Sonntag, 23. Oktober 2016

Stalker - Einleitung Variante A

STALKER

Juli 1997

Die Tür stand einen spalt weit offen. Hatte sie nicht abgeschlossen? Möglich wäre es gewesen, denn sie war mal wieder spät dran gewesen am frühen Morgen. Alma stiess die Tür auf, horchte kurz, betrat die Wohnung und schloss die Tür hinter sich. Sie drehte den Schlüssel um. Dies hatte ihre Mutter ihr immer eingeschärft, als sie noch ein kleines Mädchen war und dies hatte sie beibehalten. Es war ein automatischer Prozess, genauso wie etwa das Atmen. Sie nahm den Schlüssel von der Tür, da ihre Mutter ihr eingeschärft hatte, falls etwas passiere, sie zB in der Dusche ausrutsche, könne niemand in die Wohnung rein. Neben der Tür hatte sie eines dieser typischen Schlüsselbretter hängen, welches die Kontur eines Schlüssels hatte. Alma konnte nicht ahnen, dass sie den Schlüssel zum letzten Mal an den Nagel des Brettes hängen würde.


Sie stellte ihre Tasche auf den kleinen Beistelltisch, ging vorbei an ihrem Schlafzimmer, nahm in den Augenwinkeln etwas wahr, was sonst nicht da war, und steuerte irritiert direkt in die Küche. Auf dem Esstisch stand ein halb leeres Wasserglas. Sie konnte sich nicht erinnern, am Morgen Wasser getrunken zu haben. Kaffee, ja. Aber Wasser? Mit einem Schulterzucken nahm sie das Glas vom Tisch und stellte es in die Spüle, in der Chipskrümel lagen. Sie hatte bestimmt keine Chips gegessen! Nur ihre Mutter besass einen Schlüssel zu ihrer Wohnung. Doch diese wohnte am anderen Ende der Schweiz und ass so etwas nicht. Ein ungutes Gefühl griff sanft nach ihr, kam immer näher und nahm sie schliesslich ganz für sich ein. Erst jetzt, erinnerte sie sich ans Schlafzimmer. Etwas war nicht wie sonst. Etwas hatte sie irritiert. Was war es? Da war ein Schatten! Alma’s Verstand wollte nicht eingestehen, dass sich jemand in der Wohnung befinden musste. Sie krallte sich an der Spüle fest und überlegte. Der einzige Fluchtweg war die Wohnungstür, doch um diese zu erreichen, musste sie am Schlafzimmer vorbei gehen. Der Balkon! Sie wohnte im 4. Stock und würde sich den Hals brechen spränge sie da runter. 


Alma schlich zur Wohnungstür, wollte die Schlüssel vom Brett nehmen, doch die waren nicht mehr da. Ehe sie sich umdrehen konnte, spürte sie einen heissen Atem im Nacken. Ihr Kopf knallte heftig gegen Tür und hinterliess einen blutigen Abdruck. Alma sackte zu Boden und blickte zu dem riesigen Kerl auf, der mit seiner Faust ausholte und ihr die Nase übers ganze Gesicht schmierte. 


Als Alma wieder zu sich kam, fand sie ihre Hände und Füsse ans Bett gefesselt. Vor ihr sass der Riese auf ihrem hübschen antiken Sessel und grinste. Das letzte, was Alma in ihrem Leben hören sollte, waren die Worte ihres Mörders, als er ihr ins Ohr flüsterte „Du wirst nicht überleben. Und du wirst unter grauenvollen Qualen sterben.“


Kurz vor Morgengrauen war der Riese fertig. Betrachtete die blutigen Überbleibsel, die vor 6 Stunden noch ein Menschen gewesen waren, und sagte „Und Gott sprach, du wirst nicht überleben und unter grausamen Qualen sterben - und er betrachtete sein Werk und sah dass es gut war.“