Sonntag, 30. April 2017

wandernder Dickdarm mit Reisekrankheit

Der Titel verrät es bereits. Es ist an der Zeit nun nicht mehr länger von meiner Hausärztin sondern von meiner ehemaligen Hausärztin zu sprechen.
Die Schmerzen im Unterleib kämen wohl vom Dickdarm. Könnte eine leichte Entzündung sein. Die Entzündungswerte im Blut waren dann aber bei 0,0000... Möglicherweise hätte ich einfach die Reisekrankheit und die Schmerzen würden sich dann wieder legen, sobald ich in den Ferien weile.
Da die Schmerzen aber vielmehr im Bereich der Leiste angesiedelt sind, gehe ich davon aus, dass mein Dickdarm gewandert ist. Vielleicht ja weil er an der Reisekrankheit leidet?

Heute habe ich knapp 2 Stunden meines Lebens im Notfall des hiesigen Krankenhauses zugebracht. Um die Wartezeit zu überbrücken hatte ich Tammy Cohen's neues Buch dabei.

Ein Rentner meldete sich bei einer der Schwestern und klagte darüber, dass er nicht den ganzen Tag Zeit habe. Er habe noch einen Termin! Genosse Rentner, dies ist eine Notaufnahme. Mit Wartezeiten ist zu rechnen. Würde ich dort arbeiten, würde ich mich wohl eXtrem über solche Patienten aufregen...

Jedenfalls durfte ich dann wieder gehen, mit einem Rezept für eine Ladung Medikamente.
Es ist nun offiziell! Ich darf fliegen! Dann äusserte man sich mir gegenüber (einfach um mein internes Freudenorchester zum Schweigen zu bringen), dass Japan ja ausgezeichnete Krankenhäuser habe, falls etwas sein sollte... Danke.

Ich habe mir, möglicherweise beim Trampolin-Workout (oder einfach durch meine Fettheit) einen Leistenbruch zugezogen. Einer, der nicht so schlimm ist, dass man gleich operieren müsste. Andere Menschen laufen 8 Monate mit einem Leistenbruch umher. Das beruhigte mich dann doch ein bisschen, besonders nachdem ich gelesen hatte, dass das Gedärm davon flutschen und sich so einklemmen kann, was dann eine sofortige Notoperation zur Folge hat - es sei denn, man möchte das Zeitliche segnen.

Tja und so gehe ich mit einem Leistenbruch und 4 Packungen Medikation in den Urlaub. Eigentlich hatte ich ja den zweiten Hiking Trail in Kamakura geplant, aber angesichts meines defekten Daseins, denke ich, es ist von Vorteil übermässige Anstrengungen auszulassen.
Mein anfänglicher Scherz, von wegen ich würde mich dieses Jahr nur auf dem Balkon meines Apartments in Tokyo aufhalten und sonst nichts machen, wird wohl fast die traurige Wahrheit... Wir werden sehen.

Sollte ich mich zu einer Notoperation im St. Lukes, welches wir ja bereits kennen, einfinden, werde ich natürlich darüber berichten. In dem Sinne: schöne Ferien! 

Samstag, 26. November 2016

Das Schweizer Messer



Bei der Wahl eines adäquaten Titels, dachte ich mir,  ich könnte einen wählen, der so gar nichts mit dieser freundlichen Geschichte am Hut hat - so wie der Heyne Verlag das bei den Büchern Richard Laymons zu machen pflegt.
Zu Ehren Vitali Kaloyevs steht nun eine mögliche Mordwaffe im Titel. Wo die Geschichte jedoch hinführt, dies werden wir noch sehen...

Die Boeing 747-406 mit dem Namen City of Seoul der holländischen KLM stand geduldig am Gate und wartete darauf, die nächsten Passagiere beherbergen zu dürfen. Einer der 197 Economy-Sitzplätze sollte Bob gehören. Bob hatte von einem seiner Angestellten gehört, dass der stabilste Teil eines Flugzeugs die Mitte sei. Direkt bei den Tragflächen. Zwar grämten ihn die CHF 45.- Gebühren, um einen Sitzplatz wählen zu können, jedoch hing er an seinem Leben und so entschied er sich für Platz 37K. Direkt über den Tragflächen am Fenster. Aber wir greifen etwas vor...

Bob Lazina, der bei seinen Angestellten unter den Namen Lazy Bob, der fette Bob oder auch nur Blob, bekannt war, hatte endlich mal wieder Urlaub von seinen lästigen Angestellte, die ihn und die Unternehmung nur Geld kosteten und wollte es sich gut gehen lassen. Allerdings hatte er keine Ahnung, wohin er verreisen sollte und parkierte seinen voluminösen Hintern daher auf den Schreibtischen diverser Angestellter, um nach einem angenehmen Ferienort zu fragen und sie von ihrer Arbeit abzuhalten. Karibik, USA, Thailand, Japan, China, Singapur... etc.
Dolores empfahl ihm einen Aufenthalt in Kyoto, Japan und meinte, er solle den Flug bei der KLM buchen, weil die noch einen erstklassigen Service bieten würden. Japan interessierte Bob gar nicht, aber als er von den Onsen genannten Thermalbädern gelesen hatte, in die man sich nackt setzte, buchte er sich kurzerhand einen Flug nach Japan und ein Hotel in Hakone, dem Ort fürs Nacktbaden.

Bob Lazina reihte sich fluchend hinter den Wartenden vor dem Security Check des Zürcher Flughafens ein. Wieso ein Mann von seinem Format mit solch einem Pöbel warten musste, konnte er nicht nachvollziehen. Als er endlich heran gewinkt wurde, fluchte er die sogenannten Bodychecker an, weshalb sie so langsam arbeiten würden. Wäre er ihr Boss, hätte er sie längst alle gefeuert. Annie, die seit 10 Jahren in diesem Beruf arbeitete, kannte solche Aufschneider und blieb daher unbeeindruckt, was Bob noch mehr in Rage versetzte. Widerwillig entledigte er sich seines Gürtels, der Geldbörse uns seines Palm. Ja richtig gelesen. Bob war einer der wenigen Menschen, die im Jahr 2016 noch ein Palm benutzten. Seine Rolex wollte er jedoch anbehalten, schliesslich könnte die ja abhanden kommen und so dauerte die Abfertigung des grossen Bob Lazina gute 10 Minuten...

Der Flug von Zürich nach Schiphol verlief ohne grosse Probleme, ausser dem Einen. Der Sitz war etwas zu schmal, als dass der voluminöse Bob darin Platz gefunden hätte. Sein Fett schwabbte auf den Nachbarsitz, wo sich ein dünnes Mädchen ans Fenster quetschte, um bloss nicht von ihm berührt zu werden.

Beim Security Check in Amsterdam fluchte Bob erneut. Weshalb er nochmals kontrolliert würde?! Schliesslich hätten die Schweizer das schon gemacht und diese würden bestimmt einen besseren Job machen, als die Holländer oder irgendwelche Inder, die in Holland lebten und ihm seine Rolex abknüpfen wollten. Der Inder, blieb unbeeindruckt. Zum Einen, weil Bob nicht der einzige Mensch mit zu grossem Ego war und zum Anderen, weil er ihn kaum verstehen konnte. Bob's Englischkenntnisse liessen zu wünschen übrig. Besonders die Aussprache.

Beim Boarding drängelte er sich vor, weil es einfach nicht schnell genug voran ging. Endlich parkierte er seinen gewaltigen Arsch auf Sitz 73K der B747-Combi. Als sich eine Frau mit einem schreienden Baby in die Reihe hinter Bob setzte, platzte ihm endgültig der Kragen. Erst fauchte er die Frau an, dann die Flight Attendant. Die Economy war ausgebucht und so bekam die Frau mit ihrem Baby einen Sitz in der Economy-Comfort, wo kein Passagier etwas sagte, die Blicke jedoch Bände sprachen. Glücklich war man nicht...
Bob schäumte vor Wut, weil dieses Weibsstück ein Upgrade erhalten hatte. Vielleicht würde er künftig doch First Class fliegen, wobei das zu teuer war...

Der Start verlief ohne Schwierigkeiten, doch während Bob im kleinen Bildschirm "A Walk in the Woods" schaute, schreckte er aufgrund eines seltsam mechanischen Geräuschs zusammen. Er blickte aus dem Fenster, konnte aber ausser Rauch nichts erkennen. RAUCH! Bob brüllte nach einer der Flight Attendants. Diese versuchte ihn zu beruhigen. Der Pilot habe alles im Griff. Kaum hatte sie ihren Satz beendet, ertönte die Stimme des Piloten aus dem Lautsprecher. Triebwerk 3 funktionierte nicht mehr richtig und wurde abgeschaltet. Bob brach in Panik aus. Sein Sitznachbar, ein Aviatikstudent, versuchte ihn zu beruhigen, in dem er ihm erklärte, dass der Ausfall von einem Triebwerk kein Problem darstelle.
Eine Stunde später hörte Bob erneut diese seltsamen mechanischen Geräusche. Er schaute aus dem Fenster uns sah in der Dunkelheit der Nacht gerade noch die Flammen, die vom defekten Triebwerk zur Tragfläche hoch züngelten. Es gab einen lauten Knall und just in dem Moment, in dem Bob losbrüllen wollte, verspürte er einen stechenden Schmerz in seiner Flanke. Er blickte nach unten und sah ein Loch in der Wand unterhalb des Fensters. Er sah Blutspritzer und realisierte, dass ein Teil des Triebwerks order der ausgefransten Tragfläche in seiner Seite steckte. Mit dem Realisieren seiner Verletzung kam der Schmerz. Unvorstellbare Qualen. Die Passagiere, die in seinem Umkreis gesessen hatte, waren auf die andere Seite der Maschine geflohen. Bob war allein. Ihm wurde warm und immer wärmer. Durch die Fensterscheibe konnte er die direkt davor tanzenden Flammen sehen. Auf seiner Haut bildeten sich Blasen. Bob schrie und brüllte aus Leibeskräften. Ihm wurde bewusst, er würde verbrennen. Ein weiterer Knall und weitere Metallteile schossen durch die Wand der Boeing 747. Bob wurde durchlöchert. Er verlor sein rechtes Bein, unterhalb des Knies. Das heisst, der Rest des Unterschenkels baumelte an ein paar Sehnen. Bob's rechte Gesichtshälfte schmolz dahin, vergleichbar mit dem Käse auf einer Pizza, und wurde allmählich schwarz. Seine rechte Körperhälfte war mit Brandblasen übersät und drohte ebenfalls schmelzen. Aus Bob's schreien wurde ein Gurgeln. Das Triebwerk wurde abgestellt. Da ertönte die Stimme des Piloten "Passengers, brace for impact."

Jene Passagiere, die auf die andere Seite des Flugzeugs geflohen waren, suchten nach freien Plätzen und hielten sich fest, wo sie nur konnten.
Die Airtrafficcontroller im Tower des Flughafens Moskau-Domodedowo hatten Sichtkontakt zur B747, die sich im Landeanflug befand. Schwarzer Rauch war zu sehen. Die Boeing sank immer tiefer und sämtliche Augenzeugen hielten den Atem an und ihre Kameras bereit. Die Flughafenfeuerwehr war bereit, ein Inferno zu beseitigen.
Der Kapitän setzte mit der City of Seoul sicher auf der Landebahn auf und brachte sie zum stehen. Auf der linken Seite der Maschine wurden die Türen geöffnet und die Notrutschen heruntergelassen. Die Passagiere wurden evakuiert.
Bei der Landung wurden 34 Menschen leicht verletzt. Die weiteren 177 Passagiere kamen unbeschadet davon und so auch die Besatzungsmitglieder.

Das brennende Triebwerk wurde gelöscht. Zwei Männer der Flughafenfeuerwehr betraten die Kabine und fanden einen stark verkohlten Passagier. Sie glaubten ihn tot, bis dieser ein Röcheln von sich gab. Bob wurde aus seinem Sitz gehoben und ins nächste Krankenhaus befördert, wo er unter starken Schmerzen in einem 4-er Zimmer liegt. Ja liegt. Bob Lazina hat Berühmtheit erlangt, als der Mann, der als einziger ernsthafte Verletzungen davongetragen und mit derart starken Verbrennungen überlebt hat. Die Ärzte sagen, es sei ein Wunder, dass er seinen Verletzungen nicht erlegen ist und sie würden alles Mögliche tun, damit er durchkommt.
Bob Lazina wünscht sich wohl, er wäre gestorben... Denn auch wenn er überleben sollte, was die Meisten ausschliessen, wird er für den Rest seines Lebens bewegungsunfähig bleiben und auf starke Medikamente angewiesen sein.

Gestern war ein Bericht über ihn in den Nachrichten. Ein Reporterteam wollte ihn interviewen. Bob Lazina's "Worte" waren lediglich ein blubbern. Er wird nie wieder sprechen können...

In dem Sinne: alles Gute Bob...




Sonntag, 23. Oktober 2016

Stalker - Einleitung Variante A

STALKER

Juli 1997

Die Tür stand einen spalt weit offen. Hatte sie nicht abgeschlossen? Möglich wäre es gewesen, denn sie war mal wieder spät dran gewesen am frühen Morgen. Alma stiess die Tür auf, horchte kurz, betrat die Wohnung und schloss die Tür hinter sich. Sie drehte den Schlüssel um. Dies hatte ihre Mutter ihr immer eingeschärft, als sie noch ein kleines Mädchen war und dies hatte sie beibehalten. Es war ein automatischer Prozess, genauso wie etwa das Atmen. Sie nahm den Schlüssel von der Tür, da ihre Mutter ihr eingeschärft hatte, falls etwas passiere, sie zB in der Dusche ausrutsche, könne niemand in die Wohnung rein. Neben der Tür hatte sie eines dieser typischen Schlüsselbretter hängen, welches die Kontur eines Schlüssels hatte. Alma konnte nicht ahnen, dass sie den Schlüssel zum letzten Mal an den Nagel des Brettes hängen würde.


Sie stellte ihre Tasche auf den kleinen Beistelltisch, ging vorbei an ihrem Schlafzimmer, nahm in den Augenwinkeln etwas wahr, was sonst nicht da war, und steuerte irritiert direkt in die Küche. Auf dem Esstisch stand ein halb leeres Wasserglas. Sie konnte sich nicht erinnern, am Morgen Wasser getrunken zu haben. Kaffee, ja. Aber Wasser? Mit einem Schulterzucken nahm sie das Glas vom Tisch und stellte es in die Spüle, in der Chipskrümel lagen. Sie hatte bestimmt keine Chips gegessen! Nur ihre Mutter besass einen Schlüssel zu ihrer Wohnung. Doch diese wohnte am anderen Ende der Schweiz und ass so etwas nicht. Ein ungutes Gefühl griff sanft nach ihr, kam immer näher und nahm sie schliesslich ganz für sich ein. Erst jetzt, erinnerte sie sich ans Schlafzimmer. Etwas war nicht wie sonst. Etwas hatte sie irritiert. Was war es? Da war ein Schatten! Alma’s Verstand wollte nicht eingestehen, dass sich jemand in der Wohnung befinden musste. Sie krallte sich an der Spüle fest und überlegte. Der einzige Fluchtweg war die Wohnungstür, doch um diese zu erreichen, musste sie am Schlafzimmer vorbei gehen. Der Balkon! Sie wohnte im 4. Stock und würde sich den Hals brechen spränge sie da runter. 


Alma schlich zur Wohnungstür, wollte die Schlüssel vom Brett nehmen, doch die waren nicht mehr da. Ehe sie sich umdrehen konnte, spürte sie einen heissen Atem im Nacken. Ihr Kopf knallte heftig gegen Tür und hinterliess einen blutigen Abdruck. Alma sackte zu Boden und blickte zu dem riesigen Kerl auf, der mit seiner Faust ausholte und ihr die Nase übers ganze Gesicht schmierte. 


Als Alma wieder zu sich kam, fand sie ihre Hände und Füsse ans Bett gefesselt. Vor ihr sass der Riese auf ihrem hübschen antiken Sessel und grinste. Das letzte, was Alma in ihrem Leben hören sollte, waren die Worte ihres Mörders, als er ihr ins Ohr flüsterte „Du wirst nicht überleben. Und du wirst unter grauenvollen Qualen sterben.“


Kurz vor Morgengrauen war der Riese fertig. Betrachtete die blutigen Überbleibsel, die vor 6 Stunden noch ein Menschen gewesen waren, und sagte „Und Gott sprach, du wirst nicht überleben und unter grausamen Qualen sterben - und er betrachtete sein Werk und sah dass es gut war.“

Donnerstag, 12. Mai 2016

Eine unheimliche Nacht in einem leeren Haus in Tokyo

Oh meine Leser, es ist dem Zufall oder dem Schicksal zu verdanken, dass ich die letzte Nacht überdauert habe. Mein Ableben wäre durchaus möglich gewesen...
Man stelle sich vor, ich wäre tatsächlich dahingesiecht, dann hätte ich nicht über die Ereignisse der letzten Nacht schreiben können und Ihr hättet nie erfahren, was mir zugestossen ist... 

Es kommt ein Sturm

Schon der ganze Tag war recht windig. Was sage ich "recht", war verdammt windig. In der Nacht zuvor, war ich mit dem Metal Dude in Shinjuku etwas trinken. Da es geregnet hat, hatte ich meinen Knirps dabei, welcher auch vonnöten war. Wieder zuhause, habe ich den Knirps aufgespannt und zum trocknen vor der Haustüre gelassen. Wer hätte mit starken Bodenwinden am frühen Morgen gerechnet? Jedenfalls ist mir im Laufe des Nachmittags, da als mir beinahe ein Fenster entgegen geflogen ist, eingefallen "Scheisse! Mein Schirm!". Ein Blick aus dem Badezimmerfenster (und was, liebe Rechtschreibprüfung ist am Wort "Badezimmerfenster" falsch???) bestätigte meine Befürchtung: Mein Schirm war einfach nicht mehr da. Der ist wohl durch halb Sumida geflogen und hat irgendwo sein Ende gefunden. Ein Grund nach Asakusa rüber zu gehen und einen neuen Schirm zu kaufen. Hach ja... Zwei Jahre hat dieser Schirm Regen, Schnee und Wind überdauert und nun ist er einfach nicht mehr da. Ich konnte mich nicht einmal mehr verabschieden v_v 
Der Himmel verdunkelte sich zunehmend und der Wind wurde stärker und stärker. Die Abdeckung der Waschmaschine, die sich im Vorgarten befindet, ist auch davon geflogen. Der Sichtschutz vor dem, Achtung wieder das falsche Wort, Badezimmerfenster, ist erstaunlicherweise noch da. Das ganze Haus bebte und gab seltsame Laute von sich. Knarren und Scharren und Klopfen... 

"Lassen sie mich rein! Ihr seid alle des TODES!!!"

Irgendwann am späten Nachmittag erklang die Türklingel, welche ich erstmals hören durfte. Ich ignorierte den fremden Besucher. Einerseits, erwartete ich keinen Besuch und andererseits befand ich mich im oberen Stock und hätte runter gehen müssen. Wozu? Niemand weiss, dass ich hier wohne. Und mein Vermieter hätte sich via E-Mail angemeldet. Also ignorierten wir die Klingel. 

Am Abend, während der Dämmerung, klingelte es erneut. Ich ignorierte es wieder. Da ich mit einer Freundin via Whatsapp Sprachnachrichten austauschte, berichtete ich ihr davon. Sie meinte auch, sie würde nicht öffnen. Ob ich nicht sehen könne, wer es ist. Nein. Ich müsste auf den Balkon gehen und dann würde mich der Eindringling sehen. Ein Guckloch in der Tür gibt es hier nicht. 
Sie meinte dann, vielleicht ist es jemand von den E-Werken. Ich entgegnete, "Als Mensch, der seine Kindheit und Jugend mit dem Konsum von Filmen zugebracht hat, weiss ich, dass sich Einbrecher, Mörder etc. oftmals als Menschen von E-Werken und co tarnen." Wir lachten. Schliesslich war es ja schon irgendwie witzig. Dann machten wir uns Gedanken darüber, wer es wohl sein könnte und mit welcher Absicht. 
Schliesslich meinte sie, vielleicht möchte mir jemand meinen Schirm zurückbringen? "Ach, den können sie auch über den Zaun schmeissen."

Erinnert Ihr, oh meine geschätzten Leser, Euch an Poltergeist 2? "Reverend" Kane steht vor der Tür der Freelings und will ums verrecken das Haus betreten. "Lassen sie mich rein. Ehe es zu spät ist." Als ihm der Zutritt verweigert wird, schreit er schliesslich "Ihr seid alle des Todes! Des TOOODES!" Ehrlich gesagt, habe ich für einen kurzen Moment mit so etwas gerechnet. Aber Kane interessiert sich wohl wahrlich nur für Carol Ann und nicht für Navi M. Gray. 


Der Eindringling und unheimliche Geräusche aus dem Wandschrank

Draussen war es bereits dunkel. Ich befand mich im zweiten Stock meines Häuschens und war nach wie vor fleissig mit chatten beschäftigt. Einerseits mit meinem Droog via Whatsapp und mit anderen Freunden via LINE und Wechat. Draussen pfiff der Wind durch die nahezu menschenleeren Strassen Tokyos. Es krachte und knallte. Sachen flogen durch die Gegend. Schliesslich begann es noch zu regnen und weit weg war ein Donnern zu vernehmen. Ein richtiges Frühlingsgewitter? Ich machte mir Gedanken zu Blitzableitern bei japanischen Häusern... Wie sicher sind die? HELP!
Schliesslich klingelte es wieder. Ich machte keine Anstalten, die Tür zu öffnen. 
Hier muss ich erwähnen, dass sich die Klingel vor dem Gartentor befindet. Sprich der Besucher steht erstmal nicht direkt vor der Haustür. 

Dann klopfte es mit kräftiger Faust gegen die Haustür. Ich erschrak dergestalt, dass ich mein iPhone fallen lies. Es hämmerte regelrecht dagegen. Draussen heulte der Wind. Der Regen hämmerte an die Fensterscheiben. Und wieder hämmerte eine Faust gegen meine Haustür. Ich schrieb meinem Droog, "In dieser Nacht werde ich sterben. Jemand hämmert an meine Haustür." Das war die letzte Nachricht, die sie von mir erhalten sollte. Danach war der Akku meines portablen Wi-Fi-Routers alle. Das Ladegerät lag wunderbar im unteren Stock. Scheisse. Wieder hämmerte es gegen die Haustür. Ich setzte mich auf den Boden neben der Couch und harrte aus. Schliesslich hörte ich etwas im Wandschrank direkt vor mir! Ich starrte auf die Schranktür. Sie war geschlossen. Kein Platz für Nozokime (ein neuer japanischer Horrorfilm. Nozokime bedeutet, Augen in den Spalten. Sei es Spalten zwischen den Vorhängen, wenn eine Tür nicht richtig verschlossen ist, etc. Der Metal Dude erzählte mir von dem Film und ich schaute natürlich den Trailer und wurde regelrecht paranoid). Es klang so, als sässe jemand im Wandschrank, der sich bewegt. Als ziehe dieser jemand, oder dieses Etwas, sein Bein an sich. Mit Gänsehaut der übelsten Sorte redete ich mir ein, oder versuchte mir einzureden, "Das bildest du dir ein... Das bild ich mir nur ein... Das ist nicht real." Das klappte ganz gut, bis ich aus dem Schrank ein Geräusch vernahm, als schiebe jemand eine schwere Kartonkiste über den Boden. Unten hämmerte es wieder gegen die Tür. "Was wenn ich einfach die Augen schliesse? Habe ich dann eine Überlebenschance?"
Ich versuchte rational zu denken. Unten steht möglicherweise ein Serienkiller vor der Tür. Was heisst hier möglicherweise? Komm schon! In einer stürmischen Nacht, prügelt jemand an meine Haustür. Das kann sich nur um einen Serienkiller handeln. Im Schrank vor mir befindet sich kein Jemand sonder ein Etwas. Seit DAGON wissen wir, wir haben immer zwei Möglichkeiten. Will ich von einem paranormalen Wesen in eine andere Welt verschleppt oder von einem Serienkiller unter Höllenqualen und Folter ausgeweidet werden? 
Ich hatte die Bilder vor mir. Er gelangt ins Haus. Fegt meine Kosmetika vom Tisch. Schmeisst mich auf diesen und rammt mir sein Messer in den Bauch. Zieht es von oben nach unten sodass meine Eingeweide rausquellen. Auf dem Fussboden entleert sich die Flasche mit dem Gesichtstonic von

SHISEIDO. Mein Blut vermischt sich mit dem Tonic auf dem Fussboden. Er trennt mir Arme und Beine ab, da er ein Sammler ist. Er hat zuhause eine Art Museum, mit abgetrennten Gliedmassen in Pflanzentöpfen. Die einen sind schon fast ganz bis auf die Knochen zersetzt. Überall tummeln sich Maden und sonstiges Getier (Guinea Pig - Flowers of Flesh and Blood) Während ich da liege und vor mich hin sterbe, geht er nach oben, öffnet die Schranktür und wird von dem Wesen im Schrank ins Jenseits befördert. Zu spät für mein sterbendes Ich. 
Das Wesen aus dem Schrank kriecht, seltsame Geräusche von sich gebend, die Treppe herunter. Beugt sich über mich und starrt mich an. Ich sterbe. Ich bin eigentlich schon tot. Als ich wieder aufwache, befinde ich mich im Schrank und bin ein Geisterwesen. 
Wollte mich das Wesen im Schrank warnen? Gar beschützen? Da es, Jahre zuvor, vom selben Typen ermordet worden ist? Ähnlich, wie die Frau im Spiegel, in der einen Folge von X-Factor aka Beyond believe? Wir werden es nie erfahren... 


Was wirklich geschehen ist

Oben Erwähntes hätte ja wirklich passieren können. Ich meine, schliesslich lebe ich allein in einem Haus, einem möglicherweise verfluchten Haus, in Japan. Schon einmal JU-ON gesehen? Möglich wärs. 
Mein Wi-Fi-Router-Ladegerät befand sich mit mir im zweiten Stock. Die Wi-Fi-Verbindung war nie getrennt. Ich war stetig in Kontakt mit meinen Freunden. Irgendwann klingelte es wieder an der Tür. Und ich hörte Stimmen von der Strasse her kommen. Ob die etwas mit dem Klingeln zu tun hatten, werden wir nie erfahren. Ich rechnete ernsthaft mit einem Klopfen an der Tür, dies blieb aber aus. 
Ein Knarren und Scharren hörte ich auch. Auch eine Art Klopfen. Jedoch erst sehr viel später in der Nacht. Als ich bereits in diesem steinharten und unbequemen Bett lag und schlafen wollte. Ich schrieb es dem Wind zu. Selbst wenn es wirklich aus dem Schrank gekommen ist, ich wollte es einfach nicht wissen. Wer öffnet schon mitten in der Nacht, in der Dunkelheit eine Schranktür? 

Jedenfalls hätte sich so etwas tatsächlich ereignen können. Ich meine, die besten Voraussetzungen für den Anfang eines Horrorfilms oder Psychothrillers waren gegeben: 
Ein altes japanisches Haus, eine Frau allein zuhause, eine stürmisch-regnerische Nacht, ein Fremder vor der Tür. Kommt schon Leute, ehrlich, wie viele Filme fangen so an? Da ich ja völlig abgeklärt bin und mich bei Filmen immer über diese Idioten aufrege, die der Herkunft des Geräuschs auf den Grund gehen oder die Tür öffnen wollen und immer sage, so etwas würde ich ganz bestimmt nicht machen, machte ich dies auch nicht. Ich verharrte einfach im zweiten Stock. 
Ich schickte meinem Droog eine Sprachnachricht, in der ich ihr mitteilte, ich müsse so etwas von dringend Pipi, aber die Pipibox befinde sich im unteren Stock. Und ich habe nicht einmal einen Eimer hier oben. Ich harrte aus. Ehe es zu einer Notwasserung kommen konnte, ging ich dann aber doch nach unten. In meiner rechten Hand hielt ich, festumklammert, einen Kugelschreiber mit dem silbernen HILTON Logo. Ein Kugelschreiber ist besser, als gar keine Waffe zu haben. Obschon ich mit einer Silhouette vor der Haustür (Milchglastür) gerechnet hatte, war keine zu sehen. Es sass auch kein Mädchen in weissem Kleid im Wohnzimmer. Und auch kletterte keine Sadako aus der Badewanne. Das Haus war leer und ich konnte ganz beruhigt die Pipibox aufsuchen. Schrieb meinem Droog zuvor, "Ich gehe jetzt Pipibox. Falls du nichts mehr von mir hörst, alarmiere die Luftwaffe!" Sie hörte jedoch nach dem Besuch der Pipibox gleich wieder von mir. 


-> Jetzt just in diesem Moment, wo ich hier sitze und schreibe, klingelt es wieder an meiner Tür...
Dafuq? ?_?



Dienstag, 3. Mai 2016

Dating in Japan #1 : Mein pixelated oder half-blind Date in Ikebukuro

Bevor ich Euch mit meinem Reiseblog auf dem Laufenden halten kann, muss dies hier erst raus! Ja mir ist bewusst, dass ich seit meiner ersten Woche in Tokyo nicht mehr gebloggt habe. Wenn die Einträge online sind, wisst Ihr wieso ^_^

Jedenfalls spazierte ich zuvor durch die Nacht in den hellerleuchteten Strassen Gotanda's und da hörte ich im Hinterkopf den Typen aus Scream 2 sagen "Das ist heiss! Das muss raus!" und genau so verhält es sich mit meinem Erlebnis von vorhin. 70min habe ich es ausgehalten. Dann stand ich vor der Wahl:
a) Ich bringe mich um, um der Situation zu entfliehen
b) Ich bringe ihn um, um der Situation zu entfliehen
c) Ich gehe einfach

Pixelated Date? Half-blind Date? Gedanken zur Bezeichnung

Man spricht von einem Date, wenn man die Person schon einmal gesehen hat und weiss, wie sie aussieht. Man spricht von einem Blinddate, wenn man die Person noch nie zuvor gesehen hat und sich durch die Menschen fragen muss "Bist Du....?", was mir glücklicher- oder smarterweise noch nie passiert ist. Wie nennt man es, wenn man zwar drei Fotos gesehen hat, diese aber verpixelt waren? Spricht man dann von einem Pixelateddate? Oder einem Halfblinddate? Ich habe keine Ahnung. 
Und wieso zeigt man verpixelte Fotos? Und eines, das wohl vor 10 Jahren mal aufgenommen worden ist? Wieso tut man das? Denken solche Menschen nicht daran, dass man ihr Gesicht spätestens beim Date sehen wird? Wäre es da nicht besser, mit offenen Karten zu spielen? Ich sage ja auch nicht, ich wär "stick-thin". Gut, ich sage auch nicht, dass mein Arsch breiter ist, als auch schon, und dass man mit dem Fett aus meinen Oberschenkeln wohl eine Fastfood-Kette haushalten könnte (ok, so schlimm ist es dann doch nicht, aber Ihr kennt ja meinen Hang zur Dramatik!).

Hier die Anmerkung zu "Schönheit kommt von innen". Anton Szandor LaVey schrieb dazu in den Satanischen Essays "Ist Balsam für die Hässlichen." Meine Lehrlingsbetreuerin damals sagte etwa das Selbe. Sei ja schön und gut, aber wenn der Typ nicht gefällt (ich meine ihre Worte waren "chotzgrusig"), interessiert es dich auch nicht, ob er nett ist. Du sprichst gar nicht erst mit ihm und findest es so auch nicht heraus. Hart, aber wahr.

Soviel zur Vorbereitung... -_- "Typisch Frau"

Jedenfalls bin ich noch immer leicht angepisst. Bitte entschuldigt die Ausdrucksweise, oh meine Leser, aber anders kann ich es selbst in Deutsch nicht ausdrücken. Ich bin angepisst, weil ich mein Gesicht umsonst mit der BB Cream von Klairs eingeschmiert habe. Weil ich mein (bald zur Neige gehendes) Puder von Shiseido umsonst aufgetragen habe. Weil meine Augenbrauen heute kaum perfekter hätten gezeichnet sein können und so auch meine Lidstriche. Mein Pulli von Tommy Hilfiger hätte heute Premiere gehabt (er ist so angenehm weich und die Farbe schmeichelt mir). Ich habe 30min für die Wahl des richtigen Outfits aufgewendet und mir überlegt, ob ich mir nicht doch noch die Haare waschen soll. Faulerweise habe ich Letzteres bleiben lassen. Gestern ging ich gar in einem Anflug von Panik gen Daiba und kaufte für CHF... na ja jedenfalls für viel Geld, neue Klamotten, von denen ich glaube, dass ich zwei der drei Röcke niemals tragen werde. Ihr findet diese dann auf meiner Facebook-Seite "Navi's little wardrobe", die nach einer Aktualisierung schreit. In einer neuen Boutique (einfach weil es eleganter klingt, als "Laden" oder "Shop") kaufte ich mir einen weissen (die Farbe heisst eierschale oder creme) Pulli und eine Art "Wollemutz", der viel zu teuer war, aber er ist schön. Nur ob ich ihn je tragen werde, sei dahingestellt... Wir werden sehen. Ansonsten ist er ann auch günstig zu erwerben. Ja so wirds gemacht. Man kauft teuer ein und verkauft günstig, ganz im Sinne von Tenrikyo (aber dazu dann in meinem Reiseblog - gott aka Oyasama, diese Werbung immer!). Jedenfalls habe ich, bis auf das weisse Trägershirt unter dem Pulli nichts von den neuen Klamotten angezogen - was mich nicht einmal wundert...
Wie dem auch sei, ohne völlig arrogant klingen zu wollen, mein Styling war perfekt (auch ohne 3-Wetter-Taft). Besser hätte es gar nicht sein können und wofür? Für 70min des Umherwanderns in den überfüllten Strassen eines Ikebukuro's zur Golden Week. Mein Gesicht ist während des Schreibens noch immer angemalt, die Klamotten liegen auf dem Sofa und ich trage meine Zuhause-herumgammeln-Klamotten. Vor mir befindet sich ein riesiger Spiegel, in den ich während des Schreibens hin und wieder blicke um meine Augenbrauen zu betrachten. Ihr könnt schon lachen! Aber wer sich nicht jeden Tag die Augenbrauen nachzeichnen muss, hat keine Ahnung, wie das ist. Ja ich bin selbst schuld, ich weiss, dennoch ist es ätzend und wenn sie dann mal wirklich perfekt sind, dann schaut man sein Meisterwerk auch gerne an. Sollte ich eventuell noch Erinnerungsfotos davon machen?

Oh und ich bin angepisst, weil das perfekt gebügelte weisse Hemd um meine Aversion gegen Menschenmassen wusste und ich mich im Gedränge von Ikebukuro wiederfinden musste. DAS pisst mich am meisten an!

Treffpunkt 18:00 Ikebukuro Yamanote Line Track (düstere Befürchtungen...)

Da ich ja bekanntlich nie zu spät bin, stets zu früh (und daher IMMER auf Menschen warten muss), ging ich bereits 17:10 Uhr gen Gotanda Station und nahm die Yamanote gen Shinjuku und Co. 17:40 Uhr kam ich in Ikebukuro an und durfte also 20 Minuten auf mein Date warten, da dieses keine Minute zu früh antrabte. Ich stehe also da, am Ende des Bahnsteigs (um auch das deutsche Wort für "Track" oder "Noriba" mal verwendet zu haben) und warte auf mein Date, welches ich von zwei verpixelten Fotos kenne. Da ich 20 Minuten Zeit habe, hole ich mein Moleskine aus der Tasche und Folgendes habe ich ihm anvertraut (in meinem Moleskine steht alles in Schweizer Mundart, der Einfachheit halber hier ausgedeutscht): 
  • Eben hatte ich einen schlimmen Gedanken, was, wenn plötzlich irgend so ein alter Sack vor mir steht? Der so gar nichts mit dem Typen auf dem Foto zu tun hat? In dem Fall werde ich in hysterisches Gelächter ausbrechen und "bin dann mal weg".
  • Eigentlich ist es krank, was ich hier mache... oder? Oder nicht? Oh doch.
  • Bisher waren alle Menschen, die ich im Netz getroffen habe, ein riesen Reinfall. Das stimmt nicht. (und hier folgt eine Auflistung mit Menschen, die ich im Netz getroffen habe, die normal sind und mit denen ich heute noch befreundet bin)
  • Möglicherweise ist dies mein letzter Eintrag? In dem Sinne "adieu"
  • OMG hoffentlich ist es nicht der Typ da o_O Falls doch, habe ich Durchfall oder muss auf den Bus! HELP! - Phuuu Glück gehabt, er war es nicht. 
  • Eben ist mir der Gedanke gekommen, was wenn er mir gar nicht gefällt? Daran habe ich bisher noch gar nicht gedacht. Haha zu spät! (Eigentlich nicht, er ist noch nicht anwesend, ich könnte noch immer in die nächste Yamanote steigen und weg war sie.)
  • OMG! OYASAMA!!! Der Typ sieht ja schon aus wie ein Serienkiller!!! SCHEISSE! Phuuu Glück gehabt, der wars auch nicht ^^ Hab ich Schwains
  • Ich fühle mich gerade wie Kate in "Friends with better lives". Die Folge, in der sie ein Blinddate hat und froh ist, dass sie nicht Susan ist. "Susan fährt auf jeden Fall im Kofferraum nachhause."
Ein Typ in strahlend weissem Hemd, mit Schlips aber ohne Jackett, schwirrt herum. Ich sehe kein Gesicht, erkennen würde ich es ja ohnehin nicht, da man sich im richtigen Leben nicht verpixeln kann, und warte, bin aber sicher, dass dieses Hemd (wäre perfekt für die Weisser Riese Megaperls Werbung) mein Date ist. Irgendwann steht das Hemd ganz dicht neben mir (Wieso nur muss ich in diesem Moment, an den Typen vom Kamoriver 2015 denken? "Excuuuuuse"). Ich hätte fast aufgeschrien vor Schreck. Er sagt nicht meinen Namen, nein, er hält mir sein Mobiltelefon (ganz richtig, noch eines von den Dingern, die man aufklappen kann) unter die Nase mit einem Bild von mir. Ich nicke - leicht irritiert. Was ist aus dem guten alten Anstand geworden? Sich vorstellen? "Ich bin das weisse Hemd. Du musst Navi sein." An der Stelle, kam meine Oberflächlichkeit erstmals an die Oberfläche (ja mir ist bewusst, wie das zu lesen ist... aber egal). Alles, was ich sehen konnte, war der Entenschnabel. Die Falten um die Augen und dieses käseweisse Gesicht... Meine Stimmung war im Eimer. Dennoch redete ich mir ein, nicht oberflächlich zu sein und so hatte ich folgendes stummes Mantra "Sieh darüber hinweg. Du bist nicht so oberflächlich. Du bist nicht so oberflächlich." 

NS: Ich nenne seinen Namen absichtlich nicht, da ich ja niemanden ächten will. Das Foto könnte ich allerdings posten, man erkennt ohnehin nicht viel -_^ Ich belasse es beim weissen Hemd. Der Name gefällt mir. Vielleicht sollte ich es ergänzen durch, "das perfekt gebügelte weisse Hemd" ^^

Ikebukuro Sky Circus - Sunshine 60 Observatory "Jesus"

Wir gehen also durch die Strassen von Ikebukuro wo ich mit Fragen gelöchert werde. Fragen, die ich bereits in unserem Chat via LINE beantwortet hatte zum Einen, Wiederholungen neuer Fragen zum Anderen. Wir betreten eine Rolltreppe und er verhandelt mit einem Guide etwas, weist mich an zu warten, er gehe Tickets kaufen. Wofür sollte ich alsbald erfahren... Während er die beiden Tickets kaufen ging und ich wie bestellt und nicht abgeholt wartete und vom Guide angeglotzt worden bin, hatte ich doch Zeit folgendes in mein Moleskine zu schreiben: 
  • Oh ich wünschte, er wäre der Serienkiller gewesen... x_x
Schliesslich haben wir eine Vielzahl Animateurinnen vor uns, die uns mit strahlendem Lächeln den Weg weisen. Ich versuche nicht allzu pissig auszusehen, denke allerdings nicht, dass es mir gelungen ist. Dieses Sky Circus Dings ist etwas für kleine Kinder, aber nicht für genervte Navi M. Grays. Angefangen mit einer Geschichte in Japanisch, von der ich herzlich wenig verstanden habe, und Monsieur weisses Hemd hat keine Anstalten gemacht, etwas zu übersetzen, weiter mit Flugzeugen und dann gings ab in den nächsten Raum, wo man sich in diversen Spiegeln begutachten konnte (ich will an der Stelle keine Sprüche hören, von wegen, da wär ich ja am richtigen Ort gewesen, wenn ich schon "sooo perfekt gestylt war" und meine Augenbrauen heute einfach perfekt waren). Immerhin gab es eine Aussicht über Tokyo bei Nacht. Wenn man allerdings schon Ropponghi Hills und den Skytree besucht hat, ist das auch nicht mehr so interessant. Weiter konnte man durch irgendwelche Löcher gucken und Kaleidoskope begutachten, oder man stellte sich unter zwei Regenschirme vor einen Bildschirm. Wir haben nichts von alldem gemacht, da mein genervtes Ich nur nach dem rettenden EXIT Ausschau hielt und zielstrebig darauf zuging. Er fragte mich, wie es war. Ehrlich, ich mag solche Sachen nicht. Was er wissen würde, hätte er bei unseren Unterhaltungen aufgepasst. 

Nachtspaziergang durch Ikebukuro "Do you like...? Oh really? I mean, really?"

Auf dieses recht enttäuschende, gut CHF 17 kostende Ereignis, wanderten wir durch die Strassen Ikebukuros, wo ich zum Fragebogen mutierte. Jede Frage begann mit "Do you like....?" Egal, ob ich ja oder nein antwortete, darauf folgte immer ein "Oh really?" gefolgt von einer kurzen Denkpause, gefolgt von einem "I mean... really?". Anfangs machte ich mir noch die Mühe auf alles zu antworten, bis es mir dann zu lästig wurde. Alle ca. 10 Minuten kam die Frage, ob ich hungrig bin. Nein. Ob ich etwas trinken möchte. Nein. Als ihm langsam aber sicher die Fragen ausgegangen sind, hat er einfach wieder von vorne angefangen: "So du magst also Hunde. Und Katzen?" "Ich mag alle Tiere." "Also du magst Hunde? Aber du hasst Katzen nicht?" "Wieso sollte ich?" "Aha. Du magst auch Katzen? Wirklich?" 
Was mich ja am meisten nervt, ist die Frage nach dem Essen. Ich habe mir abgewöhnt zu sagen, ich esse kein Fleisch, oder ich sei Vegetarier, Veganer, was auch immer. Um es den Menschen begreiflich(er) zu machen, sage ich, "Ich esse keine Tiere". Wenn mir dann noch jemand mit der Frage kommt, "Auch keine Fische?" dann ists einfach vorbei. Ich sage ja genau deswegen, ich esse keine Tiere, weil viele Menschen noch immer der Ansicht sind, man isst zwar weder Schwein, noch Kuh noch Hund, aber Fisch kommt auf den Teller. Sind Fische seit Neustem ein Gemüse? Oder Obst?Dann kam er mit der genialen Frage, die ich hier draussen noch öfters höre, als in meiner Heimat (früher, als vegan zu leben noch nicht trendy war), "Du isst nur Gemüse?" Mein genervtes Ich antwortet dann in angemessenem Ton (angemessen für das genervte Ich, nicht für angemessen für den Fragesteller) "Nein. Ich esse einfach keine Tiere." Manch einer ist damit recht überfordert. Man könnte meinen in Japan bestehe ein Essen nur aus Fisch, Fleisch und Gemüse. Meines Wissens nach kommt zB. Tofu aus Japan... aber egal. 
Am schlimmsten war aber diese Gestikuliererei! Es war ihm nicht möglich zu sagen, hier links über die Strasse, nein, er holte mit seinem Arm aus, malte eine grosse Kurve in die Luft und deutete nach links. Im Lift/Fahrstuhl/Aufzug (darf ich an der Stelle "Fahrstuhl des Grauens" verwenden? denn für mich war es grauenvoll) steckte er beide Finger in die Ohren, gab seltsame Laute von sich und grunzte ein "Ah ears!", wegen dem bisschen Ohrendruck. Dies sowohl beim hoch- als auch beim runterfahren. Ich habe mich gar nicht fremdgeschämt... Wieso auch? Ich dachte wirklich, ich hätte die Zeiten des Fremdschämens hinter mir gelassen, aber dem ist definitiv nicht so. Vor Allem dann nicht, wenn andere Menschen, die sich ebenfalls in diesem Aufzug befinden, bestimmte Blicke zu werfen... 

Wieso treffe ich immer auf solche Leute??? (Weil Du sie online triffst? XD)

Dann erzählt er mir erneut, dass er keinen Alkohol trinkt, fragte mich aber, via LINE ob Alkohol in Ordnung wäre? WTF o_O Soll ich alleine eine Flasche Rotwein aussaufen und er schaut zu? So weit kommt's noch. 
Er erzählt mir ausserdem, dass er nicht kochen kann und mich bewundert, da ich es offenbar kann. Klar. Er kann kein Messer in die Hand nehmen, weil er sich als Kind mal geschnitten hat. Oookey? Ich habe mir als Kind auch mal die Finger auf diesen alten verdammten Herdplatten verbrannt, bin aber dennoch in der Lage mittels Herd zu kochen. 
Ausserdem habe er Angst vor Feuer. Er habe als Kind mal mit Feuer gespielt und sein Vater (der übrigens Alkoholiker war/ist) sei böse geworden und habe ihn irgendetwasunversändliches mit Gestik auf Haar und Gesicht. Hat er mir von einer Misshandlung erzählt? Wenn ja, wieso tut er das? 

Nach 60min wieder beim Bahnhof (und die Erkenntnis: Ich bin oberflächlich)

Wir sind dann wieder beim Bahnhof angekommen und ich habe gefragt, was wir noch machen. Er fragte, ob ich zum Tokyo Tower möchte. Nein. Ob ich zum Skytree möchte. NEIEN. Zuvor hatte er mich schon gefragt, als wir in weiter Ferne den Tokyo Skytree gesehen hatten, ob ich schon einmal da gewesen sei. Ja. Oh, wirklich? Ich meine, wirklich? JA! War allerdings enttäuschend und ist reine Zeit- und Geldverschwendung. Wieso sollte ich dann nochmals da hingehen wollen? 
Wir stehen also da, so mitten vor dem Bahnhof inmitten von Menschenmassen und ja. Stehen einfach da. Dann fragt er, ob ich schon einmal bei einem gewissen Tempel, dessen Namen ich vergessen habe, gewesen sei. Nein. Ob ich schon da in der Nähe gewesen sei. WTF?! Ob ich dahin gehen möchte. Sei in der Nähe von Shinagawa. Nein.
Er hat mich auch gefragt "Do you like Donkey Hotel?" Was antwortet man auf diese Frage? Ist in etwa so, als fragte ich Euch, oh meine Schweizer Leser, "Hey magsch de Coop?" oder für jene aus DE "Magst Du Aldi?". Im Fall Coop könnte man noch antworten, "Nei ich be es Migroschend!" oder bei Aldi könnte man ja noch entgegnen "Ich ziehe Lidl vor", aber zum Donkey Hotel gibt es einfach KEINE Alternative. Es ist ein riesiger Supermarkt. Soll ich sagen, "in meiner Freizeit lese ich gerne und verbringe viel Zeit im Donkey Hotel"?
Ob ich ok sei. Und an der Stelle hörte ich mich sagen, "Nein, ich bin angepisst.". Hinter einem Pfeiler suchte ich nach meiner Suica und verliess seine Erzählung (wenn er denn auch eine hat) durch das Ticketgate, über die Treppe hinauf zur Yamanote Line gen Shinagawa und mit mir die Freude darüber, dass er mir nicht gefolgt ist. 

Nun zur Erkenntnis. Ich kann nichts dafür. Es ist keine Absicht, aber ich bin oberflächlich. Denn, als wir so da vor dem Bahnhof gestanden haben, vom Neonlicht perfekt ausgeleuchtet, war mein erster und längster Gedanke folgender: 
  • Wenn wir uns eventuell hier fortbewegen könnten?! Bei diesem Licht sieht mich jeder mit dir! 
Ihr mögt mich nun für ein Arschloch halten, dann sei es eben so, aber es entspricht der Wahrheit. 
Hätte ich über den Entenschnabel, die Falten, die käseweise Haut, das schüttere Haar und die seltsame Gestik hinwegsehen und Freundschaft schliessen können? Ganz entschieden nein. Schon allein die Tatsache, dass er sehr dicht neben mir hergegangen ist und mich bei jeder Gelegenheit gestreift hat, was mich fast in den Wahnsinn getrieben, ist der Abscheu genug. Ich hatte mir echt überlegt, ob ich wie wahnsinnig zu schreien anfangen soll. Habe es dann aber gelassen. 

Ifi, mein Nachbar, den ich in Kyoto hatte, erzählte mir, der beste Weg, um aus einem miesen Date herauszukommen und sicher zu stellen, dass sich die Person nie wieder bei einem meldet ist, zu sagen man habe Durchfall. Ich überlegte mir ernsthaft, so etwas zu sagen... 

Dann fragte ich mich, wozu ich mir Gedanken um meine Haare gemacht habe, die mittlerweile fettig sind. Wieso ich die perfekten Augenbrauen quasi verschwenden musste? Immerhin ist mein Tommy Hilfiger Pulli so endlich mal rausgekommen. Schön für ihn.  

Brauchst du eine Louis Vuitton Tasche?

Das Merkwürdigste überhaupt und das gleich zu Beginn des Abends. Wir stehen vor dem Louis Vuitton und er fragt, ob ich shoppen gehen möchte. Wenn ja, soll ich ihm sagen, was ich brauche, er würde bezahlen. W-w-w-as?! Nein, danke. Er deutet auf das Louis Vuitton Geschäft und fragt allen Ernstes, ob ich denn keine neue Tasche brauche. Hätte ich ihm an der Stelle sagen sollen, dass ich nicht mal eine LV Tasche haben möchte, wenn es die letzte Tasche auf Erden wäre? Was soll das? Nein danke. Oh really? I mean, really? Ich sei einzigartig (das durfte ich 5x hören). Jede Frau liebt Shopping und Taschen. Danke. Ich habe eine Tasche wie man sieht. Aber nicht Louis Vuitton. Nein, ich bevorzuge Moschino oder Calvin Klein, oder COACH (Letztere besonders als Special Edition von Anna Sui, genannt Dragonfly, die ich mein Eigen nennen darf - eBay sei Dank. Hach ja, das ist wahre Liebe...) 
Er ist Buchhalter und verdient offenbar gut, aber sorry, so nicht. Wie verzweifelt kann man denn sein? 
An der Stelle möchte ich festhalten, ich bin definitiv nicht auf Geld aus, aber bin ungeduldig und oberflächlich. Klar würde ich gerne in Tokyo bleiben - aber nicht bei einem merkwürdigen und derart verzweifelten weissen Hemd, das bereits vor Einsamkeit trieft. Nein Danke. 


Allein in Gotanda - meine Gedanken, der schwarze Fluss und ich

Ich dachte, mein Styling ist zu perfekt, als das ich schon nachhause gehen könnte. So spielte ich mit dem Gedanken, mich ins HUB zu setzen und ein irisches Bier zu trinken. Ferner spielte ich auch mit dem Gedanken, mir ein zwei drei Bierchen im Supermarkt zu kaufen, mich aufs Hausdach zu setzen und dort allein zu trinken. Dies erschien mir dann aber ZU armselig, obschon das Dach eine wunderbare Aussicht bietet. Erst gesellte ich mich zu all den Einzelgängern, die auf Ego am Geländer lehnten und hörte dem einen Typen zu, der vor dem Bahnhof sein Equipment aufgebaut hatte und irgendwelche Schnulzen gesunden hat. Singen kann er, das muss man ihm lassen. 
Nach gut 30 Minuten ging ich am HUB vorbei und machte einen grosszügigen Umweg zum Supermarkt. So ein Nachtspaziergang ist doch etwas wunderbares! Bei der Brücke blieb ich stehen und betrachtete die Wolken am purpurnen Himmel, die es eilig hatten, vorbei zu ziehen. 
Ich kam nicht umhin mich zu fragen, was mir das Schicksal (in solchen Situationen auch unter dem Namen Arschloch bekannt) sagen will? Lebe ich wirklich nur, um andere (Euch, meine getreuen Leser) mit meinen Erlebnissen zu belustigen? Wer weiss... 
Jedenfalls verweilte ich eine Zeitlang dort mit Blick ins Wasser, wo sich etwas bewegte, was mich an "Das Floss" von Stephen King erinnerte, sich dann aber als Wind auf der Wasseroberfläche herausstellte. Zwei Typen gingen an mir vorbei, der einte wollte mich fragen, ob ich was trinken gehen wolle, sein Kumpel hat meinen finsteren Blick gesehen und ihn weggezogen - Ich hab's noch drauf ^_^ #yeah! 

Morgen treffe ich mich mit einer anderen Gestalt - in (bitte entschuldigt die Wortwahl) fucking SHINJUKU!!! Dem Stadtteil von Tokyo, in dem ich nebst Shibuya und Harajuku am wenigsten gerne sein möchte. Wir dürfen also gespannt sein, was der morgige, doch recht windige Tag, bringen wird ^^ Euch wünsch ich viel Spass - denn ich zweifle daran, dass ich meinen Spass haben werde... 

Hier in Tokyo ist es mittlerweile 00:40 und ich gehe jetzt meine perfekten Augenbrauen abschminken und mache mich bettfertig. 
Gute Nacht Euch

Und um dem Frausein gerecht zu werden: Ohje, was ziehe ich morgen bloss an?! Ich habe NICHTS anzuziehen!!! haha




Sonntag, 27. März 2016

Oh ho ho jetzt bricht die Nachtruhe aus aka I saw the devil

Ihr, meine treuen Leser, kennt bestimmt den Film "I saw the devil". Wenn auch nur den Titel. Das reicht schon. Denn, ich habe das pure Böse gesehen! Ich habe es kennen gelernt.
Das Böse wandelt auf Erden, es weilt mitten unter uns. Und genau, wie im Film DEVIL dargestellt, ist das Böse im Körper einer alten Frau. Zumindest habe ich sie oder es so kennengelernt...

Die erste Nacht war... es gibt in der deutschen Sprache eigentlich kein Wort, das diese Empfindungen zu beschreiben vermag. Oh Moment, bitte. Ihr erinnert Euch an das Geschnarche von M? In der Erzählung Nicht von dieser Welt... im unteren Abschnitt beschrieb ich damals etwas Vergleichbares.

Mein Bett wurde in das Zimmer 124 geschoben, in dem ich die nächsten Tage und Nächte verbringen sollte. Die Schwester oder Pflegefachfrau vom Nachtdienst hat mir meine beiden Zimmergenossinnen vorgestellt. Eine Rentnerin die grimmigen Gesichts im Bett lag und eine junge Frau, wohl ca. 20 Jahre alt. Ich nenne die 20-Jährige der Einfachheit halber Wilma. Die Rentnerin nennen wir Mrs. Ganush (genau, wie die zauberhafte alte Dame im Film Drag me to hell).

Nacht 1, Dienstag 02. Februar 2016

Wilma und ich hatten noch Licht an und lasen. Sie in einer Zeitschrift, ich kämpfte mich durch ein paar Zeilen von Richard Laymon's Die Familie. Plötzlich krähte es von ihrem Bett her, "Ich will schlafen! Gottverdammt! SCHLAFEN!"
Gut, ich dachte mir erst nichts dabei. Vielleicht hatte sie gerade eine schwere Operation hinter sich und war daher etwas schrullig. Jaja Navilein, glaub daran...
Ich löschte dann mal mein Licht, weil ich eigentlich auch schlafen wollte. Tja, man bekommt nur nicht immer das, was man gerne hätte. Sie krähte weiter. Dann löschte auch Wilma ihr Licht. Fast zeitgleich stand eine Pflegerin im Zimmer. Und Mrs. Ganush wimmerte, sie könne nicht schlafen. Sie möchte eine Pille haben. Die hat sie dann bekommen und Mrs. Ganush schnarchte, seltsame Laute von sich gebend, vor sich hin.
Ich denke nicht, dass ich lange geschlafen habe, als ich durch einen Schrei aufgeweckt oder besser aufgeschreckt worden bin. "PISSEN!!! ICH MUSS PISSEN!!! PISSEN!!!" Die Tür ging auf, eine Pflegerin kam herein. Mrs. Ganush wollte zur Toilette gehen, hatte aber derartige Schmerzen beim Auftreten, dass sie die halbe Station wach brüllte.
So ging es dann gut 7x Mal. Jedes Mal, wenn ich wieder schlafen konnte, wurde ich wieder aufgeschreckt und erschreckt, weil sie wieder herumbrüllten musste.
Wilma sagte nichts. Ich überlegte mir noch, ob ich etwas sagen sollte. Jedoch hatte ich Angst davor, von ihr verflucht zu werden. Schliesslich murmelte sie unverständliche Sätze und ich musste an Mrs. Ganush denken... Wer den Film gesehen hat, versteht, warum ich nichts gesagt habe...


Samstag, 26. März 2016

A poem

In the year 2015 at the airport in Japan
at the check-in, there was this man
He looked terribly tired and ill
and told me busy, to wait still
It seemed he was late and in a rush
Who had guessed that he would meet his crush?
Then "it's ok. You can come" he said
Oh, I was so glad!
My suitcase was way too heavy
haha it happens steady!
130 dollar he wanted from me
dollar? We're in Japan you can clearly see.

...to be continued...

Mittwoch, 4. November 2015

Das Internet ist voll von Psychopathen

Wir schreiben den 5. November 2015. Wir leben in einem Zeitalter, in dem Autos fliegen können und wir anstelle von Skateboards Hoverboards benutzen, um vorwärts zu kommen. Unsere Haustüren lassen sich per Fingerabdruck öffnen und Pizza Hut hat eine Pizza erfunden, die beim Backen um ein Vierfaches grösser wird. Pepsi hat Cola ausgestochen, Hunde gehen ohne Herrchen Gassi und wenn wir zufälligerweise in einen Teich fallen, trocknet unsere Kleidung von selbst. Keiner hat ein Smartphone in der Hand. Keiner hat einen iPod oder geschweige denn die weissen Stöpsel in den Ohren, keiner hat überteuerte Beats by Dr. Dre auf dem Kopf oder nutzt das Internet. Das Internet existiert gar nicht.  Jetzt wissen wir, dass etwas nicht stimmt...

Im richtigen Jahr 2105 hat man sich nicht viel zu sagen. Trifft man sich mit Freunden, sitzt man zwar in der Gruppe da, aber jeder schaut auf diesen kleinen Bildschirm, den er in der Hand hat. Hören will man ohnehin nichts, das signalisieren die Kopfhörer...
Aber, das Internet ist aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Es bestimmt unser Leben.
Wir können einen ganzen Nachmittag auf der Webseite von Zalando verbringen und Kleidung und Accessoires einkaufen, die uns dann portofrei zur Anprobe zugeschickt werden. Kosmetikprodukte aus Japan bekomme ich bei Amazon, Produkte von Shiseido bei easycosmetic. Bestelle ich wieder Produkte für über CHF 300,- sperrt man meine Kreditkarte, weil man denkt, es handle sich um eine seltsame Transaktion. Wer kauft schon Kosmetika für über CHF 300,- ein? Guter Mann, eine Frau, die das dreissigste Lebensjahr erreicht und der rapiden Hautalterung entgegenwirken will!
Jedenfalls können wir sogar Lebensmittel im Internet einkaufen, die einem noch am selben Tag geliefert werden.
Wollte man sich früher eine Pizza bestellen, war man gezwungen dort anzurufen. Dank Foodarena, bestellt man sich die Pizza mit ein paar Klicks online.
Fahrpläne finden wir online, Veranstaltungen, Flüge, Hotels... Ja gar unsere Bankgeschäfte wickeln wir online ab.
Wir sparen uns auch die Briefmarken, in dem wir Emails verschicken. Wer heiraten will, sucht sich online auf der Webseite einer Vermittlungsagentur jemanden aus. Oder man trifft sich online auf Seiten wie Paarship...
Wenn wir eine Fremdsprache lernen wollen, können wir dies auch online machen. And here we go!

Seit kurzem unterrichte ich Deutsch über eine Webseite. Allerdings bekomme ich da kaum Studenten, weil die Deutschen Preisdumping betreiben. Sorry, ich bin Schweizer und unterrichte auch online zu einem Schweizer Lohn. Welcher geistig gesunde Mensch, unterrichtet 45min für CHF 5,-?
Jedenfalls bin ich noch auf einer anderen Webseite angemeldet, wo es um Sprachaustausch für Japanisch geht. Und dort habe ich den Musiker kennen gelernt.

Immer wieder fragen mich die Leute, "Wo hast du ihn kennen gelernt? Im Internet??? o_O" und fallen dergestalt rapide ins Loch, dass man nicht einmal mehr ein rettendes Seil hinterher werfen kann. Ja. Im Internet! Herzlich willkommen im RICHTIGEN Jahr 2015!
Aber im Internet wimmelt es von Psychopathen!
Korrekt! Das passt ja dann perfekt... Moment ich schnall kurz meine Zwangsjacke zu...
Ich könnte in einem Vorgarten verscharrt werden - ja. Die Wahrscheinlichkeit, dass einem das passiert mit jemandem, den man beispielsweise in einer Bar kennen gelernt hat, ist allerdings grösser. Ich müsste mich schwer täuschen, dass Ted Bundy damals mit einem Smartphone unterwegs war, und Frauen im Chat kennengelernt, sich mit ihnen getroffen und sie dann verstümmelt hat. Ted Bundy machte das noch ganz altmodisch. Oder Jeffrey Dahmer? Der ging gern in Clubs, nahm jemanden mit nachhause und die Person ward nicht mehr gesehen...
Wenn wir schon dabei sind, die 33 Leichen junger Männer, die man aus John Wayne Gacy's Keller exhumiert hat, verfügten auch noch nicht über einen Internetanschluss. Vielleicht hatte einer einen alten Atari zu hause, wer weiss... Aber keinen Internetzugang, keinen Chatroom, etc...

Ja liebe Leute, die Welt vor dem Internet schon voll von Psychopathen... 

Mittwoch, 28. Oktober 2015

Parasit

"Gegenwärtig ist zu sagen "es tobt ein Krieg in mir"...
Ich weiss, dass ich mir das von der Seele schreiben muss, jedoch muss ich meine Worte mit Bedacht wählen... schliesslich gab es schon einmal von einem ehemaligen Arbeitgeber eine Abmahnung... Einer solchen möchte ich dieses Mal entgehen.
Die Zeit wird kommen... 
Bald ist Halloween und somit Zeit für eine Horrorgeschichte? Möglicherweise eine Geschichte, über eine intrigante schwangere Frau, die ein Höllenbaby ausstösst? Verachtung gepaart mit dem Besuch eines Parasitenmuseums in Meguro, Tokyo, können erstaunliche Geschichten hervorbringen... 
Warten wir's ab 
„kiki“-Emoticon
 Aber, etwas wird bald geschrieben worden sein..."
- Navi M. Gray auf Facebook am 27.10.2015

Es war ein sonniger Tag, an dem SIE ihre neue Stelle als leitende Assistentin in einer nicht zu verachtend grossen Pharamaunternehmung antreten durfte. 
Bereits in ihrer alten Firma, wucherte SIE eines Virus gleich, und zerstörte, was es zu zerstören gab. Wie ein Parasit frass SIE sich durch die Firma und spann Netze aus Intrigen, welche SIE alle schriftlich festhalten musste, um sich nicht zu vertun. Kaum ein Wort, das über ihre spröden Lippen kam, entsprach der Wahrheit. Wenn SIE den Mund aufmachte und zu, nicht mit, ZU jemandem sprach, kam dieser jemand in den zweifelhaften Genuss, ihren schlechten Atem einzuatmen. Ihr Mundgeruch erinnerte an einen verwesenden Leichnam - ob der eines Tiers oder Menschen sei dahingestellt. 
Bald schon erzählten sich die ersten Mitarbeiter Geschichten darüber, dass jedes Mal, wenn SIE einen Raum betrat, ein beissender Geruch nach Schwefel in der Luft hing. Eine Abgesandte aus der Hölle, meinten die einen. Eine wandelnde Grabstädte, meinten andere. 
Langjährige Angestellte wurden entlassen, aufgrund von Fehlern, die sie nicht begonnen hatten. SIE dafür schon. SIE drehte alles so, dass SIE nie die Schuldige war. Selbst wenn SIE von Betroffenen darauf angesprochen wurde, wies SIE jegliche Schuld von sich. Wurde die Situation heikel, spielte SIE ihren Joker aus. SIE begann zu wimmern und zu wehklagen. Ihre Klagelieder waren stets von gleichem Inhalt. So etwas widerfahre ihr nur, weil SIE eine Auswärtige sei. Bereits in ihrer letzten Firma, sei SIE gemobbt worden. Dass ihr das jetzt wieder passieren müsse... 
SIE kletterte die Karriereleiter steil nach oben, auch wenn das bedeutete, mit einem Vorgesetzten zu schlafen, tat SIE das. SIE wollte nach oben. Dazu kam ihr jedes Mittel recht! Natürlich wurde die Anzahl der Leute, die SIE verabscheuten immer grösser. Feinde hatte SIE genug. So manch einer verlor seinen Job wegen ihrer Intrigen. So manch einer schwor auf Rache. Manche schworen gar auf Blutrache. 

Erwiesen ist nichts, aber man erzählt sich, es sei diese zarte unscheinbare Frau gewesen, die dem Treiben ein Ende gesetzt hat. Jene Frau durfte eine hohe Position ihr Eigen nennen. SIE gierte nach jener Position. So kam es, dass die unscheinbare Frau entlassen wurde, aufgrund eines Zwischenfalls in der Forschungsabteilung. Drei Personen kamen auf abscheuliche Art und Weise ums Leben. Jene Personen erforschten einen Erreger, welcher eine noch unbekannte Form Nekrotisierender Fasziitis auslöste, kam man damit in Berührung. Den Kollegen blieb nur eines: Durch dickes Glas zu beobachten, wie den drei Kollegen im Labor die Haut vom Körper gefressen wurde. Deren Haut begann anzuschwellen. Blasen bildeten sich, die innert Kürze platzten. Flüssigkeit trat aus. Die Haut, die Unterhaut und die Muskelfaszien lösten sich auf. 
Dies innert 30 Minuten. 30 Minuten Qualen. 30 Minuten bis zum Tod... als die Nervenbahnen begannen sich aufzulösen, verspürten die drei wohl keine Schmerzen mehr. Sie bekamen nicht mit, wie schliesslich nur noch eine Pfütze aus Blut und ein paar Eingeweiden von ihnen zurück blieb. Und die Knochen natürlich. 
SIE hatte ja keine Ahnung mit wem SIE sich angelegt hatte und so trat die kleine unscheinbare Frau eines Abends, ganz klassisch auf dem schwach beleuchteten Parkplatz an SIE heran. Sie blickte SIE an und murmelte etwas, das für SIE unverständlich war. 
Nach diesem Abend ging dann alles ziemlich schnell... 

SIE verkündete voller Freude, SIE sei schwanger. Auf die Frage "von wem?" hatte sie allerdings keine Antwort. Schliesslich kamen vom 65-jährigen Firmeninhaber bis hin zum rangniedrigsten Chef jeder in Frage. Es war ihr jedoch egal. Denn SIE wusste, wer SIE war und das Kind konnte man ja zu Forschungszwecken verwenden. SIE dachte nicht im Traum daran, diesen kleinen Menschen nach der Geburt zu behalten. Zur Forschung ja. 
Ein weiterer Untersuch bei der Frauenärztin zeigte, dass SIE Drillinge erwarte. SIE freute sich darüber, denn so hatte sie gleich drei Babys, die SIE zur Forschung missbrauchen konnte. 
Etwas später, zeigte eine weitere Untersuchung, dass von den Drillingen nur noch zwei da waren. Wie konnte das möglich sein? Keiner wusste es... SIE dachte nicht weiter darüber nach. Die Frau bei der ersten Untersuchung musste geschlampt haben. Ganz einfach. 
SIE wurde während der gesamten Schwangerschaft von stechenden Schmerzen heimgesucht. Ihr Bauch wuchs in rasantem Tempo und so auch der Fötus in ihr - oder das fötusähnliche Wesen, dass da in ihr keimte und gedieh... 

Aus dem Protokoll des Leichenbeschauers geht folgendes hervor: 
Als man SIE gefunden hatte, war SIE noch am leben. In ihrem Bauch klaffte ein grosses Loch und alles war mit ihrem Blut verschmiert. In ihrem Bauch bewegte sich eine unbekannte Lebensform, welche entnommen und erforscht wurde. Die Tests ergaben, dass es sich bei der Lebensform um ihr Kind handelte, welches von einem Parasiten absorbiert wurde. Offenbar hatte es nie Drillinge gegeben. Fälschlicherweise wurde der Parasit als Fötus angesehen, der den einen Zwilling dann absorbiert hatte und sich danach dem zweiten Kind widmete. Der Parasit hatte, als er nicht mehr ausreichend Platz im Bauch des Wirts hatte, die Bauchdecke durchstossen. Welche Schmerzen SIE hatte erleiden müssen, ist kaum auszudenken. Offiziell ist SIE hinter her gestorben.
Doch, so habe ich vernommen, wurde SIE zu Forschungszwecken in ein Labor ihrer ehemaligen Firma gebracht, wo sie am leben erhalten wird und als Wirt für weitere Parasiten dient. Schliesslich hat ihre Firma eine grosse Abteilung, die sich der Erforschung von Parasiten jeglicher Art widmet. Dort in einem Labor liegt sie festgeschnallt und dient als "Leihmutter" für Parasiten. 
Und wenn sie noch immer nicht gestorben ist, dann dient und leidet sie noch heute.



Das schöne an solchen Geschichten ist, es muss nicht alles 100% stimmig sein - möglich wärs aber. Ausserdem konnte nie erwiesen werden, wie SIE sich mit diesem Parasiten infiziert hat. Manche sagen ja, sie wäre von der unscheinbaren Frau verflucht worden. Andere halten das aber für zu sehr "Drag me to hell". Möglicherweise war SIE beim Präparieren einer ihrer Intrigen zu unvorsichtig? Wer weiss...
In dem Sinne, bedanke ich mich dafür, dass Ihr Euch die Zeit genommen habt, meine kleine Geschichte zu lesen. Ich hoffe, sie gefällt Euch so gut, wie dem Parasiten die Föten gefallen haben -_^
Eure, Navi M. Gray

Sonntag, 13. September 2015

Gesellschaftliche Konvention: Das Bierli

Nahezu jeden Samstag verbringen wir den Feierabend auf der Dachterrasse des Betriebs und trinken ein zwei Bierchen. Die Einen trinken eines mehr, die Anderen eines weniger. Meistens geht es auf. Wenn nicht, muss jemand in den sauren Apfel beissen, gen Coop pilgern und Neues besorgen. Ich war das noch nie. Unsere männlichen Genossen sind eben noch Gentlemen und so geht einer von ihnen. Aber meist wird schon im Voraus genug des kühlen blonden Getränks organisiert.

So kam ich nicht umhin, mir ein paar Gedanken übers Biertrinken zu machen...

Bier muss einfach sein!

Nicht das jetzt jemand denkt, ich hätte ein Alkoholproblem. Ich bin weit davon entfernt. Und zwar so weit, wie ich nicht mehr in der versoffenen Gastronomie tätig bin. Aber ich dachte, wenn ich schon einen Eintrag zum Thema Bier schreibe, kann ich mir auch eines genehmigen, nicht? 
Neben mir steht eine Dose des neuen "Fäldschlössli Braufrösch". Seit diese rote Dose in den Kühlregalen des Coop vertreten ist, gibt es für mich nur noch ein "Braufrösch" als samstäglichen Feierabendtrunk, denn es ist herrlich mild!

Wenn wir uns zurück erinnern, weit zurück in jene frühen Kindertage, zu denen wir gerade noch Erinnerungen abgespeichert haben, sehen wir Familienfeste oder einfach Besuche. Die Erwachsenen, also der männliche Anteil, hatten stets eine Flasche Bier in der Hand. Ich höre die Stimme meines Vaters fragen "Nemsch no es Bierli?" oder die Stimme meines Onkels, der einen Kasten Bier mitgebracht hatte und meinte, das müsse mein Vater mal probieren. 

Es gibt kein Fest, keine Feier, ob öffentlich oder im Familienkreis, kein Konzert, wo es nicht etwa auch Bier gäbe. 

Ein "Fäscht", wie mein einer Arbeitskollege, das immer so schön auszudrücken weiss, ohne Bier ist hierzulande unvorstellbar. 

Wie viele Menschen trinken nach der Arbeit das sogenannte Feierabendbier? 
Ich denke, Bier kommt vor allen anderen Getränken. Kaffee könnte ihm wohl das Wasser reichen.. oder auch nicht?



Ein Bier ist immer freundschaftlich...

... es sei denn, es wird in eine Glasfalsche über jemandes Kopf geschlagen...
Ernsthaft jetzt, jeder hat sein Bierchen in der Hand und es versteht sich von selbst, dass man anstösst. Dabei schaut man dem Gegenüber in die Augen und sagt einen Trinkspruch, egal in welcher Sprache. Sei es "Kampai", "Nastrovje", "Prost", "Zum Wohl", "Santé"... egal in welcher Sprache der Trinkspruch ausgesprochen wird, er muss einfach sein. Seit ich Hostel 2 gesehen habe, lautet mein Trinkspruch Nastrovje. ^_^
Man stösst an und trinkt in einer freundschaftlichen Runde, während dem man sich unterhält. Sei es in unserer Dachterrassenrunde über Kunden, das Leben oder meistens über Filme. In der Mitte des Tisches steht immer ein Sixpack Quöllfrisch. Vor mir steht ein Braufrisch und manchmal sieht man gar ein Chopfab, das übrigens auch nicht zu verachten ist. 
Egal in welcher Runde man sich befindet, sobald ein Bier da ist, scheint alles gut. Man hat Gleichgesinnte. Sitzt man in einer Bar, trinkt man plötzlich mit einer Gruppe wildfremder Menschen und erhebt die Flasche zum Gruss. Bier verbindet. 


Bier und Black Metal

Während der Zeit, die ich in der (hauptsächlich Zürcher) Black Metal Szene zugebracht habe, ist wahrlich viel Bier geflossen. Viel ist gar kein Ausdruck. Ich erinnere mich gut an den ersten PDW-Tag, an dem ich, die dem Trinken nicht gewöhnt war, bereits nach zwei Bier schwankenden Schrittes gen Toilette wackelte. 
An Konzerten und Treffen war immer literweise Bier bereit. Man war an einem Konzert, trank sein Bier. Sah ein bekanntes Gesicht und erhob die Flasche zu Gruss. Ein Bier sagt mehr als tausend Worte. Das grösste Problem bei Konzerten war stets, wann trinke ich nur mein Bier? Bei welcher Band will ich bangen und bei welcher kann ich mein Bierchen trinken? Das waren noch Probleme... Oder man gab sein Bierchen in die Obhut des Freundes, des Kumpels, der Freundin und gesellte sich zu den bangenden Black Metallern. Das waren noch Zeiten, die ich hin und wieder vermisse... 
Bei solchen Erinnerungen muss ich stets lächeln. Es waren stupide Zeiten. Es waren gute Zeiten. 
Ich erinnere mich an zwei Typen in Gestalt eines Kleiderschranks, die sich die Fresse einschlagen wollten, schliesslich der eine dem anderen aber ein Bierchen spendierte und so tranken sie brüderlich und das Kriegsbeil wurde weggespült - mit Bier. 
Im Black Metall ging es ohnehin meist friedlich zu und her. Nie werde ich die Genossen von damals vergessen. Das Gelächter. Die Sprüche. Die Stimmung. Die Sympathie. Die Musik! 

Es Bierli


Oft macht man sich ja über die Schweizer lustig, weil wir unsere Verniedlichungsform "li" haben. So auch beim Bier. Jedes Mal, wenn ich über Whatsapp eine Nachricht erhalte, in der "Bierli" steht, muss ich unweigerlich lächeln. Ein "Bierli" ist etwas unschuldiges. Etwas gutes. 
So traf ich mich erst am vergangenen Montag mit einer Freundin auf ein Bierli in Olten an der Aare. Der Text lautete in etwa "Hökle mer chli ad Aare ufnes Bierli". "Hökle" ist auch so was... von "hocken" das Schweizer Wort für "sitzen". "Hökle" ist niedlich. "Hökle" ist etwas gutes, etwas niedliches, etwas unschuldiges, wie das "Bierli". 
Bierli ist fast schon liebevoll, vor allem dann, wenn es aus dem Mund eines Mannes kommt. So hörte ich doch neulich im Zug gen Olten einen jungen Typen zum anderen sagen "Holen wir uns nachher ein Bierli". Ich musste schmunzeln. 

Meiner Meinung nach ist die gesellschaftliche Konvention des Biertrinkens etwas gutes. So lange es zelebriert und nicht mit Füssen getreten wird. 

Und somit schliesse ich diesen Text für heute, erhebe mein Bierli und ende mit einem Nastrovje!






Samstag, 1. August 2015

Der schwangere Mann


Es war ein wunderbarer Tag, nicht vom Arbeiten her, da wir kaum etwas zu tun hatten, aber das Wetter war perfekt. Nicht zu heiss, nicht zu kalt, einfach angenehm sonnig. Die perfekte Kulisse also für die Anfangssequenz einer Nicholas-Sparks-Verfilmung...

Miralind und ich hielten uns am Empfang auf und verhandelte gewichtige Themen, welche natürlich allesamt mit dem Job zu tun hatten - denn Privatgespräche waren ja nicht erlaubt. Und da Schafe und ihre „Maaa“-Laute zum Arbeitsalltag gehörten - zumindest seit diesem Kunden, der sich in (s)einer Schafphase befunden hatte - und hoch im Kurs stehen, war das Thema Schaf an der Tagesordnung und so sprachen wir gerade über Schafe, als das Unaussprechliche geschah…

Eine Erschütterung war zu spüren und so dachten wir unweigerlich an ein Erdbeben der Stärke 2. 
Aber hier in der Schweiz? Mitten in Zürich? Die Erschütterungen wurden schlimmer. Ich betrachtete die Kreise, die sich in meiner Wasserflasche bildeten und dachte natürlich gleich an einen T-Rex! Ich sagte zu Miralind, das müsse ein T-Rex sein! Etwas anderes sei gar nicht möglich! 

Die Pforte zu unserem kleinen und buchschwangeren Reich öffnete sich und ein als Schwangerschaftsbauch getarnter Bierbauch schwappte herein. Kurz darauf folgte der dazugehörige Mann. Übrigens kreisten zwei kleine, ebenfalls schwanger aussehende Männlein in einer Umlaufbahn um ihn. Hätten wir den Mann von hinten betrachten wollen, hätten wir erst noch einmal volltanken müssen.
Ich flüsterte zu Miralind, da kommt ein schwangerer Mann. Miralind brach natürlich in schallendes Gelächter aus. Miralind bricht bei allem, was ansatzweise witzig ist, in schallendes Gelächter aus. Dafür liebe ich sie einfach. Die Arbeitstage ohne sie ähneln den letzten Tagen des Caligula: düster und am Anfang einer Entropie… 

Jedenfalls kam der mit einer weissen Zeltplane überspannte Bierbauch auf uns zu. Dicht gefolgt von dem dazugehörigen, verschwitzten Mann, der seine Augen und einen Teil seiner Nervosität, hervorgerufen durch seine Unsicherheit, hinter einer dieser peinlich-sportlichen Sonnenbrillen mit Spiegelgläsern zu verbergen wusste.
Wie es so üblich ist, hat er natürlich keine Anstalten gemacht, seine Brille abzunehmen. Wieso auch? Schliesslich besitzen rund 70% aller Menschen, die unser kleines Reich betreten, diesen Anstand nicht. 

Er öffnete den Mund und seine hohe zitternde Stimme war von Nervosität geschwängert. Dieser Mann triefte - vor Schweiss und Unsicherheit. 
„Ihr seid das aller Letzte!“ 
Miralind und ich schauten einander an. 
„Ihre Firma hat en Bogen deutlich überspannt! Vor 10 Jahren haben sie noch das 10. Buch Mose verkauft und nannten andere Idioten! Und letzte Woche haben sie da draussen einen Sexfilm verkauft! Euch ist nichts heilig!“ 
Als ich zu Miralind schaute, graute mir, denn ich rechnete fest damit, dass ihre grossen Augen bald schon die Höhlen verlassen und mit einem schmatzenden Laut auf den Boden aufschlagen würden, so entsetzt starrte sie ihn an. 
Für mich, die den ersten Arbeitstag nach den wohlverdienten Ferien hatte, war der Mann nur lästig und ich war genervt, dass er diesen schönen Tag mit seinem geistigen Dünnschiss überschatten wollte. So teilte ich ihm desinteressiert mit, er möge seine Beschwerde doch bei den Zuständigen anbringen, wir arbeiteten schliesslich nur hier. 
„Nein! Ich will nicht noch rechtlich gegen sie vorgehen! Es reicht, wenn ich das hier sage! Sie müssen das wissen!“
„Ja dann, dankeschön.“ flötete ich. 
„Bitte“ krähte er vom Ausgang her. Miralind und ich brachen in schallendes Gelächter aus, worauf sich erst der schwanger anmutende Bauch umdrehte, und kurz darauf der dazugehörige Mann. Ob er uns einen bösen Blick zugeworfen hat? Wir werden es nie erfahren. Schliesslich können wir nicht durch Spiegelgläser sehen. Jedenfalls starrte er noch durch die grossen Fenster zu uns herein und wir lachten noch so lange, bis erst der Bauch und kurz darauf der dazugehörige Mann verschwunden waren.























Sachen gibts…


So geschehen in der dritten Juliwoche 2015...


W E R B U N G

und für alle, die es interessiert... während meiner Bildersuche bin ich auf folgenden geistreichen Artikel gestossen:

JURASSIC PARK ICE CUBES