Dies ist der erste Eintrag, den ich via App verfasse. Auf das Ergebnis bin ich gespannt 😊
Die Zugreisenden unter Euch werden wissend lächelnd und denken, "oh ja, das ist mir bestens bekannt." Jene unter Euch, die jedoch mit dem Auto unterwegs sind werden sich denken "Dafuq o_O ?!"
Ich möchte Euch von meinen allmorgendlichen Zugfahrten berichten. Nach den Ausführungen werde ich kurz auf das Klassensystem zu sprechen kommen.
Die S-Bahn, mit der ich glücklicherweise nur eine Station fahren muss, bergerrbergt folgende Kategorien von Menschen:
Die Schlafenden
Sie werden überleben, sollte die S-Bahn auf jener 5-minütigen Strecke durch ein Zeitloch fahren, wie etwa die Boeing 767 in Stephen King's Langoliers.
Die Gestressten
Wer von Olten nach Basel reisen muss, ist offenbar mit einer (zu) knappen Transferzeit geschlagen. Jene Passagiere verlassen ihren Sitzplatz in der S-Bahn bereits noch ehe "Nächster Halt, Olten" aus den Lautsprechern erklingt. Sie versuchen dann, sich einen Weg durch die herumstehenden Menschen zu bahnen. Haben sie es zur Tür geschafft, drücken ganz hektisch auf den grün leuchtenden Knopf, welcher der Türöffnung dient - noch bevor das Perron überhaupt erreicht worden ist. Kaum hat sich die Tür dann einen Spalt weit geöffnet m, quetschen sie sich durch, als wären sie Indiana Jones und rennen, als vergolgte sie ein Abgsenandter der Hölle zu ihrem Ziel. Manchmal werden Unschuldige mitgerissen. Mit Opfern ist nunmal zu rechnen.
Die "Grusige"
Berufsschüler. Sie reden einander mit "Du Grusige" an und verhandeln gar gewichtige Themen wie es meine 3 Lieblinge heite Morgen wieder meisterlich getan haben. Das Gespräch verlief in etwa so:
"Du Grusige mann"
"Eee andersch Grusige mann!"
Ein paar Minuten später trifft der Dritte im Bunde ein begrüsst Seinesgleichen mit einem fröhlichen: "Eee Der Grusige!"
Dann vertiefen sie sich in ein Gespräch, das sich in etwa so zugetragen hat:
"Eeee du Grusige! Du seisch emmer so es Wort. Was bedütet dä mann?"
"Was föres Wort mann?"
"Jo der zwei haud... emmer sones Wort. Was bedütet das Wort mann?"
"Besch blöd?! Mer rede vöu Wort!"
"Du Loschtige Aute! E Wort!!! 😂"
"Jo weisch eine seit emmer öpis we Du beschi ond de chond ebe da Wort."
Einige Von den zwei "Grusige" werden Worte vorgeschlagen, welche aber von dem "Loschtige" verneint werden. Die S-Bahn hat 4min Verspätung und ich höre mir das nun bereits 10min an. In der S-Bahn dann wird gesuchtes Wort gefunden.
"Däin!"
"Jooo vooou Aute! Däin! Wa heisst da?"
"Esch chorz för dangerous mann."
"Ey jo mann. Du besch vou däin!"
"I schwöre, i chome ned drus!"
"Jo du besch ou blöd."
Das ging dann so weiter und irgendwann wurde ich in die Freiheit entlassen.
Toilettensitzer
Ich steige in die S-Bahn und die Toilette ist besetzt. Kurz vor dem Stopp in Olten wird die Tür geöffnet und der Kickbordtyp steht mit Kickbord im Türrahmen. Jeden Morgen. Immer beim gleichen Streckenabschnitt. Immer der gleiche Typ.
Der Türsteher
Ein Typ mit Rollaktenkoffer versperrt regelmässig die linke Türhälfte, weil er direkt dort steht. Folglich haben die ein- und aussteigenden Passagiere leicht weniger Platz und so verzögert sich das ganze. Solche Menschen sind ein Beispiel für Verspätungen.
Die Sozialen
Deren Kopfhörer oder Stöpsel von derart
schlechter Qualität sind, oder sie selbst einfach bereits hörgeschädigt,
dass sie den ganzen Waggon mit ihrer Musik unerhalten.
In Olten dann habe ich sogar bei meiner fast immer verspäteten S-Bahn genug Zeit den IC zu erreichen. Zum Glück muss ich nicht nach Basel. Das wäre mir ZU stressig.
Und dann kommen wir zu den Menschen, die mich im IC begleiten:
Berufspendler
Wer täglich um die selbe Uhrzeit die selbe Strecke fährt steigt eigentlich immer im selben Sektor oder gar im selben Waggon ein und hat oft sogar einen fixen Sitzplatz. Da der Berufspendler aber weiss, dass jener Platz auch mal von einer anderen Person als Arschparkplatz genutzt werden kann, hat er dann noch so 2-3 Alternativen. Sind diese auch besetzt wird er nervös und marschiert leicht gestresst durch den Waggon.
Die Burschikose
Windundwassrdicht gekleidet in THE NORTH FACE mit Multifunktionsrucksack der selbigen Marke auf dem Rücken und Wanderschuhen an den Füssen, erkämpft sie sich täglich ihren Sitzplatz. Sie braucht ein Tischchen da sie immer beim Minibarwäglimann einen Kaffee bestellt. Neben dem Becher breitet sie das Kaffeebecherzubehör aus: Holzstäbli, Serviettli, Zuckerpäckchen und noch ein Päkchen. Ihre "Auslegeordnung" hat keine Ordnung. Während sie ihren Kaffe getuned hat, bietet das Tischchen das reinste Schlachtfeld aus Abfall. ABER, nachdem der Kaffeebecher leer ist, wischt sie mit dem Serviettli über das Tischchen und entsorgt alles in ihrem Becher, welcher dann ein Ende in der Mülltonne findet.
Die Frühstückerin
Täglich sorgt sie für unangenehme Gerüche. Ausgerüstet mit einem isolierten und gepolsterten Foodbag, einer Handtasche und einer Gabel sitzt sie immer in meiner Nähe. Oder zuminest in Riechnähe. Mit grimmigem Gesicht sitzt sie da und kaum setzt sich der IC in Bewegung kramt sie nach ihrer Tupperware
BOSE QuietComfort 35
Oben Genanntes hat sich früher ereignet. Vor längst vergangener Zeit, als ich noch täglich gen Winterthur reisen musste, um einer Arbeit nachzugehen, die ich halbwegs interessant fand (und dennoch habe ich alles gegeben), bei einer Unternehmung, bei der ich nie wieder arbeiten würde - auch dann nicht, wenn mich jemand mit vorgehaltener Waffe dazu auffordern würde. Ja, oh meine Leser, ich würde Gevatter Tod die Hand reichen und mit ihm und seiner auf Hochglanz polierten Sense ins Jenseits schreiten.
Es war im Sommer 2017 (auch bekannt als "mein Jahr!"), als meine gute Freundin Betty bei mir zu Besuch war. Wir verbrachten einen warmen und angenehmen Sommerabend mit einer Bierten und interessanten Gesprächen auf meinen Balkon, als Betty mir von etwas berichtete, das ihr Leben verändert hatte. Sie holte ihre BOSE Quiet Comfort 35 hervor und setzte sie mir auf. Ohne die Noise-Cancelling-Funktion eingeschaltet zu haben, waren die Geräusche der Hauptstrasse, welche an meinem Haus vorbeiführt, gedämmt. Ich war verliebt. Und dennoch! dauerte es weitere 3 Monate, ehe ich mir diese absolute Glückseligkeit kaufen sollte...
Als ein Mensch, der täglich in einem Zug der SBB zur Arbeit pilgert, und sich kein 1. Klasse-GA leisten kann (ja Buchhändler verdienen verdammt schlecht in diesem Land), dachte ich mir, ich leiste mir diesen "Luxus". Ich leiste mir diese Lebensqualität. So tätigte ich eine Bestellung bei Microspot. Aus Gründen meiner Knauserigkeit, wählte ich Vorauskasse als Zahlungsmethode. Denn Microspot verrechnet, obschon nicht mehr legal in diesem Land, Kreditkartengebühren. Nie erhielt ich eine Vorausrechnung. Auch auf meine Anfragen per Kontaktformular erhielt ich nie eine Antwort. Mich überkam das Gefühl, dass Microspot möglicherweise mit Orell Füssli fusioniert hatte, wo es ja auch normal ist, dass man keine Antwort auf eine Mail erhält - oder erst Tage oder gar Wochen später.
Wie dem auch sei, ich ging wieder online, nur um festzustellen, dass die BOSE QuietComfort 35 in Schwarz ausverkauft waren. SCHEISSE! Doch am HB sollte es sie noch vorrätig haben, also hetzte ich zum HB und traf auf eine wunderbare Angestellte. Als ginge es um Leben und Tod fragte ich, ob sie die BOSE QuietComfort 35 noch vorrätig hätten. Sie bejahte und fragte, in welcher Farbe ich sie haben möchte. Schwarz. Sie öffnete eine Schublade und holte eine weisse Packung hervor, auf denen die Kopfhörer abgebildet waren. Sie zeigte mir die Packung und ich sagte, voller Euphorie, dass sie mein Leben rette. Sie lächelte und meinte, "ich weiss... ich hab sie auch." Wir lachten. Ich bezahlte und ging mit meiner Lebensqualität für CHF 299.- von dannen.
Es muss gesagt sein: Betty, für diese Empfehlung werde ich Dich selbst über den Tod hinaus noch lieben.
Ich empfehle diese Kopfhörer jedem Pendler. Sie schalten die Umwelt stumm. Ich muss mir nicht länger das Gedöns aus diesem billig Kopfhörern meiner Mitreisenden anhören.
Hier kam einstweilen die Frage eines Bekannten auf, weshalb Apple so billige Kopfhörer mitliefere. Oh, meine Leser, Ihr wisst, ich bin Apple-Anhänger durch und durch und würde, so blauäugig es auch klingen mag, nichts von dieser Firma in Frage stellen, dennoch! frage ich mich auch, wieso ich von diesen Apple-Ohrstöpsel-Höhrern jeden verdammten Ton mithören muss? Wieso gibt Apple zu seinen iPods und iPhones nicht bessere Stöpsel heraus?
Dennoch! würde ich nie von Apple zu Microsoft wechseln. Zu sehr liebe ich meinen iMac und mein Macbook.
Gegenwärtig ziehe ich in Betracht, mich in einem Apple-Store zu bewerben. Wieso? Ich liebe die Firma, die hinter diesem angefressenen Apfel steckt einfach. Ich liebe deren Produkte.
Ausserdem werde ich mir für meine Lehrtätigkeit ein iPad zulegen (müssen). Im Jahr 2017 sollte man möglichst auf Papier verzichten... Dies gelänge mir mit einem iPad. Bisher konnte ich mir nur noch nicht für das Richtige entscheiden...
"Öööö FESTA!"
Ich stehe am örtlichen Bahnhof und lese in Patrick Senécal's 7 Tage der Rache, erschienen im FESTA-Verlag, als ich eine männliche Stimme sagen höre "öööö FESTA!". Ich blicke auf und sehe einen Typen, ca. in meinem Alter, mit BOSE QuietComfort 35 als Krone, der völlig begeistert von meiner Lektüre scheint. Unglaublich aber wahr: wir unterhalten uns über Bücher des FESTA-Verlags bis der Zug ankommt. Wir unterhalten uns während der Zugfahrt weiter. XD
Allerdings schien er ein Edward-Lee-Jünger zu sein. Aber ich denke, dass diese Art der Literatur nichts für mich ist. Wenn es denn nur noch sadistisch und abartig ist, dann lasse ich die Rollos runter und vernagle die Fenster. Nichts für mich. Ihr, oh meine Leser, wisst ja, wie ich die Bücher von "Wrath" James White bewertet habe...
Irgendwo ein bisschen Handlung begrüsse ich eben doch... Aber dazu mehr auf meinem Rezensionen-Blog.
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