Dienstag, 2. September 2008

Zug 236.781.006


Sonntagmorgen 6:46 Uhr. Sie sitzt im Zug. Ist auf dem Weg zur Arbeit. Schon wieder wird sie ihren freien Sonntag in ihrem Büro verbringen. Der Wagon ist leer, bis auf den Platz vorne rechts am Fenster. Da sitzt sie. Sie trinkt ihren Kaffee, ohne den sie nicht in die Gänge kommen würde. Seit sie diesen Job hat, haben sich nicht nur die Arbeitsstunden verdoppelt sondern auch ihr Kaffeekonsum. Sie nimmt einen Schluck und sieht zu wie es Tag wird. Ein ruhiger, sonniger Herbsttag. Sie freut sich auf einen warmen Tag.
Die nächste Station wird angesagt. Der Zug hält. Sie findet es erst nicht seltsam, dass der Zug nicht am Bahnhof sondern weit davor stehen bleibt. So etwas kommt ja schliesslich öfters vor.
Die Lautsprecher scheinen eingeschaltet zu sein. Ein Rauschen ist zu hören. Harmlos und doch unschön. Sie denkt an den Fernseher aus "The Ring" und muss lächeln.
Sie schaut wieder aus dem Fenster und sieht auf der rechten Seite direkt am Bahngleis ein altes Haus stehen. Obwohl sie diese Strecke jeden Tag fährt, ist ihr dieses Haus noch nie aufgefallen. Das Rauschen aus dem Lautsprecher wirkt immer bedrohlicher. Das ganze Geschehen wirkt unheimlich auf sie. Eine höchst unheimliche Atmosphäre denkt sie. Das Haus scheint steinalt zu sein und doch hätte sie schwören können, dass es noch nie dort gestanden hat. Kaputte Fensterscheiben hinter die Bretter genagelt worden waren. Risse im Gemäuer, tief und breit. Schmutzige Vorhänge. Vergammelte Pflanzen um das Haus herum. Toter Efeu an den Mauern. Spinnennetze, Bienenstock, Misthaufen oder Kompost auf dem sich Maden tummeln. Angewidert schaut sie weg. Aus dem Lautsprecher sind nun neben dem Rauschen auch Stimmen zu hören. Eine dumpfe, röchelnde und hohe Stimmen, welche irgendwelche Laute von sich geben, und diese sind kaum zu hören, denn das Rauschen der Lautsprecher wird immer unerträglicher.
Sie steht auf, geht zu den Türen und will hinaus. Doch die Türen bleiben verschlossen. Sie geht wieder zu ihrem Sitzplatz zurück mit dem unguten Gefühl beobachtet zu werden. Tatsächlich! Einer der Vorhänge hat sich beweg! Oh Gott! Nun glaubt sie zu vernehmen, dass etwas um den Zug herum schleicht. Sie spürt die Panik in sich aufsteigen und rennt wieder zur Tür, die sich noch immer nicht öffnen lässt. Sie zieht am Hebel der Notöffnung.
In den Wagons hinter dem Ihren, sind etwa zehn Leute verteilt. Vor den Türen standen Männer mit Schweineköpfen, die sie als Masken tragen. Bedrohlich führen sie Messer und Stichwerkzeuge mit sich. Die Türen lassen sich von Aussen nicht öffnen. Die Menschen beten und hoffen, dass die Türen verschlossen bleiben  und der Zug sich bald wieder in Bewegung setzen möge.
Alle Türen öffnen sich. Die Menschen in dem hinteren Zugteil versuchen zu fliehen. Die Maskierten sind jedoch schneller. Ein Fahrgast nach dem anderen wird aus dem Zug geholt.
Sie springt aus dem Wagen, direkt in die Arme einer der Schweineköpfe. Auch sie wird mit allen anderen in das unheimliche Haus geschleppt...
Der Zug fährt weiter, Luzern entgegen.

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