31. Juli 2006
Egal
ob der Tag ein Samstag ist, ob es Weihnachtsverkauf ist oder sonst ein
Tag unter der Woche, an dem grad viel los ist. Diese enorme Geduld der Wartenden
ist immer wieder erstaunlich.
Vor
Kasse 1 sammelt sich eine Warteschlange, na ja, eher eine Wartemasse
an, denn in einer Schlange stehen können sie nicht. Sie stehen irgendwo
in der Gegend herum und fragen sich dann auch noch, wieso andere vor
ihnen an die Reihe kommen. An Kasse 1 herrscht viel Betrieb. 3
Buchhändlerinnen stehen dahinter und kassieren ein oder machen
Geschenke. Jawoll Geschenke, denn der Mensch ist ja nicht mehr
selbstständig...
Wir zwei, an Kasse 2 stehende Buchhändlerinnen haben nichts zu tun. Keiner
beachtet Kasse 2. Wird gekonnt ignoriert. Manche wartenden Köpfe
drehen sich ab und an in unsere Richtung, kommen jedoch nicht herüber.
Möglicherweise ist Kasse 2 ja nur Dekoration? Das denke ich auch. Mhm...
"Sie
können auch hier zur Kasse 2 kommen!" ruft meine Kollegin.
Köpfe drehen sich. Fragezeichen verdecken die Gesichter. Soll ich oder
soll ich nicht? Hm... eine gewichtige und auch schwere Frage. Und doch!
Zwei Personen fassen Mut, setzen einen Fuss vor den anderen und machen
sich auf den beschwerlichen Weg zur Kasse 2. Möglicherweise sind ja die
zwei Stufen abschreckend und ein triftiger Grund, wieso Kasse 2 gemieden
wird?
Kaum sind die beiden heil und sicher an Kasse 2 angekommen,
fassen auch andere der Wartenden Mut und begeben sich, ganz dem Gruppenzwang verschrieben, zur Kasse 2.
Soll
einer denken, dass sei immer so, so hat er sich getäuscht. Man kann
auch an Kasse 2 stehen und den Wartenden zurufen. Köpfe drehen sich
eventuell. Aber es kommt auch vor, dass man lieber wartet als die zwei
Stufen zur Kasse 2 hinab zu steigen. Denn Kasse 1 hat ja eine 1 und ist
somit quasi Firstclass. Wer sich herablässt und zur Kasse 2 geht, der
ist nicht mehr in der Upperclass. Oh ja... ich verstehe es ja, dass der
Gruppendruck und natürlich auch das Ansehen an so einem Tag innert
weniger Minuten schwinden kann.
Anderes
Beispiel: J. steht an Kasse 1 und bedient alleine 4 Kunden. An Kasse 2
stellt sich ein alter Veck (Rentner) auf. Kaum angekommen, schaut er
wütend um sich und schreit: "Wird man hier auch bedient?!"
Anderes
Beispiel: Vor Kasse 1 hat sich die übliche Meute versammelt, die ihre
Bücher bezahlen will. Aber längst nicht alle. Von zehn Personen wollen 5
bezahlen, 3 haben ein Buch bestellt und 2 wollen eine Auskunft. Sei es
nun über ein Buch oder über irgendeine Strasse oder ein Geschäft. Möglicherweise auch eine Wegbeschreibung.
Die Buchbesteller
warten geduldig vor Kasse 1, um ihren vorher sorgfältig überlegten
Spruch aufzusagen: "Hallo, ich war vor ca. 4 Tagen hier und habe, bei
Ihrer Kollegin ein Buch bestellt. Der Autor war... Moment... wie hiess
der auch gleich... ähm... ah ja, Jane Austen. Ich weiss den Titel
allerdings nicht mehr. Aber es ist ein Taschenbuch, ein hellblaues
Taschenbuch. Von einem dbv Verlag."
"Bestellte Bücher sind im oberen
Stock an Kasse 4 abzuholen." Und das wars auch schon mit der Geduld.
Genervt erklimmen sie Treppe. Alte Leute nehmen die Treppe, die jungen
benutzen den Lift.
Anderes
Beispiel: Wieder die übliche Meute vor Kasse 1. Ein alter Veck als
einer der Hintersten: "Hier muss man immer warten! Herrgott, geht das
mal vorwärts da vorne!" J. steigt in den Lift und sagt: "Herrgott, im
Coop müssen Sie auch warten!"
© Navi M.
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