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Samstag, 23. Februar 2019

Es war die Buchhändlerin mit dem Eispickel im Wohnzimmer


Du kommst in meinen Laden gestürmt. Wie ein Bulldozer walzt Du auf mich zu. An Deinen Gesichtszügen ist blanke Wut abzulesen. "SIE!" brüllst Du mir auf halbem Weg entgegen. "SIE!"
Meine rechte Augenbraue erhebt sich. "GLOTZEN SIE MICH NICHT SO AN!"
"Guten Tag der Herr."
"SPAREN SIE SICH DAS!!!"
"Gut."
"SIE SIND DAS LETZTE!!! SIE SIND ABSOLUT UNFÄHIG!"
"Darf ich erfahren, warum Sie mich die ganze Zeit über anbrüllen?", entgegne ich noch immer absolut gelassen, was Dich noch mehr aus der Fassung bringt.
"WEIL SIE VERDAMMT UNFÄHIG SIND! SIE HABEN MICH BELOGEN!"
"Ist es Ihnen möglich, in angemessenem Ton mit mir zu reden?"
"DIESER TON IST ANGEMESSEN!!! WAS GLAUBEN SIE EIGENTLICH WER SIE SIND?! SO MIT MIR ZU REDEN!!! WISSEN SIE EIGENTLICH WER ICH BIN?!"
"Ich bitte Sie einmal höflich, sich einer besseren Redeweise zu befleissigen. Das ist die Voraussetzung dafür, um weiterhin mit mir kommunizieren zu dürfen."
"DAS REICHT?! WISSEN SIE WER ICH BIN?!"
Mein Gehirn hat x Antworten parat. Aber ich bin bei der Arbeit. Folglich kann ich meine Gedanken nicht frei aussprechen. "Ein erboster Kunde, wie sich unschwer erkennen lässt."
"WAS FÄLLT IHNEN EIN?!"
"Wenn Sie mir jetzt Ihr Problem schildern, kommen wir vielleicht weiter. Was hat Sie denn so in Rage versetzt?"
"SIE HABEN MICH BELOGEN!!! SIE HABEN GESAGT, WENN SIE MEIN BUCH BESTELLEN, DAUERT ES 2 TAGE!"
"Nein, ich habe gesagt, es dauert voraussichtlich 2 Tage."
"DIE ANDERE FILIALE HAT ES VORRÄTIG! DAS DAUERT KEINE 2 TAGE, WENN SIE ES DORT BESTELLEN! MIT DEM TRAM DAUERT ES GRAD MAL 12 MINUTEN!"
"Wir bestellen aber nicht bei anderen Filialen. Wir bestellen beim Lieferanten."
"SIE LÜGEN! SIE LÜGEN MICH SCHON WIEDER AN!!! DAS HABEN SIE IMMER GEMACHT!!!!"
"Seit meiner Zeit hier, nicht. Was vor 50 Jahren der Fall war, kann ich allerdings nicht ahnen."
"ICH WERDE SIE FERTIG MACHEN! SIE WERDEN IHREN VERDAMMTEN JOB VERLIEREN! SIE SIND UNFÄHIG! WIE IST IHR NAME?!"
"Korzky. mit Z und Y geschrieben."
"ICH WERDE SIE MELDEN! SIE UNFÄHIGE TUSSE!"

Und dann stampfst Du aus dem Laden, nicht wissend, dass Du ihn das letzte Mal betreten hast. Ich notiere mir deine Adressdaten. Du wohnst hier ganz in der Nähe. Wie gut.
Nach Feierabend nehme ich meine Tasche. Nicht die graue Tasche, sondern die schwarze aus Leder. Ich mache mich auf den Weg zu Dir.
Wieso machst Du es mir so leicht? Du wohnst im Parterre und die Tür deines Sitzplatzes steht offen. Ich schleiche mich rein. Du sitzt im Sessel vor dem Fernseher und schaust einen widerlichen Tierporno. Du bist durch Deine Hand so abgelenkt, dass Du mich nicht bemerkst. Perfekt.
Menschen wie Du einer bist, müssen erzogen werden.
Ich öffne meine Tasche und überlege kurz. Hammer? Eispickel? Zange? Schere? Messer?
Ich greife nach dem Eispickel. Ich halte ihn in meiner rechten Hand und nähere mich Dir von hinten. Ich knie genau hinter Dir. Noch immer hast Du mich nicht bemerkt. Ich hebe die Hand und stosse Dir den Eispickel ins rechte Ohr. Du gibts merkwürdige Laute von Dir. Ich ziehe den Eispickel wieder raus. Ich schaue dich an. Du rutschst aus deinem Sessel. Ungläubig starrst du mich an.
Abschliessend sage ich zu dir: "Das wird dich lehren, Buchhändler wie ein Stück Scheisse zu behandeln."

Er war der Erste... weitere sollten noch folgen...





Samstag, 27. Januar 2018

Polo Hofer von Minamar

Irgendwann im Jahr 2015...

Ich erinnere mich an dieses obskure Szenario, als wäre es eben erst passiert.
Ich hatte Dienst mit der holden Miralind. Wir standen in der Belletristikabteilung, unserem kleinen Reich, welches sich im EG befindet und somit Anlaufstelle für sämtliche verirrten Kunden und Touristen ist. Oftmals waren wir mehr Kundenleittafel und Infopoint denn Buchhändlerinnen in der Belle.
Wie dem auch sei, die Sonne schien durch die grossen Fenster und verkündete einen angenehmen Tag. Da öffneten sich die Türen und eine hektische Kundin kam hereingestürmt. Wie so oft in Zürich, verschwendete sie keine Zeit mit der gesellschaftlichen Konvention des Grüssens. Wieso denn auch? Sklaven der Dienstleistungsbranche grüsst man nicht. Wir sind es nicht wert, dass man die kostbare Zeit an uns verschwendet.
Sie schoss auf mich zu, bereits von der Tür her krähend "***o ****er****mar!". Ich konnte sie nicht verstehen, also wiederholte sie das, was für sie wohl eine Frage darstellen sollte nochmals, als uns nur noch knapp ein Meter voneinander trennte: "Polo Hofer von Minamar!"
Wollte sie mir damit mitteilen, dass Polo Hofer nun ein von in seinem Namen trägt und diesen durch Minamar ergänzt hat? Oder war Minamar ein hipper Ausdruck für Gottweisswas?
Irritiert sagte ich "Entschuldigung?"
"Minamar! Ein Land in der Karibik!", belehrte sie mich bereits sichtlich genervt von meiner dümmlichen Unwissenheit. Noch irritierter als ohnehin schon, brachte ich gerade noch heraus: "Reiseabteilung. Zweiter Stock." Ohne sich zu bedanken, kramte sie Steigeisen und Eispickel hervor und machte sich an den beschwerlichen Aufstieg an der Nordwand empor in den zweiten Stock. Zumindest klang es bei vielen Kunden so, als müssten sie die Nordwand besteigen, um in den zweiten Stock gelangen zu können.

Wir rätselten... welcher Fleck auf diesem Planeten Minamar heisst. Dazu konsultierten wir GoogleMaps. Die Antwort war "Keine Ergebnisse gefunden". In Florida gibt es ein Miramir. Aber Florida liegt nicht in der Karibik.

Schliesslich riefen wir in der Reiseabteilung an und fragten unsere Kollegin in den schwindelnden Höhen, nach dem kuriosen Wunsch.

Gesucht war ein Polyglott-Reiseführer. Sie hat also doch nicht nach Polo Hofer gesucht. Der gesuchte Fleck auf Erden war MYANMAR. Meine Geografiekenntnisse sind ja schlecht, aber gar ich weiss, dass Myanmar in Asien, irgendwo bei Laos und Thailand liegt...

Na dann, liebe Züribergbitch: Wir wünschen Dir einen guten Flug mit Deinem Polo Hofer, nach Myanmar oder Minamar in der Karibik... 😂

Samstag, 1. August 2015

Der schwangere Mann


Es war ein wunderbarer Tag, nicht vom Arbeiten her, da wir kaum etwas zu tun hatten, aber das Wetter war perfekt. Nicht zu heiss, nicht zu kalt, einfach angenehm sonnig. Die perfekte Kulisse also für die Anfangssequenz einer Nicholas-Sparks-Verfilmung...

Miralind und ich hielten uns am Empfang auf und verhandelte gewichtige Themen, welche natürlich allesamt mit dem Job zu tun hatten - denn Privatgespräche waren ja nicht erlaubt. Und da Schafe und ihre „Maaa“-Laute zum Arbeitsalltag gehörten - zumindest seit diesem Kunden, der sich in (s)einer Schafphase befunden hatte - und hoch im Kurs stehen, war das Thema Schaf an der Tagesordnung und so sprachen wir gerade über Schafe, als das Unaussprechliche geschah…

Eine Erschütterung war zu spüren und so dachten wir unweigerlich an ein Erdbeben der Stärke 2. 
Aber hier in der Schweiz? Mitten in Zürich? Die Erschütterungen wurden schlimmer. Ich betrachtete die Kreise, die sich in meiner Wasserflasche bildeten und dachte natürlich gleich an einen T-Rex! Ich sagte zu Miralind, das müsse ein T-Rex sein! Etwas anderes sei gar nicht möglich! 

Die Pforte zu unserem kleinen und buchschwangeren Reich öffnete sich und ein als Schwangerschaftsbauch getarnter Bierbauch schwappte herein. Kurz darauf folgte der dazugehörige Mann. Übrigens kreisten zwei kleine, ebenfalls schwanger aussehende Männlein in einer Umlaufbahn um ihn. Hätten wir den Mann von hinten betrachten wollen, hätten wir erst noch einmal volltanken müssen.
Ich flüsterte zu Miralind, da kommt ein schwangerer Mann. Miralind brach natürlich in schallendes Gelächter aus. Miralind bricht bei allem, was ansatzweise witzig ist, in schallendes Gelächter aus. Dafür liebe ich sie einfach. Die Arbeitstage ohne sie ähneln den letzten Tagen des Caligula: düster und am Anfang einer Entropie… 

Jedenfalls kam der mit einer weissen Zeltplane überspannte Bierbauch auf uns zu. Dicht gefolgt von dem dazugehörigen, verschwitzten Mann, der seine Augen und einen Teil seiner Nervosität, hervorgerufen durch seine Unsicherheit, hinter einer dieser peinlich-sportlichen Sonnenbrillen mit Spiegelgläsern zu verbergen wusste.
Wie es so üblich ist, hat er natürlich keine Anstalten gemacht, seine Brille abzunehmen. Wieso auch? Schliesslich besitzen rund 70% aller Menschen, die unser kleines Reich betreten, diesen Anstand nicht. 

Er öffnete den Mund und seine hohe zitternde Stimme war von Nervosität geschwängert. Dieser Mann triefte - vor Schweiss und Unsicherheit. 
„Ihr seid das aller Letzte!“ 
Miralind und ich schauten einander an. 
„Ihre Firma hat en Bogen deutlich überspannt! Vor 10 Jahren haben sie noch das 10. Buch Mose verkauft und nannten andere Idioten! Und letzte Woche haben sie da draussen einen Sexfilm verkauft! Euch ist nichts heilig!“ 
Als ich zu Miralind schaute, graute mir, denn ich rechnete fest damit, dass ihre grossen Augen bald schon die Höhlen verlassen und mit einem schmatzenden Laut auf den Boden aufschlagen würden, so entsetzt starrte sie ihn an. 
Für mich, die den ersten Arbeitstag nach den wohlverdienten Ferien hatte, war der Mann nur lästig und ich war genervt, dass er diesen schönen Tag mit seinem geistigen Dünnschiss überschatten wollte. So teilte ich ihm desinteressiert mit, er möge seine Beschwerde doch bei den Zuständigen anbringen, wir arbeiteten schliesslich nur hier. 
„Nein! Ich will nicht noch rechtlich gegen sie vorgehen! Es reicht, wenn ich das hier sage! Sie müssen das wissen!“
„Ja dann, dankeschön.“ flötete ich. 
„Bitte“ krähte er vom Ausgang her. Miralind und ich brachen in schallendes Gelächter aus, worauf sich erst der schwanger anmutende Bauch umdrehte, und kurz darauf der dazugehörige Mann. Ob er uns einen bösen Blick zugeworfen hat? Wir werden es nie erfahren. Schliesslich können wir nicht durch Spiegelgläser sehen. Jedenfalls starrte er noch durch die grossen Fenster zu uns herein und wir lachten noch so lange, bis erst der Bauch und kurz darauf der dazugehörige Mann verschwunden waren.























Sachen gibts…


So geschehen in der dritten Juliwoche 2015...


W E R B U N G

und für alle, die es interessiert... während meiner Bildersuche bin ich auf folgenden geistreichen Artikel gestossen:

JURASSIC PARK ICE CUBES


Die Schafphase


Miralind und ich durchlebten einen ereignisreichen Arbeitstag. Schliesslich war es ein Freitag und jener Wochentag verläuft bei uns immer ereignisreich. Da haben alle Psychopathen Freigang und beehren uns mit einem Besuch. 
Einmal, es war ein Freitag, verlief alles harmlos und normal und wir hörten entfernt schon die Titelmelodie von TWILIGHT ZONE. Rod Serling kam um die Ecke geschlichen und begann seinen Prolog zu unserem Freitag und schloss mit den üblichen Worten „…in der Twilight Zone.“

Wie dem auch sei. Ein Mann steuerte auf mich zu und erkundigte sich nach diesem schwedischen Autor der schon ein paar Bücher geschrieben hat. 
Ähm ja… 
Nach kurzem Hin und Her stellte sich heraus, dass die Rede von Knausgard war (der zwar aus Norwegen kommt, aber wie sagte Flip in "Fascht e Familie" doch immer so schön? "Kei Detail"). So begleitete ich ihn zu dessen Büchern und fragte, ob er noch etwas möchte. 
Er entgegnete mir mit einem „Maaaa“.
Etwas irritiert und ein lautes Lachen verkneifend ging ich zu der guten Miralind, die mich schon - aufgrund meiner typischen Mimik - erwartungsvoll anstrahlte. So stellte ich ihr eine Frage: „Was bedeutet ‚Maaa‘? Heisst das ‚Oh vielen Dank!‘ oder ‚Verzieh dich endlich?‘“
Miralind und ich philosophierten über die Meinung des Lautes „Maaa“. Nach zahlreichen Vermutungen und Spekulationen kamen wir schliesslich zum Schluss, dass „Maaa“ definitiv dem Schafslaut nachempfunden sein musste. 
So sagte ich zu Miralind, „wenn mich das nächste Mal einer nervt, sage ich auch nur noch ‚Maaa‘.“ Sie meinte daraufhin, sie starre die Kunden dann nur noch an und mache „Maaa“. So brachen wir erstmal in schallendes Gelächter aus und spielten ein paar  mögliche Situationen durch. 

Die Schlüsselszene ging in etwa wie folgt. Es ist doch schon ein Weilchen her und ich erinnere mich nicht mehr 1:1 an jedes Wort, aber in etwa so hat es sich zugetragen:
Miralind als Kundin und ich als ich

Ich: „Guten Tag“
M: „Ich will diesen Bestseller haben! Von diesem Mann!“
Ich: „Welchen meinen sie denn genau?“
M: „Na dieser Bestseller! Den  müssen sie schon kennen, bei diesem Beruf! Also ehrlich!“
Ich: „Maaa!“
M: o_O
Ich: „Verzeihung, ich befinde mich eben in meiner Schafphase. Maaaaaaaaaa“

Und so ist der Ausdruck Schafphase entstanden und wir befinden uns seither fast täglich in einer solchen - wenn auch nur zum Spass. 

Übrigens wird der eine Computer seit dem immer wieder von einem Schaffigürchen, welches ich aus der Kinderabteilung ausgeliehen habe, geziert. Irgendjemand, der dem Schaf-Hype nicht erlegen ist, bringt es immer wieder zurück in die Abteilung und ich hole es immer wieder. 

Denn, dem Schafphasen-Kunden sei Dank, vermag ein Schaf auch den finstersten Arbeitstag zu erhellen! 








Sonntag, 1. Februar 2015

Buchhändler-Humor und Versprecher

"Meine Kollegin im Computer schaut das gerne für sie nach."

"Kafka gibt es nicht in englischer Übersetzung."
"Das wäre auch sehr kafkaesk!"
"Ein wahrer Buchhändler-Witz" *hust*

"Den nächsten Kunden, der des Grüssens nicht mächtig ist, erschlage ich mit einem Reclam!"
"Wieso mit einem Reclam und nicht mit einem fetten Lexikon?"
"Weil es mit einem Reclam länger dauert und somit schmerzhafter ist!"

Ich erzähle "kompletten Scheiss"

Es war ein ruhiger Winterabend, draussen war es bereits seit rund drei Stunden dunkel und der Feierabend rückte in greifbare Nähe. Ein normal wirkender Kunde betrat den Laden, erkundigte sich nach einem Buch, welches nur noch in einer anderen Filiale vorhanden war, war der Faulheit wegen nicht gewillt die paar Meter zu jener Filiale zu gehen und wollte den Titel bestellen.
Immer wieder wundere ich mich über die Faulheit des Menschen... Man kann bei uns vor der Tür ins Tram ein- und vor der Tür der nächsten Filiale aussteigen. Aber gut.
Der Herr bedankte sich und verliess das Geschäft, verlor sich in der Dunkelheit einer Winternacht, wie sie so nie wieder sein würde. Und ich für meinen Teil, ahnte nichts vom Grauen, welches noch folgen mochte...

Rund 10 Minuten später kam jener Kunde erboster Miene und festen Schrittes in die Buchhandlung geeilt. Seine zur finsteren Fratze verzogenen Gesichtszüge liessen nichts Gutes erahnen. So fauchte er gleich los: "Was erzählen Sie mir eigentlich für einen kompletten SCHEISS?!"
"Entschuldigung?"
"Wenn es in der anderen Filiale vorrätig ist, dauert die Lieferung sicher nicht bis Donnerstag! Dann haben sie es morgen hier!"
"Nein haben wir nicht. Wir beziehen die Waren bei unseren Lieferanten und nicht von anderen Filialen."
"BULLSHIT! Das haben sie immer gemacht! Sie erzählen mir einen absoluten Mist!"
"Was genau ist der Grund dafür, dass sie mich hier so anfahren?"
"Weil sie mich so schlecht bedienen! Wo ist die Chefin?!"
"Um diese Zeit ist weder eine Abteilungs- noch die Filialleitung im Haus."
"Ja klaaaar! Verarschen kann ich mich selbst! Was für ein Zufall!"
"Sie können gerne morgen Vormittag wieder kommen, dann sind meine Vorgesetzten im Haus."
"Wie ist ihr Name!"
Obschon es mehr ein Ausruf denn eine Frage war, sagte ich ihm meinen Namen mit der Frage, ob ich ihm diesen sonst aufschreiben solle. Er stapfte eine Etage weiter und jammerte meiner Arbeitskollegin sein Leid. Diese bestätigte, dass wir keine Ware bei anderen Filialen beziehen. Da schien es allerdings kein Problem mehr zu sein...
Schliesslich kam er wieder in meine Etage und bellte mir entgegen: "Ihre Kollegin hat die Bestellung so ausführen können, wie ICH das GEWOLLT habe! SIE konnte das! Nicht so wie sie! Sie können es nicht!"
"Ja anscheinend muss ich ein richtiger Idiot sein, was?"
"ÄCH!", winkt ab, geht ab.
"Noch einen schönen Abend!"

Mitleidige Kundinnen wünschten mir in freundlichstem Tonfall einen schönen und wohlverdienten Feierabend.

Sollte dieser Mensch nochmals bei mir auftauchen, wird er gleich an einen anderen Kollegen verwiesen. Oder ich erschlage ihn mit einem Buch vom Lappi von Olten. -_^




Witzige Kundenfragen und Ähnliches...

2015/01/xx


"Guten Tag, Ich suche das neue Buch von Daiotschiiines."
"?_?" möglicherweise ein mir unbekannter Schriftsteller?
"Diese weissen Bücher! Von diesem Engländer, der Honig geschrieben hat!"
"Meinen Sie Ian McEwan?"
"Ja genau den!"
gemeint war der DIOGENES Verlag, der genau so ausgesprochen wird, wie er sich schreibt. Nichts Englisches, da in der Schweiz ansässig. 

"Grüezi, Ich suche das Buch XXXX."
"Das ist leider vergriffen."
"Das kann nicht sein! Es ist gelb!!!"
"?_?"

Freitag, 8. August 2014

Von der Vielfalt erschlagen

Seit über 30 Jahren nun, arbeitete sie als Buchhändlerin. Sie liebte ihren Job. Sie liebte Bücher. Sie liebte diese anderen Welten, in die sie stetig eintauchen und sich darin verlieren konnte. Es war ihre Flucht aus der Realität.
Sie mochte die meisten Kunden. Wirklich. Doch manchmal kam es vor, dass sie mal jemanden nicht mochte. Ja geradezu verabscheute. 30 Jahre in diesem Betrieb. Und seit 10 Jahren kam diese eine boshafte Kundin des öfteren vorbei. Sie hatte die Schnauze voll. Gestern sollte der letzte Tag gewesen sein, an dem sie sich von dieser Person anherrschen lassen musste… 

Es geschah in der Woche darauf. Sie war alleine in der Buchhandlung und wollte gerade schliessen, als dieses Weib in den Laden gestürmt kam. Schon beim Eingang krähte sie, ob ihr Buch denn noch immer nicht eingetroffen sei! Wieder beklagte sie sich über den laschen Service, und dass sie ihre Ware künftig bei Amazon beziehen werde - damit drohte sie bereits seit 5 Jahren. 
Wieder herrschte sie sie an. Wieder warf sie ihr vor, wie unfähig sie doch in ihrem Job war. Wieder sagte sie, dass sie nicht verstehen könne, wie eine so unfähige Person, so lange in diesem Beruf arbeiten konnte… 

Während die abscheuliche Kundin, in den Grusskarten stöbernd, mit dem Rücken zu ihr stehend, weitere Beleidigungen von sich gab, griff die Buchhändlerin nach Claude Cueni’s Script Avenue und schlug diesem Reibeisen von Frau damit auf den Kopf. Sie schlug nochmals zu. Und noch einmal. 637 Seiten in Karton gebunden, schossen auf die, mittlerweile am Boden liegende Frau ein. Die Blutspritzer passten farblich perfekt zu den Lettern der SCRIPT AVENUE. Da dieses Buch bereits recht lädiert war, spazierte sie in aller Ruhe zum Regal mit dem Buchstaben L und griff nach dem Marginalienband von Jonathan Littell’s Die Wohlgesinnten. Nicht etwa wegen der Thematik, sondern wegen des Gewichts der 1482 Seiten im Kartonschuber. Die Kundin versuchte sich aufzurappeln. Die Buchhändlerin stellte sich direkt vor sie hin, schüttelte den Kopf und verkündete mit fiesem Lächeln, dass sie der Kundin Attacken und Sticheleien hier und jetzt für immer beenden werde. Der Blick angsterfüllte Blick der Kundin freute die Buchhändlerin. Sie zückte ihr iPhone und schoss ein Foto. Als das Smartphone wieder in ihrer Hosentasche versunken war, schmetterte sie die 1482 Seiten im Kartonschuber ins Gesicht der Kundin. Diese schrie unter Qualen auf. Ihre Wange und die Lippe waren aufgeplatzt. Das rechte Ohr zerfleddert. Sie begann wimmernd um ihr Leben zu flehen, ja sie bettelte geradezu. Obschon dies der Buchhändlerin eine gewisse Genugtuung verschaffte, prügelte diese weiter auf ihr Opfer ein. Irgendwann hielt sie inne und begann ihr Opfer mit allen möglichen Büchern zu bewerfen. Zuerst kam Nora Roberts geflogen. Darauf ein Taschenbuch von Danielle Steel, gefolgt von David Baldacci’s Schnulze und dem neuen Nicholas Sparks. 
Sie rollte die Reclam-Ausgabe von Hauptmann’s Bahnwärter Thiel zusammen, drückte sie ihrem Opfer ins rechte Auge und bohrte solange darin herum, bis sie den Augapfel entnommen hatte.
Danach holte sie den Brieföffner, stiess diesen in des Opfers Unterleib und zog ihn mit aller Kraft nach oben. Sie hatte unterschätzt, wie viel Kraft ein so stumpfer Gegenstand kostete. Dennoch blieb sie hartnäckig und schlitzte weiter, bis sich der Bauch auftat und die Eingeweide heraus quellten. Ihr Opfer starrte ungläubig mit zwei geschwollenen Augen auf die Wunde im Bauch. Die Buchhändlerin begann damit, ihr Opfer auszuweiden… 

Die Kunden, die am darauffolgenden Tag die Buchhandlung betraten, waren erst geschockt, dann entzückt. Sie machten der Buchhändlerin zahlreiche Komplimente über die diesjährige Halloween-Dekoration. Sie habe sich mal wieder selbst übertroffen! 

Vom Eingang bis zur Kellertreppe hin zog sich eine breite Blutspur durch den gesamten kleinen Laden. 
Neben der Kasse befand sich ein kleiner Aufsteller, dessen Schriftzug „Top Titel“ verkündete. Darunter lagen die beiden zerbeulten und rotbraun gefärbten Tatwaffen.

Der ausgehöhlte Torso hing in der Abteilung für Kunst und Lifestyle. In der Bauchhöhle brannte eine Glühbirne und spendete etwas Licht. Ein Kunde fragte gar, ob er diese Lampe kaufen könnte?! Die wäre einfach grossartig! Auf dem obersten Regal der Horror-Abteilung thronte ein Kopf mit leeren Augenhöhlen. Die Augen lagen in einer gusseisernen Schale in der Okkultismus-Abteilung. 
Die abgetrennten Gliedmassen lagen auf der Pyramide mit den Krimis, welche allesamt mit Blut verschmiert waren. 
Die Gedärme waren liebevoll um die kleine Pyramide mit dem Buch des Monats drapiert. Darauf befand sich das Buch Darm mit Charme. 

Montag, 18. Dezember 2006

CHF 1000,-


Es ist Freitagmorgen und fast nichts los in unserer kleinen Buchhandlung. Da kommt ein Familienvater, der aussieht wie der Bürstenbinder, der sein ganzes Leben lang nur Parisienne geraucht hat, zur Kasse und legt ein Buch hin. Er öffnet seinen Geldbeutel, in dem eine purpurne 1000-Franken-Note frisch fröhlich vor sich hinkichert und fragt: „Können Sie mir auf einen 1000er wechseln?“
„1000er nehmen wir nicht an.“ Da darf die purpurne Note weiterhin in der dunklen Brieftasche schlummern, während er anfängt los zu jammern: „Gottverdammt noch mal!“, und in dem Augenblick fällt mir eine Szene aus dem kleinen Arschloch ein, da wo der Vater seine Calvin Klein Unterhose sucht, die das kleine Arschloch als Kopfbedeckung trägt. Der Vater hämmert gegen die Tür mit den Worten, Verdammte Drecksauscheisse, wo ist meine Calvin Klein Unterhose!!! „Kein Geschäft hier nimmt diesen Scheiss an! Wohin kommt man denn da noch?! Gottverdammt noch mal! Wo wird man dieses Dreckszeug los?!“ Ich frage mich, ob ich wohl was sagen soll und denke, dass er die Worte ja nicht an mich gerichtet hat sondern an die Luft vor ihm. Ich höre mir seinen Ausbruch an und sehe, wie es der Frau peinlich ist und denke, dass er ein gutes Beispiel für seinen kleinen Sohn ist, der ihn mit weit aufgerissenen Augen anstarrt. Da legt er wieder los: „Hier gibt’s ja nicht mal einen scheiss Automaten, der diesen Scheiss annimmt!“ – Denken wir da nicht alle an Homer Simpson? Wie er da am Telefon sitzt und sagt: „Das sind wirklich die beschissensten Bescheisser die uns beschissen haben.“ Juuu, zum Glück habe ich das, was man Körperbeherrschung nennt, und breche somit nicht in schallendes Gelächter aus und hinterlasse somit vor lauter Lachen auch keine Urinlache hinter der Kasse. Haben wir alle noch mal Schwein gehabt. Da wendet er den Blick zu mir und sagt in einem ruhigen und höflichen Ton: „Tut mir leid, dann können wir das Buch nicht nehmen. Einen schönen Tag wünsch ich noch.“ Als wäre nichts gewesen, wünsch ich der Familie auch einen schönen Tag. Im rausgehen flucht er seine Frau an: „Das ist doch echt nicht zu glauben! Ein neues Center und keiner nimmt diesen Scheiss an!“
Ja ja, und somit gehören sämtliche Geschäfte im Center zu beschissenen Scheissern, die diesen Scheiss nicht annehmen… ^^

Freitag, 1. Dezember 2006

Aber es steht im Katalog !


Kommt eine verbittert dreinschauende Kundin auf mich zu und zeigt mir den Katalog des Betriebs. Mit ihrem schrumpligen Finger deutet sie auf ein Buch auf der aufgeschlagenen Seite des Hauptkatalogs. "Haben sie das?" Natürlich nicht, da wir ja keine erotischen Roman am Lager haben dürfen. "Und das?" Wieder deutet sie auf das Buchcover, auf dem ein blonder Mann mit entblösstem Oberkörper eine Blondine im roten Kleid und halb entblösstem Busen in den Armen hält. Nein auch das haben wir nicht da. Wie auch? Ich verneine freundlich. Sie wird langsam stinkig. Blättert hektisch weiter und zeigt wieder auf ein solches Buch. "Und das? Haben sie das?!" "Nein auch das haben wir nicht hier." Und nun folgt ein spannender Dialog:
"Haben sie eigentlich auch etwas aus dem Katalog da!"
"Wir haben einiges aus dem Katalog am Lager, aber längst nicht alles."
"Und wieso nicht?!"
"Wir hätten gar nicht genug Platz für alles."
"Und ist alles was sie hier haben auch im Katalog?"
"Nein."
Somit trabt sie aus dem Geschäft, ohne Danke oder auf wieder sehen.

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Kommt eine Kundin in den Laden galoppiert, schnappt sich schnaubend wie ein Vollblüter nach einem Rennen einen Katalog und blättert ihn hektisch durch. Da das schnaubende Pferd, dass da vor mir steht und wie ein Hund hechelt eher einem gemästeten Spanferkel gleicht und bei der Atmung auch genau so grunzt beginne ich mich zu fragen, ob sie den heutigen Tag wohl ohne Herzinfarkt überstehen wird?
Nach langem blättern hat sie die ersehnte Seite endlich gefunden und teilt mir - noch immer schnaubend - mit, dass sie diesen Artikel haben muss und deutet mit ihrem fleischigen Finger auf ein Buch, dessen Cover ich nicht erkennen kann, da ihr Finger in seiner ganzen Breite das ganze Bild verdeckt. Endlich erkenne ich das Cover und verneine. Darauf die Kundin: "Aber es ist im Katalog!" Sie schreit, ja brüllt schon fast. Gerade so als ob es um Leben Tod ginge. "Wir haben nicht alles hier, was im Katalog ist."
"Aha! Wieso gibt es dann überhaupt einen Katalog?! Dann muss ich die Scheisse trotzdem wieder bestellen!"
"Ich kann ihnen Titel auch in die Filiale kommen lassen."
"Aber dann muss ich wieder herkommen und sie holen?"
"Ähm... ja."
"Ich komme nicht noch mal her! Dann bestelle ich es lieber übers Internet, dann muss ich nur zum Briefkasten und nicht noch mal hier raus!"
Mit diesen Worten stampft sie davon. Ob der Boden nun Löcher bekommen hat? Dellen? Nein nichts. "Mein liebes Walross", denke ich, "ein Spaziergang zum Briefkasten ist ja gut und recht, aber ein paar Meter weiter würden auch nicht schaden."

Donnerstag, 30. November 2006

Die Hieroglyphen eines Flyers


Ich stehe hinter der Kasse und was tue ich? Genau kassieren. Kommt eine Kundin und legt einen Artikel hin, der während der Eröffnung einiges günstiger war. Die Eröffnung war vor einer Woche. Ich nötige den müden Scanner, der seine Arbeit wohl nicht sonderlich mag, den EAN-Code einzulesen. Er reagiert wieder nicht. Gut, dann schüttle ich dich eben wieder wach. Aha, nun sind wir wach und lesen auch ganz brav diese schwarzen Balken ein. Der Preis erscheint auf dem Display und ich nenne ihn der Kundin. Diese echauffiert sich: "Sie wissen aber schon, dass das im Katalog nur die Hälfte kostet!" Möglich wär's ja. Also frage ich sie ganz höflich in welchem Katalog sie den Preis denn gesehen hätte. "Haben sie es im Hauptkatalog gesehen?"
"In dem der kürzlich kam!" Ich hole den Hauptkatalog hervor und frage sie, ob es in jenem gewesen sei. "Nein! Dieser Dünne, der vor etwa 2 Wochen im Briefkasten lag!" Sie kramt den Eröffnungsfyler hervor und deutet triumphierend auf den dort angegebenen Preis: "Sehen sie!" Ihrem Mann scheint das Gehabe seiner Frau sichtlich peinlich. Ich zeige ihr auf dem Flyer die Daten. Und was steht da zu lesen? Eröffnungspreise vom...bis. Genau 3 Tage waren die Preise so. Es steht sogar in grossen orangen Lettern auf der Hauptseite des Flyers. Ihr Mann: "Siehst du! Ich habs dir doch gesagt." "Schon gut! Ist ja nicht meine Schuld, dass der Flyer so unübersichtlich ist!" "Lesen muss man eben können, Schatz."
Und somit hat ihr Gatte alles gesagt, was es da noch zu sagen gegeben hätte.

Am zweiten Eröffnungstag kommt eine Kundin und legt mir einen Stoss Bücher für ca. CHF 210,- hin. Ich lese sie, im stetigen Machtkampf mit dem Scanner, ein und nenne er ihr den Preis. Sie starrt mich mit weit aufgerissenen Augen an, gerade so als hätte eben eines ihrer Kinder seine Schokoladenhände an ihrem Pelzmantel abgewischt. "Wie, was?!" "210 Franken macht das" "Das ist aber ohne Rabatt!" Erst verstehe ich gar nicht was die gute Frau meint. Wieso sollte sie Rabatt erhalten? Bevor ich nachfragen kann, antwortet sie mir auf eine nicht gestellte Frage: "Hier im Flyer steht gross..." und sie deutet mit ihrer blutrot lackierten Kralle auf den Schriftzug des Flyers, der ihr und mir und jedem der sich für den Flyer interessiert mitteilt: 50% Eröffnungsrabatt auf alle CDs, DVDs, Kalender und Boutiqueartikel. Ich nicke und mache sie darauf aufmerksam, dass da nichts von Büchern steht. Sie bezahlt und giftet im Hinausgehen ihre Kollegin an: "Das hätte man auch draufschreiben können! Dann heisst es grossartig 50% und dann sowas! So fängt man Kunden! Betrug ist sowas!"

Montag, 31. Juli 2006

Die Hitze kann dem Verstand ganz schön zusetzten

Die Buchhandlung, ein Neubau. Jahr 2005. Wir verfügen über eines der teuersten und besten Lüftungssysteme der Zeit. Daher haben wir im Inneren von unserem Glasbunker auch immer 5-8°C wärmer als draussen. Im Winter wäre das ja bestimmt von Vorteil. Aber im Sommer?

Kürzlich: J. und ich stehen an Kasse 1. Ich mache für einen tätowierten Typen ein paar Geschenke, wohl für seine Kinder. J. kassiert bei einer älteren Dame Mitte 40 ein und sagt zu mir: "Ich kann nicht verstehen, wieso I. die Türe immer geschlossen haben will. So hat man gar keinen Sauerstoff mehr. Ich ersticke noch hier drin!" Die Kundin zu J.: "Es gibt immer Leute, die nicht begreifen, dass man die Türen geschlossen halten muss, wenn man eine Klimaanlage hat!" J.: "Wir haben ja gar keine Klimaanlage." "Ah, nicht." Und sie nimmt ihr Zeug und verlässt das Geschäft. J. zu mir: "Du, wieso hat mich die jetzt so angefahren?" Ich breche in schallendes Gelächter aus (die Hitze kann dem Verstand ganz schön zusetzen) und sage, dass ich keine Ahnung habe.
Sie lacht ebenfalls schallend und sagt: "Es gibt schon kreuzdumme Personen!" Der wartende Kunde: "Ich hoffe, sie meinen nicht uns." Mein Kunde: "Anwesende ausgeschlossen." J. bedient den wartenden Kunden. Als er rausgeht dreht er sich nochmals um und sagt zu meinem Kunden ganz amüsiert: "Sagen sie mir dann Bescheid, wenn sie das selbe über mich sagt, ja?", lächelt und geht.

Das ist ein Geschenk !



31. Juli 2006


Ist euch schon einmal aufgefallen, dass der Mensch immer weniger Anstand besitzt? Kein Guten Morgen, kein Danke, kein ich hätte gerne. Er nimmt nicht mal mehr die Sonnenbrille ab, wenn er ein Geschäft betritt. Manche tragen gar ihre Sonnenbrille und haben die Stöpsel ihres I-Pods in den Ohren, hören in einer für die Ohren gänzlich ungesunden Lautstärke, die zu einem Hörgerät im 23 Lebensjahr führt, Musik und schreien die Buchhändlerin an, weil sie sich sonst selbst nicht hören. 

Das wohl beste Beispiel für die unhöfliche Art des Menschen mit Seinesgleichen umzugehen ist die Dienstleistung des Geschenkverpackens.
"Das gibt ein Geschenk!" "Das ist zum Schenken!" "Ich will, dass sie mir das einpacken!" "Können sie mir das noch ein bisschen einpacken?" "Geschenk!" "Kann ich das als Geschenk haben?" "Einpacken!"

Für alle, denen das lästig ist:
Auf jene Fragen: "Das gibt ein Geschenk!" "Kann ich das als Geschenk haben?" erwidere ich ein: "Schenken kann ich ihnen das nicht."
Meistens merken sie es und fragen, ob man es dann einpacken würde. Meist mit einem Lächeln. Aha.

"Geschenk!"
"Wie bitte?" als hätte man die Person nicht verstanden. Oder man ignoriert es einfach, holt eine Plastiktasche hervor und schiebt das Buch hinein. Dann schaffen es die werten Kunden doch noch ganz höflich zu fragen, ob man es noch geschenkverpacken könnte.
"Einpacken!" (Was ein Kunde an Weihnachten 2004 zu J. schrie. Sie holte daraufhin eine Plastiktasche hervor und packte das Buch hinein. Die Frau des Brüllers fragte daraufhin ganz höflich und kleinlaut (da ihr das Verhalten ihres Mannes oberpeinlich und unangenehm war) ob sie es als Geschenk verpacken könnte.

"Das gibt ein Geschenk!" 
a) ignorieren
b) "Aha. Ja hätten sie denn gerne, dass ich es ihnen einpacke?" "Ja gerne."

"Können sie mir das noch ein bisschen einpacken?"
"Ich kann es auch ganz einpacken. Erweist sich meist als einfacher."

Weihnachten 2004
Ein Kunde zu I.: "Das ist ein Geschenk!" Sie daraufhin ganz erfreut: "Für mich? Dankeschön!" Der total irritierte Kunde: "Ähm... ich meinte eigentlich, ob sie mir das einpacken würden."

Kürzlich eine Kundin zu mir: "Packen sie mir die 5 Sachen noch schön ein?"
"Schön ist immer individuell."
"(lacht) ich denke schon, dass sie das schön machen."
Ich in Gedanken: "Hueregottverdammt, ich weiss ja, dass der Mensch und die ganze verdammte Zeit in Eile geraten sind, aber ist es wirklich so verflucht schwierig ein Buch einzupacken?! Der Mensch ist echt nicht mehr selbstständig! Geht in ein Geschäft und es ist natürlich selbstverständlich, dass die gekauften Sachen noch verpackt werden. Als ob man das nicht mehr selber machen könnte. Wäre doch eine ideale Beschäftigung während dem Fernsehen! Ah diese Idioten immer! Nichts, gar nichts können sie mehr selbst machen. Sie schaffen es ja nicht mal, ihre EC-Karte durch das Gerät zu ziehen... Obwohl es noch angezeichnet ist, wie..."

Tipp von einer Freundin:
Wenn das nächste Mal einer sagt: "Das gibt ein Geschenk!" Dann das Papier hervorholen, auch eine Schere und Klebestreifen. Dem Kunden vor die Nase stellen mit den Worten: "Hier bitte."
Eine revolutionäre Idee wäre auch der Selbstbedienungs-Päckchentisch. Die Kunden dürften sich selber im verpacken üben. Wäre ganz bestimmt sehr amüsant zum zu schauen! (<- mittlerweile gibt es die in div. Geschäften ^_^ Ja, der Wandel der Zeit)

Übe Dich in Geduld - und es wird sich auszahlen



31. Juli 2006


Egal ob der Tag ein Samstag ist, ob es Weihnachtsverkauf ist oder sonst ein Tag unter der Woche, an dem grad viel los ist. Diese enorme Geduld der Wartenden ist immer wieder erstaunlich.
Vor Kasse 1 sammelt sich eine Warteschlange, na ja, eher eine Wartemasse an, denn in einer Schlange stehen können sie nicht. Sie stehen irgendwo in der Gegend herum und fragen sich dann auch noch, wieso andere vor ihnen an die Reihe kommen. An Kasse 1 herrscht viel Betrieb. 3 Buchhändlerinnen stehen dahinter und kassieren ein oder machen Geschenke. Jawoll Geschenke, denn der Mensch ist ja nicht mehr selbstständig...
Wir zwei, an Kasse 2 stehende Buchhändlerinnen haben nichts zu tun. Keiner beachtet Kasse 2. Wird gekonnt ignoriert. Manche wartenden Köpfe drehen sich ab und an in unsere Richtung, kommen jedoch nicht herüber. Möglicherweise ist Kasse 2 ja nur Dekoration? Das denke ich auch. Mhm...

"Sie können auch hier zur Kasse 2 kommen!" ruft meine Kollegin. Köpfe drehen sich. Fragezeichen verdecken die Gesichter. Soll ich oder soll ich nicht? Hm... eine gewichtige und auch schwere Frage. Und doch! Zwei Personen fassen Mut, setzen einen Fuss vor den anderen und machen sich auf den beschwerlichen Weg zur Kasse 2. Möglicherweise sind ja die zwei Stufen abschreckend und ein triftiger Grund, wieso Kasse 2 gemieden wird?
Kaum sind die beiden heil und sicher an Kasse 2 angekommen, fassen auch andere der Wartenden Mut und begeben sich, ganz dem Gruppenzwang verschrieben, zur Kasse 2. 
Soll einer denken, dass sei immer so, so hat er sich getäuscht. Man kann auch an Kasse 2 stehen und den Wartenden zurufen. Köpfe drehen sich eventuell. Aber es kommt auch vor, dass man lieber wartet als die zwei Stufen zur Kasse 2 hinab zu steigen. Denn Kasse 1 hat ja eine 1 und ist somit quasi Firstclass. Wer sich herablässt und zur Kasse 2 geht, der ist nicht mehr in der Upperclass. Oh ja... ich verstehe es ja, dass der Gruppendruck und natürlich auch das Ansehen an so einem Tag innert weniger Minuten schwinden kann.
Anderes Beispiel: J. steht an Kasse 1 und bedient alleine 4 Kunden. An Kasse 2 stellt sich ein alter Veck (Rentner) auf. Kaum angekommen, schaut er wütend um sich und schreit: "Wird man hier auch bedient?!"

Anderes Beispiel: Vor Kasse 1 hat sich die übliche Meute versammelt, die ihre Bücher bezahlen will. Aber längst nicht alle. Von zehn Personen wollen 5 bezahlen, 3 haben ein Buch bestellt und 2 wollen eine Auskunft. Sei es nun über ein Buch oder über irgendeine Strasse oder ein Geschäft. Möglicherweise auch eine Wegbeschreibung.
Die Buchbesteller warten geduldig vor Kasse 1, um ihren vorher sorgfältig überlegten Spruch aufzusagen: "Hallo, ich war vor ca. 4 Tagen hier und habe, bei Ihrer Kollegin ein Buch bestellt. Der Autor war... Moment... wie hiess der auch gleich... ähm... ah ja, Jane Austen. Ich weiss den Titel allerdings nicht mehr. Aber es ist ein Taschenbuch, ein hellblaues Taschenbuch. Von einem dbv Verlag."
"Bestellte Bücher sind im oberen Stock an Kasse 4 abzuholen." Und das wars auch schon mit der Geduld. Genervt erklimmen sie Treppe. Alte Leute nehmen die Treppe, die jungen benutzen den Lift. 
Anderes Beispiel: Wieder die übliche Meute vor Kasse 1. Ein alter Veck als einer der Hintersten: "Hier muss man immer warten! Herrgott, geht das mal vorwärts da vorne!" J. steigt in den Lift und sagt: "Herrgott, im Coop müssen Sie auch warten!" 

© Navi M.

Von Diäten und McDonalds

31. Juli 2006


Eine Kundin fragt mich nach Kochbüchern zum Thema Diät oder auch einfach nur Abnehmen bei Kindern. Mit dabei hat sie ein Mädchen und einen Jungen die schätzungsweise etwa 7 und 9 Jahre alt sind. Ihr Sohn müsse etwas abnehmen, wie man sehen könne.
Sie blättert in einigen Büchern herum, ist hellbegeistert und möchte sie auch gleich mitnehmen.
Während die Mutter an der Kasse in ihrem Kleingeld herumkramt, fragt die kleine Tochter: "Mami, fahren wir jetzt zu McDonalds?" Die Mutter nickt.

O-h-n-e  W-o-r-t-e


Freitag, 28. Juli 2006

Schild vor dem Kopf



28. Juli 2006


Eine Geschichte über den Alltag einer Buchhändlerin...

Wie in jedem anderen Geschäft auch, steht eine Kundenleittafel zwischen der Treppe und dem Lift, Fahrstuhl oder Aufzug. Das Parterre bietet zwei Kassen. Kasse 1 und Kasse 2. Letztere der beiden wird gerne ignoriert. Aber dazu in einer anderen Geschichte.

An jeder Kasse steht weiss auf rot: "Bestellte Bücher im 1. Stock an Kasse 4". Auch die Kundenleittafel, auch ein Stück das meisterlich ignoriert wird, gibt für jeden, der sich dafür interessiert, Auskunft darüber, dass bestellte Bücher im oberen Stock an Kasse 4 abgeholt werden müssen.

Freitag der 28. Juli 2006

Steht ein bebrillter Mann in grünem T-Shirt vor Kasse 2 (staun, hat mal einer Kasse 2 entdeckt!!!) und schaut ziemlich genervt zu J., die eine Kundin berät. Ist ja schrecklich, dass man eben mal ein paar Minuten warten muss. Aber auch die Warterei passt hervorragend in eine andere Geschichte.
Als er mich kommen sieht strahlt er mich schon von weitem an. "Guten Morgen", grüsse ich den seltsamen Zeitgenossen. "Guten Morgen, Meier mein Name, ich habe ein Buch bestellt."
"Bestellte Bücher dürfen Sie gerne im oberen Stock an Kasse 4 abholen."
"Aha.", der Ton wird scharf und der grün bekleidete Typ wird ärgerlich, "Wie wäre es, wenn sie langsam aber sicher mal ein Schild aufstellen würden, damit man nicht vergebens warten muss?!" Ich deute auf die Beschriftung. Weiss auf rot, righty right. "Sehen sie, hier steht es ja, und genau so auch bei Kasse 1, wie auch auf der Kundenleittafel." Der nette Kunde, schaut kurz. Sichtlich nicht beeindruckt davon. "Aha, ja da läuft man ja auch gleich hin!" Mit einer zornigen Wende begibt er sich in Richtung Treppe, steigt diese hoch und grinst mich an. Ich schüttle nur den Kopf und frage mich, wieso der Typ ein Buch bestellt, wo er ja offensichtlich nicht lesen kann.

Mittwoch, 5. April 2006

Windelwechsel

Was die Abholkasse doch so alles erleben darf... Kommt eine Mutter mit ihrem kleinen Kind in den Armen zur Kasse und fragt R, ob es auf der Toilette einen Wickeltisch gäbe. R verneint. Darauf die Kundin: "Ist ja schönes Wetter draussen, dann geh ich eben raus. Gibt ja gleich einen Park da neben dem Starbucks. Sie geht mit dem Kind davon. Wenige Minuten später verbreitet sich im ganzen oberen Stockwerk ein wirklich widerlicher Geruch. Sämtliche Kunden rümpfen die Nase, genauso das Personal. Der Gestank wird immer schlimmer und ich lebe in der Angst, dass er sich in den Wänden, den Polstern und in den Büchern festsetzt und man den nie wieder rauskriegt. R geht zur Kinderecke und erkennt die Kundin, die eben nach dem Wickeltisch gefragt hat wieder. Sie kniet auf dem Boden in der Kinderecke und wickelt ihr Kind auf dem Spielteppich. R bleibt stehen und glaubt ihren Augen nicht mehr trauen zu können und macht die Kundin darauf aufmerksam, dass das hier nicht geht. Ich hingegen habe grosses Mitleid mit der armen Mutter. Sie wollte doch in den Park und hat den Ausgang aus unserem Geschäft nicht mehr gefunden. Denke ich. Zum Glück hat sie uns durch den beissenden Geruch auf sich aufmerksam machen können. In ihrer grossen Not, wusste sie sich wohl nicht mehr anders zu helfen, als an unseren Geruchssinn zu appellieren. Die arme verwirrte Frau. Man stelle sich vor, R hätte sie nicht gefunden. Sie wäre übers Wochenende eingesperrt gewesen... Wohlmöglich wäre sie verhungert oder gar gezwungen gewesen ihr Kind zu essen, so wie im Film "Überleben". Sie wäre in ihrer Not zur Kannibalin geworden... Aber so weit ist es ja nicht gekommen. Sie hat R dann gefragt, ob R ihre Windel entsorgen würde. R teilte ihr mit, dass sie diese mitnehmen müsse.
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Kommt ein Mann und spaziert an der Kasse vorbei zu den Toiletten. In der Hand eine Plastiktüte. Kurz darauf kommt er wieder zurück - ohne Plastiktüte. M, der die Tüte aufgefallen ist spricht den Mann darauf an: "Entschuldigung, sie hatten doch vorhin noch eine Plastiktüte bei sich?" Der Mann schaut sie an und erwidert: "Ähm ja... darin waren schmutzige Windeln, die ich eben auf der Toilette entsorgt habe." M weist ihn daraufhin, dass so etwas künftig nicht mehr vor zu kommen hat. Jawoll! Gut, andererseits verbreitet sich dieser fiese Geruch ja nur in der Herrentoilette. 

Dienstag, 20. Dezember 2005

Sesam öffne Dich!




Bevor sich die Türen öffnen, stehen meist schon einige ganz ungeduldige Leute davor, die unbedingt als erste den Laden betreten wollen...

An einem Samstag war das. J und ich öffneten und rollten die Kojen mit den Modern-Antiquariat-Büchern hinaus aufs Trottoir, kommt ein Mann vorbei und fragt J: "Haben sie auch ein Pissoir?"

J daraufhin: "Nein haben wir nicht, wir sind Frauen."
der alte Mann: "Wo gehen sie dann pissen?" und geht davon.

In einer Parallelwelt wäre das wohl so abgegangen:

Kommt ein älterer Mann vorbei und sagt zu J.: "Guten Tag, wie geht es ihnen?" darauf hätte J wohl geantwortet: Guten Tag, danke. Und ihnen?"

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Es ist, ich glaube es war ein Freitag, würde aber keinen Eid darauf ablegen, 08:45 Uhr und draussen auf der Strasse vor der mächtigen Glastür versammeln sich bereits die ersten Kunden. Sie treten ungeduldig von einem Bein aufs andere und wollen hereingelassen werden. J zu mir: "Hast du mal zur Tür geschaut? Die sind doch echt nicht normal!" Ich nicke ihr zu. Einer der Kunden zeigt uns seine Uhr. Wieso auch immer... Schliesslich dauert es noch bis 9:00 Uhr.


Die Menschenmenge wird immer grösser. Es sieht so aus, wie ein Geschwür das stetig wächst und wächst und wächst. Jedenfalls öffnen wir den mächtigen Glaskasten pünktlich um 9:00 Uhr. Ich beginne, die Kojen heraus zu räumen. Die Menschenmenge steht zu dem Zeitpunkt in einem Halbkreis hinter mir. Da ertönt die Stimme eines alten Mannes: "Ist jetzt wohl geöffnet?" Seine Frau: "Ich weisses nicht."
Der Mann: "Das scheint niemand so recht zu wissen..."
Darauf ich: "Es ist 9:00 Uhr."
Der Mann: "Aha, das heisst sie öffnen heute doch noch."
Ich: "Ja, wie jeden Tag pünktlich um 9:00 Uhr."
Der Mann: "Das sollte man wissen..."
Ich deute auf den Aufkleber mit den Öffnungszeiten bei der Tür: "Dort stehen sonst die Öffnungszeiten angeschrieben."

Samstag, 5. November 2005

Der neue Stephen King


Bald ist es soweit und der neue Stephen King Roman kommt auf den Markt. Wir schreiben das Jahr 2005 - wohlgemerkt! Der neue Roman, um welchen es sich handelt ist Band 7 der Dark Tower Saga. Zu Deutsch Der dunkle Turm. Der Band: Der Turm. Eben erst ist Susannah erschienen und wie gesagt, soll bald "Der Turm" folgen.

Das Telefon klingelt. Ich melde mich mit dem Standartsatz. Darauf die Kundin am Telefon: "Sie ich habe da eine Frage... weiss allerdings nicht ob sie mir weiterhelfen können..." Ich beruhige sie, denn wir helfen ja gerne weiter. Panik ergreift mich, dass sie wohl etwas verflucht schweres auf dem Herzen hat. Und dann kommt die Frage (wäre das ein Hörbuch oder ein Film würde jetzt der Soundtrack zu Der weisse Hai ertönen): "Ist ihnen Stephen King ein Begriff?" Ich könnte losheulen vor Lachen. Ob mir Stephen King ein Begriff sei? Im Alter von 10 Jahren habe ich Cujo gelesen. "Ja, der ist mir ein Begriff." "Haben sie sein neues Buch schon?" "Meinen sie Susannah?"
"Nein, das neuste vom dunklen Turm!"
"Das neuste vom dunklen Turm ist zur Zeit Susannah."
"Ich bin mir sicher dass es nicht das neuste ist."
"Also, Schwarz, drei, tot, Glas, dann folgte letztes Jahr Wolfsmond und kürzlich erst ist Susannah erschienen."
"Aber es gibt noch eins."
"Der letzte Band. Der Turm."
"Ja genau! Haben sie das schon?"
"Nein, das ist noch gar nicht erschienen. Es ist angekündigt auf den..." 

"Das heisst sie haben es nicht im Laden?"

"Nein, denn ist noch nicht erhältlich."
"Gut, wenn sie nicht mal den neusten Stephen King haben, dann gehe ich eben zu Orell Füssli!"
Und somit hörte ich nach Füssli nur noch das vertraute und hektische Pipen in der Leitung. "Na dann, viel Glück!" ^^

Dienstag, 9. November 2004

Geldfälscher


An einem ruhigen Morgen. Der Laden ist fast menschenleer. Einzig in der hinteren Ecke bei der EDV tummeln sich zwei Jugendliche, die sich nicht entscheiden können. Wir sind alle gut gelaunt, was sehr selten ist in jenem Betrieb. Reden miteinander und stehen uns die Beine in den Bauch weil einfach nichts zu tun ist. Der Himmel strahlt in hellem Blau und bauschige Wolken tummeln sich in ihm. Sonnenstrahlen erhellen das ganze Schauspiel und muten einen vollkommenen Tag an. Nicht das wir den Tag gesehen hätten. Der Laden liegt in einer Ecke des Centers, der keinen Kontakt zur Aussenwelt zulässt. Das einzige Fenster ist im Büro und selbst dieses zeigt in einen Schacht. Ob Tag oder Nacht, ob Regen oder Sonnenschein, wir hatten nie einen Schimmer davon, wie es draussen aussah.
Da verzogen sich die bauschigen weissen Wolken und der Himmel wurde finster und trüb. Gewitterwolken zogen auf. Denn einer der begehrtesten Kunden kommt stampfend in den Laden. Top geschalt und immer unfreundlich. Ob er überhaupt in der Lage ist zu lächeln? Keiner weiss es. Dies ist eine Frage, die wohl immer unbeantwortet bleiben wird. Genau so wie die Fragen über das Bermudadreieck, Nebellichter und schwarze Löcher. Alle kennen ihn, ich nicht. Daher sind plötzlich alle mit Aufräumen beschäftigt. Er wuchtet sich und seinen Bierbauch, der mindestens 20cm über den Hosenbund ragt in meine Richtung. Abhauen kann ich nicht mehr, da das Monstrum bereits Augenkontakt mit mir aufgenommen hat. Ist man soweit gegangen, gibts kein Zurück mehr. Man ist hilflos ausgeliefert. Wie dem auch sei. Er kommt dampfend, wie eine Dampfwalze zu mir herübergerollt und fragt in überheblichem Ton: "Haben Sie das Buch von Pascal Mercier?" (Betonung auf DAS Buch. Da zu der Zeit der "Nachtzug nach Lissabon" in aller Munde und auch auf der Bestsellerliste war, geht jeder Mensch davon aus, dass auch dieser Titel gesucht wird.) "Meinen Sie den Nachtzug nach Lissabon?" "Er wird wohl noch andere Werke verfasst haben! Oder haben Sie nur das hier?!" Freundlich, wie ich bin, zeige ich ihm die anderen Werke Merciers. Er braucht mich nicht mehr und ich gehe zurück zur Kasse, wo S und S mir zulächeln. Aha, fertig mit Aufräumen? Gut. Herr Dr. Dampfwalze rollt zur Kasse, zu S. Legt ihr einen Stapel Bücher hin und will mit einem 1000-Franken-Schein bezahlen. Er zückt dieses putzige und exakt einmal genau in der Mitte gefaltete Scheinchen und streckt es S hin. Diese "Wir nehmen keine 1000er an." In dem Moment kann man bei genauem Hinsehen erkennen, wie sich eine Ader des Zorns auf der makellosen Stirn abdrückt. Die Gesichtsfarbe von einem gesunden hellen Beige weicht in ein oranges Rot. Ein herrlicher Farbverlauf. Wirklich! Auf den Farbverlauf, welchen die wütenden Dampfwalze nicht mitbekommen hat folgt ein heftiger Wortwechsel: "Wie bitte?! Das ist auch Geld!" Worauf sie: "Sie könnte gefälscht sein." Ich glaube mich verhört zu haben. Gehts der noch gut?! Na ja, wir können auf eine entsprechende Reaktion gefasst sein. Wieso gibts hier eigentlich keinen Sessel? Sessel und Popcorn wären jetzt grad recht!
"Was?! Was erlauben Sie sich! Ich und ein Geldfälscher! Na warten sie! sie... - wissen sie was? Behalten sie ihre Bücher." Somit macht er auf dem Absatz kehrt und verlässt fluchend den Laden: "Mit schweizer Geld kann man heut zu Tage nicht mal mehr in der Schweiz bezahlen! Das ist auch Geld! Ich ein Geldfälscher!" Bravo S, der kommt bestimmt so schnell nicht wieder. Es fehlten nur noch die Worte, Sie hören von meinem Anwalt!