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Samstag, 26. November 2016

Das Schweizer Messer



Bei der Wahl eines adäquaten Titels, dachte ich mir,  ich könnte einen wählen, der so gar nichts mit dieser freundlichen Geschichte am Hut hat - so wie der Heyne Verlag das bei den Büchern Richard Laymons zu machen pflegt.
Zu Ehren Vitali Kaloyevs steht nun eine mögliche Mordwaffe im Titel. Wo die Geschichte jedoch hinführt, dies werden wir noch sehen...

Die Boeing 747-406 mit dem Namen City of Seoul der holländischen KLM stand geduldig am Gate und wartete darauf, die nächsten Passagiere beherbergen zu dürfen. Einer der 197 Economy-Sitzplätze sollte Bob gehören. Bob hatte von einem seiner Angestellten gehört, dass der stabilste Teil eines Flugzeugs die Mitte sei. Direkt bei den Tragflächen. Zwar grämten ihn die CHF 45.- Gebühren, um einen Sitzplatz wählen zu können, jedoch hing er an seinem Leben und so entschied er sich für Platz 37K. Direkt über den Tragflächen am Fenster. Aber wir greifen etwas vor...

Bob Lazina, der bei seinen Angestellten unter den Namen Lazy Bob, der fette Bob oder auch nur Blob, bekannt war, hatte endlich mal wieder Urlaub von seinen lästigen Angestellte, die ihn und die Unternehmung nur Geld kosteten und wollte es sich gut gehen lassen. Allerdings hatte er keine Ahnung, wohin er verreisen sollte und parkierte seinen voluminösen Hintern daher auf den Schreibtischen diverser Angestellter, um nach einem angenehmen Ferienort zu fragen und sie von ihrer Arbeit abzuhalten. Karibik, USA, Thailand, Japan, China, Singapur... etc.
Dolores empfahl ihm einen Aufenthalt in Kyoto, Japan und meinte, er solle den Flug bei der KLM buchen, weil die noch einen erstklassigen Service bieten würden. Japan interessierte Bob gar nicht, aber als er von den Onsen genannten Thermalbädern gelesen hatte, in die man sich nackt setzte, buchte er sich kurzerhand einen Flug nach Japan und ein Hotel in Hakone, dem Ort fürs Nacktbaden.

Bob Lazina reihte sich fluchend hinter den Wartenden vor dem Security Check des Zürcher Flughafens ein. Wieso ein Mann von seinem Format mit solch einem Pöbel warten musste, konnte er nicht nachvollziehen. Als er endlich heran gewinkt wurde, fluchte er die sogenannten Bodychecker an, weshalb sie so langsam arbeiten würden. Wäre er ihr Boss, hätte er sie längst alle gefeuert. Annie, die seit 10 Jahren in diesem Beruf arbeitete, kannte solche Aufschneider und blieb daher unbeeindruckt, was Bob noch mehr in Rage versetzte. Widerwillig entledigte er sich seines Gürtels, der Geldbörse uns seines Palm. Ja richtig gelesen. Bob war einer der wenigen Menschen, die im Jahr 2016 noch ein Palm benutzten. Seine Rolex wollte er jedoch anbehalten, schliesslich könnte die ja abhanden kommen und so dauerte die Abfertigung des grossen Bob Lazina gute 10 Minuten...

Der Flug von Zürich nach Schiphol verlief ohne grosse Probleme, ausser dem Einen. Der Sitz war etwas zu schmal, als dass der voluminöse Bob darin Platz gefunden hätte. Sein Fett schwabbte auf den Nachbarsitz, wo sich ein dünnes Mädchen ans Fenster quetschte, um bloss nicht von ihm berührt zu werden.

Beim Security Check in Amsterdam fluchte Bob erneut. Weshalb er nochmals kontrolliert würde?! Schliesslich hätten die Schweizer das schon gemacht und diese würden bestimmt einen besseren Job machen, als die Holländer oder irgendwelche Inder, die in Holland lebten und ihm seine Rolex abknüpfen wollten. Der Inder, blieb unbeeindruckt. Zum Einen, weil Bob nicht der einzige Mensch mit zu grossem Ego war und zum Anderen, weil er ihn kaum verstehen konnte. Bob's Englischkenntnisse liessen zu wünschen übrig. Besonders die Aussprache.

Beim Boarding drängelte er sich vor, weil es einfach nicht schnell genug voran ging. Endlich parkierte er seinen gewaltigen Arsch auf Sitz 73K der B747-Combi. Als sich eine Frau mit einem schreienden Baby in die Reihe hinter Bob setzte, platzte ihm endgültig der Kragen. Erst fauchte er die Frau an, dann die Flight Attendant. Die Economy war ausgebucht und so bekam die Frau mit ihrem Baby einen Sitz in der Economy-Comfort, wo kein Passagier etwas sagte, die Blicke jedoch Bände sprachen. Glücklich war man nicht...
Bob schäumte vor Wut, weil dieses Weibsstück ein Upgrade erhalten hatte. Vielleicht würde er künftig doch First Class fliegen, wobei das zu teuer war...

Der Start verlief ohne Schwierigkeiten, doch während Bob im kleinen Bildschirm "A Walk in the Woods" schaute, schreckte er aufgrund eines seltsam mechanischen Geräuschs zusammen. Er blickte aus dem Fenster, konnte aber ausser Rauch nichts erkennen. RAUCH! Bob brüllte nach einer der Flight Attendants. Diese versuchte ihn zu beruhigen. Der Pilot habe alles im Griff. Kaum hatte sie ihren Satz beendet, ertönte die Stimme des Piloten aus dem Lautsprecher. Triebwerk 3 funktionierte nicht mehr richtig und wurde abgeschaltet. Bob brach in Panik aus. Sein Sitznachbar, ein Aviatikstudent, versuchte ihn zu beruhigen, in dem er ihm erklärte, dass der Ausfall von einem Triebwerk kein Problem darstelle.
Eine Stunde später hörte Bob erneut diese seltsamen mechanischen Geräusche. Er schaute aus dem Fenster uns sah in der Dunkelheit der Nacht gerade noch die Flammen, die vom defekten Triebwerk zur Tragfläche hoch züngelten. Es gab einen lauten Knall und just in dem Moment, in dem Bob losbrüllen wollte, verspürte er einen stechenden Schmerz in seiner Flanke. Er blickte nach unten und sah ein Loch in der Wand unterhalb des Fensters. Er sah Blutspritzer und realisierte, dass ein Teil des Triebwerks order der ausgefransten Tragfläche in seiner Seite steckte. Mit dem Realisieren seiner Verletzung kam der Schmerz. Unvorstellbare Qualen. Die Passagiere, die in seinem Umkreis gesessen hatte, waren auf die andere Seite der Maschine geflohen. Bob war allein. Ihm wurde warm und immer wärmer. Durch die Fensterscheibe konnte er die direkt davor tanzenden Flammen sehen. Auf seiner Haut bildeten sich Blasen. Bob schrie und brüllte aus Leibeskräften. Ihm wurde bewusst, er würde verbrennen. Ein weiterer Knall und weitere Metallteile schossen durch die Wand der Boeing 747. Bob wurde durchlöchert. Er verlor sein rechtes Bein, unterhalb des Knies. Das heisst, der Rest des Unterschenkels baumelte an ein paar Sehnen. Bob's rechte Gesichtshälfte schmolz dahin, vergleichbar mit dem Käse auf einer Pizza, und wurde allmählich schwarz. Seine rechte Körperhälfte war mit Brandblasen übersät und drohte ebenfalls schmelzen. Aus Bob's schreien wurde ein Gurgeln. Das Triebwerk wurde abgestellt. Da ertönte die Stimme des Piloten "Passengers, brace for impact."

Jene Passagiere, die auf die andere Seite des Flugzeugs geflohen waren, suchten nach freien Plätzen und hielten sich fest, wo sie nur konnten.
Die Airtrafficcontroller im Tower des Flughafens Moskau-Domodedowo hatten Sichtkontakt zur B747, die sich im Landeanflug befand. Schwarzer Rauch war zu sehen. Die Boeing sank immer tiefer und sämtliche Augenzeugen hielten den Atem an und ihre Kameras bereit. Die Flughafenfeuerwehr war bereit, ein Inferno zu beseitigen.
Der Kapitän setzte mit der City of Seoul sicher auf der Landebahn auf und brachte sie zum stehen. Auf der linken Seite der Maschine wurden die Türen geöffnet und die Notrutschen heruntergelassen. Die Passagiere wurden evakuiert.
Bei der Landung wurden 34 Menschen leicht verletzt. Die weiteren 177 Passagiere kamen unbeschadet davon und so auch die Besatzungsmitglieder.

Das brennende Triebwerk wurde gelöscht. Zwei Männer der Flughafenfeuerwehr betraten die Kabine und fanden einen stark verkohlten Passagier. Sie glaubten ihn tot, bis dieser ein Röcheln von sich gab. Bob wurde aus seinem Sitz gehoben und ins nächste Krankenhaus befördert, wo er unter starken Schmerzen in einem 4-er Zimmer liegt. Ja liegt. Bob Lazina hat Berühmtheit erlangt, als der Mann, der als einziger ernsthafte Verletzungen davongetragen und mit derart starken Verbrennungen überlebt hat. Die Ärzte sagen, es sei ein Wunder, dass er seinen Verletzungen nicht erlegen ist und sie würden alles Mögliche tun, damit er durchkommt.
Bob Lazina wünscht sich wohl, er wäre gestorben... Denn auch wenn er überleben sollte, was die Meisten ausschliessen, wird er für den Rest seines Lebens bewegungsunfähig bleiben und auf starke Medikamente angewiesen sein.

Gestern war ein Bericht über ihn in den Nachrichten. Ein Reporterteam wollte ihn interviewen. Bob Lazina's "Worte" waren lediglich ein blubbern. Er wird nie wieder sprechen können...

In dem Sinne: alles Gute Bob...




Donnerstag, 4. Juli 2013

Sprachaufenthalt des Grauens - Einleitung



17-jährige Deutsche bei Sprachaufenthalt in der Slowakei vermisst
Die 17-jährige Yvonne G. aus Hamburg wird seit nunmehr 3 Tagen vermisst. Am vergangenen Wochenende reiste sie alleine in die Slowakei um ihren Sprachaufenthalt anzutreten, für den sie so lange gespart hatte.  Bei ihrer Gastfamilie Andrej und Nevenka K. ist sie jedoch nie angekommen. Eine gross angelegte Suchaktion….

Angelika schloss das Zeitungsapp auf ihrem iPhone wieder. Mehr wollte sie gar nicht wissen. Wer geht auch schon in die Slowakei?!  Ausserdem waren solche Meldungen ja an der Tagesordnung. Wenn es nicht wieder eine Massenvergewaltigung in Indien oder ein Erdbeben in Japan, eine erneute Atomkatastrophe, Hochwasser in Deutschland oder ein Krieg oder Proteste oder ein Bombenattentat oder ein Selbstmordattentäter oder ein Autounfall oder oder oder war, dann verschwand mal wieder ein Mensch, irgendwo in einem Land, mit dem sie nichts zu tun hatte.
Sie blieb in der Schweiz, wo es sicher war. Nie im Leben würde sie die sichere Umgebung von Rafz verlassen. Das höchste der Gefühle, war ja schon, dass sie hin und wieder in Zürichs Innenstadt essen ging. Aber ganz allein ins Ausland? Im Leben nicht!
Und spätestens seit Eli Roth‘ HOSTEL sollten die Menschen, die Slowakei meiden. Ausser man hätte Freude daran, verschleppt und zu Tode gefoltert zu werden…
Tja, und so erging es jetzt bestimmt dieser Nevenka… nein Yvonne. Irgendwo hatte man ihr aufgelauert und sie verschleppt. Hinterher einem gut zahlenden Menschen verkauft, von dem sie nun gefoltert wurde. Arme Yvonne. Sie würde niemals heiraten. Niemals zwei Kinder bekommen. Einen Jungen und ein Mädchen. Niemals. Sie würde sterben ehe sie dazu kommen würde…
Na ja, und wenn sie diese Yvonne finden sollten, sollte man ihr noch eine runterhauen! So dumm und leichtsinnig kann man doch gar nicht erst sein!

Im Fernsehen wurde auch über das Verschwinden der Yvonne G. aus Hamburg berichtet. Die deutsche Polizei arbeite eng mit der slowakischen zusammen.
Sie war nach Wien geflogen und von dort mit dem Reisebus zum Bahnhof gereist, wo sie in einen Zug nach Bratislava eingestiegen war. Dies war sicher, da sich der Schaffner an sie erinnern konnte. Sie hätte ihm das Ticket gezeigt und gefragt, ob das auch der richtige Zug sei und ob der auch pünktlich in Bratislava ankomme. Sie wäre zum ersten Mal alleine unterwegs und würde die nächsten 3 Monate in der Slowakei bleiben um die Sprache zu lernen.
Der Schaffner habe sich noch gefragt, wieso man Slowakisch lernen will, wo in der heutigen Zeit doch Chinesisch treffender wäre. Aber die jungen Leute von heute seien ihm ohnehin alle suspekt…
Er erinnerte sich auch daran, dass sie den Zug am Bahnhof von Bratislava verlassen und ihm noch zugewinkt hatte.
Ein Mann erinnert sich, ein dürres Mädchen mit viel Gepäck gesehen zu haben, das alleine unterwegs war. Sie stieg in ein schwarzes Auto ein. „und fuhr so aus dieser Geschichte davon…“ dachte sich Angelika mit einem fiesen Grinsen im Gesicht.
Die Suche wird nun in der Slowakei fortgesetzt.
Schliesslich wurden noch Freunde und Familie gezeigt, die in die Kamera heulten und die für solche Situationen typischen Sachen sagten. Angelika fragte sich, ob die ein Skript bekommen hätten… Sagen doch alle immer das gleiche. Was für ein guter und netter Mensch sie doch war blabla… von allen gemocht… blabla…
Schliesslich zeigten sie Yvonnes Bruder, der mit verheulten Augen und pseudo finsterem Blick in die Kamera schluchzte, jedoch versuchte das Schluchzen zu unterdrücken. So kamen hohe piepsige Laute aus seinem Mund als er tatsächlich eine Drohung ausstiess. „Wenn ihr das seht un meine Schwesta habt, dann schwöa ich euch, ich töte euch! Ich werd euch alle töten!“ Angelika konnte sich nicht mehr halten vor Lachen! Sie hoffte inständig, dass irgendjemand so geistesgegenwärtig war und dieses Video auf youtube gestellt hatte, damit sie es sich immer und immer wieder ansehen und darüber lachen konnte.
Wen wollte dieser Typ eigentlich mit seinem Auftreten beeindrucken? Seine Haare waren zu etwas wie einem Iro zusammengegelt. Sein grauer Pullover hatte Löcher und auch die schwarze Cordhose (wer trägt heute noch ein Cordhose, der kein kompletter Öko ist?!) hatte ebenfalls einige Löcher.
Na ja… Bruder, diese Typen, die deine Schwester entführt haben, werden sie jetzt ganz bestimmt frei lassen, weil sie so vor deinem Anblick erzittern… haha
In dem Moment piepte ihr iPhone. Auf dem Display erschien das grüne Symbol von Whatsapp. Daneben stand:
Mia’s little iPhone:
Ich habs! Habe eben die Zusage bekommen! Sprachaufenthalt in Japan – Ich komme!!! Angiiiii komm rüber! Hab ne Flasche Moet Pink! Lass uns feiern!