Während andere Länder Lockdown haben, zeigen sich in der Schweiz Lockerungen. So dürfen wir uns draussen wieder in Gruppen bis zu 15 Pax treffen. Genau dies haben wir, eine Gruppe Studierender, getan. Wir hatten uns zu einer «Grillbierete» an der Aare verabredet.
Im Abteil neben dem meinen sassen zwei Mädchen, die sich lautstark über ihre (am Alter gemessen, wohl ersten?) festen Freunde unterhielten. W.A.S.P. hörend sass ich in der S-Bahn und ärgerte mich ein wenig darüber, bald meine BOSE QuietComfort 35 ausschalten zu müssen, da ein anderer Mensch zusteigen würde. Besitzt man einen Funken Anstand kann man schlecht die Kopfhörer aufbehalten und entschuldigend sagen, man höre grad Musik. Der Zug hielt und Walter stieg zu. Er platzierte sich neben dem Sitz mir gegenüber und grüsste mich aus vollen Lungen, in Slowmotion winkend «Hoi Marielou!» (er hat nicht «Mary» gesagt. Er ist der einzige Mensch auf Erden, der mich immer beim vollen Namen nennt, nervt mich das? Sicherlich. Schlage ich ihm deswegen gleich ein paar seiner Zähnchen aus? Mitnichten...). Mit dem Gewinke erinnerte er mich irgendwie an diesen Waldo, der in Deutsch besser bekannt ist als «Wo ist Walter». Ich kam nicht umhin mich zu fragen, wieso er sich nicht einfach, wie jeder andere normale Mensch, auf seinen knochigen Arsch setzte. «Was hast denn du auf dem Kopf? Ah einen Piraten?!» (die Lautstärke war noch gleich hoch), kaum hatte er ausgesprochen, schritt er neben mich und glotzte auf mein Bandana. Nach dessen Prüfung (mein Trommelfell ist noch immer ganz verschreckt und bedarf wohl einer Therapie) brüllte er mir fast schon ins Ohr «Ahaaa! Seaschäppärd! Sehr cool! Sehr cool! Ja!». Die Mädchen im Abteil neben meinem schauten ihn auch schon mit diesem ganz bestimmten Blick an, den Frauen oftmals bis zur Perfektion beherrschen. Ich fühlte mit ihnen und gab mich
sehr kurz angebunden. Fragte mich weiterhin, ob er sich irgendwann auf den Sitzplatz verfügen möge… Tatsächlich tat er dann genau das. Dabei fiel mir auf, dass er eine dieser «Globi»-Masken trug. Es gibt ja diese sehr dicken Stoffmasken, mit denen jeder Mensch aussieht, als hätte er einen Schnabel, halt wie Globi. Von der Hochschule hatten wir solch eine Maske erhalten. Noch nie habe ich sie getragen und werde es auch nie tun. Ich will nicht wie Globi aussehen. Walter hingegen schien das nicht zu kümmern. Er starrte mich von oben bis unten an und stellte dann mittels seiner ausgeprägten Beobachtungsfähigkeit fest: «Du trägst ja nur schwarz! Sogar die Maske! Ton in Ton! Oha! Gut, ist es noch nicht so heiss! Ich trage ja meistens auch eher dunkle Sachen!», was sein grün-gelb-orange-rot kariertes Hemd kläglich zu unterstreichen versuchte, jedoch scheiterte. In diesem Hemd sah er einem Testbild ähnlich. Während der Fahrt textete er mich mit Themen zu, die ich mir auch schon hatte anhören dürfen/müssen. Meine Reaktion war der Situation angemessen: höflich desinteressiert.
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| Globi |
Als wir dann am Zielort ankamen, wartete da bereits eine Gruppe Studis. Daneben warteten ca. 16-jährige Jungs auf ihre Freunde. Walter dachte, sie würden zu uns gehören und fragte den einen nach dessen E-Scooter: «Aha! Du hast ja ein elektronisches Trottinett!» Der Junge starrte ihn ganz entgeistert an und dachte sich seinen Teil. Walter ignorierte die Blicke des Jungen und die dessen Freunden gekonnt und fragte, ob er denn da keinen Helm trage. Die Dinger wären ja doch recht schnell und gefährlich. Ich konnte mir das nicht länger mitanhören und quasselte mit den anderen Leuten unserer Gruppe. Die Teens zogen kurz darauf lachend und lästern ab. Walter stiess zu unserer Gruppe und meinte lauthals, er habe gedacht, die gehörten auch zu uns. Haha! Die Blicke, die ausgetauscht wurden, waren einheitlich.
13 Personen waren wir als wir zur Aare pilgerten. Bierkisten und Grillutensilien tragend schwelgten wir in Erinnerungen an Zeiten vor der Pandemie, als wir noch unbeschwert alles tun und lassen konnten. Menschen, die eine Maske trugen und uns passierten, wechselten die Strassenseite und warfen uns zornige und abschätzige Blicke zu. Es war nicht obligatorisch in der Öffentlichkeit eine Maske zu tragen, dennoch taten es viele. Wir waren jung und somit auch rücksichtslos in deren Augen. Uns war das egal. Wir freuten uns darüber, endlich mal wieder zusammen sitzen zu können, ein Bierchen zu trinken und das Leben zu geniessen.
An der Aare angekommen richteten wir uns gemütlich ein. Die Gamer sassen auf der einen, die Technikstudenten auf der anderen und wir von der PH sassen irgendwo daneben. Obschon wir in Grüppchen dasassen, amüsierten wir uns alle miteinander. Drei UE BOOMs wurden aufgestellt und mit einem iPhone verknüpft, so konnten wir alle – obschon über mehrere Meter verteilt – die selbe Musik hören. Die Playlist von Mann-mit-Hut ähnelte der meinen: Für jedem Geschmack war etwas dabei.
Irgendwann kamen noch zwei Personen dazu. Da fragte jemand neben uns, wie viele wir denn seien. Genau 15 waren wir. Das war dann in Ordnung für unsere Nachbarn. Es ist auch sehr wichtig, dass man auf die Personenanzahl achtet. Schliesslich ist Covid-237 ein intelligentes Virus, das nur Gruppen ab 16 Personen befällt. Daher ist wirklich grösste Vorsicht geboten.
Die zwei Neuen setzten sich zu uns. Wir unterhielten uns über alles mögliche. Walter brachte dann eine interessante und belustigende Diskussion ins Rollen:
«Menschen gehen immer vom Negativen aus! Die Welt wäre viel schöner, wenn Menschen vom Guten ausgehen würden!»
Ich: «Vielleicht sind sie ja nicht negativ sondern einfach realistisch?»
«Nein! Wenn man immer vom Schlimmsten in einer Person ausgeht, dann ist das negativ! Wir sollten alle vom Guten ausgehen! Das hat dann auch einen positiven Effekt!»
«All die Frauen, die Ted Bundy vertraut hatten, gingen vom Positiven aus und der Effekt war Vergewaltigung und Tod. Das ist dann also ein positiver Effekt?»
«Ted Bundy? Wer ist das?», alle, die dies gehört hatten, stockte der Atem für einen Moment. Ungläubige Blicke ruhten auf Walter. Ich kam nicht umhin Licht in sein Dunkel des Serienmördertums zu bringen: «Ted Bundy war einer der bekanntesten Serienkiller der USA.» «Aha. Ja man kann ja nicht alles kennen.» Gelächter.
«Um auf deine Aussage zurückzukommen, wenn ich also davon ausgehe, dass ein Mann, ein Serienmörder sein könnte und daher vorsichtig bin, macht mich zu einem schlechten Menschen? Aber wenn ich gedankenlos in jedem Menschen einen guten Samariter sehe und dafür vergewaltigt und in meine Einzelteile zersägt in einem Waldstück oder Vorgarten vergraben werde, dann bin ich immerhin als guter Mensch gestorben?»
«Ja… nein… so kann man das nicht sagen. Ausserdem leben wir nicht in den USA.»
«Soll das heissen, dass es nur in den USA zu Morden kommt?»
«Nein, aber im Verhältnis haben wir hier viel weniger solcher Taten als sie die Amis haben.»
«Bist du dir da sicher? Vielleicht meinen wir das ja auch nur, weil in sämtlichen True Crime stets Fälle aus den Staaten gezeigt werden. Wir haben keine Vergleichswerte darüber, wie es in anderen Ländern ist.»
«Das nicht, aber das könnte man sicherlich herausfinden. Es gibt für alles Statistiken. Und in der Schweiz wird eher selten jemand ermordet.»
Fin nahm daraufhin sein iPhone zur Hand und rief die Seite des Bundesamtes für Statistik auf. Er fand heraus, dass es zu zwei Entführungen kam, zu 6 Zwangsheiraten, wovon die Hälfte aufgeklärt werden konnte. Darüber staunten wir. Wie kann es sein, dass man zwar weiss, dass es zu einer Zwangsheirat gekommen ist, man aber nicht weiss, um wen es geht? WTF. Wir lachten. Redeten über unser lasches Justizsystem und lachten wieder. Wir waren uns einig, dass wenn wir jemals jemanden töten sollten, wir entweder betrunken waren oder uns nicht mehr an die Tat erinnern können würden, das hat bisher immer Strafbefreiung ergeben. Man war ja nicht zurechnungsfähig. Woraufhin ich zu bedenken gab «Hätte der Kannibale von Rothenbrug damals mal besser gesagt, er könne sich nicht mehr an die Tat erinnern…» Walter wollte dann natürlich wissen, wovon ich sprach. «Vom Kannibalen von Rothenburg. Frag mich was, wie der hiess. Der hatte ja sein Abendessen in einem Internetforum für Kannibalismus getroffen und mit–»
«Was?! Es gibt Internetforen für Kannibalen???!», wollte Walter ganz ungläubig wissen. Worauf Fin entgegnete, dass es Foren für alles gibt, wobei es heute wohl eher Facebook- und WahtsAppGruppen sind. «Was?! Wirklich?!» Ich kam nicht umhin mich zu fragen, in was für einer Blase dieser Walter wohl bisweilen gelebt haben muss...
«Ja! jedenfalls haben die beiden sich getroffen und das Abendmahl hat sich bereiterklärt gehabt, sich essen zu lassen. Worauf der andere Typ ihn human getötet und sich dann ein Abendmahl zubereitet hat.»
«Wie tötet man jemanden HUMAN?»
«Tja, lieber Walter… Das ist eine sehr berechtigte Frage. Vielleicht mit einem Bolzenschuss ins Gehirn oder man schlitzt ihm bei lebendigem Leib die Kehle oder den Wanzt auf? Vielleicht prügelt man ihn auch einfach so lange, bis er sich nicht mehr rührt? Oder man siedet ihn lebendig?»
«Wie ist das HUMAN?!»
«Frag das bitte die Menschen, die bei Tieren von HUMANER Schlachtung sprechen. Denn genau so geht man mit Tieren um.»
«Aber das kann man nun wirklich nicht verg–»
«Ich werde ganz bestimmt keine Debatte mit dir führen, inwieweit das Halten und Abschlachten von Lebewesen human sein kann.»
Fin ergriff dann das Wort und beendete die Erzählung über den Kannibalen von Rothenburg: «War es nicht so, dass die in Deutschland kein Gesetz gegen das Verspeisen von Menschen hatten und erst nicht wussten, wie sie den Typen nun verurteilen sollten?» «Ja, das habe ich auch mal gelesen.»
Passen zum Thema kamen zwei Typen zur Feuerstelle, welche zwischen unserer Gruppe lag. Sie würden gern Feuer entfachen, ob das in Ordnung sei. Na klar. Aufgrund der Windrichtung mussten wir dann umziehen. Ansonsten wären wir geräuchert worden. So nahmen wir unser Hab und Gut und zogen auf die andere Seite der Feuerstelle – zu den Gamern.
Von meinem Platz aus hatte ich die beste Übersicht über die Feuerstelle und die Fressalien, welche herbeigetragen wurden. Ich kam nicht umhin mich zu fragen, wieso diesen Menschen nicht auffiel, wie barbarisch ihre plastifizierten Leichenteile waren.
Später dann kamen wir auf Mikroorganismen zu sprechen und landeten dann bei Parasiten. Mann-mit-Ankertattoo sagte daraufhin ganz bedacht: «Ein Fötus ist biologisch gesehen auch nur ein Parasit.» Walter: «Das kann man jetzt wirklich nicht vergleichen! Es handelt sich nicht mal um die gleiche Spezies!» Mann-mit-Ankertattoo entgegnete daraufhin: «Ein Parasit ernährt sich von seinem Wirt. Das tut ein Fötus auch.»
«Ein Fötus ernährt sich von seiner Mutter! Er braucht die Mutter um wachsen zu können!», korrigierte Walter schon leicht angesäuert.
«Wie ein Bandwurm.», sagte ich lachend.
«Ja. Theoretisch gesehen könnte man einen Bandwurm mit einem Fötus gleichsetzen. Es ist zwar nicht gleich aber es entspräche in etwa dem.», unterstützte mich Mann-mit-Ankertattoo. In dem Moment verlor Walter wohl den Glauben an die Menschheit. Ausser sich krähte er dann «DAS IST NICHT DIE GLEICHE SPEZIES!!!» Wir lachten alle. Mann-mit-Ankertattoo klopfte Walter auf die Schulter und meinte, er solle nicht alles so verdammt ernst nehmen. Mann-mit-Glatze, der uns stumm zugehört hatte, pflichtete Mann-mit-Ankertattoo bei und sagte: «Chill out, man!»
Walter setzte sich daraufhin seine wannabe-Ray-Ban-Aviatior (ich glaube, das Markentussitum werde ich nie gänzlich los werden) auf und lehnte sich zurück. Aus der UE BOOM ertönten die ersten Klänge zu Kickstart my heart von Mötley Crüe. Alle, die wir den Text kannten, grölten mit.
Ich schaute mich um. Überall entlang der Aare sassen Grüppchen mit nicht mehr als 15 Personen, welche die warmen Temperaturen und die Sonnenstrahlen genossen. Überall konnte man UE BOOMs herumstehen sehen. Bierdosen und Flaschen wurden in Händen gehalten. Die Stimmung war wie damals. Es schien so, als hätte es diese ganze Pandemie nie gegeben. Es war keine einzige Maske zu sehen. Kein Abfall lag herum. Keine Plastikhandschuhe oder Desinfektionsmittel. Dieser Ort an der Aare war eine andere Welt. Es schien wahrlich alles so, als lebten wir in einem Paralleluniversum. Man hörte niemanden streiten. Alle Menschen, obschon fremd, begegneten sich mit Respekt und Freundlichkeit. Alle schienen dieses bisschen Freiheit zu schätzen und zu absorbieren. Den letzten Moment auskosten. Mit guten Erinnerungen nachhause gehen.
Mein Kumpel Rico setzte sich dann zu uns. Wir schauten einander an, lächelten und wussten, wir dachten dasselbe. Einfach die Atmosphäre absorbieren. «Ist das nicht einfach schön?», meinte er. «Total. Das haben wir wohl alle bitter nötig gehabt.»
«Es ist einfach friedlich. Als wäre nie etwas geschehen. Ich hab das so vermisst. Einfach mit Leuten zusammensitzen, feiern, geniessen und ein Bierchen trinken.»
«Schau dich mal um. Egal, wohin du schaust, du siehst nur zufriedene Menschen. Alle geniessen diesen kleinen Frieden hier.»
«Darauf trinke ich!» Wir erhoben die Dosen und stiessen an. «Cheers!», sagte Rico. «Na zdravje!», sagte ich. «Nasdrovje!», krähte Walter. Ich kam nicht umhin mich zu fragen, ob er meinen Trinkspruch nachmachte oder was das sollte. Durch das Knirschen von Autoreifen auf dem Waldweg wurde ich aus meinen Gedanken gerissen. Ein Kastenwagen der Polizei rollte im Schritttempo den Weg entlang. Obschon diese Patrouillen zum Alltag gehören, gewöhnt man sich irgendwie nie ganz daran. Die verhüllten Polizisten zählten durch und rollten weiter. Dieser Ort ist doch keine andere Welt, dachte ich.
Eine Gruppe weiter unten am Fluss kletterte auf die Bäume direkt am Ufer und sprang grölend in die Fluten der Aare. Waren die mutig. Obschon der Fluss hübsch anzusehen war, hätte ich mich nicht hineingewagt. Keiner wusste, wie stark er verseucht war. Welche Art Mikroorganismen darin lebten, mit welchen Krankheiten zu rechnen war… Ich schob den Gedanken beiseite und erinnerte mich an die Zeit davor. Ehe die ganze Welt und das Leben, wie wir es kannten, die Toilette runtergespült wurde.
Mann-mit-VEGAN-Tattoo verkündete, er habe einen Grill für Veganer mitgebracht. Ich hatte viererlei Hummus gemacht und mitgebracht. Wir platzierten alle Speisen in der Mitte und jeder konnte sich bedienen. Das Bild erinnerte mich an ein Foto eines Freundes aus Fernost. In der Mitte des Raumes gab es einen riesigen Teppich auf dem eine Vielzahl Speisen angerichtet waren und sich ein jeder bedienen konnte.
«Was ist das für Hummus?», wollte Frau-mit-Hut wissen. «Spirulina, Grüntee, Zitronen und Black Sesam.»
Die Töpfe waren am Abend leer. Offenbar hatte es auch ohne Tahini geschmeckt. Damals gab es Tahini im Supermarkt und man konnte es online bei jedem Veganer bestellen. Sogar beim guten Herr Brack gabs Tahini. Heute findet man das nicht mehr. Also muss gerösteter Sesam herhalten – oder man macht selbst eine Sesampaste.
Mann-mit-Hut sagte, er habe eigentlich einen Gurkensalat machen wollen. Aber es gab mal wieder keine Gurken, als er einkaufen war. Ist das nicht ironisch? Früher haben wir das alles im Überfluss gehabt und weggeschmissen. Heute haben wir zu wenig. Wieso steuern wir von einem Extrem ins andere?
Als es dämmerte, spielte meine «Campfire Tales»-Playlist. Wir unterhielten uns über unsere mögliche Zukunft, bis jemand «BIIIIIIERPOOOOONG» brüllte! So sprangen wir alle auf, bildeten zwei Gruppen und spielten gesellig Bierpong. Dass es unhygienisch war, das wir alle denselben Ball anfassten und das ohne Handschuhe oder Desinfektionsmittel und das wir dann alle auch noch Bier aus Bechern tranken, in denen der Ball gelandet war, ignorierten wir alle. Wir wollten Spass haben. Wir hatten Spass. Wir kosteten jede Sekunde dieses Tages völlig aus. Die andere Gruppe war bei Weitem besser. Wir hatten keine guten Werfer. Als ich den letzten Becher ausgetrunken hatte, brüllte der-Hüne «REVENGE!!!». Natürlich stimmten alle zu. Als wir die Becher wieder positionierten, hörten wir den vertrauten Alarm. Armeefahrzeuge rückten an. Das Gebiet wurde abgesperrt. Es gab kein Entkommen. Die Soldaten trugen ihre Schutzanzüge. Etwas musste passiert sein. Wir wurden alle in Quarantäneeinrichtungen gebracht – ohne zu wissen wieso.
Schliesslich stellte sich heraus, dass eine Leiche aus dem Fluss gezogen worden war. Es handelte sich jedoch um niemanden aus unseren Reihen. Nein, es war auch nicht einer der Typen, die vom Baum gesprungen waren.
Wir sassen 17 Tage lang in Quarantäne, ehe wir gehen durften. Diejenigen, die in Kontakt mit dem Wasser waren… tja… die haben die 17 Tage nicht überlebt. Die Leiche, die man gefunden hatte, lag schon länger im Fluss und hatte das Virus in sich. Die Typen, die schwimmen waren, hatten sich mit dem Virus, das sich im Fluss ausgebreitet hatte, infiziert. Mir wurde erzählt, dass es zu einer Bakterieninfektion kam, durch welche die Haut teilweise abgefressen wurde. Damals hatte jemand, der 90% der Haut bspw. durch einen Brand verloren hatte, dennoch eine Chance zu überleben. Da die Gesundheitsversorgung aber nicht mehr gewährleistet ist, kann das Einbüssen von 40% bereits ein Todesurteil sein. Einem Infizierten wird gewöhnlich nicht mehr geholfen. Man will das wenige medizinische Personal nicht gefährden.
Als wir entlassen wurden, schauten wir auf die grosse Tafel, auf der die Gesamtpopulation des Landes angezeigt wurde. Während dem grossen Sterben, wurden sie in jedem Ort aufgestellt. Als wir losgezogen waren, um an der Aare zu feiern, zeigte sie «Population: 75000» an. Als wir entlassen wurden zeigte sie «Population: 75001».
Wir wissen von, 8 Toten. Wurden in diesen 17 Tagen 9 Kinder geboren oder werden wir von der Regierung belogen, was die Sterberate angeht? Da Letzteres ja nicht sein kann, denn die Regierung würde uns ja nie belügen, gehe ich davon aus, dass 9 neue Menschen geboren wurden. Und so schliesse ich diesen Eintrag voller Hoffnung mit einem Zitat aus Jurassic Park: «Das Leben findet einen Weg.»



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