Mittwoch, 26. März 2014

Die Gunst Ihrer Majestät der Würfel

Es weint sich aus der Winterhimmel… unter dessen Tränen gehe ich schnellen Schrittes zu diesem seltsamen Gebilde aus Würfeln, zu dem ich von Ihrer Majestät zitiert wurde. 
Am Tage zuvor wurde mir, durch einen Boten Ihrer Majestät ein Schriftstück überbracht, in dem ich zu Hofe zitiert wurde. Natürlich überlegte ich mir, ob es nicht besser wäre ins Exil zu gehen. Irgendwo fernab des Würfelpalastes. Aber ich entschied mich zum würdevollen letzten Gang… 

Zu Hofe wurde ich vom Geschmeiss kritisch beäugt. Es wurde getuschelt. Einige hielten bereits Steine in den Händen. „Der der ohne Sünde ist werfe den ersten Stein“ Sollte dies mir gelten? 

Keine Zeit des Wartens. Ich wurde sogleich zu Ihrer Majestät und dessen Gefolgsmann und Untertan vorgelassen. Ich sollte mich setzen - im Verhörzimmer. Wie im Film wurde mir ein Scheinwerfer ins Gesicht gehalten. Ich wurde angebrüllt: „Gestehe! Gestehe endlich! Verdammtes Weibsstück! Gestehe!“
Gar grausge Sünden, welche mir zur Last gelegt wurden sollte ich gestehen getan zu haben. Einiges entsprach der Wahrheit. Anderes war zu verschleiert, als dass man von wahren Begebenheiten hätte sprechen können. 
Mir wurden Bilder gezeigt. Bilder auf denen einstige Kollegen abgebildeten waren, welche das Verhör nicht überstanden hatten. 
Ich schwieg. 
Die Daumenschrauben wurden angelegt. Ich schwieg. 
Mir wurde kontinuierlich mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen. Ich schwieg. 

Der Untertan Ihrer Majestät brüllte mich, die Nerven bereits verloren, an: „Gestehe! Gestehe endlich! Verräter! Du sollst brennen! Brennen sollst Du!!!“
Ich schwieg. 

Ihre Majestät erhob sich. In den mit pompösen goldenen Ringen geschmückten Fingern hielt er eine Schriftrolle, welche er ausrollte. Mit einem selbstgefälligen überlegenen Grinsen, las er mir meine Vergehen vor…
 - INSUBORDINATION
 - PERFIDIE
 - HOCHVERRAT
Je nach dem war die Strafe Folter oder Tod durch Folter. Mir wurde unterbreitet zu gestehen, damit ich einen schnellen fast schmerzfreien Tod sterben würde. Sollte ich weiterhin nicht gestehen, sollte ich brennen. Also waren die Steine des Geschmeiss’ nicht für mich bestimmt gewesen. Immerhin ein Trost, wenn auch ein schwacher. 

Während mir mit einer recht stumpfen Klinge, der grosse Zehe abgesäbelt wurde, sollte ich meine Unterschrift unter das, mit krakeliger Hand verfasste, Geständnis setzen. Ich musste 8 Zehen, 3 Finger und ein Ohr einbüssen, ehe die feinen Herren zu der Einsicht kamen, dass ich die mir vorgeworfenen Vergehen nicht begangen hatte. 

Ihre Majestät war ratlos. Ihrer Majestät Untertan kochte vor Wut. Er wusste es. Er wusste genau, dass ich die Schreiben verfasst hatte, welche das Königreich in Verruf brachten. Sämtliche Schriftstücke waren aus meiner Hand verfasst worden. Dennoch gestand ich nicht. Wozu auch? 
Ihrer Majestät blonder Untertan rückte seine Brille zurecht und bemerkte, „Selbst wenn dieses Weibsstück schuldig ist, ohne die 3 Finger ihrer rechten Hand, wird sie keine Schriftstücke mehr verfassen können.“
Er hatte ja keine Ahnung, dass ich die Schreiben mit der linken Hand verfasst hatte. 
Ich wurde aus dem Verhör entlassen und von den mir zur Last gelegten Vergehen freigesprochen. Sobald etwas Zeit verstrichen ist, werde ich erneut Schriftstücke unters Volk bringen. Sollten sie mir den linken Arm nehmen, werde ich die Texte diktieren. Schneiden sie mir die Zunge heraus, werde ich dennoch in der Lage sein, meine Schriftstücke zu verbreiten. Und selbst wenn sie mich töten, so werden meine Schriftstücke doch weiter existieren. 
Das Volk weiss, um die finsteren Machenschaften Ihrer Majestät Untertan und wird sich auflehnen. Verteidigungsanlagen werden errichtet werden. 

Gestern erst hörte ich die Stimme eines alten Mannes sagen: „Lass uns gehen zu Henri, und sprechen über REVOLUTION.“

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