Samstag, 3. April 2021

Die Leiche im Fluss



Während andere Länder Lockdown haben, zeigen sich in der Schweiz Lockerungen. So dürfen wir uns draussen wieder in Gruppen bis zu 15 Pax treffen. Genau dies haben wir, eine Gruppe Studierender, getan. Wir hatten uns zu einer «Grillbierete» an der Aare verabredet.
 
 
Im Abteil neben dem meinen sassen zwei Mädchen, die sich lautstark über ihre (am Alter gemessen, wohl ersten?) festen Freunde unterhielten. W.A.S.P. hörend sass ich in der S-Bahn und ärgerte mich ein wenig darüber, bald meine BOSE QuietComfort 35 ausschalten zu müssen, da ein anderer Mensch zusteigen würde. Besitzt man einen Funken Anstand kann man schlecht die Kopfhörer aufbehalten und entschuldigend sagen, man höre grad Musik. Der Zug hielt und Walter stieg zu. Er platzierte sich neben dem Sitz mir gegenüber und grüsste mich aus vollen Lungen, in Slowmotion winkend «Hoi Marielou!» (er hat nicht «Mary» gesagt. Er ist der einzige Mensch auf Erden, der mich immer beim vollen Namen nennt, nervt mich das? Sicherlich. Schlage ich ihm deswegen gleich ein paar seiner Zähnchen aus? Mitnichten...). Mit dem Gewinke erinnerte er mich irgendwie an diesen Waldo, der in Deutsch besser bekannt ist als «Wo ist Walter». Ich kam nicht umhin mich zu fragen, wieso er sich nicht einfach, wie jeder andere normale Mensch, auf seinen knochigen Arsch setzte. «Was hast denn du auf dem Kopf? Ah einen Piraten?!» (die Lautstärke war noch gleich hoch), kaum hatte er ausgesprochen, schritt er neben mich und glotzte auf mein Bandana. Nach dessen Prüfung (mein Trommelfell ist noch immer ganz verschreckt und bedarf wohl einer Therapie) brüllte er mir fast schon ins Ohr «Ahaaa! Seaschäppärd! Sehr cool! Sehr cool! Ja!». Die Mädchen im Abteil neben meinem schauten ihn auch schon mit diesem ganz bestimmten Blick an, den Frauen oftmals bis zur Perfektion beherrschen. Ich fühlte mit ihnen und gab mich
Globi
sehr kurz angebunden. Fragte mich weiterhin, ob er sich irgendwann auf den Sitzplatz verfügen möge… Tatsächlich tat er dann genau das. Dabei fiel mir auf, dass er eine dieser «Globi»-Masken trug. Es gibt ja diese sehr dicken Stoffmasken, mit denen jeder Mensch aussieht, als hätte er einen Schnabel, halt wie Globi. Von der Hochschule hatten wir solch eine Maske erhalten. Noch nie habe ich sie getragen und werde es auch nie tun. Ich will nicht wie Globi aussehen. Walter hingegen schien das nicht zu kümmern. Er starrte mich von oben bis unten an und stellte dann mittels seiner ausgeprägten Beobachtungsfähigkeit fest: «Du trägst ja nur schwarz! Sogar die Maske! Ton in Ton! Oha! Gut, ist es noch nicht so heiss! Ich trage ja meistens auch eher dunkle Sachen!», was sein grün-gelb-orange-rot kariertes Hemd kläglich zu unterstreichen versuchte, jedoch scheiterte. In diesem Hemd sah er einem Testbild ähnlich. Während der Fahrt textete er mich mit Themen zu, die ich mir auch schon hatte anhören dürfen/müssen. Meine Reaktion war der Situation angemessen: höflich desinteressiert. 

Testbild | Quelle: duschmeister.de

Als wir dann am Zielort ankamen, wartete da bereits eine Gruppe Studis. Daneben warteten ca. 16-jährige Jungs auf ihre Freunde. Walter dachte, sie würden zu uns gehören und fragte den einen nach dessen E-Scooter: «Aha! Du hast ja ein elektronisches Trottinett!» Der Junge starrte ihn ganz entgeistert an und dachte sich seinen Teil. Walter ignorierte die Blicke des Jungen und die dessen Freunden gekonnt und fragte, ob er denn da keinen Helm trage. Die Dinger wären ja doch recht schnell und gefährlich. Ich konnte mir das nicht länger mitanhören und quasselte mit den anderen Leuten unserer Gruppe. Die Teens zogen kurz darauf lachend und lästern ab. Walter stiess zu unserer Gruppe und meinte lauthals, er habe gedacht, die gehörten auch zu uns. Haha! Die Blicke, die ausgetauscht wurden, waren einheitlich.  
 
13 Personen waren wir als wir zur Aare pilgerten. Bierkisten und Grillutensilien tragend schwelgten wir in Erinnerungen an Zeiten vor der Pandemie, als wir noch unbeschwert alles tun und lassen konnten. Menschen, die eine Maske trugen und uns passierten, wechselten die Strassenseite und warfen uns zornige und abschätzige Blicke zu. Es war nicht obligatorisch in der Öffentlichkeit eine Maske zu tragen, dennoch taten es viele. Wir waren jung und somit auch rücksichtslos in deren Augen. Uns war das egal. Wir freuten uns darüber, endlich mal wieder zusammen sitzen zu können, ein Bierchen zu trinken und das Leben zu geniessen. 
 
An der Aare angekommen richteten wir uns gemütlich ein. Die Gamer sassen auf der einen, die Technikstudenten auf der anderen und wir von der PH sassen irgendwo daneben. Obschon wir in Grüppchen dasassen, amüsierten wir uns alle miteinander. Drei UE BOOMs wurden aufgestellt und mit einem iPhone verknüpft, so konnten wir alle – obschon über mehrere Meter verteilt – die selbe Musik hören. Die Playlist von Mann-mit-Hut ähnelte der meinen: Für jedem Geschmack war etwas dabei. 
Irgendwann kamen noch zwei Personen dazu. Da fragte jemand neben uns, wie viele wir denn seien. Genau 15 waren wir. Das war dann in Ordnung für unsere Nachbarn. Es ist auch sehr wichtig, dass man auf die Personenanzahl achtet. Schliesslich ist Covid-237 ein intelligentes Virus, das nur Gruppen ab 16 Personen befällt. Daher ist wirklich grösste Vorsicht geboten. 
Die zwei Neuen setzten sich zu uns. Wir unterhielten uns über alles mögliche. Walter brachte dann eine interessante und belustigende Diskussion ins Rollen:
«Menschen gehen immer vom Negativen aus! Die Welt wäre viel schöner, wenn Menschen vom Guten ausgehen würden!»
Ich: «Vielleicht sind sie ja nicht negativ sondern einfach realistisch?»
«Nein! Wenn man immer vom Schlimmsten in einer Person ausgeht, dann ist das negativ! Wir sollten alle vom Guten ausgehen! Das hat dann auch einen positiven Effekt!»
«All die Frauen, die Ted Bundy vertraut hatten, gingen vom Positiven aus und der Effekt war Vergewaltigung und Tod. Das ist dann also ein positiver Effekt
«Ted Bundy? Wer ist das?», alle, die dies gehört hatten, stockte der Atem für einen Moment. Ungläubige Blicke ruhten auf Walter. Ich kam nicht umhin Licht in sein Dunkel des Serienmördertums zu bringen: «Ted Bundy war einer der bekanntesten Serienkiller der USA.» «Aha. Ja man kann ja nicht alles kennen.» Gelächter. 
«Um auf deine Aussage zurückzukommen, wenn ich also davon ausgehe, dass ein Mann, ein Serienmörder sein könnte und daher vorsichtig bin, macht mich zu einem schlechten Menschen? Aber wenn ich gedankenlos in jedem Menschen einen guten Samariter sehe und dafür vergewaltigt und in meine Einzelteile zersägt in einem Waldstück oder Vorgarten vergraben werde, dann bin ich immerhin als guter Mensch gestorben?»
«Ja… nein… so kann man das nicht sagen. Ausserdem leben wir nicht in den USA.»
«Soll das heissen, dass es nur in den USA zu Morden kommt?»
«Nein, aber im Verhältnis haben wir hier viel weniger solcher Taten als sie die Amis haben.»
«Bist du dir da sicher? Vielleicht meinen wir das ja auch nur, weil in sämtlichen True Crime stets Fälle aus den Staaten gezeigt werden. Wir haben keine Vergleichswerte darüber, wie es in anderen Ländern ist.»
«Das nicht, aber das könnte man sicherlich herausfinden. Es gibt für alles Statistiken. Und in der Schweiz wird eher selten jemand ermordet.»
Fin nahm daraufhin sein iPhone zur Hand und rief die Seite des Bundesamtes für Statistik auf. Er fand heraus, dass es zu zwei Entführungen kam, zu 6 Zwangsheiraten, wovon die Hälfte aufgeklärt werden konnte. Darüber staunten wir. Wie kann es sein, dass man zwar weiss, dass es zu einer Zwangsheirat gekommen ist, man aber nicht weiss, um wen es geht? WTF. Wir lachten. Redeten über unser lasches Justizsystem und lachten wieder. Wir waren uns einig, dass wenn wir jemals jemanden töten sollten, wir entweder betrunken waren oder uns nicht mehr an die Tat erinnern können würden, das hat bisher immer Strafbefreiung ergeben. Man war ja nicht zurechnungsfähig. Woraufhin ich zu bedenken gab «Hätte der Kannibale von Rothenbrug damals mal besser gesagt, er könne sich nicht mehr an die Tat erinnern…» Walter wollte dann natürlich wissen, wovon ich sprach. «Vom Kannibalen von Rothenburg. Frag mich was, wie der hiess. Der hatte ja sein Abendessen in einem Internetforum für Kannibalismus getroffen und mit–»
«Was?! Es gibt Internetforen für Kannibalen???!», wollte Walter ganz ungläubig wissen. Worauf Fin entgegnete, dass es Foren für alles gibt, wobei es heute wohl eher Facebook- und WahtsAppGruppen sind. «Was?! Wirklich?!» Ich kam nicht umhin mich zu fragen, in was für einer Blase dieser Walter wohl bisweilen gelebt haben muss...
«Ja! jedenfalls haben die beiden sich getroffen und das Abendmahl hat sich bereiterklärt gehabt, sich essen zu lassen. Worauf der andere Typ ihn human getötet und sich dann ein Abendmahl zubereitet hat.»
«Wie tötet man jemanden HUMAN?»
«Tja, lieber Walter… Das ist eine sehr berechtigte Frage. Vielleicht mit einem Bolzenschuss ins Gehirn oder man schlitzt ihm bei lebendigem Leib die Kehle oder den Wanzt auf? Vielleicht prügelt man ihn auch einfach so lange, bis er sich nicht mehr rührt? Oder man siedet ihn lebendig?»
«Wie ist das HUMAN?!»
«Frag das bitte die Menschen, die bei Tieren von HUMANER Schlachtung sprechen. Denn genau so geht man mit Tieren um.»
«Aber das kann man nun wirklich nicht verg–»
«Ich werde ganz bestimmt keine Debatte mit dir führen, inwieweit das Halten und Abschlachten von Lebewesen human sein kann.»
Fin ergriff dann das Wort und beendete die Erzählung über den Kannibalen von Rothenburg: «War es nicht so, dass die in Deutschland kein Gesetz gegen das Verspeisen von Menschen hatten und erst nicht wussten, wie sie den Typen nun verurteilen sollten?» «Ja, das habe ich auch mal gelesen.»
Passen zum Thema kamen zwei Typen zur Feuerstelle, welche zwischen unserer Gruppe lag. Sie würden gern Feuer entfachen, ob das in Ordnung sei. Na klar. Aufgrund der Windrichtung mussten wir dann umziehen. Ansonsten wären wir geräuchert worden. So nahmen wir unser Hab und Gut und zogen auf die andere Seite der Feuerstelle – zu den Gamern. 
Von meinem Platz aus hatte ich die beste Übersicht über die Feuerstelle und die Fressalien, welche herbeigetragen wurden. Ich kam nicht umhin mich zu fragen, wieso diesen Menschen nicht auffiel, wie barbarisch ihre plastifizierten Leichenteile waren. 
 
Später dann kamen wir auf Mikroorganismen zu sprechen und landeten dann bei Parasiten. Mann-mit-Ankertattoo sagte daraufhin ganz bedacht: «Ein Fötus ist biologisch gesehen auch nur ein Parasit.» Walter: «Das kann man jetzt wirklich nicht vergleichen! Es handelt sich nicht mal um die gleiche Spezies!» Mann-mit-Ankertattoo entgegnete daraufhin: «Ein Parasit ernährt sich von seinem Wirt. Das tut ein Fötus auch.»
«Ein Fötus ernährt sich von seiner Mutter! Er braucht die Mutter um wachsen zu können!», korrigierte Walter schon leicht angesäuert. 
«Wie ein Bandwurm.», sagte ich lachend. 
«Ja. Theoretisch gesehen könnte man einen Bandwurm mit einem Fötus gleichsetzen. Es ist zwar nicht gleich aber es entspräche in etwa dem.», unterstützte mich Mann-mit-Ankertattoo. In dem Moment verlor Walter wohl den Glauben an die Menschheit. Ausser sich krähte er dann «DAS IST NICHT DIE GLEICHE SPEZIES!!!» Wir lachten alle. Mann-mit-Ankertattoo klopfte Walter auf die Schulter und meinte, er solle nicht alles so verdammt ernst nehmen. Mann-mit-Glatze, der uns stumm zugehört hatte, pflichtete Mann-mit-Ankertattoo bei und sagte: «Chill out, man!»
Walter setzte sich daraufhin seine wannabe-Ray-Ban-Aviatior (ich glaube, das Markentussitum werde ich nie gänzlich los werden) auf und lehnte sich zurück. Aus der UE BOOM ertönten die ersten Klänge zu Kickstart my heart von Mötley Crüe. Alle, die wir den Text kannten, grölten mit. 
Ich schaute mich um. Überall entlang der Aare sassen Grüppchen mit nicht mehr als 15 Personen, welche die warmen Temperaturen und die Sonnenstrahlen genossen. Überall konnte man UE BOOMs herumstehen sehen. Bierdosen und Flaschen wurden in Händen gehalten. Die Stimmung war wie damals. Es schien so, als hätte es diese ganze Pandemie nie gegeben. Es war keine einzige Maske zu sehen. Kein Abfall lag herum. Keine Plastikhandschuhe oder Desinfektionsmittel. Dieser Ort an der Aare war eine andere Welt. Es schien wahrlich alles so, als lebten wir in einem Paralleluniversum. Man hörte niemanden streiten. Alle Menschen, obschon fremd, begegneten sich mit Respekt und Freundlichkeit. Alle schienen dieses bisschen Freiheit zu schätzen und zu absorbieren. Den letzten Moment auskosten. Mit guten Erinnerungen nachhause gehen. 
Mein Kumpel Rico setzte sich dann zu uns. Wir schauten einander an, lächelten und wussten, wir dachten dasselbe. Einfach die Atmosphäre absorbieren. «Ist das nicht einfach schön?», meinte er. «Total. Das haben wir wohl alle bitter nötig gehabt.»
«Es ist einfach friedlich. Als wäre nie etwas geschehen. Ich hab das so vermisst. Einfach mit Leuten zusammensitzen, feiern, geniessen und ein Bierchen trinken.»
«Schau dich mal um. Egal, wohin du schaust, du siehst nur zufriedene Menschen. Alle geniessen diesen kleinen Frieden hier.»
«Darauf trinke ich!» Wir erhoben die Dosen und stiessen an. «Cheers!», sagte Rico. «Na zdravje!», sagte ich. «Nasdrovje!», krähte Walter. Ich kam nicht umhin mich zu fragen, ob er meinen Trinkspruch nachmachte oder was das sollte. Durch das Knirschen von Autoreifen auf dem Waldweg wurde ich aus meinen Gedanken gerissen. Ein Kastenwagen der Polizei rollte im Schritttempo den Weg entlang. Obschon diese Patrouillen zum Alltag gehören, gewöhnt man sich irgendwie nie ganz daran. Die verhüllten Polizisten zählten durch und rollten weiter. Dieser Ort ist doch keine andere Welt, dachte ich. 
 
Eine Gruppe weiter unten am Fluss kletterte auf die Bäume direkt am Ufer und sprang grölend in die Fluten der Aare. Waren die mutig. Obschon der Fluss hübsch anzusehen war, hätte ich mich nicht hineingewagt. Keiner wusste, wie stark er verseucht war. Welche Art Mikroorganismen darin lebten, mit welchen Krankheiten zu rechnen war… Ich schob den Gedanken beiseite und erinnerte mich an die Zeit davor. Ehe die ganze Welt und das Leben, wie wir es kannten, die Toilette runtergespült wurde. 
 
Mann-mit-VEGAN-Tattoo verkündete, er habe einen Grill für Veganer mitgebracht. Ich hatte viererlei Hummus gemacht und mitgebracht. Wir platzierten alle Speisen in der Mitte und jeder konnte sich bedienen. Das Bild erinnerte mich an ein Foto eines Freundes aus Fernost. In der Mitte des Raumes gab es einen riesigen Teppich auf dem eine Vielzahl Speisen angerichtet waren und sich ein jeder bedienen konnte. 
«Was ist das für Hummus?», wollte Frau-mit-Hut wissen. «Spirulina, Grüntee, Zitronen und Black Sesam.» 
Die Töpfe waren am Abend leer. Offenbar hatte es auch ohne Tahini geschmeckt. Damals gab es Tahini im Supermarkt und man konnte es online bei jedem Veganer bestellen. Sogar beim guten Herr Brack gabs Tahini. Heute findet man das nicht mehr. Also muss gerösteter Sesam herhalten – oder man macht selbst eine Sesampaste. 
Mann-mit-Hut sagte, er habe eigentlich einen Gurkensalat machen wollen. Aber es gab mal wieder keine Gurken, als er einkaufen war. Ist das nicht ironisch? Früher haben wir das alles im Überfluss gehabt und weggeschmissen. Heute haben wir zu wenig. Wieso steuern wir von einem Extrem ins andere? 
 
Als es dämmerte, spielte meine «Campfire Tales»-Playlist. Wir unterhielten uns über unsere mögliche Zukunft, bis jemand «BIIIIIIERPOOOOONG» brüllte! So sprangen wir alle auf, bildeten zwei Gruppen und spielten gesellig Bierpong. Dass es unhygienisch war, das wir alle denselben Ball anfassten und das ohne Handschuhe oder Desinfektionsmittel und das wir dann alle auch noch Bier aus Bechern tranken, in denen der Ball gelandet war, ignorierten wir alle. Wir wollten Spass haben. Wir hatten Spass. Wir kosteten jede Sekunde dieses Tages völlig aus. Die andere Gruppe war bei Weitem besser. Wir hatten keine guten Werfer. Als ich den letzten Becher ausgetrunken hatte, brüllte der-Hüne «REVENGE!!!». Natürlich stimmten alle zu. Als wir die Becher wieder positionierten, hörten wir den vertrauten Alarm. Armeefahrzeuge rückten an. Das Gebiet wurde abgesperrt. Es gab kein Entkommen. Die Soldaten trugen ihre Schutzanzüge. Etwas musste passiert sein. Wir wurden alle in Quarantäneeinrichtungen gebracht – ohne zu wissen wieso. 
Schliesslich stellte sich heraus, dass eine Leiche aus dem Fluss gezogen worden war. Es handelte sich jedoch um niemanden aus unseren Reihen. Nein, es war auch nicht einer der Typen, die vom Baum gesprungen waren. 
Wir sassen 17 Tage lang in Quarantäne, ehe wir gehen durften. Diejenigen, die in Kontakt mit dem Wasser waren… tja… die haben die 17 Tage nicht überlebt. Die Leiche, die man gefunden hatte, lag schon länger im Fluss und hatte das Virus in sich. Die Typen, die schwimmen waren, hatten sich mit dem Virus, das sich im Fluss ausgebreitet hatte, infiziert. Mir wurde erzählt, dass es zu einer Bakterieninfektion kam, durch welche die Haut teilweise abgefressen wurde. Damals hatte jemand, der 90% der Haut bspw. durch einen Brand verloren hatte, dennoch eine Chance zu überleben. Da die Gesundheitsversorgung aber nicht mehr gewährleistet ist, kann das Einbüssen von 40% bereits ein Todesurteil sein. Einem Infizierten wird gewöhnlich nicht mehr geholfen. Man will das wenige medizinische Personal nicht gefährden. 
 
Als wir entlassen wurden, schauten wir auf die grosse Tafel, auf der die Gesamtpopulation des Landes angezeigt wurde. Während dem grossen Sterben, wurden sie in jedem Ort aufgestellt. Als wir losgezogen waren, um an der Aare zu feiern, zeigte sie «Population: 75000» an. Als wir entlassen wurden zeigte sie «Population: 75001». 
Wir wissen von, 8 Toten. Wurden in diesen 17 Tagen 9 Kinder geboren oder werden wir von der Regierung belogen, was die Sterberate angeht? Da Letzteres ja nicht sein kann, denn die Regierung würde uns ja nie belügen, gehe ich davon aus, dass 9 neue Menschen geboren wurden. Und so schliesse ich diesen Eintrag voller Hoffnung mit einem Zitat aus Jurassic Park: «Das Leben findet einen Weg.»




Samstag, 15. Februar 2020

Äfach öpis (onfertig)


Mini gueti auti Ritlehrere het ame useglo, das es zom Devoseckle seg. Hueresiech jo! Anderi wederom säge es seg zom Hooröu sufe. Hueresiech jo!
Gloubt mers öper mini Dame ond Herre? Nei? Loooogisch ned wöus eifach so huere abdewäut esch.
Auuuuso eifach us Spass ar Freud:
Am Morge am Standi beni ufgfeufet, has Fäischter zom Greng usgstreckt ond taged obs luegi. Be ofde Schdäge dHouzböde abgsecklet, ha gchnächet am Chlopf: "He! Stand a! Legg di uf! Nemm dChueh id Hang! dLaterne wott chaubere!"
Woni ome Rössliegge omegschlage be het grad sZwöufi gsecklet.

So langsam aber secher nervts mer ofe Gohts... Jetz muesch de aber weidli dSuechi wyte du... Dasch doch ne zom Verhaute sones Gloube... Erged ned wörkli Senn ha eifach onbedengt das weidli no müse iflächte... De Nerv psüchopatet öbrigens.


Samstag, 3. August 2019

Die Grausamkeiten des Germanen B.


Eine Tat so abscheulich, dass ich all die Jahre darüber geschwiegen habe. Nie habe ich jemandem gegenüber mein Schweigen gebrochen. Niemals. Bis zu heutigen Tag.
Es gibt an der Zahl viele Grausamkeiten des Germanen B. Doch sie alle zu nennen würde den Rahmen einer Eintragung hier sprengen. Es liesse sich jedoch ein Fortsetzungswerk darüber verfassen.

Wir schrieben das Jahr 2011.
Ich arbeitete als Chef de Rang in einem Fünfsternehotel. Einem jener versnobten Häuser den "Leading Hotels of the World" angehörend, welche in der Sparte "Luxushotels" aufgeführt stehen. Versnobte Häuser ziehen gleichermassen versnobte Gäste an. Der Glauben an die Menschheit erlischt. Freundlichkeit existiert nicht. Weder von den Vorgesetzten, noch von den Gästen. Als Angestellte ist man nichts. Ein Nichts. Nichts wert. Man lebt, um zu dienen und hat eigentlich gar keine Existenzberechtigung.
Ich war gezwungen mir in diesem heruntergekommenen Personalhaus ein Zimmer mit einer anderen Angestellten zu teilen. Diese sprach da nur Portugiesisch und zählte zu den Room-Attendants, mit denen nicht gesprochen werden durfte. Dies hatte hierarchische Gründe. Rezeption stand über dem Service. Der Service über dem Hauskeeping.

Meine freien Tage verbrachte ich bei meinem damaligen Freund, dem Germanen B, einem der scheusslichsten Menschen, die je meine Wege kreuzten.
An jenem Tag, über dessen Geschehnisse ich erst heute zu schreiben in der Lage bin, war er nicht zuhause, als ich die Wohnung betrat. Er war auf Arbeit. Er arbeitete in der Küche und hatte täglich Teildienst. Sprich, er war noch in der Küche des Hotels beschäftigt.
Da er noch immer von Pulverkaffee lebte, verliess ich die Wohnung wieder, um mir in der Bäckerei zwei Häuser weiter einen Kaffee zu holen.
Er wusste nicht, dass ich in seiner Wohnung war. Es hatte eine Überraschung sein sollten.
Zurück in der Wohnung nahm ich den Staubsauger zur Hand und begann, die Wohnung zu putzen. Die es wahrlich nötig hatte. Offenbar hatte er mal wieder seit zwei Wochen nicht saubergemacht. Immerhin rotierte die Trommel der im Badezimmer befindlichen Waschmaschine. Immerhin wusch er seine Wäsche.
Da der Germane B. den Teil seines Gehalts, das nicht für die Fixkosten draufging, in Bier und Zigaretten investierte, war seine Wohnung minimalistisch eingerichtet. Noch nicht mal Boxen hatte er, an denen ich mein iPhone hätte anschliessen können. Keine Musik. Er besass einen dieser mächtigen Röhrenfernseher - jedoch ohne Sender. Angeschlossen war ein DVD-Player. Um ein bisschen Unterhaltung zu haben, griff ich nach einer DVD, legte sie ein und schaltete den Fernseher ein. Masters of Horror "Pick me up".
Während der Film lief, schrubbte ich das Emaille der kleinen Kochnische. Eine Fläche von 1,5m Länge und 60cm Tiefe. Das wäre doch wirklich sauber zu halten!
Ein schriller Ton durchdrang den Raum. Die Waschmaschine verkündete, dass sie ihre Arbeit getan hatte. Ich ging also ins Badezimmer, kniete mich vor der Maschine auf den Boden und begann die Wäsche herauszuholen. Ich griff in etwas, das sich wie Haare anfühlte und so voller Wasser gesogen war, dass es richtig schwer war. Hatte er einen neuen Teppich? Schulterzuckend lud ich alles in den Wäschekorb, den ich dann ins Wohnzimmer trug. Dort klappte ich den Wäscheständer aus und begann damit, die Wäsche aufzuhängen. Einen Wäschetrockner besass er ja nicht.
Da war dieses eine T-Shirt, das ich hasste. Es hatte unzählige Löcher drin. Damit sah er aus wie ein Penner. Er fand es "cool". Würde seinen einzigartigen Style unterstreichen. Ja, seinen einzigartigen Pennerstyle vielleicht. Am liebsten hätte ich es weggeschmissen, aber das hätte nur wieder zu einem heftigen Streit geführt. Also hängte ich es über den Ständer. Ohne zu schauen, griff ich wieder in den Wäschekorb und holte eine Jeans raus, die jedoch noch nicht sauber war. Egal. Ich hängte sie auf. Dann griff meine Hand nach dem neuen haarigen Teppich. Als ich ihn auseinander falten wollte, bemerkte ich, dass es nicht ging. Ich schaute auf das Bündel in meinen Händen. Ein Schrei schoss durch die Wohnung. Er kam aus dem Fernseher. Ich liess das Bündel fallen. Taumelte ungläubig rückwärts und fiel hin. Was da so durchnässt vor mir auf dem Boden lag war nichts anderes als eine tote Katze. Der Germane B. besass keine Katze. Wie zur Hölle also kam die in die Waschmaschine. Er hasste Katzen. Vor zwei Wochen hatte die süsse alte Nachbarin geklingelt und gefragt, ob wir ihren Kater gesehen hätten. Er sei verschwunden. Wir verneinten und hinterher fluchte er wieder über die Existenz von Katzen.
Konnte es denn wirklich sein, dass er eine Katze absichtlich ertränkt hatte?
Ungläubig rappelte ich mich auf und ging zum Tiefkühlfach. Ich brauchte jetzt einen Schluck Vodka. Der Tiefkühler hatte 3 Schubladen. Die Unterste, in der für gewöhnlich der Vodka lag, liess sich erst nicht öffnen. Etwas schien zu blockieren. Ich zerrte daran und als die Schublade dann endlich aufsprang, rannte ich ins Bad und übergab mich.
Ich rannte zurück ins Wohnzimmer, schmiss seine Kleidung samt toter Katze in den Wäschekorb, den ich dann wieder in die Waschmaschine entleerte. Den Wäscheständer klappte ich wieder zusammen und stellte ihn in die Ecke, aus der ich ihn zuvor geholt hatte. Ich legte die DVD wieder in die Hülle und stellte sie zurück ins Regal. Ich wischte die Pfütze vom Boden auf und näherte mich dem Tiefkühlfach. Ich schaute nochmals die toten und gehäuteten Katzenleichen an, die tiefgefroren darin lagen. Dann knallte ich die Schublade zu und die Tür auch gleich.
Ich riss die Wohnungstür auf, schloss ab und rannte über einen Umweg zum Bahnhof. Er durfte nicht erfahren, dass ich in seiner Wohnung gewesen war. Er durfte mich nicht sehen.

Nie hat er erfahren, dass ich um dieses Geheimnis wusste.


Mittwoch, 10. Juli 2019

Freitag, 26. April 2019

One night in hell

Seid gegrüsst, oh meine Leser

Dies ist ein Brief, den ich an meine Englischlehrerin geschrieben habe, während ich Höllenqualen auszustehen hatte. Das Schreiben basiert auf Tatsachen. Einige Namen und Personen wurden jedoch erfunden, um Betroffene zu schützen (und weil ich nicht eines schönes Morgens auf dem Weg zum Briefkasten abgestochen werden möchte). Die hier vorliegende Fassung, wurde zuvor bereits korrigiert. Sollte es dennoch einige Fehler aufweisen, so liegt das an meinen Änderungen und nicht etwa an den Fähigkeiten meiner Lehrerin.
Well, enjoy!

★ Link zu meiner Google-Bewertung Gasthaus zum Bären, Holziken


The time is now. 
I’m sitting here at this particular birthday party I’ve told you about last week.
There are about 30 people around me. On my right is my father chatting with a former
co-worker, who is nearly drunk. This guy has already consumed 5 glasses of white wine. They’re talking about their past, awkward former co-workers and about what’s wrong in this country. Kind of interesting. A woman is seated on my left and I have no idea who she is. She must be in her 60’s. I can’t remember if I’ve ever met her before. If I had I’m sure I would remember her terrible and way too sweet perfume. It’s exactly the odour (my teacher told me about the usage of "odour" but I still think it perfectly fits -_^) my grandmother used to call „Turkish whorehouse“. It’s sickeningly sweet with a tiny note of sweat and ashtray. It’s so penetrating and disgusting that I’m about to puke. No joke. This is what hell seems to be like.

The „Turkish whorehouse“ perfumed woman turned out to be typical Swiss: we were chatting and she told me with her strong smoker breath that we’ve met at my cousin’s wedding. It must have been 12 years ago or so. We had a conversation about working in customer service and moved on to the documentary After Neverland, which she’s totally against! She would never watch such a disgusting lie! Michael Jackson was innocent and that Jordan Chandler guy who accused him back in the 19?? was a little shitter, who was just after Jackson’s money. It is disgusting how people act! Michael Jackson would never have abused a child. Blabla
Then I asked her „Did you watch the documentary?“
„NEVER! It’s a waste of time! One should not support shitters like they are!“
„Watch it. And let’s talk again after you watched it.“

There is a band playing something they call music. Two old guys AKA „Alleinunterhalter Nachtfalke“. I’ve already mentioned that I’m in hell. It’s literally THE HELL ON EARTH! They play Ländler and oldies. All the classics, such as „Sierra madre“. It’s for old people. 85% of the guests are 50+ or even 60+ and some are much more older. They love it. My cousin, his wife, their son and me are suffering. We can’t even talk to each other anymore since the music is way too loud. You can’t even hear the person next to you. It’s great! I knew it would be a birthday like this…

My father and I ordered a beer. One look between us said it all. „Appenzeller Bier!“ which isn’t really tasty, nevertheless we drank it. I mean, it could have been worse. It could have been a Heineken.

The „Turkish whorehouse“ smelling woman turned out to be my cousin’s wife’s stepmother. She and my cousin were arguing about the climate change demonstrations and about things which have changed since the 90’s. I mentioned children/teens don’t even have to collect wastepaper anymore. She energetically barked this was because there isn’t much wastepaper to collect anymore. I said „That’s why they collect it with a giant camion (I know it would be "truck" here, but I love to add some helvetism).“ Then my cousin mentioned the school bus picking up children at the bus stop. We had to walk to school. If you lived 1km far from school you were allowed to go by bicycle. She barked at him that the school bus is necessary! „Why?“, I asked. Immediately turning her red face to me she stared and her face told me everything I had to know: How dare I question her? She then told about that 75 year old granny who stabbed a 7 year old boy in Basel a few weeks ago. But she said it generally: „Nowadays since children get killed on their way to school it is necessary to take care of them!“
„Who else got stabbed?“
„That boy in Basel!“
„Yes and who else?“
She stared at me.
„Switzerland is still a safe country. Just because once in I-don’t-know-how-many-years one boy got killed by mentally ill woman you can’t make this a general problem and act like it would happen every day. It happened only once. People are sometimes way too sensitive.“
„I need to smoke!“ she reacted, stood up and went to the fumoir. My cousin was giggling and informed me that one cannot discuss with her. Well, he’s right. She is a typical small-minded Swiss.

The food was another disappointment. I need to write a Google rating as soon as I get home!
My godmother had ordered the meals in February beforehand. She asked if vegan food was possible. They said yes. They literally said YES! You must know, I have been vegetarian for about 28 years. Back in the 90’s it was uncommon. Waiters couldn’t handle it and some were obviously shocked about a non-meat eating child. I would get french fries (chips) a veggie platter or a salad platter. Nothing more. It was in the 90’s. We don’t live in the 90’s anymore. It’s 2019 already! But this restaurant, the Gasthaus Bären in Holziken, seems to be a time machine. When you enter the restaurant you get thrown back into the past. Or wait. In case you know THE TWILIGHT ZONE let’s say it like Rod Serling would have said: Thinking of a nice evening she wasn’t aware she wouldn’t just enter an ordinary restaurant. She entered the TWILIGHT ZONE.

Dinner out of the Twilight Zone
The starter was a veggie bouillon soup. As usual. It’s boring but at least it contains no animal corpses.
The next course was a salad - as usual. I got my salad without a dressing. But she placed oil and balasmico on my table. But there was no menage with salt and pepper. Nice. Great service! I’m so flattered!
The main course was a piece of a dead animal with an unhealthy thick sauce béchamel. My main course was different. The chef must have time travelled back to the early 90’s and grabbed that plate in the kitchen there and brought it through that time hole straight into 2019. I’ve got a plate with some pieces of zucchini, broccoli and cauliflower. Ah yes and a few carrots as well. There was also a huge amount of dry and SALTED rice on my plate. I have never had such disgusting rice before! My father glanced at my plate and started laughing. My mother next to him asked what happened. Laughing, he said he had a 90’s-déjà-vu. I had to laugh as well. My mother then asked if it was delicious at least. One answer. One word: Nope.

When she came with the second helping something very funny happened. The waitress had wooden plateau (which is called "tray" but I like the French version better) with two bowls on it. One was meat. The other one was veggies. When she arrived behind me she couldn’t even finish her question, because suddenly the bowl with the veggies did what it had to do according to gravity: it slipped from the wooden tray. There was a rain of veggies all over me, my plate and on the ground. I used to work as a waitress before so I wasn’t angry. But the veggies were hot and burned my legs. Haha. She apologised so many times. And my father’s at the time drunken former co-worker joked about her accident. I said that I’m happy it wasn’t the bowl with the body parts of dead animals. C’est la vie de Navi. At least I have material for a new blog post. XD

In conclusion I want to say that I don’t recommend this restaurant at all. Not because of the accident, but because of the low quality of the food and the fact that they weren’t organised well. We had only one waitress serving 30 guests.


New vocab:
second helping - Nachschlag





Samstag, 23. Februar 2019

Es war die Buchhändlerin mit dem Eispickel im Wohnzimmer


Du kommst in meinen Laden gestürmt. Wie ein Bulldozer walzt Du auf mich zu. An Deinen Gesichtszügen ist blanke Wut abzulesen. "SIE!" brüllst Du mir auf halbem Weg entgegen. "SIE!"
Meine rechte Augenbraue erhebt sich. "GLOTZEN SIE MICH NICHT SO AN!"
"Guten Tag der Herr."
"SPAREN SIE SICH DAS!!!"
"Gut."
"SIE SIND DAS LETZTE!!! SIE SIND ABSOLUT UNFÄHIG!"
"Darf ich erfahren, warum Sie mich die ganze Zeit über anbrüllen?", entgegne ich noch immer absolut gelassen, was Dich noch mehr aus der Fassung bringt.
"WEIL SIE VERDAMMT UNFÄHIG SIND! SIE HABEN MICH BELOGEN!"
"Ist es Ihnen möglich, in angemessenem Ton mit mir zu reden?"
"DIESER TON IST ANGEMESSEN!!! WAS GLAUBEN SIE EIGENTLICH WER SIE SIND?! SO MIT MIR ZU REDEN!!! WISSEN SIE EIGENTLICH WER ICH BIN?!"
"Ich bitte Sie einmal höflich, sich einer besseren Redeweise zu befleissigen. Das ist die Voraussetzung dafür, um weiterhin mit mir kommunizieren zu dürfen."
"DAS REICHT?! WISSEN SIE WER ICH BIN?!"
Mein Gehirn hat x Antworten parat. Aber ich bin bei der Arbeit. Folglich kann ich meine Gedanken nicht frei aussprechen. "Ein erboster Kunde, wie sich unschwer erkennen lässt."
"WAS FÄLLT IHNEN EIN?!"
"Wenn Sie mir jetzt Ihr Problem schildern, kommen wir vielleicht weiter. Was hat Sie denn so in Rage versetzt?"
"SIE HABEN MICH BELOGEN!!! SIE HABEN GESAGT, WENN SIE MEIN BUCH BESTELLEN, DAUERT ES 2 TAGE!"
"Nein, ich habe gesagt, es dauert voraussichtlich 2 Tage."
"DIE ANDERE FILIALE HAT ES VORRÄTIG! DAS DAUERT KEINE 2 TAGE, WENN SIE ES DORT BESTELLEN! MIT DEM TRAM DAUERT ES GRAD MAL 12 MINUTEN!"
"Wir bestellen aber nicht bei anderen Filialen. Wir bestellen beim Lieferanten."
"SIE LÜGEN! SIE LÜGEN MICH SCHON WIEDER AN!!! DAS HABEN SIE IMMER GEMACHT!!!!"
"Seit meiner Zeit hier, nicht. Was vor 50 Jahren der Fall war, kann ich allerdings nicht ahnen."
"ICH WERDE SIE FERTIG MACHEN! SIE WERDEN IHREN VERDAMMTEN JOB VERLIEREN! SIE SIND UNFÄHIG! WIE IST IHR NAME?!"
"Korzky. mit Z und Y geschrieben."
"ICH WERDE SIE MELDEN! SIE UNFÄHIGE TUSSE!"

Und dann stampfst Du aus dem Laden, nicht wissend, dass Du ihn das letzte Mal betreten hast. Ich notiere mir deine Adressdaten. Du wohnst hier ganz in der Nähe. Wie gut.
Nach Feierabend nehme ich meine Tasche. Nicht die graue Tasche, sondern die schwarze aus Leder. Ich mache mich auf den Weg zu Dir.
Wieso machst Du es mir so leicht? Du wohnst im Parterre und die Tür deines Sitzplatzes steht offen. Ich schleiche mich rein. Du sitzt im Sessel vor dem Fernseher und schaust einen widerlichen Tierporno. Du bist durch Deine Hand so abgelenkt, dass Du mich nicht bemerkst. Perfekt.
Menschen wie Du einer bist, müssen erzogen werden.
Ich öffne meine Tasche und überlege kurz. Hammer? Eispickel? Zange? Schere? Messer?
Ich greife nach dem Eispickel. Ich halte ihn in meiner rechten Hand und nähere mich Dir von hinten. Ich knie genau hinter Dir. Noch immer hast Du mich nicht bemerkt. Ich hebe die Hand und stosse Dir den Eispickel ins rechte Ohr. Du gibts merkwürdige Laute von Dir. Ich ziehe den Eispickel wieder raus. Ich schaue dich an. Du rutschst aus deinem Sessel. Ungläubig starrst du mich an.
Abschliessend sage ich zu dir: "Das wird dich lehren, Buchhändler wie ein Stück Scheisse zu behandeln."

Er war der Erste... weitere sollten noch folgen...





Samstag, 2. Februar 2019

Meins


Als ich meine Arbeit beim Kopierer liegen sah, starrte ich sie ungläubig an. Wie kam meine Arbeit, an der ich wochenlang geschrieben hatte, neben den Kopierer?
Wer hatte sich meiner Arbeit bemächtigt?

Ein paar Tage später fand ich dann heraus, dass es meine Arbeitskollegin war. Diejenige, mit der ich mir ein Büro teilte. Wir hatten den gleichen Job. Machten die gleiche Arbeit und verstanden uns immer gut, obwohl ich immer schon der Meinung war, dass meine Arbeit qualitativ besser war.
Wir sollten beide eine Arbeit schreiben. Unser Chef wollte unsere Ideen für ein neues Projekt haben. Wir sollten sie unabhängig voneinander schreiben.

Tja, und was hatte diese unkreative Person getan? Mir meine Arbeit geklaut. Meinen Namen hatte sie mit ihrem eigenen ersetzt. Hatte das Ding ausgedruckt und dem Chef hingelegt. Als ich deswegen Terror machte, hiess es, dass sie doch so etwas bestimmt nicht machen würde. Sie sei doch eine so liebe Person. Blabla...
Ja, es sind immer die zarten Pflänzchen, die einen verraten. Sich still und leise von hinten anschleichen und einem mit 37 Messerstichen in den Rücken den Garaus machen.
Oh was hatte ich eine Wut auf sie. UND auf den Chef und alle anderen Mitarbeiter. Ich war also nun die Lügnerin? Danke.
Beweisen konnte ich es nicht, denn sie hatte das Original auf meinem Computer gelöscht. Danke.

Ein paar Wochen teilten wir uns noch das Büro. Doch sie wurde dann ja befördert und bekam das Eckbüro mit den grossen Fenstern. Das wäre mein Büro gewesen. MEINS.

Fortan wurde ich gemieden. Nicht von allen. Einigen war klar, dass Sarah nicht zu solch grossartigen Leistungen und kreativen Ideen in der Lage war. Doch was sollte man machen. Sie setzte ab dann alles daran, dass ich gefeuert würde. Unser Chef wollte mich nicht feuern. Nicht etwa weil ich ein so netter und umgänglicher Mensch gewesen wäre. Haha bestimmt nicht. Nein, sondern weil meine Arbeit einfach immer top war! Zahlreiche Aufträge hatte unsere Firma nur meiner Ideen wegen bekommen. Er wusste das. Also blieb ich weiterhin dort und machte den Job, den wir früher zu zweit gemacht hatten, alleine.

Als die Mail kam, dass der halbjährliche Betriebsausflug stattfände, freute ich mich nicht. Ich müsste den ganzen Tag diese debile Diebin sehen. Na wundervoll. Trotzdem ging ich mit. Pflichtübung deluxe.

Wir fanden uns in einem Thermalbad ein.
Dort drückte ich den Kopf dieser rothaarigen Intrigantin mehrmals unter Wasser. Ich liess sie wieder auftauchen und ein bisschen Luft holen. Sie bettelte mich an. Ich drückte sie wieder unter Wasser. Beim nächsten Auftauchen versuchte sie, mich zu schlagen und zu kratzen. Ich schlug ihr meine Faust mitten in die Visage und drückte ihren abscheulichen Kopf wieder unter Wasser. Das Wasser verfärbte sich rot. Rot vom Blut, dass aus ihrer gebrochenen Nase strömte.
Kurz bevor ihre Lebenslichter erloschen, liess ich sie wieder auftauchen. Sie hustete und japste nach Luft. Ich schwamm selig davon.
Später sah ich sie wieder. Sie stand alleine im Becken mit dem pissgelben Wasser. Mit dem Rücken zur Beckenwand. Als sie mich kommen sah, brach sie in Panik aus. Ich stieg in das Becken, schlug ihr dreimal meine Faust in den Magen und ging wieder. Als ich mich umdrehte sass sie zusammengesackt auf der Treppe und weinte, wie ein kleines Mädchen.
Als wir dann später vor dem Thermalbad standen, ging ich auf sie zu und fragte, ob sie nun endlich die Wahrheit preisgeben würde. Sie weinte und schüttelte den Kopf. Ihre spröden Haare bewegten sich kaum. Furztrocken. Wohl noch nie von Haarkuren gehört...
Wir fuhren zur Zahnradbahn. Während der Fahrt fragte ich sie nochmals. Sie verneinte. Also fragte ich sie, ob sie schon mal gesehen habe, was so eine Zahnradbahn mit einem Menschen mache, wenn er versehentlich zwischen die Räder und die Gleise gerate. Irritiert starrte sie mich an. Nicht wissend, ob ich ihr so etwas antun würde oder nicht. Ich genoss die in ihr aufkeimende Panik richtig.

Vom Betriebsausflug sind wir ohne Sarah zurückgekommen.
Keine Sorge, sie liess ihr leben nicht verkeilt und verschmiert in der Maschinerie einer Zahnradbahn. Ich töte doch nicht vor so vielen Zeugen.
Dummerweise wurde sie von einem vorbeifahrenden LKW erfasst und setzte ihre Reise eingekeilt in dessen Radkasten fort. Dieses Geschmiere auf der Strasse, nach dem er sie erwischt hatte, war ekelhaft. Blut und Hautfetzen und ich meine ein paar Zähne gesehen zu haben. vielleicht waren es auch Knochen? Wer weiss das schon.

Übrigens schreibe ich diese Geschichte in meinem neuen Eckbüro mit den grossen Fenstern, die eine wunderbare Aussicht über die Stadt zulassen.







Montag, 31. Dezember 2018

Freitag, 26. Oktober 2018

Es war der Gärtner...

Wer kennt nicht das Spiel Cluedo? Wer hat wen, womit und wo umgebracht?
In meinem Fall war es der Gärtner mit blossen Händen in seinem Wohnzimmer.

Mir ist nach wie vor unverständlich, wie man so völlig von Sinnen sein kann. So absolut bekloppt. Geisteskrank. Wahnsinnig. Gestört. Dumm! Wie kann man so dumm sein?
Wie kann man zu einem fremden Mann nach hause gehen? Dazu noch zu einem, den man übers Internet kennengelernt hat? Tja, diesen Fehler macht man einmal und dann nie wieder. Man überlebt nicht.

Von Charlotte Link existiert ein Buch mit dem Titel "Die letzte Spur", in dem es um eine Frau geht, die am Flughafen auf einen Fremden trifft, mit ihm mitgeht und dann ward sie nicht mehr gesehen.

So erging es auch meiner ehemaligen Mitbewohnerin Sofia. Sie lernte im Internet, auf Facebook einen Typen kennen. Tag und Nacht waren die beiden am facetimen. Sie schwärmte, als wäre sie wieder 15 Jahre alt. Als sie mir dann sagte, sie würde sich mit ihm treffen, fragte ich nach dem Ort. Sie würde zu ihm nach hause gehen. Er habe ein grosses Haus am Zürichsee. Er sei ohnehin voll der Bonz.
Ich fragte sie, ob sie bescheuert sei. Wie kann man in unseren aufgeklärten Zeiten zu einem wildfremden Menschen nach hause gehen?! Wie. Was stimmt in diesem Oberstübchen nicht?
Steht man wirklich eines Tages auf und denkt sich, "so, heute lasse ich mich ermorden."? Wirklich?
Nun gut... Sofia wollte nicht auf mich hören. Ich sei zu ängstlich, schrie sie mir entgegen. Dies sei einer der zahlreichen Gründe, wieso ich Single sei. Sie kenne ihn. Er sei super und ich hätte keine Ahnung! Mit den Worten knallte sie die Tür hinter sich zu und verschwand. Im wütenden Stechschritt stampfte sie zum Bahnhof, stieg in den Zug nach Zürich und verschwand aus meinem Leben.

Sofia wollte zu Lebzeiten immer instafame sein. Nach ihrem Tod hatte sie ein paar Wochen des Ruhmes. Ihr Gesicht zierte, manchmal mit Zensurbalken über den Augen, manchmal ohne, die Titelseiten diverser Zeitungen. Der Blick widmete ihr eine Doppelseite. Ihr kennt den Blick. Der Text begann wahrhaftig mit "Es war ein wunderbarer Herbsttag, als Sofia S.* (*Name der Redaktion bekannt) ihr wohlbehütetes Zuhause verliess und in einen Zug nach Zürich stieg. Während der Fahrt blickte sie verträumt aus dem Fenster und betrachtete die bunten Herbstfarben...." Ehrlich?! Blick? Ernsthaft?!
TeleM1 berichtete über den "grausigen Fund" einer Leiche. Auch das deutsche Fernsehen berichtete über diesen Fall. Einige Zeitungen brachten Vergleiche mit John Wayne Gacy und Ted Bundy. "Als wären Gacy und Bundy in einer Person auferstanden" schrieb ein pickelgesichtiger Praktikant von 20min. Es waren nur wenige Textzeilen, aber die hatten mehr Fehler als er Pickel im Gesicht.
Als man des Gärtners Garten umgegraben hatte, fand man die Leichen von 12 jungen Frauen. Die verstümmelten und geschändeten Leichen von 12 Teenagern. Der angebliche "Bonz" war ein abgehalfterter 56jähriger ehemaliger Gärtner, der vom Amt lebte. Das Haus am See gehörte nicht ihm. Er bewohnte es, da es leer stand.
Im Internet gab er sich als 22-jähriger Züricher-Bonzenboooi aus. Seine Bilder hatte er von Google. Für Facetime nutzte er einen Filter.
Ja, und so lockte er zahlreiche Teens in "sein" Haus am See. Die Einen wurden mit Wein abgefüllt. Andere betäubt. Alle wurden sie geschändet - postmortem. Hinterher verstückelt und im Garten vergraben. Der Typ verbrachte verdammt viel Zeit mit Gartenarbeit, sagten die Nachbarn in einem Interview.

Tja, was sagt uns das? Das Internet ist voller Psychopathen. Und ich? Ich musste mir eine neue Mitbewohnerin suchen. 



Freitag, 12. Oktober 2018

Internet-Stalker II: Verfolgt!

Ich werde verfolgt. Nun ist es offensichtlich. Es kann nicht geleugnet werden. Ich werde wahrhaftig verfolgt!
Als ich heute Morgen das Haus verlassen hatte, war alles normal. Niemand hockte in den Büschen. Kein schmieriger nach Alk und Qualm stinkender Ben oder seinesgleichen. Als ich aber vorhin auf dem Weg nach hause war, bemerkte ich eine verhüllte Gestalt, die mir schon in Winterthur am Bahnhof aufgefallen war. Sie stand da. Die Kaputze tief ins Gesicht gezogen und neigte den Kopf immer wieder verstohlen in meine Richtung. In Winthi gibt es zahlreiche gestörte Gestalten, weshalb ich mir nichts weiter dabei gedacht habe. Die Gestalt stieg in den Zug. In einen Waggon weiter vorne und kam dann durch meinen Waggon spatziert, wo sie sich in das Abteil vor meinem setzte. Am HB angekommen stieg sie aus. Ich auch. Dann traf ich auf einen Freund und verlor die Gestalt aus den Augen und aus dem Sinn. Wir quatschten kurz und setzten uns dann noch ins Fedi auf ein Bierli.
Als ich dann an meiner Haltestelle ankam und durch die finsteren Strassen ging, hörte ich Schritte hinter mir. Als ich um die Ecke bog, erhaschte ich einen Blick auf die Person, deren Schritte ich gehört hatte. Es war die Gestalt aus dem Zug! Ich bin mir so sicher! Also nahm ich noch zwei drei Seitengassen und ging schliesslich zum Nachbarshaus, in der Hoffnung, die Haustüre würde auch dort wieder offenstehen. Sie tat es. Ich ging rein. Hastete die Treppe runter ins Untergeschoss, von wo aus ich durch das schmale Fenster auf die Strasse schaute. Die Gestalt stand vor dem Haus und schaute vom Nachbarshaus, in dem ich war zu meinem Haus und wieder zurück. Schliesslich nahm sie ihr Smartphone aus der Jackentasche und tippte etwas. Hoffentlich hatte ich sie verwirrt. Eventuell war sie nicht mehr sicher, in welchem Haus ich denn nun wohnte. Hoffentlich!
Er kann ja nicht wissen, dass die vier Häuser unterirdisch miteinander verbunden sind. Ich gebe zu, dass diese unterirdischen Gänge gruselig sind. Jedes Mal habe ich eine Gänsehaut, wenn ich in den Keller gehe und in diesen Gang schaue. Altes Steingemäuer voller Spinnennetze. Eigentlich könnte man hier einen Teil von Indiana Jones 5 drehen. Die Kulisse wäre perfekt!
Jedenfalls habe ich mich furchtlos durch den finsteren Korridor begeben. Lediglich drei uralte Glühbrinen erhellen den Gang punktuell mit ihren geschätzten 30 Watt. Ich bin mir fast sicher, dass diese Glühbirnen die ersten ihrer Art sind. Solche, die Thomas Edison auf der Weltausstellung vorgestellt hatte. Jene, die er laut Patentamt am 21.10.1879 erfunden hatte. Die man damals telegraphisch bestellt hatte und die mit dem Pony-Express ausgeliefert wurden.
Im Haus 1 angekommen, stieg ich in der Dunkelheit die Treppe rauf und verriegelte die Tür hinter mir.

Ich fühle mich in meiner eigenen Wohnung nicht mehr sicher! Wenn ich nach hause komme, prüfe ich erst jede Ecke. Hat sich etwas verändert. Hat sich gar jemand hier drin versteckt? Jedes Mal wenn ich unters Bett schaue, schlägt mein Herz so laut, dass es bestimmt bis in den Kanton Graubünden zu hören ist. Jedes Mal stelle ich mir die Frage, was mache ich, wenn einmal wirklich einer unter meinem Bett liegt? Was? Schreien und zur Haustür raus? Und dann? Renne ich, verfolgt von einem goldne Axt schwingenden Irren, durch die Strassen, wie diese Tussen in Horrorfilmen das machen? Na wunderbar! Oder denke ich mir nach einem anstrengenden Arbeitstag einfach, "gut, stich mich ab. Ich mag jetzt nicht davon rennen!" ? Ganz ehrlich? Wie reagiert man? Ich will es nicht herausfinden müssen.

Draussen war wieder ein Geräusch zu vernehmen. Licht war zwischen den Storenlammellen (eben gegooglet, und in Deutschland wird das, was bei uns "Store" heisst, als Jalousie bezeichnet oder als Gelenkarmmarkise, wenn es denn die auf dem Balkon ist. Bei uns heisst das schlicht Sonnenstore. Damit werde ich meine Deutschschüler quälen XD) zu sehen. Etwa das Licht einer Taschenlampe? Ein Auto kann es nicht gewesen sein. Auf jener Seite befindet sich nur der Waldrand. Ich höre Stimmen. Just in diesem Moment höre ich Stimmen. Ich höre Schritte. Jemand macht sich an den Jalousien zu schaffen. Ein Kratzen ist zu vernehmen. Meinen Taser habe ich griffbereit vor mir. Es klingelt an meiner Tür. Ich werde den Teufel und öffnen. Ich öffne meine Tür nie, wenn ich niemanden erwarte. Ausserdem ist es bereits 23:10 Uhr. Jetzt klopft es an meiner Tür. Jemand ist IM Gebäude. Steht vor meiner Tür und klopft. Ich reagiere nicht. Aufgrund dessen, dass auf youtube grad I'm going slightly mad von Queen läuft, wird die Person vor der Tür wissen, dass ich zuhause bin. Oder sie hält mich für einen derart verschwenderischen Menschen, der die Geräte laufen lässt. Es klopft wieder. Etwas energischer. Scheisse. Bitte verzieh dich! Das Klopfen wird noch etwas eindringlicher. Stärker. Bedrohlicher. Jetzt wird mit der ganzen verdammten Faust gegen meine Tür geprügelt. Am Fenster sehe ich wieder dieses Licht. Es sind zwei. Mindestens zwei. Kann ich mit zwei von ihnen fertig werden? Ich höre Schritte. Sie gehen weg. Entfernen sich. Ich blicke zur Tür. Darunter ist ein weisser Umriss in der Dunkelheit auszumachen. Ein Umschlag? Ich gehe hin. Schaue nach. Bin doch so dumm, wie diese Tussen in den Horrorfilmen. Ich schaue nach. Es ist ein Briefumschlag. Soll ich ihn öffnen? Milzbrand? Briefbombe? Die Neugierde siegt über den klaren Verstand. Ich öffne den Umschlag. Darin liegt ein Zettel. In krakeliger Schrift steht da nur:

Ich weiss, was du letzten Sommer getan hast!

Kleiner Scherz am Rande. Ich denke in meiner gegenwärtigen Situation sollten mir solche Scherze erlaubt sein. auf dem Zettel stand in krakeliger Schrift geschrieben: "das speiel"
Dass nicht einmal diese "Warnung" korrekt geschrieben wurde, lässt das Ganze recht lächerlich erscheinen. Was für ein Spiel? Spielt er auf Stephen Kings "Das Spiel" aka Gerald's Game an? Ich weiss es nicht... 

Jedenfalls werde ich jetzt nochmals alles kontrollieren und dann leg ich mich schlafen. Mit dem Taser in Griffnähe... 


Donnerstag, 11. Oktober 2018

Internet-Stalker II - Danach

11.10.2018

Die Atmosphäre könnte treffender nicht sein. Ich sitze in der Dunkelheit. Mein Gesicht erhellt vom Schimmer des Bildschirms. Vor mir steht ein Kilkenny. iTunes spielt Linkin Park. Obschon die Jalousien zu sind, die Fenster und Türen verschlossen und die Schlösser verstärkt fühle ich mich nicht wirklich sicher. Ihr werdet mich für paranoid halten, wenn ich Euch sage, dass ich überall in meiner Loftwohnung Waffen versteckt habe. Unter meinem PC-Schreibtisch klebt ein Eispickel. Unter meinem fetten Gamersessel von noblechairs klebt ein japanisches Sashimimesser. Würde ich alles aufzählen, wären wir morgen noch dabei. Sagen wir einfach, in meinem Loft sind mehr als 30 Messer- und Stichwerkzeuge versteckt. Lebte ich in den USA wären sicherlich noch Schusswaffen dabei. In der Schweiz kommt als Normalsterbliche nicht so leicht an eine Handfeuerwaffe. Eventuell könnte ich mich mal im Dark Web umsehen, aber nach zahlreichen Horrogeschichten ums Dark Web auf Reddit ist es mir vergangen. Schliesslich treiben sich im Internet schon genügend Verrückte rum. Wie wird es da wohl erst im Dark Web sein? Ganz ehrlich? Ich will es gar nicht wissen, denn mein Facebookstalker ist noch immer da draussen! Er ist auf freiem Fuss…

Heute hatte ich wieder eine Nachricht über den Facebook-Messenger bekommen. Wieder von einem anonymen Account. Heute standen da die Worte „Goldene Axt.“ Fast täglich bekomme ich nun solche Nachrichten. Eine besagte „kopf ab“. In einer anderen stand „der tod Ist Besser“. Ich habe sie alle gescreenshottet.
Ich gebe es zu, dass ich nun solche Nachrichten erhalte, habe ich mir selbst zuzuschreiben. Ich hätte diesen schmierigen Stalker nicht reizen sollen. Aber was habe ich in einem Anflug von Sensationsgeilheit gemacht? Ich habe darüber gebloggt. Ich war so dämlich, dass ich fast den gesamten Chatverlauf in über 23 Blogeinträgen gepostet habe. Seit der letzte Eintrag online gegangen ist, bekomme ich diese Nachrichten. Ich bin mir sicher, dass es mein Stalker ist, der mich belästigt. Über die Nachricht „ich Finde dich“ musste ich erst lachen. Dann aber stellte ich mri die Frage, ob er eventuell Menschen in seinem Umfeld hat, die wirklich herausfinden konnten, wo ich wohne. Der Stalker wohnt in Deutschland. In Calw. Ich wohne in der Schweiz. In Zürich. Calw ist laut Google Maps nur 2 Stunden 14 Minuten weit entfernt. Mit dem Auto. Mit den ÖV sind es zwischen 2-5 Stunden, je nach Verbindungen. Also nicht allzu lange. Er könnte wirklich in den Büschen vor meinem Fenster hocken. Bei jedem Knacken schrecke ich zusammen und blicke um mich. Er könnte es sein.

Wo waren all die Psychopathen vor dem Internetzeitalter? Oder hat die Anonymität des Internets einfach mehr Psychopathen hervorgebracht? Gibt’s dazu Statistiken?
Die 50er hatten Ed Gein. Die 60er hatten den Zodiac-Killer. Die 70er hatten John Wayne Gacy. Ted Bundy und Charles Manson. Die 80er und frühen 90er hatten Jeffrey Dahmer. 2010 trieb der Craigslist-Killer sein Unwesen. So viel zu den USA. In der Schweiz hatten wir Hans Vollenweider im Jahr 1939, der übrigens Besitzer einer Handfeuerwaffe war, genau wie Paul Irniger. In den 80ern wurde die Schweizer Jugend von Michel Peiry dezimiert und gefoltert. In den 80ern machte Werner Ferrari Schlagzeilen, indem er in acht verschiedenen Kantonen Kinder entführt, missbraucht und erdrosselt hatte. Nach ihm kam dann Roger Andermatt, der „Todespfleger von Luzern“, der 22 Menschen in 6 Jahren tötete. Ja, auch in der Schweiz haben wir Serienmörder. Die sind nur nicht ganz so bekannt, wie die aus den Staaten. Hollywood macht ja auch keine Filme über Schweizer Serienmörder. Wir sehen also, ein paar wenige Psychopathen gab es auch schon vor dem Internet. Nur war es für sie schwieriger, Opfer zu finden. Heute quatscht man einfach jemanden in einem der zahlreichen sozialen Netzwerke an, verabredet sich mit der Person, hält ihr einen in Chloroform getauchten Lappen aufs Gesicht, vergewaltigt und tötet sie. Irgendwann beginnen sich dann die Nachbarn zu fragen, wieso man wohl so häufig den Garten umgräbt und Jahre später werden dann die Leichen bzw. Skelette der Opfer gefunden. Folglich macht sich heute jeder verdächtig, der zu viel Zeit mit Gartenarbeit verbringt.

Jemand geht draussen durch die Büsche. Ich höre es. Draussen ist es dunkel. Kinder werden es kaum sein. Und welcher Erwachsene würde durch die Büsche schleichen und nicht den Pflasterewg nehmen? Welcher Erwachsene, der keine Tötungsbasicht verfolgt. 
Unter meinen Fenstern habe ich Nagelbretter in den Fussboden geschraubt. Komm ruhig rein. Ich bin bereit.

Ich bin abgeschweift. Ich habe ein Stück weit selbst dran Schuld. Vielleicht hätte er mich in Ruhe gelassen, hätte ich nicht über ihn gebloggt. Vielleicht hätte er mich in Ruhe gelassen, hätte ich nur über ihn gebloggt, aber keine Bilder gezeigt. Vielleicht hätte er mich auch trotz des Blogs in Ruhe gelassen, nicht aber wegen der Facebookseite, den Warnungen auf Twitter, meinem Youtube-Video und dem Eintrag auf Reddit. Wären meine Posts in Englisch gewesen, würde jetzt vielleicht der Typ von Llama Arts ein animiertes Video davon machen. Wer weiss. Ich gebe es zu. Ich habe es übertrieben. Aber es war mir wichtig, die Welt vor diesem Scheusal zu warnen.
Wenn Ihr daran interessiert seid, dann besucht mal die Facebookseite „Stalker Ben Bock, Calw, DE“. Dort gibt es sämtliche Screenshots von seinem verdorbenen Facebookfeed. Selfies, die der alte Säufer gepostet hat mit fragwürdigen Sprüchen, wie „Mütter Versteckt eure töchter . der Alte dreckige Mann ist in der City.“ oder „such mir heut Ne kleine max 20 jährige für das alte rein raus spiel“. Mit der Rechtschreibung hat er es nicht. Weitere Sprüche von ihm, wenn er einen guten Tag hat, an dem sein Ego so gross wie der Himalaya ist:
„Ich bin schon Eine geile sau!“
„heut ein mädel gesehen … will sie ficken und in Meinen keller sperren!“
„das alter ist Egal. ich fick sie auch mit 14 ! hallo mama der geile Ben ist da !“
„bin Down. meine ex gesehen ! prügel steht ihr gut !“
Das macht den alten geifernden Pädo doch richtig sympathisch nicht? Sämtliche Screenshots sind auf der Facebookseite zu sehen. Mit Name, Foto und Datum.
Nachdem mein Blog online war, hat er gepostet, „ich hasse das leben ! ok. sone Dreckige bitch !“ In den Kommentaren wurde ihm Mitleid ausgesprochen, was er natürlich mit beiden Händen angenommen hat. Aber genug davon. Wer sich dafür interessiert, kann ihn googlen.

Er geht immer gleich vor: er tritt irgendwelchen Gruppen auf Facebook bei, ist schon Mitglied oder gründet selbst welche. Dort hält er sich erst zurück. Irgendwann scrollt er durch die Mitgliederliste, schaut sich alle weiblichen Profilbilder an und beginnt dann, sämtliche Beiträge zu liken. Ein paar Tage später beginnt er mit dem Kommentieren. Irgendwann hat man ihn dann im Messenger und wird ihn nicht mehr los. Erst schreibt er normal - für seine Verhältnisse. Dann will er einem Geheimnisse entlocken. Schreibt selbst über seine ach so beschissene Situation oder Verangenheit und drängt dazu, auch Geheimnisse preiszugeben. Macht man das nicht, wird er entweder ausfallend oder kommt mit der Mitleidstour. Er versucht dann, alles so zu drehen, dass man selbst ein riesiges Arschloch ist. Wenn man nicht schon mit so manipulativen Kreaturen zu tun gehabt habt, tappt man eventuell in die Falle. Ich tat es nicht und so musste ich mir immer wieder durchlesen, wie schlecht es ihm geht und dass er alles nur nett meint, und dass ICH immer so von oben herab sei, etc. Dann fängt er an von seinen Geldproblemen zu reden. Er lässt das immer irgendwie miteinfliessen. Anfangs ganz dezent, dann immer offensichtlicher. Er will Geld. Hin und wieder macht er eine Andeutung auf sexueller Ebene. Reagiert man nicht, lässt er es bleiben und fängt am Tag darauf wieder an. Er fragt dann immer eindringlicher nach Geheimnissen, Wünschen, Bedürfnissen. Fragt nach Bildern. Schickt Bilder. Bilder, die man nicht sehen will.
Mir hatte er ein Foto von sich geschickt, in einem schwarzen Frauenbody. Dazu trug er Hasenohren und hatte eine Peitsche im Mund.
Über die Facebookseite haben mich diverse seiner Opfer angeschrieben. Eine hat erzählt, er habe sie gefragt, ob sie sich mal treffen könnten, er möchte sich von ihr anpinkeln lassen. Einer Anderen hat er Fotos von sich in Latexoutfits geschickt, was bei seinem Bierwanzt ganz grässlich aussieht. Bei einer aus der Gothicecke hat er von seinem Peniskäfig angefangen und Fotos geschickt. Die hatte er glücklicherweise von Google geklaut, wie die Googlebildersuche uns zeigte. Mit einer 15jährigen wollte er sich „zum Kaffee trinken“ verabreden. Das war übrigens an dem Tag, an dem er den Post gemacht hatte, „ich fick sie auch mit 14“.
Eine Mutter hatte geschrieben, dass sie diesen widerlichen Typen schon oft an der Schule ihrer Tochter gesehen hat. Er würde wohl den ganzen Tag dort herumhocken und „an sich herumspielen“. Einmal habe ihn ein Lehrer dabei gesehen und dann sei er davongerannt.

Während meiner Schreiberei habe ich recherchiert. Er war verheiratet. Der Name seiner Frau ist Eleonora. Er hat erzählt, sie habe ihn betrogen und verlassen. Die Wahrheit besagt aber, dass er sie im Suff immer wieder verprügelt hat. Eleonora hat heute ein Glasauge auf der linken Seite. Das verdankt sie Ben. Er hat sogar die gemeinsame Tochter verprügelt und den gemeinsamen Sohn missbraucht. Passiert ist ihm jeodch nichts. Wieso nicht? Eleonora lebt seither in einem Frauenhaus. Der Sohn wurde tot in einem Waldstück gefunden. Die Tochter lebt irgendwo im Ausland. Es gab keine Zeugen, niemanden der hätte aussagen können. Ben Bock kam davon. Er postet jedoch immer mal wieder auf Facebook, was für eine „drecks Hure“ seine Ex doch sei.

Seit das Internet über ihn Bescheid weiss, postet er hin und wieder Sachen wie „die bitch ist Tod“.  Ich gehe davon aus, dass er mich damit meint. Ich hoffe, dass seine Worte darüber, dass er gänzlich mittellos ist, der Wahrheit entsprachen. Dann müsste ich nicht befürchten, dass er hier auftaucht. Ich stelle mir täglich die Frage, ob ich, sollte er hier auftauchen, wirklich etwas zu befürchten hätte.
Ich habe seine Bilder gesehen. Er scheint träge zu sein. Er ist ein versoffenes und verqualmtes Loch. Ich denke, in einem Duell hätte ich eine reelle Chance gegen ihn…. dennoch! fühle ich mich beobachtet. Ich bin nicht paranoid. Ich bin mir sicher, dass mir jemand folgt. Dass hin und wieder jemand durch mein Fenster glotzt. Eine Parterrewohnung ist scheisse, wenn man einen Stalker hat. Ich werde umziehen. Schaue mir täglich Wohnungsinserate an. Ich muss hier weg. In ein Hochhaus. In den 12. Stock oder so. Einfach weg. Wenn nich er selbst, dann stalked mich jemand in seinem Auftrag. Jemand weiss, dass ich hier wohne und beobachtet mich. Ich traue mich nicht einmal mehr unbewaffnet in die Waschküche runter. Immer habe ich Angst, jemand könnte mir auflauern. Was ein Leichtes wäre, da die Nachbarn immer diese verdammte Eingangstür offen stehen lassen.
Ich werde verfolgt. Ich werde observiert. Morgenfrüh muss ich raus. Ich bin nervös. Was wenn jemand auf mich lauert? Die ganze Nacht über? Mich morgenfrüh um 04:20 Uhr attackiert? Wenn er es ist, dann weiss ich mich zu wehren. Was wenn es jemand in seinem Auftrag ist? Den Weg zum Bahnhof werde ich live auf Facebook sein und meine Gegend filmen. Sollte mich jemand attackieren, wüde er so auf Film festgehalten werden. Mittlerweile besitze ich 3 iPhones. Deises Livezeugs frisst so viel Akku.

Scheisse… ich hätte das alles nicht tun sollen. Ich hätte nie mit dem reden sollen. Aber dazu ist es jetzt ein bisschen zu spät. Ich werde noch wahnsinnig.



Sonntag, 16. September 2018

Dating in der Schweiz #1 Enterostoma

Seid gegrüsst, oh meine Leser

Lang ist's her, seit meinem letzten Eintrag hier. Lang ist's auch her, dass ich in der Schweiz ein Date hatte. Zumindest bis eben. Als ich gefangen in diesem Irrsinn aus Enterostoma und alkoholfreiem Bier war, wurde mir wieder schlagartig bewusst, wieso ich schon seit Jahren keine Dates mehr hatte - in der Schweiz.
Aber beginnen wir am Anfang.

Es war ein wunderbarer Tag. Einer von diesen Herbsttagen, von denen es mehr geben sollte. Nicht zu heiss und nicht zu kalt. Das Klima war einfach perfekt, um ohne Jacke rauszugehen. Ich trug meinen neuen oversized Hoodie von Urban Classics und freute mich darüber, die Jacke zuhause lassen zu können. Es war sonnig. Der Himmel war blau und vereinzelte Wattewolken schwebten umher.
Im Fluss neben uns paddelten Enten und Schwäne.

Irgendwann setzten sich zwei Touristen in unsere Nähe. Der Eine machte mit seiner Canon Fotos vom Anderen, mit dem Fluss im Hintergrund. Als sich dann ein Schwan zu lange bei ihnen aufhielt, kam der Sitzende auf die folgenschwere Idee, einen Teil seines OK-Energydrinks über den Schwan zu schütten. Der Schwan machte Gebrauch von seinen Flügeln und machte sich zur Attacke bereit. Der Sitzende sprang panisch auf und rannte mit seinem Kumpel aus dieser Geschichte davon.
Der Schwan beruhigte sich wieder und schwamm dann in meine Richtung. Wir sagten einander "Hoi", wonach er weiter paddelte. Ich blieb alleine zurück, auf mein Date wartend, das urinieren war - schon wieder.

Oh meine Leser, ich sags Euch. Es ist gar nicht so leicht, eine Geschichte über eine wahre Begebenheit zu schreiben, ohne dass betreffende Person (hier mein Date), merkt, dass es um sie geht, sollte sie diesen Blog je zu Gesicht bekommen. Schliesslich geht es mir nicht darum, ein menschliches Wesen zu denunzieren (anders als bei gewissen anderen Dates), aber ich muss dieses Erlebnis einfach loswerden!

Also, wie wir da so am Fluss sassen, auf dem in regelmässigen Abständen Enten und Schwäne an uns vorbeischwammen... Moment. Ich greife vor. Spulen wir kurz zurück. Weiter. Noch weiter. Ja.

Treffpunkt beim hässlichen Engel

Eure getreue Erzählerin, Navi M. Gray, steigt aus dem Zug und wandelt zum vereinbarten Treffpunkt. Natürlich ist sie wieder die Erste. Sie ist immer die Erste. Sie muss immer auf die Anderen warten. Sie steht also da in ihrem schwarzen oversized Hoodie, ihre Anna Sui X Coach Tasche geschultert, das iPhone in den Händen mit ihrem Droog schreibend und wartet. Treffpunkt war der hässliche Engel am HB. Einmal hatte ich mich mit einem Bekannten getroffen. Treffpunkt war der Engel. Jeder Mensch wartet am Rand. Dieser Typ nicht. Nein. Er stand direkt unter dem Engel, mitten im Weg und las in seiner Kämpferhose (noch immer auf dem Black-Metal-Tripp seiend) in einem philosophischen Reclam. Da mein Droog über dieses Ereignis Bescheid wusste,

schrieb ich ihr, ob ich mich jetzt auch mitten unter den Engel stellen sollte. Lachen. Schön, dass wir jetzt diese Emojis haben. ^_^
Mit knapp 4 Minuten Verspätung kam dann Enterostoma daher. Er wohnt 15min vom HB entfernt und schaffte es dennoch nicht, pünktlich zu sein. Er müsste noch zum Bankomaten. Also gingen wir ins Zwischendeck des HB, wo er nach links ausscheren wollte, obschon direkt zu unserer Rechten zwei ATMs der ZKB (Züricher Kantonalbank für alle meine Nichtschweizerleser) postiert waren. Ich deutete auf die rechte Seite und er holte noch Bares.


Planänderung: Fedi Pärkli
Wir waren eigentlich für ins Fedi verabredet. Das Fedi heisst Federal und ist eine Brasserie am HB, die keine Ahnung wie viele Biersorten führt.
Da es sich, wie oben erwähnt, um einen perfekten Herbsttag handelte, machte ich den Vorschlag, dass wir uns doch an die Limmat setzen könnten. Enterosoma gab zu bedenken, dass der Boden möglicherweise nass sein könnte. Dann wäre das Pärkli keine so gute Wahl. Wer denkt an den Boden, wenn er ans Pärkli denkt? Ich für meinen Teil denke da immer an das Mürli (kleine Mauer) am Fluss und äusserte dies auch. Enterosoma willigte dann schliesslich ein und meinte, unten gäbe es einen Coop, der alkoholfreies Bier gekühlt habe. Und das wäre ohnehin günstiger, als im Fedi.
Aufgrund brobdingnagischer Alkexzesse trinkt Enterosoma keinen Alkohol mehr. Und weil er kürzlich operiert worden ist. Ich schloss mich dem Alkfreien an, da ich pausieren will, bis sich Haare und Haut wieder regeneriert haben. (Steht man unter Alkkonsum können selbst die Produkte Shiseidos nichts mehr ausrichten).

Mitten im Coop to go, und es ist tatsächlich in der Mitte dieses Ladens passiert, verkündete mir Enterosoma aus voller Kehle, wenn er Bier trinkt müsse er immer so oft aufs WC. Das drücke dann immer so auf die Blase und seit der OP sei es noch schlimmer geworden. Er sei eine richtige Urinmaschine geworden. Ein Coopmitarbeiter schaute ihn fragend an. Ich für meinen Teil wünschte mir einen Niqab herbei. So einer wäre ganz praktisch für ein erstes Date. Was wünschte ich, ich hätte am Abend meines pixleated Date einen getragen... Wäre doch wirklich praktisch. Die Umwelt wüsste so nicht, dass DU grad mit diesem Typen unterwegs bist. Ich werde nachher wohl mal googlen und herausfinden, wo ich so einen herbekomme...
Wir nahmen uns je drei Feldschlösschen Alkfrei mit und gingen gen Kasse. Ich, als die introvertierte Schreiberin, die Ihr, oh meine geschätzten Leser, so schätzen und lieben gelernt habt, schritt gen Self-Checkout. Er, der offenbar sehr extroviert ist, schritt zur bedienten Kasse. Das sei viel sympathischer. Man könne sich so noch mit Menschen austauschen. Beim Self-Checkout fehle der Sozialkontakt. Eben! Darum hat der liebe Gott ja diese Dinger erfunden. Er bezahlte die 6 Bier, was in seiner Bilanz ein Minus von CHF 10.50 hinterlassen hat. Er bezahlte mit einem Hundertfrankenschein. Die Kassiererin fragte, ob er noch 50 Rappen hätte. Und da begann die lange Suche nach einem 50 Rappenstück. Und dann heisst es immer, nur Senioren würden ewig brauchen, um ihr Münz (Kleingeld) herauszuzählen. Mitnichten, meine geschätzten Leser, mitnichten!

Im Pärkli I: Nervosität oder er-ist-einfach-so?
Wir gingen ins Pärkli, vor dessen Eingang sich "Züri-WC" befinden. Als wir diese passierten, meinte er, "Das ist gut, hier hat es ja gleich WCs! Ich werde sicher bald eines brauchen. Hahaha"
Ich für meinen Teil verabscheue diese öffentlichen Toiletten. Ekelhaft! Wie dem auch sei... ich begann mich zu fragen, ob das nur in meiner (möglicherweise verkorksten) Welt ein Nogo war, über das Toilettenbedürfnis zu sprechen, oder ob er einfach keine Schamgrenze hat. Dabei fällt mir wieder die Badezimmerszene eines Exfreundes ein. Oh, das werd ich auch noch bloggen müssen.
Wir passierten das Gitterportal des Pärkli und setzten uns auf die Mauer an der Limmat. Die ersten zwei Bierdosen wurden geöffnet und bereits da wurde mir schlagartig bewusst, dass dieser Mensch kein Rückgrad besitzt. Er begann mit einem "Pröstli" ich mit meinem "Naztrovje" worauf er dann etwas flüsterte, was sich dann gen Ende hin im Stummen verlor: "Prös-naz..."
Seine Haltung war gebückt. Nein, auch ich sitze nicht immer kerzengerade da. Aber ich war mir nicht sicher, ob sich bereits die ersten Ansätze eines Buckels erkennen liessen. Ausserdem erinnerte mich seine Gangart (ja sind wir hier bei den Pferden?) seine Art zu gehen an Gaius Pupus. Gut, ganz sooo schlimm wars dann doch nicht, aber Ihr, oh meine Leser, kennt ja meinen Hang zur Dramatik.


Auch ich bin ein Mensch der Gestik und vorallem der Mimik. Jim Carrey verblasst neben mir. 😜 Aber Enterostomas Gestik war schlichtweg nervös. Ausserdem kratzte er sich immer wieder mit einem seiner Skelettfinger am Kopf. Mein leicht genervtes Ich hätte beinahe gefragt, ob er denn eine Flohzucht beherberge. Langjähriges Training in Selbstbeherrschung hielten diese bösen Worte jedoch zurück.
Anfangs unterhielten wir uns über verschiedene Filme. In WhatsApp meinte er in der vergangenen Woche noch, bisher habe ihn niemand in Sachen Horrorfilme schlagen können. Ich mache da die Ausnahme. Ich gehe jetzt mal soweit, dass ich behaupte, nicht nur ich. Denn sein Horrorfilmwissen ist Mainstream. Als wir über Ghostland sprachen, unterbach er just die Unterhaltung und meinte, "Ähm sorry, darf ich wohl ganz kurz aufs WC? Meine Blase drückt. Ich hatte erst ein Bier, aber wie gesagt, ich muss bei Bier dann immer aufs WC... ja und das ist jetzt soweit..."
Er ging gen "Züri-WC" und ich blieb zurück. Allein. Allein mit der Frage, wieso man nicht einfach zum Klo gehen kann, ohne zuvor erst ein verdammtes Referat abgehalten zu haben? Wieso?
Dann kam oben genannter Teil mit dem Schwan.
Als Enterostoma seine Notdurft verrichtet hatte und wieder neben mir weilte, ging unsere Unterhaltung über Filme kurz weiter. Bis sie dann umschlug. In ein befremdliches Thema:

Im Pärkli II: von Zysten und Urinablagerungen
Dieser Typ kennt nichts. Oh meine Leser. Nichts. Gar nichts! Haltet Euch fest und lasset das Essen stehen. Ich werde dies nun genau so unverfälscht wiedergeben, wie ich es meinem Moleskine anvertraut habe:

Goooooooooootverdammt! Erzählt mir dieser Siech doch allen fucking Ernstes von seiner Nieren-OP: Als er einst zu einer Routine-Untersuchung beim Hausarzt war, habe dieser eine Zyste festgestellt. Aber Zysten seien ja nichts schlimmes. Viele Menschen leben und sterben mit Zysten (und viele Menschen krepieren durch Zysten. Anmerkung Eurer Schreiberin). Man müsse sich da ja keine Sorgen machen. Also habe er es dabei belassen. Als er dann eines anderen Problemes wegen (Genitiv ist wundervoll) beim Urologen war (von diesem Problem hat er mir netterweise nicht erzählt), habe er selbst den Urologen gebeten, er möchte sich doch die Zyste auch noch kurz anschauen. Der Urologe kam dieser Bitte nach und sah dann wohl etwas Schwarzes. Etwas Schwarzes sei nie etwas Gutes (Komm auf die dunkle Seite der Macht, Luke). Dann habe es weitere Abklärungen gegeben und ihm wurde dann mitgeteilt, dass die Zyste wohl zwischen Niere und Harnleiter sitze und der Urin von (?) durch (?) die Zyste fliessen würde und so habe sich in einem Strang (jenen Strang hat er bei jedem Erwähnen mit seinen Skelettfingern in die Luft gezeichnet, um zu untermalen, wie fein wohl dieser Strang gewesen sein muss), der wohl porös oder so war, Urin absetzen können. Das seien dann so kleine schwarze Steinchen gewesen. In dem Moment bedankte ich mich für die präzise Ausführung. Daraufhin meinte er, ja er habe sich für die OP entschieden, weil der Arzt meinte, er würde mit 60 dann wohl Probleme bekommen. Und jetzt sei das Problem ja vom Tisch. Er habe jetzt nur eine weitere Narbe. Er habe einige Narben... und somit kommen wir zum nächsten Teil:

Im Pärkli III: Schlüsselbeinbruch im Suff
Dann folgte eine Abhandlung darüber, dass er früher so oft richtig besoffen war. Er habe sich nahezu komatös gesoffen. Gratuliere. Einmal habe er das falsche Tram genommen und sich dann in einem Wäldchen verirrt. Dort sei er so blöd hingeknallt, dass er sich das Schlüsselbein gebrochen habe. Am Tag darauf ist er dann wohl im Unistpital vorstellig geworden  wo er dann offenbar diversen Studenten vorgeführt worden sei, weil er einen glatten Bruch hatte. Aha. Da habe er auch eine Narbe davongetragen. Ich hatte mich gerade soweit unter Kontrolle, ihm nicht zu erzählen, wovon ich so meine Narben davongetragen habe... Künftig sollte ich mir ein MARTYRS-Szenario zurechtlegen, wovon ich dann berichten kann. 😂
Es folgten dann weitere Geschichten darüber, was ihm im Suff so alles wiederfahren war.
Zwischen den Erzählungen suchte er noch zweimal die "Züri-WC" uf und hielt jedes Mal zuvor noch ein kurzes Referat übre seine Blase.

Im Pärkli IV: Frühchen mit Enterostoma
Es gab quasi einen fliegenden Wechsel zum Titel dieses Eintrags. Er führte dann aus, dass er ein Frühchen war. Er habe sein Leben also praktisch im Krankenhaus begonnen (wie 90% der Menschen hierzulande. Anmerkung der Schreiberin). Er sei 2 Monate zu früh zur Welt gekommen und hätte lange Zeit in einem Brutkasten verbracht. Man habe ihm da einen künstlichen Darmausgang gelegt gehabt. Ein Künstlicher Darmausgang wird in der Fachsprache, sofern Wikipedia recht hat, Enterostoma genannt. Daran habe er natürlich keine Erinnerung mehr. Aber er stelle sich das als sehr unangenehm vor, denn die Exkremente würden dann ja durch einen Schlauch im Bauch ausgeschieden werden...
Eure werte, geduldige und noch immer freundliche Erzählerin sass da und dachte sich nur, das ist jetzt nicht sein Ernst?! Jedenfalls bin ich dank dieser Ausführung zum Titel dieses Blogs gekommen: Enterostoma. Danach verfügte er sich nochmals gen "Züri-WC". Als er wieder kam, meinte er, ob wir mal was Essen gehen wollen. Er war allerdings immer noch bei seinem letzten Bier. Ich meinte, er müsse nur endlich sein Bier exen (meine Ungeduld rühre daher, dass ich bestimmt gefühlte 30 Liter Bier in mir trug und nicht dieses ekelhafte "Züri-WC" benutzen wollte. Ich wollte die sauberen Toiletten des Fedis aufsuchen). "Ja wir können ja schonmal zum HB gehen."
Wir standen auf. Er war schon im Begriff zu gehen. Ich griff nach 3 leeren Bierdosen. Meinen. Er schaute mich verdutzt an und meinte dann, "Ah ja. Die sollten wir schon noch entsorgen, was?".
"Ich möchte es meinen!"
Also gingen wir zum HB. Zum Fedi.

Am HB: Federal - Des Schämens zweiter Teil
Ich halte inne. Ich überlege mir, ob ich das wirklich schreiben soll, was ich schreiben möchte... Ja, ich werde es tun...
Wir passierten den ersten Mülleimer und standen dann vor dem Fedi. Vor dem Fedi gibt es Tische. Die waren besetzt. Menschen starrten uns an. Denn, wir standen einfach da. Er wollte schon reingehen und ich sagte, er könne bestimmt nicht mit einem Bier in der Hand ins Fedi rein. "Ah ja, hahaha das wäre nicht so gut. Er nahm noch einen Schluck und sagte "Einen Moment noch" nahm dann noch einen Schluck und das Feldschlössli Alkoholfrei war leer. Juhu. Ich deutete auf den nächsten Mülleimer und sagte "Chöbu?" (Mülleimer, Abfalleimer). Er trottete frisch fröhlich zum Abfalleimer und ich ging schon mal ins Fedi - einfach damit ich mich den Blicken der Sitzenden entziehen konnte und weil mir warten zuwider war. Beim Eingang kam mir grad ein Typ entgegen, der mir den Vortritt liess und ganz nett "Sali" sagte. Wieso war der nicht mein Date?
Irgendwann kam dann mein Date ins Fedi getrottet und stellte mit seiner sagenumwobenen Auffassungsgabe fest, "Oh, alles reserviert."
Ich ignorierte das und ging zielstrebig zu meinem neuen Stammplatz. Er dackelte mir fröhlich hinterher. Beim Platz angekommen, suchte er nach einer Speisekarte. Ich ging zur Servicekraft, wegen eines Jetons für die Toiletten. Er folgte mir zur Servicekraft. Also sagte ich "Pipibox" und weg war ich. Es war eine wahre Erleichterung jene oben erwähnten gefühlten 30 Liter loszuwerden.
Dann schaute ich kurz auf Insta, wo mir eine Freundin schrieb und fragte, wo ich denn jetzt sei. Sie hatte meine Instastory mit dem Schwan gesehen gehabt. Ich schrieb, ich sei im Fedi, gefangen in einem Date, ging dann zurück nach oben, wo Enterostoma vor dem Regal mit den Flyern stand und irgendwas von keine Speisekarte murmelte. Ich ignorierte ihn und ging zielstrebig an meinen neuen Stammtisch zurück. Er folgte mir.
Wir sassen dann eine Weile da und unterhielten uns über sein Studium. Irgendwann meinte er, er gehe jetzt mal Essen bestellen. Danke.
Wir unterhielten uns weiter und ich erfuhr, dass er Appleprodukten gar nichts abgewinnen könne. Demonstrativ streichelte ich mein vor mir liegendes iPhone und redete ihm (also dem iPhone) gut zu "Hör nicht auf ihn. Denn er weiss nicht, was er sagt." Dann sagte ich ihm, dass nichts über die Liebe, die man für ein iPhone empfinden kann, hinausgehen würde. Ok, die Liebe zu einer B747 oder einer Antonov vielleicht noch, aber damit hat sichs. Irritiert starrte er mich an, denn er wusste nicht, ob dies mein Ernst war.
Ausserdem kratzte er sich auch da immer mal wieder. Nicht nur an Kopf. Auch mal am Bauch. Am Rücken. An der Seite. Und ich begann mich zu fragen, ob mein Gegenüber, eventuell mit einem Virus infiziert, Patient X war? Na super! Ich date Patient X...

Kein WG-Typ
Während dem wir unsere Pommes assen, was er als "schnabulieren" zu betiteln pflegt (was mich wahnsinnig macht), erzählte er mir eine Story aus seinem WG-Dasein. Er habe abgewaschen und die weisse Abwaschbürste sei dann rot gewesen. Dann haben seine Mitbewohner ein Foto von der roten Bürste gemacht, diese dann gewaschen und dann ein Foto von der wieder weissen Bürste gemacht und ihm geschickt. Ähm, sie haben recht. Aber das ist meine Meinung.
Einmal hätten sie ihn dumm angemacht, weil er mit einem Schwamm den Abwasch getätigt hatte. Der habe zu viele Bakterien aber beide hätten mit ihren iPhones (und wie abwertend er "iPhones" sagte) auf dem Klo gesessen, so von wegen Bakterien. iPhones wären riesige Bakterienschleudern. Daraufhin nahm ich mein iPhone in die Hand, strich liebevoll darüber und redete ihm (iPhone) gut zu "Hör nicht auf ihn, meine geliebte Bakterienschleuder. Er weiss nicht, was er sagt." 😂 Wieder starrte er mich entgeistert an haha.


Die Starbucks-Kontroverse
Bereits per WhatsApp teilte er mir ja einst mit, was er von Starbucks hält. Er selbst war noch nie in einem Starbucks, konnte mir aber sagen, dass der Kaffee scheusslich schmeckt. Aham. Woher will er das wissen? Ganz ehrlich? Solche Menschen kotzen mich an! Sie haben irgendwann mal irgendwo von irgendwem gehört, dass der Kaffee bei Starbucks nicht schmeckt und geben das weiter. Ich selbst besitze ja eine Goldcard von dem amerikanischen Kaffeegiganten. Allerdings auch nur noch solange, bis mein Guthaben aufgebraucht ist, denn seit Starbucks zu Nestlé gehört, will ich diesen Verein nicht mehr unterstützen. Der Kaffee bei Starbucks ist besser, als dieses Spülwasser, welches Nespressokapseln hergeben. Aber lassen wir das. Nespresso kann man nicht trinken und verkauft sich nur, weil George Clooney sich dafür prostituiert hat. (Ich habe eben meine Apple Magic Mouse I gegen die Wand geschmissen, weil sie nicht mehr funktioniert hat. Sie ist zersprungen. Nun funktioniert das Wischen wieder, aber scrollen geht nicht mehr. Habe mir eben die Magic Mouse II bestellt. Hoffe, sie kommt am Dienstag.). Er schickte mir ja per WA mal einen Link zu einer Starbucks-Doku. In dieser Doku war nichts Neues. Man weiss, das Starbucks seine Mitarbeiter und die Kaffeebauern ausbeutet. Enterostoma meinte, sowas dürfe man nicht unterstützen! Es sei schlimm, was die mit den Kaffeebauern machen würden! Aham... und mit den Mitarbeitern? Ah ja... Enterostoma hat noch NIE im Dienstleistungssektor gearbeitet und somit keine Ahnung, was es heisst, täglich Kunden BEDIENEN zu müssen. Aber lassen wir auch das mal.
Enterostoma diniert bei McDonalds. Vielleicht so 2-3x im Monat, laut seiner Aussage. Als ich fragte, wie er Starbucks boikottieren, aber McDonalds unterstützen könne, meinte er nur, dass er den Fleischkonsum ja bereits einschränke. Und er fände es toll, das ich vegan lebe. Aha. Ja man könne nicht von heute auf morgen aufhören. Das sei wie mit dem Rauchen. Enterostoma raucht im Ausgang. Gruppenzwang? Er wisse, dass es schädlich sei, aber man komme nunmal nicht von heute auf morgen davon los. Ich kam mit meiner Standartantwort, dass ich das nicht nachvollziehen könne. Denn schliesslich bin ich keine Süchtige. "Aber nochmals zurück zu McDonalds. Warum genau unterstützt Du einen Betrieb, der die Angestellten, wie auch die Geschäftspartner in gleichem und gar noch schlimmerem Masse ausbeutet, als Starbucks?" "Das Essen schmeckt gut und die beuten ja keine Kaffeebauern aus."
"McDonalds züchtet Kartoffeln der selben Grösse. Ist eine Kartoffel zu klein oder zu gross, wird sie weggeschmissen. Vom Tierleid fange ich jetzt gar nicht erst an, und auch nicht davon, wie sie ihre Mitarbeiter behandeln."
"Aham..."
Solche Menschen nerven mich...
Das erinnert mich an den Typen, der mich in Solothurn belästigt hatte und meinte ich hätte keine Ahnung von Umwelt und so und mich ein VITTEL trinkend sensibilisieren wollte. Als ich ihn darauf hinwies, dass VITTEL Nestlé gehöre und man das nicht unterstützen sollte, wurde er ganz still. Ich hasse solche Menschen... Minusmenschen.

Abschied
Beide Pommes und mein 5cl Mineral hatte ich bezahlt. Er wollte mir eine Zehnernote geben. Ich verneinte testend. Ohne zu insistieren steckte er den Zehner wieder ein. Gut.
Im Stechschritt gingen wir gen Gleis 31. Also ich musste zur 31 und er zur Sihlpost. Ich verabschiedete mich im Gehen und meinte "Wir schreiben.", er stand da in der Halle des HBs mit ausgestreckten Armen, als wäre er der verdammte Jesus am Kreuz und meinte tatsächlich ich würde ihn noch umarmen und meinen Zug verpassen. Er schrie mir noch hinterher "Komm gut nach hause". Ich eilte die Treppe runter und sowie ich im Zug war, gingen die Türen hinter mir zu und der Zug fuhr ab.

Fazit
Ja, was soll ich sagen... Wieso sagen solche Typen nicht einfach, dass sie ein Hemd sind? Somit könnte man sich die Zeit des Dates sparen. Hätte er erwähnt gehabt "Ach übrigens, ich bin ein Hemd mit ADHS und kann nicht still sitzen. Ausserdem bin ich spindeldürr und irgendwie merkwürdig aber total nett." hätte man sich das Date sparen können. Ich bin sauer!
Ich finde, es sollte eine Deklarationspflicht eingeführt werden...
Ja das wars auf jedenfall...
Mein Problem? Ich habe ein Ticket fürs CROSSFAITH Ende September in Zürich im Dynamo. Er wird auch da sein. Nun überlege ich mir, ob ich eventuell zuhause bleiben sollte... Aber Crossfaith sind schon stark...