Samstag, 3. August 2019

Die Grausamkeiten des Germanen B.


Eine Tat so abscheulich, dass ich all die Jahre darüber geschwiegen habe. Nie habe ich jemandem gegenüber mein Schweigen gebrochen. Niemals. Bis zu heutigen Tag.
Es gibt an der Zahl viele Grausamkeiten des Germanen B. Doch sie alle zu nennen würde den Rahmen einer Eintragung hier sprengen. Es liesse sich jedoch ein Fortsetzungswerk darüber verfassen.

Wir schrieben das Jahr 2011.
Ich arbeitete als Chef de Rang in einem Fünfsternehotel. Einem jener versnobten Häuser den "Leading Hotels of the World" angehörend, welche in der Sparte "Luxushotels" aufgeführt stehen. Versnobte Häuser ziehen gleichermassen versnobte Gäste an. Der Glauben an die Menschheit erlischt. Freundlichkeit existiert nicht. Weder von den Vorgesetzten, noch von den Gästen. Als Angestellte ist man nichts. Ein Nichts. Nichts wert. Man lebt, um zu dienen und hat eigentlich gar keine Existenzberechtigung.
Ich war gezwungen mir in diesem heruntergekommenen Personalhaus ein Zimmer mit einer anderen Angestellten zu teilen. Diese sprach da nur Portugiesisch und zählte zu den Room-Attendants, mit denen nicht gesprochen werden durfte. Dies hatte hierarchische Gründe. Rezeption stand über dem Service. Der Service über dem Hauskeeping.

Meine freien Tage verbrachte ich bei meinem damaligen Freund, dem Germanen B, einem der scheusslichsten Menschen, die je meine Wege kreuzten.
An jenem Tag, über dessen Geschehnisse ich erst heute zu schreiben in der Lage bin, war er nicht zuhause, als ich die Wohnung betrat. Er war auf Arbeit. Er arbeitete in der Küche und hatte täglich Teildienst. Sprich, er war noch in der Küche des Hotels beschäftigt.
Da er noch immer von Pulverkaffee lebte, verliess ich die Wohnung wieder, um mir in der Bäckerei zwei Häuser weiter einen Kaffee zu holen.
Er wusste nicht, dass ich in seiner Wohnung war. Es hatte eine Überraschung sein sollten.
Zurück in der Wohnung nahm ich den Staubsauger zur Hand und begann, die Wohnung zu putzen. Die es wahrlich nötig hatte. Offenbar hatte er mal wieder seit zwei Wochen nicht saubergemacht. Immerhin rotierte die Trommel der im Badezimmer befindlichen Waschmaschine. Immerhin wusch er seine Wäsche.
Da der Germane B. den Teil seines Gehalts, das nicht für die Fixkosten draufging, in Bier und Zigaretten investierte, war seine Wohnung minimalistisch eingerichtet. Noch nicht mal Boxen hatte er, an denen ich mein iPhone hätte anschliessen können. Keine Musik. Er besass einen dieser mächtigen Röhrenfernseher - jedoch ohne Sender. Angeschlossen war ein DVD-Player. Um ein bisschen Unterhaltung zu haben, griff ich nach einer DVD, legte sie ein und schaltete den Fernseher ein. Masters of Horror "Pick me up".
Während der Film lief, schrubbte ich das Emaille der kleinen Kochnische. Eine Fläche von 1,5m Länge und 60cm Tiefe. Das wäre doch wirklich sauber zu halten!
Ein schriller Ton durchdrang den Raum. Die Waschmaschine verkündete, dass sie ihre Arbeit getan hatte. Ich ging also ins Badezimmer, kniete mich vor der Maschine auf den Boden und begann die Wäsche herauszuholen. Ich griff in etwas, das sich wie Haare anfühlte und so voller Wasser gesogen war, dass es richtig schwer war. Hatte er einen neuen Teppich? Schulterzuckend lud ich alles in den Wäschekorb, den ich dann ins Wohnzimmer trug. Dort klappte ich den Wäscheständer aus und begann damit, die Wäsche aufzuhängen. Einen Wäschetrockner besass er ja nicht.
Da war dieses eine T-Shirt, das ich hasste. Es hatte unzählige Löcher drin. Damit sah er aus wie ein Penner. Er fand es "cool". Würde seinen einzigartigen Style unterstreichen. Ja, seinen einzigartigen Pennerstyle vielleicht. Am liebsten hätte ich es weggeschmissen, aber das hätte nur wieder zu einem heftigen Streit geführt. Also hängte ich es über den Ständer. Ohne zu schauen, griff ich wieder in den Wäschekorb und holte eine Jeans raus, die jedoch noch nicht sauber war. Egal. Ich hängte sie auf. Dann griff meine Hand nach dem neuen haarigen Teppich. Als ich ihn auseinander falten wollte, bemerkte ich, dass es nicht ging. Ich schaute auf das Bündel in meinen Händen. Ein Schrei schoss durch die Wohnung. Er kam aus dem Fernseher. Ich liess das Bündel fallen. Taumelte ungläubig rückwärts und fiel hin. Was da so durchnässt vor mir auf dem Boden lag war nichts anderes als eine tote Katze. Der Germane B. besass keine Katze. Wie zur Hölle also kam die in die Waschmaschine. Er hasste Katzen. Vor zwei Wochen hatte die süsse alte Nachbarin geklingelt und gefragt, ob wir ihren Kater gesehen hätten. Er sei verschwunden. Wir verneinten und hinterher fluchte er wieder über die Existenz von Katzen.
Konnte es denn wirklich sein, dass er eine Katze absichtlich ertränkt hatte?
Ungläubig rappelte ich mich auf und ging zum Tiefkühlfach. Ich brauchte jetzt einen Schluck Vodka. Der Tiefkühler hatte 3 Schubladen. Die Unterste, in der für gewöhnlich der Vodka lag, liess sich erst nicht öffnen. Etwas schien zu blockieren. Ich zerrte daran und als die Schublade dann endlich aufsprang, rannte ich ins Bad und übergab mich.
Ich rannte zurück ins Wohnzimmer, schmiss seine Kleidung samt toter Katze in den Wäschekorb, den ich dann wieder in die Waschmaschine entleerte. Den Wäscheständer klappte ich wieder zusammen und stellte ihn in die Ecke, aus der ich ihn zuvor geholt hatte. Ich legte die DVD wieder in die Hülle und stellte sie zurück ins Regal. Ich wischte die Pfütze vom Boden auf und näherte mich dem Tiefkühlfach. Ich schaute nochmals die toten und gehäuteten Katzenleichen an, die tiefgefroren darin lagen. Dann knallte ich die Schublade zu und die Tür auch gleich.
Ich riss die Wohnungstür auf, schloss ab und rannte über einen Umweg zum Bahnhof. Er durfte nicht erfahren, dass ich in seiner Wohnung gewesen war. Er durfte mich nicht sehen.

Nie hat er erfahren, dass ich um dieses Geheimnis wusste.


Mittwoch, 10. Juli 2019

Freitag, 26. April 2019

One night in hell

Seid gegrüsst, oh meine Leser

Dies ist ein Brief, den ich an meine Englischlehrerin geschrieben habe, während ich Höllenqualen auszustehen hatte. Das Schreiben basiert auf Tatsachen. Einige Namen und Personen wurden jedoch erfunden, um Betroffene zu schützen (und weil ich nicht eines schönes Morgens auf dem Weg zum Briefkasten abgestochen werden möchte). Die hier vorliegende Fassung, wurde zuvor bereits korrigiert. Sollte es dennoch einige Fehler aufweisen, so liegt das an meinen Änderungen und nicht etwa an den Fähigkeiten meiner Lehrerin.
Well, enjoy!

★ Link zu meiner Google-Bewertung Gasthaus zum Bären, Holziken


The time is now. 
I’m sitting here at this particular birthday party I’ve told you about last week.
There are about 30 people around me. On my right is my father chatting with a former
co-worker, who is nearly drunk. This guy has already consumed 5 glasses of white wine. They’re talking about their past, awkward former co-workers and about what’s wrong in this country. Kind of interesting. A woman is seated on my left and I have no idea who she is. She must be in her 60’s. I can’t remember if I’ve ever met her before. If I had I’m sure I would remember her terrible and way too sweet perfume. It’s exactly the odour (my teacher told me about the usage of "odour" but I still think it perfectly fits -_^) my grandmother used to call „Turkish whorehouse“. It’s sickeningly sweet with a tiny note of sweat and ashtray. It’s so penetrating and disgusting that I’m about to puke. No joke. This is what hell seems to be like.

The „Turkish whorehouse“ perfumed woman turned out to be typical Swiss: we were chatting and she told me with her strong smoker breath that we’ve met at my cousin’s wedding. It must have been 12 years ago or so. We had a conversation about working in customer service and moved on to the documentary After Neverland, which she’s totally against! She would never watch such a disgusting lie! Michael Jackson was innocent and that Jordan Chandler guy who accused him back in the 19?? was a little shitter, who was just after Jackson’s money. It is disgusting how people act! Michael Jackson would never have abused a child. Blabla
Then I asked her „Did you watch the documentary?“
„NEVER! It’s a waste of time! One should not support shitters like they are!“
„Watch it. And let’s talk again after you watched it.“

There is a band playing something they call music. Two old guys AKA „Alleinunterhalter Nachtfalke“. I’ve already mentioned that I’m in hell. It’s literally THE HELL ON EARTH! They play Ländler and oldies. All the classics, such as „Sierra madre“. It’s for old people. 85% of the guests are 50+ or even 60+ and some are much more older. They love it. My cousin, his wife, their son and me are suffering. We can’t even talk to each other anymore since the music is way too loud. You can’t even hear the person next to you. It’s great! I knew it would be a birthday like this…

My father and I ordered a beer. One look between us said it all. „Appenzeller Bier!“ which isn’t really tasty, nevertheless we drank it. I mean, it could have been worse. It could have been a Heineken.

The „Turkish whorehouse“ smelling woman turned out to be my cousin’s wife’s stepmother. She and my cousin were arguing about the climate change demonstrations and about things which have changed since the 90’s. I mentioned children/teens don’t even have to collect wastepaper anymore. She energetically barked this was because there isn’t much wastepaper to collect anymore. I said „That’s why they collect it with a giant camion (I know it would be "truck" here, but I love to add some helvetism).“ Then my cousin mentioned the school bus picking up children at the bus stop. We had to walk to school. If you lived 1km far from school you were allowed to go by bicycle. She barked at him that the school bus is necessary! „Why?“, I asked. Immediately turning her red face to me she stared and her face told me everything I had to know: How dare I question her? She then told about that 75 year old granny who stabbed a 7 year old boy in Basel a few weeks ago. But she said it generally: „Nowadays since children get killed on their way to school it is necessary to take care of them!“
„Who else got stabbed?“
„That boy in Basel!“
„Yes and who else?“
She stared at me.
„Switzerland is still a safe country. Just because once in I-don’t-know-how-many-years one boy got killed by mentally ill woman you can’t make this a general problem and act like it would happen every day. It happened only once. People are sometimes way too sensitive.“
„I need to smoke!“ she reacted, stood up and went to the fumoir. My cousin was giggling and informed me that one cannot discuss with her. Well, he’s right. She is a typical small-minded Swiss.

The food was another disappointment. I need to write a Google rating as soon as I get home!
My godmother had ordered the meals in February beforehand. She asked if vegan food was possible. They said yes. They literally said YES! You must know, I have been vegetarian for about 28 years. Back in the 90’s it was uncommon. Waiters couldn’t handle it and some were obviously shocked about a non-meat eating child. I would get french fries (chips) a veggie platter or a salad platter. Nothing more. It was in the 90’s. We don’t live in the 90’s anymore. It’s 2019 already! But this restaurant, the Gasthaus Bären in Holziken, seems to be a time machine. When you enter the restaurant you get thrown back into the past. Or wait. In case you know THE TWILIGHT ZONE let’s say it like Rod Serling would have said: Thinking of a nice evening she wasn’t aware she wouldn’t just enter an ordinary restaurant. She entered the TWILIGHT ZONE.

Dinner out of the Twilight Zone
The starter was a veggie bouillon soup. As usual. It’s boring but at least it contains no animal corpses.
The next course was a salad - as usual. I got my salad without a dressing. But she placed oil and balasmico on my table. But there was no menage with salt and pepper. Nice. Great service! I’m so flattered!
The main course was a piece of a dead animal with an unhealthy thick sauce béchamel. My main course was different. The chef must have time travelled back to the early 90’s and grabbed that plate in the kitchen there and brought it through that time hole straight into 2019. I’ve got a plate with some pieces of zucchini, broccoli and cauliflower. Ah yes and a few carrots as well. There was also a huge amount of dry and SALTED rice on my plate. I have never had such disgusting rice before! My father glanced at my plate and started laughing. My mother next to him asked what happened. Laughing, he said he had a 90’s-déjà-vu. I had to laugh as well. My mother then asked if it was delicious at least. One answer. One word: Nope.

When she came with the second helping something very funny happened. The waitress had wooden plateau (which is called "tray" but I like the French version better) with two bowls on it. One was meat. The other one was veggies. When she arrived behind me she couldn’t even finish her question, because suddenly the bowl with the veggies did what it had to do according to gravity: it slipped from the wooden tray. There was a rain of veggies all over me, my plate and on the ground. I used to work as a waitress before so I wasn’t angry. But the veggies were hot and burned my legs. Haha. She apologised so many times. And my father’s at the time drunken former co-worker joked about her accident. I said that I’m happy it wasn’t the bowl with the body parts of dead animals. C’est la vie de Navi. At least I have material for a new blog post. XD

In conclusion I want to say that I don’t recommend this restaurant at all. Not because of the accident, but because of the low quality of the food and the fact that they weren’t organised well. We had only one waitress serving 30 guests.


New vocab:
second helping - Nachschlag





Samstag, 23. Februar 2019

Es war die Buchhändlerin mit dem Eispickel im Wohnzimmer


Du kommst in meinen Laden gestürmt. Wie ein Bulldozer walzt Du auf mich zu. An Deinen Gesichtszügen ist blanke Wut abzulesen. "SIE!" brüllst Du mir auf halbem Weg entgegen. "SIE!"
Meine rechte Augenbraue erhebt sich. "GLOTZEN SIE MICH NICHT SO AN!"
"Guten Tag der Herr."
"SPAREN SIE SICH DAS!!!"
"Gut."
"SIE SIND DAS LETZTE!!! SIE SIND ABSOLUT UNFÄHIG!"
"Darf ich erfahren, warum Sie mich die ganze Zeit über anbrüllen?", entgegne ich noch immer absolut gelassen, was Dich noch mehr aus der Fassung bringt.
"WEIL SIE VERDAMMT UNFÄHIG SIND! SIE HABEN MICH BELOGEN!"
"Ist es Ihnen möglich, in angemessenem Ton mit mir zu reden?"
"DIESER TON IST ANGEMESSEN!!! WAS GLAUBEN SIE EIGENTLICH WER SIE SIND?! SO MIT MIR ZU REDEN!!! WISSEN SIE EIGENTLICH WER ICH BIN?!"
"Ich bitte Sie einmal höflich, sich einer besseren Redeweise zu befleissigen. Das ist die Voraussetzung dafür, um weiterhin mit mir kommunizieren zu dürfen."
"DAS REICHT?! WISSEN SIE WER ICH BIN?!"
Mein Gehirn hat x Antworten parat. Aber ich bin bei der Arbeit. Folglich kann ich meine Gedanken nicht frei aussprechen. "Ein erboster Kunde, wie sich unschwer erkennen lässt."
"WAS FÄLLT IHNEN EIN?!"
"Wenn Sie mir jetzt Ihr Problem schildern, kommen wir vielleicht weiter. Was hat Sie denn so in Rage versetzt?"
"SIE HABEN MICH BELOGEN!!! SIE HABEN GESAGT, WENN SIE MEIN BUCH BESTELLEN, DAUERT ES 2 TAGE!"
"Nein, ich habe gesagt, es dauert voraussichtlich 2 Tage."
"DIE ANDERE FILIALE HAT ES VORRÄTIG! DAS DAUERT KEINE 2 TAGE, WENN SIE ES DORT BESTELLEN! MIT DEM TRAM DAUERT ES GRAD MAL 12 MINUTEN!"
"Wir bestellen aber nicht bei anderen Filialen. Wir bestellen beim Lieferanten."
"SIE LÜGEN! SIE LÜGEN MICH SCHON WIEDER AN!!! DAS HABEN SIE IMMER GEMACHT!!!!"
"Seit meiner Zeit hier, nicht. Was vor 50 Jahren der Fall war, kann ich allerdings nicht ahnen."
"ICH WERDE SIE FERTIG MACHEN! SIE WERDEN IHREN VERDAMMTEN JOB VERLIEREN! SIE SIND UNFÄHIG! WIE IST IHR NAME?!"
"Korzky. mit Z und Y geschrieben."
"ICH WERDE SIE MELDEN! SIE UNFÄHIGE TUSSE!"

Und dann stampfst Du aus dem Laden, nicht wissend, dass Du ihn das letzte Mal betreten hast. Ich notiere mir deine Adressdaten. Du wohnst hier ganz in der Nähe. Wie gut.
Nach Feierabend nehme ich meine Tasche. Nicht die graue Tasche, sondern die schwarze aus Leder. Ich mache mich auf den Weg zu Dir.
Wieso machst Du es mir so leicht? Du wohnst im Parterre und die Tür deines Sitzplatzes steht offen. Ich schleiche mich rein. Du sitzt im Sessel vor dem Fernseher und schaust einen widerlichen Tierporno. Du bist durch Deine Hand so abgelenkt, dass Du mich nicht bemerkst. Perfekt.
Menschen wie Du einer bist, müssen erzogen werden.
Ich öffne meine Tasche und überlege kurz. Hammer? Eispickel? Zange? Schere? Messer?
Ich greife nach dem Eispickel. Ich halte ihn in meiner rechten Hand und nähere mich Dir von hinten. Ich knie genau hinter Dir. Noch immer hast Du mich nicht bemerkt. Ich hebe die Hand und stosse Dir den Eispickel ins rechte Ohr. Du gibts merkwürdige Laute von Dir. Ich ziehe den Eispickel wieder raus. Ich schaue dich an. Du rutschst aus deinem Sessel. Ungläubig starrst du mich an.
Abschliessend sage ich zu dir: "Das wird dich lehren, Buchhändler wie ein Stück Scheisse zu behandeln."

Er war der Erste... weitere sollten noch folgen...





Samstag, 2. Februar 2019

Meins


Als ich meine Arbeit beim Kopierer liegen sah, starrte ich sie ungläubig an. Wie kam meine Arbeit, an der ich wochenlang geschrieben hatte, neben den Kopierer?
Wer hatte sich meiner Arbeit bemächtigt?

Ein paar Tage später fand ich dann heraus, dass es meine Arbeitskollegin war. Diejenige, mit der ich mir ein Büro teilte. Wir hatten den gleichen Job. Machten die gleiche Arbeit und verstanden uns immer gut, obwohl ich immer schon der Meinung war, dass meine Arbeit qualitativ besser war.
Wir sollten beide eine Arbeit schreiben. Unser Chef wollte unsere Ideen für ein neues Projekt haben. Wir sollten sie unabhängig voneinander schreiben.

Tja, und was hatte diese unkreative Person getan? Mir meine Arbeit geklaut. Meinen Namen hatte sie mit ihrem eigenen ersetzt. Hatte das Ding ausgedruckt und dem Chef hingelegt. Als ich deswegen Terror machte, hiess es, dass sie doch so etwas bestimmt nicht machen würde. Sie sei doch eine so liebe Person. Blabla...
Ja, es sind immer die zarten Pflänzchen, die einen verraten. Sich still und leise von hinten anschleichen und einem mit 37 Messerstichen in den Rücken den Garaus machen.
Oh was hatte ich eine Wut auf sie. UND auf den Chef und alle anderen Mitarbeiter. Ich war also nun die Lügnerin? Danke.
Beweisen konnte ich es nicht, denn sie hatte das Original auf meinem Computer gelöscht. Danke.

Ein paar Wochen teilten wir uns noch das Büro. Doch sie wurde dann ja befördert und bekam das Eckbüro mit den grossen Fenstern. Das wäre mein Büro gewesen. MEINS.

Fortan wurde ich gemieden. Nicht von allen. Einigen war klar, dass Sarah nicht zu solch grossartigen Leistungen und kreativen Ideen in der Lage war. Doch was sollte man machen. Sie setzte ab dann alles daran, dass ich gefeuert würde. Unser Chef wollte mich nicht feuern. Nicht etwa weil ich ein so netter und umgänglicher Mensch gewesen wäre. Haha bestimmt nicht. Nein, sondern weil meine Arbeit einfach immer top war! Zahlreiche Aufträge hatte unsere Firma nur meiner Ideen wegen bekommen. Er wusste das. Also blieb ich weiterhin dort und machte den Job, den wir früher zu zweit gemacht hatten, alleine.

Als die Mail kam, dass der halbjährliche Betriebsausflug stattfände, freute ich mich nicht. Ich müsste den ganzen Tag diese debile Diebin sehen. Na wundervoll. Trotzdem ging ich mit. Pflichtübung deluxe.

Wir fanden uns in einem Thermalbad ein.
Dort drückte ich den Kopf dieser rothaarigen Intrigantin mehrmals unter Wasser. Ich liess sie wieder auftauchen und ein bisschen Luft holen. Sie bettelte mich an. Ich drückte sie wieder unter Wasser. Beim nächsten Auftauchen versuchte sie, mich zu schlagen und zu kratzen. Ich schlug ihr meine Faust mitten in die Visage und drückte ihren abscheulichen Kopf wieder unter Wasser. Das Wasser verfärbte sich rot. Rot vom Blut, dass aus ihrer gebrochenen Nase strömte.
Kurz bevor ihre Lebenslichter erloschen, liess ich sie wieder auftauchen. Sie hustete und japste nach Luft. Ich schwamm selig davon.
Später sah ich sie wieder. Sie stand alleine im Becken mit dem pissgelben Wasser. Mit dem Rücken zur Beckenwand. Als sie mich kommen sah, brach sie in Panik aus. Ich stieg in das Becken, schlug ihr dreimal meine Faust in den Magen und ging wieder. Als ich mich umdrehte sass sie zusammengesackt auf der Treppe und weinte, wie ein kleines Mädchen.
Als wir dann später vor dem Thermalbad standen, ging ich auf sie zu und fragte, ob sie nun endlich die Wahrheit preisgeben würde. Sie weinte und schüttelte den Kopf. Ihre spröden Haare bewegten sich kaum. Furztrocken. Wohl noch nie von Haarkuren gehört...
Wir fuhren zur Zahnradbahn. Während der Fahrt fragte ich sie nochmals. Sie verneinte. Also fragte ich sie, ob sie schon mal gesehen habe, was so eine Zahnradbahn mit einem Menschen mache, wenn er versehentlich zwischen die Räder und die Gleise gerate. Irritiert starrte sie mich an. Nicht wissend, ob ich ihr so etwas antun würde oder nicht. Ich genoss die in ihr aufkeimende Panik richtig.

Vom Betriebsausflug sind wir ohne Sarah zurückgekommen.
Keine Sorge, sie liess ihr leben nicht verkeilt und verschmiert in der Maschinerie einer Zahnradbahn. Ich töte doch nicht vor so vielen Zeugen.
Dummerweise wurde sie von einem vorbeifahrenden LKW erfasst und setzte ihre Reise eingekeilt in dessen Radkasten fort. Dieses Geschmiere auf der Strasse, nach dem er sie erwischt hatte, war ekelhaft. Blut und Hautfetzen und ich meine ein paar Zähne gesehen zu haben. vielleicht waren es auch Knochen? Wer weiss das schon.

Übrigens schreibe ich diese Geschichte in meinem neuen Eckbüro mit den grossen Fenstern, die eine wunderbare Aussicht über die Stadt zulassen.