Samstag, 18. August 2018

Vom Wunsch, Schädel einzuschlagen....

Seid gegrüsst, oh meine Leser

Na, was solls denn heute sein? Geht es Euch gut? Geniesst Ihr das Wochenende? Nun, mein Samstagmorgen war bis vor wenigen Minuten noch wunderbar. Was sich vor wenigen Minuten ereignet hat, ist Grund für diese Eintragung.
Allerdings war ich erst nicht sicher, ob es auf diesen Blog gehört. Was solls...

Ich fahre nach Bern. Unterrichte heute noch. Gehe in der Welle in die dortige Migros. Schleicht eine faltige Bürgerin aus Innsmouth (entschuldigt, ich lese mal wieder Lovecraft, und die Fischaugen dieser Alten, erinnerten mich irgendwie daran) mit ihrem verdammten Tablett, auf dem sich zwei Kaffee Gesellschaft leisteten  vor mir her durch die Gänge. Ziellos, wie es scheint. Schlurf.
Ich gehe in meinem üblichen Stechschritt an ihr vorbei, da ich um 11:00 Uhr unterrichte und nicht, anders als sie, den ganzen Tag Zeit habe. Ich stehe vor dem Regal und schaue, sie quetscht sich zwischen mich und Regal und greift mir gierigen Fingern in die Brotauslage. Sie fasst an, dreht um, legt zurück. Igitt. Da überlegte ich schon, ob ich etwas sagen soll, tue es aber nicht. Denn noch immer bin ich guter Laune. Schliesslich hat sie ihre Brote aufs Tablett geladen und quetscht sich an mir vorbei, wobei sie mich leicht anschuppst. Sie hätte neben mir vorbeigehen können. Hat sie aber nicht getan. Ich rege mich auf und als ihr Ohr auf meiner Höhe ist, gebe ich ein echauffiertes "Entschuldigung!" von mir. Sie schaut mich genervt an, schüttelt den Kopf. Ihr Mund formt Worte, die ich nicht verstehe, da ich meine BOSE QuietComfort35 trage und ich die Aussenwelt somit nicht höre. Dennoch raste ich aus! Ich schubse die Alte ins Regal. Sie holt zur Gegenwehr aus. Ich entreisse ihr das Tablett und prügle auf sie ein. Immer mitten in die Fresse rein. Als ihre hässliche Nase dann endlich gebrochen ist, greife ich nach ihren Haaren, wickle meine Finger schön darin ein und schlage ihre Visage immer wieder gegen das Regal. Das hohle anfängliche Poltern endet in schmatzenden Lauten. Irgendwann realisiere ich, dass alles voller Blut ist. Von der Alten Gesicht ist nichts mehr übrig. Nur noch eine breiige Masse, die an den Haaren hängt, die ich noch immer fest umschlossen halte. Ein Teil ihres Gesichts hat sich über die Brote ergossen, die sie zuvor wieder zurückgeworfen hatte. Ich habe mein Werk vollendet. Lasse die grauen Haare los und gehe zur Kasse. Das Blutbad hinter mir kann jemand anderes aufwischen.

Gut, meine Leser. In einer perfekten Welt, wäre das so abgelaufen. Es ist auch alles so passiert, ausser dem Teil, in dem ich auf sie eingeschlagen habe.
Ich habe nicht gehört was sie gesagt hat. Sie ist dann zur Kasse geschlurft. Zwei junge Typen neben mir haben sich darüber amüsiert, dass ich die Alte zurechtweisen musste. Woah echt! Diese Trotzhaltung! So à la, ICH GEHE HIER LANG! GEHT MIR ALLE AUS DEM WEG!
Auf dem Weg zum Self-Checkout steht sie an der Kasse und schaut mich grimmig an. Ich starre zurück mit erhobener Augenbraue. Ich bin bereit Alte! Wenn Du kämpfen willst, wir tragen es aus! Sie wendet sich ab. Ich gehe zum Self-Checkout und verlasse nach dem Bezahlen die Migros. Dabei sehe ich, wie sie einen jungen Typen anrempelt, der vor ihr steht. Sie will zu einem der Tische und bringt es nicht fertig an dem Typen vorbei zu gehen. Nein. Denn es ist IHR VERDAMMTER WEG!
Solche Menschen sollten echt zuhause bleiben!



Samstag, 11. August 2018

Geständnis einer Lehrerin

Seid gegrüsst, oh meine Leser

Mir ist die Tatsache bewusst, dass bereits wieder viel Zeit verstrichen ist, seit ich hier etwas Neues geschrieben habe. Wieso, möchtet Ihr nun bestimmt wissen. Nun, es gab da nichts. Nichts, was interessant genug gewesen wäre, um hier erwähnt zu werden... Und um mit ehemaligen Arbeitgebern abzurechnen, dafür fehlte mir der Groll.
Aber letzte Woche hat sich etwas ereignet... Ich muss Geständnis ablegen. Aber nur hier. Nicht bei der Polizei. Nicht bei den Angehörigen. Nicht bei den Behörden.
Ich habe getötet. Ich habe gemordet. Ich habe Lebenslichter ausgelöscht. Haha sind wir ehrlich. Jeder von uns hat gewusst, dass es nur eine Frage der Zeit sein wird, ehe ich endlich Menschen töten werde. Meine verkommene Seele ist geradezu geschaffen dafür!

Ehe ich zu den Ereignissen des Tatabends komme (was absolut bescheuert klingt. Hätte ich ein paar Stunden gewartet, hätte ich Tatnacht schreiben können), noch kurz ein paar Dinge vorweg.

Also erstens krabbelt eine Assel auf mich zu. Ich weiss nicht, ob ich mein Zeug packen und panisch kreischend in meine Stube rennen soll. zweitens hat sich eine Wespe zu mir gesellt. Aktuell krabbelt sie an der leeren Braufrischdose hoch. Solange sie da bleibt, ist alles gut. Von der Wespe abgelenkt, habe ich die Assel ausser Acht gelassen und nun ist ihre Position nicht mehr auszumachen. Scheisse.

Wir erinnern uns an die Zeit, als selbst ich, Nara M. jung war und die hiesige Kirche besuchen musste, um eine bescheuerte Stempelkarte voll zu bekommen, die der Einlass zur Konfirmation war. Wieso haben wir uns konfirmieren lassen? Es gab Geld. Haha Schweizer. Kapitalismus anstelle eines Schnullers mit in die Wiege gelegt bekommen. Allah, was sind wir doch für ein verkommenes Volk! (Na? Seid Ihr auch alle schön irritiert, dass ich anstelle von "Gott" "Allah" geschrieben habe? haha gut so!)
Jedenfalls sagte mir ja damals einer dieser Schnorris der hiesigen Kirche, ich behaupte noch heute, dass diese Gruppierung einer Sekte gleichkommt, meine Seele stehe an einem Abgrund. Dies, weil ich Horrifilme- und Literatur konsumiert hatte, wie andere Kaffee. Die Seele sei ein Abfalleimer und der sei irgendwann voll. Und bei mir dauere es nicht mehr lange, ehe dieser voll ist und die dunkle Seite Besitz meiner Seele ergreifen würde. Mit der dunklen Seite war natürlich Belzebub aka Satan gemeint. Erzengel Gabriel. Ganz ehrlich? Wenn Gabriel so war, wie von Christopher Walken in God's Army verkörpert, habe ich nichts gegen seinen Besuch einzuwenden.
Jedenfalls sollte es noch weitere 15 Jahre dauern, ehe ich die Kontrolle über mich verlieren und endlich morden sollte.
Also ich für meinen Teil, bewundere mich für meine Ausdauer. Schliesslich hatte ich diesen Drang immer in mir und konnte ihn unterdrücken. Zumindest bis zur letzten Woche...

Also, angefangen hatte alles ganz harmlos. Die Kameras zeigten eine grüne Wiese. Einen Hund, der sich im Gras wälzte und eine fröhliche intakte Familie. Das wäre zumindest so gewesen, lebten wir in einem Horrorfilm. Aber das wahre Leben ist ganz anders.
Grünes Gras gibt es aktuell nicht. Durch die grosse Hitzewelle 2018 war alles braun, verdorrt und tot. Ich sass im Lehrerzimmer und unterhielt mich mit zwei Lehrerkollegen. Einer von ihnen ist ebenso sarkastisch und zynisch wie Eure werte Mörderin... uiuiui... Erzählerin. Die andere weniger.
Wir machten Spässe und tauschten uns darüber aus, dass man manchmal einfach keine Geduld mehr hat und ausrasten möchte. Ich meinte dann mit der trockenen und nüchternen Stimme Muldoons in Jurassic Park "Man sollte sie alle töten.". Der zynische Lehrer lachte Tränen, kannte er doch den Film. Die Lehrerin sah mich entsetzten Asudruckes an. Als hätte sie gewusst, dass dieser Spruch bald schon Realität werden würde. Wir sponnen den Gedanken weiter und meinten, Lehrer wäre die perfekte Begebenheit für einen Massenmörder. Einfach ist Zimmer kommen, alle umbringen, Geld kassieren und dann bei der nächsten Klasse genau das gleiche.
Nein, meine getreuen Leser. Es ist nicht meine Klasse, die ich getötet habe. Obschon ich mir heute, wenn ich so zurückblicke wünschte, ich hätte die eine Frau dem Sensenmann übergeben. Die eine, deren Parfüm mich beinahe kotzen lässt - so süss ist es. So etwas sollte verboten werden.

Wie dem auch sei. Ich war in der Schule und unterhielt mich mit einem der Chefs. Wieso sind Chefs immer so uneinsichtig? Jedenfalls ging es darum, dass die Lehrer immer mehr Arbeiten übernehmen sollten und dies natürlich unbezahlt. Denn die Haltung der Schule ist wahrhaftig die, dass die Mitarbeiter kostenlos arbeiten sollen. Da ich natürlich anderer Meinung bin, wurde unsere anfänglich friedliche Unterhaltung zunehmends hitziger. Als er dann vom Stuhl aufsprang und mir dergestalt ins Gesicht brüllte, sodass meine Haare nach hinten flogen, dass ich die längste Zeit Lehrerin gewesen sei, da ich kein bisschen Einsatz für die Schule zeigen würde, war es einfach genug! Ich fragte ihn ganz ruhig, ob das nun sein Ernst sei. Er entlasse mich, weil ich nicht gratis arbeiten wolle. Er brüllte mir alles mögliche entgegen. Das konnte ich nicht zulassen, schliesslich bin ich eine der Besten. Noch immer war ich ganz ruhig. Das war der Moment, in dem ich selbst feststellen musste, dass ich eine Psychopathin bin. Ich fragte ihn, mit einem Lächeln im Gesicht, ob das nun sein letztes Wort gewesen sei. Er brüllte mir ein Ja entgegen und marschierte zur Tür. Ich griff zur Schreibmaschine, die auf dem Tisch stand. Es handelte sich um eine alte Royal 10. haha ganz genau! Das gleiche Modell, dass Paul Sheldon in Misery verwendet. Nur dass, bei dieser hier das N noch nicht fehlen sollte. Wie dem auch sie, ich griff zur Schreibmaschine und schlug sie meinem Chef auf den Hinterkopf. Als er sich zusammensackend der Gravitation hingab, glotzte er mich mit weit aufgerissenen Augen an. Sein Blick sagte mir, dass sein Gehirn noch nicht verarbeitet hatte, was mit ihm geschah. Saudämlich glotzte er mich offenen Mundes an. Ich schlug nochmals zu und nochmals und nochmals. Wie oft ich die Royal 10 auf seinen Schädel habe runtersausen lassen, weiss ich nicht mehr. Jedenfalls muss es oft gewesen sein. Sein Gesicht war nicht mehr zu erkennen. Gehirnmasse klebte an der petrolfarbenen Wand. Scheisse.... Ich hätte die Wände mit Zeitung oder Plastikfolie abdecken sollen. Habt Ihr eine Ahnung, wie lange es dauert, Blut von Wänden abzuwaschen und Gehirnmasse abzukratzen??? Ausserdem spritzte sein verdammtes Gehirn auf den Sichtbeton, den zu bekleben uns ja verboten war. Der Sichtbeton musste belassen werden, wie er war. Ja super!
Nachdem ich diesen gottverdammten Leichnam in zerteilt hatte, begann ich damit die Wände, Tische und Stühle zu schrubben. Wir hatten nicht einmal ein Hackebeil! Einzig ein Brotmesser. Ja richtig. Ich war gezwungen, diesen Wichser mit einem Brotmesser zu zerteilen! Ihr könnt Euch ja sicherlich denken, dass das eine ganze Weile gedauert hat. Das war mir jedenfalls eine Lehre. Ich habe mir ein Hackebeil gekauft, welches ich nun stets in meiner Handtasche herumtrage. Man weiss ja nie, wann man den Nächsten töten muss.
Die ganze verdammte Nacht lang hatte ich damit zugebracht, die Wände zu säubern. Der verdammte Sichtbeton (Tenshi, Dési. Dä Siech esch Euch gwedmet!) ist nun wieder sauber. So auch die Wände. Die Tür. Die Tische. Die Stühle. Den Chef habe ich entsorgt. ^_^
Mit unserer Schule dürfte es nun bergauf gehen. Und was haben wir von Edward Furlong (was war ich als Teenie in ihn verliebt... also in den Terminator 2 und Friedhof der Kuscheltiere 2 und American History X Furlong) in American History X gelernt? Man soll immer einen starken Abgang hinlegen und wenn einem selbst keiner einfällt, soll man mit einem Zitat abziehen. Also ich beende dieses Geständnis mit einem Zitat aus American Psycho 2:

"Ich töte für eine bessere Zukunft."

Samstag, 24. Februar 2018

"Die huere schiss SBB immer!"

Meine lieben Leser, heute durfte ich mal wieder eine Erfahrung machen, über die ich Euch unbedingt berichten muss. Ereignet hat sich alles genauso, wie es hier zu lesen steht, heute Morgen.

Noch in meinem gemütlichen Zuhause stehend, blicke ich auf die Uhr. Uuups. Ein bisschen spät dran bin ich. Die Zeit reicht nicht mehr aus, um noch meine neuen Timberland Schnürstiefel anzuziehen. Das Schnüren dauert immer ewig. Also schlüpfe ich in meine UGGs. Ohnehin die bessere Entscheidung, bei diesen sibirschen Temperaturen. Ich greife nach meinem Schlüssel, schultere die Tasche und eile aus dem Haus, direkt zur Bushaltestelle. Es ist bereits 07:37 Uhr. Um diese Zeit sollte der Bus die Haltestelle verlassen. Obschon Samstag ist, kommt der Bus zu spät. Mein Glück. Um 07:40 Uhr fährt er, mit mir im Innern, gen Bahnhof. Einige Menschen hechten noch in den Avec. Laut SBB-Fahrplan bleiben ihnen dafür ganze drei Minuten. Mir wäre das zu stressig, jedoch scheinen manche Menschen nicht auf ihr Comella und ihr Gipfeli verzichten zu wollen/können.
Ich für meinen Teil gehe direkt zum Perron. Die Anzeigetafel zeigt uns, weiss auf blau, dass die S-Bahn pünktlich abfahren wird. Nämlich um 07:46 Uhr. Als sie um 07:48 Uhr noch nicht zu sehen, ist das für die geübten Pendler noch kein Grund, um in Panik auszubrechen. Wir sind uns das ja gewohnt. Besonders unter der Woche und wenn es kalt ist, oder wenn Schnee fällt. Oder wenn es stark regnet. Oder wenn es richtig heiss ist. Oder wenn es neblig ist. Oder wenn es windet. Oder wenn das Wetter überhaupt keinen Grund spielt. Jedenfalls erklingt dann eine Durchsage, die ich sogar höre, da ich meinen BOSE QuietComfort35 zwar trage, aber dieser noch ausgeschaltet ist. Die bekannte, halbmenschliche und halbmechanische pseudo feminie Stimme teilt uns mit:

"Die SX nach Olten wird
ca. 10 Minuten später abfahren. 
Grund dafür ist das Abwarten
auf einen anderen Zug."

Hiess es nicht mal, dass keine Züge mehr abgewartet würden? Dies war wohl nur ein leeres Versprechen. Jedenfalls reichen meine Mathematikkenntnisse gerade noch aus, um kurz die Uhrzeiten gedanklich zu überschlagen. Wenn die S-Bahn um 07:56 Uhr abfährt, bei einer Fahrzeit von 4-5 Minuten und der Anschluss gen Zürich HB um 08:00 Uhr abfährt, habe ich keine Chance diesen zu erwischen. Also öffne ich meine STARBUCKS-App und prüfe, ob ich auf meiner Goldcard noch genug Geld für einen Grande Latte habe. 
Eine Frau stampft ganz hecktisch von einem Bein aufs andere. Ein junger Typ, ebenfalls BOSE tragend, zündet sich noch eine Zigarette an. 
Dann, um 07:54 Uhr verlässt die S-Bahn den Bahnhof, mit uns halb durchgefrorenen Pendlern an Bord. Sie beschleunigt. Das bedeutet, ich könnte den Anschluss nach Zürich noch schaffen. Ich stehe bei der Tür, wie immer. Mir gegenüber steht eine Frau, die ganz zwangsneurotisch alle 50 Sekunden auf ihre Armbanduhr starrt, den Kopf schüttelt, aus dem Fenster schaut und dann das ganze Spiel von vorne beginnt. Ich bin amüsiert. Aus einem Abteil hört man genervte Menschen. Aus einem anderen Abteil höre ich "Easy, de nänd mer haud de Nögscht!"
Kurz vor Olten wird die S-Bahn immer langsamer und hält schliesslich an. Sie steht drei Minuten. "Ned e mol en Info gänds dore, die Schofsäckle!", hört man ein altes Müeti wettern. JAWOLL! Nicht einmal eine Info bekommt man! Na und? Wir wissen ja ohnehin, dass der Zug Verspätung hat. Dann spielen diese 3 Minuten auch keine Rolle mehr. 
Die Menschen drängen sich, wie Vieh, zu den Türen. Als ob sie so schneller am Bahnhof wären. 
Um 07:59 Uhr öffnen bleibt der Zug in Olten stehen. Die Türen öffnen sich und die ganze gestresste Pendlerschaar ergiesst sich übers Perron. Wenn es um Leben und Tod geht, ist sich jeder selbst der Nächste. So auch an den Bahnhöfen. Viele Menschen mit Koffern hetzen gen Unterführung. Ein auf dem Perron stehender Mann wird von einer hektischen und bekofferten Trulla gerammt. "Chasch ned luege?!", ruft er ihr hinterher. Sie erwidert, während sie an mir vorbei rennt "Ja du au, du dumme Siäch!". Koffer werden gegen Säulen, Mülleimer und Beine geschlagen. Hinternisse müssen bezwungen werden! Menschen werden geschubst, gerammt, zur Seite gedrängt. Dass es zu keinem Blutbad gekommen ist, grenzt hier an ein Wunder.
Wie kann man sich zivilisiert nennen, wenn man sich wegen einer simplen Verspätung aufführt wie Wilde?! Selbst eine wilde Affenbande hat mehr Anstand, als dieses Geschmeiss an den Bahnhöfen!

Vor den Treppen bilden sich Trauben aus Menschen. Jeder will so schnell wie möglich nach unten. Und schon kräht eine ältere Frau mit Brille und dem typischen Haarschnitt:

"Ufd Site!!! Mir müend an Flughafe!!!"
"Üse Flug goht am Zähni!"

Erstens wird sie bestimmt die Einzige, unter all den bekofferten Menschen sein, die zum Flughafen muss.
Zweitens hat sie selbst Schuld. Welcher Mensch, der bei klarem Verstand ist, plant so wenig Zeit ein? Olten-ZRH mit dem Zug dauert locker eine Stunde. Dann muss man noch durch den Flughafen, zum Check-in, sein Gepäck aufgeben und dann ist man bereits einer der Letzten beim Boarding - wenn man überhaupt pünktlich ankommt. Das sind dann genau die Menschen, die so geheckt durch den Flughafen rennen und sich überall vordrängeln. Sie dürfen ja, schliesslich müssen sie ihren Flug erwischen! Alle anderen Menschen, die vor dem Security Check warten, müssen ja sicher nicht auf einen Flug. Die machen das einfach hobbymässig. 

Ein Gesicht in der Menge schaut extrem finster umher. Der Mund öffnet sich:

"Die huere schiss SBB immer!"

Die bekofferten Menschen rennen zu Gleis 3. Es ist jedoch aussichtslos, denn der Zug gen HB steht schon gar nicht mehr dort. Wenn die Leute in ihrer Panik mal rübergeschaut hätten, hätten sie den Zug abfahren sehen können. Keine Minute hat er gewartet.
Was soll's? Um 08:20 Uhr fährt ja dann der ICN auf Gleis 7 nach Zürich. Ich werde den nehmen. Also schlendere ich amüsiert zu Gleis 7/4. Durch die Fenster eines auf Gleis 4 wartenden Zuges sehe ich das Szenario auf Gleis 3. Menschen mit verwirrten, irritierten, erznüten und sogar verzweifelten Gesichtern tummeln sich, wie die Figuren in Sims. Ohne ein Ziel. Sie sind einfach da. Ausgesetzt in einer wahnsinnig gewordenen Welt. Ohne Hoffnung. Ohne Glück. Ich muss unweigerlich lächeln, denn ich sehe Frau Ufd-Site-Mir-müend-an-Flughafe. Na dann, kann sie ja auch den ICN nehmen. Vielleicht sehe ich sie dann ja nochmal? XD
Gerne wüde ich mir dieses unterhaltsame Schauspiel noch ein bisschen länger ansehen, aber ich lebe in panischer Angst davor, dass meine Augenlider erfrieren und abfallen könnten, wie damals 1812 bei einigen Soldaten Napoleons während der Rückkehr aus dem Russlandfeldzug geschehen, und begebe mich ins Innere des Starbucks, wo meine Goldcard tatsächlich noch genug Geld für einen Grande Sojalatte gespeichert hat. Geld und Kaffee wechseln die Besitzer. Was für ein wunderbares Tauschgeschäft! 

Ich begebe mich aufs Perron und warte auf den ICN. Weiter hinten in der Menge sehe ich Frau Ufd-Site-Mir-müend-an-Flughafe wieder. Ich hoffe, sie erwischt ihren Flieger in die Wärme (möglicherweise) noch. 

Samstag, 27. Januar 2018

Polo Hofer von Minamar

Irgendwann im Jahr 2015...

Ich erinnere mich an dieses obskure Szenario, als wäre es eben erst passiert.
Ich hatte Dienst mit der holden Miralind. Wir standen in der Belletristikabteilung, unserem kleinen Reich, welches sich im EG befindet und somit Anlaufstelle für sämtliche verirrten Kunden und Touristen ist. Oftmals waren wir mehr Kundenleittafel und Infopoint denn Buchhändlerinnen in der Belle.
Wie dem auch sei, die Sonne schien durch die grossen Fenster und verkündete einen angenehmen Tag. Da öffneten sich die Türen und eine hektische Kundin kam hereingestürmt. Wie so oft in Zürich, verschwendete sie keine Zeit mit der gesellschaftlichen Konvention des Grüssens. Wieso denn auch? Sklaven der Dienstleistungsbranche grüsst man nicht. Wir sind es nicht wert, dass man die kostbare Zeit an uns verschwendet.
Sie schoss auf mich zu, bereits von der Tür her krähend "***o ****er****mar!". Ich konnte sie nicht verstehen, also wiederholte sie das, was für sie wohl eine Frage darstellen sollte nochmals, als uns nur noch knapp ein Meter voneinander trennte: "Polo Hofer von Minamar!"
Wollte sie mir damit mitteilen, dass Polo Hofer nun ein von in seinem Namen trägt und diesen durch Minamar ergänzt hat? Oder war Minamar ein hipper Ausdruck für Gottweisswas?
Irritiert sagte ich "Entschuldigung?"
"Minamar! Ein Land in der Karibik!", belehrte sie mich bereits sichtlich genervt von meiner dümmlichen Unwissenheit. Noch irritierter als ohnehin schon, brachte ich gerade noch heraus: "Reiseabteilung. Zweiter Stock." Ohne sich zu bedanken, kramte sie Steigeisen und Eispickel hervor und machte sich an den beschwerlichen Aufstieg an der Nordwand empor in den zweiten Stock. Zumindest klang es bei vielen Kunden so, als müssten sie die Nordwand besteigen, um in den zweiten Stock gelangen zu können.

Wir rätselten... welcher Fleck auf diesem Planeten Minamar heisst. Dazu konsultierten wir GoogleMaps. Die Antwort war "Keine Ergebnisse gefunden". In Florida gibt es ein Miramir. Aber Florida liegt nicht in der Karibik.

Schliesslich riefen wir in der Reiseabteilung an und fragten unsere Kollegin in den schwindelnden Höhen, nach dem kuriosen Wunsch.

Gesucht war ein Polyglott-Reiseführer. Sie hat also doch nicht nach Polo Hofer gesucht. Der gesuchte Fleck auf Erden war MYANMAR. Meine Geografiekenntnisse sind ja schlecht, aber gar ich weiss, dass Myanmar in Asien, irgendwo bei Laos und Thailand liegt...

Na dann, liebe Züribergbitch: Wir wünschen Dir einen guten Flug mit Deinem Polo Hofer, nach Myanmar oder Minamar in der Karibik... 😂

Donnerstag, 25. Januar 2018

Der Fluch der Bundeslade - und wie man sich ihm entledigt

Draussen scheint die Sonne. Eine warme Wintersonne. Es ist gerade mild genug, um bereits seit 1,5h bei geöffneter Balkontür, im lila Schimmer meiner Vorhänge, an meinem MacBook Air zu sitzen. Neben dem Notebook steht ein rotes Anker auf dem weissen Tisch. Häshtäg Schwiizerbier. 
Ehe ich mit dem Schreiben dieses Eintrages beginnen konnte, bedurfte es einer Konsultation bei Freund Google. Bilder, aber auch animierte Bilder genannt GIFS mussten gesucht und gefunden werden, einfach um diese Eintragung noch dramatischer zu gestalten und mit Einfältigkeit zu untermalen. Der nächste Unterricht beginnt um 18:30 Uhr. Dies, weil meine Nachmittagsschülerin heute verhindert ist. So bleibt mir Zeit, um ein bisschen zu schreiben.
Ach übrigens, ich habe CHILDREN OF BODOM wieder entdeckt! Deren wunderbarer Melodic Metal dröhnt derweil aus den Lautsprechern meines iPod-Players? Nennt sich dieses Gerät so? Gestern habe ich mit meinem good old Droog darüber philosophiert, wie diese Vorrichtung aus Holz denn eigentlich heisst, in der Schienen eingelassen sind, in die man die Vorhänge einhängen kann. Droog meinte, eventuell Vorhangrahmen. Ich war für Vorhangschienenbrett. Wir wissen es bis heute nicht. Himmel... wie soll das nur herauskommen, wenn ich ab nächstem Monat mein Studium wieder aufnehme? Ich kann mich ja nicht einmal auf meinen eigenen geistigen Erguss fokussieren ohne abzuschweifen. Wie soll ich da, dann 4 Lektionen lang zuhören können? Die Zeit wirds offenbaren... 
Kommen wir nun zum Wesentlichen, noch immer COB hörend. Alexi Laiho ist einfach ein verdammt starker Gitarrist!
Hier möchte ich anmerken, dass ich heute bei meinen Eltern zum Mittagessen eingeladen war. Meine Mutter meinte, sie stelle ein Fluchglas auf. Offenabr habe ich das wunderhübsche "verdammt" zu oft gebraucht.

War nicht jeder von uns schon einmal auf der Suche nach der Bundeslade? Ich denke doch. Die Bundeslade, hier mit Bezug auf Indiana Jones - Jäger des verlorenen Schatzes, kann man als stellvertretende Metapher für so Vieles aus dem Leben nehmen. Man kann immer dann von der metaphorischen Bundeslade sprechen, wenn man etwas unbedingt gewollt, es schliesslich bekommen hat und danach aber so gar nicht glücklich damit war.

Nachdem ich mich meinem Job, dem Kohleschaufeln in der Hölle, entledigt hatte - oder vielmehr hatte dieser Job sich mir entledigt, war ich auf der Suche nach einem neuen. Es war nicht der Job, der  mir nen Arschtritt als Dankeschön gegeben hatte, vielmehr war es Eidechse. Die Eidechse könnte treffender nicht sein. Ich habe mir diesen Namen aus dem Stephen King Roman "Thinner" geliehen. Cary Rossington, meine Damen und Herren! Aber, lieber Carry Rossington, mit Dir rechne ich später noch ab...😏

Jedenfalls war ich auf der Suche nach der Bundeslade. Dieser goldene Schädel, der mir von Belloq abgenommen worden war, war mir nicht genug. Ich hatte ihn ja nicht mehr. Dafür bekam ich das Amulett und den Stab des Rah. Ich verlangte nach mehr. Dabei hatte ich mit dem Amulett des Rah bereits alles, was ich mir je wünschen konnte. Nur hatte ich das nicht gesehen. Man strebt, ganz Indy-like, nach Reichtum und Ruhm und vergisst alles Irdische dabei. Jedenfalls machte ich mich auf, die Bundeslade zu finden. Aus dem Becher eines Zimmermanns hatte ich ja bereits getrunken (nicht in der Filmreihenfolge, aber wir sind hier beim kreativen Schreiben und nehmen uns diese Freiheit einfach!), der letzte Tempelritter hatte mir sein Schwert überlassen wollen und ich hatte eine Verfolgungsjagd in den Katakomben eines Museums überlebt - trotz einer hysterisch kreischenden Nazischlampe. Also machte ich mich auf, die Bundeslade zu suchen und fand sie dann auch nach kurzer Zeit. Von einer Bekannten hatte ich einen Tipp erhalten, wo sie sich befinden könnte. Und siehe da, sie war da! Diese gottverdammte Bundeslade sollte MEIN sein... 

So in etwa hatte ich ausgesehen, als ich mich ihr genähert hatte. Man könnte auch sagen, als ich die Einladung zum Vorstellungsgespräch erhalten hatte: 

Ich hatte die Bundeslade gefunden. Sie stand vor mir. Zum Greifen nah! Sie war mein! Ehrfürchtig nahm ich sie entgegen... behutsam öffnete ich sie... doch... nachdem der schwere goldene Deckel abgehoben worden war, befand sich in der Kiste nichts, denn Sand. 




Kaum hatte ich den Sand der Bundeslade durch meine Finger rieseln lassen, waren seltsame Lichter zu sehen. Sie kamen direkt aus der Bundeslade. Wer Indy gesehen hat (ich bereits damals als Kind - Merci, Erich! Dein Filmgeschmack ist einfach erlesen), weiss um die Gefahr. Ich schloss meine Augen. Ich verschloss meine Augen vor der Realität. Ich war kurz davor zu explodieren. Mein Gesicht sollte zu schmelzen beginnen, doch ich rannte davon, als wäre der Teufel persönlich hinter mir her! Noch ehe mich das hier unten gezeigte Schicksal ereilen konnte, ergriff ich die Initiative:


Ich dachte an Forrest Gump. An Jenny, die immer wieder rief: "Lauf, Forrest, lauf!"

Also rannte ich. "Von dem Tag an, bin ich nirgendwo hin mehr gegangen. Ich bin nur noch gelaufen!"
Schliesslich wurde ich von einer Kugel aus Stein? oder gottweisswas gejagt. Ich wurde gejagt! Gejagt als wäre ich ein verdammter Hai! Na? 😏 Ihr, oh meine Leser, wisst worauf das hinausläuft, wenn Eure werte Schreiberin das Wort "Hai" gebraucht. Genau. Wir kommen zu einer Randnotiz zu oder über JAWS. Ach, was hat Steven Spielberg uns doch gute Filme beschert! Wäre er nicht, wäre meine Kindheit wohl nicht so farbenfroh gewesen... Jedenfalls, fühlte ich mich plötzlich, wie dieser missverstandene Hai in JAWS. Von drei Typen grundlos gejagt. Im Begriff von einer Steinkugel zermalmt zu werden. Na, wunderbar! Es gab nur noch eines! Ich musste da raus! Ich musste raus aus diesem Erdloch! Also rannte ich! Schwang die Peitsche, zog mich über einen Abgrund und kam noch knapp unter einem sich schliessenden steinernen Tor hindurch, ehe ich für alle Ewigkeit Gefangene in diesem Erdloch sein sollte. 


Schliesslich karrte ich die, in eine stabile (mehr oder weniger, denn welche Holzkiste in der Geschichte aller Holzkisten konnte sich je gegen ein Brecheisen behaupten???) Holzkiste verpackte, Bundeslade durch ein brobdingnagisches Lagerhaus. Hier soll sie ruhen. Inmitten meiner anderen ehemaligen Arbeitgeber. Ruhet in Frieden... 


Als die Bundeslade weggekarrt und ich wieder zuhause war, sah mein Gesicht in etwa so aus: 


Wie man sich dem Fluch der Bundeslade entziehen kann:
Macht es wie Forrest Gump. Lauft! Lauft davon! Sobald sich die Lade geöffnet hat und die Geister entwichen sind, kann man nur noch die Augen schliessen. Sind die Geister abgezogen, einen Berg aus Leichen hinter sich lassen, kann man nur noch rennen! 

Freitag, 12. Januar 2018

Rückblick: Der falsche Job

Wie die Meisten unter Euch wissen, habe ich schon Tage in an der Zahl vielen Branchen zugebracht. Ich blicke auf witzige, finstere und auch lehrreiche Zeiten zurück.

Die Arbeit in einer ganz bestimmten Branche scheint mich noch immer zu verfolgen.
Es handelt sich um eine Branche, in der Mann jeden Tag andere Kunden zu bedienen hat. Zwar (noch?) nicht dergestalt unterwürfig, wie etwa in einigen Restaurants in Japan, wo man Bestellungen auf den Knien entgegennimmt, aber devot genug. Immer fröhlich lächeln, sich alles gefallen lassen und das eigene Ego vor Arbeitsbeginn am Eingang abgeben und erst nach Dienstschluss wieder abholen.
Es gibt Menschen, die sind dafür geschaffen. Es gibt Menschen, die machen das einfach. Es gibt Menschen, die machen das einfach, träumen jedoch von einem besseren Job. Dann gibt es Menschen, die so gar nicht dafür geschaffen sind. Dann gibt es auch noch Menschen, die teilweise dafür geschaffen sind - zu denen zähle ich.
Ich kann stets gut gelaunt sein, auch wenn ich innerlich schreie und am liebsten alles um mich herum in Schutt und Asche legen würde. Und auch wenn der zahlende Kunde noch so herum brüllt, noch immer lächeln und freundlich sein. Und natürlich hat IMMER Verständnis. Meistens hatte ich das sogar... Jedoch nicht immer. Wenn ein Kunde eine Beschwerde hatte, erbauen auf einem soliden Fundament, dann hatte ich Verständnis.

Ihr ahnt schon um welche Branche es geht, nicht wahr?
Korrekt!
Wieso genau komme ich jetzt, am 12.01.2018 dazu, so einen Eintrag zu verfassen?
a) die Geister der Vergangenheit sitzen gemütlich in meinem Wohnzimmer (bei einem Bier)
b) Ich sehne mich zurück
c) Ich unterrichte Menschen aus diesem Berufssektor in Deutsch

Es ist c). Ich unterrichte einen Hotel- und Gastro-Kurs und darf zweimal die Woche in Erinnerungen an meine Zeit in der Gastronomie schwelgen. Ich habe Verständnis für meine Studis, die sich über bestimmte Gäste echauffieren, habe ich das doch alles auch schon mitgemacht.

An Tisch 2 haben sich eben zwei Frauen gesetzt. Die eine trächtig, wie eine Stute die Zwillinge erwartet, die andere mit zwei schreienden Kindern. Na Bravo! Und das in meiner Station... Wieso konnten sich die nicht an Tisch 12 setzen? Dann hätte sich Noemi um sie kümmern dürfen. Die liebt Kinder. Was bleibt mir anderes übrig, als fröhlich lächelnd zum Tisch zu gehen und meine Gäste willkommen zu heissen?
Ich nehme die Bestellung entgegen und verschwinde im Office. Noemi schaut mich an, sichtlich bemüht nicht in schallendes Gelächter auszubrechen. Denn jeder weiss, dass ich nicht kinderkompatibel bin. "Sag nichts." und schon prustet sie los. Als sie sich von ihrem Lachkrampf erholt hat, hilft sie mir bei den Getränken. Sie macht die heisse Schokolade für die Kinder.
Ich bereite die beiden Tee zu. Eisenkraut, welches überall als wohlriechendes Eisenkraut angepriesen wird. Es würde sicherlich keiner Eisenkrauttee bestellen, wenn da stehen würde übelriechendes Eisenkraut. Und einen Früchtetee: Granatapfel und Eukalyptus. Ekelhaft. Ich gehe zum Tisch und setze erst die Kindergetränke ein. Dann die beiden Tee. Die beiden Frauen freuen sich über den achso herrlichen Duft. Ich frage, ob sie noch etwas möchten. Nein. Keine zwei Minuten später winkt die Trächtige. Sie hätte gerne etwas Milch in ihren Eisenkrauttee. Sehr gern. Sonst noch etwas? Nein.
Mich fragend, wie man einen feinen Tee mit einem Molkereiprodukt entweihen kann, gehe ich ins Office und hole eines dieser kleinen Keramikkännchen mit Milch. Sie freut sich über das süsse Kännchen. Kurz darauf werde ich wieder zum Tisch gewunken. Sie hätte gerne noch eine Zitrone. Ich beginne an der Menschheit zu zweifeln. Eisenkrauttee mit Zitrone und Milch. Mein Magen macht sich bemerkbar und teilt mir unmissverständlich mit, dass er schon genug hat, nur beim Gedanken daran. Keine Sorge. Wir sind Freunde. Ich werde Dich nicht malträtieren. Wieder frage ich, ob es sonst noch etwas sein dürfe. Nein. Natürlich nicht. Denn es wäre ja zu viel verlangt, wenn man alles auf einmal bestellen könnte. Es macht ja viel mehr Spass die Servicedüse alle 2min zum Tisch zu rufen. Und auch hier, stehe ich gute 2min später wieder an Tisch 2. Die andere hätte auch gerne eine Zitrone. Aber gern doch. Noch immer habe ich dieses freundliche Lächeln im Gesicht und überlege mir, welche von beiden ich zuerst abschlachten soll. Ich bringe die Zitrone.
5 Minuten später winkt die Trächtige wieder. Heimatland! Das kann doch nicht wahr sein! Ja die Damen? Sie hätten gerne ein Stück Kuchen. Von welchem darf es denn sein. Das ist egal. Aha... Schwarzwälder? Oh nein, der ist zu mastig. Kirsche? Oh nein, darauf ist Dudelsack Nr. 1 allergisch. Demnach ist es doch nicht so egal, denke ich mir. Schliesslich entscheidet man sich für Apfelstrudel. Das mögen auch die beiden Dudelsäcke.







Montag, 1. Januar 2018

Das schlimmste Silvester meines Lebens...

Willkommen zurück lieber Leser,
Schön, dass Du wieder hier bist - um Dich ein weiteres Mal an meinem Leid zu ergötzen. 

Wer kennt das nicht? Eigentlich hat man etwas völlig Anderes geplant, aber Umstände der unumstösslichen Art machen die Planung zunichte und plötzlich befindet man sich in einem Szenario, welches so absurd ist, dass man es für einen Moment in einem Standbild einfriert, betrachtet und voller Entsetzen sagt: 

"Das ist nicht mein Leben!"

Genau so sollte es mir ergehen... Die Erinnerung, die unsereins dann noch Jahrzehnte lang verfolgt, ist ein Fluch... So hat man dieses Szenario eigentlich nicht nur einmal durchlebt, nein man durchlebt sie immer wieder. Selbst die Gerüche sind präsent. Nicht einmal die Gerüche kann mein Gehirn vergessen! 
Irgendwo habe ich gelesen, dass die Hölle, die Wiederholung sei. 
Stephen King hat eine wunderbare Kurzgeschichte zu genau diesem Thema veröffentlicht. Das Leben nach dem Tod enthalten in Basar der bösen Träume.

Wie dem auch sei, ich möchte.... ("möchte"? Modalverb... "möchte" ist das gänzlich falsche Verb) ich WERDE nun gleich mit der eigentlichen Erzählung beginnen, doch ehe ich dies tue, komme ich nicht umhin anzumerken...


VORSATZ 2018 #1
Ich werde wieder mehr schreiben. Oh, wie wortgewandt wir doch heute sind... "mehr schreiben". Was soll das heissen? Ich werde längere Einträge schreiben? Ich werde das Wort "mehr" schreiben?
Ich werde häufiger schreiben, soll das heissen. 
Vorgenommen habe ich mir, den Sonntag der Schreiberei und des Bloggens zu widmen. Heute haben wir zwar Montag, aber dieser Silvester-Eintrag muss raus! 


DER EIGENTLICHE EINTRAG BEGINNT HIER:
Als Einleitung passt der Comic vom ComicGott Adam Ellis perfekt:


Es zeigt wahrheitsgetreu mein Leben im Bezug auf Silvester. 
Im Kindesalter war es super! Man durfte endlich mal bis um Mitternacht aufbleiben. Ich erinnere mich an einen Monopolyabend mit Verwandten... Im Teeniealter war dann Party angesagt! Ich erinnere mich an einen Black Metal Event von Dark Forest, der mir in Erinnerung geblieben ist. In den Zwanzigern folgte das Grauen, über welches ich hier schreiben werde und etwa so haben wir ausgesehen, wie im Comic. In den Dreissigern wurde  mir Silvester völlig egal. Zweimal habe ich es bereits verschlafen... Ju:Hu.

Haha nein, ich werde nicht über den gestrigen Abend berichten. Sondern über ein Silvester im Jahr... in welchem Jahr war das noch gleich? Moment, ich muss meine Moleskine konsultieren. 
Während ich das mache, geniesst dieses Musikvideo von Goldfrapp. Ich höre den Song schon den ganzen Vormittag powerplay. Kennen tue ich ihn exakt seit dem 29.12.2017. Er kam in der Episode Crocodile von Black Mirror vor.  



So, ich bin fündig geworden. Es handelt sich hier um den Neujahrsabend des Jahres 2005. ...2005...
...als ich jung war...
Jedenfalls hatte ich damals diesen Freund, ein Muttersöhnchen sondergleichen! Heute arbeitet er als Mittelstufenlehrer. Das hat zumindest eine Stalkingreise durchs WWW ergeben.
Wie das mit Exen oftmals so ist, kann man sich, nachdem man die Beziehung beendet hat, nicht erklären, wieso man sich je darauf eingelassen hat. So ergeht es auch mir.
Jedenfalls ereignete sich dieses gar grausige Silvester-Highlight während meiner Black-Metal-Ära, welcher der heutige Lehrer ebenso angehört hat.
Eigentlich gab es eine Purplemoon-Party, auf der ein Bekannter anzutreffen gewesen wäre. Die andere Option wäre ein Black-Metal-Konzert gewesen. Zu Letzterem hatte ich mich hinreissen lassen und bereits mit allen Bekannten und Freunden den Abend besprochen. Es war fix. Ich würde Silvester 2005 umgeben von urchigen Black Metal Klängen und unzähligen Litern Bier verbringen. Perfekt!
Der heutige Lehrer, nennen wir ihn der Einfachheit halber Waschi (für Waschlappen), hatte zugestimmt. Doch just am Abend zuvor meinte er dann, es ginge nicht. Ähm?! Wie bitte?!
Er müsse mit "Mutti" und "Vati" feiern. Gedanklich ging ich die Liste der Freunde durch, die den selben Weg zur BM-Party hatten, wie ich und fragte mich, an wessen Fersen ich mich dann wohl heften könnte, als er dann sprach, ich sei auch eingeladen. *schluck*
Silvester  mit seinen, mich nicht mögenden Eltern verbringen? Na wundervoll!
Als dann auch noch seine Mutter darauf bestehen sollte, dass ich mitginge, willigte ich schliesslich ein. Glücklich war ich darüber nicht.
Ich benachrichtige meine Freunde, dass ich doch nicht kommen könne, da ich mit Waschi und dessen Sippe zelebrieren müsse. Dafür erntete ich grosses Mitleid.
Der Silvesterabend war da. Ich betrat das Haus von Waschis Familie. Es herrschte grosse Aufregung. Waschis Vater war sichtlich erleichtert, dass man keines meiner Tattoos sehen konnte.
Wir stiegen ins Auto. In diese Familienschaukel. Ich war bereits genervt.
Ehe wir zum Restaurant fahren konnten, mussten wir noch einen Umweg machen und den "Grossvati" abholen. Wenn es denn nur ein Abholen gewesen wäre. Nein, wir mussten aussteigen und in diese Raucherwohnung gehen. Wieso wir gute 30min darin bleiben mussten, entzieht sich meinem Verständnis bis heute. Jedenfalls konnten wir dann endlich weiterziehen. Ich war noch genervter und hatte Kopfschmerzen, aufgrund des Rauchinhalierens.


NÄCHSTER HALT: RESTAURANT

Wir kehrten in einem Restaurant ein, welches ein Silvestermenü servierte. Sonst nichts. Waschis Vater wusste um die Tatsache, dass ich seit frühster Kindheit keine Tiere esse. Es war ihm egal. Ignorant.
Ich betrachtete das Menü... Ekel und Sorge keimten in mir auf. Also erdreistete ich mich zu fragen, ob sie auch etwas anderes hätten. Die Kellnerin verneinte stirnrunzelnd.
Also ging ich einen Schritt weiter und teilte ihr mit, ich sei Vegetarierin (damals noch keine Veganerin). Sie runzelte wieder die Stirn. Sie schaue, was sich machen lässt. Und dann fragte sie allen Ernstes, ob ich den Fisch denn essen würde. Himmelarschundzwirn! Ich esse keine Tiere, aber Fisch geht in Ordnung! Echt, wie beschränkt ist die Menschheit eigentlich?
Jedenfalls erntete ich für das "Nein" und auch schon nur für das fragen, nach einer vegetarischen Alternative finstere Blicke von Waschis Vater. Er sagte noch nichts.
Das Essen wurde serviert. Mein Salat war ohne Speckwürfel. Welche Freude!
Als Hauptgang bekam ich breite Bandnudeln die nur so in Butter gebadet worden waren. Igitt. Bohnen im Speckmantel. Gemüse. Die Anderen hatten noch ein Stück eines toten Tieres auf ihren Tellern. Ich fragte Waschi, ob er meine Bohnen essen möchte. Da platze seinem alten Herren der Kragen und er keifte mich an, was denn jetzt daran wieder nicht gut sei.
"Sie sind vom Speck kontaminiert."
"Das kann man abmachen!"
"Trotzdem riechen und schmecken sie dann nach Speck."
Daraufhin folgte ein Monolog, wie man sich nur so anstellen könne, und dass jeder normale Mensch das essen würde. Er wollte mich provozieren und hatte es geschafft. Also entgegnete ich, dass ich als anomaler Mensch eben keine Tierkadaver esse. Er könne mich ja in einer Zwangsjacke abführen lassen. Waschi wollte mich beruhigen, sein Vater hätte mir wohl am liebsten eine runtergehauen. Waschis Mutter, beruhigte ihren Göttergatten. Für ihn war der Abend wohl gelaufen. Selbst Schuld.
Nachdem Essen dachte ich, wir würden nach hause gehen, aber nein. Wir sollten weiterziehen, weil "Grossvati" mit seinen Bekannten Silvester feiern wollte - und wir mussten mit...


NÄCHSTER HALT: MIEFIGER SPUNTEN

Wir fuhren über die Lande... Irgendwann waren keine Lichter mehr zu erkennen. Um uns herum die ewige Finsternis. In der Ferne war der Saum eines Waldes auszumachen. Wo zur Hölle waren wir?


Die Gegend liess vermuten, dass wir bald in der Ferne das Hewitt-House aus Texas Chainsaw Massacre erreichen und einen qualvollen Tod sterben würden...
In der Ferne waren dann wirklich Lichter zu sehen. Es war das Restaurant. Wie kann ein Restaurant, derart fernab jeglicher Zivilisation nur existieren?
Wie dem auch sei, hatten wir unser Ziel bald erreicht. Ich kann nicht behaupten, dass dies irgendeine positive Regung in mir ausgelöst hätte. Immerhin war die Luft im Auto verhältnismässig klar und rein.
Wir verliessen das Auto und uns in die nächste Hölle zu begeben. Der Beiz Decke war sehr niedrig. Kein Problem für mich. Menschen die über 180cm messen hätten aber ihre Probleme gehabt. Wir gingen durch einen schmalen niedrigen Korridor, der für Klaustrophobiker die reinste Tortur gewesen wäre. Bereits da hiess uns ein beissender Gestank willkommen. Nikotin. Altes ja nahezu prähistorische Nikotinablagerungen gemischt mit frischem Rauch. Beissend. Die Atemwege verätzend. Die Lunge schwärzend. Als wir die Gaststube betraten, schwebte uns ausserdem der Geruch nach alten ungewaschenen Menschen entgegen. "Grossvati" begrüsste alle seine Kollegen und Bekannten und feierte ausgelassen mit denen. Ich hatte Kopfschmerzen und dem Leben nahezu überdrüssig. Wir sollten bis Mitternacht dort ausharren müssen.
Auf die Frage, was ich trinken möchte, sagte die Zicke in mir völlig entnervt in ihrer besten Divastimme "Danke. Bin bedient!" Waschis Vater regte sich bereits zum dritten Mal über meine Person auf. Es war mir egal. Die Lautstärke und die Gerüche und das Fehlen von Sauerstoff waren unerträglich. Irgendwann meinte auch Waschis Mutter, sie möchte gehen. Auch sie hatte Kopfschmerzen und fand den Geruch unausstehlich.
Waschis Vater hingegen meinte, sie solle sich nicht so aufführen. Schliesslich sie es sein Vater und der möchte nunmal mit seinen Bekannten feiern.

"Wieso verschieben wir nicht noch gleich die Erdachse, 
um das Wetter für ihn angenehmer zu gestalten?"

Es schien, als hätten die Beiden eine Meinungsverschiedenheit. Gut. 
Die Zustände in diesem Spunten hätte man sich nicht einmal schön trinken können. Gefühlte 5 Stunden mussten wir dort bleiben. Wie Gefangene... 
Als dann endlich gezählt rückwärts gezählt und dann jubiliert wurde, jubilierte ich innerlich! Wir hatten es geschafft! Es war endlich Mitternacht! Wir sollten erlöst sein! 
Doch wider meiner Vorstellung, wir würden aufspringen und hinausrennen, als wäre der Teufel persönlich hinter uns her, blieb man einfach sitzen. Panik keimte in mir auf! Doch dann griff Waschis Mutter nach ihrem Schal und legte ihn sich um den Hals. Sie war startklar. Waschis Vater warf ihr einen vielsagenden und finsteren Blick zu. Ich zog meine Jacke an. Der zweite finstere Blick galt mir. Waschis Mutter erhob sich. In dem Moment hätte ich diese Frau umarmen können! Wir waren startklar. Doch "Grossvati" musste sich erst noch von all seinen 100 Bekannten verabschieden. Das machte nichts. Waschis Mutter und ich warteten draussen in der kühlen und klaren, sauerstoffschwangeren Nacht. Meine Lungenflügel jubilierten! Waschis Mutter meinte, sie habe es auch nicht mehr ausgehalten da drinnen. Der Gestank sei ja grausam gewesen. Wenn es nur der Gestank gewesen wäre... Die ganze verdammte Nacht war nicht zum Aushalten gewesen... 

Kurz darauf trennten sich die Wege von Waschi und mir... 

Samstag, 23. Dezember 2017

A poem Entwurf

In the year 2015 at the airport in Japan
at the check-in, there was this man
He looked terribly tired and ill
and told me busy, to wait still
It seemed he was late and in a rush
Who had guessed that he would meet his crush?
Then "it's ok. You can come" he said
Oh, I was so glad!
My suitcase was way too heavy
haha it happens steady!
130 dollar he wanted from me
dollar? We're in Japan you can clearly see.
I wanted to give him the yen
He started looking around then.
When no coworker was there around
he overstepped his company's bound.
He whispered to me, "it is okay.
You don't have to pay."
He smiled at me like we were friends
I almost wanted to shake his hands.
I said thank you so much
and grabbed my clutch.
Later on at boarding time,
I met him again, that new friend of mine.
Later on I found out, that this guys name was Jun
He mentioned to meet up soon.
He seemed to be honest and charming,
pretending to be everyones darling.
The color of my underwear he wanted to know
Oh my god, guy take it slow!
The size of my underwear he asked for next
Should I continue to send him a text?
Awkward was my first thought.
A friend of mine laughed!
"What creepy guys you always meet!
But at least, he looks kindly and neat."
A few month later, suddenly he stopped talking to me.
"I'm too busy, can't you that see?"
What has caused this? I had no idea.
My vacation in Japan was not yet near.
One day he said "I hope we can be friends."
No further messages, nor calls, so it makes no sense.
I'm chasing shadows
in the dark dark meadows.
I asked if we still gonna meet up on April sixth or seventh.
No reply until the day present.
His friend meant, he is just too busy with his new job in the sky.
And I was left alone, with the question why.
Why can't he just say that.
Is he afraid, I could be that old woman with the cat?
One day back in the past,
he mentioned "one day I will be your boyfriend", holy is he fast!
Probably he realized, he has gone too far
Actually he only loves his silvern car.
He is very superficial
Hell yes! This is official!
"Honestly, what do you want with a guy with such a bad music taste"
My best friend joked in a haste.
A 30 year old man who adores Backstreet Boys!
Sorry dude, I prefer metal noise.
On April 26 he replied
"sorry I can not see you" and then he was quiet.
I asked for the reason "no reason" he wrote.
"I donot like u i am sorry" he shout.
And left me back with a confused mind,
How could I be that blind?
Actually, I knew something went wrong,
but when I asked, he wasn't able to move his goddamn tongue.
I wanted to know, if I said something, that offended him,
But probably I'm just not that thin.
For him to reply I'm waiting,
On a sea of confusedness I'm sailing.
He started begging "please please donot talk to me anymore".
If I do, will it be that sore?
I asked this question just in my mind and got this evil smile.
He texted back for a while.
I was bored, that's why I gambled this game, which is not fair
If he doesn't like me, why would he care?
The conversation is silly as hell,
and I still have this hard shell.
I wont leave him alone,
unless he told me the reason, I already know.
Hope he realized his obsession for me went too far
Almost as deep as for his Audi car.
He felt offended
cause his love was not responded.
So he moved forward with his job in the sky,
will be working as flight attendant until he die.

Oh, Mister Jun was able to reply
seems he isn't that shy
I dont like you he said
after only 3 month he laid
Please please don't talk to me, he was begging
I was not able to stop texting
He believed, he wont see the sun
for me it could not have been more fun
But he still didn't a reason mention
guess he just want some attention

I'm too strong for such a teddy bear
But, Jun, be aware.
I know where you live
I could act like Kaloyev...
Sure you didn't kill my family nor have you been responsible for
But you are begging to torture you more.
You have no idea, who I am
You're gonna lose your job so damn

Sonntag, 5. November 2017

Passagiere der 2. Klasse

Dies ist der erste Eintrag, den ich via App verfasse. Auf das Ergebnis bin ich gespannt 😊

Die Zugreisenden unter Euch werden wissend lächelnd und denken, "oh ja, das ist mir bestens bekannt." Jene unter Euch, die jedoch mit dem Auto unterwegs sind werden sich denken "Dafuq o_O ?!"

Ich möchte Euch von meinen allmorgendlichen Zugfahrten berichten. Nach den Ausführungen werde ich kurz auf das Klassensystem zu sprechen kommen. 

Die S-Bahn, mit der ich glücklicherweise nur eine Station fahren muss, bergerrbergt folgende Kategorien von Menschen:

Die Schlafenden
Sie werden überleben, sollte die S-Bahn auf jener 5-minütigen Strecke durch ein Zeitloch fahren, wie etwa die Boeing 767 in Stephen King's Langoliers.

Die Gestressten
Wer von Olten nach Basel reisen muss, ist offenbar mit einer (zu) knappen Transferzeit geschlagen. Jene Passagiere verlassen ihren Sitzplatz in der S-Bahn bereits noch ehe "Nächster Halt, Olten" aus den Lautsprechern erklingt. Sie versuchen dann, sich einen Weg durch die herumstehenden Menschen zu bahnen. Haben sie es zur Tür geschafft, drücken ganz hektisch auf den grün leuchtenden Knopf, welcher der Türöffnung dient - noch bevor das Perron überhaupt erreicht worden ist. Kaum hat sich die Tür dann einen Spalt weit geöffnet m, quetschen sie sich durch, als wären sie Indiana Jones und rennen, als vergolgte sie ein Abgsenandter der Hölle zu ihrem Ziel. Manchmal werden Unschuldige mitgerissen. Mit Opfern ist nunmal zu rechnen.

Die "Grusige"
Berufsschüler. Sie reden einander mit "Du Grusige" an und verhandeln gar gewichtige Themen wie es meine 3 Lieblinge heite Morgen wieder meisterlich  getan haben. Das Gespräch verlief in etwa so:
"Du Grusige mann"
"Eee andersch Grusige mann!"
Ein paar Minuten später trifft der Dritte im Bunde ein begrüsst Seinesgleichen mit einem fröhlichen: "Eee Der Grusige!"
Dann vertiefen sie sich in ein Gespräch, das sich in etwa so zugetragen hat:
"Eeee du Grusige! Du seisch emmer so es Wort. Was bedütet dä mann?"
"Was föres Wort mann?"
"Jo der zwei haud... emmer sones Wort. Was bedütet das Wort mann?"
"Besch blöd?! Mer rede vöu Wort!"
"Du Loschtige Aute! E Wort!!! 😂"
"Jo weisch eine seit emmer öpis we Du beschi ond de chond ebe da Wort."
Einige Von den zwei "Grusige" werden Worte vorgeschlagen, welche aber von dem "Loschtige" verneint werden. Die S-Bahn hat 4min Verspätung und ich höre mir das nun bereits 10min an. In der S-Bahn dann wird gesuchtes Wort gefunden.
"Däin!"
"Jooo vooou Aute! Däin! Wa heisst da?"
"Esch chorz för dangerous mann."
"Ey jo mann. Du besch vou däin!"
"I schwöre, i chome ned drus!"
"Jo du besch ou blöd."
Das ging dann so weiter und irgendwann wurde ich in die Freiheit entlassen.

Toilettensitzer
Ich steige in die S-Bahn und die Toilette ist besetzt. Kurz vor dem Stopp in Olten wird die Tür geöffnet und der Kickbordtyp steht mit Kickbord im Türrahmen. Jeden Morgen. Immer beim gleichen Streckenabschnitt. Immer der gleiche Typ.

Der Türsteher
Ein Typ mit Rollaktenkoffer versperrt regelmässig die linke Türhälfte, weil er direkt dort steht. Folglich haben die ein- und aussteigenden Passagiere leicht weniger Platz und so verzögert sich das ganze. Solche Menschen sind ein Beispiel für Verspätungen.

Die Sozialen
Deren Kopfhörer oder Stöpsel von derart schlechter Qualität sind, oder sie selbst einfach bereits hörgeschädigt, dass sie den ganzen Waggon mit ihrer Musik unerhalten.

In Olten dann habe ich sogar bei meiner fast immer verspäteten S-Bahn genug Zeit den IC zu erreichen. Zum Glück muss ich nicht nach Basel. Das wäre mir ZU stressig.
Und dann kommen wir zu den Menschen, die mich im IC begleiten:

Berufspendler
Wer täglich um die selbe Uhrzeit die selbe Strecke fährt steigt eigentlich immer im selben Sektor oder gar im selben Waggon ein und hat oft sogar einen fixen Sitzplatz. Da der Berufspendler aber weiss, dass jener Platz auch mal von einer anderen Person als Arschparkplatz genutzt werden kann, hat er dann noch so 2-3 Alternativen. Sind diese auch besetzt wird er nervös und marschiert leicht gestresst durch den Waggon.

Die Burschikose
Windundwassrdicht gekleidet in THE NORTH FACE mit Multifunktionsrucksack der selbigen Marke auf dem Rücken und Wanderschuhen an den Füssen, erkämpft sie sich täglich ihren Sitzplatz. Sie braucht ein Tischchen da sie immer beim Minibarwäglimann einen Kaffee bestellt. Neben dem Becher breitet sie das Kaffeebecherzubehör aus: Holzstäbli, Serviettli, Zuckerpäckchen und noch ein Päkchen. Ihre "Auslegeordnung" hat keine Ordnung. Während sie ihren Kaffe getuned hat, bietet das Tischchen das reinste Schlachtfeld aus Abfall. ABER, nachdem der Kaffeebecher leer ist, wischt sie mit dem Serviettli über das Tischchen und entsorgt alles in ihrem Becher, welcher dann ein Ende in der Mülltonne findet. 

Die Frühstückerin
Täglich sorgt sie für unangenehme Gerüche. Ausgerüstet mit einem isolierten und gepolsterten Foodbag, einer Handtasche und einer Gabel sitzt sie immer in meiner Nähe. Oder zuminest in Riechnähe. Mit grimmigem Gesicht sitzt sie da und kaum setzt sich der IC in Bewegung kramt sie nach ihrer Tupperware 

BOSE QuietComfort 35
Oben Genanntes hat sich früher ereignet. Vor längst vergangener Zeit, als ich noch täglich gen Winterthur reisen musste, um einer Arbeit nachzugehen, die ich halbwegs interessant fand (und dennoch habe ich alles gegeben), bei einer Unternehmung, bei der ich nie wieder arbeiten würde - auch dann nicht, wenn mich jemand mit vorgehaltener Waffe dazu auffordern würde. Ja, oh meine Leser, ich würde Gevatter Tod die Hand reichen und mit ihm und seiner auf Hochglanz polierten Sense ins Jenseits schreiten.
Es war im Sommer 2017 (auch bekannt als "mein Jahr!"), als meine gute Freundin Betty bei mir zu Besuch war. Wir verbrachten einen warmen und angenehmen Sommerabend mit einer Bierten und interessanten Gesprächen auf meinen Balkon, als Betty mir von etwas berichtete, das ihr Leben verändert hatte. Sie holte ihre BOSE Quiet Comfort 35 hervor und setzte sie mir auf. Ohne die Noise-Cancelling-Funktion eingeschaltet zu haben, waren die Geräusche der Hauptstrasse, welche an meinem Haus vorbeiführt, gedämmt. Ich war verliebt. Und dennoch! dauerte es weitere 3 Monate, ehe ich mir diese absolute Glückseligkeit kaufen sollte...
Als ein Mensch, der täglich in einem Zug der SBB zur Arbeit pilgert, und sich kein 1. Klasse-GA leisten kann (ja Buchhändler verdienen verdammt schlecht in diesem Land), dachte ich mir, ich leiste mir diesen "Luxus". Ich leiste mir diese Lebensqualität. So tätigte ich eine Bestellung bei Microspot. Aus Gründen meiner Knauserigkeit, wählte ich Vorauskasse als Zahlungsmethode. Denn Microspot verrechnet, obschon nicht mehr legal in diesem Land, Kreditkartengebühren. Nie erhielt ich eine Vorausrechnung. Auch auf meine Anfragen per Kontaktformular erhielt ich nie eine Antwort. Mich überkam das Gefühl, dass Microspot möglicherweise mit Orell Füssli fusioniert hatte, wo es ja auch normal ist, dass man keine Antwort auf eine Mail erhält  - oder erst Tage oder gar Wochen später.
Wie dem auch sei, ich ging wieder online, nur um festzustellen, dass die BOSE QuietComfort 35 in Schwarz ausverkauft waren. SCHEISSE! Doch am HB sollte es sie noch vorrätig haben, also hetzte ich zum HB und traf auf eine wunderbare Angestellte. Als ginge es um Leben und Tod fragte ich, ob sie die BOSE QuietComfort 35 noch vorrätig hätten. Sie bejahte und fragte, in welcher Farbe ich sie haben möchte. Schwarz. Sie öffnete eine Schublade und holte eine weisse Packung hervor, auf denen die Kopfhörer abgebildet waren. Sie zeigte mir die Packung und ich sagte, voller Euphorie, dass sie mein Leben rette. Sie lächelte und meinte, "ich weiss... ich hab sie auch." Wir lachten. Ich bezahlte und ging mit meiner Lebensqualität für CHF 299.- von dannen.
Es muss gesagt sein: Betty, für diese Empfehlung werde ich Dich selbst über den Tod hinaus noch lieben.
Ich empfehle diese Kopfhörer jedem Pendler. Sie schalten die Umwelt stumm. Ich muss mir nicht länger das Gedöns aus diesem billig Kopfhörern meiner Mitreisenden anhören.
Hier kam einstweilen die Frage eines Bekannten auf, weshalb Apple so billige Kopfhörer mitliefere. Oh, meine Leser, Ihr wisst, ich bin Apple-Anhänger durch und durch und würde, so blauäugig es auch klingen mag, nichts von dieser Firma in Frage stellen, dennoch! frage ich mich auch, wieso ich von diesen Apple-Ohrstöpsel-Höhrern jeden verdammten Ton mithören muss? Wieso gibt Apple zu seinen iPods und iPhones nicht bessere Stöpsel heraus?
Dennoch! würde ich nie von Apple zu Microsoft wechseln. Zu sehr liebe ich meinen iMac und mein Macbook.
Gegenwärtig ziehe ich in Betracht, mich in einem Apple-Store zu bewerben. Wieso? Ich liebe die Firma, die hinter diesem angefressenen Apfel steckt einfach. Ich liebe deren Produkte.
Ausserdem werde ich mir für meine Lehrtätigkeit ein iPad zulegen (müssen). Im Jahr 2017 sollte man  möglichst auf Papier verzichten... Dies gelänge mir mit einem iPad. Bisher konnte ich mir nur noch nicht für das Richtige entscheiden...

"Öööö FESTA!"
Ich stehe am örtlichen Bahnhof und lese in Patrick Senécal's 7 Tage der Rache, erschienen im FESTA-Verlag, als ich eine männliche Stimme sagen höre "öööö FESTA!". Ich blicke auf und sehe einen Typen, ca. in meinem Alter, mit BOSE QuietComfort 35 als Krone, der völlig begeistert von meiner Lektüre scheint. Unglaublich aber wahr: wir unterhalten uns über Bücher des FESTA-Verlags bis der Zug ankommt. Wir unterhalten uns während der Zugfahrt weiter. XD
Allerdings schien er ein Edward-Lee-Jünger zu sein. Aber ich denke, dass diese Art der Literatur nichts für mich ist. Wenn es denn nur noch sadistisch und abartig ist, dann lasse ich die Rollos runter und vernagle die Fenster. Nichts für mich. Ihr, oh meine Leser, wisst ja, wie ich die Bücher von "Wrath" James White bewertet habe...
Irgendwo ein bisschen Handlung begrüsse ich eben doch... Aber dazu mehr auf meinem Rezensionen-Blog.

 

Freitag, 12. Mai 2017

Von Flugkatastrophen und Massensterben

Ahoihoi meine werten Leser,

Einiges an Zeit ist verstrichen und nun durfte ich doch nach Japan fliegen. Dass eine Flugkatastrophe auf mich warten würde, konnte ich ja beim Boarding nicht ahnen...

...und so beginnt die Leidensgeschichte der Navi M. Gray, die, im Bett ihres Deluxe-Zimmers des PARK HYATT TOKYO liegend, sich überlegt, künftig nur noch BUSINESS CLASS zu buchen... Du, mein Leser wirst nun sagen, dass ist doch viel zu teuer. Da gebe ich Dir vollkommen recht, allerdings bist Du auch nicht Opfer von Frauentausch-Assis geworden, noch hat sich jemand neben Dir übergeben... Aber dazu kommen wir später...


Sehnsucht


Der Mensch ist ja bekanntlich ein Gewohnheitstier. Dazu zähle ich mich auch. Nahezu jeden Tag wird mir die Ehre zuteil, zusammen mit Sofito das Wunderkind (nein, es heisst nicht "dem" Wunderkind, da es sich hier um einen Namen handelt) gen Winterthur zu reisen. Nicht genug, dass wir 4 Stunden für den Arbeitsweg benötigen, nein wir arbeiten auch noch in der gleichen Bude und so verbringen wir wohl oder übel (obschon "übel" noch nie vorgekommen ist) nahezu 14 Stunden miteinander. Wenn man sich dann aber allein in einem ÖV wiederfindet und Sofito das Wunderkind nicht zugegen ist, dann reden wir von einem fast schon kafkaesken Gefühl... 
So bin ich dann auch alleine im IC zum ZRH gefahren. Als ich dann in der Boeing 737 der holländischen KLM sass - auf Flug 1958 - ereignete sich so Einiges, worüber ich mich, wäre Sofito das Wunderkind, denn zugegen gewesen, mit ihr amüsiert hätte. 
Den Anfang machte der Holland Herald. Ich schlug ihn auf und blickte direkt auf "HANGZHOU". Die Egoparty hatte begonnen. Der Typ auf Platz 5D hat sich nicht mehr so wohl gefühlt, mit einer Irren so nah neben ihm. Lediglich ein leerer Sitz trennte ihn von mir, die einfach vor sich hin schmunzelte und grosse Mühe hatte, sich zu beherrschen.
Sofito, i dem Senn: 
#HANGSOUHOI


Strömungsabriss & Notlandung in der Nordsee

Wenn man sich über Jahre hinweg mit Flugzeugkatastrophen befasst, wohl alles an Literatur intus hat und nahezu jede Folge von Air Crash Investigation mehrmals gesehen hat, der kennt sich ein bisschen aus. Hat man sich dann auch noch mit der Flugzeugtechnologie befasst, kennt man sich noch ein bisschen besser aus.
Ob dieses Wissen nun dienlich oder eher hinderlich auf einer Flugreise ist, sei dahin gestellt. Jedoch hat man, je nach Problem, eine Ahnung, was einem widerfahren könnte - obschon keine Katastrophe der anderen gleicht. 
Damit ein Flugzeug oben bleibt, braucht es die Strömung. Reisst diese ab, fällt der Metallsarg vom Himmel. Jedes Mal, wenn sich die Kiste nahezu bis zum Maximum neigt, denke ich an Strömungsabriss - allerdings weiss der Pilot, was er tut - nicht so wie ich. 


Dieses Mal ist die B737 eine untypische Strecke geflogen. Direkt über der Nordsee sind wir vorbei an Den Haag und co geflogen. Die 737 war im Sinkflug durch eine hübsche Wolkendecke, durch die man nichts sehen konnte. Ja das erinnert Kenner an LANGOLIERS und den berüchtigten Satz, dass man nicht aus Wolken direkt in eine Betondecke krachen möchte. Unter den Wolken tat sich dann die See auf. Flug KL1958 sank munter weiter und weiter. Das Wasser kam immer näher. Seltsame Geräusche waren zu vernehmen. Kamen sie vom Triebwerk? Möglich wärs. Und wir sanken teilweise etwas holpernd weiter. Als wir dann so tief waren, dass ich die Riffe durch die Wasseroberfläche sehen konnte, musste ich unweigerlich an die Landung auf dem Hudson denken. Wo war SULLY? Würden wir eine Notwasserung hinlegen? Wenn ja, würden wir auch zu den wenigen 3% gehören, die so etwas unbeschadet überlebten? Oder erginge es uns wie zahlreichen anderen? Die 737 würde hart auf der Nordsee aufschlagen, sich überschlagen und zerbrechen. Menschen würden panisch umher schreien. Umherfliegende Gepäckstücke würden sie zum Schweigen schlagen. Gliedmassen würden abgetrennt werden. Eine gewaltige Explosion würde dann die Überlebenden dahinraffen. In den Nachrichten würden Bilder gezeigt, wie Wrackteile geborgen werden. Mein Vater würde einen Anruf erhalten. Meine Überreste, falls welche gefunden würden, kämen in einen schwarzen Sarg - wie beim Desaster auf Teneriffa 1977. Geld würde den Besitzer wechseln. Schön habe ich bei der KLM gebucht, wo es keine max. Limite für eine ausgehauchte Seele gibt. 
Ich musste an Sofito das Wunderkind denken. Sie wäre wohl an Herzversagen gestorben v_v 
Kurz nach dem Noorderbuitenkanaal gab es eine Rechtskurve und wir würden nicht mehr länger auf dem Wasser, sondern über Land abstürzen. Ich habe uns bereits als Einzelteile über die Niederlanden segeln sehen. Doch nichts Dergleichen sollte geschehen - einmal mehr. 
Wir erreichten Schiphol und setzten ganz sanft - typisch für die KLM - auf, rollten dann zum Gate und verliessen unbeschadet die unbeschadete 737. 
- ENDE - 


Massensterben


Als ich dann irgendwann im Holland Herald weiter blätterte stiess ich auf eine Todesanzeige. Wann hat man je erlebt, dass eine Todesanzeige publiziert wird, die den Tod ankündigt? Es ist eine Tragödie. Wir leben in harten Zeiten und Tragödien nehmen täglich zu. Mir ist, nicht erst seit King's Erzählung Everything's eventual bewusst, dass Alles ein Ende hat. Jeder findet sich früher oder später mit Gevatter Tod konfrontiert. Und doch will ich es nicht akzeptieren. Und mit mir eine Vielzahl an Nostalgikern und Menschen mit gutem Geschmack. Sind wir ehrlich, welcher Mensch, der noch bei Trost ist, der noch all seine Sinne beisammen hat, der noch im Besitz seiner geistigen Kräfte ist, würde auch nur einen Dreck darum geben, wenn es einen Airbus beträfe? Es betrifft aber kein Modell der Marke Airbus (der Name schon...) es geht hier um das Aussterben der Königin der Lüfte. Auf meinem ersten Flug nach Japan, sass ich im Bauch einer 747 mit Baujahr 1985. Sie war genau so alt wie ich. Sie hat mich sicher nach Tokyo gebracht. Nun ist sie längst tot. Zu alt hiess es. Ausrangiert. Möglicherweise steht sie auf dem Mojave Flugzeugfriedhof in Kalifornien. Jedenfalls steht dort eine mit der selben Lackierung. Sie hatte noch einen dieser scheusslichen fetten dunkelblauen Strich in der Mitte. 
Und nun wird sie Gesellschaft kriegen. Die KLM mustert nun alle 747 aus. Eingesetzt wird sie zB. noch für Flüge nach Osaka KIX. Ich denke, ich werde wohl noch einmal KIX ansteuern müssen, um nochmals in einer 747 sitzen zu können. Mein Herz ist gebrochen. Die 747 in blau-weiss wird aussterben... 😭 Ersetzt wird sie durch die B777 oder auch den Dreamliner, die B787, dessen Sitzanordnung bei der KLM einfach zum heulen ist. 
Halten wir einen Moment inne, schweigen und gedenken dem schönsten Flugzeug, das je durch unsere Lüfte gezogen ist. 

In loving memory ✝

Flugangst

Es gibt Menschen, einige davon kenne ich persönlich, die Angst vorm Fliegen haben. Oder Angst davor dabei draufzugehen. Meine Flugangst betrifft meine Mitreisenden:
Eine Bekannte von mir, durfte während eines Langstreckenfluges mal in den Genuss kommen, ihrem Sitznachbarn beim Knipsen der Zehennägel zuzusehen und sich vor dem Geschoss zu retten. 
Ernsthaft jetzt?! Wo bleiben die guten alten Manieren? 
Ehe ich schlafen konnte in der Nacht vor meinem Flug, kreisten meine Gedanken um meinen möglichen Sitznachbarn. Bitte niemand der stinkt! Bitte niemand mit einem Baby! Bitte niemand mit Läusen oder der sich permanent kratzt! Bitte niemand der sich Gottweisswas aus den Haaren klaubt! Bitte keiner, der mir die Rübe abtrennt! Was man sich eben so wünscht. In meinem Stossgebet habe ich etwas vergessen. Die Nationalität. Den Anstand. Und diese Unachtsamkeit musste ich bitter bezahlen... und so kommen wir zu FRAUENTAUSCH! 😔


Frauentausch

Frauentausch ist eine Sendung, die seit Jahren auf RTL II ausgestrahlt wird. Zwei Frauen (oder so) tauschen für ein paar Tage die Familien. Meist wird eine Frau mit Anstand mit einer Assitante getauscht. Hauptsache es entstehen Spannungen. Aha... 
Ich sitze also auf meinem Sitz 63G am Gang und bete, das schreiende Kind möge nicht in meiner Nähe sitzen. Unweigerlich muss ich an die Anfangssequenz von Flight 7500 denken. Die eine Tussi, die bei jedem Passagier Stossgebete zu ihrer Gottheit schickt, diese Kreatur möge nicht neben ihr sitzen. So erging es mir. 
Die einzige Zweierreihe auf Flug KL861 hatten sich zwei Holländer geschnappt. Junge Typen, die den ganzen Flug über gegamet haben. Einmal ist mir mein iPhone runtergefallen und der Typ am Gang hat es für mich aufgehoben. Nett <3
Jedenfalls kam dann eine Frau daher, die sich dann als meine Sitznachbarin entpuppen sollte. Sie sagte "Hallo" und ich war irritiert. Moment! Ich fliege ab Amsterdam, wieso um alles in der Welt sollte sie Deutsch sprechen?! Meist bin ich die einzige Deutschsprachige an Bord. Hinter ihr, ihr Gatte. Ihr Gemahl. Sie gingen hinten durch die Küche rum und sie pflanzte sich in ihren Sitz. Liess sich fallen, wie ein Sack Kartoffeln gefallen wäre. Dabei stiess sie mich an. Ich wollte mich gar nicht aufregen. Dann stiess sie immerzu gegen mich und ich überlegte mir bereits, ob ich sie fragen solle, ob das nun den ganzen Flug so gehe?! Ich sagte nichts. Sie beanspruchte die ganze Armlehne und ihr verfluchter Arm war bereits auf meiner Seite. In MEINEM VERDAMMTEN TERRITORIUM, FÜR DAS ICH MEINE KOSTBAREN MEILEN HABE DRAUFGEHEN LASSEN! Ich sagte nichts. Setzte mich aber genauso hin, dass ich schön in der Mitte meines Sitzes sass. Ich überlegte, ob ich fragen soll, ob sie kuscheln möchte, oder wieso sie so zu mir rüber lehnt? Ich tat es nicht. 
Es gab noch ein paar freie Plätze und ich überlegte, ob ich wechseln sollte. Dann dachte ich aber, NEIN, wieso sollte ich? Für diesen Platz habe ich bezahlt! ER GEHÖRT MIR! Wenn sie mehr Platz braucht, dann soll sie Economy Comfort oder Business buchen. 
Plötzlich war ihr Schuh nah, zu nah, an meinem Calvin-Klein-Rucksack und ihr verdammter Fuss war unter meinem Vordersitz. Ich musste mich so platzieren, dass sie ihren Fuss zurückziehen musste. Das ist mein Platz! (ein Hoch auf die gute alte Borniertheit der Schweizer 😂)
Kaum sass sie dann irgendwie, rutschte sie, wie ein verdammter Blob in ihren Sitz, liess die Lehne runter und wollte einen Film schauen. Die B777 stand noch immer am Gate. "Oh schau! Ich schau
mia die Bchitschett Tschoons an!" Ihr Ellenbogen stiess in meine Seite. Worte der Entschuldigung, des Bedauerns blieben aus. Innerlich schrie ich. Was fürne Assitante. 
"Cabin Crew prepare for take-off" ertönte es durch den Lautsprecher. Eine japanische Flight Attendant wies meine freundliche Sitznachbarin darauf hin, sie möge ihren Sitz in eine upright position bringen. Die Deutsche zu ihrem Mann "Was will die?!" Hätte die FA Japanisch gesprochen gut, aber sorry, soviel Englisch sollte man für einen Langstreckenflug gerade noch können. Und wenn nicht, die GESTE hat alles gesagt! "Du sollsden Sitz hochmachn." sagte der überbissige Göttergatte. "Ahsooo... na dann." Widerwillig zwar, aber sie hat es getan. 
Es ging dann den ganzen Flug so, dass sie meinte, MEINEN BEREICH, MEIN AREAL, MEIN GEBIET beanspruchen zu müssen. Als es dann Essen gab, überlegte ich mir, ob ich ihr meine Plastikgabel in den Hals rammen sollte. Aus Angst, es könnte ein Air Marshall an Bord sein, habe ich es dann unterlassen. Nicht wissend, dass ich sie verstehe, lachte sie mich aus: "Oh ne du! Hast gehöat? Ein VEGANES Menü bekommt die feine Dame neben mir. Schon wieda so eine!"
Was war ihr Problem? 
Jedes Mal wenn ich aufgestanden bin, was aufgrund meiner neuen Paranoia des Blutgerinselbekommens verdammt oft war, war sie mit einem Körperteil in meinem Gebiet. Hier wünschte ich mir, ich wiegte 200kg und wäre Sir Lunchelot (Insider, Sofito) und mein Fett würde blobartig zu ihr rüberschwappen. Soll ich mir wirklich so viel anfressen? Auf dem besten Weg dazu bin ich ja 😂
Ne ich glaube, ich fliege dann lieber Business. 😂
Jedes Mal wenn ihr Filmchen aufgrund einer Durchsage unterbrochen worden ist, hat sie sich aufgeregt, weil ja kein Mensch Japanisch verstehen würde. Hier kam ich nicht umhin mich zu fragen, wie sich die Japaner dann wohl verständigen 😳
Als ich nach längerem Aufenthalt im Notausgangsbereich wieder zu meinem Platz zurückkehrte, war die Frauentauschanwärterin nicht mehr auf ihrem Platz. Ihr verdammter ausgelatschter Schuh lag dafür vor meiner DKNY-Tasche! Angewidert ergriff ich das Ding und schubste es unter ihren Vordersitz. 
Irgendwann kam noch ein Deutscher daher, der zu dieser Reisegruppe zählte. Er blieb neben meinem Sitz stehen, als hätte man ihn eingepflanzt. Sie unterhielten sich zu Dritt über meinem Kopf. Irgendwann schaute ich ihn an und fragte, ob es ihm etwas ausmachen würde, sich auf die andere Seite zu verfügen. Er entschuldigte sich und tat, wie ihn gebeten. Frauentausch neben mir gaffte mich an. Er und der Gatte von Frauentausch waren dann mit Bieren beschäftigt, so wie es sich für deutsche Landsleute gehört. Ich war eher entsetzt, weil Hawaiihemd meinte, das Heineken sei super! Das HEINEKEN?! WTF... o_O
Als die Flight Attendant (holländischer Herkunft), da noch bester Laune, fragte, ob sie Tea or coffee haben möchte, herrschte die charmante Sitznachbarin ein genervtes Kaffe! entgegen. Was ist aus dem guten alten "Bitte" geworden? Gebietet es nicht der Anstand, dass man sagt, coffee please möglicherweise sogar gefolgt von einem thank you, sobald man das Getränk ausgehändigt bekommen hat? Als die gleiche FA dann in meinem Gang die Tabletts eingesammelt hat und eigentlich nur meines mitnehmen wollte, da ihre Kollegin die andere Seite bediente, hielt meine wohlerzogene Sitznachbarin ihr Tablett direkt vor meinen Riechkolben. Die FA nahm es dann an sich. MERCI. Als sie bei der rechten Gangseite abräumen wollte, bellte es von meiner Sitznachbarin He da! und schon hatte ich das Tablett des Göttergatten vor dem Gesicht. Natürlich blieb auch hier ein Minimum des Anstandes aus und es kam kein Danke. Also brummelte ich vor mich hin, Im Galopp dord Chenderstobe?. Ganz ehrlich? Bei solchem, wie der gute Klaus Kinski es zu formulieren wusste, Geschmeiss wünscht man sich doch eine Klappe im Boden, durch die man sich solcher Passagiere entledigen könnte, wie etwa in James Bond - A view to a kill so hübsch demonstriert wird.

Wie dem auch sei, ich machte mit meiner Attitüde klar, dass mein Sitzplatz MEIN Sitzplatz ist und kein Körperteil von ihr da etwas verloren hatte. 
Als dann die ALIEN registration cards ausgeteilt wurden, war Frauentausch total überfordert. "Wat wolln die denn da allet wissn?! Wozu?!" "Wasn EMMMBARAKTION?! und hia dieses OKUPATION?! Gibts die ned in Deutsch?!" Ihr Mann wusste auch nicht, ob er bei Embarkation nun NRT oder AMS oder irgendwas in DE eintragen muss. Ich sagte nichts. Schliesslich wurde ich ja nicht gefragt. Frauentausch starrte dann meinen Pass in einer Art an, dass ich mir dachte, ob sie auch einen roten Pass mit weissem Chrüzli haben möchte. Vielleicht ist ihr auch einfach klar geworden, dass ich all ihre Unterhaltungen verstanden habe. 😂
Ich hab noch gar nicht erwähnt, dass ein unangenehmer Duft nach nicht-waschen in der Luft lag. Erstaunlicherweise nur, wenn sie neben mir sass. War sie nicht da, war auch der der Gestank auf magische Weise verschwunden... Hueresiech!!! Wiso stenkts öberall?! Wann haben die Menschen aufgehört auf Köfperhygiene zu achten? 
Und wieso treffe ich, wenn ich auf Deutsche treffe, meist auf die aus Assihausen? 
Dies hat mich auf die Idee gebracht, dass Airlines eigentlich bei den Passagierpräferenzen ein Feld haben sollten, neben welcher Nationalität man nicht sitzen will. Wenn man dann seinen Platz mit Meilen bezahlt, wird der Platz nebenan automatisch für diese Nationalität geblockt. Das wäre doch etwas... 😂

Jedenfalls war das Ellbögeln mit der stinkenden Assifrau neben mir genug. Die 60 Minuten Wartezeit in der Schlange, die nicht vorangehen wollte bei der Immigration gaben mir dann den Rest. Zumal ich die Assifrau wieder jammern gehört habe. 
Meine Bekannte, die neben der sich einer übergeben hat, und ich sind zum Schluss gekommen, dass wir wohl künftig nur noch buchen, wenn wir uns die Business Class leisten können. Im Flugzeug verhält es sich wie im Zug (ich spreche hier von der SBB), in der Economy bzw. 2. Klasse befinden sich zu viele Menschen, die keinen Anstand gelernt oder diesen wieder verlernt haben. Will man anständige Menschen um sich herum haben, muss man drauflegen und 1. Klasse bzw. Business buchen. 


So das wars erst Mal... 😊 Nach diesen Strapazen muss ich sagen, ich habe mir das PARK HYATT TOKYO absolut verdient. 😎

Sonntag, 30. April 2017

wandernder Dickdarm mit Reisekrankheit

Der Titel verrät es bereits. Es ist an der Zeit nun nicht mehr länger von meiner Hausärztin sondern von meiner ehemaligen Hausärztin zu sprechen.
Die Schmerzen im Unterleib kämen wohl vom Dickdarm. Könnte eine leichte Entzündung sein. Die Entzündungswerte im Blut waren dann aber bei 0,0000... Möglicherweise hätte ich einfach die Reisekrankheit und die Schmerzen würden sich dann wieder legen, sobald ich in den Ferien weile.
Da die Schmerzen aber vielmehr im Bereich der Leiste angesiedelt sind, gehe ich davon aus, dass mein Dickdarm gewandert ist. Vielleicht ja weil er an der Reisekrankheit leidet?

Heute habe ich knapp 2 Stunden meines Lebens im Notfall des hiesigen Krankenhauses zugebracht. Um die Wartezeit zu überbrücken hatte ich Tammy Cohen's neues Buch dabei.

Ein Rentner meldete sich bei einer der Schwestern und klagte darüber, dass er nicht den ganzen Tag Zeit habe. Er habe noch einen Termin! Genosse Rentner, dies ist eine Notaufnahme. Mit Wartezeiten ist zu rechnen. Würde ich dort arbeiten, würde ich mich wohl eXtrem über solche Patienten aufregen...

Jedenfalls durfte ich dann wieder gehen, mit einem Rezept für eine Ladung Medikamente.
Es ist nun offiziell! Ich darf fliegen! Dann äusserte man sich mir gegenüber (einfach um mein internes Freudenorchester zum Schweigen zu bringen), dass Japan ja ausgezeichnete Krankenhäuser habe, falls etwas sein sollte... Danke.

Ich habe mir, möglicherweise beim Trampolin-Workout (oder einfach durch meine Fettheit) einen Leistenbruch zugezogen. Einer, der nicht so schlimm ist, dass man gleich operieren müsste. Andere Menschen laufen 8 Monate mit einem Leistenbruch umher. Das beruhigte mich dann doch ein bisschen, besonders nachdem ich gelesen hatte, dass das Gedärm davon flutschen und sich so einklemmen kann, was dann eine sofortige Notoperation zur Folge hat - es sei denn, man möchte das Zeitliche segnen.

Tja und so gehe ich mit einem Leistenbruch und 4 Packungen Medikation in den Urlaub. Eigentlich hatte ich ja den zweiten Hiking Trail in Kamakura geplant, aber angesichts meines defekten Daseins, denke ich, es ist von Vorteil übermässige Anstrengungen auszulassen.
Mein anfänglicher Scherz, von wegen ich würde mich dieses Jahr nur auf dem Balkon meines Apartments in Tokyo aufhalten und sonst nichts machen, wird wohl fast die traurige Wahrheit... Wir werden sehen.

Sollte ich mich zu einer Notoperation im St. Lukes, welches wir ja bereits kennen, einfinden, werde ich natürlich darüber berichten. In dem Sinne: schöne Ferien! 

Samstag, 26. November 2016

Das Schweizer Messer



Bei der Wahl eines adäquaten Titels, dachte ich mir,  ich könnte einen wählen, der so gar nichts mit dieser freundlichen Geschichte am Hut hat - so wie der Heyne Verlag das bei den Büchern Richard Laymons zu machen pflegt.
Zu Ehren Vitali Kaloyevs steht nun eine mögliche Mordwaffe im Titel. Wo die Geschichte jedoch hinführt, dies werden wir noch sehen...

Die Boeing 747-406 mit dem Namen City of Seoul der holländischen KLM stand geduldig am Gate und wartete darauf, die nächsten Passagiere beherbergen zu dürfen. Einer der 197 Economy-Sitzplätze sollte Bob gehören. Bob hatte von einem seiner Angestellten gehört, dass der stabilste Teil eines Flugzeugs die Mitte sei. Direkt bei den Tragflächen. Zwar grämten ihn die CHF 45.- Gebühren, um einen Sitzplatz wählen zu können, jedoch hing er an seinem Leben und so entschied er sich für Platz 37K. Direkt über den Tragflächen am Fenster. Aber wir greifen etwas vor...

Bob Lazina, der bei seinen Angestellten unter den Namen Lazy Bob, der fette Bob oder auch nur Blob, bekannt war, hatte endlich mal wieder Urlaub von seinen lästigen Angestellte, die ihn und die Unternehmung nur Geld kosteten und wollte es sich gut gehen lassen. Allerdings hatte er keine Ahnung, wohin er verreisen sollte und parkierte seinen voluminösen Hintern daher auf den Schreibtischen diverser Angestellter, um nach einem angenehmen Ferienort zu fragen und sie von ihrer Arbeit abzuhalten. Karibik, USA, Thailand, Japan, China, Singapur... etc.
Dolores empfahl ihm einen Aufenthalt in Kyoto, Japan und meinte, er solle den Flug bei der KLM buchen, weil die noch einen erstklassigen Service bieten würden. Japan interessierte Bob gar nicht, aber als er von den Onsen genannten Thermalbädern gelesen hatte, in die man sich nackt setzte, buchte er sich kurzerhand einen Flug nach Japan und ein Hotel in Hakone, dem Ort fürs Nacktbaden.

Bob Lazina reihte sich fluchend hinter den Wartenden vor dem Security Check des Zürcher Flughafens ein. Wieso ein Mann von seinem Format mit solch einem Pöbel warten musste, konnte er nicht nachvollziehen. Als er endlich heran gewinkt wurde, fluchte er die sogenannten Bodychecker an, weshalb sie so langsam arbeiten würden. Wäre er ihr Boss, hätte er sie längst alle gefeuert. Annie, die seit 10 Jahren in diesem Beruf arbeitete, kannte solche Aufschneider und blieb daher unbeeindruckt, was Bob noch mehr in Rage versetzte. Widerwillig entledigte er sich seines Gürtels, der Geldbörse uns seines Palm. Ja richtig gelesen. Bob war einer der wenigen Menschen, die im Jahr 2016 noch ein Palm benutzten. Seine Rolex wollte er jedoch anbehalten, schliesslich könnte die ja abhanden kommen und so dauerte die Abfertigung des grossen Bob Lazina gute 10 Minuten...

Der Flug von Zürich nach Schiphol verlief ohne grosse Probleme, ausser dem Einen. Der Sitz war etwas zu schmal, als dass der voluminöse Bob darin Platz gefunden hätte. Sein Fett schwabbte auf den Nachbarsitz, wo sich ein dünnes Mädchen ans Fenster quetschte, um bloss nicht von ihm berührt zu werden.

Beim Security Check in Amsterdam fluchte Bob erneut. Weshalb er nochmals kontrolliert würde?! Schliesslich hätten die Schweizer das schon gemacht und diese würden bestimmt einen besseren Job machen, als die Holländer oder irgendwelche Inder, die in Holland lebten und ihm seine Rolex abknüpfen wollten. Der Inder, blieb unbeeindruckt. Zum Einen, weil Bob nicht der einzige Mensch mit zu grossem Ego war und zum Anderen, weil er ihn kaum verstehen konnte. Bob's Englischkenntnisse liessen zu wünschen übrig. Besonders die Aussprache.

Beim Boarding drängelte er sich vor, weil es einfach nicht schnell genug voran ging. Endlich parkierte er seinen gewaltigen Arsch auf Sitz 73K der B747-Combi. Als sich eine Frau mit einem schreienden Baby in die Reihe hinter Bob setzte, platzte ihm endgültig der Kragen. Erst fauchte er die Frau an, dann die Flight Attendant. Die Economy war ausgebucht und so bekam die Frau mit ihrem Baby einen Sitz in der Economy-Comfort, wo kein Passagier etwas sagte, die Blicke jedoch Bände sprachen. Glücklich war man nicht...
Bob schäumte vor Wut, weil dieses Weibsstück ein Upgrade erhalten hatte. Vielleicht würde er künftig doch First Class fliegen, wobei das zu teuer war...

Der Start verlief ohne Schwierigkeiten, doch während Bob im kleinen Bildschirm "A Walk in the Woods" schaute, schreckte er aufgrund eines seltsam mechanischen Geräuschs zusammen. Er blickte aus dem Fenster, konnte aber ausser Rauch nichts erkennen. RAUCH! Bob brüllte nach einer der Flight Attendants. Diese versuchte ihn zu beruhigen. Der Pilot habe alles im Griff. Kaum hatte sie ihren Satz beendet, ertönte die Stimme des Piloten aus dem Lautsprecher. Triebwerk 3 funktionierte nicht mehr richtig und wurde abgeschaltet. Bob brach in Panik aus. Sein Sitznachbar, ein Aviatikstudent, versuchte ihn zu beruhigen, in dem er ihm erklärte, dass der Ausfall von einem Triebwerk kein Problem darstelle.
Eine Stunde später hörte Bob erneut diese seltsamen mechanischen Geräusche. Er schaute aus dem Fenster uns sah in der Dunkelheit der Nacht gerade noch die Flammen, die vom defekten Triebwerk zur Tragfläche hoch züngelten. Es gab einen lauten Knall und just in dem Moment, in dem Bob losbrüllen wollte, verspürte er einen stechenden Schmerz in seiner Flanke. Er blickte nach unten und sah ein Loch in der Wand unterhalb des Fensters. Er sah Blutspritzer und realisierte, dass ein Teil des Triebwerks order der ausgefransten Tragfläche in seiner Seite steckte. Mit dem Realisieren seiner Verletzung kam der Schmerz. Unvorstellbare Qualen. Die Passagiere, die in seinem Umkreis gesessen hatte, waren auf die andere Seite der Maschine geflohen. Bob war allein. Ihm wurde warm und immer wärmer. Durch die Fensterscheibe konnte er die direkt davor tanzenden Flammen sehen. Auf seiner Haut bildeten sich Blasen. Bob schrie und brüllte aus Leibeskräften. Ihm wurde bewusst, er würde verbrennen. Ein weiterer Knall und weitere Metallteile schossen durch die Wand der Boeing 747. Bob wurde durchlöchert. Er verlor sein rechtes Bein, unterhalb des Knies. Das heisst, der Rest des Unterschenkels baumelte an ein paar Sehnen. Bob's rechte Gesichtshälfte schmolz dahin, vergleichbar mit dem Käse auf einer Pizza, und wurde allmählich schwarz. Seine rechte Körperhälfte war mit Brandblasen übersät und drohte ebenfalls schmelzen. Aus Bob's schreien wurde ein Gurgeln. Das Triebwerk wurde abgestellt. Da ertönte die Stimme des Piloten "Passengers, brace for impact."

Jene Passagiere, die auf die andere Seite des Flugzeugs geflohen waren, suchten nach freien Plätzen und hielten sich fest, wo sie nur konnten.
Die Airtrafficcontroller im Tower des Flughafens Moskau-Domodedowo hatten Sichtkontakt zur B747, die sich im Landeanflug befand. Schwarzer Rauch war zu sehen. Die Boeing sank immer tiefer und sämtliche Augenzeugen hielten den Atem an und ihre Kameras bereit. Die Flughafenfeuerwehr war bereit, ein Inferno zu beseitigen.
Der Kapitän setzte mit der City of Seoul sicher auf der Landebahn auf und brachte sie zum stehen. Auf der linken Seite der Maschine wurden die Türen geöffnet und die Notrutschen heruntergelassen. Die Passagiere wurden evakuiert.
Bei der Landung wurden 34 Menschen leicht verletzt. Die weiteren 177 Passagiere kamen unbeschadet davon und so auch die Besatzungsmitglieder.

Das brennende Triebwerk wurde gelöscht. Zwei Männer der Flughafenfeuerwehr betraten die Kabine und fanden einen stark verkohlten Passagier. Sie glaubten ihn tot, bis dieser ein Röcheln von sich gab. Bob wurde aus seinem Sitz gehoben und ins nächste Krankenhaus befördert, wo er unter starken Schmerzen in einem 4-er Zimmer liegt. Ja liegt. Bob Lazina hat Berühmtheit erlangt, als der Mann, der als einziger ernsthafte Verletzungen davongetragen und mit derart starken Verbrennungen überlebt hat. Die Ärzte sagen, es sei ein Wunder, dass er seinen Verletzungen nicht erlegen ist und sie würden alles Mögliche tun, damit er durchkommt.
Bob Lazina wünscht sich wohl, er wäre gestorben... Denn auch wenn er überleben sollte, was die Meisten ausschliessen, wird er für den Rest seines Lebens bewegungsunfähig bleiben und auf starke Medikamente angewiesen sein.

Gestern war ein Bericht über ihn in den Nachrichten. Ein Reporterteam wollte ihn interviewen. Bob Lazina's "Worte" waren lediglich ein blubbern. Er wird nie wieder sprechen können...

In dem Sinne: alles Gute Bob...