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Samstag, 2. Februar 2019

Meins


Als ich meine Arbeit beim Kopierer liegen sah, starrte ich sie ungläubig an. Wie kam meine Arbeit, an der ich wochenlang geschrieben hatte, neben den Kopierer?
Wer hatte sich meiner Arbeit bemächtigt?

Ein paar Tage später fand ich dann heraus, dass es meine Arbeitskollegin war. Diejenige, mit der ich mir ein Büro teilte. Wir hatten den gleichen Job. Machten die gleiche Arbeit und verstanden uns immer gut, obwohl ich immer schon der Meinung war, dass meine Arbeit qualitativ besser war.
Wir sollten beide eine Arbeit schreiben. Unser Chef wollte unsere Ideen für ein neues Projekt haben. Wir sollten sie unabhängig voneinander schreiben.

Tja, und was hatte diese unkreative Person getan? Mir meine Arbeit geklaut. Meinen Namen hatte sie mit ihrem eigenen ersetzt. Hatte das Ding ausgedruckt und dem Chef hingelegt. Als ich deswegen Terror machte, hiess es, dass sie doch so etwas bestimmt nicht machen würde. Sie sei doch eine so liebe Person. Blabla...
Ja, es sind immer die zarten Pflänzchen, die einen verraten. Sich still und leise von hinten anschleichen und einem mit 37 Messerstichen in den Rücken den Garaus machen.
Oh was hatte ich eine Wut auf sie. UND auf den Chef und alle anderen Mitarbeiter. Ich war also nun die Lügnerin? Danke.
Beweisen konnte ich es nicht, denn sie hatte das Original auf meinem Computer gelöscht. Danke.

Ein paar Wochen teilten wir uns noch das Büro. Doch sie wurde dann ja befördert und bekam das Eckbüro mit den grossen Fenstern. Das wäre mein Büro gewesen. MEINS.

Fortan wurde ich gemieden. Nicht von allen. Einigen war klar, dass Sarah nicht zu solch grossartigen Leistungen und kreativen Ideen in der Lage war. Doch was sollte man machen. Sie setzte ab dann alles daran, dass ich gefeuert würde. Unser Chef wollte mich nicht feuern. Nicht etwa weil ich ein so netter und umgänglicher Mensch gewesen wäre. Haha bestimmt nicht. Nein, sondern weil meine Arbeit einfach immer top war! Zahlreiche Aufträge hatte unsere Firma nur meiner Ideen wegen bekommen. Er wusste das. Also blieb ich weiterhin dort und machte den Job, den wir früher zu zweit gemacht hatten, alleine.

Als die Mail kam, dass der halbjährliche Betriebsausflug stattfände, freute ich mich nicht. Ich müsste den ganzen Tag diese debile Diebin sehen. Na wundervoll. Trotzdem ging ich mit. Pflichtübung deluxe.

Wir fanden uns in einem Thermalbad ein.
Dort drückte ich den Kopf dieser rothaarigen Intrigantin mehrmals unter Wasser. Ich liess sie wieder auftauchen und ein bisschen Luft holen. Sie bettelte mich an. Ich drückte sie wieder unter Wasser. Beim nächsten Auftauchen versuchte sie, mich zu schlagen und zu kratzen. Ich schlug ihr meine Faust mitten in die Visage und drückte ihren abscheulichen Kopf wieder unter Wasser. Das Wasser verfärbte sich rot. Rot vom Blut, dass aus ihrer gebrochenen Nase strömte.
Kurz bevor ihre Lebenslichter erloschen, liess ich sie wieder auftauchen. Sie hustete und japste nach Luft. Ich schwamm selig davon.
Später sah ich sie wieder. Sie stand alleine im Becken mit dem pissgelben Wasser. Mit dem Rücken zur Beckenwand. Als sie mich kommen sah, brach sie in Panik aus. Ich stieg in das Becken, schlug ihr dreimal meine Faust in den Magen und ging wieder. Als ich mich umdrehte sass sie zusammengesackt auf der Treppe und weinte, wie ein kleines Mädchen.
Als wir dann später vor dem Thermalbad standen, ging ich auf sie zu und fragte, ob sie nun endlich die Wahrheit preisgeben würde. Sie weinte und schüttelte den Kopf. Ihre spröden Haare bewegten sich kaum. Furztrocken. Wohl noch nie von Haarkuren gehört...
Wir fuhren zur Zahnradbahn. Während der Fahrt fragte ich sie nochmals. Sie verneinte. Also fragte ich sie, ob sie schon mal gesehen habe, was so eine Zahnradbahn mit einem Menschen mache, wenn er versehentlich zwischen die Räder und die Gleise gerate. Irritiert starrte sie mich an. Nicht wissend, ob ich ihr so etwas antun würde oder nicht. Ich genoss die in ihr aufkeimende Panik richtig.

Vom Betriebsausflug sind wir ohne Sarah zurückgekommen.
Keine Sorge, sie liess ihr leben nicht verkeilt und verschmiert in der Maschinerie einer Zahnradbahn. Ich töte doch nicht vor so vielen Zeugen.
Dummerweise wurde sie von einem vorbeifahrenden LKW erfasst und setzte ihre Reise eingekeilt in dessen Radkasten fort. Dieses Geschmiere auf der Strasse, nach dem er sie erwischt hatte, war ekelhaft. Blut und Hautfetzen und ich meine ein paar Zähne gesehen zu haben. vielleicht waren es auch Knochen? Wer weiss das schon.

Übrigens schreibe ich diese Geschichte in meinem neuen Eckbüro mit den grossen Fenstern, die eine wunderbare Aussicht über die Stadt zulassen.







Samstag, 11. August 2018

Geständnis einer Lehrerin

Seid gegrüsst, oh meine Leser

Mir ist die Tatsache bewusst, dass bereits wieder viel Zeit verstrichen ist, seit ich hier etwas Neues geschrieben habe. Wieso, möchtet Ihr nun bestimmt wissen. Nun, es gab da nichts. Nichts, was interessant genug gewesen wäre, um hier erwähnt zu werden... Und um mit ehemaligen Arbeitgebern abzurechnen, dafür fehlte mir der Groll.
Aber letzte Woche hat sich etwas ereignet... Ich muss Geständnis ablegen. Aber nur hier. Nicht bei der Polizei. Nicht bei den Angehörigen. Nicht bei den Behörden.
Ich habe getötet. Ich habe gemordet. Ich habe Lebenslichter ausgelöscht. Haha sind wir ehrlich. Jeder von uns hat gewusst, dass es nur eine Frage der Zeit sein wird, ehe ich endlich Menschen töten werde. Meine verkommene Seele ist geradezu geschaffen dafür!

Ehe ich zu den Ereignissen des Tatabends komme (was absolut bescheuert klingt. Hätte ich ein paar Stunden gewartet, hätte ich Tatnacht schreiben können), noch kurz ein paar Dinge vorweg.

Also erstens krabbelt eine Assel auf mich zu. Ich weiss nicht, ob ich mein Zeug packen und panisch kreischend in meine Stube rennen soll. zweitens hat sich eine Wespe zu mir gesellt. Aktuell krabbelt sie an der leeren Braufrischdose hoch. Solange sie da bleibt, ist alles gut. Von der Wespe abgelenkt, habe ich die Assel ausser Acht gelassen und nun ist ihre Position nicht mehr auszumachen. Scheisse.

Wir erinnern uns an die Zeit, als selbst ich, Nara M. jung war und die hiesige Kirche besuchen musste, um eine bescheuerte Stempelkarte voll zu bekommen, die der Einlass zur Konfirmation war. Wieso haben wir uns konfirmieren lassen? Es gab Geld. Haha Schweizer. Kapitalismus anstelle eines Schnullers mit in die Wiege gelegt bekommen. Allah, was sind wir doch für ein verkommenes Volk! (Na? Seid Ihr auch alle schön irritiert, dass ich anstelle von "Gott" "Allah" geschrieben habe? haha gut so!)
Jedenfalls sagte mir ja damals einer dieser Schnorris der hiesigen Kirche, ich behaupte noch heute, dass diese Gruppierung einer Sekte gleichkommt, meine Seele stehe an einem Abgrund. Dies, weil ich Horrifilme- und Literatur konsumiert hatte, wie andere Kaffee. Die Seele sei ein Abfalleimer und der sei irgendwann voll. Und bei mir dauere es nicht mehr lange, ehe dieser voll ist und die dunkle Seite Besitz meiner Seele ergreifen würde. Mit der dunklen Seite war natürlich Belzebub aka Satan gemeint. Erzengel Gabriel. Ganz ehrlich? Wenn Gabriel so war, wie von Christopher Walken in God's Army verkörpert, habe ich nichts gegen seinen Besuch einzuwenden.
Jedenfalls sollte es noch weitere 15 Jahre dauern, ehe ich die Kontrolle über mich verlieren und endlich morden sollte.
Also ich für meinen Teil, bewundere mich für meine Ausdauer. Schliesslich hatte ich diesen Drang immer in mir und konnte ihn unterdrücken. Zumindest bis zur letzten Woche...

Also, angefangen hatte alles ganz harmlos. Die Kameras zeigten eine grüne Wiese. Einen Hund, der sich im Gras wälzte und eine fröhliche intakte Familie. Das wäre zumindest so gewesen, lebten wir in einem Horrorfilm. Aber das wahre Leben ist ganz anders.
Grünes Gras gibt es aktuell nicht. Durch die grosse Hitzewelle 2018 war alles braun, verdorrt und tot. Ich sass im Lehrerzimmer und unterhielt mich mit zwei Lehrerkollegen. Einer von ihnen ist ebenso sarkastisch und zynisch wie Eure werte Mörderin... uiuiui... Erzählerin. Die andere weniger.
Wir machten Spässe und tauschten uns darüber aus, dass man manchmal einfach keine Geduld mehr hat und ausrasten möchte. Ich meinte dann mit der trockenen und nüchternen Stimme Muldoons in Jurassic Park "Man sollte sie alle töten.". Der zynische Lehrer lachte Tränen, kannte er doch den Film. Die Lehrerin sah mich entsetzten Asudruckes an. Als hätte sie gewusst, dass dieser Spruch bald schon Realität werden würde. Wir sponnen den Gedanken weiter und meinten, Lehrer wäre die perfekte Begebenheit für einen Massenmörder. Einfach ist Zimmer kommen, alle umbringen, Geld kassieren und dann bei der nächsten Klasse genau das gleiche.
Nein, meine getreuen Leser. Es ist nicht meine Klasse, die ich getötet habe. Obschon ich mir heute, wenn ich so zurückblicke wünschte, ich hätte die eine Frau dem Sensenmann übergeben. Die eine, deren Parfüm mich beinahe kotzen lässt - so süss ist es. So etwas sollte verboten werden.

Wie dem auch sei. Ich war in der Schule und unterhielt mich mit einem der Chefs. Wieso sind Chefs immer so uneinsichtig? Jedenfalls ging es darum, dass die Lehrer immer mehr Arbeiten übernehmen sollten und dies natürlich unbezahlt. Denn die Haltung der Schule ist wahrhaftig die, dass die Mitarbeiter kostenlos arbeiten sollen. Da ich natürlich anderer Meinung bin, wurde unsere anfänglich friedliche Unterhaltung zunehmends hitziger. Als er dann vom Stuhl aufsprang und mir dergestalt ins Gesicht brüllte, sodass meine Haare nach hinten flogen, dass ich die längste Zeit Lehrerin gewesen sei, da ich kein bisschen Einsatz für die Schule zeigen würde, war es einfach genug! Ich fragte ihn ganz ruhig, ob das nun sein Ernst sei. Er entlasse mich, weil ich nicht gratis arbeiten wolle. Er brüllte mir alles mögliche entgegen. Das konnte ich nicht zulassen, schliesslich bin ich eine der Besten. Noch immer war ich ganz ruhig. Das war der Moment, in dem ich selbst feststellen musste, dass ich eine Psychopathin bin. Ich fragte ihn, mit einem Lächeln im Gesicht, ob das nun sein letztes Wort gewesen sei. Er brüllte mir ein Ja entgegen und marschierte zur Tür. Ich griff zur Schreibmaschine, die auf dem Tisch stand. Es handelte sich um eine alte Royal 10. haha ganz genau! Das gleiche Modell, dass Paul Sheldon in Misery verwendet. Nur dass, bei dieser hier das N noch nicht fehlen sollte. Wie dem auch sie, ich griff zur Schreibmaschine und schlug sie meinem Chef auf den Hinterkopf. Als er sich zusammensackend der Gravitation hingab, glotzte er mich mit weit aufgerissenen Augen an. Sein Blick sagte mir, dass sein Gehirn noch nicht verarbeitet hatte, was mit ihm geschah. Saudämlich glotzte er mich offenen Mundes an. Ich schlug nochmals zu und nochmals und nochmals. Wie oft ich die Royal 10 auf seinen Schädel habe runtersausen lassen, weiss ich nicht mehr. Jedenfalls muss es oft gewesen sein. Sein Gesicht war nicht mehr zu erkennen. Gehirnmasse klebte an der petrolfarbenen Wand. Scheisse.... Ich hätte die Wände mit Zeitung oder Plastikfolie abdecken sollen. Habt Ihr eine Ahnung, wie lange es dauert, Blut von Wänden abzuwaschen und Gehirnmasse abzukratzen??? Ausserdem spritzte sein verdammtes Gehirn auf den Sichtbeton, den zu bekleben uns ja verboten war. Der Sichtbeton musste belassen werden, wie er war. Ja super!
Nachdem ich diesen gottverdammten Leichnam in zerteilt hatte, begann ich damit die Wände, Tische und Stühle zu schrubben. Wir hatten nicht einmal ein Hackebeil! Einzig ein Brotmesser. Ja richtig. Ich war gezwungen, diesen Wichser mit einem Brotmesser zu zerteilen! Ihr könnt Euch ja sicherlich denken, dass das eine ganze Weile gedauert hat. Das war mir jedenfalls eine Lehre. Ich habe mir ein Hackebeil gekauft, welches ich nun stets in meiner Handtasche herumtrage. Man weiss ja nie, wann man den Nächsten töten muss.
Die ganze verdammte Nacht lang hatte ich damit zugebracht, die Wände zu säubern. Der verdammte Sichtbeton (Tenshi, Dési. Dä Siech esch Euch gwedmet!) ist nun wieder sauber. So auch die Wände. Die Tür. Die Tische. Die Stühle. Den Chef habe ich entsorgt. ^_^
Mit unserer Schule dürfte es nun bergauf gehen. Und was haben wir von Edward Furlong (was war ich als Teenie in ihn verliebt... also in den Terminator 2 und Friedhof der Kuscheltiere 2 und American History X Furlong) in American History X gelernt? Man soll immer einen starken Abgang hinlegen und wenn einem selbst keiner einfällt, soll man mit einem Zitat abziehen. Also ich beende dieses Geständnis mit einem Zitat aus American Psycho 2:

"Ich töte für eine bessere Zukunft."

Donnerstag, 25. Januar 2018

Der Fluch der Bundeslade - und wie man sich ihm entledigt

Draussen scheint die Sonne. Eine warme Wintersonne. Es ist gerade mild genug, um bereits seit 1,5h bei geöffneter Balkontür, im lila Schimmer meiner Vorhänge, an meinem MacBook Air zu sitzen. Neben dem Notebook steht ein rotes Anker auf dem weissen Tisch. Häshtäg Schwiizerbier. 
Ehe ich mit dem Schreiben dieses Eintrages beginnen konnte, bedurfte es einer Konsultation bei Freund Google. Bilder, aber auch animierte Bilder genannt GIFS mussten gesucht und gefunden werden, einfach um diese Eintragung noch dramatischer zu gestalten und mit Einfältigkeit zu untermalen. Der nächste Unterricht beginnt um 18:30 Uhr. Dies, weil meine Nachmittagsschülerin heute verhindert ist. So bleibt mir Zeit, um ein bisschen zu schreiben.
Ach übrigens, ich habe CHILDREN OF BODOM wieder entdeckt! Deren wunderbarer Melodic Metal dröhnt derweil aus den Lautsprechern meines iPod-Players? Nennt sich dieses Gerät so? Gestern habe ich mit meinem good old Droog darüber philosophiert, wie diese Vorrichtung aus Holz denn eigentlich heisst, in der Schienen eingelassen sind, in die man die Vorhänge einhängen kann. Droog meinte, eventuell Vorhangrahmen. Ich war für Vorhangschienenbrett. Wir wissen es bis heute nicht. Himmel... wie soll das nur herauskommen, wenn ich ab nächstem Monat mein Studium wieder aufnehme? Ich kann mich ja nicht einmal auf meinen eigenen geistigen Erguss fokussieren ohne abzuschweifen. Wie soll ich da, dann 4 Lektionen lang zuhören können? Die Zeit wirds offenbaren... 
Kommen wir nun zum Wesentlichen, noch immer COB hörend. Alexi Laiho ist einfach ein verdammt starker Gitarrist!
Hier möchte ich anmerken, dass ich heute bei meinen Eltern zum Mittagessen eingeladen war. Meine Mutter meinte, sie stelle ein Fluchglas auf. Offenabr habe ich das wunderhübsche "verdammt" zu oft gebraucht.

War nicht jeder von uns schon einmal auf der Suche nach der Bundeslade? Ich denke doch. Die Bundeslade, hier mit Bezug auf Indiana Jones - Jäger des verlorenen Schatzes, kann man als stellvertretende Metapher für so Vieles aus dem Leben nehmen. Man kann immer dann von der metaphorischen Bundeslade sprechen, wenn man etwas unbedingt gewollt, es schliesslich bekommen hat und danach aber so gar nicht glücklich damit war.

Nachdem ich mich meinem Job, dem Kohleschaufeln in der Hölle, entledigt hatte - oder vielmehr hatte dieser Job sich mir entledigt, war ich auf der Suche nach einem neuen. Es war nicht der Job, der  mir nen Arschtritt als Dankeschön gegeben hatte, vielmehr war es Eidechse. Die Eidechse könnte treffender nicht sein. Ich habe mir diesen Namen aus dem Stephen King Roman "Thinner" geliehen. Cary Rossington, meine Damen und Herren! Aber, lieber Carry Rossington, mit Dir rechne ich später noch ab...😏

Jedenfalls war ich auf der Suche nach der Bundeslade. Dieser goldene Schädel, der mir von Belloq abgenommen worden war, war mir nicht genug. Ich hatte ihn ja nicht mehr. Dafür bekam ich das Amulett und den Stab des Rah. Ich verlangte nach mehr. Dabei hatte ich mit dem Amulett des Rah bereits alles, was ich mir je wünschen konnte. Nur hatte ich das nicht gesehen. Man strebt, ganz Indy-like, nach Reichtum und Ruhm und vergisst alles Irdische dabei. Jedenfalls machte ich mich auf, die Bundeslade zu finden. Aus dem Becher eines Zimmermanns hatte ich ja bereits getrunken (nicht in der Filmreihenfolge, aber wir sind hier beim kreativen Schreiben und nehmen uns diese Freiheit einfach!), der letzte Tempelritter hatte mir sein Schwert überlassen wollen und ich hatte eine Verfolgungsjagd in den Katakomben eines Museums überlebt - trotz einer hysterisch kreischenden Nazischlampe. Also machte ich mich auf, die Bundeslade zu suchen und fand sie dann auch nach kurzer Zeit. Von einer Bekannten hatte ich einen Tipp erhalten, wo sie sich befinden könnte. Und siehe da, sie war da! Diese gottverdammte Bundeslade sollte MEIN sein... 

So in etwa hatte ich ausgesehen, als ich mich ihr genähert hatte. Man könnte auch sagen, als ich die Einladung zum Vorstellungsgespräch erhalten hatte: 

Ich hatte die Bundeslade gefunden. Sie stand vor mir. Zum Greifen nah! Sie war mein! Ehrfürchtig nahm ich sie entgegen... behutsam öffnete ich sie... doch... nachdem der schwere goldene Deckel abgehoben worden war, befand sich in der Kiste nichts, denn Sand. 




Kaum hatte ich den Sand der Bundeslade durch meine Finger rieseln lassen, waren seltsame Lichter zu sehen. Sie kamen direkt aus der Bundeslade. Wer Indy gesehen hat (ich bereits damals als Kind - Merci, Erich! Dein Filmgeschmack ist einfach erlesen), weiss um die Gefahr. Ich schloss meine Augen. Ich verschloss meine Augen vor der Realität. Ich war kurz davor zu explodieren. Mein Gesicht sollte zu schmelzen beginnen, doch ich rannte davon, als wäre der Teufel persönlich hinter mir her! Noch ehe mich das hier unten gezeigte Schicksal ereilen konnte, ergriff ich die Initiative:


Ich dachte an Forrest Gump. An Jenny, die immer wieder rief: "Lauf, Forrest, lauf!"

Also rannte ich. "Von dem Tag an, bin ich nirgendwo hin mehr gegangen. Ich bin nur noch gelaufen!"
Schliesslich wurde ich von einer Kugel aus Stein? oder gottweisswas gejagt. Ich wurde gejagt! Gejagt als wäre ich ein verdammter Hai! Na? 😏 Ihr, oh meine Leser, wisst worauf das hinausläuft, wenn Eure werte Schreiberin das Wort "Hai" gebraucht. Genau. Wir kommen zu einer Randnotiz zu oder über JAWS. Ach, was hat Steven Spielberg uns doch gute Filme beschert! Wäre er nicht, wäre meine Kindheit wohl nicht so farbenfroh gewesen... Jedenfalls, fühlte ich mich plötzlich, wie dieser missverstandene Hai in JAWS. Von drei Typen grundlos gejagt. Im Begriff von einer Steinkugel zermalmt zu werden. Na, wunderbar! Es gab nur noch eines! Ich musste da raus! Ich musste raus aus diesem Erdloch! Also rannte ich! Schwang die Peitsche, zog mich über einen Abgrund und kam noch knapp unter einem sich schliessenden steinernen Tor hindurch, ehe ich für alle Ewigkeit Gefangene in diesem Erdloch sein sollte. 


Schliesslich karrte ich die, in eine stabile (mehr oder weniger, denn welche Holzkiste in der Geschichte aller Holzkisten konnte sich je gegen ein Brecheisen behaupten???) Holzkiste verpackte, Bundeslade durch ein brobdingnagisches Lagerhaus. Hier soll sie ruhen. Inmitten meiner anderen ehemaligen Arbeitgeber. Ruhet in Frieden... 


Als die Bundeslade weggekarrt und ich wieder zuhause war, sah mein Gesicht in etwa so aus: 


Wie man sich dem Fluch der Bundeslade entziehen kann:
Macht es wie Forrest Gump. Lauft! Lauft davon! Sobald sich die Lade geöffnet hat und die Geister entwichen sind, kann man nur noch die Augen schliessen. Sind die Geister abgezogen, einen Berg aus Leichen hinter sich lassen, kann man nur noch rennen! 

Sonntag, 23. Februar 2014

Der neue Lehrer

Was er über seinen Vorgänger wusste, waren recht unerfreuliche Sachen. Um sich bei seiner Klasse beliebt zu machen, wollte er dessen Fehler nicht wiederholen. Frischen Wind ins Klassenzimmer bringen! DAS, ja das war seine Mission! Er würde es schon schaffen!

Seine Klasse, eine Abschlussklasse bestehend aus 16-jährigen starrköpfigen Teenagern, beäugte ihn sehr kritisch. Auf seinen Morgengruss wollte kaum einer eingehen. So schrieb er seinen Namen in grossen Lettern mit weisser Kreide an die Wandtafel.
Gernot Rudolfshain
Seine Schüler tuschelten. GerNOT, ja in Note werden wir den versetzen!
Er drehte sich um und schaute mit seinen leuchtend blauen Augen in die finster dreinblickenden Gesichter seiner Klasse 4B. Einer der Schüler drückte auf dem Mobiltelefon herum, was zu dem Zeitpunkt eher aussergewöhnlich war.
Er nahm die Kreide wieder auf:
Gernot Rudolfshain
Als er sich mit seinem blonden Haarschopf wieder umdrehte, schaute er in lauter fragende Gesichter. So versuchte er es auf die gönnerhafte Art. "Nennt mich Gernot.", verkündete er sich seiner Sache sicher.
Er hatte die Kids! Das Eis schien gebrochen!

Gernot merkte nicht, wie ihm alles entglitt. Anfangs mochten ihn alle Schüler, doch mit der Zeit tanzten sie ihm auf der Nase herum. So brüllte er den Jungen mit dem Mobiltelefon nahezu täglich an, das (anfänglich) Ding und (schliesslich) das scheiss Ding wegzulegen. Der Junge grinste hämisch und telefonierte während den Stunden.
Gernot wollte hart durchgreifen und bediente sich den Methoden seines Vorgängers. So brüllte er den Jungen mit dem Mobiltelefon an, er möge dieses verdammte scheiss Ding endlich weglegen, sonst müsse er nachsitzen!
Da kicherte das aufsässige dicke Mädchen in der 2. Reihe. Auf seinen grimmigen Blick reagierte sie mit abwertendem Gelächter.
"Gernot, du bist ein Versager! Glaubst du wirklich, du kannst herkommen, einen auf Kumpel machen und dann wenn dich keiner ernst nimmt, auf streng machen? Bei deinem Vorgänger hats funktioniert. Das war auch ein Despot. Aber du? Sorry. No chance."
Weitere Stimmen meldeten sich in ähnlicher Weise:
"GerNOT, oh GerNOT, sehe sie doch, deine NOT!"
"Hey Keule, nimms easy. Kriegst die Kohle ja doch - egal ob der Laden läuft oder nicht!"
"Ja Alter! Meinst musst jetzt auf dicke Hose machen und wir nehmen dich ernst?"
"Komm runter. Mach dich nicht lächerlich!"
"Ja Gerni, ziehs durch! Sind ja nur noch 10 Monate!"
"Rudi bleib zuhaus. Wir rocken die Bude schon!"
"Ey Chef, du hast eh keine Ahnung, von dem was du tust. Also lass es! Wir wissens besser!"
"Joa! Wir sind die Chegger! Verzieh dich!"

Gernot wusste sich nicht mehr zu helfen. So verliess er sein Klassenzimmer auf der 7. Etage und ging nach unten ins Lehrerzimmer. Dort heulte er sich bei den anderen Lehrern und dem Hauswart über seine Klasse aus.
"Ich ertrage das nicht mehr! Die tanzen mir auf der Nase rum! Ich verstehe das nicht! Schlimmer als mein Vorgänger kann ich ja kaum sein! Wieso machen die das?! Ich habe die Kontrolle verloren. Jeder macht, was er will! Ich habe versagt... *snieff* Wie bekomme ich die je wieder in den Griff?! Es ist nicht auszuhalten, was da abgeht! Ich drehe noch durch! *snieff* Meine Klasse... Chaos! Das sind keine Teenager, das sind Monster! Monster, die mir entglitten sind! Oder es waren keine Monster und ich habe sie zu welchen gemacht... Ich will nicht mehr!"

Keiner der Teenager der Klasse 4B hätte sich je träumen lassen, was sie am kommenden Tag im Klassenzimmer vorfanden. Der leblose Körper des revolutionären Lehrers Gernot Rudolfshain hing, an einem um den Hals geknüpften Strick, von der Decke. Die beigefarbene Hose wies dunkle, durch die letzte Darmentleerung hervorgerufene Flecke auf. Die Hitze des Sommers bildete mit den Fäkalien einen unerträglichen Geruch, der noch Wochen nach seiner Bestattung im Zimmer hing.
An seinem rosafarbenen Hemd war eine DIN A4 Seite befestigt, auf der geschrieben stand "Ich wollte nicht hören, ich wollte nicht sehen und ich wollte nichts sagen.  Ich habe versagt."

Donnerstag, 3. Oktober 2013

Blut & Schweiss (Endfassung)


Und wieder roch die ganze Büroetage nach diesem schrecklichen AXE-Deo, dessen süsslich beissender Geruch, jedes Mal Übelkeit in ihr hervorrief. Wenn der Typ seine Schweissdrüsen schon nicht operieren liess, wieso konnte er dann nicht wenigsten ein wohlriechendes Deo kaufen? Sie hatte teilweise so gar kein Verständnis für ihre Mitmenschen. Des Weiteren verstand sie nicht, wieso sie eine solche Deo-Dose auf ihrem Schreibtisch dulden musste! Überhaupt standen die überall herum! Auf ihrem Schreibtisch. Neben der Pflanze am Empfangsdesk. In seinem Büro standen sie zu dritt herum. In jedem Waschraum – ja auch in dem der Damen. Diese Deos schienen sie zu verhöhnen! Erstens nutzten sie ja doch nichts und zweitens stanken alle einfach nur abscheulich – zumindest an ihrem Chef!
An ihrem Schreibtisch sitzend und eben die Bestellung von ihrem, trotz übermässig mit Deo eingesprühtem beissend nach Schweiss stinkenden, Vorgesetzten lesend spürte sie, wie etwas in ihr tobte. „Es tobt ein Krieg in mir.“ Sie las die Bestellung immer und immer wieder und bemerkte nicht, die blutende Stelle in ihrem Handgelenk, in die sie ihre Fingernägel bohrte. Hasserfüllt.
Guten Morgen L.
Heute wünsche ich zwei Buttergipfel – aber die grossen! Dazu bringen Sie mir zwei Donuts mit Schokoladenglasur! Ach ja, und heute sorgen Sie für ausreichend Zucker in meinem Kaffee. Diese bittere Brühe von gestern war ja unter aller Sau!
Mittagessen: Reservieren Sie mir einen Tisch im Freddy’s! Ich werde alleine essen. Die sollen den Tisch ab 11:00 Uhr freihalten. Ich werde zwischen elf und eins dort eintreffen.
Dann bringen Sie mir die Abschrift von gestern sofort in mein Büro! (ch verstehe ohnehin nicht, wieso die gestern nicht schon auf meinem Tisch lag!)
Dann habe ich Ihnen gegen 10:00 Uhr etwas zu diktieren! Ich erwarte Sie daher pünktlich in meinem Büro!
L griff zum Hörer und wählte die Nummer vom Freddy’s um ihrem netten und wie immer zuvorkommenden Chef einen Tisch zu reservieren. Kein leichtes Unterfangen angesichts des breiten Zeitfensters. Doch, wie immer, schaffte sie es auch heute. War ihr Ekel von Chef dort bestens bekannt und keiner hatte Lust dazu, sich auf eine Debatte mit ihm einzulassen. Einerseits weil er immer gleich sehr laut wurde und die Diskussion gleich darauf fluchtartig zu verlassen pflegte. Ja der gute Herr J. war bekannt – nicht zuletzt wegen dieser beissenden Duftwolke, die ihn umhüllte.
Mit zwei Buttergipfel – aber den grossen, zwei Donuts mit Schokoladenglasur und einer Tasse Kaffee mit Zucker (oder in diesem Fall einer Tasse Zucker mit Kaffee) ging L ins Büro von ihrem sehr beliebten Chef. Schon die grauen Lettern mit seinem Namen auf der Glastür zu seinem Büro liessen sie erschaudern. Sollte er doch noch ungesünder essen (oder in seinem Fall wäre wohl „schlingen“ das bessere Wort) und noch fetter werden. Sein Schweissproblem bekäme er so garantiert nicht in den Griff. 
Sie klopfte an und er winkte sie herein. Kaum einen Fuss in seinem Büro, wünschte sie sich nicht in einem dieser neuen minergetischen Gebäuden zu arbeiten, wo sich kein Fenster öffnen liess. Die Luft in diesem quadratischen Raum mit dem grossen, nicht zu öffnenden Fenster, war so dick, man hätte sie mit einem Messer in Scheiben schneiden können.
„Haben Sie meine E-Mail gelesen, L?“ fönte er ihr entgegen, während er sich mit einem Kleenex den Schweiss von der Stirn wischte. 
Natürlich hatte sie das! 
„Was bringen Sie mir denn da Schönes, L?“
„Ihre Bestellung. Zwei Buttergipfel – aber die grossen mit einer Tasse Zucker mit Kaff- ähm Kaffee mit Zucker. Dazu bringe ich Ihnen zwei Donuts mit Schokoladenglasur.“
Herr J., der von allen nur „der Schwitzer“ genannt wurde, schaute sie prüfend an. „Dann können Sie ja jetzt wieder an die Arbeit! Ich bezahle Sie nicht fürs Rumsitzen! Ist mein Tisch reserviert?!“
Natürlich war er das.
Sie hielt das nicht mehr aus. Was für ein Möchtegern-Despot! Zuhause hatte die Frau die Hosen an und daher spielte er hier den Gewaltherrscher! Wieso war gerade sie seine Assistentin?! Wieso?! Ein Danke oder Bitte war seinem Wortschatz fremd. Aber mit Exklamationszeichen geizte er nie. Dem Typen gehörte einfach mal eine ausgewischt. L setzte sich an ihr Notebook, um sich über einige, ätzende Stoffe zu informieren. Wo wären wir heute ohne Google und Wikipedia?
Nach ihrer Informationsbeschaffung war L zum ersten Mal in ihrem Leben wirklich froh darüber, in einer Pharmaunternehmung zu arbeiten, hatte sie doch während ihrer exakt 28minüten Mittagspause etwas aus dem Lager zu holen. Ihr guter Freund K würde ihr schon dabei helfen. Mit einem zufriedenen Grinsen nahm sie ihre eigentliche Arbeit wieder auf.
Nach ihrer Mittagspause fand sie eine neue E-Mail vom schweisstriefenden Schwitzer in ihrem Posteingang vor:
Nur zu Ihrer Information: Das Essen im Freddy’s war ausgezeichnet, nur die Bedienung etwas unfreundlich! Sie sorgen dafür, dass ich das nächste Mal zuvorkommend bedient werde! Schliesslich bin ich ein guter Gast und sollte auch so behandelt werden! Das werden Sie nach Ihrem Feierabend machen! Sie werden da vorbeigehen und denen mitteilen, dass ich ein Anrecht darauf habe, zuvorkommend behandelt zu werden!
Ich werde heute Nachmittag früher Feierabend machen. Ich arbeite schliesslich ausgesprochen hart (was man nicht von allen hier behaupten kann). Sie hingegen werden noch Dokument A bearbeiten! Sie wissen schon, das ist irgendwo in diesem grossen Pharmaordner abgelegt. Sie werden es finden! Ich erwarte morgen einen vollständig überarbeiteten Bericht mit Randnotizen! Schliesslich muss ich das bei der Sitzung meinem Boss vorlegen. Also sorgen Sie dafür, dass alles perfekt ist! Ich will mich nicht schämen müssen! Und dieses Mal, erklären Sie diese Fremdwörter gefälligst!  
PS: Bringen Sie mir nochmal so einen Kaffee! Der war nicht so schlecht wie der gestern! Dazu bringen Sie mir noch diese mit Sahne gefüllten süssen Dinger mit dem Puderzucker!
Na wunderbar! Sie wollte heute pünktlich Feierabend machen und mit einem alten Bekannten ins Kino gehen. „Es tobt ein Krieg in mir!“
Sie brachte ihm den Kaffee und die Windbeutel. Der Kaffee allerdings war nicht genau gleich, wie der vom Vormittag. Beinhaltete er dieses Mal ein paar Tropfen einer übern Mittag aus dem Lager geholten Flüssigkeit. „Wohl bekomms!“
Sie würde diese Tropfen allerdings über einen längeren Zeitpunkt anwenden müssen, ehe sich eine Wirkung zeigen sollte. Sie hatte ja Zeit.
Ihr Blick fiel auf die kleine schwarze Deospraydose, die auf ihrem Schreibtisch stand. Sie würde eine aus dem Waschraum der Männer mitgehen lassen. Das war sicherer. Morgen.
Am Tag darauf kam der Schwitzer nur für kurze Zeit ins Büro. L wusste warum. Er setzte sich, wie jeden Morgen, mit seinem breiten Hintern auf ihren Schreibtisch, schaute auf sie herab und gab seine üblichen Floskeln preis: „Na, L. Wie geht es uns denn heute. Ist Dokument A erledigt?!“
Mit der rechten Hand griff er zum Deo und besprühte sich damit. Bereits früh am Morgen zeichneten sich Schweissränder auf seinem Hemd ab. Nicht nur unter den Armen. Wieso trug er auf immer diese hellblauen Hemden? Mit Schwarzen würde diese konstante Bewässerungsanlage immerhin ein wenig vertuschen können.
Etwa 10 Minuten später verliess er das Gebäude fluchtartig und tippte von unterwegs eine E-Mail an L über sein veraltetes Blackberry:
L! Ich werde heute nicht mehr kommen! Sie besorgen das Alltagsgeschäft! Enttäuschen Sie mich nicht!
L grinste fies und dachte sich nur, dass er wohl morgen auch nicht erscheinen wird. Überhaupt die ganze Woche nicht. Ja, gewisse Liquide überzeugen doch in ihrer einfachen Anwendung. Der gute Schwitzer würde nun einige Tage noch übler riechen. Buttersäure richtig eingesetzt, kann wahre Wunder bewirken. 
Dies jedoch sollte nur der Anfang sein…
Am darauffolgenden Tag erhielt sie zwei Fläschchen von ihrem Kollegen aus dem Labor. Cyanwasserstoff und Schwefelsäure. Sollte das Eine ihn nicht dahinraffen, dann das Andere ganz bestimmt. L machte sich daran, zwei Deoflaschen zu präparieren.
Zwei Wochen später kam der Schwitzer zurück in die Firma. Der Geruch nach faulen Eiern war verflogen. Natürlich konnte er sich nicht erklären, woher dieser Gestank kam und verdächtige auch keinen der Mitarbeiter. Er glaubte, an eine allergische Reaktion auf irgendetwas.
Kurz nachdem er sich mit der blauen Axeflasche besprüht hatte, ging seine Atmung etwas schwerer. Der Schwitzer hatte zur richtigen Deodose gegriffen, begünstigt doch Schweiss die Aufnahme des Cyanid erheblich, da Blausäure eine hohe Wasserlöslichkeit besitzt. Die Sauerstoffbindungsstelle in der Atmungskette der Körperzellen wird blockiert. Durch die Deaktivierung des Enzyms kommt die Zellatmung zum erliegen, was zur inneren Erstickung führt. Darauf reagiert der Körper mit erhöhter Atemfrequenz, was die Aufnahme gasförmiger Blausäure erhöht. Die Zellen sterben schliesslich an Sauerstoff- und ATP-Mangel.
Da er sich immer gerne mit zwei verschiedenen Deos besprühte, griff er sogleich zur roten Axedose. Diese benutzte er weniger als Deo und mehr als Parfüm. Als die ersten Tropfen seine Haut berührten, spürte er ein leichtes Brennen. Gleichzeit machten sich die ersten Anzeichen der Cyanidvergiftung bemerkbar. Dem Schwitzer wurde furchtbar schwindlig und so stürzte er noch im Waschraum stehend, zu Boden. Er begann zu hyperventilieren und rang nach Sauerstoff. Nur schwach nahm er wahr, wie sich die Schwefelsäure allmählich durch seine Haut frass. Hätte er um den Inhalt der beiden Deodosen gewusst, wäre er L sicherlich dankbar um die Blausäure gewesen. Denn ohne die hätte er sich im grossen Spiegel des Waschraumes liegen sehen mit weit offenen Wunden an den Stellen, an denen die Schwefelsäure seine Haut getroffen hatte und sich immer tiefer ins Fleisch zu fressen begann. Danach wäre ein langer qualvoller Heilungsprozess eingetreten, mit sehr schmerzhaften und nur langsam und schlecht verheilenden Wunden. Dank der Blausäure blieb ihm dies erspart. Er verlor das Bewusstsein und blieb reglos auf dem weissen Kachelboden liegen. Die Blutlache um seinen reglosen Körper wurde stetig grösser. Die Wunden tiefer.
Als er gefunden wurde, oder zumindest das, was von ihm übrig geblieben war, waren die Stellen seiner Haut, die nicht zerfressen worden waren mit, bei Cyanidvergiftungen üblichen, leuchtend roten Livores versehen.
Für alle die, die es wissen möchten: 
Es war viel von ihm übrig geblieben. Doch war der Anblick nicht unbedingt schöner Gestalt. Frass sich die Schwefelsäure durch seinen Bauch, worauf das im Überfluss vorhandene Fett herauszurinnen begann. So lag er letzten Endes in einer Suppe aus dickem roten Blut und einer weiss-gelblichen Flüssigkeit, die sich mit dem Blut vermischte.
L’s Gedanken beim Anblick des Leichnams waren recht positiv, möchte man sagen. Sie dachte sich, dass seine Schweissdrüsen nun endlich verätzt waren und er auch gleich ein paar Kilo abgenommen hatte. Sie betrachtete dies als eine äusserst positive Wendung und lächelte zufrieden.

Mittwoch, 1. Dezember 2004

schlampig


1. Dezember 2004

Die Stadt liegt noch im Dunkel. Dunkel. Früher hätte diese Bezeichnung wohl noch gepasst. Doch durch die vielen Strassenlaternen und die weihnachtlichen Dekorationen an allen Fenstern und über den Strassen war es richtig hell. Nebel lag über den Strassen, durchbrochen vom Scheinwerferlicht eines haltenden Buses. Die Türen gingen auf. Inmitten einer Menschenmenge war auch sie. Sylvana Borger.
Der Anfangs feine Nieselregen wurde schliesslich ein kräftiger Regenschauer. Bis Sylvana an ihrem Arbeitsplatz, wo sie eine Ausbildung im Detailhandel absolvierte, ankam, war sie vom Regen durchnässt. In letzter Zeit schien sie wie vom Pech verfolgt. Alles schien sich gegen sie verschworen zu haben. Sogar ihre Arbeitskolleginnen. Einzig die Chefin hielt zu ihr; Nur Gott allein weiss wieso.
Sylvana erschien regelmässig 5-10 Minuten zu spät im Geschäft. Sie konnte sich das erlauben, denn die Chefin sagte nichts. Wenn alle anderen 15 Minuten Pause machten, machte Sylvana 25. Sie war auch diejenige, die immer zu früh Mittagspause machte, und zu spät zurückkam. Die Stimmung im Team war dementsprechend mies. Keiner konnte Sylvana mehr leiden. Sie konnte sich alles erlauben...
Sylvana war im 2. Lehrjahr und somit verantwortlich für die Müllpressanlage. Diese war eine schwerer grosser Kasten, der den Müll presste und sich im Untergrund des Gebäudes befand. Da die Maschine schon einige Jahre auf dem Buckel hatte, musste man den Müll jeden Tag einmal pressen. Mit mehr wäre die Maschine nicht mehr fertig geworden.
Papier und Karton wurden separat in einen grossen Müllcontainer entsorgt.
Nicole, die im 1. Lehrjahr war, hatte die Aufgabe den Müll zu trennen. Sylvana musste ihn dann lediglich in die Anlage, resp. den Container werfen.
Natürlich erledigte sie auch diese Arbeit sehr schlampig, wie all die anderen Aufgaben:
An der Kasse liess sie stets die Quittungen herumliegen, stempelte die Gutscheine nicht, räumte keine Kleider ein, ja nicht mal die Klospülung betätigte sie - geschweige denn die Hände zu waschen. Sylvana war ein wirklich fauler Mensch! Die anderen mussten ständig hinter ihr aufräumen, ihre Fehler ausbügeln und sich wegen ihrem Verhalten bei den Kunden entschuldigen.
Sylvana bestand auch darauf, dass die im 1. Lehrjahr den Müll entsorgen sollte. Damit kam sie aber nie durch.
An diesem Tag stapelte sich der Müll bereits wieder. Seit zwei Tagen hatte sie ihn nicht entsorgt. Sie hatte keine Lust dazu. Da die Chefin es ihr an diesem ausdrücklich befahl, machte sie sich auf zur Luke der Müllpresse um den Müll hineinzuwerfen.
Es war viel zu viel, als die alte laute Maschine das hätte bewältigen können. Nach lautem Quietschen und Knarren setzten sich die beiden Wände in Bewegung und versuchten den Müll zu zerdrücken. Dann, setzte sie aus. Nichts funktionierte mehr. Nichts überlegend kletterte Sylvana in den Müllschacht um die Säcke wieder hinauf zu nehmen und es mit weniger zu versuchen. Sie zerrte an den Säcken und hievte diese mühsam nach Oben. Als sie etwa die Hälfte der Säcke wieder draussen hatte, ging das Quietschen und Knarren erneut los, worauf sich die Wände aufeinander zu bewegten. Sylvana wollte so schnell wie nur möglich aus der Müllpresse rausklettern, doch dies gelang ihr nicht.
Kurz bevor es zu spät war schaffte sie es, blieb jedoch mit den Stoffbändern ihrer Hose irgendwo hängen. Wohl wissend, dass, sollte sie die Bänder nicht los bekommen, ihr Bein zu Brei zerquetscht würde, zerrte sie daran. Die Wände kamen immer näher. In panischer Hektik oder hektischer Panik zerrte sie weiter und weiter. Die Wände kamen immer näher.
Dann geschah es! Um haaresbreite hatte sie es geschafft. Ihr Bein war draussen, ehe die Wände zusammenstiessen.
Als sie sich wieder voneinander weg bewegten, griff Sylvana nach den nächsten Säcken und warf sie in den Schacht. Aber diesmal nur noch 4 auf einmal. Unter gar keinen Umständen hätte sie nochmals da in diesen Schacht runter steigen wollen. Schon gar nicht nach dieser Erfahrung von vorhin.
Hinter Sylvana lagen noch 3 Müllsäcke. Einen nach dem anderen packte sie und wünschte ihnen einen guten Flug. Die Wände der Müllpresse bewegte sich wieder aufeinander zu. Sylvana beugte sich hervor um dem Spektakel nochmals zu zuschauen. Dann verlor sie das Gleichgewicht durch einen Stoss in die Kniekehlen. Sylvana ruderte verzweifelt mit den Armen, doch das half nichts. Sie stürzte in die Müllpresse und wurde samt Müllsäcken zu einer breiigen Masse zusammengedrückt.

Den Stoss in die Kniekehlen erhielt sie nicht etwa von einer gehässigen und rachsüchtigen Arbeitskollegin. Nein. Sondern durch den Kartonstapel, der sich durch das Rattern der Maschine gelöst und von dem Wagen gerutscht war.
Hätte Sylvana ihre Sache richtig gemacht und den Müll jeden Tag entsorgt, wäre das nicht passiert und sie wäre wohl noch am Leben.

Jeder Mensch wusste, dass man sich nicht direkt vor die Öffnung stellt. Zu hoch ist das Risiko in die Presse zu fallen...
 


© Navi M.