Aus wahrhaftiger Angst davor, er könnte mich mit seinem Lieferwagen überfahren, verzichte auf den Gebrauch seines richtigen Namens und auch darauf, sein Hotel zu erwähnen. Gesagt sei so viel: Es ist ein Hotel, das einen dieser, in der Schweiz üblichen Namen trägt wie:
Hotel zum goldenen Ochsen, Gasthof zum Bären, Hotel Krone, Landgasthof König, Restaurant Sonne, Gasthof Löwen...
Der Besitzer, im wahrsten Sinne des Wortes ein Choleriker, wie er im Lexikon beschrieben steht. Geizig und rassistisch noch dazu. Obschon er zum Sous-Chef Z aus Deutschland sagt, er solle dahin zurück gehen, wo er hergekommen ist, beschäftigt er ihn, da er ihm weniger Lohn bezahlen muss. Einmal brüllte der Choleriker durch die Küche (sodass es jeder Gast hören konnte): "Z! Du deutscher Nichtsnutz! Es reicht mir mit Dir! Du bist wahrhaftig eine Geldverschwendung! Die nächste Grenze ist gleich bei Laufenburg! Verschwinde aus meiner Küche und mach Dich auf den Weg über die Grenze! Euch Gesindel kann man für nichts gebrauchen!"
A, sein Spühler, kommt ursprünglich aus Namibia. Obschon er sich täglich über diesen "Abschaum" aufregt, behält er ihn - des Geldes wegen. Eines Tages hat er sich bei mir darüber beklagt: "Dahinten musste ich einen Wohnblock kaufen, damit ich diesen afrikanischen Abschaum irgendwo unterbringen konnte! Diesem Gesindel gibt doch keiner eine Unterkunft! Miete bezhalen die natürlich auch nicht! Ich ziehe es ihm vom Lohn ab! Fressen tut er ja ohnehin hier! Und der frisst weiss Gott viel! Von der Hungersnot da unten ist nichts zu sehen! Der frisst wie ein Mähdrescher, aber ist nach wie vor so mager! Das ist keine Armut da unten! Das liegt an den Genen! Gebrauchen kann man den auch nicht! Aber sonst gibt dem ja niemand Arbeit! Ich schon! Und was ist der Dank?! Häh?! Ich muss mich tagtäglich über diesen Dreckskerl aufregen!"
Dann gibt es da noch K, ursprünglich aus dem Kongo, der eines der drei Restaurants alleine schmeisst. Der Dank dafür ist ein Lohn von knapp CHF 2000,- und tägliche Rügen. Jeden Tag kommt K vor der Zeit zur Arbeit und macht einen verdammt guten Job. Ehrlichgesagt, für diesen Hungerslohn hätte ich mich nicht dermassen ins Zeug gelegt. Im sicheren Glauben, K werde immer bei ihm bleiben, behandelt er ihn wie den letzten Dreck. Es gab einen Tag, an dem K den Choleriker am Hemdkragen packte und zum Schlag ausholte. Der sonst so stolze und erhabene Choleriker wimmerte nahezu und kreischte nach Z, der ihm zu Hilfe eilen sollte. Z konnte das Schlimmste verhindern. Seit dem Tag nimmt sich der Choleriker ein klein wenig zurück, wenn es um K geht.
Die eine Lehrtochter, eine gebürtige Türkin, die in der Schweiz aufgewachsen ist und perfekt Mundart spricht, ist ihm ein Dorn im Auge. So wehklagte er einst seinem Stammtisch: "So weit sind wir schon in diesem Land! Meine Lehrtochter ist eine Türkin! Jetzt muss ich schon die Türken aushalten! Seht Euch um! Manchmal glaube ich mich in Afrika! Gerade mal zwei Schweizer arbeiten für mich! Der Rest kommt aus Afrika, der Mongolei, Ägypten und der Türkei! Wenn das so weitergeht mache ich bald zu! Hänge ein mächtiges Schild an die Tür mit der Aufschrift: WEGEN ZU VIEL ABSCHAUM GESCHLOSSEN!"
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