Posts mit dem Label Pendlerleben werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Pendlerleben werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 24. Februar 2018

"Die huere schiss SBB immer!"

Meine lieben Leser, heute durfte ich mal wieder eine Erfahrung machen, über die ich Euch unbedingt berichten muss. Ereignet hat sich alles genauso, wie es hier zu lesen steht, heute Morgen.

Noch in meinem gemütlichen Zuhause stehend, blicke ich auf die Uhr. Uuups. Ein bisschen spät dran bin ich. Die Zeit reicht nicht mehr aus, um noch meine neuen Timberland Schnürstiefel anzuziehen. Das Schnüren dauert immer ewig. Also schlüpfe ich in meine UGGs. Ohnehin die bessere Entscheidung, bei diesen sibirschen Temperaturen. Ich greife nach meinem Schlüssel, schultere die Tasche und eile aus dem Haus, direkt zur Bushaltestelle. Es ist bereits 07:37 Uhr. Um diese Zeit sollte der Bus die Haltestelle verlassen. Obschon Samstag ist, kommt der Bus zu spät. Mein Glück. Um 07:40 Uhr fährt er, mit mir im Innern, gen Bahnhof. Einige Menschen hechten noch in den Avec. Laut SBB-Fahrplan bleiben ihnen dafür ganze drei Minuten. Mir wäre das zu stressig, jedoch scheinen manche Menschen nicht auf ihr Comella und ihr Gipfeli verzichten zu wollen/können.
Ich für meinen Teil gehe direkt zum Perron. Die Anzeigetafel zeigt uns, weiss auf blau, dass die S-Bahn pünktlich abfahren wird. Nämlich um 07:46 Uhr. Als sie um 07:48 Uhr noch nicht zu sehen, ist das für die geübten Pendler noch kein Grund, um in Panik auszubrechen. Wir sind uns das ja gewohnt. Besonders unter der Woche und wenn es kalt ist, oder wenn Schnee fällt. Oder wenn es stark regnet. Oder wenn es richtig heiss ist. Oder wenn es neblig ist. Oder wenn es windet. Oder wenn das Wetter überhaupt keinen Grund spielt. Jedenfalls erklingt dann eine Durchsage, die ich sogar höre, da ich meinen BOSE QuietComfort35 zwar trage, aber dieser noch ausgeschaltet ist. Die bekannte, halbmenschliche und halbmechanische pseudo feminie Stimme teilt uns mit:

"Die SX nach Olten wird
ca. 10 Minuten später abfahren. 
Grund dafür ist das Abwarten
auf einen anderen Zug."

Hiess es nicht mal, dass keine Züge mehr abgewartet würden? Dies war wohl nur ein leeres Versprechen. Jedenfalls reichen meine Mathematikkenntnisse gerade noch aus, um kurz die Uhrzeiten gedanklich zu überschlagen. Wenn die S-Bahn um 07:56 Uhr abfährt, bei einer Fahrzeit von 4-5 Minuten und der Anschluss gen Zürich HB um 08:00 Uhr abfährt, habe ich keine Chance diesen zu erwischen. Also öffne ich meine STARBUCKS-App und prüfe, ob ich auf meiner Goldcard noch genug Geld für einen Grande Latte habe. 
Eine Frau stampft ganz hecktisch von einem Bein aufs andere. Ein junger Typ, ebenfalls BOSE tragend, zündet sich noch eine Zigarette an. 
Dann, um 07:54 Uhr verlässt die S-Bahn den Bahnhof, mit uns halb durchgefrorenen Pendlern an Bord. Sie beschleunigt. Das bedeutet, ich könnte den Anschluss nach Zürich noch schaffen. Ich stehe bei der Tür, wie immer. Mir gegenüber steht eine Frau, die ganz zwangsneurotisch alle 50 Sekunden auf ihre Armbanduhr starrt, den Kopf schüttelt, aus dem Fenster schaut und dann das ganze Spiel von vorne beginnt. Ich bin amüsiert. Aus einem Abteil hört man genervte Menschen. Aus einem anderen Abteil höre ich "Easy, de nänd mer haud de Nögscht!"
Kurz vor Olten wird die S-Bahn immer langsamer und hält schliesslich an. Sie steht drei Minuten. "Ned e mol en Info gänds dore, die Schofsäckle!", hört man ein altes Müeti wettern. JAWOLL! Nicht einmal eine Info bekommt man! Na und? Wir wissen ja ohnehin, dass der Zug Verspätung hat. Dann spielen diese 3 Minuten auch keine Rolle mehr. 
Die Menschen drängen sich, wie Vieh, zu den Türen. Als ob sie so schneller am Bahnhof wären. 
Um 07:59 Uhr öffnen bleibt der Zug in Olten stehen. Die Türen öffnen sich und die ganze gestresste Pendlerschaar ergiesst sich übers Perron. Wenn es um Leben und Tod geht, ist sich jeder selbst der Nächste. So auch an den Bahnhöfen. Viele Menschen mit Koffern hetzen gen Unterführung. Ein auf dem Perron stehender Mann wird von einer hektischen und bekofferten Trulla gerammt. "Chasch ned luege?!", ruft er ihr hinterher. Sie erwidert, während sie an mir vorbei rennt "Ja du au, du dumme Siäch!". Koffer werden gegen Säulen, Mülleimer und Beine geschlagen. Hinternisse müssen bezwungen werden! Menschen werden geschubst, gerammt, zur Seite gedrängt. Dass es zu keinem Blutbad gekommen ist, grenzt hier an ein Wunder.
Wie kann man sich zivilisiert nennen, wenn man sich wegen einer simplen Verspätung aufführt wie Wilde?! Selbst eine wilde Affenbande hat mehr Anstand, als dieses Geschmeiss an den Bahnhöfen!

Vor den Treppen bilden sich Trauben aus Menschen. Jeder will so schnell wie möglich nach unten. Und schon kräht eine ältere Frau mit Brille und dem typischen Haarschnitt:

"Ufd Site!!! Mir müend an Flughafe!!!"
"Üse Flug goht am Zähni!"

Erstens wird sie bestimmt die Einzige, unter all den bekofferten Menschen sein, die zum Flughafen muss.
Zweitens hat sie selbst Schuld. Welcher Mensch, der bei klarem Verstand ist, plant so wenig Zeit ein? Olten-ZRH mit dem Zug dauert locker eine Stunde. Dann muss man noch durch den Flughafen, zum Check-in, sein Gepäck aufgeben und dann ist man bereits einer der Letzten beim Boarding - wenn man überhaupt pünktlich ankommt. Das sind dann genau die Menschen, die so geheckt durch den Flughafen rennen und sich überall vordrängeln. Sie dürfen ja, schliesslich müssen sie ihren Flug erwischen! Alle anderen Menschen, die vor dem Security Check warten, müssen ja sicher nicht auf einen Flug. Die machen das einfach hobbymässig. 

Ein Gesicht in der Menge schaut extrem finster umher. Der Mund öffnet sich:

"Die huere schiss SBB immer!"

Die bekofferten Menschen rennen zu Gleis 3. Es ist jedoch aussichtslos, denn der Zug gen HB steht schon gar nicht mehr dort. Wenn die Leute in ihrer Panik mal rübergeschaut hätten, hätten sie den Zug abfahren sehen können. Keine Minute hat er gewartet.
Was soll's? Um 08:20 Uhr fährt ja dann der ICN auf Gleis 7 nach Zürich. Ich werde den nehmen. Also schlendere ich amüsiert zu Gleis 7/4. Durch die Fenster eines auf Gleis 4 wartenden Zuges sehe ich das Szenario auf Gleis 3. Menschen mit verwirrten, irritierten, erznüten und sogar verzweifelten Gesichtern tummeln sich, wie die Figuren in Sims. Ohne ein Ziel. Sie sind einfach da. Ausgesetzt in einer wahnsinnig gewordenen Welt. Ohne Hoffnung. Ohne Glück. Ich muss unweigerlich lächeln, denn ich sehe Frau Ufd-Site-Mir-müend-an-Flughafe. Na dann, kann sie ja auch den ICN nehmen. Vielleicht sehe ich sie dann ja nochmal? XD
Gerne wüde ich mir dieses unterhaltsame Schauspiel noch ein bisschen länger ansehen, aber ich lebe in panischer Angst davor, dass meine Augenlider erfrieren und abfallen könnten, wie damals 1812 bei einigen Soldaten Napoleons während der Rückkehr aus dem Russlandfeldzug geschehen, und begebe mich ins Innere des Starbucks, wo meine Goldcard tatsächlich noch genug Geld für einen Grande Sojalatte gespeichert hat. Geld und Kaffee wechseln die Besitzer. Was für ein wunderbares Tauschgeschäft! 

Ich begebe mich aufs Perron und warte auf den ICN. Weiter hinten in der Menge sehe ich Frau Ufd-Site-Mir-müend-an-Flughafe wieder. Ich hoffe, sie erwischt ihren Flieger in die Wärme (möglicherweise) noch. 

Sonntag, 5. November 2017

Passagiere der 2. Klasse

Dies ist der erste Eintrag, den ich via App verfasse. Auf das Ergebnis bin ich gespannt 😊

Die Zugreisenden unter Euch werden wissend lächelnd und denken, "oh ja, das ist mir bestens bekannt." Jene unter Euch, die jedoch mit dem Auto unterwegs sind werden sich denken "Dafuq o_O ?!"

Ich möchte Euch von meinen allmorgendlichen Zugfahrten berichten. Nach den Ausführungen werde ich kurz auf das Klassensystem zu sprechen kommen. 

Die S-Bahn, mit der ich glücklicherweise nur eine Station fahren muss, bergerrbergt folgende Kategorien von Menschen:

Die Schlafenden
Sie werden überleben, sollte die S-Bahn auf jener 5-minütigen Strecke durch ein Zeitloch fahren, wie etwa die Boeing 767 in Stephen King's Langoliers.

Die Gestressten
Wer von Olten nach Basel reisen muss, ist offenbar mit einer (zu) knappen Transferzeit geschlagen. Jene Passagiere verlassen ihren Sitzplatz in der S-Bahn bereits noch ehe "Nächster Halt, Olten" aus den Lautsprechern erklingt. Sie versuchen dann, sich einen Weg durch die herumstehenden Menschen zu bahnen. Haben sie es zur Tür geschafft, drücken ganz hektisch auf den grün leuchtenden Knopf, welcher der Türöffnung dient - noch bevor das Perron überhaupt erreicht worden ist. Kaum hat sich die Tür dann einen Spalt weit geöffnet m, quetschen sie sich durch, als wären sie Indiana Jones und rennen, als vergolgte sie ein Abgsenandter der Hölle zu ihrem Ziel. Manchmal werden Unschuldige mitgerissen. Mit Opfern ist nunmal zu rechnen.

Die "Grusige"
Berufsschüler. Sie reden einander mit "Du Grusige" an und verhandeln gar gewichtige Themen wie es meine 3 Lieblinge heite Morgen wieder meisterlich  getan haben. Das Gespräch verlief in etwa so:
"Du Grusige mann"
"Eee andersch Grusige mann!"
Ein paar Minuten später trifft der Dritte im Bunde ein begrüsst Seinesgleichen mit einem fröhlichen: "Eee Der Grusige!"
Dann vertiefen sie sich in ein Gespräch, das sich in etwa so zugetragen hat:
"Eeee du Grusige! Du seisch emmer so es Wort. Was bedütet dä mann?"
"Was föres Wort mann?"
"Jo der zwei haud... emmer sones Wort. Was bedütet das Wort mann?"
"Besch blöd?! Mer rede vöu Wort!"
"Du Loschtige Aute! E Wort!!! 😂"
"Jo weisch eine seit emmer öpis we Du beschi ond de chond ebe da Wort."
Einige Von den zwei "Grusige" werden Worte vorgeschlagen, welche aber von dem "Loschtige" verneint werden. Die S-Bahn hat 4min Verspätung und ich höre mir das nun bereits 10min an. In der S-Bahn dann wird gesuchtes Wort gefunden.
"Däin!"
"Jooo vooou Aute! Däin! Wa heisst da?"
"Esch chorz för dangerous mann."
"Ey jo mann. Du besch vou däin!"
"I schwöre, i chome ned drus!"
"Jo du besch ou blöd."
Das ging dann so weiter und irgendwann wurde ich in die Freiheit entlassen.

Toilettensitzer
Ich steige in die S-Bahn und die Toilette ist besetzt. Kurz vor dem Stopp in Olten wird die Tür geöffnet und der Kickbordtyp steht mit Kickbord im Türrahmen. Jeden Morgen. Immer beim gleichen Streckenabschnitt. Immer der gleiche Typ.

Der Türsteher
Ein Typ mit Rollaktenkoffer versperrt regelmässig die linke Türhälfte, weil er direkt dort steht. Folglich haben die ein- und aussteigenden Passagiere leicht weniger Platz und so verzögert sich das ganze. Solche Menschen sind ein Beispiel für Verspätungen.

Die Sozialen
Deren Kopfhörer oder Stöpsel von derart schlechter Qualität sind, oder sie selbst einfach bereits hörgeschädigt, dass sie den ganzen Waggon mit ihrer Musik unerhalten.

In Olten dann habe ich sogar bei meiner fast immer verspäteten S-Bahn genug Zeit den IC zu erreichen. Zum Glück muss ich nicht nach Basel. Das wäre mir ZU stressig.
Und dann kommen wir zu den Menschen, die mich im IC begleiten:

Berufspendler
Wer täglich um die selbe Uhrzeit die selbe Strecke fährt steigt eigentlich immer im selben Sektor oder gar im selben Waggon ein und hat oft sogar einen fixen Sitzplatz. Da der Berufspendler aber weiss, dass jener Platz auch mal von einer anderen Person als Arschparkplatz genutzt werden kann, hat er dann noch so 2-3 Alternativen. Sind diese auch besetzt wird er nervös und marschiert leicht gestresst durch den Waggon.

Die Burschikose
Windundwassrdicht gekleidet in THE NORTH FACE mit Multifunktionsrucksack der selbigen Marke auf dem Rücken und Wanderschuhen an den Füssen, erkämpft sie sich täglich ihren Sitzplatz. Sie braucht ein Tischchen da sie immer beim Minibarwäglimann einen Kaffee bestellt. Neben dem Becher breitet sie das Kaffeebecherzubehör aus: Holzstäbli, Serviettli, Zuckerpäckchen und noch ein Päkchen. Ihre "Auslegeordnung" hat keine Ordnung. Während sie ihren Kaffe getuned hat, bietet das Tischchen das reinste Schlachtfeld aus Abfall. ABER, nachdem der Kaffeebecher leer ist, wischt sie mit dem Serviettli über das Tischchen und entsorgt alles in ihrem Becher, welcher dann ein Ende in der Mülltonne findet. 

Die Frühstückerin
Täglich sorgt sie für unangenehme Gerüche. Ausgerüstet mit einem isolierten und gepolsterten Foodbag, einer Handtasche und einer Gabel sitzt sie immer in meiner Nähe. Oder zuminest in Riechnähe. Mit grimmigem Gesicht sitzt sie da und kaum setzt sich der IC in Bewegung kramt sie nach ihrer Tupperware 

BOSE QuietComfort 35
Oben Genanntes hat sich früher ereignet. Vor längst vergangener Zeit, als ich noch täglich gen Winterthur reisen musste, um einer Arbeit nachzugehen, die ich halbwegs interessant fand (und dennoch habe ich alles gegeben), bei einer Unternehmung, bei der ich nie wieder arbeiten würde - auch dann nicht, wenn mich jemand mit vorgehaltener Waffe dazu auffordern würde. Ja, oh meine Leser, ich würde Gevatter Tod die Hand reichen und mit ihm und seiner auf Hochglanz polierten Sense ins Jenseits schreiten.
Es war im Sommer 2017 (auch bekannt als "mein Jahr!"), als meine gute Freundin Betty bei mir zu Besuch war. Wir verbrachten einen warmen und angenehmen Sommerabend mit einer Bierten und interessanten Gesprächen auf meinen Balkon, als Betty mir von etwas berichtete, das ihr Leben verändert hatte. Sie holte ihre BOSE Quiet Comfort 35 hervor und setzte sie mir auf. Ohne die Noise-Cancelling-Funktion eingeschaltet zu haben, waren die Geräusche der Hauptstrasse, welche an meinem Haus vorbeiführt, gedämmt. Ich war verliebt. Und dennoch! dauerte es weitere 3 Monate, ehe ich mir diese absolute Glückseligkeit kaufen sollte...
Als ein Mensch, der täglich in einem Zug der SBB zur Arbeit pilgert, und sich kein 1. Klasse-GA leisten kann (ja Buchhändler verdienen verdammt schlecht in diesem Land), dachte ich mir, ich leiste mir diesen "Luxus". Ich leiste mir diese Lebensqualität. So tätigte ich eine Bestellung bei Microspot. Aus Gründen meiner Knauserigkeit, wählte ich Vorauskasse als Zahlungsmethode. Denn Microspot verrechnet, obschon nicht mehr legal in diesem Land, Kreditkartengebühren. Nie erhielt ich eine Vorausrechnung. Auch auf meine Anfragen per Kontaktformular erhielt ich nie eine Antwort. Mich überkam das Gefühl, dass Microspot möglicherweise mit Orell Füssli fusioniert hatte, wo es ja auch normal ist, dass man keine Antwort auf eine Mail erhält  - oder erst Tage oder gar Wochen später.
Wie dem auch sei, ich ging wieder online, nur um festzustellen, dass die BOSE QuietComfort 35 in Schwarz ausverkauft waren. SCHEISSE! Doch am HB sollte es sie noch vorrätig haben, also hetzte ich zum HB und traf auf eine wunderbare Angestellte. Als ginge es um Leben und Tod fragte ich, ob sie die BOSE QuietComfort 35 noch vorrätig hätten. Sie bejahte und fragte, in welcher Farbe ich sie haben möchte. Schwarz. Sie öffnete eine Schublade und holte eine weisse Packung hervor, auf denen die Kopfhörer abgebildet waren. Sie zeigte mir die Packung und ich sagte, voller Euphorie, dass sie mein Leben rette. Sie lächelte und meinte, "ich weiss... ich hab sie auch." Wir lachten. Ich bezahlte und ging mit meiner Lebensqualität für CHF 299.- von dannen.
Es muss gesagt sein: Betty, für diese Empfehlung werde ich Dich selbst über den Tod hinaus noch lieben.
Ich empfehle diese Kopfhörer jedem Pendler. Sie schalten die Umwelt stumm. Ich muss mir nicht länger das Gedöns aus diesem billig Kopfhörern meiner Mitreisenden anhören.
Hier kam einstweilen die Frage eines Bekannten auf, weshalb Apple so billige Kopfhörer mitliefere. Oh, meine Leser, Ihr wisst, ich bin Apple-Anhänger durch und durch und würde, so blauäugig es auch klingen mag, nichts von dieser Firma in Frage stellen, dennoch! frage ich mich auch, wieso ich von diesen Apple-Ohrstöpsel-Höhrern jeden verdammten Ton mithören muss? Wieso gibt Apple zu seinen iPods und iPhones nicht bessere Stöpsel heraus?
Dennoch! würde ich nie von Apple zu Microsoft wechseln. Zu sehr liebe ich meinen iMac und mein Macbook.
Gegenwärtig ziehe ich in Betracht, mich in einem Apple-Store zu bewerben. Wieso? Ich liebe die Firma, die hinter diesem angefressenen Apfel steckt einfach. Ich liebe deren Produkte.
Ausserdem werde ich mir für meine Lehrtätigkeit ein iPad zulegen (müssen). Im Jahr 2017 sollte man  möglichst auf Papier verzichten... Dies gelänge mir mit einem iPad. Bisher konnte ich mir nur noch nicht für das Richtige entscheiden...

"Öööö FESTA!"
Ich stehe am örtlichen Bahnhof und lese in Patrick Senécal's 7 Tage der Rache, erschienen im FESTA-Verlag, als ich eine männliche Stimme sagen höre "öööö FESTA!". Ich blicke auf und sehe einen Typen, ca. in meinem Alter, mit BOSE QuietComfort 35 als Krone, der völlig begeistert von meiner Lektüre scheint. Unglaublich aber wahr: wir unterhalten uns über Bücher des FESTA-Verlags bis der Zug ankommt. Wir unterhalten uns während der Zugfahrt weiter. XD
Allerdings schien er ein Edward-Lee-Jünger zu sein. Aber ich denke, dass diese Art der Literatur nichts für mich ist. Wenn es denn nur noch sadistisch und abartig ist, dann lasse ich die Rollos runter und vernagle die Fenster. Nichts für mich. Ihr, oh meine Leser, wisst ja, wie ich die Bücher von "Wrath" James White bewertet habe...
Irgendwo ein bisschen Handlung begrüsse ich eben doch... Aber dazu mehr auf meinem Rezensionen-Blog.

 

Donnerstag, 3. Juli 2014

Pendler-Horror #01

Erst echauffiert sich eine Frau mittleren Alters darüber, dass sich dreiste (eher schlaftrunkene) Menschen in Abteile setzen, deren Fenster mit dem verhassten (besonders bei Durchsagen wie "Zwei Wagen im Sektor D sind geschlossen") "RESERVIERT"-Schild versehen sind. Nachdem sie, gehässigen Tones, erfolgreich alle Menschen in die Flucht geschlagen hat, kehrt für gute 2 Minuten Ruhe ein... Niemand ahnt etwas, vom Grauen, das sich, virusartig sogleich in Gestalt bellender Teenies in den "RESERVIERT"-Abteilen aufteilt. Es wird gekreischt, gelacht, laute Musik gehört und einmal mehr wird demonstriert, dass die Installation dieser Klapptische eine überaus schlechte Idee war, wird doch in gesundem Rhythmus damit Krach gemacht. Und wieder saust die Platte herunter. Und wieder... Und ich würde gerne die Hand des Übeltäters dazwischen legen und so lange (und ausdauernd) mit der Tischplatte darauf schlagen, bis von einst fensten Knochen nur noch feine Splitter übrig sind. In Anbetracht dessen, dass Jemand dieses Blutbad würde aufwischen müssen und mir wohlmöglich eine Geldstrafe auferlegt würde, welche jedoch aufgrund der milden Tat genauso milde ausfallen dürfte, lasse ich es bleiben. Wenn ich es auf eine mehrjährige Haftstrafe und Geldbussen in Millionenhöhe anlegen würde, lüde ich einfach eine Raubkopie eines Films im Internet hoch. Aber mir gefällt es doch recht gut in Freiheit zu leben. 

Am HB angekommen ergiesst sich die Menschenmasse übers Perron. Auch die kreischenden Halbwüchsigen sind mitdabei und übertönen sogar das Quietschen des bremsenden Zuges auf dem Gleis nebenan.

Kurz vor der Rolltreppe, welche mich gleich zum Perron 44 führen wird, werde ich von einem Rollkoffer erfasst. Er rollt dreist über meine Füsse und wird von eben diesen sogleich weggekickt. Der sich in Eile befindende Businessman dreht verdutzt den Kopf. An der Stelle, an der eine Entschuldigung ausgesprochen werden sollte, ertönt lediglich ein seichtes "Oh". In Anbetracht der Zeitenwende, sollte man sich mit einem "Oh" schon zufrieden geben. Schliesslich gäbe es noch drei weitere Möglichkeiten:
a) perfektionierte Ignoranz
b) man wird aggressiven Tones angepöbelt
c) von einem, sicherlich ungewaschenen und daher höchst unhygienischen, Messer wird man durchlöchert

Auf der Rolltreppe kämpfen zwei Mittelalte ums Überleben. Zumindest lässt dieses hitzige Kopf-an-Kopf-Rennen dies vermuten. 

Ilegalerweise halte ich mich vor der 1. Klasse auf und freue mich auf einen hoffentlich nicht so turbulenten Arbeitstag.

NS: mittlerweile befinde ich mich, diesen Beitrag auf meinem iPhone tippend, im IC gen Olten. Der Geruch der Exkremente, die der Toilettenbenutzer gerade ausgeschieden hat, verteilt sich im ganzen Waggon. 
Morgen werde ich mir das Buch vom freundlichen Darm zu Gemüte führen. Und eventuell noch eines über Lüftungssysteme für Zugstoiletten. Dazu noch eines über DIY-Störsender für Handys. Einfach weil mich die Telefongespräche zu so später Stunde (eigentlich egal zu welcher) nicht interessieren. Weder das in den Kongo oder nach Nigeria (diese Sprachen sind recht schwer auseinanderzuhalten). Auch nicht das eine nach Deutschland. 

In dem Sinne: gepriesen seiest Du, Steve Jobbs, und Deine Ingenieure! Hoch lebe mein iPod!

Sonntag, 25. Mai 2014

Geisel der SBB

Dieses Ereignis würde, wäre es denn ein Buch, veröffentlicht bei Bastei Lübbe in der Reihe "Erfahrungen", den Titel tragen: "Ich war eine SBB-Geisel - Die verheerende Geschichte im Kampf um die Freiheit"...

Feierabend! Man möchte nur noch nach hause gehen. Geht zielstrebig durch den "Züri HB", um, am Perron angekommen, beim Anblick eines alten "Kriegswaggons" zurückzuschrecken! Man blickt voller Hoffnung dem Zug entlang und sieht, einzig die Waggons der 1. Klasse sind moderner und klimatisiert. Passagiere der 2. Klasse dürfen sich in nicht klimatisierten, fast schon fossilen, Waggons einfinden. Man zieht ernsthaft in Erwägung, 30 Minuten auf nächsten Zug zu warten...
Fenster und Türen stehen weit offen, sodass ein laues Lüftchen durch den stickigen Waggon weht.
Die Wärme ist erdrückend. Die Luft liesse sich in Scheiben schneiden. Die Gemüter der Passagiere bewegen sich zwischen genervt und kochend vor Wut, was die hitzige Atmosphäre noch mehr aufheizt und dann bellt noch einer mit seiner bebenden Stimme in sein Mobiltelefon rein. Da eine Zweite und noch einer. Es werden immer mehr. Ähnlich den "Zombies" in Stephen King's "Cell" mutieren sie von liebevollen Menschen in schnaubende Bestien, tun sie alle ihren Unmut über die "Unfähigkeit der SBB" kund.
"Eine Katastrophe ist das! Ich ersticke in diesem Scheisszug!"
"Scheiss SBB!"
"Sie haben's wieder geschafft, scheiss SBB!"
und so weiter...

Der Zug setzt sich 6 Minuten zu spät in Bewegung. Alle Fenster stehen offen. Es weht ein kühler Wind durch die Waggons.
Irgendwann kurz nach Spreitenbach bleibt der Zug stehen, um sich schleichend wieder in Bewegung zu setzen.
Ich erinnere mich, an die Erzählung einer Bekannten. Sie erzählte mir, wie sie den SBB-Supergau erlebt hatte. Sass sie in einem Zug, kurz vor dem Tunnel bei Spreitenbach, als alles versagte. Das gesamte Schienennetz war lahm gelegt (wegen eines Eichhörnchens... darüber sollte man jetzt gar nicht weiter nachdenken...). Sie war mit unzähligen anderen Passagieren über eine Stunde lang in dem Waggon eingesperrt. Garend. Irgendwann wurden dann die Türen geöffnet und sie konnten ins Freie und frische Luft atmen. Man bedenke hier, dass bei einem Stromausfall auf keine Klimaanlage mehr funktioniert und sich so ein Waggon, in der prallen Sonne stehend, doch recht schnell aufheizt...

Jedenfalls war es dann 19:00 Uhr und wir hatten noch nicht einmal Aarau erreicht. Ich rief meinen Vater an, ob er mich in Olten abholen möchte, was er dann auch getan hat.
Bei Dulliken schlich die Kiste wieder in einem Tempo, dass man jede Schnecke für einen Sprinter gehalten hätte. Der Gestank der Bremsen durchströmte den Waggon. Wir drohten zu ersticken. War dies ein perfider Plan, um die Überbevölkerung im Keim zu ersticken?

10 Minuten zu spät trafen wir dann in Olten ein. Die Anschlüsse konnten natürlich nicht abgewartet werden. Besonders dann nicht, wenn die Passagiere den Zug nicht verlassen. Die Türen der alten Waggons liessen sich nicht öffnen. Wir standen, einander anstarrend, in den Gängen. Wieder stimmte man in Klagelieder gegen die SBB ein.
Schliesslich sah man ein paar Menschen am Zug entlang gehen. Sie mussten von hinten kommen. So machten sich alle Passagiere auf den Weg zum hintersten Waggon, dessen eine Tür offen stand. Ich hatte glücklicherweise nur zwei Waggons zu passieren. Andere Passagiere hatten da einen weit längeren Fussmarsch vor sich. Tatsächlich, diese eine Tür stand unter Einfluss eines ohrendurchdringenden hohen Pfeiftons offen.
Wir gingen neben dem Zug entlang wieder die ganze Strecke nach vorne in Richtung Unterführung. Ein gestresster Schaffner passierte mich rennenderweise und schrie seinem Kollegen zu, dass sich die Türen nicht öffnen liessen. Noch immer gab es ein paar gefangene Menschen, die hinter den Türen standen und raus in die Freiheit wollten...

Wie ich die Unterführung verlassen hatte und bei den Parkplätzen stand, war auch der Zug nicht mehr am Bahnhof. Offenbar konnten doch noch alle Menschen befreit werden.

Während der Heimfahrt sahen wir einen Zug auf der Brücke Richtung Bern stehen. Der stand einfach still, als würde er auf bessere Zeiten warten. Es war eben dieser Zug mit den Kriegswaggons...

Hach SBB, Eure Passagiere lieben Euch für solche Survival-Abenteuer! ^_^


Samstag, 4. Februar 2012

Unterbruch nach Bern


so geschehen am 4.2.12


Am Bahnhof in Olten in Sektor A stehend höre ich die Lautsprecherdurchsage: "Der IC nach Bern Thun ... verkehrt heute in geänderter Formation." So bewege ich mich nach vorn zu Sektor D. Als der ehemalige Intercity-Neigezug einfährt bin ich bereits irritiert, da dieses Model sonst nie auf dieser Strecke eingesetzt wird.

Als rund 3/4 derStrecke hinter uns liegen ertönt die freundliche Stimme des Lokführers: "Geschätzte Fahrgäste, dieser Zug verkehrt heute nur bis Bern. Grund dafür ist eine Änderung des Rollmaterials..."
Um Anschluss nach Interlaken soll gesorgt sein.
Unmittelbar vor dem Viadukt, der zum Bern Bahnof führt, bleibt der IC stehen. Bald darauf ertönt erneut die Stimme des Lokführers: "Geschätzte Fahrgäste, aus noch unbekannten Gründen verzögert sich die Weiterfahrt. Bitte bleiben sie im Zug." Ich amüsiere mich mit zwei weiblichen Fahrgästen darüber. Nach rund 6 Minuten setzt sich der Zug wieder in Bewegung. Der Anschluss nach Interlaken hat netterweise gewartet. Im Anschlusszug sitzend lausche ich der Durchsage des wohl selben Lokführers: "Geschätzte Fahrgäste, wir verkehren mit einer Verspätung von rund 7 Minuten. Grund dafür war ein Stromausfall im Bahnhof Bern. Wir danken für Ihr Verständnis."

Donnerstag, 12. Juli 2007

Wo sind all die Lokführer hin?

So geschehen im Juli 2007...



Wir sitzen im IC (glaube zumindest, dass es der IC war) in Bern am Bahnhof. Der Zug steht und sollte eigentlich genau jetzt abfahren. Tut er nicht. Als wir alle noch auf dem Perron gestanden und auf unseren Zug gewartet haben, teilte uns die Stimme aus dem Lautsprecher mit, dass irgendein Zug nicht einfährt oder zu spät oder was auch immer, wegen einem Personenunfall irgendwo. Interessierte die wartenden Menschen nicht sonderlich. Mit Ausnahme von den Betroffenen, deren Zug ja nicht gekommen ist. Wie ich es liebe, mich über einen längeren Umweg nach hause durchzuschlagen...
Unser Zug ist noch immer nicht abgefahren. Aber die Stimme aus dem Lautsprecher versichert uns, dass sie uns sofort informieren wird, sobald sie Näheres wissen.

Unser Zug verlässt den Berner Bahnhof mit einer Verspätung von exakt 14 Minuten. Mit einer Begründung, die ich noch nie zuvor gehört habe und welche sämtliche Fahrgäste zum Lachen brachte: "Kein Lokführer vorhanden."

Samstag, 16. Juni 2007

Informationsflut

So geschehen am 16. Juni 2007...



Ich mache mich auf den Weg zum Bahnhof. Die Zeit reicht super. Ich könnte sogar den direkten Zug nach Bern nehmen, der um 06:30 Uhr ab Zofingen fährt. Weil ich an mein gigantisches RedBull denke, und nicht bis Bern warten will, entschliesse ich mich dazu, doch über Olten zu gehen. Gut, mein Zug sollte um 06:35 Uhr ab Zofingen fahren. Mir fällt auf, dass diese alte Kiste recht spät einfährt, aber was soll's. Denke mir nichts mehr dabei.
Ich setze mich in einen der fast leeren Wagen. Durch das Fenster sehe ich den Direkten nach Bern auf Gleis 3. Ein Typ mit Überkleidung steigt aus. Gelb und schmutzig ist sie. Ich fange an über Überkleidung nachzudenken. Wäre nichts für mich. Der Typ setzt sich ebenfalls in diesen Zug, ins Abteil neben meinem.
06:37 Uhr:: Ich höre eine Frau im Abteil hinter meinem sagen: "Schon wieder Verspätung!" Dann geht noch das Licht aus. Und ich höre wie die Frau ihrem Kollegen erzählt, dass sie auf der einen Heimfahrt nach Olten kein Licht im Zug hatten. Die ganze Strecke wäre der Zug ohne Licht gefahren. Eine finstere Reise auf einer Strecke mit zahlreichen Tunnels.
06:40 Uhr:: Eine Angestellte der SBB kommt in den finsteren Wagon. Sie teilt uns mit, dass wir den Regio nach Olten um 06:44 Uhr auf Gleis 3 (!!! DREI !!!) nehmen müssen. Dieser Zug fahre nicht. Der lässige Typ neben an: "Und schaffen wir es morgen? Beim 3. Mal?!" Ich muss lachen. Denn schon am Vortag fuhr der Zug nicht nach Olten. Aber dazu später. Die Angestellte teilte ihm in sehr arrogantem und selbstgefälligem Ton mit, dass sie sich immerhin schon die Mühe mache, durch den ganzen Zug zu gehen! Wow! Grosstat!
Jo, wir pilgern also alle gen Gleis 3 wo der Regio nach Lenzburg steht. Dieser weisse neue Zug. Der fährt gewöhnlich auf Gleis 1. Aber da stand ja noch jener nach Olten, der sich nicht wegbewegen wollte. In grünen Buchstaben verkündet der kleine weisse Zug gut sichtbar, dass sein Ziel Lenzburg ist. Ich schaue auf die Signaltafel des Perrons, die verkündet, dass dieser Zug hiernach Olten fährt. Okey. Möglicherweise haben sie den Text noch nicht geändert. Kommt ja vor. Und schliesslich hat die SBB-Angestellte ja von Gleis 3 gesprochen. Die wird es ja wohl wissen. So ergiesst sich die Menschenmasse, eben noch auf dem Perron stehend, in den kleinen weissen Zug. Die Leute sitzen und stehen darin, alle in der Hoffnung, dass der Boden aufgrund der Überbelegung nicht durchbricht.
06:50 Uhr:: Der Regio von Luzern-Olten fährt ein. Auf Gleis 2. Der kleine weisse Zug wird immer leichter und leichter. All die fehlgeleiteten Passagiere verlassen ihn und eilen zum blauen grossen Regio, wo sie sich verteilen. Sitzend und stehend.
06:51 Uhr:: Der Zug fährt los - etwa. Jene Zeitangabe ist ohne Gewähr. Jedenfalls kommt er viel zu spät in Olten an. Gleich auf dem Gleis daneben fährt der IR nach Bern um 07:04 Uhr. Oke, nehmen wir den. Welch wunderbare Idee! ! !
Jedenfalls ist der Zug fast leer, füllt sich erst in Burgdorf oder so.
07:50 Uhr:: Der Zug fährt in Bern ein. Ich rufe ins Geschäft an und teile mit, dass ich mich wohl um ca. 15 Minuten verspäten werde.
Wieso der 35er nicht nach Olten gefahren ist, weiss ich bis heute nicht. Und heute Morgen habe ich im Buch Wunschkolumnen eben eine Kolumne über die Informationsgewalt der SBB gelesen. Zufälle gibts. ^_^
Kommen wir doch noch kurz zum Vortag:
Der 35er steht bereit. Die Fahrgäste steigen ein. Um 06:27 Uhr ertönt die Lautsprecherdurchsage: "Betriebsstörung in Basel. Wegen einer Betriebsstörung in Basel fährt dieser Regio nicht nach Basel. Betriebsstörung in Basel. Wegen einer Betriebsstörung in Basel fährt dieser Zug heute nicht nah Basel."
Uns egal. Wir wollen ja nicht bis Basel - nur bis Olten. Nachdem keiner der Fahrgäste ausgestiegen ist kommt die Durchsage noch mal: "Betriebsstörung in Basel. Wegen einer Betriebsstörung in Basel fährt dieser Zug heute nicht nach Basel. Dieser Zug bleibt in Zofingen stehen."
Ahaaaa! O_o So ist das. Wir steigen aus und grade reicht es mir noch um den 30er nach Bern zu erwischen. Juuu

Mittwoch, 20. Dezember 2006

Reserviert !

So geschehen am 20.12.2006



Und wieder mal ein Morgen voller Harmonie, Ruhe und Gelassenheit in der Schweiz. Der EC von Olten nach Luzern ist der Schauplatz des Harmonisierens zwischen alten und jungen Menschen und deren Machtspielchen.
Du willst in den Zug einsteigen und wirst von einem Dir entgegen fallenden Fahrgast fast erschlagen. Woher der kommt? Die Frau wollte eben ihren Fuss die erste Stufe setzen als sie von einer Rentnerin und deren Koffer zur Seite geschubst wird. Man ist zwangsweise an ein Rugbyspiel erinnert.
Schliesslich haben wir es auch geschafft, in den Zug zu steigen. Wir gehen durch den Gang. Vor mir: Stau. hinter mir eine gehässige Frau, die mich dauernd anschubst. Sichtlich gestresst ist die Alte. Möglicherweise weil sie schon mit einem Fuss im Grabe steht? Oh ja, ich erkenne die Umrisse des Todes dicht hinter ihr. Er schwingt seine Sense... ^^ Zumindest könnte man das meinen.
Ich mache einen Schritt zurück und dränge sie so nach hinten. Sie drängt sich an mir vorbei - ohne Rücksicht auf Verluste -, knallt einem sitzenden Fahrgast ihre Tasche an den Kopf und herrscht die Leute an, die in einem Viererabteil sitzen: "Wir haben reserviert! Das sind unsere Plätze!" Die Fahrgäste im Abteil sind ganz erstaunt über diesen Tonfall und diese Lautstärke so früh am Morgen und schauen sich ungläubig an. Da brüllt die Alte noch mal: "Das sind unsere Plätze! Da steht es angeschrieben! Könnt ihr nicht lesen?! Verschwindet von hier!" Die Leute stehen auf und wollen das Abteil eben verlassen als die nette alte Frau schon wieder zu krähen anfängt: "Frechheit so etwas!" Sie dreht sich um und sieht, dass auch im Abteil nebenan Reservationsschilder angebracht sind. Da wird es ihr zu viel: "Ihr könnt auch gleich gehen! Da ist nämlich auch reserviert! Macht doch die Augen auf!" In der Schlange hinter mir befinden sich Fahrgäste, die sich auf Kosten des Reibeisens vor mir köstlich amüsieren, sowie auch der Rest des Altersausflugs, von denen allesamt nach vorne drängen. 

GEDULD IST AUS DER MODE GEKOMMEN

Es ist doch wirklich ein Phänomen. Diejenigen, die den ganzen Tag über Zeit hätten zu verreisen, reisen stetig zu Stosszeiten und regen sich dann auf, weil es so viele Leute hat...

Dienstag, 13. April 2004

McDonald's im ICN

Es geschah im Jahr 2004...

Wo soll das alles noch hinführen?!
Sitzt man im ICN von Winterthur nach Olten. Mit dabei, im überfüllten Zug, eine indische Familie. Das ohnehin schon fette Kind schreit und brüllt und heult. Mama holt schnell diese uns allen bekannte braune Tüte hervor, jene mit dem gelben M auf rotem Hintergrund und holt eine Cola und eine Schachtel hervor. Noch immer schreit das fette Kind, welchem eine Schüssel voller Salat besser bekommen würde, wie dieses fetttriefende ungesunde Zeug, welches die gute und ebenfalls fette Mama in den Knaben hinzustopfen beginnt. Obwohl sich nun dieser unangenehme Geruch im ganzen Wagon ausbreitet, ja sich regelrecht in die Sitzbezüge frisst, hat das ganze einen Vorteil: Der fette Knabe schreit nicht mehr. Nein. Manch einer würde sich da glücklich schätzen. Aber nicht jemand, dem Schmatzgeräusche und Ge-ka-utes dermaßen gegen den Strich gehen! Denn der fette Bengel kaut mit offenem Mund, zermantscht diesen ohnehin schon eklig anzuschauenden Burger und schafft es doch irgendwie, nur Gott allein weiss wie, wieder zu schreien! Den Hals könnte ich dir umdrehen! Würde ich vielleicht auch machen, wenn ich nicht in der Angst leben würde, dass du mir dann dein Zerkautes anspucken würdest... Jedenfalls greift die werte Frau Mama, bereit alles zu geben um ihrem Kinde stets zu Hilfe zu kommen, vehement zum Colabecher. Wohlgemerkt: Large! Der fette Junge, im Alter von vielleicht neun Jahren, schafft es doch tatsächlich die Cola zu trinken OHNE dass     sein zermantschter Burger aus dem Mund quillt. Dafür gibts doch immerhin ein BRAVO!!! 

Anmerkung: Nein, der eben erwähnte Geruch ist nicht verflogen, im Gegenteil! Die Fressorgie hat eben erst begonnen: Das fette Kind hat doch tatsächlich diesen BigMac klein gekriegt und macht sich nun, vielleicht aus Angst zu verhungern?, über die große Packung Chicken-Nuggets her. 
Ich verbinde den Geruch so langsam mit dem Nebel in "The Fog- Nebel des Grauens". So furchtbar ist er! Er breitet sich aus. Frisst sich in meine Kleidung, unfähig es zu verhindern sitze ich da und sehe meinem Ende entgegen. Der Geruch hat einen Weg in meine Nase gefunden. Nun ist es aus!
"Nächster Halt, Lenzburg!"
Neeeeeiiiiiiiiin! Sie bleiben sitzen. Entweder weil das noch nicht ihre Station ist oder weil sie ihre Hintern, diese geradezu wuchtigen Hintern, nicht mehr hochkriegen. Wie auch immer, so oder so, mein Elend ist bestehend.
Mit dem Öffnen der Türen hat sich zumindest der üble Geruch etwas verzogen. Heil dir, oh du Sauerstoff! Unverbraucht und klar! Reinheit der Natur! Dir sei Dank!
Mit dem Gedanken, dass es nun nicht mehr schlimmer werden kann schaue ich aus dem Fenster. Eine Stimme: "Ist hier noch frei?" Ein Rentner, der sich ins Abteil neben dem meinigen pflanzt. So viel zum Thema, es kann nicht mehr schlimmer werden! Der MC-Geruch ist nur noch sekundär. Denn geradezu überwältigend ist der Geruch, welcher von diesem "Knochensarg" freigesetzt wird! Ich könnte kotzen. Einfach so auf den Boden kotzen! Wieso duschen die sich nicht mehr? Als ob das nicht schon genug wäre, fängt er an zu röcheln und zu schmatzen, wie die Senioren das so gut können und mich zur Weißglut treiben!
Der ältere Herr verlässt uns in Aarau jedoch. Dem Himmel sei Dank! 
Nun hoffe ich die Strecke bis Olten ohne meine Nase beleidigende Gerüche fortsetzen zu können. Kuhl! Hat geklappt, denn: "Nächster Halt Olten!"
Ich bin frei!!!