. So hinterher ist mir klar, wieso wir uns auf diese Banken setzten mussten... Aber dazu kommen wir gleich. 

Er begann seine wirklich widerlichen Alkdosen zu schlürfen und ich trank meinen Grüntee. Und wieder wollte er mich dazu nötigen, von diesem ekelhaften Zeug zu kosten. NEIEN. 
Er begann seine Chips zu futtern und wies mich an "Iss deinen Salat! Hast du den vergessen?"
Ich weiss nicht, ob er das wirklich so gemeint hat, oder ob es an seinem schlechten Englisch liegt... Ist auch egal. 
Sein Rucksack hatte er links von sich auf die Bank gelegt. Zwischen ihm und mir war gerade noch genug Platz für seine Chipstüte. Mein Calvin Klein Rucksack musste mit dem Fussboden vorlieb nehmen. Menschen, die mich kennen, werden nun schmunzeln, sich mein Gesicht vorstellen, wie es sehr finster wird und auf den Supergau warten. Der blieb aus. Japan scheint mich wirklich ruhiger zu machen... Ob das wirklich so gut ist? Dem Misthaufen auf Speed hätte mein cholerisches Ich eigentlich ganz gut getan -_^
Jedenfalls rückte er immer näher. Och setzt dich doch gleich auf mich drauf! Jeder weiss, wie sehr Distanz verabscheue... Sein Bein wurde irgendwann an meines gedrückt. In mir drin begann es zu brodeln. Irgendwann streifte sein behaarter Arm meine Hand. "Gut, die müssen wir nachher abkochen!", dachte ich mir, recht angewidert. 
Er begann wieder von meinen Piercing. Fragte, welcher Religion ich angehöre.
"Keiner."
"Was?"
"Was?"
"Wie, keiner? Keine Religion? Christ?"
"Nein. Keine. Bin Atheistin."
"Nein. Christ."
"ATHEIST."
"Wieso trägst du dann Kreuze? Christen tragen Kreuze." Er deutete auf meine Fingerringe und fragte "Was ist denn das?"
"Ein Kreuz."
"Ja siehst du? Christ."
"Ein Kreuz ist ein Symbol, nichts weiter. Dass die Christen dieses für ihre Religion gewählt haben, ist auch nicht meine Schuld."
Das war bereits zu hoch für ihn. Das Thema Religion war somit vom Tisch.
"Du siehst nach Metal aus."
"Und?"
"Was ist mit dir passiert?"
"Wieso?"
"Ja schwarze Kleidung und du sagst immer nein. Was ist passiert? Gehts dir gut?"
"Ja danke."
"Hörst du Metal?"
"Ja."
"Wieso? Metal ist nicht gut. Nur Lärm."
"...."
"Findest du Metal gut?"
"Nein, darum hör ich Metal. Selbstkasteiung you know?"
Das war dann wohl wieder zu hoch für ihn. 

Eine Hand im Gesicht

Irgendwann hat er es fertig gebracht, mit seiner Hand in mein Gesicht zu fassen. Nach dem Schlag, den er dann einstecken musste, wird er das wohl nie wieder machen. Es sei denn natürlich, er steht auf Schmerzen. Ganz verwundert und leicht verwirrt hat er mich angestarrt und gefragt, was los ist. 
"Niemand fasst mir ins Gesicht."
"Wieso? Hast du Angst das Makeup verschmiert."
"Es ist ekelhaft und abstossend!"
"Was?"
"Hast du eine Ahnung wie viele Bakterien an Fingern haften? Denkst du, ich will die im Gesicht haben?! Ausserdem fasst man andere Menschen ohnehin nicht einfach an. Man wart etwas Abstand. Das gebietet der Anstand!"

Ich bin so witzig und einfach zu geil für diese Welt

Denkt er zumindest von sich. Irgendwann hat er dann damit angefangen, jeder zweiten Frau hinterher zu pfeifen und irgendwelche läppischen Komplimente auszuteilen. Dazu hat er permanent geraucht wie ein verdammter Schornstein. 
Eine ältere Japanerin ging ans vorbei und schaute ihn mit einem ganz bestimmten Blick an. Er fragte, was los sei. Sie schaute nur. Er fragte nochmal, in Japanisch, was sie für ein Problem habe. Sie antwortete ihm, dass er zum Rauchen in die Smoking Area gehen soll. Das gehöre sich hier nicht. Er sagte, das sei kein Problem und regte sich tödlich darüber auf, was die Alte für ein Problem habe. Das ginge sie einen Scheiss an. Mich hat er auch geräuchert - einfach so nebenbei erwähnt. 
Irgendwann hat er damit angefangen jeden dritten Menschen zu fragen, ob er oder sie Japaner sei und fragte dann, ob es ihnen gut gehe und antwortete gleich für sie mit nein. Die Leute waren leicht verwirrt und ich habe mich nur geschämt. Er aber, fand sich absolut witzig. 

Ich muss ein richtiger Idiot sein, weil ich nicht in Deutschland arbeite...

Mein Gegenüber fragte noch, wieso ich in der Schweiz arbeite. Sei ja schliesslich in der Nähe von Deutschland. In Deutschland wären die Gehälter ja viel höher als in der Schweiz. Die Wirtschaft wäre besser und die Lebenshaltungskosten wären fast Null. Er verstehe nicht, wieso die Schweizer so blöd sind und in der Schweiz bleiben. Wenn er Schweizer wäre, würde er nach Deutschland zum arbeiten gehen. 
So eine Aussage hat doch gar keine Reaktion verdient, oder?

Japaner sind allesamt langweilig und Dubai ist das einzig Wahre

Wieso ich mich überhaupt mit Japanern abgebe? 
Die seien alle so scheiss langweilig. Die Männer, wie die Frauen. Von Mode keine Ahnung und auch sonst wären alles voll devote Idioten. Einfach total nervig. 
Und das Essen hier draussen sei auch die grösste Zumutung. Er könne japanisches Essen nicht ausstehen. Rumänisches Essen, das habe Klasse! Das sei das einzig wahre Essen! Es gäbe nichts besseres, als rumänisches Essen! 
(Der Dude, den ich später getroffen und die Nacht durchgefeiert habe, fragte mich, was rumänisches Essen denn genau sei. Ich habe nicht die blasseste Vorstellung XD)

Er werde nicht mehr lange in Japan sein. Das Leben sei langweilig. Er arbeite nur. Viele Freunde habe er auch nicht (wundert das jemanden?) (an der Stelle möchte ich noch erwähnen, dass er mir aber zuvor erzählt hat, wenn ich in Japan arbeiten möchte, könne er das klar machen. Er habe viele Freunde in Tokyo und er werde alle fragen, ob sie etwas wissen. Alles Leute, die in grossen Firmen das Sagen haben - ah ja?) und viel Geld sparen könne er auch nicht, weil er immer so gegen 5000 yen (CHF 50) im Ausgang ausgebe - fast jeden Abend. Ja das Leben in Japan sei langweilig. Er habe ja nichts. Nur seine Arbeit. 
Er wollte nach Dubai. Dubai sei das einzig wahre! Da habe man Geld und verdiene gutes Geld. Da sei das Leben noch lebenswert! 
Jemand, der so schön ist, wie ich, sollte auch nach Dubai! (Ich habe selten so gelacht)

Er spricht in fremden Zungen

Er spricht Französisch, Arabisch, Italienisch, Spanisch und Japanisch. Sagt er zumindest. Auf Französisch erzählt er mir, was ich für wunderbare Augen habe. In Italienisch fragt er, ob ich nicht mit zu ihm nach hause gehen wolle. In Englisch sagt er dann, dass ich "verdammt sexy" sei. Was ich von ihm halte. Ich beantwortete seine Frage ganz entschieden nicht. 
Wir sind dann durch den Park gegangen, wo wir einen Londoner getroffen haben. Und hier diese unmögliche Unterhaltung:
Der Misthaufen auf Speed: "hey! Wie gehts dir?"
"Gut, dir?"
"Ja gut! Lebst du in Japan?"
"Ja."
"Schon lange?"
"15 Jahre."
"Ich bin hier in den Ferien und will hier her ziehen. Wie lebt es sich so?"
"Ist wunderbar hier!"
"Was könnte ich machen? Beruflich?"
"Englisch unterrichten z.B.?"
"Wie teuer ist das leben hier? Wo kann ich so leben?"
"Ja das kommt darauf an, wie viel du ausgeben kannst."
"Ja so 800'000 im Monat sind kein Problem für mich." (8'000 CHF)
"Wow! Dann kannst du locker in Shinjuku leben."
"Sprichst du Japanisch?"
"Ein bisschen. Nur sehr wenig."
Dann hat er ihm in Japanisch mitgeteilt, dass er seit 3 Monaten Japanisch lernt und hier arbeiten möchte. Der Londoner hat kaum etwas verstanden und als der Misthaufen auf Speed das bemerkt hatte, fügte er in Japanisch hinzu "Ich denke nicht, dass du Japanisch sprechen kannst, sonst hättest du mich verstanden. Du lebst doch gar nicht hier."
Die nächsten 10 Minuten ging es darum, wie scheisse der Typ doch war und dass er bestimmt gelogen hat. Wenn nicht, wäre es verdammt schwach von ihm, wenn er solange hier ist und kein Japanisch spricht und und und... Keiner ist so gut, wie der Misthaufen auf Speed! 

Lost in Translation

Der Misthaufen auf Speed hat irgendwann nur noch Japanisch mit mir gesprochen, obschon er weiss, dass meine Sprachkenntnisse begrenzt sind. Dann hat er mir Kanji gezeigt und mich abgefragt, ob ich das kenne. 
"Ja."
"Also?! Was bedeutet es?! Sag schon, wenn du es weisst."
Monsieur war impressed, dass ich es wusste, und das wars dann mit der Kanjifragerei. Dieser überhebliche Tonfall zerrte stark an meinen Nerven. Mir war ja nicht bewusst, dass wir uns in einem Wettkampf befunden haben... 
Er sprach dann nur noch Arabisch mit mir und zeigte auf Leute und lachte sie aus, so dass sie ihn sehen konnten. Das war genug. Ich sprach dann nur noch in Schweizerdeutsch mit ihm. Erstaunlich, wie das immer wirkt. Denn da war er plötzlich in der Lage, sich wieder in Englisch auszudrücken. Was ich gesagt hätte? Er verstehe diese Sprache nicht. Wenn es überhaupt eine Sprache ist. Ob ich betrunken sei? Ich soll wieder mit ihm reden. Ich soll Englisch reden. Er verstehe mich nicht. 
Ja dann weiss er ja jetzt, wie das ist. Ich bin dann einen Weg entlang gegangen und er fragte, wohin ich gehe "Ke Ahnig" aka Keine Ahnung. Er verstehe mich nicht. Und das wars. Netterweise ist er mir nicht gefolgt. 


Auf dem Rückweg vom Park zum Bahnhof sah ich ihn vor dem Dutour sitzen und zwei Touris aus Frankreich anbaggern. Er hat mich angeschaut. Ich habe ihn ignoriert. Und somit verschwindet der Misthaufen auf Speed aus meiner Geschichte. 



Mittwoch, 4. Mai 2016

Dating in Japan #2 : "Ich habe schliesslich einen Job!"



Nach diesem grauenhaften Date von gestern, wagte ich mich dennoch gen Shinjuku am frühen Nachmittag, um den nächsten, vermeintlichen Freak zu treffen.

Wer schon einmal in Shinjuku gewesen ist, weiss um die zahlreichen Ausgänge dieses brobdingnagischen Bahnhofs und obschon ich wusste, dass ich gen East und nicht gen South East gehen musste, ging ich gen South East, da nichts anderes angeschrieben war. Navi und ihr internes Navi würden den Treffpunkt dann schon irgendwie finden. Studio Alta war vereinbart. Als ein Mensch, der Shinjuku nach Möglichkeit meidet, war dies natürlich ein Fremdwort, aber wir leben ja im Zeitalter von Google Streetview und so sollte dieser Treffpunkt keine Hürde darstellen - wenn man denn vom richtigen Ausgang her kommt. ^^ Aber Miss Gray (ja noch immer eine Miss und keine Mrs.) ging vom South East Exit her gen Rolltreppe und fand sich irgendwo. Immerhin befand sich direkt vor mir ein Starbucks.

  • Wo hat es in Japan schon keinen Starbucks?
Meine Intuition wies (und wieso sagt mir die Rechtschreibprüfung hier,"wies" sei falsch???)  mir den Weg und siehe da, in weiter Ferne konnte ich jenen gigantischen Bildschirm ausmachen, welcher das Studio Alta ziert. So verfügte ich meine Gestalt dorthin und wartete in der brennenden Mittagssonne. Ein Rucksack kam immer näher auf mich zu. Irgendwann befanden sich zwischen Rucksack und mir nur noch gute 2cm. Verstimmt durch die Hitze und die Warterei (die meine Schuld war, weil ich ja stets zu früh vor Ort bin) wartete ich nur darauf, dass der Rucksack mich anrempelt. Ich war dazu bereit, bis zum Äussersten zu gehen und wenn nötig im Kampf zu fallen. In dem Fall hätte man meinem Leichnam die tätowierte Haut abziehen und anstelle der nicht vorhandenen Hundemarken nach hause geschickt. So weit kam es jedoch nicht. Rucksack und seine drei zotteligen Freunde marschierten von dannen. Ich wartete weiter. iPhone zeigte mir die Zeit: 14:04 Uhr. Wir warten bis 14:10 Uhr und dann war es das!
Irgendwann stand ein Typ neben mir und grüsste mich mit einem freundlichen Lächeln. Mein erster Gedanke war "Hallo Freund, kenn' ich sie?!" ehe ich jedoch einen Spruch zum Besten geben konnte, stellte er sich vor. Oookey? Ich hatte mit diesem braun-orangen Haarton gerechnet. Überhaupt sieht er in echt anders aus, als auf den Bildern (welche 3 Jahre alt sind XD).

Erst gingen wir gen Shinjuku gyoen, dessen Eintritt aufgrund der Golden Week kostenfrei war und unterhielten uns über seltsame Bekanntschafen aus dem Internet, ehemalige Beziehungen, etc. Was hatten wir einen Spass. Oh hier fällt mir ein, dass ich die Badezimmerfamilie nicht erwähnt hatte! Hahaha dann habe ich noch einen Lacher für den kommenden Samstag XD
Hinterher gingen wir ... und jetzt habe ich den Namen vergessen... Diesen Landmark Tower in Shinjuku, von wo aus man Tokyo und co überblicken kann. Heute hat sich sogar Fujisan gezeigt - dä fräch Cheib, der sich sonst nie zeigt... Auf dem zweiten Foto ist das PARK HYATT zu sehen... hach... Lost in Translation...
Mein heutiges Date zählt zu seinen Lieblingsfilmen "Stand by me" und "The Shawshank redemption" man siehe und staune, ein Mann mit gutem Geschmack! Wohl die besten zwei King-Verfilmungen überhaupt!




Ich weis, worauf Ihr, oh meine Leser, wartet. Auf die Schilderung des GRAUENS! Der freundlich lächelnde und aufgeschlossene Typ mutierte zu einem Ted Bundy (dies ging mir durch den Kopf, als wir durch eine finstere Gasse spazierten) oder aber er begann sich selbst PiCa! zu nennen oder sonst etwas, das wir bereits erfahren mussten. Aber nichts dergleichen sollte geschehen.

Das einzig leicht Verstörende war, dass er sich zu meinem Aussehen geäussert hatte, was ihm ja vor dem Treffen schon bekannt gewesen hätte sein sollen. Er meinte "You look like metal!" Daraufhin meinte ein Bekannter von mir, als ich ihm dies schilderte "Ich hätte jetzt Mensch gesagt, aber Metall trifft es auch..." Dann musterte er meine Ohren und teilte mir mit, was er eben festgestellt hatte "Du hast aber viele Piercing". Ich denke, damit wollte er mir zeigen, dass er gute Augen hat oder ihm die Gabe des Erkennens zu Teil geworden ist. Wer weiss. Schliesslich fragte er, wie viele Tattoos ich denn hätte. Keine Ahnung. "Oh so viele..." und dann kam es, dieses klassisch stereotypische Gefasel von wegen Yakuza und so:
Er meinte, er würde sich im Leben nie tätowieren lassen. Und piercen schon gar nicht. Für einen kurzen Moment spielte ich mit dem Gedanken, ihm von Body Modification in ihrer feinsten Art zu erzählen, entschied mich dann aber dagegen. Er schilderte mir dann eine Erzählung, welche mal wieder aufzeigt, wie borniert manche Gestalten da draussen doch sind. Wir erinnern uns an meinen befremdlichen Besuch namens Yoshiko, vor einigen Jahren? Welche mir schilderte, dass Homosexualität eine westliche Krankheit sei und in Japan nicht existiere. Etwas ähnlich Verstörendes gab der Langweiler zum Besten: Er teilte mir mit, Japaner seien nicht tätowiert. Aber Japaner würden bei Ausländern ein Auge zudrücken, da man mittlerweile wisse, dass das im Ausland Mode ist. Aber in Japan seien nur Gangmitglieder und Yakuza tätowiert. Sonst niemand. Es gäbe auch keine Tattoostudios. Das werde alles heimlich in finsteren Gassen gemacht. Folgende URL poste ich nur, um des Langweilers Aussage zu bekräftigen. Zu unterstreichen. Mit Scheinwerfern auszuleuchten: Shige, einer der bekanntesten Tattoo-Artist, der mit Cheyenne arbeitet. Moment... Tattoos werden nur in finsteren Gassen gemacht, wieso hat dann dieser Typ eine Webseite? Ich sehe schon, das ist definitiv ein Fall für die X-Akten oder TWILIGHT ZONE (Letzteres einfach, weil wir die TWILIGHT ZONE schon länger nicht mehr erwähnt haben). Wie dem auch sei, kommen wir zur Erklärung des Blogtitels. Er äusserte noch, ehe er mir die Ohren mit diesem Yakuza-Gefasel voll säuselte, er würde sich nicht tätowieren lassen, auf meine Frage nach dem "wieso", "Ich habe schliesslich einen Job". Wie wir alle wissen, sprechen Mann und Frau nicht immer die gleiche Sprache. Aus dem Satz und der Tonart ergab das für mich folgende Aussage: "Ich habe schliesslich einen seriösen Job. Nicht so wie Ihr im Westen, die da in Jeans arbeiten gehen und nur im Büro herumhängt." Irgendwann zuvor unterhielten wir uns über Arbeitskleidung. Japan ist ja recht strikt und jeder Bürogummi geht im Anzug zur Arbeit - egal in welchem Bereich er tätig ist. Als ich ihm sagte, dass wir bei uns in Jeans und Jogginghose ins Büro gehen, schien er leicht entsetzt und fragte dann, ob mein Boss das auch machen würde. Ja, aber manchmal trägt er ein weisses Hemd. Der Schock sass tief! Daraufhin folgten Fragen über Fragen nach Arbeitskleidung in den verschiedenen Berufsfeldern etc. Ach wie langweilig...
Er fragte mich zudem, woher ich meine guten Englisch-Kenntnisse habe. Wie ich mir diese angeeignet hätte. Fast hätte ich geantwortet "Es gibt da so eine neue Sache, die nennt sich Buch..." Aber blieb dann bei der Wahrheit. "Oh... Filme in englischer Originalsprache schauen...hmmm ja das könnte ich auch mal versuchen." Dafuq?

Als wir beim Bahnhof waren, äusserte er, er habe leichte Kopfschmerzen. Ich dachte nur, was für eine billige Ausrede und fragte, ob er nach hause gehen möchte. Nein, so schlimm sei es nicht. Was mich ehrlich gesagt überrascht hatte. Jedenfalls meinte er, wir möchten noch etwas essen gehen. So schlenderten wir durch die Strassen Shinjukus. Nach rund 10min meinte er dann, ob wir einen Kaffee trinken gehen könnten. Aufgrund der Kopfschmerzen möchte er keinen Alkohol trinken. Wie früh ihm das doch eingefallen ist. Aber gut. Als wir dann (wieder) beim Starbucks waren, stellte er mit bemerkenswerter Auffassungsgabe fest, dass der Starbucks voll war. Ich meinte nur, "War ja klar, es handelt sich schliesslich um einen Starbucks." Und dann wurden seine Kopfschmerzen immer heftiger, was er mir sogleich mitteilte. Wieder fragte ich, ob er nachhause gehen möchte. "Ja, vielleicht besser."
"Ok, gute Besserung."
"Tut mir leid."
"Kein Problem. Wirklich."
"Danke."
"Kommst du mit zum Bahnhof?"
"Ah... ähm... nein, ich gehe erst noch etwas essen und dann nach hause."
Oookey? Aber wenn er meint.
"Ok. Na dann. Gute Besserung." Ich war schon im Begriff, mich mittels der Klaus-Kinski-Drehung (bekannt aus Werner Herzogs "Aguirre" abzuwenden, als er meine Pfote ergriff. o_O Er hielt meine Hand mit beiden Händen auf ganz merkwürdige Weise. Etwas zwischen Hand halten und schütteln und streicheln... keine Ahnung, WAS genau das war, und fragte mich dann, ob wir uns am Samstag oder Sonntag wieder sehen würden. Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet. Ich meine, er schien normal zu sein. Langweilig, na klar, aber normal. Aber da war kein Grund, sich nochmals zu treffen. Klar haben wir gelacht, aber das wars. Ihr kennt das bestimmt alle. Man trifft einen Menschen und da ist einfach nichts. Man würde nicht mal mit dem befreundet sein, weil einfach nichts ist.
Da ich am Sonntag bereits mit Danielle verabredet bin, meinte ich Samstag würde gehen. Ganz bestimmt würde ich Danielle nicht versetzen. Daraufhin erklärte er, er müsse am Samstag arbeiten und könnte um 19:00 Uhr in Shinjuku sein. Okey.
Ich fand das ja alles recht merkwürdig. Aber gut, warten wir den Samstag ab. ^^


Dienstag, 3. Mai 2016

Dating in Japan #1 : Mein pixelated oder half-blind Date in Ikebukuro

Bevor ich Euch mit meinem Reiseblog auf dem Laufenden halten kann, muss dies hier erst raus! Ja mir ist bewusst, dass ich seit meiner ersten Woche in Tokyo nicht mehr gebloggt habe. Wenn die Einträge online sind, wisst Ihr wieso ^_^

Jedenfalls spazierte ich zuvor durch die Nacht in den hellerleuchteten Strassen Gotanda's und da hörte ich im Hinterkopf den Typen aus Scream 2 sagen "Das ist heiss! Das muss raus!" und genau so verhält es sich mit meinem Erlebnis von vorhin. 70min habe ich es ausgehalten. Dann stand ich vor der Wahl:
a) Ich bringe mich um, um der Situation zu entfliehen
b) Ich bringe ihn um, um der Situation zu entfliehen
c) Ich gehe einfach

Pixelated Date? Half-blind Date? Gedanken zur Bezeichnung

Man spricht von einem Date, wenn man die Person schon einmal gesehen hat und weiss, wie sie aussieht. Man spricht von einem Blinddate, wenn man die Person noch nie zuvor gesehen hat und sich durch die Menschen fragen muss "Bist Du....?", was mir glücklicher- oder smarterweise noch nie passiert ist. Wie nennt man es, wenn man zwar drei Fotos gesehen hat, diese aber verpixelt waren? Spricht man dann von einem Pixelateddate? Oder einem Halfblinddate? Ich habe keine Ahnung. 
Und wieso zeigt man verpixelte Fotos? Und eines, das wohl vor 10 Jahren mal aufgenommen worden ist? Wieso tut man das? Denken solche Menschen nicht daran, dass man ihr Gesicht spätestens beim Date sehen wird? Wäre es da nicht besser, mit offenen Karten zu spielen? Ich sage ja auch nicht, ich wär "stick-thin". Gut, ich sage auch nicht, dass mein Arsch breiter ist, als auch schon, und dass man mit dem Fett aus meinen Oberschenkeln wohl eine Fastfood-Kette haushalten könnte (ok, so schlimm ist es dann doch nicht, aber Ihr kennt ja meinen Hang zur Dramatik!).

Hier die Anmerkung zu "Schönheit kommt von innen". Anton Szandor LaVey schrieb dazu in den Satanischen Essays "Ist Balsam für die Hässlichen." Meine Lehrlingsbetreuerin damals sagte etwa das Selbe. Sei ja schön und gut, aber wenn der Typ nicht gefällt (ich meine ihre Worte waren "chotzgrusig"), interessiert es dich auch nicht, ob er nett ist. Du sprichst gar nicht erst mit ihm und findest es so auch nicht heraus. Hart, aber wahr.

Soviel zur Vorbereitung... -_- "Typisch Frau"

Jedenfalls bin ich noch immer leicht angepisst. Bitte entschuldigt die Ausdrucksweise, oh meine Leser, aber anders kann ich es selbst in Deutsch nicht ausdrücken. Ich bin angepisst, weil ich mein Gesicht umsonst mit der BB Cream von Klairs eingeschmiert habe. Weil ich mein (bald zur Neige gehendes) Puder von Shiseido umsonst aufgetragen habe. Weil meine Augenbrauen heute kaum perfekter hätten gezeichnet sein können und so auch meine Lidstriche. Mein Pulli von Tommy Hilfiger hätte heute Premiere gehabt (er ist so angenehm weich und die Farbe schmeichelt mir). Ich habe 30min für die Wahl des richtigen Outfits aufgewendet und mir überlegt, ob ich mir nicht doch noch die Haare waschen soll. Faulerweise habe ich Letzteres bleiben lassen. Gestern ging ich gar in einem Anflug von Panik gen Daiba und kaufte für CHF... na ja jedenfalls für viel Geld, neue Klamotten, von denen ich glaube, dass ich zwei der drei Röcke niemals tragen werde. Ihr findet diese dann auf meiner Facebook-Seite "Navi's little wardrobe", die nach einer Aktualisierung schreit. In einer neuen Boutique (einfach weil es eleganter klingt, als "Laden" oder "Shop") kaufte ich mir einen weissen (die Farbe heisst eierschale oder creme) Pulli und eine Art "Wollemutz", der viel zu teuer war, aber er ist schön. Nur ob ich ihn je tragen werde, sei dahingestellt... Wir werden sehen. Ansonsten ist er ann auch günstig zu erwerben. Ja so wirds gemacht. Man kauft teuer ein und verkauft günstig, ganz im Sinne von Tenrikyo (aber dazu dann in meinem Reiseblog - gott aka Oyasama, diese Werbung immer!). Jedenfalls habe ich, bis auf das weisse Trägershirt unter dem Pulli nichts von den neuen Klamotten angezogen - was mich nicht einmal wundert...
Wie dem auch sei, ohne völlig arrogant klingen zu wollen, mein Styling war perfekt (auch ohne 3-Wetter-Taft). Besser hätte es gar nicht sein können und wofür? Für 70min des Umherwanderns in den überfüllten Strassen eines Ikebukuro's zur Golden Week. Mein Gesicht ist während des Schreibens noch immer angemalt, die Klamotten liegen auf dem Sofa und ich trage meine Zuhause-herumgammeln-Klamotten. Vor mir befindet sich ein riesiger Spiegel, in den ich während des Schreibens hin und wieder blicke um meine Augenbrauen zu betrachten. Ihr könnt schon lachen! Aber wer sich nicht jeden Tag die Augenbrauen nachzeichnen muss, hat keine Ahnung, wie das ist. Ja ich bin selbst schuld, ich weiss, dennoch ist es ätzend und wenn sie dann mal wirklich perfekt sind, dann schaut man sein Meisterwerk auch gerne an. Sollte ich eventuell noch Erinnerungsfotos davon machen?

Oh und ich bin angepisst, weil das perfekt gebügelte weisse Hemd um meine Aversion gegen Menschenmassen wusste und ich mich im Gedränge von Ikebukuro wiederfinden musste. DAS pisst mich am meisten an!

Treffpunkt 18:00 Ikebukuro Yamanote Line Track (düstere Befürchtungen...)

Da ich ja bekanntlich nie zu spät bin, stets zu früh (und daher IMMER auf Menschen warten muss), ging ich bereits 17:10 Uhr gen Gotanda Station und nahm die Yamanote gen Shinjuku und Co. 17:40 Uhr kam ich in Ikebukuro an und durfte also 20 Minuten auf mein Date warten, da dieses keine Minute zu früh antrabte. Ich stehe also da, am Ende des Bahnsteigs (um auch das deutsche Wort für "Track" oder "Noriba" mal verwendet zu haben) und warte auf mein Date, welches ich von zwei verpixelten Fotos kenne. Da ich 20 Minuten Zeit habe, hole ich mein Moleskine aus der Tasche und Folgendes habe ich ihm anvertraut (in meinem Moleskine steht alles in Schweizer Mundart, der Einfachheit halber hier ausgedeutscht): 
  • Eben hatte ich einen schlimmen Gedanken, was, wenn plötzlich irgend so ein alter Sack vor mir steht? Der so gar nichts mit dem Typen auf dem Foto zu tun hat? In dem Fall werde ich in hysterisches Gelächter ausbrechen und "bin dann mal weg".
  • Eigentlich ist es krank, was ich hier mache... oder? Oder nicht? Oh doch.
  • Bisher waren alle Menschen, die ich im Netz getroffen habe, ein riesen Reinfall. Das stimmt nicht. (und hier folgt eine Auflistung mit Menschen, die ich im Netz getroffen habe, die normal sind und mit denen ich heute noch befreundet bin)
  • Möglicherweise ist dies mein letzter Eintrag? In dem Sinne "adieu"
  • OMG hoffentlich ist es nicht der Typ da o_O Falls doch, habe ich Durchfall oder muss auf den Bus! HELP! - Phuuu Glück gehabt, er war es nicht. 
  • Eben ist mir der Gedanke gekommen, was wenn er mir gar nicht gefällt? Daran habe ich bisher noch gar nicht gedacht. Haha zu spät! (Eigentlich nicht, er ist noch nicht anwesend, ich könnte noch immer in die nächste Yamanote steigen und weg war sie.)
  • OMG! OYASAMA!!! Der Typ sieht ja schon aus wie ein Serienkiller!!! SCHEISSE! Phuuu Glück gehabt, der wars auch nicht ^^ Hab ich Schwains
  • Ich fühle mich gerade wie Kate in "Friends with better lives". Die Folge, in der sie ein Blinddate hat und froh ist, dass sie nicht Susan ist. "Susan fährt auf jeden Fall im Kofferraum nachhause."
Ein Typ in strahlend weissem Hemd, mit Schlips aber ohne Jackett, schwirrt herum. Ich sehe kein Gesicht, erkennen würde ich es ja ohnehin nicht, da man sich im richtigen Leben nicht verpixeln kann, und warte, bin aber sicher, dass dieses Hemd (wäre perfekt für die Weisser Riese Megaperls Werbung) mein Date ist. Irgendwann steht das Hemd ganz dicht neben mir (Wieso nur muss ich in diesem Moment, an den Typen vom Kamoriver 2015 denken? "Excuuuuuse"). Ich hätte fast aufgeschrien vor Schreck. Er sagt nicht meinen Namen, nein, er hält mir sein Mobiltelefon (ganz richtig, noch eines von den Dingern, die man aufklappen kann) unter die Nase mit einem Bild von mir. Ich nicke - leicht irritiert. Was ist aus dem guten alten Anstand geworden? Sich vorstellen? "Ich bin das weisse Hemd. Du musst Navi sein." An der Stelle, kam meine Oberflächlichkeit erstmals an die Oberfläche (ja mir ist bewusst, wie das zu lesen ist... aber egal). Alles, was ich sehen konnte, war der Entenschnabel. Die Falten um die Augen und dieses käseweisse Gesicht... Meine Stimmung war im Eimer. Dennoch redete ich mir ein, nicht oberflächlich zu sein und so hatte ich folgendes stummes Mantra "Sieh darüber hinweg. Du bist nicht so oberflächlich. Du bist nicht so oberflächlich." 

NS: Ich nenne seinen Namen absichtlich nicht, da ich ja niemanden ächten will. Das Foto könnte ich allerdings posten, man erkennt ohnehin nicht viel -_^ Ich belasse es beim weissen Hemd. Der Name gefällt mir. Vielleicht sollte ich es ergänzen durch, "das perfekt gebügelte weisse Hemd" ^^

Ikebukuro Sky Circus - Sunshine 60 Observatory "Jesus"

Wir gehen also durch die Strassen von Ikebukuro wo ich mit Fragen gelöchert werde. Fragen, die ich bereits in unserem Chat via LINE beantwortet hatte zum Einen, Wiederholungen neuer Fragen zum Anderen. Wir betreten eine Rolltreppe und er verhandelt mit einem Guide etwas, weist mich an zu warten, er gehe Tickets kaufen. Wofür sollte ich alsbald erfahren... Während er die beiden Tickets kaufen ging und ich wie bestellt und nicht abgeholt wartete und vom Guide angeglotzt worden bin, hatte ich doch Zeit folgendes in mein Moleskine zu schreiben: 
  • Oh ich wünschte, er wäre der Serienkiller gewesen... x_x
Schliesslich haben wir eine Vielzahl Animateurinnen vor uns, die uns mit strahlendem Lächeln den Weg weisen. Ich versuche nicht allzu pissig auszusehen, denke allerdings nicht, dass es mir gelungen ist. Dieses Sky Circus Dings ist etwas für kleine Kinder, aber nicht für genervte Navi M. Grays. Angefangen mit einer Geschichte in Japanisch, von der ich herzlich wenig verstanden habe, und Monsieur weisses Hemd hat keine Anstalten gemacht, etwas zu übersetzen, weiter mit Flugzeugen und dann gings ab in den nächsten Raum, wo man sich in diversen Spiegeln begutachten konnte (ich will an der Stelle keine Sprüche hören, von wegen, da wär ich ja am richtigen Ort gewesen, wenn ich schon "sooo perfekt gestylt war" und meine Augenbrauen heute einfach perfekt waren). Immerhin gab es eine Aussicht über Tokyo bei Nacht. Wenn man allerdings schon Ropponghi Hills und den Skytree besucht hat, ist das auch nicht mehr so interessant. Weiter konnte man durch irgendwelche Löcher gucken und Kaleidoskope begutachten, oder man stellte sich unter zwei Regenschirme vor einen Bildschirm. Wir haben nichts von alldem gemacht, da mein genervtes Ich nur nach dem rettenden EXIT Ausschau hielt und zielstrebig darauf zuging. Er fragte mich, wie es war. Ehrlich, ich mag solche Sachen nicht. Was er wissen würde, hätte er bei unseren Unterhaltungen aufgepasst. 

Nachtspaziergang durch Ikebukuro "Do you like...? Oh really? I mean, really?"

Auf dieses recht enttäuschende, gut CHF 17 kostende Ereignis, wanderten wir durch die Strassen Ikebukuros, wo ich zum Fragebogen mutierte. Jede Frage begann mit "Do you like....?" Egal, ob ich ja oder nein antwortete, darauf folgte immer ein "Oh really?" gefolgt von einer kurzen Denkpause, gefolgt von einem "I mean... really?". Anfangs machte ich mir noch die Mühe auf alles zu antworten, bis es mir dann zu lästig wurde. Alle ca. 10 Minuten kam die Frage, ob ich hungrig bin. Nein. Ob ich etwas trinken möchte. Nein. Als ihm langsam aber sicher die Fragen ausgegangen sind, hat er einfach wieder von vorne angefangen: "So du magst also Hunde. Und Katzen?" "Ich mag alle Tiere." "Also du magst Hunde? Aber du hasst Katzen nicht?" "Wieso sollte ich?" "Aha. Du magst auch Katzen? Wirklich?" 
Was mich ja am meisten nervt, ist die Frage nach dem Essen. Ich habe mir abgewöhnt zu sagen, ich esse kein Fleisch, oder ich sei Vegetarier, Veganer, was auch immer. Um es den Menschen begreiflich(er) zu machen, sage ich, "Ich esse keine Tiere". Wenn mir dann noch jemand mit der Frage kommt, "Auch keine Fische?" dann ists einfach vorbei. Ich sage ja genau deswegen, ich esse keine Tiere, weil viele Menschen noch immer der Ansicht sind, man isst zwar weder Schwein, noch Kuh noch Hund, aber Fisch kommt auf den Teller. Sind Fische seit Neustem ein Gemüse? Oder Obst?Dann kam er mit der genialen Frage, die ich hier draussen noch öfters höre, als in meiner Heimat (früher, als vegan zu leben noch nicht trendy war), "Du isst nur Gemüse?" Mein genervtes Ich antwortet dann in angemessenem Ton (angemessen für das genervte Ich, nicht für angemessen für den Fragesteller) "Nein. Ich esse einfach keine Tiere." Manch einer ist damit recht überfordert. Man könnte meinen in Japan bestehe ein Essen nur aus Fisch, Fleisch und Gemüse. Meines Wissens nach kommt zB. Tofu aus Japan... aber egal. 
Am schlimmsten war aber diese Gestikuliererei! Es war ihm nicht möglich zu sagen, hier links über die Strasse, nein, er holte mit seinem Arm aus, malte eine grosse Kurve in die Luft und deutete nach links. Im Lift/Fahrstuhl/Aufzug (darf ich an der Stelle "Fahrstuhl des Grauens" verwenden? denn für mich war es grauenvoll) steckte er beide Finger in die Ohren, gab seltsame Laute von sich und grunzte ein "Ah ears!", wegen dem bisschen Ohrendruck. Dies sowohl beim hoch- als auch beim runterfahren. Ich habe mich gar nicht fremdgeschämt... Wieso auch? Ich dachte wirklich, ich hätte die Zeiten des Fremdschämens hinter mir gelassen, aber dem ist definitiv nicht so. Vor Allem dann nicht, wenn andere Menschen, die sich ebenfalls in diesem Aufzug befinden, bestimmte Blicke zu werfen... 

Wieso treffe ich immer auf solche Leute??? (Weil Du sie online triffst? XD)

Dann erzählt er mir erneut, dass er keinen Alkohol trinkt, fragte mich aber, via LINE ob Alkohol in Ordnung wäre? WTF o_O Soll ich alleine eine Flasche Rotwein aussaufen und er schaut zu? So weit kommt's noch. 
Er erzählt mir ausserdem, dass er nicht kochen kann und mich bewundert, da ich es offenbar kann. Klar. Er kann kein Messer in die Hand nehmen, weil er sich als Kind mal geschnitten hat. Oookey? Ich habe mir als Kind auch mal die Finger auf diesen alten verdammten Herdplatten verbrannt, bin aber dennoch in der Lage mittels Herd zu kochen. 
Ausserdem habe er Angst vor Feuer. Er habe als Kind mal mit Feuer gespielt und sein Vater (der übrigens Alkoholiker war/ist) sei böse geworden und habe ihn irgendetwasunversändliches mit Gestik auf Haar und Gesicht. Hat er mir von einer Misshandlung erzählt? Wenn ja, wieso tut er das? 

Nach 60min wieder beim Bahnhof (und die Erkenntnis: Ich bin oberflächlich)

Wir sind dann wieder beim Bahnhof angekommen und ich habe gefragt, was wir noch machen. Er fragte, ob ich zum Tokyo Tower möchte. Nein. Ob ich zum Skytree möchte. NEIEN. Zuvor hatte er mich schon gefragt, als wir in weiter Ferne den Tokyo Skytree gesehen hatten, ob ich schon einmal da gewesen sei. Ja. Oh, wirklich? Ich meine, wirklich? JA! War allerdings enttäuschend und ist reine Zeit- und Geldverschwendung. Wieso sollte ich dann nochmals da hingehen wollen? 
Wir stehen also da, so mitten vor dem Bahnhof inmitten von Menschenmassen und ja. Stehen einfach da. Dann fragt er, ob ich schon einmal bei einem gewissen Tempel, dessen Namen ich vergessen habe, gewesen sei. Nein. Ob ich schon da in der Nähe gewesen sei. WTF?! Ob ich dahin gehen möchte. Sei in der Nähe von Shinagawa. Nein.
Er hat mich auch gefragt "Do you like Donkey Hotel?" Was antwortet man auf diese Frage? Ist in etwa so, als fragte ich Euch, oh meine Schweizer Leser, "Hey magsch de Coop?" oder für jene aus DE "Magst Du Aldi?". Im Fall Coop könnte man noch antworten, "Nei ich be es Migroschend!" oder bei Aldi könnte man ja noch entgegnen "Ich ziehe Lidl vor", aber zum Donkey Hotel gibt es einfach KEINE Alternative. Es ist ein riesiger Supermarkt. Soll ich sagen, "in meiner Freizeit lese ich gerne und verbringe viel Zeit im Donkey Hotel"?
Ob ich ok sei. Und an der Stelle hörte ich mich sagen, "Nein, ich bin angepisst.". Hinter einem Pfeiler suchte ich nach meiner Suica und verliess seine Erzählung (wenn er denn auch eine hat) durch das Ticketgate, über die Treppe hinauf zur Yamanote Line gen Shinagawa und mit mir die Freude darüber, dass er mir nicht gefolgt ist. 

Nun zur Erkenntnis. Ich kann nichts dafür. Es ist keine Absicht, aber ich bin oberflächlich. Denn, als wir so da vor dem Bahnhof gestanden haben, vom Neonlicht perfekt ausgeleuchtet, war mein erster und längster Gedanke folgender: 
  • Wenn wir uns eventuell hier fortbewegen könnten?! Bei diesem Licht sieht mich jeder mit dir! 
Ihr mögt mich nun für ein Arschloch halten, dann sei es eben so, aber es entspricht der Wahrheit. 
Hätte ich über den Entenschnabel, die Falten, die käseweise Haut, das schüttere Haar und die seltsame Gestik hinwegsehen und Freundschaft schliessen können? Ganz entschieden nein. Schon allein die Tatsache, dass er sehr dicht neben mir hergegangen ist und mich bei jeder Gelegenheit gestreift hat, was mich fast in den Wahnsinn getrieben, ist der Abscheu genug. Ich hatte mir echt überlegt, ob ich wie wahnsinnig zu schreien anfangen soll. Habe es dann aber gelassen. 

Ifi, mein Nachbar, den ich in Kyoto hatte, erzählte mir, der beste Weg, um aus einem miesen Date herauszukommen und sicher zu stellen, dass sich die Person nie wieder bei einem meldet ist, zu sagen man habe Durchfall. Ich überlegte mir ernsthaft, so etwas zu sagen... 

Dann fragte ich mich, wozu ich mir Gedanken um meine Haare gemacht habe, die mittlerweile fettig sind. Wieso ich die perfekten Augenbrauen quasi verschwenden musste? Immerhin ist mein Tommy Hilfiger Pulli so endlich mal rausgekommen. Schön für ihn.  

Brauchst du eine Louis Vuitton Tasche?

Das Merkwürdigste überhaupt und das gleich zu Beginn des Abends. Wir stehen vor dem Louis Vuitton und er fragt, ob ich shoppen gehen möchte. Wenn ja, soll ich ihm sagen, was ich brauche, er würde bezahlen. W-w-w-as?! Nein, danke. Er deutet auf das Louis Vuitton Geschäft und fragt allen Ernstes, ob ich denn keine neue Tasche brauche. Hätte ich ihm an der Stelle sagen sollen, dass ich nicht mal eine LV Tasche haben möchte, wenn es die letzte Tasche auf Erden wäre? Was soll das? Nein danke. Oh really? I mean, really? Ich sei einzigartig (das durfte ich 5x hören). Jede Frau liebt Shopping und Taschen. Danke. Ich habe eine Tasche wie man sieht. Aber nicht Louis Vuitton. Nein, ich bevorzuge Moschino oder Calvin Klein, oder COACH (Letztere besonders als Special Edition von Anna Sui, genannt Dragonfly, die ich mein Eigen nennen darf - eBay sei Dank. Hach ja, das ist wahre Liebe...) 
Er ist Buchhalter und verdient offenbar gut, aber sorry, so nicht. Wie verzweifelt kann man denn sein? 
An der Stelle möchte ich festhalten, ich bin definitiv nicht auf Geld aus, aber bin ungeduldig und oberflächlich. Klar würde ich gerne in Tokyo bleiben - aber nicht bei einem merkwürdigen und derart verzweifelten weissen Hemd, das bereits vor Einsamkeit trieft. Nein Danke. 


Allein in Gotanda - meine Gedanken, der schwarze Fluss und ich

Ich dachte, mein Styling ist zu perfekt, als das ich schon nachhause gehen könnte. So spielte ich mit dem Gedanken, mich ins HUB zu setzen und ein irisches Bier zu trinken. Ferner spielte ich auch mit dem Gedanken, mir ein zwei drei Bierchen im Supermarkt zu kaufen, mich aufs Hausdach zu setzen und dort allein zu trinken. Dies erschien mir dann aber ZU armselig, obschon das Dach eine wunderbare Aussicht bietet. Erst gesellte ich mich zu all den Einzelgängern, die auf Ego am Geländer lehnten und hörte dem einen Typen zu, der vor dem Bahnhof sein Equipment aufgebaut hatte und irgendwelche Schnulzen gesunden hat. Singen kann er, das muss man ihm lassen. 
Nach gut 30 Minuten ging ich am HUB vorbei und machte einen grosszügigen Umweg zum Supermarkt. So ein Nachtspaziergang ist doch etwas wunderbares! Bei der Brücke blieb ich stehen und betrachtete die Wolken am purpurnen Himmel, die es eilig hatten, vorbei zu ziehen. 
Ich kam nicht umhin mich zu fragen, was mir das Schicksal (in solchen Situationen auch unter dem Namen Arschloch bekannt) sagen will? Lebe ich wirklich nur, um andere (Euch, meine getreuen Leser) mit meinen Erlebnissen zu belustigen? Wer weiss... 
Jedenfalls verweilte ich eine Zeitlang dort mit Blick ins Wasser, wo sich etwas bewegte, was mich an "Das Floss" von Stephen King erinnerte, sich dann aber als Wind auf der Wasseroberfläche herausstellte. Zwei Typen gingen an mir vorbei, der einte wollte mich fragen, ob ich was trinken gehen wolle, sein Kumpel hat meinen finsteren Blick gesehen und ihn weggezogen - Ich hab's noch drauf ^_^ #yeah! 

Morgen treffe ich mich mit einer anderen Gestalt - in (bitte entschuldigt die Wortwahl) fucking SHINJUKU!!! Dem Stadtteil von Tokyo, in dem ich nebst Shibuya und Harajuku am wenigsten gerne sein möchte. Wir dürfen also gespannt sein, was der morgige, doch recht windige Tag, bringen wird ^^ Euch wünsch ich viel Spass - denn ich zweifle daran, dass ich meinen Spass haben werde... 

Hier in Tokyo ist es mittlerweile 00:40 und ich gehe jetzt meine perfekten Augenbrauen abschminken und mache mich bettfertig. 
Gute Nacht Euch

Und um dem Frausein gerecht zu werden: Ohje, was ziehe ich morgen bloss an?! Ich habe NICHTS anzuziehen!!! haha