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Sonntag, 1. Februar 2015

...und dann fiel eine Tür mit lautem Knall ins Schloss...

Heute wurde mir einmal mehr die Ehre zu Teil einen Stehlunch betreuen zu dürfen.
Ganze 20 Personen (4120 Knochen, man stelle sich das vor!) waren gemeldet. Davon versprach ich mir eigentlich einen ruhigen Mittagsdienst. Denkste.

Der Lunch war aufgebaut, die Küche abgezogen, Vorleger verteilt und da marschierten auch bereits die ersten zwei Gäste ins Foyer. Jenes Foyer grenzt an einen, heute nicht belegten und daher meine Abräumstation beherbergenden, Konferenzraum. Die Abräumstation war auch startklar und wartete nur auf verschwendete Nahrungsmittel, darunter u.a. zerstückelte, marinierte und gekochte Tierkadaverteile, schmutzige Teller und Tassen und einer dieser weissen riesigen Plastikeimer wollte mit schmutzigem Besteck gefüllt werden - ob er das wollte, wage ich allerdings zu bezweifeln, denn wer möchte schon mit schmutzigem Besteck gefüllt werden?

Da ich vergessen hatte, mir ein Plateau, eines der guten, mitzunehmen, ging ich nochmals zurück in die Pantry. Auf dem Rückweg zum Foyer telefonierte ich mit dem Sous-Chef und klärte gewichtige Fragen bezüglich Lunchthemen. Wieder im Foyer (noch immer telefonierend) krähte ein Gast auf mich ein. Ich deutete auf mein Telefon, sagte, ich sei gleich bei ihm und ging in den Konferenzraum. Der leicht cholerisch wirkende und sich nicht ganz unter Kontrolle zu haben scheinende Gast (mit einer gelben Krawatte, die farblich so gar nicht zu diesem leicht beigen Hemd passen wollte), brüllte (ja wahrlich, er brüllte! Es war nicht einfach etwas lauter gesprochen, die Tonlage war bereits in Gebrüll übergegangen) "Ich dachte Sie arbeiten hier!", und knallte, seine ganze Aggression in den Arm packend, die Tür hinter mir zu.
Die aufkeimende Aggression meinerseits versuchte ich sogleich im Keim zu ersticken. Echt, schon wieder? War da nicht erst am vergangenen Samstag einer, der mich als Idiot beschimpft hatte. Was war nur los mit den Gästen? Befinden sich allesamt etwa im Weihnachtsstress und haben in der Hektik des Alltags Anstand und Geduld verloren? Der KNIGGE sollte auf deren Wunschliste ganz oben stehen...

Ja, ich spiele mit dem Gedanken, mir 3-6 graue BZ-Boxen gefüllt mit KNIGGE ins Hotel zu bestellen und jedem Gast, von dem ich denke, er sollte sich diesen zu Gemüte führen, einen mitzugeben...




Sonntag, 28. Dezember 2014

Nahezu fossile EDV

Zeigte sich ein Gast recht echauffiert über die Aktualität unserer Gästecomputer, welche ausschliesslich für unsere Businessgäste zugänglich waren.
Erst funktionierte der USB-Stick nicht, worauf der Herr meinte, ich könne diese fossilen Computer auf die nächste Müllkippe bringen. Ich überlegte kurz, ob ich nicht entgegnen soll "ein Muesum wäre doch bei fossilen Computern ein viel besserer Abnehmer.", habe es dann aber unterlassen. Er schnaubte und fügte hinzu, dass so etwas eine regelrechte Zumutung sei! So etwas könne doch in der heutigen Zeit nicht wahr sein! 
Er wollte mir die Unterlagen dann per E-Mail senden, was sich aufgrund von Wartungsarbeiten am Mailserver, welche natürlich gerade in dieser halben Stunde stattgefunden hatten, verzögert hätte. Also fragte ich, ob er nicht einen anderen Stick, habe und es mit jenem nochmal versuchen möchte. 
Kurz darauf kam er wieder mit einem anderen Stick vorbei. Er grinste mich an und meinte, er versuche es noch mit jenem. Ein Jauchzen war zu vernehmen und er schrie, er habe Erfolg! Der Stick funktioniere! Was war ich erleichtert. ^_^
Während der Tintenstrahldrucker *hust* seine Arbeit tat, kam der Herr wieder zu mir und fragte, ob die Drucker aus dem Jahre 1992 stammten. Damals hätte man sich mit solch antiquierten Modellen abmühen müssen.
Er wisse, ich könne nichts für die minderwertige Ausstattung des Gästecorners, aber er möchte mir dennoch sagen, dass er kürzlich in Amsterdam gewesen sei, den Namen des Hotels habe er vergessen, aber da sei ein jeder Meetingraum mit einem Drucker ausgestattet.Wir sollen uns doch mal Gedanken darüber machen. Denn schliesslich nutze ihm der schönste Raum nichts, wenn er dann so etwas zum Drucken vorgesetzt bekomme.
Er ging wieder zurück zu seinen Gästen um nach ca. 10 Minuten wieder zu kommen, um sein Druckerzeugnis abzuholen. Beim Eingang zum Gästecorner lauschte er erst und meinte dann ganz bestürzt, dass das Ding ja immernoch nicht fertig ausgedruckt habe. Ein amüsiertes Lächeln konnte ich mir da nicht mehr verkneifen. Er meinte dann, es sei wirklich eine Zumutung in einem V--I--P--Bereich mit solchen Urgesteinen arbeiten zu müssen. Wenn er 100 Seiten zum Ausdrucken habe, müsse er ja einen Tag früher anreisen. Ich lachte amüsiert und nickte. Auch er war bereits nicht mehr sauer, sondern leicht amüsiert - oder auch bereits so sehr in seiner Verzweiflung, dass sein Zustand in latenten Wahnsinn überging?
Er habe sich einen anderen Standart versprochen. Sein Homeoffice wäre ja besser ausgestattet! Er habe 3(!) Laserdrucker darin stehen! Einer davon ist in Farbe. Die kosten heute auch nicht mehr alle Welt! So fragte er dann ob ich denn noch einen TINTENSTRAHLdrucker zu hause hätte? "Nein, auch ich habe zwei Laserdrucker - einer davon in Farbe." Nun lachte er laut los und meinte nur: "Sehen Sie?"
Unterdessen war der Drucker mit der Arbeit fertig. Als der Gast mit seinen Papieren wieder an mir vorbeiging meinte er nur, ich solle ihn bitte zitieren und dies alles meinen Vorgesetzten mitteilen.
Sehr gerne -_^

Zugegeben, als er Anfangs maulte, dachte ich nur "schon wieder einer dieser gestressten Businesstypen", doch seine Aussagen waren so schön, dass ich ihn zum Schluss richtig mochte. Schliesslich hatte er ja nicht ganz Unrecht...

Eigentlich hätte ich mir seinen Namen heraussuchen und ihm eine Dankeskarte schicken sollen - ausgedruckt auf dem Tintenstrahldrucker. Er erhellte meinen tristen Tag in jenem düsteren Hotel doch erheblich ^_^ 





Sprechende Fahrstühle und fehlende Meeting-Etagen

Kommt ein gänzlich aufgelöster (erst jetzt während dem Umschreiben dieser Erzählung fällt mir auf, wie makaber das klingt... Ein gänzlich aufgelöster Gast, wäre wohl kaum noch in der Lage, irgendwo hin zu gehen...naja), ja ver(w)irrter Gast zu mir gestürmt. 
"Sie! Verzeihen Sie bitte! Können Sie mir vielleicht helfen? Ich habe ein Meeting in der 14. Etage. Aber der Fahrstuhl sagt, dass sich dort nur das Parkhaus befindet?"
Erstmal bin ich mir nicht sicher, ob ich über die Existenz eines sprechenden Fahrstuhls erstaunt sein, oder ob ich so tun sollte, als hätte er das nicht gerade eben gesagt. Ich entscheide mich schliesslich für Letzteres und antworte ihm, dass sich in der 14. Etage auch Meetingräume befinden. Beruhigt und doch etwas misstrauisch geht er zu den Fahrstühlen, schaut kurz in die Kabine um dann wieder zu mir zurückzukommen: "Sind Sie sich da auch wirklich sicher? Da steht wirklich nur Parking."
"Nein, sicher bin ich mir nicht. Selbst war ich noch nie da oben. Aber meine Kollegen reden immer davon. Kommen Sie, gehen wir doch zusammen nachschauen.", würde ich gerne zur Antwort geben. Anstelle davon sage ich nur, dass ich mir dessen ganz sicher bin und sich nebst dem Parking auch Meetinräume da oben befinden.

Ein Arbeitskollege von mir meinte nur: "Hättest doch sagen sollen: WAS?! Da oben gibt es gar keine Räume?! Meine Kollegen haben mich demnach immer verarscht, wenn sie gesagt haben, sie gehen nach oben! Was für eine masslose Frechheit!"

13.12.2013

Anmerkung: 
2014 habe ich Japan in einem Airporthotel um die Existenz sprechender Fahrstühle erfahren. Beim betreten der Kabine wünschen sie einen guten Tag, dann weisen sie daraufhin, dass die gewünschte Etage erreicht wurde und man vorsichtig aussteigen soll. Beim Aussteigen auf einer Etage, wünschen die Fahrstühle einen angenehmen Aufenthalt. Verlässt man die Kabine in der Lobby wünschen sie einen schönen Tag. 
Nun braucht es wahrlich keine Liftboys mehr... schade. 

Wo aller Anstand fehlt

Eine riesige Veranstaltung gibt es heute zu bewältigen. Wir alle nennen sie nur "Das grosse Fressen", denn etwas anderes ist es nicht. Rund 600 Gäste sind gemeldet. Erfahrungswerte zeigten, dass sich diese 600 sehr hungrigen Menschen den ganzen Tag in der Nähe des Buffets aufhalten und drei bis viermal Nachschlag holen. Man muss sich all diese Menschen, dicht aneinandergedrängt in einem engen Foyer vorstellen. Am besten schaut man sich dazu Bilder überfüllter japanischer Züge an und denkt sich einfach ein 10 Meter langes Buffet und eine Reihe Stehtische dazu.
Andererseits erinnert es auch an eine Viehherde. Unsereins denkt dabei natürlich gleich an Schlachtvieh beim Verzehr der Henkersmalzeit ehe es seinen letzten Gang über das grüne Lenoleum gen Old Sparkey antritt. Jener Anblick zeigt mal wieder auf, dass der Mensch nicht anders ist als Vieh - mit der Ausnahme, dass er sich gegenseitig abschlachtet - meist im Namen der Religion. So ist der Kirche Vergangenheit von einem mit dem Blut Unschuldiger (aka Ungläubiger/Hexen) durchtränkten Leichentuch bedeckt. Aber ich schweife ab - wie so oft -_^
In diesem Jahr jedoch, sollte es nicht ganz so arg werden, war doch wunderbares Wetter gemeldet, weshalb eine Vielzahl an Gästen ausblieb.

Ich erspähe drei Teller bei der Bierzapfanlage, wo noch immer diese inzwischen betrunkenen Ukrainer stehen, und räume sie ab. Als ich zurückkomme hält mir ein Deutscher eine Colaflasche vors Gesicht: "Können Sie mir mal helfen?!" Da ich absolut keine Ahnung habe, worauf der gute Mann hinaus will, frage ich, trotz seines scharfen Tones, noch freundlich nach: "Entschuldigen Sie, wobei denn?" Der Mann, der unverkennbar auf dem Rücken eines Vollblüters im Jagdgalopp durch die Kinderstube gehetzt war, rollt mit den Augen und hat dann tatsächlich den Nerv mir folgende Worte entgegen zu schleudern: "Die Flasche festhalten, damit ich sie öffnen kann! Sind Sie ein Idiot?!" Das wars. Hilfsbereit halte ich die Flasche fest und sage: "Liebend gerne halte ich Ihnen, der kein Idiot ist, die Flasche fest, damit Sie sie öffnen können!" Er schüttelt genervt den Kopf, rollt mit den Augen und beugt sich kurz übers Getränkebuffet um sich des Flaschenöffners zu entledigen. Die in mir aufkeimende Wut drängt mich dazu, ihm in diesem Moment einen kräftigen Arschtritt zu verpassen, damit er filmreif übers ganze Getränkebuffet fliegt. Die rationaldenkende Seite in mir, hält mich gerade noch davon ab. Schliesslich bin ich auf Arbeit. Also packe ich meine ganze Wut in ein messerscharfes "Bitte sehr der Herr. Sehr gerne geschehen!" Und so gehts wie im Kindergarten weiter. Kommt von ihm ein entnervtes "Danke sehr!!!", worauf ich entgegne: "Bitte sehr! Man darf trotzdem anständig bleiben!" Worauf er meint, "Ja merken Sie sich das! Sie sind diejenige, die keinen Anstand besitzt! Ich bin schliesslich Gast hier!" Mit den Worten dreht er sich ab und macht einen Schritt. Doch ehe er entkommen kann, gebe ich ihm mit belehrendem Ton mit auf den Weg: "Wissen Sie, wie man in den Wald schreit, kommts zurück!" Er schüttelt den Kopf und verschwindet in der Viehherde äh, Menschenmenge. 

Rund 4 Stunden später kommt einer der Veranstalter auf mich zu und fragt, ob ich die Person sei, die mit einem seiner Gäste ein Problem gehabt habe. Zwei Minuten später darf ich mich seiner Assistentin erklären. Als sie und drei weitere Damen, die hinter ihr stehen, hören, dass dieser Mensch mich als Idiot bezeichnet hatte, halten sie erschreckt den Atem an. "Ungeheuerlich!" In der Tat.

Eine meiner Arbeitskolleginnen meint nur, sie bewundere mich, für meine Zurückhaltung, hätte sie ihm wohl links und rechts eine runtergehauen...
In Gedanken male ich mir eine Gegenüberstellung aus: Der Typ, der aus der Haut fährt, weil ich ja keinen Anstand besitze und ich, die das letzte bisschen Geduld verliert, zu allem bereit die Ärmel hochkrempelt und entscchlossen fordert: "Jetzt reichts! Alter komm her! Wir gehen vor die Tür und tragens aus!"

So weit sollte es nicht kommen. Die Angelegenheit war vom Tisch.

- Ein Bericht vom 9.12.2013

Sonntag, 23. Februar 2014

Ein Gewinn für die Menschheit

Unschlüssig darüber, ob sie angesichts der gegenwärtigen politischen Situation etwas über die Herkunft ihres damaligen Vorgesetzten sagen soll oder nicht, sitzt sie vor ihrem Macbook Air... 

Jener Tag wird in die Geschichte eingehen als "Der Tag, an dem ihr Gesicht stillstand - und zu einem Dauergrinsen erstarrt war".
Wir schreiben den 31. Oktober 20XX, einen "kalten Winterbastard" von Morgen. Draussen ist es noch dunkel, wie könnte es auch anders sein, wenn man das Studio um 05:10 Uhr verlassen muss... Der Weg zum Hotel ist zu Fuss zwar nur an die fünf Minuten lang, aber man muss ja 10 Minuten vor der Zeit anfangen, nicht wahr? 

Obschon das Frühstück offiziell um 06:00 Uhr beginnt, stehen die ersten geschäftigen Gäste oft schon gegen kurz nach halb sechs verwirrt um sich blickend im Restaurant. So auch an diesem letzten Tag im Oktober 20XX. 
Zusammen mit der Lehrtochter wird sie das Frühstück bewältigen, was an diesem ruhigen Tag leicht machbar ist. 
Gegen 08:00 Uhr kommen zwei Menschen gleichzeitig auf sie zu und sprechen sie an. Einerseits der gefürchtete (und von ihr verachtete) Managing Director, den wir (um etwaigen Proceßen zu entgehen) Jochen Kruse nennen, andererseits ein chinesischer Gast. Da der Gast Vorrang hat, wendet sie sich diesem zu. Kurz darauf betritt sie das Office, wo der gute Jochen Kruse, mit der Frisur eines 12-jährigen Schuljungen, abgespreizten Fingers den Zucker in seinem Kaffee umrührt. Angesichts der vier Zuckertütchen, hiesse es wohl eher, "den Kaffee in seinen Zucker rührt"... 
Nun gut, den Blick in seine Tasse gerichtet, herrscht er sie an: "Haben Sie verlernt guten Morgen zu sagen oder was?!" 
Es folgt der 1:1 Dialog:
"Guten Morgen Herr Kruse, geht es ihnen gut?", sagt sie ganz unbekümmert, wohl wissend, was am Abend zuvor geschehen war.
"Ja! Aber ich glaube ihnen geht es nicht mehr gut, oder?!"
"Mir geht es wieder besser, danke der Nachfrage." war sie doch die Tage zuvor von einer üblen Magendarm heimgesucht worden, was unter Anderem Grund für dieses Wortgefecht war...
"Sie sollten sich besser mal entschuldigen, für das, was am Samstag hier los war!"
"Ich? Wofür denn?"
"Sie haben ja keine Ahnung, was hier los war!", worin er sich kräftig irrte. Natürlich war ihr bereits zugetragen worden, was sich an besagtem Abend so alles ereignet hatte:
Einerseits hatte er sie alleine im ausgebuchten Restaurant eingeteilt gehabt. Alle anderen sollten im Saal eingesetzt werden. Weil sie aber aufgrund der Magendarmgrippe nicht anwesend war, musste er ans Werk. Gäste, die ein 3-Gang-HP-Menü gebucht hatten, bekamen plötzlich ein 5-Gang-Menü. Die Gäste mussten recht lange auf ihr Essen warten, da er teilweise vergas, Tische abzurufen. Sei er angeblich runter in die Küche gerannt und habe gebrüllt, er brauche sofort das verdammte Fressen für Tisch 11! Die warten schon eine Ewigkeit! Vom Sous-Chef kam nur die Reaktion, dass sie keinen Bon für Tisch 11 hätten. Das wäre ihm grad scheissegal! Er brauche das verdammte Essen! Worauf der Sous-Chef entgegnete, dass es kein Essen ohne Bon gebe, Weisung von ihm persönlich. So hätte es in seinem Gehirn kurz rotiert und er habe wohl überlegt, wie viel Sinn es machte, noch weiter zu diskutieren, oder ob es nicht klüger wäre, wie jeder Kellner, an die Kasse zu gehen und den Tisch abzurufen. Er entschied sich für Letzteres, worauf er dann auch das Essen bald bekam. Er sei so etwas von abgesoffen. Da wären Gäste ganz ohne Getränke gewesen, andere hätten den falschen Wein bekommen, und so weiter. 
Sie erfreute sich an diesen Nachrichten natürlich, hatten der gute Jochen Kruse und sie doch einmal ein Gespräch, in dem es darum ging, dass er gerne mal ihr Jöbchen machen könne und sie seinen harten Job! (Aus sicherer Quelle wusste sie, dass er sich gelegentlich einer Flasche Weisswein widmete, worauf sie fast gesagt hätte, "Im Büro sitzen, Leute schikanieren und Weisswein trinken, ja ich denke, nach ein paar Jahren des harten Studiums, schaffe ich dies auch", um der Quelle nicht in den Rücken zu fallen, unterliess sie es aber) Tja, offenbar war er doch nicht in der Lage ihr "Jöbchen" zu bewältigen.

"Hier war das reinste Chaos! Andere hatten auch ein bisschen Magenschmerzen, aber die sind alle zur Arbeit gekommen und haben sich nicht einfach so einen schönen Abend gemacht, nicht so wie sie, die sich einfach mal so eine 4-tägige Auszeit nimmt!"
"Herr Kruse, ich war wirklich krank."
"Och, SIE tun mir aber leid... Da kommen mir gleich die Tränen!"
"Hätte ich herkommen und über ihren Schreibtisch kotzen sollen, damit sie mir das glauben?"
Ein irritierter Blick, da nicht gewohnt, dass ein Mitarbeiter so mit ihm spricht, gefolgt von einem seichten Lächeln.
"Und wenn ich sie schon anrufe, könnten sie auch ans Telefon gehen!"
"Ich war die ganze Nacht damit beschäftigt, mich zu übergeben und habe folglich am Nachmittag geschlafen."
"Sie haben mein vollstes Mitleid!"
"So etwas will und brauche ich nicht, Herr Kruse. Merken sie eigentlich, in welchem Ton sie mit den Mitarbeiterin reden? Das ihre Ausdrucksweise ebenfalls zu wünschen übrig lässt? Genauso die Ansage auf meiner Combox."
"Was soll denn damit gewesen sein?!"
"DAS wissen sie selber ganz genau. - Schön dass sie ans Telefon gehen! - und dann war noch das wegen der -angeblichen- Krankheit."
"Genau! Ich bekomme noch ein rechtsgültiges Zeugnis von ihnen!"
"Herr Kruse, ich habe den Arzt gefragt, ob das so gültig ist. Selbst wenn er es auf ein Stück benutztes Toilettenpapier geschrieben hätte, wäre es gültig."
"Das ist mir scheissegal! Das akzeptiere ich jedenfalls so nicht!"
"Wie sie meinen. Gerne bringe ich ihnen heute Nachmittag ein Neues."
"Ich bitte darum!"

Während dem Gespräch musste sie ihn 5x fragen, ob es ihm denn lieber wäre, wenn sie den November nicht mehr machen würde. Ging ihr eigentlicher Saison-Vertrag nur bis Ende Oktober, wurde aber angefragt, den November durch noch zu bleiben. Natürlich hatte er diese Frage immer umgangen.
Schliesslich:
"Nein Herr Kruse, ich behafte sie jetzt darauf. Ziehen sie es vor, den November ohne mich zu machen?"
Er wägte offensichtlich kurz ab, was das zu bedeuten hätte. Einerseits wollte er sie nicht mehr im Hotel haben, andererseits waren sie dann eine Person zu wenig - und er hatte keine Lust noch einmal im Service auszuhelfen.
"Das müssen sie entscheiden!"
"Gut, dann habe ich heute meinen Letzten."
"Dann bekomm ich aber noch eine schriftliche Kündigung von ihnen!"
"Ja, bringe ich ihnen heute Nachmittag sehr gerne vorbei."

Das erstaunlichste an dieser Unterhaltung war, das er sie permanent angebrüllt hatte, sie aber total ruhig geblieben war. 
Sie hatte die Stimme ihrer Mutter im Kopf, die sagte, sie solle ruhig bleiben und bloss nicht ausfallend werden. An diesen Rat hielt sie sich - fast...
Als er das Office durch die Bar verlassen wollte und ihr den Rücken gekehrt hatte, konnte sie nicht umhin, ihm noch einpaar abschliessende Worte mit auf den Weg zu geben: 
"Sie sind ein Gewinn für die Menschheit, Herr Kruse." , sagte sie im Ton von Peter Jecklin in der Rolle des Rico Prader in "Grounding". Er blieb darauf kurz stehen, ging dann aber weiter. Der Mann, im Sessel der Bar sitzend, hielt sich die Zeitung vors Gesicht und lächelte ihr gewinnend zu, als sie an ihm vorbei ging. Die Gäste im Restaurant hatten alles mitbekommen, war das Office doch recht ringhörig. Zwei junge Schweizer hörte sie sagen "War das der Chef? Scheisse was für ein Arschloch!", ein Rentnerpärchen meinte, "Das hat sie richtig gemacht! So eine Person sollte kein Chef sein!"
Alle Gäste nickten ihr gewinnend zu, die einen lachten permanent. 
Den ganzen Tag über hatte sie ein breites Grinsen im Gesicht, was bis zum Abend dann doch ein bisschen schmerzhaft war... -_^

-> Kurz nach ihrer Kündigung, wurde Jochen Kruse entlassen. Man benötige seine Dienste nicht mehr, hiess es seitens Management. 
Ausschlaggebend dafür waren wohl seine Nachricht auf ihrer Combox (welche sich als Soundmodul in diesem Blog, sicher gut machen würde), welche die Direktorin zu hören bekommen hatte. Dazu kamen noch diverse belastende Aussagen einiger Angestellter. Es machte den Anschein, als wäre Mobbing für ihn die wichtigste Führungsqualität gewesen. Von den weiteren Anschuldigungen und der darauffolgenden Gerichtsverhandlung erfuhr sie nichts. 

Donnerstag, 6. Februar 2014

Eine Auszeichnung - ein Abschied

Liebe Leser, geschätztes Publikum

Im Glauben vorsichtig genug zu sein, erstellte ich diesen Blog und schrieb unbekümmert Geschehnisse aus dem Alltag in der Gastronomie nieder. Witzig und unterhaltend waren sie.

Mich unbekümmert in den Gefilden des www aufhaltend, schreibend, lachend und einfach verweilend, begann ich einen Fehler, dessen Echo mich gestern in Form eines Schriftstücks ereilte. Ich möge dies bitte unterlassen.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge schickte ich meine Texte heute Morgen in die ewigen Jagdgründe. Wurde nicht auch Eric Draven dahingeschickt?
Wäre ich Mrs. Rockefeller und könnte mir, gekleidet in ein CHANEL Kostüm, Pelzmantel um die Schultern und der echten Louis Vuitton (wobei diese Marke ihren Glanz verloren hat, daher eher einer Yves Saint Laurent, oder PRADA) am Arm, die CHANEL goat boots an den Füssen, den Gerichtssaal betreten und die Kosten gleich bar mit Scheinen aus meiner goldenen mit Swarovski besetzten Geldklammer entrichten, würde ich weiterziehen.
Allerdings bin ich nicht Mrs. Rockfeller, noch Mrs. Gates und auch nicht die Tochter Howard Hughes. Ich bin ein ganz normaler "Büezer" aus dem Mittelland, der sich zu beugen hat.

Sollte mein Buch je erscheinen, werde ich mich wohl gen Elba ins Exil begeben müssen. Oder sonst wohin XD Kleiner Scherz am Rande (des Wahnsinns).

Jedem Schriftsteller (noch masse mich mir nicht an, mich so zu nennen, existiert mein Erstling doch in unvollendeter Form zuweilen als xxx.pages) bricht das Herz, wenn er der Zensur unterliegt. Zusehen muss, wie sein Herzblut versiegt. (Die schwarze Spinne). Daher mein weinendes Auge. Das Lachende aber, rührt daher, dass ich zensiert wurde!
Bin ich doch nicht "webfamous" (dies nur in sehr begrenztem Rahmen) und doch wurde ich zensiert!
Meine Werke sind der Zensur zum Opfer gefallen! Zugegeben, es erfüllt mich schon ein wenig mit Stolz. ^_^

Nun denn, "gastrogeplauder" exisitert nun nicht mehr. "snieff"

Dienstag, 7. Januar 2014

Seewasser für die Gäste

Mir wurde die Ehre zu Teil in einem der wohl schönsten Hotels der Schweiz arbeiten zu dürfen. Von Bergen, Wäldern, See und Wasserfällen umgeben, waren die knapp 6 Monate nebst der Hektik der Hotellerie einfach traumhaft. Arbeiten möchte ich der Hektik wegen nicht mehr dort, aber übernachten tu ich alle Jahre mal wieder im "Märchenschloss".

Wir hatten Glasflaschen mit Kristallprägung. Das Etikett schien aus dem 17. Jahrhundert zu stammen und verriet den Namen des Hotels und ausserdem dass es sich um hoteleigenes Wasser handelte. An dieser Stelle möchte ich sagen, dass ich nicht näher auf eben jenes Wasser eingehen werde, weil ich mich nicht plötzlich auf der Anklagebank eines Gerichtsaals wiederfinden möchte.

Die Gäste, die dieses Wasser bestellten, stellten oft die Frage, woher das Wasser denn sei? Ob es sich um Seewasser handle? Jene Frage erschien mir stets recht eigenartig. Seewasser für die Gäste eines hochangesehenen 4-Sternehauses... haha Nein. Es handelte sich dabei um Quellwasser.
Ich war beim Mittagsservice im Restaurant als ich von einem älteren Ehepaar gefragt wurde, was für Wasser das denn sei. Quellwasser von der hauseigenen Quelle. Der Mann schmunzelte und meinte, er habe schon gedacht, es sei vom Wasserfall. Ob wir Jemanden hätten, der die Flaschen da abfülle?
Da der Mann zu Scherzen aufgelegt war, entgegnete ich, dass unsere Azubis das zweifelhafte Vergnügen hätten, sich in die tosenden Fluten zu begeben und Wasser abzufüllen, wenn sie eines Fehlers bezichtigt würden. Der Mann schaute mich prüfenden Blickes an, merkte dann, dass es nicht ernst gemeint war und begann schallend zu lachen. Schliesslich stimmte auch seine Gattin und das Ehepaar am Nebentisch in das Gelächter ein.


Mir winkte nebst einem guten Trinkgeld im Verlauf des Nachmittages ein weiterer Schwatz mit eben jenem Paar. Da sie drei Tage bei uns waren, gab es bei jeder Begegnung etwas zu Lachen. ^_^

Montag, 9. Dezember 2013

Der geizige Rassist

Aus wahrhaftiger Angst davor, er könnte mich mit seinem Lieferwagen überfahren, verzichte auf den Gebrauch seines richtigen Namens und auch darauf, sein Hotel zu erwähnen. Gesagt sei so viel: Es ist ein Hotel, das einen dieser, in der Schweiz üblichen Namen trägt wie:
Hotel zum goldenen Ochsen, Gasthof zum Bären, Hotel Krone, Landgasthof König, Restaurant Sonne, Gasthof Löwen...
Der Besitzer, im wahrsten Sinne des Wortes ein Choleriker, wie er im Lexikon beschrieben steht. Geizig und rassistisch noch dazu. Obschon er zum Sous-Chef Z aus Deutschland sagt, er solle dahin zurück gehen, wo er hergekommen ist, beschäftigt er ihn, da er ihm weniger Lohn bezahlen muss. Einmal brüllte der Choleriker durch die Küche (sodass es jeder Gast hören konnte): "Z! Du deutscher Nichtsnutz! Es reicht mir mit Dir! Du bist wahrhaftig eine Geldverschwendung! Die nächste Grenze ist gleich bei Laufenburg! Verschwinde aus meiner Küche und mach Dich auf den Weg über die Grenze! Euch Gesindel kann man für nichts gebrauchen!"

A, sein Spühler, kommt ursprünglich aus Namibia. Obschon er sich täglich über diesen "Abschaum" aufregt, behält er ihn - des Geldes wegen. Eines Tages hat er sich bei mir darüber beklagt: "Dahinten musste ich einen Wohnblock kaufen, damit ich diesen afrikanischen Abschaum irgendwo unterbringen konnte! Diesem Gesindel gibt doch keiner eine Unterkunft! Miete bezhalen die natürlich auch nicht! Ich ziehe es ihm vom Lohn ab! Fressen tut er ja ohnehin hier! Und der frisst weiss Gott viel! Von der Hungersnot da unten ist nichts zu sehen! Der frisst wie ein Mähdrescher, aber ist nach wie vor so mager! Das ist keine Armut da unten! Das liegt an den Genen! Gebrauchen kann man den auch nicht! Aber sonst gibt dem ja niemand Arbeit! Ich schon! Und was ist der Dank?! Häh?! Ich muss mich tagtäglich über diesen Dreckskerl aufregen!"

 Dann gibt es da noch K, ursprünglich aus dem Kongo, der eines der drei Restaurants alleine schmeisst. Der Dank dafür ist ein Lohn von knapp CHF 2000,- und tägliche Rügen. Jeden Tag kommt K vor der Zeit zur Arbeit und macht einen verdammt guten Job. Ehrlichgesagt, für diesen Hungerslohn hätte ich mich nicht dermassen ins Zeug gelegt. Im sicheren Glauben, K werde immer bei ihm bleiben, behandelt er ihn wie den letzten Dreck. Es gab einen Tag, an dem K den Choleriker am Hemdkragen packte und zum Schlag ausholte. Der sonst so stolze und erhabene Choleriker wimmerte nahezu und kreischte nach Z, der ihm zu Hilfe eilen sollte. Z konnte das Schlimmste verhindern. Seit dem Tag nimmt sich der Choleriker ein klein wenig zurück, wenn es um K geht.


Die eine Lehrtochter, eine gebürtige Türkin, die in der Schweiz aufgewachsen ist und perfekt Mundart spricht, ist ihm ein Dorn im Auge. So wehklagte er einst seinem Stammtisch: "So weit sind wir schon in diesem Land! Meine Lehrtochter ist eine Türkin! Jetzt muss ich schon die Türken aushalten! Seht Euch um! Manchmal glaube ich mich in Afrika! Gerade mal zwei Schweizer arbeiten für mich! Der Rest kommt aus Afrika, der Mongolei, Ägypten und der Türkei! Wenn das so weitergeht mache ich bald zu! Hänge ein mächtiges Schild an die Tür mit der Aufschrift: WEGEN ZU VIEL ABSCHAUM GESCHLOSSEN!"

Freitag, 29. November 2013

Ein winterliches Experiment der Unit 731

Wem die Unit 731 unbekannt ist, der möge sich seine Infos hier holen. Bei näherem Interesse empfiehlt es sich den ersten Teil von Men behind the sun zu schauen.
Um mein Empfinden besser unterstreichen zu können, gibt es weiter unten einen Clip aus Men behind the sun. Leser schwächeren Gemütes sollten sich diesen allerdings nicht unbedingt ansehen.

Es war im Jahre 2010 als ich, da noch immer der Meinung künftig die Hotelfachschule Luzern zu absolvieren, eine Stelle als Room Attendant in einem 5-Sterne, Deluxe, Small Leading Hotels of the World, etc... Hotel im winterlichen Skigebiet in der Schweiz angenommen hatte. Mitte November fiel bereits der erste Schnee. Der rapide Temepraturabfall erinnerte enfernt an The Day after tomorrow, gefror doch der Atem in der Nase...
Das Hotel war saniert worden und uns wurde die zweifelhafte Aufgabe zuteil, alle 10 Etagen (inkl. der reich mit Spiegeln ausgekleideten Suiten) vom Baustaub zu befreien. Zu sechst befanden wir uns im Wohnbereich der einen Suite, der allein grösser war, als meine gegenwärtige Wohnung in Zürich. Meine Zimmergenossin A und ich befanden uns im hinteren Teil und versuchten den grauen Wandschrank schwarz zu bekommen. Stunden strichen ins Lande und der Wohnbereich wies kein Staubkorn mehr auf. Es war geschafft!
Unser Supervisor beauftragte einige der Mädchen, sich den Badezimmern anzunehmen, andere sollten die Balkons putzen. So durften A und ich uns auf den Balkon begeben, der die gleiche Fläche wie der Wohnbereich hatte. Unser Supervisor meinte, das bemooste Balkongeländer müsse wieder gänzlich in weiss erstrahlen. Ein heftiger Windstoss veranlasste ihn dann, sich besser wieder ins warme Innere des Hotels zu verfügen. A und ich blieben auf dem Balkon und schauten einander mit dem typischen "ernsthaft jetzt?"-Blick an.
Jede von uns führte einen Eimer mit heissem Wasser und einen Putzlappen mit sich. Handschuhe gab es natürlich keine. Die erst vereinzelt fallenden Schneeflocken vermehrten sich zunehmend. Nach rund 15 Minuten, die wir frierend auf dem Balkon verbrachten, war der Himmel trüb und ein Schneesturm sollte über uns hereinbrechen. A und ich tauchten unsere geschundenen Hände erneut in den Wassereimer und versuchten die bemoosten Stellen zu entfernen. Da allerdings das gesamte Geländer mit Moos und Dreck versehen war, dauerte dies einige Zeit.
Kalter nasser Schnee peitschte uns ins Gesicht. Wir hatten genug und wollten wieder ins Hotel. Die Balkontür war jedoch geschlossen. So klopfte A leicht genervt an die Glasscheibe. Unser Supervisor kam zum Vorschein und fragte, ob wir fertig wären. Nein. Aber es herrscht ein regelrechter Blizzard. Wir sollen mal nicht übertreiben. Das muss heute fertig sein! Ihr habt noch eine Stunde Zeit. So schloss er die Tür wieder und sperrte uns auf Balkon, auf dessen Boden mittlerweile eine undurchsichtige Schneeschicht lag.

Das Wasser in den Eimern war inzwischen kalt. Die Hände brannten. Jedem sollte das Gefühl von frostigem Winterwind auf nassen Händen bekannt sein... Es dürfte nicht weiter für Erstaunen sorgen, dass mir die eine Szene aus Men behind the sun durch den Kopf schoss: Die blanken Hände einer Chinesin werden dort abermals in der Winterkälte mit Wasser übergossen, bis sich schliesslich eine Eisschicht bildet... Etwas später werden diese Hände in heisses Wasser getaucht, um hinterher geschält zu werden. Natürlich alles im Dienste der Wissenschaft... So schaute ich um mich, um etwaige, in weisse Kittel gekleidete, japanische Wissenschaftler mit Klemmbrett zu erspähen...
Mit bereits tauben Fingerspitzen putzten wir weiter, einfach um nicht zu erfrieren...

Eine Stunde später war das Geländer blitzblank und erstrahlte unter der Eisschicht in makellosem Weiss! Unsere Lippen waren rissig, so auch die Hände. Die tauben Fingerspitzen tauten langsam wieder auf. Wir waren bis auf die Knochen durchgefroren und lagen am kommenden Tag mit Fieber im Bett. - Aber der Balkon war wieder blitzblank - und das ist doch die Hauptsache!


Sonntag, 7. August 2011

Die hohe Kunst des 4-Teller-Tragens

Ein friedliches (abgesehen vom damaligen selbstverliebten und arschigen Managing Director) 4-sterne Haus in Interlaken...
Da nur zwei HP Tische reserviert waren, war ich allein im Service. An für sich wäre das in Ordnung gewesen, wären da nicht plötzlich noch 5 à la carte Tische an rund 35 Personen, ein Hotelgast mit einem Anliegen bezüglich des Wasserkochers, 3 Herren an der Bar und darüberhinaus noch ein Roomservice dazu gekommen...
Irgendwie konnte ich das Alles managen und war heilfroh, als zum Schluss nur noch ein 4er Tisch mit netten älteren Damen aus Österreich übrig war. Die sollten nur noch das Dessert bekommen und so sah ich ein baldiges Ende meiner Schicht kommen.
Aus der Küche brüllte es in Richtung Pass: "DESSERT!". Da standen sie also, vier rechteckige lange Teller, die ich vom ersten Tag an nicht mochte. Da ich keine Lust hatte, zweimal zu laufen, und mir dachte, dass ich auch schon 4 Suppen und 4 normale Dessertteller getragen habe, dürfte dies auch kein Problem darstellen. So frei nach dem Motto: Ich riskiere lieber, dass mir etwas runterfällt, als das ich zweimal laufe, nahm ich den ersten Teller auf, dann den zweiten, den dritten und als ich den 4. Teller in der rechten Hand hielt, bemerkte ich, dass der 3. Teller wackelte und mir vom Arm zu rutschen drohte. Keine Hand frei, und doch versuchte ich den Teller noch zu stützen. Denkste. Der Teller landete laut scheppernd auf dem Boden, wo er zerbarst und das Dessert die Fugen ausfüllte.
Da der Koch ein recht cholerischer und leicht zu reizender Mensch war, überlegte ich kurz, ob ich ihm das wirklich sagen sollte. Aber was wäre die Alternative gewesen? Also nahm ich all meinen Mut zusammen und drückte den Knopf der Gegensprechanlage: "Duhu? Mir ist ein Dessert runtergefallen. Ich bräuchte noch eines. Sooooorry." Zu hören war, wie er mit seinen stahlkappenverstärkten Schuhen irgendwo dagegentrat. Dann kam er zur Gegensprechanlage und meinte, "Na super! Aber das dauert 10 Minuten! Die Scheisse muss erst auftauen!" "Oke, kein Problem, danke."

Am Tisch der vier Damen verkündete ich, dass ich eine gute und eine schlechte Nachricht hätte. "Fangen wir doch mit der Guten an: Ihr Dessert ist fertig und eben von der Küche hochgeschickt worden." Die Damen waren erfreut und fragten dann gleich, wo es denn sei. "Ja... und somit kommen wir zur schlechten Nachricht. Das, was sie eben so laut scheppern gehört haben, war eines der Desserts. Es dauert rund 10 Minuten bis ein Neues gemacht wurde." Die Damen brachen in schallendes Gelächter aus und meinten, das könne doch jedem mal passieren. Es war kein Problem.

Noch fröhlicher waren sie, als ich je einen Digestiv offerierte, als Entschuldigung für die lange Wartezeit. ^_^

Samstag, 10. Juli 2010

Die Aliens sind da!

Aus der Küche war ein Gespräch über Aliens zu vernehmen. Die Worte "Idiot" und "Spinner" konnte ich ebenfalls aufschnappen, wusste zu dem Zeitpunkt aber noch nicht worum es ging.
Meine Eltern waren zu besuch im Hotel. Gleich nach dem Frühstück wollten sie sich auf den Heimweg machen. Etwa zum gleichen Zeitpunkt wickelte sich unser Restaurationsleiter Alufolie um den Kopf und teilte jedem, der es wissen wollte (und auch allen anderen, die es nicht interessierte) mit, dass das der einzige Schutz gegen die Aliens wäre! ALIENSCHUTZ! SIE SIND DA! kreischte er durchs Office...

Als meine Eltern mit ihren Koffern zu mir ins Restaurant kamen, um sich zu verabschieden, war von meinem Chef nichts mehr zu sehen. Ich begleitete meine Eltern durchs Restaurant auf die grosse Terrasse, von welcher ein Weg zu den Parkplätzen führte.
Mein Chef rannte auf meine Eltern zu und brüllte von Panik erfüllt: "ALIENS!!! BEGEBEN SIE SICH UNTER DEN SONNENSCHIRM!!!" Meine Mutter schaute ihn fragend an. Er erklärte daraufhin, dass die Aliens angreifen würden. Sie müssen sich unter dem Sonnenschirm aufhalten, denn dieser würde zumindest ein bisschen Schutz gewährleisten. Mein Vater schaute ihn an und fragte, was es mit der Alufolie auf seinem Kopf sich auf sich habe. "Alienschutz! Durch die Alufolie können sie mich nicht aufspüren!" Aha... Das Spiel mitmachend gingen meine Eltern "im Schutz der zahlreichen Sonnenschirme" in Richtung Parkplätze. Als mein Chef ausser Hörweite war, meinte mein Vater ganz trocken schmunzelnd: "Hoffentlich meint der das nicht ernst." Meine Mutter fragte, ob der spinne. Ich nickte hämisch und gab zur Antwort, dass ich auch hoffe, dass er das nicht ernst meint.

Alufolie behielt er den ganzen Tag über auf dem Kopf. Erst beim Abendservice lag sie, für den Notfall griffbereit, auf seinem kleinen Schreibtisch im Office.


Aliens haben wir nie welche zu Gesicht bekommen. So sind wir alle zum Dank verpflichtet...