Samstag, 23. Februar 2019

Es war die Buchhändlerin mit dem Eispickel im Wohnzimmer


Du kommst in meinen Laden gestürmt. Wie ein Bulldozer walzt Du auf mich zu. An Deinen Gesichtszügen ist blanke Wut abzulesen. "SIE!" brüllst Du mir auf halbem Weg entgegen. "SIE!"
Meine rechte Augenbraue erhebt sich. "GLOTZEN SIE MICH NICHT SO AN!"
"Guten Tag der Herr."
"SPAREN SIE SICH DAS!!!"
"Gut."
"SIE SIND DAS LETZTE!!! SIE SIND ABSOLUT UNFÄHIG!"
"Darf ich erfahren, warum Sie mich die ganze Zeit über anbrüllen?", entgegne ich noch immer absolut gelassen, was Dich noch mehr aus der Fassung bringt.
"WEIL SIE VERDAMMT UNFÄHIG SIND! SIE HABEN MICH BELOGEN!"
"Ist es Ihnen möglich, in angemessenem Ton mit mir zu reden?"
"DIESER TON IST ANGEMESSEN!!! WAS GLAUBEN SIE EIGENTLICH WER SIE SIND?! SO MIT MIR ZU REDEN!!! WISSEN SIE EIGENTLICH WER ICH BIN?!"
"Ich bitte Sie einmal höflich, sich einer besseren Redeweise zu befleissigen. Das ist die Voraussetzung dafür, um weiterhin mit mir kommunizieren zu dürfen."
"DAS REICHT?! WISSEN SIE WER ICH BIN?!"
Mein Gehirn hat x Antworten parat. Aber ich bin bei der Arbeit. Folglich kann ich meine Gedanken nicht frei aussprechen. "Ein erboster Kunde, wie sich unschwer erkennen lässt."
"WAS FÄLLT IHNEN EIN?!"
"Wenn Sie mir jetzt Ihr Problem schildern, kommen wir vielleicht weiter. Was hat Sie denn so in Rage versetzt?"
"SIE HABEN MICH BELOGEN!!! SIE HABEN GESAGT, WENN SIE MEIN BUCH BESTELLEN, DAUERT ES 2 TAGE!"
"Nein, ich habe gesagt, es dauert voraussichtlich 2 Tage."
"DIE ANDERE FILIALE HAT ES VORRÄTIG! DAS DAUERT KEINE 2 TAGE, WENN SIE ES DORT BESTELLEN! MIT DEM TRAM DAUERT ES GRAD MAL 12 MINUTEN!"
"Wir bestellen aber nicht bei anderen Filialen. Wir bestellen beim Lieferanten."
"SIE LÜGEN! SIE LÜGEN MICH SCHON WIEDER AN!!! DAS HABEN SIE IMMER GEMACHT!!!!"
"Seit meiner Zeit hier, nicht. Was vor 50 Jahren der Fall war, kann ich allerdings nicht ahnen."
"ICH WERDE SIE FERTIG MACHEN! SIE WERDEN IHREN VERDAMMTEN JOB VERLIEREN! SIE SIND UNFÄHIG! WIE IST IHR NAME?!"
"Korzky. mit Z und Y geschrieben."
"ICH WERDE SIE MELDEN! SIE UNFÄHIGE TUSSE!"

Und dann stampfst Du aus dem Laden, nicht wissend, dass Du ihn das letzte Mal betreten hast. Ich notiere mir deine Adressdaten. Du wohnst hier ganz in der Nähe. Wie gut.
Nach Feierabend nehme ich meine Tasche. Nicht die graue Tasche, sondern die schwarze aus Leder. Ich mache mich auf den Weg zu Dir.
Wieso machst Du es mir so leicht? Du wohnst im Parterre und die Tür deines Sitzplatzes steht offen. Ich schleiche mich rein. Du sitzt im Sessel vor dem Fernseher und schaust einen widerlichen Tierporno. Du bist durch Deine Hand so abgelenkt, dass Du mich nicht bemerkst. Perfekt.
Menschen wie Du einer bist, müssen erzogen werden.
Ich öffne meine Tasche und überlege kurz. Hammer? Eispickel? Zange? Schere? Messer?
Ich greife nach dem Eispickel. Ich halte ihn in meiner rechten Hand und nähere mich Dir von hinten. Ich knie genau hinter Dir. Noch immer hast Du mich nicht bemerkt. Ich hebe die Hand und stosse Dir den Eispickel ins rechte Ohr. Du gibts merkwürdige Laute von Dir. Ich ziehe den Eispickel wieder raus. Ich schaue dich an. Du rutschst aus deinem Sessel. Ungläubig starrst du mich an.
Abschliessend sage ich zu dir: "Das wird dich lehren, Buchhändler wie ein Stück Scheisse zu behandeln."

Er war der Erste... weitere sollten noch folgen...





Samstag, 2. Februar 2019

Meins


Als ich meine Arbeit beim Kopierer liegen sah, starrte ich sie ungläubig an. Wie kam meine Arbeit, an der ich wochenlang geschrieben hatte, neben den Kopierer?
Wer hatte sich meiner Arbeit bemächtigt?

Ein paar Tage später fand ich dann heraus, dass es meine Arbeitskollegin war. Diejenige, mit der ich mir ein Büro teilte. Wir hatten den gleichen Job. Machten die gleiche Arbeit und verstanden uns immer gut, obwohl ich immer schon der Meinung war, dass meine Arbeit qualitativ besser war.
Wir sollten beide eine Arbeit schreiben. Unser Chef wollte unsere Ideen für ein neues Projekt haben. Wir sollten sie unabhängig voneinander schreiben.

Tja, und was hatte diese unkreative Person getan? Mir meine Arbeit geklaut. Meinen Namen hatte sie mit ihrem eigenen ersetzt. Hatte das Ding ausgedruckt und dem Chef hingelegt. Als ich deswegen Terror machte, hiess es, dass sie doch so etwas bestimmt nicht machen würde. Sie sei doch eine so liebe Person. Blabla...
Ja, es sind immer die zarten Pflänzchen, die einen verraten. Sich still und leise von hinten anschleichen und einem mit 37 Messerstichen in den Rücken den Garaus machen.
Oh was hatte ich eine Wut auf sie. UND auf den Chef und alle anderen Mitarbeiter. Ich war also nun die Lügnerin? Danke.
Beweisen konnte ich es nicht, denn sie hatte das Original auf meinem Computer gelöscht. Danke.

Ein paar Wochen teilten wir uns noch das Büro. Doch sie wurde dann ja befördert und bekam das Eckbüro mit den grossen Fenstern. Das wäre mein Büro gewesen. MEINS.

Fortan wurde ich gemieden. Nicht von allen. Einigen war klar, dass Sarah nicht zu solch grossartigen Leistungen und kreativen Ideen in der Lage war. Doch was sollte man machen. Sie setzte ab dann alles daran, dass ich gefeuert würde. Unser Chef wollte mich nicht feuern. Nicht etwa weil ich ein so netter und umgänglicher Mensch gewesen wäre. Haha bestimmt nicht. Nein, sondern weil meine Arbeit einfach immer top war! Zahlreiche Aufträge hatte unsere Firma nur meiner Ideen wegen bekommen. Er wusste das. Also blieb ich weiterhin dort und machte den Job, den wir früher zu zweit gemacht hatten, alleine.

Als die Mail kam, dass der halbjährliche Betriebsausflug stattfände, freute ich mich nicht. Ich müsste den ganzen Tag diese debile Diebin sehen. Na wundervoll. Trotzdem ging ich mit. Pflichtübung deluxe.

Wir fanden uns in einem Thermalbad ein.
Dort drückte ich den Kopf dieser rothaarigen Intrigantin mehrmals unter Wasser. Ich liess sie wieder auftauchen und ein bisschen Luft holen. Sie bettelte mich an. Ich drückte sie wieder unter Wasser. Beim nächsten Auftauchen versuchte sie, mich zu schlagen und zu kratzen. Ich schlug ihr meine Faust mitten in die Visage und drückte ihren abscheulichen Kopf wieder unter Wasser. Das Wasser verfärbte sich rot. Rot vom Blut, dass aus ihrer gebrochenen Nase strömte.
Kurz bevor ihre Lebenslichter erloschen, liess ich sie wieder auftauchen. Sie hustete und japste nach Luft. Ich schwamm selig davon.
Später sah ich sie wieder. Sie stand alleine im Becken mit dem pissgelben Wasser. Mit dem Rücken zur Beckenwand. Als sie mich kommen sah, brach sie in Panik aus. Ich stieg in das Becken, schlug ihr dreimal meine Faust in den Magen und ging wieder. Als ich mich umdrehte sass sie zusammengesackt auf der Treppe und weinte, wie ein kleines Mädchen.
Als wir dann später vor dem Thermalbad standen, ging ich auf sie zu und fragte, ob sie nun endlich die Wahrheit preisgeben würde. Sie weinte und schüttelte den Kopf. Ihre spröden Haare bewegten sich kaum. Furztrocken. Wohl noch nie von Haarkuren gehört...
Wir fuhren zur Zahnradbahn. Während der Fahrt fragte ich sie nochmals. Sie verneinte. Also fragte ich sie, ob sie schon mal gesehen habe, was so eine Zahnradbahn mit einem Menschen mache, wenn er versehentlich zwischen die Räder und die Gleise gerate. Irritiert starrte sie mich an. Nicht wissend, ob ich ihr so etwas antun würde oder nicht. Ich genoss die in ihr aufkeimende Panik richtig.

Vom Betriebsausflug sind wir ohne Sarah zurückgekommen.
Keine Sorge, sie liess ihr leben nicht verkeilt und verschmiert in der Maschinerie einer Zahnradbahn. Ich töte doch nicht vor so vielen Zeugen.
Dummerweise wurde sie von einem vorbeifahrenden LKW erfasst und setzte ihre Reise eingekeilt in dessen Radkasten fort. Dieses Geschmiere auf der Strasse, nach dem er sie erwischt hatte, war ekelhaft. Blut und Hautfetzen und ich meine ein paar Zähne gesehen zu haben. vielleicht waren es auch Knochen? Wer weiss das schon.

Übrigens schreibe ich diese Geschichte in meinem neuen Eckbüro mit den grossen Fenstern, die eine wunderbare Aussicht über die Stadt zulassen.