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Samstag, 3. August 2019

Die Grausamkeiten des Germanen B.


Eine Tat so abscheulich, dass ich all die Jahre darüber geschwiegen habe. Nie habe ich jemandem gegenüber mein Schweigen gebrochen. Niemals. Bis zu heutigen Tag.
Es gibt an der Zahl viele Grausamkeiten des Germanen B. Doch sie alle zu nennen würde den Rahmen einer Eintragung hier sprengen. Es liesse sich jedoch ein Fortsetzungswerk darüber verfassen.

Wir schrieben das Jahr 2011.
Ich arbeitete als Chef de Rang in einem Fünfsternehotel. Einem jener versnobten Häuser den "Leading Hotels of the World" angehörend, welche in der Sparte "Luxushotels" aufgeführt stehen. Versnobte Häuser ziehen gleichermassen versnobte Gäste an. Der Glauben an die Menschheit erlischt. Freundlichkeit existiert nicht. Weder von den Vorgesetzten, noch von den Gästen. Als Angestellte ist man nichts. Ein Nichts. Nichts wert. Man lebt, um zu dienen und hat eigentlich gar keine Existenzberechtigung.
Ich war gezwungen mir in diesem heruntergekommenen Personalhaus ein Zimmer mit einer anderen Angestellten zu teilen. Diese sprach da nur Portugiesisch und zählte zu den Room-Attendants, mit denen nicht gesprochen werden durfte. Dies hatte hierarchische Gründe. Rezeption stand über dem Service. Der Service über dem Hauskeeping.

Meine freien Tage verbrachte ich bei meinem damaligen Freund, dem Germanen B, einem der scheusslichsten Menschen, die je meine Wege kreuzten.
An jenem Tag, über dessen Geschehnisse ich erst heute zu schreiben in der Lage bin, war er nicht zuhause, als ich die Wohnung betrat. Er war auf Arbeit. Er arbeitete in der Küche und hatte täglich Teildienst. Sprich, er war noch in der Küche des Hotels beschäftigt.
Da er noch immer von Pulverkaffee lebte, verliess ich die Wohnung wieder, um mir in der Bäckerei zwei Häuser weiter einen Kaffee zu holen.
Er wusste nicht, dass ich in seiner Wohnung war. Es hatte eine Überraschung sein sollten.
Zurück in der Wohnung nahm ich den Staubsauger zur Hand und begann, die Wohnung zu putzen. Die es wahrlich nötig hatte. Offenbar hatte er mal wieder seit zwei Wochen nicht saubergemacht. Immerhin rotierte die Trommel der im Badezimmer befindlichen Waschmaschine. Immerhin wusch er seine Wäsche.
Da der Germane B. den Teil seines Gehalts, das nicht für die Fixkosten draufging, in Bier und Zigaretten investierte, war seine Wohnung minimalistisch eingerichtet. Noch nicht mal Boxen hatte er, an denen ich mein iPhone hätte anschliessen können. Keine Musik. Er besass einen dieser mächtigen Röhrenfernseher - jedoch ohne Sender. Angeschlossen war ein DVD-Player. Um ein bisschen Unterhaltung zu haben, griff ich nach einer DVD, legte sie ein und schaltete den Fernseher ein. Masters of Horror "Pick me up".
Während der Film lief, schrubbte ich das Emaille der kleinen Kochnische. Eine Fläche von 1,5m Länge und 60cm Tiefe. Das wäre doch wirklich sauber zu halten!
Ein schriller Ton durchdrang den Raum. Die Waschmaschine verkündete, dass sie ihre Arbeit getan hatte. Ich ging also ins Badezimmer, kniete mich vor der Maschine auf den Boden und begann die Wäsche herauszuholen. Ich griff in etwas, das sich wie Haare anfühlte und so voller Wasser gesogen war, dass es richtig schwer war. Hatte er einen neuen Teppich? Schulterzuckend lud ich alles in den Wäschekorb, den ich dann ins Wohnzimmer trug. Dort klappte ich den Wäscheständer aus und begann damit, die Wäsche aufzuhängen. Einen Wäschetrockner besass er ja nicht.
Da war dieses eine T-Shirt, das ich hasste. Es hatte unzählige Löcher drin. Damit sah er aus wie ein Penner. Er fand es "cool". Würde seinen einzigartigen Style unterstreichen. Ja, seinen einzigartigen Pennerstyle vielleicht. Am liebsten hätte ich es weggeschmissen, aber das hätte nur wieder zu einem heftigen Streit geführt. Also hängte ich es über den Ständer. Ohne zu schauen, griff ich wieder in den Wäschekorb und holte eine Jeans raus, die jedoch noch nicht sauber war. Egal. Ich hängte sie auf. Dann griff meine Hand nach dem neuen haarigen Teppich. Als ich ihn auseinander falten wollte, bemerkte ich, dass es nicht ging. Ich schaute auf das Bündel in meinen Händen. Ein Schrei schoss durch die Wohnung. Er kam aus dem Fernseher. Ich liess das Bündel fallen. Taumelte ungläubig rückwärts und fiel hin. Was da so durchnässt vor mir auf dem Boden lag war nichts anderes als eine tote Katze. Der Germane B. besass keine Katze. Wie zur Hölle also kam die in die Waschmaschine. Er hasste Katzen. Vor zwei Wochen hatte die süsse alte Nachbarin geklingelt und gefragt, ob wir ihren Kater gesehen hätten. Er sei verschwunden. Wir verneinten und hinterher fluchte er wieder über die Existenz von Katzen.
Konnte es denn wirklich sein, dass er eine Katze absichtlich ertränkt hatte?
Ungläubig rappelte ich mich auf und ging zum Tiefkühlfach. Ich brauchte jetzt einen Schluck Vodka. Der Tiefkühler hatte 3 Schubladen. Die Unterste, in der für gewöhnlich der Vodka lag, liess sich erst nicht öffnen. Etwas schien zu blockieren. Ich zerrte daran und als die Schublade dann endlich aufsprang, rannte ich ins Bad und übergab mich.
Ich rannte zurück ins Wohnzimmer, schmiss seine Kleidung samt toter Katze in den Wäschekorb, den ich dann wieder in die Waschmaschine entleerte. Den Wäscheständer klappte ich wieder zusammen und stellte ihn in die Ecke, aus der ich ihn zuvor geholt hatte. Ich legte die DVD wieder in die Hülle und stellte sie zurück ins Regal. Ich wischte die Pfütze vom Boden auf und näherte mich dem Tiefkühlfach. Ich schaute nochmals die toten und gehäuteten Katzenleichen an, die tiefgefroren darin lagen. Dann knallte ich die Schublade zu und die Tür auch gleich.
Ich riss die Wohnungstür auf, schloss ab und rannte über einen Umweg zum Bahnhof. Er durfte nicht erfahren, dass ich in seiner Wohnung gewesen war. Er durfte mich nicht sehen.

Nie hat er erfahren, dass ich um dieses Geheimnis wusste.


Samstag, 11. August 2018

Geständnis einer Lehrerin

Seid gegrüsst, oh meine Leser

Mir ist die Tatsache bewusst, dass bereits wieder viel Zeit verstrichen ist, seit ich hier etwas Neues geschrieben habe. Wieso, möchtet Ihr nun bestimmt wissen. Nun, es gab da nichts. Nichts, was interessant genug gewesen wäre, um hier erwähnt zu werden... Und um mit ehemaligen Arbeitgebern abzurechnen, dafür fehlte mir der Groll.
Aber letzte Woche hat sich etwas ereignet... Ich muss Geständnis ablegen. Aber nur hier. Nicht bei der Polizei. Nicht bei den Angehörigen. Nicht bei den Behörden.
Ich habe getötet. Ich habe gemordet. Ich habe Lebenslichter ausgelöscht. Haha sind wir ehrlich. Jeder von uns hat gewusst, dass es nur eine Frage der Zeit sein wird, ehe ich endlich Menschen töten werde. Meine verkommene Seele ist geradezu geschaffen dafür!

Ehe ich zu den Ereignissen des Tatabends komme (was absolut bescheuert klingt. Hätte ich ein paar Stunden gewartet, hätte ich Tatnacht schreiben können), noch kurz ein paar Dinge vorweg.

Also erstens krabbelt eine Assel auf mich zu. Ich weiss nicht, ob ich mein Zeug packen und panisch kreischend in meine Stube rennen soll. zweitens hat sich eine Wespe zu mir gesellt. Aktuell krabbelt sie an der leeren Braufrischdose hoch. Solange sie da bleibt, ist alles gut. Von der Wespe abgelenkt, habe ich die Assel ausser Acht gelassen und nun ist ihre Position nicht mehr auszumachen. Scheisse.

Wir erinnern uns an die Zeit, als selbst ich, Nara M. jung war und die hiesige Kirche besuchen musste, um eine bescheuerte Stempelkarte voll zu bekommen, die der Einlass zur Konfirmation war. Wieso haben wir uns konfirmieren lassen? Es gab Geld. Haha Schweizer. Kapitalismus anstelle eines Schnullers mit in die Wiege gelegt bekommen. Allah, was sind wir doch für ein verkommenes Volk! (Na? Seid Ihr auch alle schön irritiert, dass ich anstelle von "Gott" "Allah" geschrieben habe? haha gut so!)
Jedenfalls sagte mir ja damals einer dieser Schnorris der hiesigen Kirche, ich behaupte noch heute, dass diese Gruppierung einer Sekte gleichkommt, meine Seele stehe an einem Abgrund. Dies, weil ich Horrifilme- und Literatur konsumiert hatte, wie andere Kaffee. Die Seele sei ein Abfalleimer und der sei irgendwann voll. Und bei mir dauere es nicht mehr lange, ehe dieser voll ist und die dunkle Seite Besitz meiner Seele ergreifen würde. Mit der dunklen Seite war natürlich Belzebub aka Satan gemeint. Erzengel Gabriel. Ganz ehrlich? Wenn Gabriel so war, wie von Christopher Walken in God's Army verkörpert, habe ich nichts gegen seinen Besuch einzuwenden.
Jedenfalls sollte es noch weitere 15 Jahre dauern, ehe ich die Kontrolle über mich verlieren und endlich morden sollte.
Also ich für meinen Teil, bewundere mich für meine Ausdauer. Schliesslich hatte ich diesen Drang immer in mir und konnte ihn unterdrücken. Zumindest bis zur letzten Woche...

Also, angefangen hatte alles ganz harmlos. Die Kameras zeigten eine grüne Wiese. Einen Hund, der sich im Gras wälzte und eine fröhliche intakte Familie. Das wäre zumindest so gewesen, lebten wir in einem Horrorfilm. Aber das wahre Leben ist ganz anders.
Grünes Gras gibt es aktuell nicht. Durch die grosse Hitzewelle 2018 war alles braun, verdorrt und tot. Ich sass im Lehrerzimmer und unterhielt mich mit zwei Lehrerkollegen. Einer von ihnen ist ebenso sarkastisch und zynisch wie Eure werte Mörderin... uiuiui... Erzählerin. Die andere weniger.
Wir machten Spässe und tauschten uns darüber aus, dass man manchmal einfach keine Geduld mehr hat und ausrasten möchte. Ich meinte dann mit der trockenen und nüchternen Stimme Muldoons in Jurassic Park "Man sollte sie alle töten.". Der zynische Lehrer lachte Tränen, kannte er doch den Film. Die Lehrerin sah mich entsetzten Asudruckes an. Als hätte sie gewusst, dass dieser Spruch bald schon Realität werden würde. Wir sponnen den Gedanken weiter und meinten, Lehrer wäre die perfekte Begebenheit für einen Massenmörder. Einfach ist Zimmer kommen, alle umbringen, Geld kassieren und dann bei der nächsten Klasse genau das gleiche.
Nein, meine getreuen Leser. Es ist nicht meine Klasse, die ich getötet habe. Obschon ich mir heute, wenn ich so zurückblicke wünschte, ich hätte die eine Frau dem Sensenmann übergeben. Die eine, deren Parfüm mich beinahe kotzen lässt - so süss ist es. So etwas sollte verboten werden.

Wie dem auch sei. Ich war in der Schule und unterhielt mich mit einem der Chefs. Wieso sind Chefs immer so uneinsichtig? Jedenfalls ging es darum, dass die Lehrer immer mehr Arbeiten übernehmen sollten und dies natürlich unbezahlt. Denn die Haltung der Schule ist wahrhaftig die, dass die Mitarbeiter kostenlos arbeiten sollen. Da ich natürlich anderer Meinung bin, wurde unsere anfänglich friedliche Unterhaltung zunehmends hitziger. Als er dann vom Stuhl aufsprang und mir dergestalt ins Gesicht brüllte, sodass meine Haare nach hinten flogen, dass ich die längste Zeit Lehrerin gewesen sei, da ich kein bisschen Einsatz für die Schule zeigen würde, war es einfach genug! Ich fragte ihn ganz ruhig, ob das nun sein Ernst sei. Er entlasse mich, weil ich nicht gratis arbeiten wolle. Er brüllte mir alles mögliche entgegen. Das konnte ich nicht zulassen, schliesslich bin ich eine der Besten. Noch immer war ich ganz ruhig. Das war der Moment, in dem ich selbst feststellen musste, dass ich eine Psychopathin bin. Ich fragte ihn, mit einem Lächeln im Gesicht, ob das nun sein letztes Wort gewesen sei. Er brüllte mir ein Ja entgegen und marschierte zur Tür. Ich griff zur Schreibmaschine, die auf dem Tisch stand. Es handelte sich um eine alte Royal 10. haha ganz genau! Das gleiche Modell, dass Paul Sheldon in Misery verwendet. Nur dass, bei dieser hier das N noch nicht fehlen sollte. Wie dem auch sie, ich griff zur Schreibmaschine und schlug sie meinem Chef auf den Hinterkopf. Als er sich zusammensackend der Gravitation hingab, glotzte er mich mit weit aufgerissenen Augen an. Sein Blick sagte mir, dass sein Gehirn noch nicht verarbeitet hatte, was mit ihm geschah. Saudämlich glotzte er mich offenen Mundes an. Ich schlug nochmals zu und nochmals und nochmals. Wie oft ich die Royal 10 auf seinen Schädel habe runtersausen lassen, weiss ich nicht mehr. Jedenfalls muss es oft gewesen sein. Sein Gesicht war nicht mehr zu erkennen. Gehirnmasse klebte an der petrolfarbenen Wand. Scheisse.... Ich hätte die Wände mit Zeitung oder Plastikfolie abdecken sollen. Habt Ihr eine Ahnung, wie lange es dauert, Blut von Wänden abzuwaschen und Gehirnmasse abzukratzen??? Ausserdem spritzte sein verdammtes Gehirn auf den Sichtbeton, den zu bekleben uns ja verboten war. Der Sichtbeton musste belassen werden, wie er war. Ja super!
Nachdem ich diesen gottverdammten Leichnam in zerteilt hatte, begann ich damit die Wände, Tische und Stühle zu schrubben. Wir hatten nicht einmal ein Hackebeil! Einzig ein Brotmesser. Ja richtig. Ich war gezwungen, diesen Wichser mit einem Brotmesser zu zerteilen! Ihr könnt Euch ja sicherlich denken, dass das eine ganze Weile gedauert hat. Das war mir jedenfalls eine Lehre. Ich habe mir ein Hackebeil gekauft, welches ich nun stets in meiner Handtasche herumtrage. Man weiss ja nie, wann man den Nächsten töten muss.
Die ganze verdammte Nacht lang hatte ich damit zugebracht, die Wände zu säubern. Der verdammte Sichtbeton (Tenshi, Dési. Dä Siech esch Euch gwedmet!) ist nun wieder sauber. So auch die Wände. Die Tür. Die Tische. Die Stühle. Den Chef habe ich entsorgt. ^_^
Mit unserer Schule dürfte es nun bergauf gehen. Und was haben wir von Edward Furlong (was war ich als Teenie in ihn verliebt... also in den Terminator 2 und Friedhof der Kuscheltiere 2 und American History X Furlong) in American History X gelernt? Man soll immer einen starken Abgang hinlegen und wenn einem selbst keiner einfällt, soll man mit einem Zitat abziehen. Also ich beende dieses Geständnis mit einem Zitat aus American Psycho 2:

"Ich töte für eine bessere Zukunft."

Samstag, 26. November 2016

Das Schweizer Messer



Bei der Wahl eines adäquaten Titels, dachte ich mir,  ich könnte einen wählen, der so gar nichts mit dieser freundlichen Geschichte am Hut hat - so wie der Heyne Verlag das bei den Büchern Richard Laymons zu machen pflegt.
Zu Ehren Vitali Kaloyevs steht nun eine mögliche Mordwaffe im Titel. Wo die Geschichte jedoch hinführt, dies werden wir noch sehen...

Die Boeing 747-406 mit dem Namen City of Seoul der holländischen KLM stand geduldig am Gate und wartete darauf, die nächsten Passagiere beherbergen zu dürfen. Einer der 197 Economy-Sitzplätze sollte Bob gehören. Bob hatte von einem seiner Angestellten gehört, dass der stabilste Teil eines Flugzeugs die Mitte sei. Direkt bei den Tragflächen. Zwar grämten ihn die CHF 45.- Gebühren, um einen Sitzplatz wählen zu können, jedoch hing er an seinem Leben und so entschied er sich für Platz 37K. Direkt über den Tragflächen am Fenster. Aber wir greifen etwas vor...

Bob Lazina, der bei seinen Angestellten unter den Namen Lazy Bob, der fette Bob oder auch nur Blob, bekannt war, hatte endlich mal wieder Urlaub von seinen lästigen Angestellte, die ihn und die Unternehmung nur Geld kosteten und wollte es sich gut gehen lassen. Allerdings hatte er keine Ahnung, wohin er verreisen sollte und parkierte seinen voluminösen Hintern daher auf den Schreibtischen diverser Angestellter, um nach einem angenehmen Ferienort zu fragen und sie von ihrer Arbeit abzuhalten. Karibik, USA, Thailand, Japan, China, Singapur... etc.
Dolores empfahl ihm einen Aufenthalt in Kyoto, Japan und meinte, er solle den Flug bei der KLM buchen, weil die noch einen erstklassigen Service bieten würden. Japan interessierte Bob gar nicht, aber als er von den Onsen genannten Thermalbädern gelesen hatte, in die man sich nackt setzte, buchte er sich kurzerhand einen Flug nach Japan und ein Hotel in Hakone, dem Ort fürs Nacktbaden.

Bob Lazina reihte sich fluchend hinter den Wartenden vor dem Security Check des Zürcher Flughafens ein. Wieso ein Mann von seinem Format mit solch einem Pöbel warten musste, konnte er nicht nachvollziehen. Als er endlich heran gewinkt wurde, fluchte er die sogenannten Bodychecker an, weshalb sie so langsam arbeiten würden. Wäre er ihr Boss, hätte er sie längst alle gefeuert. Annie, die seit 10 Jahren in diesem Beruf arbeitete, kannte solche Aufschneider und blieb daher unbeeindruckt, was Bob noch mehr in Rage versetzte. Widerwillig entledigte er sich seines Gürtels, der Geldbörse uns seines Palm. Ja richtig gelesen. Bob war einer der wenigen Menschen, die im Jahr 2016 noch ein Palm benutzten. Seine Rolex wollte er jedoch anbehalten, schliesslich könnte die ja abhanden kommen und so dauerte die Abfertigung des grossen Bob Lazina gute 10 Minuten...

Der Flug von Zürich nach Schiphol verlief ohne grosse Probleme, ausser dem Einen. Der Sitz war etwas zu schmal, als dass der voluminöse Bob darin Platz gefunden hätte. Sein Fett schwabbte auf den Nachbarsitz, wo sich ein dünnes Mädchen ans Fenster quetschte, um bloss nicht von ihm berührt zu werden.

Beim Security Check in Amsterdam fluchte Bob erneut. Weshalb er nochmals kontrolliert würde?! Schliesslich hätten die Schweizer das schon gemacht und diese würden bestimmt einen besseren Job machen, als die Holländer oder irgendwelche Inder, die in Holland lebten und ihm seine Rolex abknüpfen wollten. Der Inder, blieb unbeeindruckt. Zum Einen, weil Bob nicht der einzige Mensch mit zu grossem Ego war und zum Anderen, weil er ihn kaum verstehen konnte. Bob's Englischkenntnisse liessen zu wünschen übrig. Besonders die Aussprache.

Beim Boarding drängelte er sich vor, weil es einfach nicht schnell genug voran ging. Endlich parkierte er seinen gewaltigen Arsch auf Sitz 73K der B747-Combi. Als sich eine Frau mit einem schreienden Baby in die Reihe hinter Bob setzte, platzte ihm endgültig der Kragen. Erst fauchte er die Frau an, dann die Flight Attendant. Die Economy war ausgebucht und so bekam die Frau mit ihrem Baby einen Sitz in der Economy-Comfort, wo kein Passagier etwas sagte, die Blicke jedoch Bände sprachen. Glücklich war man nicht...
Bob schäumte vor Wut, weil dieses Weibsstück ein Upgrade erhalten hatte. Vielleicht würde er künftig doch First Class fliegen, wobei das zu teuer war...

Der Start verlief ohne Schwierigkeiten, doch während Bob im kleinen Bildschirm "A Walk in the Woods" schaute, schreckte er aufgrund eines seltsam mechanischen Geräuschs zusammen. Er blickte aus dem Fenster, konnte aber ausser Rauch nichts erkennen. RAUCH! Bob brüllte nach einer der Flight Attendants. Diese versuchte ihn zu beruhigen. Der Pilot habe alles im Griff. Kaum hatte sie ihren Satz beendet, ertönte die Stimme des Piloten aus dem Lautsprecher. Triebwerk 3 funktionierte nicht mehr richtig und wurde abgeschaltet. Bob brach in Panik aus. Sein Sitznachbar, ein Aviatikstudent, versuchte ihn zu beruhigen, in dem er ihm erklärte, dass der Ausfall von einem Triebwerk kein Problem darstelle.
Eine Stunde später hörte Bob erneut diese seltsamen mechanischen Geräusche. Er schaute aus dem Fenster uns sah in der Dunkelheit der Nacht gerade noch die Flammen, die vom defekten Triebwerk zur Tragfläche hoch züngelten. Es gab einen lauten Knall und just in dem Moment, in dem Bob losbrüllen wollte, verspürte er einen stechenden Schmerz in seiner Flanke. Er blickte nach unten und sah ein Loch in der Wand unterhalb des Fensters. Er sah Blutspritzer und realisierte, dass ein Teil des Triebwerks order der ausgefransten Tragfläche in seiner Seite steckte. Mit dem Realisieren seiner Verletzung kam der Schmerz. Unvorstellbare Qualen. Die Passagiere, die in seinem Umkreis gesessen hatte, waren auf die andere Seite der Maschine geflohen. Bob war allein. Ihm wurde warm und immer wärmer. Durch die Fensterscheibe konnte er die direkt davor tanzenden Flammen sehen. Auf seiner Haut bildeten sich Blasen. Bob schrie und brüllte aus Leibeskräften. Ihm wurde bewusst, er würde verbrennen. Ein weiterer Knall und weitere Metallteile schossen durch die Wand der Boeing 747. Bob wurde durchlöchert. Er verlor sein rechtes Bein, unterhalb des Knies. Das heisst, der Rest des Unterschenkels baumelte an ein paar Sehnen. Bob's rechte Gesichtshälfte schmolz dahin, vergleichbar mit dem Käse auf einer Pizza, und wurde allmählich schwarz. Seine rechte Körperhälfte war mit Brandblasen übersät und drohte ebenfalls schmelzen. Aus Bob's schreien wurde ein Gurgeln. Das Triebwerk wurde abgestellt. Da ertönte die Stimme des Piloten "Passengers, brace for impact."

Jene Passagiere, die auf die andere Seite des Flugzeugs geflohen waren, suchten nach freien Plätzen und hielten sich fest, wo sie nur konnten.
Die Airtrafficcontroller im Tower des Flughafens Moskau-Domodedowo hatten Sichtkontakt zur B747, die sich im Landeanflug befand. Schwarzer Rauch war zu sehen. Die Boeing sank immer tiefer und sämtliche Augenzeugen hielten den Atem an und ihre Kameras bereit. Die Flughafenfeuerwehr war bereit, ein Inferno zu beseitigen.
Der Kapitän setzte mit der City of Seoul sicher auf der Landebahn auf und brachte sie zum stehen. Auf der linken Seite der Maschine wurden die Türen geöffnet und die Notrutschen heruntergelassen. Die Passagiere wurden evakuiert.
Bei der Landung wurden 34 Menschen leicht verletzt. Die weiteren 177 Passagiere kamen unbeschadet davon und so auch die Besatzungsmitglieder.

Das brennende Triebwerk wurde gelöscht. Zwei Männer der Flughafenfeuerwehr betraten die Kabine und fanden einen stark verkohlten Passagier. Sie glaubten ihn tot, bis dieser ein Röcheln von sich gab. Bob wurde aus seinem Sitz gehoben und ins nächste Krankenhaus befördert, wo er unter starken Schmerzen in einem 4-er Zimmer liegt. Ja liegt. Bob Lazina hat Berühmtheit erlangt, als der Mann, der als einziger ernsthafte Verletzungen davongetragen und mit derart starken Verbrennungen überlebt hat. Die Ärzte sagen, es sei ein Wunder, dass er seinen Verletzungen nicht erlegen ist und sie würden alles Mögliche tun, damit er durchkommt.
Bob Lazina wünscht sich wohl, er wäre gestorben... Denn auch wenn er überleben sollte, was die Meisten ausschliessen, wird er für den Rest seines Lebens bewegungsunfähig bleiben und auf starke Medikamente angewiesen sein.

Gestern war ein Bericht über ihn in den Nachrichten. Ein Reporterteam wollte ihn interviewen. Bob Lazina's "Worte" waren lediglich ein blubbern. Er wird nie wieder sprechen können...

In dem Sinne: alles Gute Bob...




Sonntag, 23. Oktober 2016

Stalker - Einleitung Variante A

STALKER

Juli 1997

Die Tür stand einen spalt weit offen. Hatte sie nicht abgeschlossen? Möglich wäre es gewesen, denn sie war mal wieder spät dran gewesen am frühen Morgen. Alma stiess die Tür auf, horchte kurz, betrat die Wohnung und schloss die Tür hinter sich. Sie drehte den Schlüssel um. Dies hatte ihre Mutter ihr immer eingeschärft, als sie noch ein kleines Mädchen war und dies hatte sie beibehalten. Es war ein automatischer Prozess, genauso wie etwa das Atmen. Sie nahm den Schlüssel von der Tür, da ihre Mutter ihr eingeschärft hatte, falls etwas passiere, sie zB in der Dusche ausrutsche, könne niemand in die Wohnung rein. Neben der Tür hatte sie eines dieser typischen Schlüsselbretter hängen, welches die Kontur eines Schlüssels hatte. Alma konnte nicht ahnen, dass sie den Schlüssel zum letzten Mal an den Nagel des Brettes hängen würde.


Sie stellte ihre Tasche auf den kleinen Beistelltisch, ging vorbei an ihrem Schlafzimmer, nahm in den Augenwinkeln etwas wahr, was sonst nicht da war, und steuerte irritiert direkt in die Küche. Auf dem Esstisch stand ein halb leeres Wasserglas. Sie konnte sich nicht erinnern, am Morgen Wasser getrunken zu haben. Kaffee, ja. Aber Wasser? Mit einem Schulterzucken nahm sie das Glas vom Tisch und stellte es in die Spüle, in der Chipskrümel lagen. Sie hatte bestimmt keine Chips gegessen! Nur ihre Mutter besass einen Schlüssel zu ihrer Wohnung. Doch diese wohnte am anderen Ende der Schweiz und ass so etwas nicht. Ein ungutes Gefühl griff sanft nach ihr, kam immer näher und nahm sie schliesslich ganz für sich ein. Erst jetzt, erinnerte sie sich ans Schlafzimmer. Etwas war nicht wie sonst. Etwas hatte sie irritiert. Was war es? Da war ein Schatten! Alma’s Verstand wollte nicht eingestehen, dass sich jemand in der Wohnung befinden musste. Sie krallte sich an der Spüle fest und überlegte. Der einzige Fluchtweg war die Wohnungstür, doch um diese zu erreichen, musste sie am Schlafzimmer vorbei gehen. Der Balkon! Sie wohnte im 4. Stock und würde sich den Hals brechen spränge sie da runter. 


Alma schlich zur Wohnungstür, wollte die Schlüssel vom Brett nehmen, doch die waren nicht mehr da. Ehe sie sich umdrehen konnte, spürte sie einen heissen Atem im Nacken. Ihr Kopf knallte heftig gegen Tür und hinterliess einen blutigen Abdruck. Alma sackte zu Boden und blickte zu dem riesigen Kerl auf, der mit seiner Faust ausholte und ihr die Nase übers ganze Gesicht schmierte. 


Als Alma wieder zu sich kam, fand sie ihre Hände und Füsse ans Bett gefesselt. Vor ihr sass der Riese auf ihrem hübschen antiken Sessel und grinste. Das letzte, was Alma in ihrem Leben hören sollte, waren die Worte ihres Mörders, als er ihr ins Ohr flüsterte „Du wirst nicht überleben. Und du wirst unter grauenvollen Qualen sterben.“


Kurz vor Morgengrauen war der Riese fertig. Betrachtete die blutigen Überbleibsel, die vor 6 Stunden noch ein Menschen gewesen waren, und sagte „Und Gott sprach, du wirst nicht überleben und unter grausamen Qualen sterben - und er betrachtete sein Werk und sah dass es gut war.“

Donnerstag, 12. Mai 2016

Eine unheimliche Nacht in einem leeren Haus in Tokyo

Oh meine Leser, es ist dem Zufall oder dem Schicksal zu verdanken, dass ich die letzte Nacht überdauert habe. Mein Ableben wäre durchaus möglich gewesen...
Man stelle sich vor, ich wäre tatsächlich dahingesiecht, dann hätte ich nicht über die Ereignisse der letzten Nacht schreiben können und Ihr hättet nie erfahren, was mir zugestossen ist... 

Es kommt ein Sturm

Schon der ganze Tag war recht windig. Was sage ich "recht", war verdammt windig. In der Nacht zuvor, war ich mit dem Metal Dude in Shinjuku etwas trinken. Da es geregnet hat, hatte ich meinen Knirps dabei, welcher auch vonnöten war. Wieder zuhause, habe ich den Knirps aufgespannt und zum trocknen vor der Haustüre gelassen. Wer hätte mit starken Bodenwinden am frühen Morgen gerechnet? Jedenfalls ist mir im Laufe des Nachmittags, da als mir beinahe ein Fenster entgegen geflogen ist, eingefallen "Scheisse! Mein Schirm!". Ein Blick aus dem Badezimmerfenster (und was, liebe Rechtschreibprüfung ist am Wort "Badezimmerfenster" falsch???) bestätigte meine Befürchtung: Mein Schirm war einfach nicht mehr da. Der ist wohl durch halb Sumida geflogen und hat irgendwo sein Ende gefunden. Ein Grund nach Asakusa rüber zu gehen und einen neuen Schirm zu kaufen. Hach ja... Zwei Jahre hat dieser Schirm Regen, Schnee und Wind überdauert und nun ist er einfach nicht mehr da. Ich konnte mich nicht einmal mehr verabschieden v_v 
Der Himmel verdunkelte sich zunehmend und der Wind wurde stärker und stärker. Die Abdeckung der Waschmaschine, die sich im Vorgarten befindet, ist auch davon geflogen. Der Sichtschutz vor dem, Achtung wieder das falsche Wort, Badezimmerfenster, ist erstaunlicherweise noch da. Das ganze Haus bebte und gab seltsame Laute von sich. Knarren und Scharren und Klopfen... 

"Lassen sie mich rein! Ihr seid alle des TODES!!!"

Irgendwann am späten Nachmittag erklang die Türklingel, welche ich erstmals hören durfte. Ich ignorierte den fremden Besucher. Einerseits, erwartete ich keinen Besuch und andererseits befand ich mich im oberen Stock und hätte runter gehen müssen. Wozu? Niemand weiss, dass ich hier wohne. Und mein Vermieter hätte sich via E-Mail angemeldet. Also ignorierten wir die Klingel. 

Am Abend, während der Dämmerung, klingelte es erneut. Ich ignorierte es wieder. Da ich mit einer Freundin via Whatsapp Sprachnachrichten austauschte, berichtete ich ihr davon. Sie meinte auch, sie würde nicht öffnen. Ob ich nicht sehen könne, wer es ist. Nein. Ich müsste auf den Balkon gehen und dann würde mich der Eindringling sehen. Ein Guckloch in der Tür gibt es hier nicht. 
Sie meinte dann, vielleicht ist es jemand von den E-Werken. Ich entgegnete, "Als Mensch, der seine Kindheit und Jugend mit dem Konsum von Filmen zugebracht hat, weiss ich, dass sich Einbrecher, Mörder etc. oftmals als Menschen von E-Werken und co tarnen." Wir lachten. Schliesslich war es ja schon irgendwie witzig. Dann machten wir uns Gedanken darüber, wer es wohl sein könnte und mit welcher Absicht. 
Schliesslich meinte sie, vielleicht möchte mir jemand meinen Schirm zurückbringen? "Ach, den können sie auch über den Zaun schmeissen."

Erinnert Ihr, oh meine geschätzten Leser, Euch an Poltergeist 2? "Reverend" Kane steht vor der Tür der Freelings und will ums verrecken das Haus betreten. "Lassen sie mich rein. Ehe es zu spät ist." Als ihm der Zutritt verweigert wird, schreit er schliesslich "Ihr seid alle des Todes! Des TOOODES!" Ehrlich gesagt, habe ich für einen kurzen Moment mit so etwas gerechnet. Aber Kane interessiert sich wohl wahrlich nur für Carol Ann und nicht für Navi M. Gray. 


Der Eindringling und unheimliche Geräusche aus dem Wandschrank

Draussen war es bereits dunkel. Ich befand mich im zweiten Stock meines Häuschens und war nach wie vor fleissig mit chatten beschäftigt. Einerseits mit meinem Droog via Whatsapp und mit anderen Freunden via LINE und Wechat. Draussen pfiff der Wind durch die nahezu menschenleeren Strassen Tokyos. Es krachte und knallte. Sachen flogen durch die Gegend. Schliesslich begann es noch zu regnen und weit weg war ein Donnern zu vernehmen. Ein richtiges Frühlingsgewitter? Ich machte mir Gedanken zu Blitzableitern bei japanischen Häusern... Wie sicher sind die? HELP!
Schliesslich klingelte es wieder. Ich machte keine Anstalten, die Tür zu öffnen. 
Hier muss ich erwähnen, dass sich die Klingel vor dem Gartentor befindet. Sprich der Besucher steht erstmal nicht direkt vor der Haustür. 

Dann klopfte es mit kräftiger Faust gegen die Haustür. Ich erschrak dergestalt, dass ich mein iPhone fallen lies. Es hämmerte regelrecht dagegen. Draussen heulte der Wind. Der Regen hämmerte an die Fensterscheiben. Und wieder hämmerte eine Faust gegen meine Haustür. Ich schrieb meinem Droog, "In dieser Nacht werde ich sterben. Jemand hämmert an meine Haustür." Das war die letzte Nachricht, die sie von mir erhalten sollte. Danach war der Akku meines portablen Wi-Fi-Routers alle. Das Ladegerät lag wunderbar im unteren Stock. Scheisse. Wieder hämmerte es gegen die Haustür. Ich setzte mich auf den Boden neben der Couch und harrte aus. Schliesslich hörte ich etwas im Wandschrank direkt vor mir! Ich starrte auf die Schranktür. Sie war geschlossen. Kein Platz für Nozokime (ein neuer japanischer Horrorfilm. Nozokime bedeutet, Augen in den Spalten. Sei es Spalten zwischen den Vorhängen, wenn eine Tür nicht richtig verschlossen ist, etc. Der Metal Dude erzählte mir von dem Film und ich schaute natürlich den Trailer und wurde regelrecht paranoid). Es klang so, als sässe jemand im Wandschrank, der sich bewegt. Als ziehe dieser jemand, oder dieses Etwas, sein Bein an sich. Mit Gänsehaut der übelsten Sorte redete ich mir ein, oder versuchte mir einzureden, "Das bildest du dir ein... Das bild ich mir nur ein... Das ist nicht real." Das klappte ganz gut, bis ich aus dem Schrank ein Geräusch vernahm, als schiebe jemand eine schwere Kartonkiste über den Boden. Unten hämmerte es wieder gegen die Tür. "Was wenn ich einfach die Augen schliesse? Habe ich dann eine Überlebenschance?"
Ich versuchte rational zu denken. Unten steht möglicherweise ein Serienkiller vor der Tür. Was heisst hier möglicherweise? Komm schon! In einer stürmischen Nacht, prügelt jemand an meine Haustür. Das kann sich nur um einen Serienkiller handeln. Im Schrank vor mir befindet sich kein Jemand sonder ein Etwas. Seit DAGON wissen wir, wir haben immer zwei Möglichkeiten. Will ich von einem paranormalen Wesen in eine andere Welt verschleppt oder von einem Serienkiller unter Höllenqualen und Folter ausgeweidet werden? 
Ich hatte die Bilder vor mir. Er gelangt ins Haus. Fegt meine Kosmetika vom Tisch. Schmeisst mich auf diesen und rammt mir sein Messer in den Bauch. Zieht es von oben nach unten sodass meine Eingeweide rausquellen. Auf dem Fussboden entleert sich die Flasche mit dem Gesichtstonic von

SHISEIDO. Mein Blut vermischt sich mit dem Tonic auf dem Fussboden. Er trennt mir Arme und Beine ab, da er ein Sammler ist. Er hat zuhause eine Art Museum, mit abgetrennten Gliedmassen in Pflanzentöpfen. Die einen sind schon fast ganz bis auf die Knochen zersetzt. Überall tummeln sich Maden und sonstiges Getier (Guinea Pig - Flowers of Flesh and Blood) Während ich da liege und vor mich hin sterbe, geht er nach oben, öffnet die Schranktür und wird von dem Wesen im Schrank ins Jenseits befördert. Zu spät für mein sterbendes Ich. 
Das Wesen aus dem Schrank kriecht, seltsame Geräusche von sich gebend, die Treppe herunter. Beugt sich über mich und starrt mich an. Ich sterbe. Ich bin eigentlich schon tot. Als ich wieder aufwache, befinde ich mich im Schrank und bin ein Geisterwesen. 
Wollte mich das Wesen im Schrank warnen? Gar beschützen? Da es, Jahre zuvor, vom selben Typen ermordet worden ist? Ähnlich, wie die Frau im Spiegel, in der einen Folge von X-Factor aka Beyond believe? Wir werden es nie erfahren... 


Was wirklich geschehen ist

Oben Erwähntes hätte ja wirklich passieren können. Ich meine, schliesslich lebe ich allein in einem Haus, einem möglicherweise verfluchten Haus, in Japan. Schon einmal JU-ON gesehen? Möglich wärs. 
Mein Wi-Fi-Router-Ladegerät befand sich mit mir im zweiten Stock. Die Wi-Fi-Verbindung war nie getrennt. Ich war stetig in Kontakt mit meinen Freunden. Irgendwann klingelte es wieder an der Tür. Und ich hörte Stimmen von der Strasse her kommen. Ob die etwas mit dem Klingeln zu tun hatten, werden wir nie erfahren. Ich rechnete ernsthaft mit einem Klopfen an der Tür, dies blieb aber aus. 
Ein Knarren und Scharren hörte ich auch. Auch eine Art Klopfen. Jedoch erst sehr viel später in der Nacht. Als ich bereits in diesem steinharten und unbequemen Bett lag und schlafen wollte. Ich schrieb es dem Wind zu. Selbst wenn es wirklich aus dem Schrank gekommen ist, ich wollte es einfach nicht wissen. Wer öffnet schon mitten in der Nacht, in der Dunkelheit eine Schranktür? 

Jedenfalls hätte sich so etwas tatsächlich ereignen können. Ich meine, die besten Voraussetzungen für den Anfang eines Horrorfilms oder Psychothrillers waren gegeben: 
Ein altes japanisches Haus, eine Frau allein zuhause, eine stürmisch-regnerische Nacht, ein Fremder vor der Tür. Kommt schon Leute, ehrlich, wie viele Filme fangen so an? Da ich ja völlig abgeklärt bin und mich bei Filmen immer über diese Idioten aufrege, die der Herkunft des Geräuschs auf den Grund gehen oder die Tür öffnen wollen und immer sage, so etwas würde ich ganz bestimmt nicht machen, machte ich dies auch nicht. Ich verharrte einfach im zweiten Stock. 
Ich schickte meinem Droog eine Sprachnachricht, in der ich ihr mitteilte, ich müsse so etwas von dringend Pipi, aber die Pipibox befinde sich im unteren Stock. Und ich habe nicht einmal einen Eimer hier oben. Ich harrte aus. Ehe es zu einer Notwasserung kommen konnte, ging ich dann aber doch nach unten. In meiner rechten Hand hielt ich, festumklammert, einen Kugelschreiber mit dem silbernen HILTON Logo. Ein Kugelschreiber ist besser, als gar keine Waffe zu haben. Obschon ich mit einer Silhouette vor der Haustür (Milchglastür) gerechnet hatte, war keine zu sehen. Es sass auch kein Mädchen in weissem Kleid im Wohnzimmer. Und auch kletterte keine Sadako aus der Badewanne. Das Haus war leer und ich konnte ganz beruhigt die Pipibox aufsuchen. Schrieb meinem Droog zuvor, "Ich gehe jetzt Pipibox. Falls du nichts mehr von mir hörst, alarmiere die Luftwaffe!" Sie hörte jedoch nach dem Besuch der Pipibox gleich wieder von mir. 


-> Jetzt just in diesem Moment, wo ich hier sitze und schreibe, klingelt es wieder an meiner Tür...
Dafuq? ?_?



Mittwoch, 28. Oktober 2015

Parasit

"Gegenwärtig ist zu sagen "es tobt ein Krieg in mir"...
Ich weiss, dass ich mir das von der Seele schreiben muss, jedoch muss ich meine Worte mit Bedacht wählen... schliesslich gab es schon einmal von einem ehemaligen Arbeitgeber eine Abmahnung... Einer solchen möchte ich dieses Mal entgehen.
Die Zeit wird kommen... 
Bald ist Halloween und somit Zeit für eine Horrorgeschichte? Möglicherweise eine Geschichte, über eine intrigante schwangere Frau, die ein Höllenbaby ausstösst? Verachtung gepaart mit dem Besuch eines Parasitenmuseums in Meguro, Tokyo, können erstaunliche Geschichten hervorbringen... 
Warten wir's ab 
„kiki“-Emoticon
 Aber, etwas wird bald geschrieben worden sein..."
- Navi M. Gray auf Facebook am 27.10.2015

Es war ein sonniger Tag, an dem SIE ihre neue Stelle als leitende Assistentin in einer nicht zu verachtend grossen Pharamaunternehmung antreten durfte. 
Bereits in ihrer alten Firma, wucherte SIE eines Virus gleich, und zerstörte, was es zu zerstören gab. Wie ein Parasit frass SIE sich durch die Firma und spann Netze aus Intrigen, welche SIE alle schriftlich festhalten musste, um sich nicht zu vertun. Kaum ein Wort, das über ihre spröden Lippen kam, entsprach der Wahrheit. Wenn SIE den Mund aufmachte und zu, nicht mit, ZU jemandem sprach, kam dieser jemand in den zweifelhaften Genuss, ihren schlechten Atem einzuatmen. Ihr Mundgeruch erinnerte an einen verwesenden Leichnam - ob der eines Tiers oder Menschen sei dahingestellt. 
Bald schon erzählten sich die ersten Mitarbeiter Geschichten darüber, dass jedes Mal, wenn SIE einen Raum betrat, ein beissender Geruch nach Schwefel in der Luft hing. Eine Abgesandte aus der Hölle, meinten die einen. Eine wandelnde Grabstädte, meinten andere. 
Langjährige Angestellte wurden entlassen, aufgrund von Fehlern, die sie nicht begonnen hatten. SIE dafür schon. SIE drehte alles so, dass SIE nie die Schuldige war. Selbst wenn SIE von Betroffenen darauf angesprochen wurde, wies SIE jegliche Schuld von sich. Wurde die Situation heikel, spielte SIE ihren Joker aus. SIE begann zu wimmern und zu wehklagen. Ihre Klagelieder waren stets von gleichem Inhalt. So etwas widerfahre ihr nur, weil SIE eine Auswärtige sei. Bereits in ihrer letzten Firma, sei SIE gemobbt worden. Dass ihr das jetzt wieder passieren müsse... 
SIE kletterte die Karriereleiter steil nach oben, auch wenn das bedeutete, mit einem Vorgesetzten zu schlafen, tat SIE das. SIE wollte nach oben. Dazu kam ihr jedes Mittel recht! Natürlich wurde die Anzahl der Leute, die SIE verabscheuten immer grösser. Feinde hatte SIE genug. So manch einer verlor seinen Job wegen ihrer Intrigen. So manch einer schwor auf Rache. Manche schworen gar auf Blutrache. 

Erwiesen ist nichts, aber man erzählt sich, es sei diese zarte unscheinbare Frau gewesen, die dem Treiben ein Ende gesetzt hat. Jene Frau durfte eine hohe Position ihr Eigen nennen. SIE gierte nach jener Position. So kam es, dass die unscheinbare Frau entlassen wurde, aufgrund eines Zwischenfalls in der Forschungsabteilung. Drei Personen kamen auf abscheuliche Art und Weise ums Leben. Jene Personen erforschten einen Erreger, welcher eine noch unbekannte Form Nekrotisierender Fasziitis auslöste, kam man damit in Berührung. Den Kollegen blieb nur eines: Durch dickes Glas zu beobachten, wie den drei Kollegen im Labor die Haut vom Körper gefressen wurde. Deren Haut begann anzuschwellen. Blasen bildeten sich, die innert Kürze platzten. Flüssigkeit trat aus. Die Haut, die Unterhaut und die Muskelfaszien lösten sich auf. 
Dies innert 30 Minuten. 30 Minuten Qualen. 30 Minuten bis zum Tod... als die Nervenbahnen begannen sich aufzulösen, verspürten die drei wohl keine Schmerzen mehr. Sie bekamen nicht mit, wie schliesslich nur noch eine Pfütze aus Blut und ein paar Eingeweiden von ihnen zurück blieb. Und die Knochen natürlich. 
SIE hatte ja keine Ahnung mit wem SIE sich angelegt hatte und so trat die kleine unscheinbare Frau eines Abends, ganz klassisch auf dem schwach beleuchteten Parkplatz an SIE heran. Sie blickte SIE an und murmelte etwas, das für SIE unverständlich war. 
Nach diesem Abend ging dann alles ziemlich schnell... 

SIE verkündete voller Freude, SIE sei schwanger. Auf die Frage "von wem?" hatte sie allerdings keine Antwort. Schliesslich kamen vom 65-jährigen Firmeninhaber bis hin zum rangniedrigsten Chef jeder in Frage. Es war ihr jedoch egal. Denn SIE wusste, wer SIE war und das Kind konnte man ja zu Forschungszwecken verwenden. SIE dachte nicht im Traum daran, diesen kleinen Menschen nach der Geburt zu behalten. Zur Forschung ja. 
Ein weiterer Untersuch bei der Frauenärztin zeigte, dass SIE Drillinge erwarte. SIE freute sich darüber, denn so hatte sie gleich drei Babys, die SIE zur Forschung missbrauchen konnte. 
Etwas später, zeigte eine weitere Untersuchung, dass von den Drillingen nur noch zwei da waren. Wie konnte das möglich sein? Keiner wusste es... SIE dachte nicht weiter darüber nach. Die Frau bei der ersten Untersuchung musste geschlampt haben. Ganz einfach. 
SIE wurde während der gesamten Schwangerschaft von stechenden Schmerzen heimgesucht. Ihr Bauch wuchs in rasantem Tempo und so auch der Fötus in ihr - oder das fötusähnliche Wesen, dass da in ihr keimte und gedieh... 

Aus dem Protokoll des Leichenbeschauers geht folgendes hervor: 
Als man SIE gefunden hatte, war SIE noch am leben. In ihrem Bauch klaffte ein grosses Loch und alles war mit ihrem Blut verschmiert. In ihrem Bauch bewegte sich eine unbekannte Lebensform, welche entnommen und erforscht wurde. Die Tests ergaben, dass es sich bei der Lebensform um ihr Kind handelte, welches von einem Parasiten absorbiert wurde. Offenbar hatte es nie Drillinge gegeben. Fälschlicherweise wurde der Parasit als Fötus angesehen, der den einen Zwilling dann absorbiert hatte und sich danach dem zweiten Kind widmete. Der Parasit hatte, als er nicht mehr ausreichend Platz im Bauch des Wirts hatte, die Bauchdecke durchstossen. Welche Schmerzen SIE hatte erleiden müssen, ist kaum auszudenken. Offiziell ist SIE hinter her gestorben.
Doch, so habe ich vernommen, wurde SIE zu Forschungszwecken in ein Labor ihrer ehemaligen Firma gebracht, wo sie am leben erhalten wird und als Wirt für weitere Parasiten dient. Schliesslich hat ihre Firma eine grosse Abteilung, die sich der Erforschung von Parasiten jeglicher Art widmet. Dort in einem Labor liegt sie festgeschnallt und dient als "Leihmutter" für Parasiten. 
Und wenn sie noch immer nicht gestorben ist, dann dient und leidet sie noch heute.



Das schöne an solchen Geschichten ist, es muss nicht alles 100% stimmig sein - möglich wärs aber. Ausserdem konnte nie erwiesen werden, wie SIE sich mit diesem Parasiten infiziert hat. Manche sagen ja, sie wäre von der unscheinbaren Frau verflucht worden. Andere halten das aber für zu sehr "Drag me to hell". Möglicherweise war SIE beim Präparieren einer ihrer Intrigen zu unvorsichtig? Wer weiss...
In dem Sinne, bedanke ich mich dafür, dass Ihr Euch die Zeit genommen habt, meine kleine Geschichte zu lesen. Ich hoffe, sie gefällt Euch so gut, wie dem Parasiten die Föten gefallen haben -_^
Eure, Navi M. Gray

Dienstag, 28. Oktober 2014

Nicht von dieser Welt...

Mein Sitznachbar wurde von einem brennenden Gegenstand so heftig am Kopf getroffen, dass er das Bewusstsein verlor. Mit meiner Decke versuchte ich das in Flammen stehende Etwas zu löschen. Sonst hätte ich zusehen müssen, wie sich erst Blasen auf der Haut des Herren auf Sitz 48B gebildet hätten, welche dann aufgeplatzt wären und sich seine Haut in Flammen aufgelöst oder einfach schwarz geworden wäre. Möglicherweise wäre er auch geschmolzen, wie der Typ in Indiana Jones - Jäger des verlorenen Schatzes, dessen Haut und Blut wie flüssiges Wachs gen Boden flossen, bis nur noch das Skelett übrig war.
Einerseits habe ich meinem Sitznachbarn das Leben gerettet, weil ich nicht zusehen wollte, wie seine Augäpfel gen Boden kullern, ich den üblen Geruch nach verbrannter Haut nicht direkt neben mir haben und nicht selbst in Flammen stehen wollte. Mir gefällt meine Haut da wo sie ist und wie sie ist.
Als ich meine Decke weggenommen hatte, erkannte ich, dass der Gegenstand ein verkohltes Baby war. Deswegen hat das Balg also plötzlich aufgehört zu heulen. Alles klar.
Der vordere Teil der Kabine stand in Flammen. Ein blutiger Ball schoss umher, wie ein Pingpongball - nur viel grösser. Grösser und in Gestalt eines Babys. Es war ein weiteres Baby, das nicht gesichert und somit zum Wurfgeschoss mutiert war. Danke liebe Eltern... Danke, dass Ihr Euch an die Sicherheitsvorschriften haltet! Wegen Eurer scheiss ungesicherten Brut, wäre mein Sitznachbar fast verbrannt!
Welche sadistische Gottheit war wohl dafür verantwortlich, dass solche Idioten auf meinem Flug waren?

Es roch nach verbrannten Haaren, nach verbrannter Haut. Menschen schrieen umher. Der Airbus wackelte heftiger als diese eine Jahrmarktsattraktion und drohte förmlich auseinander zu brechen.
Ein Koffer, oder das zermatschte Ding, das vor wenigen Minuten noch ein plärrendes Baby gewesen war, traf mich derart am Kopf, dass auch ich das Bewusstsein verlor und es meinem Sitznachbar gleichtat, in dem ich vor mich hin schlummerte.

Als ich wieder zu mir kam, brüllten diejenigen, die noch nicht dem Flammentod erlegen waren, umher, kletterten in den Trümmern des brennenden Infernos umher und versuchten verzweifelt am leben zu bleiben. Der vordere Teil des Airbus, samt Cockpit war verschwunden. Weggebrochen. Der mittlere Teil war in weiter Ferne auszumachen. Die Maschine war in drei Teile zerbrochen.
Sämtliche Passagiere, die im mittleren Teil gesessen hatten, waren in der Flammenhölle gebraten worden. Mein Sitz, im Heck der Maschine, rettete mir das Leben - vorerst.
Ich wollte aufstehen und davon laufen, doch wurde ich durch etwas im Sitz gehalten. Panik kam auf. Dann erst realisierte ich den noch immer geschlossenen Sicherheitsgurt. Ich hatte mich immer über die Menschen lustig gemacht, die eine Flugzeugkatastrophe nur nicht überlebt hatten, weil sie zu doof waren, den Sicherheitsgurt zu öffnen. Tja... Hochmut kommt vor dem Fall, was? Nun gehörte ich auch zu diesen Idioten. Zumindest fast, denn ich konnte den Gurt noch rechtzeitig öffnen - glaubte ich. Doch dann hörte ich wieder dieses Geräusch. Ein Röcheln. Ein Schnauben. Etwas, das ich zuvor für einen technischen Defekt gehalten hatte. Es war kein technischer Defekt. Es war etwas Unmenschliches. Es war wie eine Art Knurren einer Bestie. Nicht von einem Tier. Nicht von einem Menschen. Von einer, aus einem Horrorroman entsprungenen Kreatur, die Tod und Verdammnis bringen würde. Nun konnte ich die Umrisse erkennen. Die Kreatur befand sich etwa 10 Sitzreihen vor mir. Hatte sie mich gesehen? Sie hatte mich gesehen. Wir blickten einander direkt in die Augen. Sie blickte in meine verängstigten Blauen und ich in seine leblosen Schwarzen. Das Röcheln wurde stärker und lauter. Ich sah Klauen und messerscharfe Zähne. Die Gestalt schoss auf mich zu. Ich würde sterben.

Als ich die Augen öffnete, war die Kreatur verschwunden. Das Knurren war noch da. Es dauerte einen Moment bis ich begriff, dass das alles nur ein Traum war und ich mich in diesem Hostel befand. Es dauerte einen weiteren Moment, bis ich begriff, dass das Röcheln und Knurren, von dem ich noch immer behaupte, dass es unmenschlich war, nichts anderes war, als das Schnarchen, der Person im Zimmer neben mir...
Ich drückte mir das Kissen aufs Ohr und zog die Decke über den Kopf, was diese bestialischen Laute allerdings nur leicht dämmten. Es hörte sich an, als wäre dieses Geschnarche mit Dolby Surround Sound ausgestattet. Es war nicht von dieser Welt...
Ich dachte an Homer Simpson, wie er aus dem Fenster brüllt "Kann ich endlich mal Ruhe haben!". Mir fiel "Das kleine Arschloch" ein, mit den Worten "Sie hören nun, sehr seltsame Geräusche."
Ich dachte an meinen Eispickel und daran, die Kreatur im Zimmer neben mir zu erstechen, einfach damit ich in Ruhe schlafen konnte... Den Eispickel hätte man mir beim Sicherheits-Check am Flughafen ohnehin abgenommen, daher musste ich mich meinem Schicksal - einer schlaflosen Nacht, fügen...

Morgen werde ich mir Oropax besorgen...

Dienstag, 9. September 2014

Charlie räumt auf

Da sich der Verfasser überhaupt nicht mit Schusswaffen auskennt und keine Ahnung hat, welcher Art Charlies Waffe war, darf sich der Leser in Gedanken selbst eine aussuchen...

Das hohe und leicht heisere Bellen des Hundes ging seit Stunden. Bereits seit mehreren Tagen. Mehreren Wochen. Eigentlich ging das schon seit 3 Monaten so, seit dem Tag, in der Geschichte der Menschheit, an dem seine höllischen Nachbarn diesen verdammten Köter angeschafft hatten. Den Hund, den sie zuvor hatten, haben sie ins Tierheim gesteckt, weil er angeblich den kleinen David gebissen habe. Selbst wenn das stimmen sollte, wäre es nicht weiter verwunderlich gewesen, zerrte diese gottverdammte Brut ständig an dem armen Tier herum oder zielten mit Fussbällen auf ihn. Charlie wünschte sich innig, dass der Hund, ein Collie - wie Lassie - dem kleinen David, der mit Abstand die lauteste unter den sieben Ausgeburten der Hölle war, anstelle in die Hand gleich die verdammte Halsschlagader durchgekaut hätte. Wunschdenken.

Die tägliche Lärmbelästigung ging schon seit Jahren so. Die sieben Bälger brüllten, krähten, weinten, heulten, johlten, keiften und kreischten tagein tagaus im Garten herum. Das Geräusch des Fussballs, der auf die Hausmauer geschossen wurde, machte Charlie fast wahnsinniger, als das ständige Gekreische.
Gespräche mit den Eltern jener Brut brachten nichts. Die Mutter, mit der Figur einer russischen Rübenbäuerin und dem Auftreten eines Wikingers, brüllte selbst den ganzen Tag herum. Wenn sie nicht ihren mageren Ehemann zur Schnecke machte, dann brüllte sie die Kinder an - aber nie den kleinen David, aus dem würde mal ein Fussballprofi werden - oder keifte Hund und Katze an.

Charlie stellte sich des öfteren die Frage, was er in seinem früheren Leben wohl falsch gemacht hat, dass er mit so etwas bestraft wurde. Er erhielt - wie jeden Tag - keine Antwort darauf.
Er fühlte sich so, als ob sich neben ihm die Pforte zur Hölle aufgetan hätte. Bestialische Kreaturen hausten dort. Und dieser Gestank, der täglich zu ihm herüber drang...

Es war Anfang September, als das hohe Bellen des Hundes plötzlich verstummte. Ziemlich zeitgleich war ein Knall zu vernehmen.
Der miese Köter, lag tot mit einem Loch, so gross wie das Rad eines Autos, ein paar Meter hinter der Stelle, an der er zuvor gestanden und gebellt hatte, im Gras. Gut, das war jetzt gelogen. Das Loch wäre so gross gewesen wenn der Hund selbst grösser gewesen wäre. Da ein West Highland White Terrier aber nicht annähernd die Grösse eines Autorades hat, gab es den Hund nun in doppelter Ausführung. Der Kopf war gerade noch so zu erkennen, endete aber in einem Gemetzel aus Haaren, Blut und Fleisch.

Nils kreischte. Auch seine gleichaltrige Schwester stimmte mit ein. Alsbald kreischten und schluchzten sechs von sieben Kindern. Charlie wollte sie allesamt ins Jenseits befördern. Er legte das Gewehr an und da fiel ein Balg nach dem anderen um. Dem kleinen Tobias zerfetzte er den Schädel. Nicht mal der Zahnarzt hätte dieses Durcheinander von Blut und Fleisch noch identifizieren können. Die Zähne waren irgendwo verstreut oder gar zu Staub zerfallen. Wer weiss das schon?
Charlie lächelte. Sechs. Aber wo war dieser kleine Scheisser? Dieser Superstar? Wo war dieses verdammte Balg nur?!

Da fuhr auch schon der riesige Wagen, ja fast schon ein Lieferwagen, die Einfahrt hoch. David rannte mit seinem neuen Fussball in den Garten. Da kam also die letzte dieser Kreaturen endlich aus ihrem Loch gekrochen.
David kreischte. Charlie zielte - und traf. Das Bein des kleinen David war zerfetzt. Er lag im Gras und kreischte. Charlie dachte sich, dass das auch nicht anders klingt als sonst.
Die Wikingerbraut brüllte. Charlie richtete auch sie hin. Ein Schuss und Ruhe herrschte. Bis auf das Schluchzen und krähen des kleinen David war nichts mehr zu hören.

Als dieser Waschlappen von Vater nach einer weiteren 12-stündigen Schicht nachhause kam und den Garten betrat, starrte er ungläubig in dieses Durcheinander aus Gedärmen, Gliedmassen, Blut und Haaren. Er sah den kleinen David, der mittlerweile verblutet war. Er ging zu den Überresten seiner Frau, oder besser EX-Frau. Sein schmaler Mund verzog sich zu einem Lächeln. Er schaute in den Garten seines Nachbarn. Charlie sass im Schaukelstuhl, trank ein Bier und putzte seine Waffe.
Der Waschlappen von Vater - oder Ex-Vater, trat an den Zaun. Er lächelte und nickte Charlie dankend zu. Charlie deutete rüber zu kommen.
So sassen die Beiden in Charlie's Garten, tranken ein (oder mehrere) Bier und absorbierten den Klang der Stille. 



Freitag, 8. August 2014

Von der Vielfalt erschlagen

Seit über 30 Jahren nun, arbeitete sie als Buchhändlerin. Sie liebte ihren Job. Sie liebte Bücher. Sie liebte diese anderen Welten, in die sie stetig eintauchen und sich darin verlieren konnte. Es war ihre Flucht aus der Realität.
Sie mochte die meisten Kunden. Wirklich. Doch manchmal kam es vor, dass sie mal jemanden nicht mochte. Ja geradezu verabscheute. 30 Jahre in diesem Betrieb. Und seit 10 Jahren kam diese eine boshafte Kundin des öfteren vorbei. Sie hatte die Schnauze voll. Gestern sollte der letzte Tag gewesen sein, an dem sie sich von dieser Person anherrschen lassen musste… 

Es geschah in der Woche darauf. Sie war alleine in der Buchhandlung und wollte gerade schliessen, als dieses Weib in den Laden gestürmt kam. Schon beim Eingang krähte sie, ob ihr Buch denn noch immer nicht eingetroffen sei! Wieder beklagte sie sich über den laschen Service, und dass sie ihre Ware künftig bei Amazon beziehen werde - damit drohte sie bereits seit 5 Jahren. 
Wieder herrschte sie sie an. Wieder warf sie ihr vor, wie unfähig sie doch in ihrem Job war. Wieder sagte sie, dass sie nicht verstehen könne, wie eine so unfähige Person, so lange in diesem Beruf arbeiten konnte… 

Während die abscheuliche Kundin, in den Grusskarten stöbernd, mit dem Rücken zu ihr stehend, weitere Beleidigungen von sich gab, griff die Buchhändlerin nach Claude Cueni’s Script Avenue und schlug diesem Reibeisen von Frau damit auf den Kopf. Sie schlug nochmals zu. Und noch einmal. 637 Seiten in Karton gebunden, schossen auf die, mittlerweile am Boden liegende Frau ein. Die Blutspritzer passten farblich perfekt zu den Lettern der SCRIPT AVENUE. Da dieses Buch bereits recht lädiert war, spazierte sie in aller Ruhe zum Regal mit dem Buchstaben L und griff nach dem Marginalienband von Jonathan Littell’s Die Wohlgesinnten. Nicht etwa wegen der Thematik, sondern wegen des Gewichts der 1482 Seiten im Kartonschuber. Die Kundin versuchte sich aufzurappeln. Die Buchhändlerin stellte sich direkt vor sie hin, schüttelte den Kopf und verkündete mit fiesem Lächeln, dass sie der Kundin Attacken und Sticheleien hier und jetzt für immer beenden werde. Der Blick angsterfüllte Blick der Kundin freute die Buchhändlerin. Sie zückte ihr iPhone und schoss ein Foto. Als das Smartphone wieder in ihrer Hosentasche versunken war, schmetterte sie die 1482 Seiten im Kartonschuber ins Gesicht der Kundin. Diese schrie unter Qualen auf. Ihre Wange und die Lippe waren aufgeplatzt. Das rechte Ohr zerfleddert. Sie begann wimmernd um ihr Leben zu flehen, ja sie bettelte geradezu. Obschon dies der Buchhändlerin eine gewisse Genugtuung verschaffte, prügelte diese weiter auf ihr Opfer ein. Irgendwann hielt sie inne und begann ihr Opfer mit allen möglichen Büchern zu bewerfen. Zuerst kam Nora Roberts geflogen. Darauf ein Taschenbuch von Danielle Steel, gefolgt von David Baldacci’s Schnulze und dem neuen Nicholas Sparks. 
Sie rollte die Reclam-Ausgabe von Hauptmann’s Bahnwärter Thiel zusammen, drückte sie ihrem Opfer ins rechte Auge und bohrte solange darin herum, bis sie den Augapfel entnommen hatte.
Danach holte sie den Brieföffner, stiess diesen in des Opfers Unterleib und zog ihn mit aller Kraft nach oben. Sie hatte unterschätzt, wie viel Kraft ein so stumpfer Gegenstand kostete. Dennoch blieb sie hartnäckig und schlitzte weiter, bis sich der Bauch auftat und die Eingeweide heraus quellten. Ihr Opfer starrte ungläubig mit zwei geschwollenen Augen auf die Wunde im Bauch. Die Buchhändlerin begann damit, ihr Opfer auszuweiden… 

Die Kunden, die am darauffolgenden Tag die Buchhandlung betraten, waren erst geschockt, dann entzückt. Sie machten der Buchhändlerin zahlreiche Komplimente über die diesjährige Halloween-Dekoration. Sie habe sich mal wieder selbst übertroffen! 

Vom Eingang bis zur Kellertreppe hin zog sich eine breite Blutspur durch den gesamten kleinen Laden. 
Neben der Kasse befand sich ein kleiner Aufsteller, dessen Schriftzug „Top Titel“ verkündete. Darunter lagen die beiden zerbeulten und rotbraun gefärbten Tatwaffen.

Der ausgehöhlte Torso hing in der Abteilung für Kunst und Lifestyle. In der Bauchhöhle brannte eine Glühbirne und spendete etwas Licht. Ein Kunde fragte gar, ob er diese Lampe kaufen könnte?! Die wäre einfach grossartig! Auf dem obersten Regal der Horror-Abteilung thronte ein Kopf mit leeren Augenhöhlen. Die Augen lagen in einer gusseisernen Schale in der Okkultismus-Abteilung. 
Die abgetrennten Gliedmassen lagen auf der Pyramide mit den Krimis, welche allesamt mit Blut verschmiert waren. 
Die Gedärme waren liebevoll um die kleine Pyramide mit dem Buch des Monats drapiert. Darauf befand sich das Buch Darm mit Charme. 

Montag, 17. Februar 2014

There is someone walking behind me...

Im DVD-Player rotierte Final Destination 3. Im Kino war ihr die Ironie des Songs nicht aufgefallen. Oder doch, und sie erinnerte sich einfach nicht mehr daran... There is someone walking behind you ertönte aus dem Autoradio, just in dem Moment als sich der führerlose LKW bedrohlich den Akteuren näherte...
Über solche Ereignisse amüsierte sie sich jedes Mal erneut. Schliesslich konnte sie da noch nicht ahnen, dass dieser Songtext bald Bezug zu ihrem Leben nehmen würde...

Sie war ein Freak, lebte in einer Welt bestehend aus Filmzitaten. Sie war das personifizierte IMDB. Oft wurde sie von anderen Filmfreaks so bezeichnet, was sie mit Stolz erfüllte.
Kontakt zu Gleichgesinnten pflegte sie nur über Foren und Chatrooms im Internet. Wahre Freundschaften kannte sie nicht. Hatte sie nie kennen gelernt. In der Sparte about me ihres Chatprofils stand daher, wie nicht anders zu erwarten, ein Filmtitel, dem es nichts weiter hinzu zufügen gab: Odd girl out

Ihre besorgte Mutter warnte sie vor der Gefahr aus dem Internet. Da würden sich nur Pädophile und anderweitig Geisteskranke herumtreiben. 
Ihre Mutter hatte keine Ahnung! Na ja, vielleicht doch, in Anbetracht des Films Megan is missing... Aber IHR würde so etwas nicht passieren. Schliesslich traf sie sich nie mit Menschen. Also wäre die Chance, als Leiche in einer blauen Plastiktonne verscharrt zu werden, sehr gering.

Ihre zahlreichen Accounts wurden plötzlich vermehrt angeklickt. Anhand der IPs erkannte sie, dass da draussen jemand war, dem sie wohl imponierte. Sie erntete immer mehr und mehr Klicks und Likes. Von jener IP schienen verschiedene Konten auszugehen. Möglicherweise ein Internetkaffee? 

Sich über ihre ansteigende Popularität im Internet freuend, machte sie sich, nichts böses ahnend, auf den Weg zur Arbeit. Die Arbeit... Ein Ort, für welchen sie diverse treffende Filmtitel aufzählen konnte: 
Cube, Ein Gebäude voller Räume, in welchen grosse Gefahr lauerte, wie bei ihrer Arbeit als Zimmermädchen... 
Stephen King's Misery, weil sie sich angesichts ihrer Cheffin, wie Paul Sheldon fülte...
Men behind the sun, weil sie sich teilweise in der Rolle eines "Baumstammes" wiederfand. Als unfreiwilger Teilnehmer an einem Experiment der Unit 731...
Das Haus der Vergessenen, weil die gefangenen Kinder, genau wie der Abteilungsleiter und dessen Assistenz, nichts hörten, nichts sahen und nichts sagten... 
Und so weiter... 

Immer öfter hörte sie auf dem Heimweg Schritte hinter sich, konnte aber nie jemanden sehen. In ihrer Handtasche lagen alsbald eine Schere, ein Springmesser, ein Butterfly, ein Pfefferspray als auch Schlagringe verborgen. Sie wollte sich ja verteidigen können...- im Ernstfall... 

Eines Tages sah sie eine finstere Gestalt unter ihrem Fenster stehen. Sie meinte, jene Gestalt auch auf dem Heimweg schon gesehen zu haben. War sie in Halloween?! Verfolgt von Michael Myers?! Wohl kaum! Aber ganz wohl war ihr nicht mehr... 

Als ob dieser Stalker nicht schon genug gewesen wäre, nahmen auch die Mobbingattacken seitens ihres Abteilungsleiters zu. Er liess keine Gelegenheit aus, um ihr eins reinzuwürgen. Zum einen waren ihre Arbeitszeiten Jenseits von Eden und auch aus ihren 2 freien Tagen wurde ein Tag und zwei halbe. Er kritisierte sie, wo er nur konnte. Ihn hätte man in einer blauen Kunststofftonne verscharren sollen! 

Die Gestalt trieb sich täglich vor dem Plattenbau herum, in dem sie wohnte. Sie erhielt anonyme Anrufe und dazu fand sie nahezu jeden Tag einen anonymen Brief in ihrem Briefkasten vor. 

Ihre Mutter meinte, das wäre bestimmt einer dieser Freaks aus dem Internet! 
Woher hätte sie denn wissen sollen, dass es ihrer Tochters Chef war, der sie stalkte und belästigte? 
Der freundlich und sympathisch wirkende blonde Mann mit den trübblauen Augen, der sie immer so fröhlich anlächelte, wenn sie ihre Tochter von der Arbeit abgeholt hatte... 

Im Gerichtssaal gestand er dann seine Tat ein. Er sei es gewesen, der das 18-jährige Mädchen brutal vergewaltigt und sie anschliessend, bei lebendigem Leib, in den grossen Wäschetrockner gesteckt hatte. Er hatte so etwas in My bloody Valentine gesehen. Natürlich im Remake von 2009. Sie kannte die Szene aus dem Original von 1981. 

Während ihr verbrühter, mit Blasen überzogene Körper im Trockner rotierte, lief im Radio Don't fear the reaper.

Freitag, 10. Januar 2014

Tortured


Die Sonne hing am Mittagshimmel und warf ihre wärmenden Strahlen gen Erdboden. Was für ein wunderbarer Frühlingstag!
Der kleine Alpi tobte mit seinen gleichaltrigen Freunden über die saftigen und weiten Wiesen des Bauernhofes. Seine Mutter sonnte sich fernab in der Nähe des grossen Kirschbaumes. Auch sie genoss den Frühling. Ganze Schwärme von Zitronenfaltern flogen in Pirouetten durch die Lüfte und bildeten bunte Farbkleckse auf dem sonst so blauen Himmel. 

Alpi spürte einen heftigen Schlag auf dem Hinterkopf und sackte zusammen. Als er die Augen wieder öffnete, war es dunkel um ihn. Es dauerte einige Minuten, bis er richtig zu sich kam, hatte es der zuvor verabreichte Schlag doch in sich gehabt. 
Nervös in die Dunkelheit hineinblickend, stellte er fest, dass er nicht allein war. Das Atmen Anderer war zu hören. Nun überlegte er, ob es sinnvoll wäre, in die Runde zu fragen, wer denn da sei. Allerdings hätte dies auch eine schlechte Idee sein können. Vielleicht sollte er ja noch immer bewusstlos da liegen? Alpi spielte beide Szenerien gedanklich durch und entschied sich dann doch, seinen ganzen Mut zusammen zu nehmen und sich bemerkbar zu machen. „Wer ist da?“ flüsterte er. Seine Stimme wollte einfach nicht fest sein, sie versagte. „Ich bin Lexi. Alpi, bist du das?“ hörte er eine vertraute Stimme fragen. Es war Lexi! Eine seiner Freundinnen. „Ja Lexi, ich bins! Wo sind wir hier? Was ist passiert?!“ „Ich weiss es nicht, Alpi… Ich weiss es nicht.“ Er hörte, wie Lexi zu wimmern begann. Da meldeten sich  weitere seiner Freunde zu Wort. Sie waren alle da. Jeder einzelne seiner Freunde, mit denen er zuvor noch auf der grossen Wiese gespielt hatte. Was war nur los? Keiner hatte eine Antwort auf die Frage. Keiner. Ausser dem kleinen Lyzander. „Mein Bruder hat mir von sowas erzählt. Er hat gesagt, man wacht an einem finsteren Ort auf. Dann sieht man kurz die Sonne und hört Schreie. Gequälte Schreie. Und dann ist man plötzlich selber der, der schreit und brüllt. Und dann wird es wieder schwarz.“ Lyzander’s grosser Bruder war vor einem halben Jahr spurlos verschwunden. Keiner hatte einen Anhaltspunkt. Keiner wusste, ob er abgehauen oder entführt worden war. Keki gefiel diese finstere Prophezeiung gar nicht, und so kam es, dass er den kleinen Lyzander anherrschte, er solle sein Maul halten! 
Die Luft an jenem finsteren Ort wurde immer drückender. Der Durst immer grösser. Einer von Alpis Freunden konnte sich nicht mehr auf den Beinen halten und brach in sich zusammen. Tolle. Er war der Erste, der es hinter sich hatte. Zwei Stunden, nach dem er zusammengebrochen war, war er tot. 
Alpi und seinen Freunden wurde die Tatsache bewusst, dass sie sich in echter Gefahr befanden. Das es kein Entrinnen geben würde. Möglicherweise war doch etwas Wahres an dem, was der kleine Lyzander erzählt hatte. Es herrschte eine beklemmende Stille. Jeder schien über das Selbe nachzudenken… 

Auf einmal wurde die Tür aufgerissen! Sie waren von der Helligkeit geblendet und sahen nicht, was vor ihnen lag. Eine dunkle bedrohlich wirkende Gestalt kam auf sie zu. In der Mitte des Gefängnisses blieb er stehen und brüllte: „RAUS HIER!“ Doch keiner wagte sich zu bewegen. Mit einer blutverschmierten Metallstange schlug er auf Lila ein. Sie brach zusammen. Er schlug weiterhin auf sie ein. Trat mit seinen Stahlkappenstiefeln in ihre Rippen. Erneut brüllte er, dass sich alle von hier verpissen sollen. Lyzander ging voran. Wow, war der mutig. Die anderen folgen ihm zaghaft. Die bedrohliche Gestalt schlug weiter wahllos mit seiner Metallstange auf Alpis Freunde ein. Neues Blut klebte daran. Tropfte herunter. Lilas Blut. Lila. Alpi drehte sich nach ihr um. Lila lag auf dem Boden, schwer atmend. Die Augen waren geschlossen. Blut rann aus der grossen, das Gehirn freilegenden Wunde, übers Gesicht auf den Boden. Sie zuckte. Lila. 

Es wurde wieder dunkel. Schreie waren zu hören. Schmerzensschreie. Folter und Tod schien ihr Schicksal zu sein. Dies liessen jene Schreie vernehmen. 
Es war dunkel und eng. Sie konnten weder vor noch zurück. Sie alle standen da in der Dunkelheit und warteten. Die Luft war stickig und trocken. Ein fauliger Geruch nach geronnenem Blut und Fäkalien drang zu ihnen durch. „Wir werden alle sterben…“ flüsterte Lyzander. „Mein Bruder hatte recht.“ Keki, wimmerte: „Ich will nicht sterben.“ 
Gellende Männerstimmen waren zu vernehmen: „HOSTEL mal anders, was?! HAHAHAHA“
„Hast Du den Kleinen vorhin gesehen? Wie der gezappelt hat, als ich ihn aufgeschlitzt habe? Wie ein verdammter Fisch am Haken!“
„Dafür hat mich die andere vorwurfsvoll angeglotzt, als ihr das verdammte Blut aus der verdammten Kehle geschossen kam.“
„Hey Männer! Ist doch scheissegal! Die fühlen ohnehin nichts. Wozu der ganze Scheiss mit betäuben? Frag mal Karl, der hat eben eine Niere rausgeschnitten. Die hat vielleicht herumgebrüllt.“
„Ah das war die Kleine von Karl? HAHAHA. Als ob DIE noch eine Niere brauchen würde.“
„Achtung Männer! Nachschub! Weiter gehts!“

Einer nach dem anderen wurde geholt. Alpi zitterte. Er blieb als Letzter zurück. Er hörte die gequälten Schreie all seiner Freunde. Er wusste, sie litten alle Höllenqualen, ehe sie verstarben. Alpi hoffte, sie mögen es bei ihm schnell erledigen. Dann war auch er an der Reihe…
Einer der Männer kam zu ihm. Packte ihn. Zerrte ihn weiter. Alpi wehrte sich. Versuchte dem Mann in die Hand zu beissen. Schlug und trat nach ihm. Da kam ein zweiter Mann dazu, der Alpi einen Stromschlag verpasste. Dieser rannte los. Er rannte über den anderen Mann hinweg. Blieb stehen. Musste sich orientieren. Schaute hin und her. Rannte weiter. Dann rutschte er aus und landete auf dem Bauch. Stiess sich das Kinn am Boden. Er schaute um sich. Er lag in einer riesigen Blutlache. Er war im Blut seiner Freunde ausgerutscht und lag nun dort. Ein Blick nach oben. Panik! Er sah seine Freunde. Alle in der Mitte aufgeschlitzt. Sämtliche Innereien lagen unter ihnen auf dem dunkelroten Boden. 
Es war Lexi, die mit aufgeschlitztem Bauch da hing und zappelte. „Lexi….“ Diese schaute ihn hilfesuchend flehend an. Er konnte ihr nicht helfen. Was hätte er tun können? „Es tut mir leid.“ flüsterte er, stand auf und versteckte sich hinter einer grossen Maschine. 
Fremde Schreie waren zu hören. Er sah die Mutter von jemandem. Sie wurde aufgehängt. Ein Messer wurde ihr in den Bauch gerammt und mit aller Gewalt nach unten gerissen. In ihrem Bauch klaffte eine grosse Wunde. Sie schrie und brüllte. Sie flehte den Mann an, damit aufzuhören. Sie gehen zu lassen. Dann flehte sie nur noch, er möge sie doch töten. JETZT. Der Mann ignorierte ihr Gezappel genauso wie ihr Flehen. Er begann ihr die Eingeweide herauszureissen. Alpi sah wie die Farbe aus ihren Augen verschwand. Weiss und Rot. Sie schrie noch einmal. Das letzte Mal. Dann kam ein weiterer Mann hinzu, der ihr den Kopf abschnitt. Mit einer grossen Klinge fing er an durch ihren Hals zu säbeln. Sie gurgelte, rang nach Luft. Lebte noch immer. Der Kopf landete in der Blutlache auf dem Boden. Wurde in eine Ecke gekickt. Achtlos. Alpi blickte in die toten Augen. Da wurde schon eine weitere Mutter aufgehängt. Alpi schlich weiter zurück. Er musste entkommen. Er musste hier raus…

Alpi gelang schliesslich die Flucht. Bezahlt hatte er diese mit seinem rechten Auge. Doch er rannte weiter und weiter. Schliesslich wurde auf einer Landstrasse von einem Ehepaar gefunden und mit nach hause genommen, wo sie ihn gesund pflegten. 
Alpi trifft in jeder Nacht in seinen Träumen auf seine Freunde. Er sieht sie auf der grünen Wiese. Diese verfärbt sich bald in ein dunkles Rot. Blutgetränkt. Seine Freunde sieht er abgeschlachtet da liegen. Diese Bilder wird er für den Rest seines Lebens nicht mehr los werden. Sie werden ihn stetig begleiten. In der Erinnerung oder im Traum.

Er hat es nie jemandem erzählt. Das Ehepaar jedoch schien darum zu wissen, kümmerten sie sich doch liebevoll um ihn. Es war ihnen egal, dass seine rechte Kopfhälfte entstellt war. Den anderen Kühen im Stall auch.



Mittwoch, 18. Dezember 2013

Auf der Frühlingswiese

Saftiger Löwenzahn mit stechend gelben Blüten spriesst wild aus der Erde. Über die gesamte Wiese ist er verstreut. Dazwischen sind leicht violette Blüten zu sehen, von dieser seltsamen Blume, deren Namen ich stetig vergesse. Wenn man die Blütenblätter, die eher kleine Röhrchen darstellen, abzupft und sie auf die Zunge legt, schmeckt man Honig. 
Am Wegesrand zupft ein Mädchen eine Pusteblume ab und pustet die weissen Schirmchen über die Strasse. Voller Freude kichert es.
Zwischen Wegesrand und wiese schlängelt sich ein klarer Gebirgsbach durch die Idylle. Kleine Stromschnellen und Wasserfälle bilden ernste Gefahren für all die unzähligen Papierschiffe, die von den Kindern gerne aufs Wasser gesetzt werden. Sie machen Wettrennnen. Dem Sieger winkt meist eine Tüte voller Süssigkeiten. Die einzige Ausnahme bildet der kleine Ryan. Er beschenkt den Gewinner immer mit einem gesunden Reiskeks oder einer Stange Süssholz, achten doch seine Eltern extrem auf eine gesunde und abfallfreie Ernährung.
Hinten beim Waldrand stehen zwei Rehe, die misstrauisch auf die Strasse blicken. Ein Wildhase hüpft geradewegs auf die Wiese zu. Man sieht gerade noch sein Puschelschwänzchen hinter den Wildblumen verschwinden. Er hüpft vorbei an Bienen, und Stauden. Beim Stumpf des alten Apfelbaumes schert er nach Links aus und hüpft aus dieser Geschichte davon.
Hätte er den Weg nach rechts eingeschlagen, hätte er die kleine Suzie passiert, die mit einem morschen Zweig einen leblosen Frauenkörper piekst. Der Schädel ist zu Brei geschlagen. Der zahnlosgeprügelte Mund steht offen. Die Zähne liegen in der Nähe des Kopfes im Gras. Wo einst ihre Nase war, ragt ein zu einer grotesken Figur geschlagener Fleischklumpen aus dem Gesicht hervor. Vom nackten Fleisch dessen, was am Tag zuvor noch ein Gesicht darstellte, ist kaum etwas zu sehen, laben sich doch bereits Hunderte von Fliegen und anderem Getier daran. 
Ein zarte Briese weht über die Wiese. Suzie riecht den Geruch verwesenden Fleisches in der Mittagssonne nicht, steht sie ideal zur Windrichtung. Noch einmal piekst sie den Leichnam, verliert dann aber das Interesse und geht mit ihrem Papierboot in der einen, den Stock in der anderen Hand zum Fluss. Sie hofft auf ihre Freunde, die bald mit ihren Booten kommen sollten. Schliesslich will sie heute gewinnen! 



Donnerstag, 3. Oktober 2013

Blut & Schweiss (Endfassung)


Und wieder roch die ganze Büroetage nach diesem schrecklichen AXE-Deo, dessen süsslich beissender Geruch, jedes Mal Übelkeit in ihr hervorrief. Wenn der Typ seine Schweissdrüsen schon nicht operieren liess, wieso konnte er dann nicht wenigsten ein wohlriechendes Deo kaufen? Sie hatte teilweise so gar kein Verständnis für ihre Mitmenschen. Des Weiteren verstand sie nicht, wieso sie eine solche Deo-Dose auf ihrem Schreibtisch dulden musste! Überhaupt standen die überall herum! Auf ihrem Schreibtisch. Neben der Pflanze am Empfangsdesk. In seinem Büro standen sie zu dritt herum. In jedem Waschraum – ja auch in dem der Damen. Diese Deos schienen sie zu verhöhnen! Erstens nutzten sie ja doch nichts und zweitens stanken alle einfach nur abscheulich – zumindest an ihrem Chef!
An ihrem Schreibtisch sitzend und eben die Bestellung von ihrem, trotz übermässig mit Deo eingesprühtem beissend nach Schweiss stinkenden, Vorgesetzten lesend spürte sie, wie etwas in ihr tobte. „Es tobt ein Krieg in mir.“ Sie las die Bestellung immer und immer wieder und bemerkte nicht, die blutende Stelle in ihrem Handgelenk, in die sie ihre Fingernägel bohrte. Hasserfüllt.
Guten Morgen L.
Heute wünsche ich zwei Buttergipfel – aber die grossen! Dazu bringen Sie mir zwei Donuts mit Schokoladenglasur! Ach ja, und heute sorgen Sie für ausreichend Zucker in meinem Kaffee. Diese bittere Brühe von gestern war ja unter aller Sau!
Mittagessen: Reservieren Sie mir einen Tisch im Freddy’s! Ich werde alleine essen. Die sollen den Tisch ab 11:00 Uhr freihalten. Ich werde zwischen elf und eins dort eintreffen.
Dann bringen Sie mir die Abschrift von gestern sofort in mein Büro! (ch verstehe ohnehin nicht, wieso die gestern nicht schon auf meinem Tisch lag!)
Dann habe ich Ihnen gegen 10:00 Uhr etwas zu diktieren! Ich erwarte Sie daher pünktlich in meinem Büro!
L griff zum Hörer und wählte die Nummer vom Freddy’s um ihrem netten und wie immer zuvorkommenden Chef einen Tisch zu reservieren. Kein leichtes Unterfangen angesichts des breiten Zeitfensters. Doch, wie immer, schaffte sie es auch heute. War ihr Ekel von Chef dort bestens bekannt und keiner hatte Lust dazu, sich auf eine Debatte mit ihm einzulassen. Einerseits weil er immer gleich sehr laut wurde und die Diskussion gleich darauf fluchtartig zu verlassen pflegte. Ja der gute Herr J. war bekannt – nicht zuletzt wegen dieser beissenden Duftwolke, die ihn umhüllte.
Mit zwei Buttergipfel – aber den grossen, zwei Donuts mit Schokoladenglasur und einer Tasse Kaffee mit Zucker (oder in diesem Fall einer Tasse Zucker mit Kaffee) ging L ins Büro von ihrem sehr beliebten Chef. Schon die grauen Lettern mit seinem Namen auf der Glastür zu seinem Büro liessen sie erschaudern. Sollte er doch noch ungesünder essen (oder in seinem Fall wäre wohl „schlingen“ das bessere Wort) und noch fetter werden. Sein Schweissproblem bekäme er so garantiert nicht in den Griff. 
Sie klopfte an und er winkte sie herein. Kaum einen Fuss in seinem Büro, wünschte sie sich nicht in einem dieser neuen minergetischen Gebäuden zu arbeiten, wo sich kein Fenster öffnen liess. Die Luft in diesem quadratischen Raum mit dem grossen, nicht zu öffnenden Fenster, war so dick, man hätte sie mit einem Messer in Scheiben schneiden können.
„Haben Sie meine E-Mail gelesen, L?“ fönte er ihr entgegen, während er sich mit einem Kleenex den Schweiss von der Stirn wischte. 
Natürlich hatte sie das! 
„Was bringen Sie mir denn da Schönes, L?“
„Ihre Bestellung. Zwei Buttergipfel – aber die grossen mit einer Tasse Zucker mit Kaff- ähm Kaffee mit Zucker. Dazu bringe ich Ihnen zwei Donuts mit Schokoladenglasur.“
Herr J., der von allen nur „der Schwitzer“ genannt wurde, schaute sie prüfend an. „Dann können Sie ja jetzt wieder an die Arbeit! Ich bezahle Sie nicht fürs Rumsitzen! Ist mein Tisch reserviert?!“
Natürlich war er das.
Sie hielt das nicht mehr aus. Was für ein Möchtegern-Despot! Zuhause hatte die Frau die Hosen an und daher spielte er hier den Gewaltherrscher! Wieso war gerade sie seine Assistentin?! Wieso?! Ein Danke oder Bitte war seinem Wortschatz fremd. Aber mit Exklamationszeichen geizte er nie. Dem Typen gehörte einfach mal eine ausgewischt. L setzte sich an ihr Notebook, um sich über einige, ätzende Stoffe zu informieren. Wo wären wir heute ohne Google und Wikipedia?
Nach ihrer Informationsbeschaffung war L zum ersten Mal in ihrem Leben wirklich froh darüber, in einer Pharmaunternehmung zu arbeiten, hatte sie doch während ihrer exakt 28minüten Mittagspause etwas aus dem Lager zu holen. Ihr guter Freund K würde ihr schon dabei helfen. Mit einem zufriedenen Grinsen nahm sie ihre eigentliche Arbeit wieder auf.
Nach ihrer Mittagspause fand sie eine neue E-Mail vom schweisstriefenden Schwitzer in ihrem Posteingang vor:
Nur zu Ihrer Information: Das Essen im Freddy’s war ausgezeichnet, nur die Bedienung etwas unfreundlich! Sie sorgen dafür, dass ich das nächste Mal zuvorkommend bedient werde! Schliesslich bin ich ein guter Gast und sollte auch so behandelt werden! Das werden Sie nach Ihrem Feierabend machen! Sie werden da vorbeigehen und denen mitteilen, dass ich ein Anrecht darauf habe, zuvorkommend behandelt zu werden!
Ich werde heute Nachmittag früher Feierabend machen. Ich arbeite schliesslich ausgesprochen hart (was man nicht von allen hier behaupten kann). Sie hingegen werden noch Dokument A bearbeiten! Sie wissen schon, das ist irgendwo in diesem grossen Pharmaordner abgelegt. Sie werden es finden! Ich erwarte morgen einen vollständig überarbeiteten Bericht mit Randnotizen! Schliesslich muss ich das bei der Sitzung meinem Boss vorlegen. Also sorgen Sie dafür, dass alles perfekt ist! Ich will mich nicht schämen müssen! Und dieses Mal, erklären Sie diese Fremdwörter gefälligst!  
PS: Bringen Sie mir nochmal so einen Kaffee! Der war nicht so schlecht wie der gestern! Dazu bringen Sie mir noch diese mit Sahne gefüllten süssen Dinger mit dem Puderzucker!
Na wunderbar! Sie wollte heute pünktlich Feierabend machen und mit einem alten Bekannten ins Kino gehen. „Es tobt ein Krieg in mir!“
Sie brachte ihm den Kaffee und die Windbeutel. Der Kaffee allerdings war nicht genau gleich, wie der vom Vormittag. Beinhaltete er dieses Mal ein paar Tropfen einer übern Mittag aus dem Lager geholten Flüssigkeit. „Wohl bekomms!“
Sie würde diese Tropfen allerdings über einen längeren Zeitpunkt anwenden müssen, ehe sich eine Wirkung zeigen sollte. Sie hatte ja Zeit.
Ihr Blick fiel auf die kleine schwarze Deospraydose, die auf ihrem Schreibtisch stand. Sie würde eine aus dem Waschraum der Männer mitgehen lassen. Das war sicherer. Morgen.
Am Tag darauf kam der Schwitzer nur für kurze Zeit ins Büro. L wusste warum. Er setzte sich, wie jeden Morgen, mit seinem breiten Hintern auf ihren Schreibtisch, schaute auf sie herab und gab seine üblichen Floskeln preis: „Na, L. Wie geht es uns denn heute. Ist Dokument A erledigt?!“
Mit der rechten Hand griff er zum Deo und besprühte sich damit. Bereits früh am Morgen zeichneten sich Schweissränder auf seinem Hemd ab. Nicht nur unter den Armen. Wieso trug er auf immer diese hellblauen Hemden? Mit Schwarzen würde diese konstante Bewässerungsanlage immerhin ein wenig vertuschen können.
Etwa 10 Minuten später verliess er das Gebäude fluchtartig und tippte von unterwegs eine E-Mail an L über sein veraltetes Blackberry:
L! Ich werde heute nicht mehr kommen! Sie besorgen das Alltagsgeschäft! Enttäuschen Sie mich nicht!
L grinste fies und dachte sich nur, dass er wohl morgen auch nicht erscheinen wird. Überhaupt die ganze Woche nicht. Ja, gewisse Liquide überzeugen doch in ihrer einfachen Anwendung. Der gute Schwitzer würde nun einige Tage noch übler riechen. Buttersäure richtig eingesetzt, kann wahre Wunder bewirken. 
Dies jedoch sollte nur der Anfang sein…
Am darauffolgenden Tag erhielt sie zwei Fläschchen von ihrem Kollegen aus dem Labor. Cyanwasserstoff und Schwefelsäure. Sollte das Eine ihn nicht dahinraffen, dann das Andere ganz bestimmt. L machte sich daran, zwei Deoflaschen zu präparieren.
Zwei Wochen später kam der Schwitzer zurück in die Firma. Der Geruch nach faulen Eiern war verflogen. Natürlich konnte er sich nicht erklären, woher dieser Gestank kam und verdächtige auch keinen der Mitarbeiter. Er glaubte, an eine allergische Reaktion auf irgendetwas.
Kurz nachdem er sich mit der blauen Axeflasche besprüht hatte, ging seine Atmung etwas schwerer. Der Schwitzer hatte zur richtigen Deodose gegriffen, begünstigt doch Schweiss die Aufnahme des Cyanid erheblich, da Blausäure eine hohe Wasserlöslichkeit besitzt. Die Sauerstoffbindungsstelle in der Atmungskette der Körperzellen wird blockiert. Durch die Deaktivierung des Enzyms kommt die Zellatmung zum erliegen, was zur inneren Erstickung führt. Darauf reagiert der Körper mit erhöhter Atemfrequenz, was die Aufnahme gasförmiger Blausäure erhöht. Die Zellen sterben schliesslich an Sauerstoff- und ATP-Mangel.
Da er sich immer gerne mit zwei verschiedenen Deos besprühte, griff er sogleich zur roten Axedose. Diese benutzte er weniger als Deo und mehr als Parfüm. Als die ersten Tropfen seine Haut berührten, spürte er ein leichtes Brennen. Gleichzeit machten sich die ersten Anzeichen der Cyanidvergiftung bemerkbar. Dem Schwitzer wurde furchtbar schwindlig und so stürzte er noch im Waschraum stehend, zu Boden. Er begann zu hyperventilieren und rang nach Sauerstoff. Nur schwach nahm er wahr, wie sich die Schwefelsäure allmählich durch seine Haut frass. Hätte er um den Inhalt der beiden Deodosen gewusst, wäre er L sicherlich dankbar um die Blausäure gewesen. Denn ohne die hätte er sich im grossen Spiegel des Waschraumes liegen sehen mit weit offenen Wunden an den Stellen, an denen die Schwefelsäure seine Haut getroffen hatte und sich immer tiefer ins Fleisch zu fressen begann. Danach wäre ein langer qualvoller Heilungsprozess eingetreten, mit sehr schmerzhaften und nur langsam und schlecht verheilenden Wunden. Dank der Blausäure blieb ihm dies erspart. Er verlor das Bewusstsein und blieb reglos auf dem weissen Kachelboden liegen. Die Blutlache um seinen reglosen Körper wurde stetig grösser. Die Wunden tiefer.
Als er gefunden wurde, oder zumindest das, was von ihm übrig geblieben war, waren die Stellen seiner Haut, die nicht zerfressen worden waren mit, bei Cyanidvergiftungen üblichen, leuchtend roten Livores versehen.
Für alle die, die es wissen möchten: 
Es war viel von ihm übrig geblieben. Doch war der Anblick nicht unbedingt schöner Gestalt. Frass sich die Schwefelsäure durch seinen Bauch, worauf das im Überfluss vorhandene Fett herauszurinnen begann. So lag er letzten Endes in einer Suppe aus dickem roten Blut und einer weiss-gelblichen Flüssigkeit, die sich mit dem Blut vermischte.
L’s Gedanken beim Anblick des Leichnams waren recht positiv, möchte man sagen. Sie dachte sich, dass seine Schweissdrüsen nun endlich verätzt waren und er auch gleich ein paar Kilo abgenommen hatte. Sie betrachtete dies als eine äusserst positive Wendung und lächelte zufrieden.