An
einem ruhigen Morgen. Der Laden ist fast menschenleer. Einzig in der
hinteren Ecke bei der EDV tummeln sich zwei Jugendliche, die sich nicht
entscheiden können. Wir sind alle gut gelaunt, was sehr selten ist in
jenem Betrieb. Reden miteinander und stehen uns die Beine in den Bauch
weil einfach nichts zu tun ist. Der Himmel strahlt in hellem Blau und
bauschige Wolken tummeln sich in ihm. Sonnenstrahlen erhellen das ganze
Schauspiel und muten einen vollkommenen Tag an. Nicht das wir den Tag
gesehen hätten. Der Laden liegt in einer Ecke des Centers, der keinen
Kontakt zur Aussenwelt zulässt. Das einzige Fenster ist im Büro und
selbst dieses zeigt in einen Schacht. Ob Tag oder Nacht, ob Regen oder
Sonnenschein, wir hatten nie einen Schimmer davon, wie es draussen
aussah.
Da verzogen sich die bauschigen weissen Wolken und der Himmel
wurde finster und trüb. Gewitterwolken zogen auf. Denn einer der
begehrtesten Kunden kommt stampfend in den Laden. Top geschalt und immer
unfreundlich. Ob er überhaupt in der Lage ist zu lächeln? Keiner weiss
es. Dies ist eine Frage, die wohl immer unbeantwortet bleiben wird.
Genau so wie die Fragen über das Bermudadreieck, Nebellichter und
schwarze Löcher. Alle kennen ihn, ich nicht. Daher sind plötzlich alle
mit Aufräumen beschäftigt. Er wuchtet sich und seinen Bierbauch, der
mindestens 20cm über den Hosenbund ragt in meine Richtung. Abhauen kann
ich nicht mehr, da das Monstrum bereits Augenkontakt mit mir aufgenommen
hat. Ist man soweit gegangen, gibts kein Zurück mehr. Man ist hilflos
ausgeliefert. Wie dem auch sei. Er kommt dampfend, wie eine Dampfwalze zu
mir herübergerollt und fragt in überheblichem Ton: "Haben Sie das Buch
von Pascal Mercier?" (Betonung auf DAS Buch. Da zu der Zeit der
"Nachtzug nach Lissabon" in aller Munde und auch auf der Bestsellerliste
war, geht jeder Mensch davon aus, dass auch dieser Titel gesucht wird.)
"Meinen Sie den Nachtzug nach Lissabon?" "Er wird wohl noch andere
Werke verfasst haben! Oder haben Sie nur das hier?!" Freundlich, wie ich
bin, zeige ich ihm die anderen Werke Merciers. Er braucht mich nicht
mehr und ich gehe zurück zur Kasse, wo S und S mir zulächeln. Aha,
fertig mit Aufräumen? Gut. Herr Dr. Dampfwalze rollt zur Kasse, zu S.
Legt ihr einen Stapel Bücher hin und will mit einem 1000-Franken-Schein
bezahlen. Er zückt dieses putzige und exakt einmal genau in der Mitte
gefaltete Scheinchen und streckt es S hin. Diese "Wir nehmen keine
1000er an." In dem Moment kann man bei genauem Hinsehen erkennen, wie
sich eine Ader des Zorns auf der makellosen Stirn abdrückt. Die
Gesichtsfarbe von einem gesunden hellen Beige weicht in ein oranges Rot.
Ein herrlicher Farbverlauf. Wirklich! Auf den Farbverlauf, welchen die
wütenden Dampfwalze nicht mitbekommen hat folgt ein heftiger
Wortwechsel: "Wie bitte?! Das ist auch Geld!" Worauf sie: "Sie könnte
gefälscht sein." Ich glaube mich verhört zu haben. Gehts der noch gut?!
Na ja, wir können auf eine entsprechende Reaktion gefasst sein. Wieso
gibts hier eigentlich keinen Sessel? Sessel und Popcorn wären jetzt grad
recht!
"Was?! Was erlauben Sie sich! Ich und ein Geldfälscher! Na
warten sie! sie... - wissen sie was? Behalten sie ihre Bücher." Somit
macht er auf dem Absatz kehrt und verlässt fluchend den Laden: "Mit
schweizer Geld kann man heut zu Tage nicht mal mehr in der Schweiz
bezahlen! Das ist auch Geld! Ich ein Geldfälscher!" Bravo S, der kommt
bestimmt so schnell nicht wieder. Es fehlten nur noch die Worte, Sie
hören von meinem Anwalt!
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