Sonntag, 5. November 2017

Internet-Bekanntschaften

Wer von uns hat nicht schon einmal eine Episode von "The fifth estate" gesehen oder eines dieser TV-Dramen unter dem Label "Lifetime" oder einfach eine jener düsteren Legenden, in denen es um Bekanntschaften aus dem Internet geht?
In unserem hochdigitalisierten Zeitalter, in dem sich bei den Meisten das halbe Leben online abspielt, ist es nicht weiter verwunderlich, dass man diverse Online-Bekanntschaften macht. So auch ich.

Wer nun auf einen Horrorbericht hofft, in dem ein keulenschwingender Halbnackter in den Wäldern auftaucht, wie das etwa in einem Roman von Richard Laymon der Fall wäre, wird enttäuscht. Obschon auch ich einmal die Bekanntschaft eines Psychopathen gemacht habe... Ich habe überlebt. Dieser Satz war nun völlig unnötig, denn hätte ich nicht überlebt, wäre ich wohl kaum in der Lage, diesen Eintrag zu schreiben, nicht?

Online-Bekanntschaften können bestenfalls zu wahren Freundschaften führen - oder aber man findet sich als missbrauchter Leichnam vergraben in einem Hinterhof wieder... (oder in einem Vorgarten)

Wenn man sich einen Account auf Instagram erstellt, lernt man eine Vielzahl Gleichgesinnter kennen. Mit den Einen unterhält man sich über einen gewissen Zeitraum und irgendwann versandet das dann. Mit Anderen hat man nicht so viel Kontakt und irgendwie ergibt es sich dann, dass man sich trifft, wenn man sich zufälligerweise am gleichen Ort aufhält. In etwa so verhielt es sich bei Sung und mir. Sie hat Bilder von mir gelikt und ich Bilder von ihr. Durch sie bin ich auf Airbnb aufmerksam geworden. Sie ist Koreanerin und lebt derweil in Tokyo, wo sie eine Japanisch-Sprachschule besucht. Als ich im vergangenen Jahr in Tokyo war, haben wir uns auf einen Kaffee getroffen. Wir mochten einander gleich und so lud sie mich zu einem Essen ein, welches ich leider absagen musste. Später dann lud sie mich nochmals ein und ich ging hin. Wir haben zusammen diniert und wunderbare Gespräche geführt. Der Humor ist der gleiche.
In zwei Wochen bin ich wieder in Tokyo und ich freue mich schon wahnsinnig darauf, Sung wieder zu sehen. Tagsüber mit ihr Kaffee trinken zu gehen, einen Ausflug nach Shimokitazawa zu unternehmen und abends ein Bierli mit ihr zu trinken.
Unsere anfängliche Internet-Bekanntschaft ist zu einer wunderbaren Freundschaft geworden.

Auch den Metaldude habe ich im Internet kennengelernt. Wir haben so viel Zeit zusammen verbracht, als ich im letzten Jahr in Tokyo war.
Ich hatte bei ihm übernachtet und mein Leben nicht in seinem Apartment ausgehaucht. Auch befinden sich keine abgetrennten Köpfe in seinem Kühlschrank - zumindest gehe ich davon aus. Mitnichten habe ich in seinen Kühlschrank gespäht, ich gehe einfach davon aus. Aber Jeffrey Dahmer hatte ja den abgetrennten Kopf auch nicht im Kühlschrank, sondern in einer hölzernen Box aufbewahrt - wenn man denn der Verfilmung Glauben schenken darf. Wie dem auch sei, er hat geschlafen und ich habe Always geschaut, ein japanisches Drama, von dem es mittlerweile drei Teile gibt.
Dies bringt mich zu dem Punkt, dass Metaller wohl weltweit gleich gestrickt sind.
Man kann abhängen und tierisch viel Spass haben (und Unmengen von Bierli kippen) und freut sich dann, wenn man sich ein Jahr später wieder sieht. (In zwei Wochen heisst es wieder "Metalnight with the Dude" ^_^)

Und Ihr, oh meine Leser, wartet auf das Abgründige und wollt gar nichts über positive Ereignisse wissen... ich weiss ich weiss... Also kommen wir zum Heiratsschwindler...
Heilige Scheisse (bitte entschuldigt die Ausdrucksweise), über diesen Typen gibt es so viel zu berichten, dass sich ein ganzes Buch füllen liesse.
Die Rede ist von Fucktashi Yasuda, wohnhaft in Nagoya.
Diesen Typen hatte ich im Internet kennengelernt. Er hatte mich auf Skype angeschrieben. Niemand weiss, woher dieser Typ meine Skype-ID hatte... jedenfalls haben wir über einen gewissen Zeitraum online miteinander kommuniziert und als ich in Nagoya war, das war 2015, habe ich mich mit ihm getroffen. Etwas merkwürdig war er schon, aber Frau ignoriert ja gerne... nicht wahr?
Er hatte mir aufgetischt, er sei ein berühmter Rockstar gewesen... Die Leier kannten wir bereits von Masanori Yabuki aka PiCa!, Sänger der nicht bekannten Gruppe Ant1nette... übrigens eine andere verstörende Online-Bekanntschaft, über die sich ein ganzer Roman abtippen lassen würde...
Fucktashi jedenfalls erzählte mir, er sei Kouiji, Sänger von japanischen Gruppen, von denen ich noch nie etwas gehört habe (aber ich bin da ja auch nicht sonderlich versiert). Dass er dem wahren Kouiji so gar nicht ähnlich sieht, sei hier nebensächlicher Natur, denn Fucktashi hat für Alles eine Ausrede bereit. XD
Jedenfalls war ich bereits nicht mehr in Nagoya, sondern im Hilton in Daiba, als ich auf Facebook meine Nachrichten angeschaut hatte und von 2 Unbekannten angeschrieben worden war.
Die eine war Dani, meine Pizzafee, die ich dato noch nicht gekannt hatte. Vermeintliche Freundin von Fucktashi. Sie hatte mir geschrieben, dass dieser Typ ihr Freund sei etc.
Die zweite Nachricht, so lange wie der verdammte Rhein, war von Jason. Er wollte mich vor Fucktashi warnen und hat einfach ALLES, was er wusste, in diese Nachricht gepackt. Ich war sprachlos. Er fragte schliesslich ob wir skypen können und so kam es, dass wir die ganze Nacht über bis zum Morgengrauen mit Skypen beschäftigt waren. Jay ist der Mann von Fucktashi's Exfrau und was die beiden zu erzählen hatten, war jenseits aller Vorstellungen. Schliesslich luden wir auch noch Dani zum Skypen ein und es wurde alles noch viel verworrener...
Jedenfalls war ich dann gut eine Woche später in einen internationalen Kriminalfall involviert, in dem gar das FBI ermittelt hat.
Ja auch so kann eine Online-Bekanntschaft enden... XD
Durch den Heiratsschwindler habe ich jedoch drei neue Freunde gewonnen. An dieser Stelle, vielen Dank Fucktashi, wo auch immer du jetzt sein magst (Knast?)....

Wieso ich diesen Eintrag verfasst habe, der so wage ist, dass man selbst genug Raum für eine ganze Armada an Schlussfolgerungen hat? Keine Ahnung. Es musste einfach raus.