Als ich meine Arbeit beim Kopierer liegen sah, starrte ich sie ungläubig an. Wie kam meine Arbeit, an der ich wochenlang geschrieben hatte, neben den Kopierer?
Wer hatte sich meiner Arbeit bemächtigt?
Ein paar Tage später fand ich dann heraus, dass es meine Arbeitskollegin war. Diejenige, mit der ich mir ein Büro teilte. Wir hatten den gleichen Job. Machten die gleiche Arbeit und verstanden uns immer gut, obwohl ich immer schon der Meinung war, dass meine Arbeit qualitativ besser war.
Wir sollten beide eine Arbeit schreiben. Unser Chef wollte unsere Ideen für ein neues Projekt haben. Wir sollten sie unabhängig voneinander schreiben.
Tja, und was hatte diese unkreative Person getan? Mir meine Arbeit geklaut. Meinen Namen hatte sie mit ihrem eigenen ersetzt. Hatte das Ding ausgedruckt und dem Chef hingelegt. Als ich deswegen Terror machte, hiess es, dass sie doch so etwas bestimmt nicht machen würde. Sie sei doch eine so liebe Person. Blabla...
Ja, es sind immer die zarten Pflänzchen, die einen verraten. Sich still und leise von hinten anschleichen und einem mit 37 Messerstichen in den Rücken den Garaus machen.
Oh was hatte ich eine Wut auf sie. UND auf den Chef und alle anderen Mitarbeiter. Ich war also nun die Lügnerin? Danke.
Beweisen konnte ich es nicht, denn sie hatte das Original auf meinem Computer gelöscht. Danke.
Ein paar Wochen teilten wir uns noch das Büro. Doch sie wurde dann ja befördert und bekam das Eckbüro mit den grossen Fenstern. Das wäre mein Büro gewesen. MEINS.
Fortan wurde ich gemieden. Nicht von allen. Einigen war klar, dass Sarah nicht zu solch grossartigen Leistungen und kreativen Ideen in der Lage war. Doch was sollte man machen. Sie setzte ab dann alles daran, dass ich gefeuert würde. Unser Chef wollte mich nicht feuern. Nicht etwa weil ich ein so netter und umgänglicher Mensch gewesen wäre. Haha bestimmt nicht. Nein, sondern weil meine Arbeit einfach immer top war! Zahlreiche Aufträge hatte unsere Firma nur meiner Ideen wegen bekommen. Er wusste das. Also blieb ich weiterhin dort und machte den Job, den wir früher zu zweit gemacht hatten, alleine.
Als die Mail kam, dass der halbjährliche Betriebsausflug stattfände, freute ich mich nicht. Ich müsste den ganzen Tag diese debile Diebin sehen. Na wundervoll. Trotzdem ging ich mit. Pflichtübung deluxe.
Wir fanden uns in einem Thermalbad ein.
Dort drückte ich den Kopf dieser rothaarigen Intrigantin mehrmals unter Wasser. Ich liess sie wieder auftauchen und ein bisschen Luft holen. Sie bettelte mich an. Ich drückte sie wieder unter Wasser. Beim nächsten Auftauchen versuchte sie, mich zu schlagen und zu kratzen. Ich schlug ihr meine Faust mitten in die Visage und drückte ihren abscheulichen Kopf wieder unter Wasser. Das Wasser verfärbte sich rot. Rot vom Blut, dass aus ihrer gebrochenen Nase strömte.
Kurz bevor ihre Lebenslichter erloschen, liess ich sie wieder auftauchen. Sie hustete und japste nach Luft. Ich schwamm selig davon.
Später sah ich sie wieder. Sie stand alleine im Becken mit dem pissgelben Wasser. Mit dem Rücken zur Beckenwand. Als sie mich kommen sah, brach sie in Panik aus. Ich stieg in das Becken, schlug ihr dreimal meine Faust in den Magen und ging wieder. Als ich mich umdrehte sass sie zusammengesackt auf der Treppe und weinte, wie ein kleines Mädchen.
Als wir dann später vor dem Thermalbad standen, ging ich auf sie zu und fragte, ob sie nun endlich die Wahrheit preisgeben würde. Sie weinte und schüttelte den Kopf. Ihre spröden Haare bewegten sich kaum. Furztrocken. Wohl noch nie von Haarkuren gehört...
Wir fuhren zur Zahnradbahn. Während der Fahrt fragte ich sie nochmals. Sie verneinte. Also fragte ich sie, ob sie schon mal gesehen habe, was so eine Zahnradbahn mit einem Menschen mache, wenn er versehentlich zwischen die Räder und die Gleise gerate. Irritiert starrte sie mich an. Nicht wissend, ob ich ihr so etwas antun würde oder nicht. Ich genoss die in ihr aufkeimende Panik richtig.
Vom Betriebsausflug sind wir ohne Sarah zurückgekommen.
Keine Sorge, sie liess ihr leben nicht verkeilt und verschmiert in der Maschinerie einer Zahnradbahn. Ich töte doch nicht vor so vielen Zeugen.
Dummerweise wurde sie von einem vorbeifahrenden LKW erfasst und setzte ihre Reise eingekeilt in dessen Radkasten fort. Dieses Geschmiere auf der Strasse, nach dem er sie erwischt hatte, war ekelhaft. Blut und Hautfetzen und ich meine ein paar Zähne gesehen zu haben. vielleicht waren es auch Knochen? Wer weiss das schon.
Übrigens schreibe ich diese Geschichte in meinem neuen Eckbüro mit den grossen Fenstern, die eine wunderbare Aussicht über die Stadt zulassen.
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