Dienstag, 9. September 2014

Charlie räumt auf

Da sich der Verfasser überhaupt nicht mit Schusswaffen auskennt und keine Ahnung hat, welcher Art Charlies Waffe war, darf sich der Leser in Gedanken selbst eine aussuchen...

Das hohe und leicht heisere Bellen des Hundes ging seit Stunden. Bereits seit mehreren Tagen. Mehreren Wochen. Eigentlich ging das schon seit 3 Monaten so, seit dem Tag, in der Geschichte der Menschheit, an dem seine höllischen Nachbarn diesen verdammten Köter angeschafft hatten. Den Hund, den sie zuvor hatten, haben sie ins Tierheim gesteckt, weil er angeblich den kleinen David gebissen habe. Selbst wenn das stimmen sollte, wäre es nicht weiter verwunderlich gewesen, zerrte diese gottverdammte Brut ständig an dem armen Tier herum oder zielten mit Fussbällen auf ihn. Charlie wünschte sich innig, dass der Hund, ein Collie - wie Lassie - dem kleinen David, der mit Abstand die lauteste unter den sieben Ausgeburten der Hölle war, anstelle in die Hand gleich die verdammte Halsschlagader durchgekaut hätte. Wunschdenken.

Die tägliche Lärmbelästigung ging schon seit Jahren so. Die sieben Bälger brüllten, krähten, weinten, heulten, johlten, keiften und kreischten tagein tagaus im Garten herum. Das Geräusch des Fussballs, der auf die Hausmauer geschossen wurde, machte Charlie fast wahnsinniger, als das ständige Gekreische.
Gespräche mit den Eltern jener Brut brachten nichts. Die Mutter, mit der Figur einer russischen Rübenbäuerin und dem Auftreten eines Wikingers, brüllte selbst den ganzen Tag herum. Wenn sie nicht ihren mageren Ehemann zur Schnecke machte, dann brüllte sie die Kinder an - aber nie den kleinen David, aus dem würde mal ein Fussballprofi werden - oder keifte Hund und Katze an.

Charlie stellte sich des öfteren die Frage, was er in seinem früheren Leben wohl falsch gemacht hat, dass er mit so etwas bestraft wurde. Er erhielt - wie jeden Tag - keine Antwort darauf.
Er fühlte sich so, als ob sich neben ihm die Pforte zur Hölle aufgetan hätte. Bestialische Kreaturen hausten dort. Und dieser Gestank, der täglich zu ihm herüber drang...

Es war Anfang September, als das hohe Bellen des Hundes plötzlich verstummte. Ziemlich zeitgleich war ein Knall zu vernehmen.
Der miese Köter, lag tot mit einem Loch, so gross wie das Rad eines Autos, ein paar Meter hinter der Stelle, an der er zuvor gestanden und gebellt hatte, im Gras. Gut, das war jetzt gelogen. Das Loch wäre so gross gewesen wenn der Hund selbst grösser gewesen wäre. Da ein West Highland White Terrier aber nicht annähernd die Grösse eines Autorades hat, gab es den Hund nun in doppelter Ausführung. Der Kopf war gerade noch so zu erkennen, endete aber in einem Gemetzel aus Haaren, Blut und Fleisch.

Nils kreischte. Auch seine gleichaltrige Schwester stimmte mit ein. Alsbald kreischten und schluchzten sechs von sieben Kindern. Charlie wollte sie allesamt ins Jenseits befördern. Er legte das Gewehr an und da fiel ein Balg nach dem anderen um. Dem kleinen Tobias zerfetzte er den Schädel. Nicht mal der Zahnarzt hätte dieses Durcheinander von Blut und Fleisch noch identifizieren können. Die Zähne waren irgendwo verstreut oder gar zu Staub zerfallen. Wer weiss das schon?
Charlie lächelte. Sechs. Aber wo war dieser kleine Scheisser? Dieser Superstar? Wo war dieses verdammte Balg nur?!

Da fuhr auch schon der riesige Wagen, ja fast schon ein Lieferwagen, die Einfahrt hoch. David rannte mit seinem neuen Fussball in den Garten. Da kam also die letzte dieser Kreaturen endlich aus ihrem Loch gekrochen.
David kreischte. Charlie zielte - und traf. Das Bein des kleinen David war zerfetzt. Er lag im Gras und kreischte. Charlie dachte sich, dass das auch nicht anders klingt als sonst.
Die Wikingerbraut brüllte. Charlie richtete auch sie hin. Ein Schuss und Ruhe herrschte. Bis auf das Schluchzen und krähen des kleinen David war nichts mehr zu hören.

Als dieser Waschlappen von Vater nach einer weiteren 12-stündigen Schicht nachhause kam und den Garten betrat, starrte er ungläubig in dieses Durcheinander aus Gedärmen, Gliedmassen, Blut und Haaren. Er sah den kleinen David, der mittlerweile verblutet war. Er ging zu den Überresten seiner Frau, oder besser EX-Frau. Sein schmaler Mund verzog sich zu einem Lächeln. Er schaute in den Garten seines Nachbarn. Charlie sass im Schaukelstuhl, trank ein Bier und putzte seine Waffe.
Der Waschlappen von Vater - oder Ex-Vater, trat an den Zaun. Er lächelte und nickte Charlie dankend zu. Charlie deutete rüber zu kommen.
So sassen die Beiden in Charlie's Garten, tranken ein (oder mehrere) Bier und absorbierten den Klang der Stille. 



Sonntag, 31. August 2014

The SANDRIAN CHURCH

Der Medienrummel bei Erscheinen ihres Buches war nicht schlecht. Reporter aus aller Welt wollten ein Interview mit der Autorin bekommen.
In ihrem ersten Buch, erschienen in der Rubrik Erfahrungen, schildert die Autorin die Ereignisse vor, während und nach ihrer Zeit bei den SANDRIANERN.

Sie muss 16 gewesen sein, als sie erstmals Kontakt mit einem Mitglied der SANDRIANER hatte, doch wusste sie nichts von dessen Hintergrund.
Sie wusste auch nicht, dass sie den direkten Weg in deren Fänge beschritt, als ein Praktikum in diesem kleinen düsteren Buchladen des Herrn Sylvius absolvierte.

2 Jahre nach diesem Praktikum fand sie sich in den Fängen der SANDRIANER wieder, deren oberstes Gebot es war, sich den Menschen Untertan zu machen, ihn seelisch zu missbrauchen und zu foltern.
Sie schildert Praktiken der Gehirnwäsche, die auch bei ihr angewendet wurden. Sie sollte die SANDRIANER lieben und ehren. Sollte sich ihnen mit Leib und Seele verschreiben - was sie, um ihr Leben willen, auch tat.
Obschon sie gequält und gedemütigt wurde, unterwarf sie sich dem Orden. Hoffte auf Erlösung. Hoffte auf eine Aufnahme in die höheren Kreise - welche ihr stets verwehrt blieb, witterten die Oberen doch, ihre innere Abneigung gegen den Orden. Niemals hätte sie eine von ihnen sein wollen. Hinterhältig, intrigant, manipulierend, falsch und abgrundtief böse. So war sie weitere Jahre der Folter und Qual ausgesetzt.

Die SANDRIANER, welche ihren Sitz in der SANDRIAN CHURCH hatten (oder noch heute haben), galten nach Aussen hin, als Glaubensgemeinschaft. Als gute Samariter. Doch jeder, der sich etwas näher mit ihnen befasste, und es schaffte, nicht in deren Fänge zu geraten, wusste um die Wahrheit. Erkannte das Böse, das hinter den Backsteinmauern schlummerte.
Man kommt hinein, aber keiner kommt raus... 

Im Dorf wurde gemunkelt, es handle sich um Satanisten. Die Autorin dementierte dies vehement. Hätte sie die Wahl gehabt, hätte sie sich eher der FIRST CHURCH OF SATAN, denn der SANDRIAN CHURCH verschrieben. Aber diese Entscheidung wurde ihr damals von den SANDRIANERN abgenommen. Sie geriet in deren Klauen, an denen das Blut unzähliger Unschuldiger bzw. Ungläubiger haftet.

Nach Erscheinen ihres Buches wurden Stimmen gegen die SANDRIAN CHURCH laut. Die Zeitung BLICK widmete dem Thema ganze 4 Seiten. Die abscheulichen Bilder erhielten sie von einem anonymen Insider, so der Absender. Die Bilder wurden nur zensiert abgedruckt, da man sich nicht der Publikation von Snuff schuldig machen wollte. Im Internet kursierten die Bilder unzensiert nebst weiteren Fotos anderer "Glaubensgemeinschaften". Auf Youtube erschienen gar qualitativ schlechte Handyvideos, welche die Schilderungen der Autorin bestätigten, sich hinterher aber als Fake herausstellten.

Zwei Monate nach Erscheinen der autobiografischen Publikation mit dem Titel THE SANDRIAN CHURCH - Leidensgeschichte einer Abtrünnigen verschwand die Autorin spurlos. Verschwörungstheoretiker glauben, sie sei erneut in die Fänge des Ordens geraten. Nach zahlreichen Leserbriefen und öffentlichen Demos vor dem Bundeshaus in Bern, entschied sich die Zürcher Kantonspolizei doch noch dazu, den Hauptsitz der SANDRIAN CHURCH zu durchsuchen.
Was sie dort vorfanden, sollte die ganze Welt in Staunen versetzen.
Sie fanden nichts. Keinen Folterkeller, keine Leichen, ja noch nicht einmal einen Altar. Der Sitz erinnerte mehr an eine Hippie-Kommune, denn an einen Sektentempel, meinte der Sprecher der KaPoZürich.

Auf zahlreichen Webseiten lässt sich nachlesen, was Verschwörungstheoretiker zum Verschwinden der Autorin äussern. Diese behaupten, die SANDRIANER hätten lange genug Zeit gehabt, ihren Sitz auszuräumen, um ihn friedvoll wirken zu lassen. Wer weiss, was sich da im Keller abspielt?
Für die Polizei ist der Fall erledigt. Ein waghalsiger Journalist schlich sich bei den SANDRIANERN ein, und wurde die wieder gesehen, so verkünden es zumindest die Webseiten.

Wenn man den Schilderungen der Autorin Glauben schenken kann, und besonderes Augenmerk auf das Kapitel legt, in dem sie die Methoden beschreibt, mit denen Abtrünnige zu Tode gefoltert wurden, können wir nur hoffen, dass sie nicht mehr lebt.

Andere Seiten meinen ja, das Buch wäre ein riesengrosses Fake. Fiktiver Dünnschiss einer Frau, die einfach ein bisschen Aufmerksamkeit und Geld wollte, sich mit besagtem Geld irgendwo ins Ausland abgesetzt hat und sich über uns kaputt lacht.

Gestern wurde auf Youtube ein neues "Enthüllungsvideo" hochgeladen - und bereits weniger Minuten wieder gelöscht. Die Botschaft war:

Hütet Euch vor den SANDRIANERN. Sie sind überall. Sie sind unaufhaltsam... 

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Diese Geschichte ist Désirée Hasler (wuhuuu i ha mol ned Frey gseit) gewidmet... 

Freitag, 8. August 2014

Von der Vielfalt erschlagen

Seit über 30 Jahren nun, arbeitete sie als Buchhändlerin. Sie liebte ihren Job. Sie liebte Bücher. Sie liebte diese anderen Welten, in die sie stetig eintauchen und sich darin verlieren konnte. Es war ihre Flucht aus der Realität.
Sie mochte die meisten Kunden. Wirklich. Doch manchmal kam es vor, dass sie mal jemanden nicht mochte. Ja geradezu verabscheute. 30 Jahre in diesem Betrieb. Und seit 10 Jahren kam diese eine boshafte Kundin des öfteren vorbei. Sie hatte die Schnauze voll. Gestern sollte der letzte Tag gewesen sein, an dem sie sich von dieser Person anherrschen lassen musste… 

Es geschah in der Woche darauf. Sie war alleine in der Buchhandlung und wollte gerade schliessen, als dieses Weib in den Laden gestürmt kam. Schon beim Eingang krähte sie, ob ihr Buch denn noch immer nicht eingetroffen sei! Wieder beklagte sie sich über den laschen Service, und dass sie ihre Ware künftig bei Amazon beziehen werde - damit drohte sie bereits seit 5 Jahren. 
Wieder herrschte sie sie an. Wieder warf sie ihr vor, wie unfähig sie doch in ihrem Job war. Wieder sagte sie, dass sie nicht verstehen könne, wie eine so unfähige Person, so lange in diesem Beruf arbeiten konnte… 

Während die abscheuliche Kundin, in den Grusskarten stöbernd, mit dem Rücken zu ihr stehend, weitere Beleidigungen von sich gab, griff die Buchhändlerin nach Claude Cueni’s Script Avenue und schlug diesem Reibeisen von Frau damit auf den Kopf. Sie schlug nochmals zu. Und noch einmal. 637 Seiten in Karton gebunden, schossen auf die, mittlerweile am Boden liegende Frau ein. Die Blutspritzer passten farblich perfekt zu den Lettern der SCRIPT AVENUE. Da dieses Buch bereits recht lädiert war, spazierte sie in aller Ruhe zum Regal mit dem Buchstaben L und griff nach dem Marginalienband von Jonathan Littell’s Die Wohlgesinnten. Nicht etwa wegen der Thematik, sondern wegen des Gewichts der 1482 Seiten im Kartonschuber. Die Kundin versuchte sich aufzurappeln. Die Buchhändlerin stellte sich direkt vor sie hin, schüttelte den Kopf und verkündete mit fiesem Lächeln, dass sie der Kundin Attacken und Sticheleien hier und jetzt für immer beenden werde. Der Blick angsterfüllte Blick der Kundin freute die Buchhändlerin. Sie zückte ihr iPhone und schoss ein Foto. Als das Smartphone wieder in ihrer Hosentasche versunken war, schmetterte sie die 1482 Seiten im Kartonschuber ins Gesicht der Kundin. Diese schrie unter Qualen auf. Ihre Wange und die Lippe waren aufgeplatzt. Das rechte Ohr zerfleddert. Sie begann wimmernd um ihr Leben zu flehen, ja sie bettelte geradezu. Obschon dies der Buchhändlerin eine gewisse Genugtuung verschaffte, prügelte diese weiter auf ihr Opfer ein. Irgendwann hielt sie inne und begann ihr Opfer mit allen möglichen Büchern zu bewerfen. Zuerst kam Nora Roberts geflogen. Darauf ein Taschenbuch von Danielle Steel, gefolgt von David Baldacci’s Schnulze und dem neuen Nicholas Sparks. 
Sie rollte die Reclam-Ausgabe von Hauptmann’s Bahnwärter Thiel zusammen, drückte sie ihrem Opfer ins rechte Auge und bohrte solange darin herum, bis sie den Augapfel entnommen hatte.
Danach holte sie den Brieföffner, stiess diesen in des Opfers Unterleib und zog ihn mit aller Kraft nach oben. Sie hatte unterschätzt, wie viel Kraft ein so stumpfer Gegenstand kostete. Dennoch blieb sie hartnäckig und schlitzte weiter, bis sich der Bauch auftat und die Eingeweide heraus quellten. Ihr Opfer starrte ungläubig mit zwei geschwollenen Augen auf die Wunde im Bauch. Die Buchhändlerin begann damit, ihr Opfer auszuweiden… 

Die Kunden, die am darauffolgenden Tag die Buchhandlung betraten, waren erst geschockt, dann entzückt. Sie machten der Buchhändlerin zahlreiche Komplimente über die diesjährige Halloween-Dekoration. Sie habe sich mal wieder selbst übertroffen! 

Vom Eingang bis zur Kellertreppe hin zog sich eine breite Blutspur durch den gesamten kleinen Laden. 
Neben der Kasse befand sich ein kleiner Aufsteller, dessen Schriftzug „Top Titel“ verkündete. Darunter lagen die beiden zerbeulten und rotbraun gefärbten Tatwaffen.

Der ausgehöhlte Torso hing in der Abteilung für Kunst und Lifestyle. In der Bauchhöhle brannte eine Glühbirne und spendete etwas Licht. Ein Kunde fragte gar, ob er diese Lampe kaufen könnte?! Die wäre einfach grossartig! Auf dem obersten Regal der Horror-Abteilung thronte ein Kopf mit leeren Augenhöhlen. Die Augen lagen in einer gusseisernen Schale in der Okkultismus-Abteilung. 
Die abgetrennten Gliedmassen lagen auf der Pyramide mit den Krimis, welche allesamt mit Blut verschmiert waren. 
Die Gedärme waren liebevoll um die kleine Pyramide mit dem Buch des Monats drapiert. Darauf befand sich das Buch Darm mit Charme. 

Donnerstag, 3. Juli 2014

Pendler-Horror #01

Erst echauffiert sich eine Frau mittleren Alters darüber, dass sich dreiste (eher schlaftrunkene) Menschen in Abteile setzen, deren Fenster mit dem verhassten (besonders bei Durchsagen wie "Zwei Wagen im Sektor D sind geschlossen") "RESERVIERT"-Schild versehen sind. Nachdem sie, gehässigen Tones, erfolgreich alle Menschen in die Flucht geschlagen hat, kehrt für gute 2 Minuten Ruhe ein... Niemand ahnt etwas, vom Grauen, das sich, virusartig sogleich in Gestalt bellender Teenies in den "RESERVIERT"-Abteilen aufteilt. Es wird gekreischt, gelacht, laute Musik gehört und einmal mehr wird demonstriert, dass die Installation dieser Klapptische eine überaus schlechte Idee war, wird doch in gesundem Rhythmus damit Krach gemacht. Und wieder saust die Platte herunter. Und wieder... Und ich würde gerne die Hand des Übeltäters dazwischen legen und so lange (und ausdauernd) mit der Tischplatte darauf schlagen, bis von einst fensten Knochen nur noch feine Splitter übrig sind. In Anbetracht dessen, dass Jemand dieses Blutbad würde aufwischen müssen und mir wohlmöglich eine Geldstrafe auferlegt würde, welche jedoch aufgrund der milden Tat genauso milde ausfallen dürfte, lasse ich es bleiben. Wenn ich es auf eine mehrjährige Haftstrafe und Geldbussen in Millionenhöhe anlegen würde, lüde ich einfach eine Raubkopie eines Films im Internet hoch. Aber mir gefällt es doch recht gut in Freiheit zu leben. 

Am HB angekommen ergiesst sich die Menschenmasse übers Perron. Auch die kreischenden Halbwüchsigen sind mitdabei und übertönen sogar das Quietschen des bremsenden Zuges auf dem Gleis nebenan.

Kurz vor der Rolltreppe, welche mich gleich zum Perron 44 führen wird, werde ich von einem Rollkoffer erfasst. Er rollt dreist über meine Füsse und wird von eben diesen sogleich weggekickt. Der sich in Eile befindende Businessman dreht verdutzt den Kopf. An der Stelle, an der eine Entschuldigung ausgesprochen werden sollte, ertönt lediglich ein seichtes "Oh". In Anbetracht der Zeitenwende, sollte man sich mit einem "Oh" schon zufrieden geben. Schliesslich gäbe es noch drei weitere Möglichkeiten:
a) perfektionierte Ignoranz
b) man wird aggressiven Tones angepöbelt
c) von einem, sicherlich ungewaschenen und daher höchst unhygienischen, Messer wird man durchlöchert

Auf der Rolltreppe kämpfen zwei Mittelalte ums Überleben. Zumindest lässt dieses hitzige Kopf-an-Kopf-Rennen dies vermuten. 

Ilegalerweise halte ich mich vor der 1. Klasse auf und freue mich auf einen hoffentlich nicht so turbulenten Arbeitstag.

NS: mittlerweile befinde ich mich, diesen Beitrag auf meinem iPhone tippend, im IC gen Olten. Der Geruch der Exkremente, die der Toilettenbenutzer gerade ausgeschieden hat, verteilt sich im ganzen Waggon. 
Morgen werde ich mir das Buch vom freundlichen Darm zu Gemüte führen. Und eventuell noch eines über Lüftungssysteme für Zugstoiletten. Dazu noch eines über DIY-Störsender für Handys. Einfach weil mich die Telefongespräche zu so später Stunde (eigentlich egal zu welcher) nicht interessieren. Weder das in den Kongo oder nach Nigeria (diese Sprachen sind recht schwer auseinanderzuhalten). Auch nicht das eine nach Deutschland. 

In dem Sinne: gepriesen seiest Du, Steve Jobbs, und Deine Ingenieure! Hoch lebe mein iPod!

Donnerstag, 29. Mai 2014

Wenn das Telefon nicht mehr klingelt - eine Reise durch die Wirren der Cablecom

Dieses Ereignis würde, wäre es denn ein Buch, veröffentlicht bei BASTEI LÜBBE in der Reihe "Erfahrungen", den Titel tragen: "In den Fängen der Cablecom - Der harte Überlebenskampf einer Familie ohne Internet und Telefon"

Es war ein warmer Tag im Frühsommer, als der TV die Sender plötzlich nicht mehr in gewohntem (unvorteilhaftem) HD ausstrahlte. Störungen. Der digital receiver war defekt.
So rief mein Vater bei der CABLECOM an und wurde fast schon genötigt sich doch für die HORIZON-Box zu entscheiden. Nach langem Gerede wurde gleich telefonisch ein neuer Vertrag aufgesetzt. Kurz darauf erhielten wir die HORIZON... just to make bad things worse

Am Tag danach funktionierte noch immer nichts. Wieder wurde mit dem Kundendienst telefoniert.
Irgendwann funktionierte dann der Fernseher wieder. Doch der PC meines Vaters wollte sich nicht mit dem Internet verbinden (mein iMac hatte zu diesem Zeitpunkt noch die volle Verbindung -_^). Auch unser Telefon war dann tot.

Wieder rief mein Vater bei der CABLECOM an, langsam nicht mehr so geduldig und auch nicht mehr ganz so freundlich. Wieder hiess es, "bis morgen Abend wird es gehen."

Schliesslich kam ein "Fachmann" vorbei. Fachmann... Er schaute sich das Gerät an. Steckte alle Stecker erneut ein und aus. Installierte die HORIZON neu und meinte, das wars. Mehr könne er auch nicht machen. Er verstehe nicht, warum der PC meines Vaters keine Internetverbindung herstellen könne... Ob die Tochter (also ich) ein Notebook habe, das er sich mal ausborgen könne? Auf den empörten und sehr viel sagenden Blick meiner Mutter, meinte er dann sogleich, dass es auch ohne gehen würde.
Der "Fachmann" ging in den Feierabend - und ward nicht mehr gesehen. Zurück blieb eine Familie ohne funktionierendes Telefon und einem internetlosen Computer.

Am Tag darauf, es war ein Donnerstag, war ich mehr denn je auf eine Internetverbindung angewiesen, hatte ich doch einen Auftrag erhalten, eine neue Webseite zu erstellen. Mein iMac sagte mir aber, dass es kein Netzwerk "M." mehr geben würde. AAAAAAAAAAA!
Wurde unser Modem abgeschaltet, da wir mit der HORIZON ja kein Modem mehr brauchten... Bis morgen Abend wird es dann alles funktionieren, hiess erneut seitens CABLECOM.

Ich installierte die Box erneut und fragte mich, wieso das Kennwort, welches auf der Box aufgedruckt ist, denn FALSCH sei... Denn unser W-LAN war da - mit einem neuen Namen. Nur hatten wir keinen Zugriff darauf.
Schliesslich stellte sich dann heraus, dass der "Fachmann" das Kennwort der HORIZON in das Kennwort unseres W-LAN's geändert hatte. Allerdings hatte er nicht kapiert dass "PW" für Passwort steht und keinesfalls mit ins Passwort des W-LAN's gehörte... So änderten wir unsere W-LAN Kennwörter (auf jedem einzelnen Gerät) mit PW davor und schon hatten wir wieder eine Verbindung zum Word Wide Web. Alle - ausser mein Vater.
Da sollte sich dann, mittels Fachmann bei FUST, herausstellen, dass sich sein Security package nicht mit dem der HORIZON verträgt und deswegen war das W-LAN lahmgelegt.

Das Telefon funktionierte weiterhin nicht. In der folgenden Woche kam ein Schreiben der CABLECOM ins Haus geflattert. Es war ein Standardschreiben von wegen "Herzlich willkommen bei der Cablecom... schön, dass sie sich für uns entschieden haben... hier ist ihre neue Telefonnummer: XXX XXX XX XX
Mein Vater rastete aus! Seit nunmehr 25 Jahren besitzen wir die gleiche Telefonnummer! Was fällt denen ein!
Wieder ein Anruf beim Kundendienst der CABLECOM, der möglicherweise in Indien stationiert ist, sprachen doch ALLE ein recht seltsames "Deutsch"...
Unverständnis bei der Cablecom... Niemand wusste warum und wieso...

Weitere zwei Tage später, war die Nummer noch immer nicht geändert. Ein erneuter Anruf mit Androhung von K-TIPP und BEOBACHTER und Wechsel zur SWISSCOM (die laut Hörensagen auch nicht besser sein soll).
Da wurde mein Vater zu einem Schweizer durchgestellt, der sich der Sache dann angenommen und erledigt hatte.

Nach nahezu 1,5 Wochen ohne Telefon und weiteren 1,5 Wochen mit einer neuen Nummer, haben wir nun unsere, seit 25 Jahren bestehende Telefonnummer wieder zurück bekommen...






Sonntag, 25. Mai 2014

Geisel der SBB

Dieses Ereignis würde, wäre es denn ein Buch, veröffentlicht bei Bastei Lübbe in der Reihe "Erfahrungen", den Titel tragen: "Ich war eine SBB-Geisel - Die verheerende Geschichte im Kampf um die Freiheit"...

Feierabend! Man möchte nur noch nach hause gehen. Geht zielstrebig durch den "Züri HB", um, am Perron angekommen, beim Anblick eines alten "Kriegswaggons" zurückzuschrecken! Man blickt voller Hoffnung dem Zug entlang und sieht, einzig die Waggons der 1. Klasse sind moderner und klimatisiert. Passagiere der 2. Klasse dürfen sich in nicht klimatisierten, fast schon fossilen, Waggons einfinden. Man zieht ernsthaft in Erwägung, 30 Minuten auf nächsten Zug zu warten...
Fenster und Türen stehen weit offen, sodass ein laues Lüftchen durch den stickigen Waggon weht.
Die Wärme ist erdrückend. Die Luft liesse sich in Scheiben schneiden. Die Gemüter der Passagiere bewegen sich zwischen genervt und kochend vor Wut, was die hitzige Atmosphäre noch mehr aufheizt und dann bellt noch einer mit seiner bebenden Stimme in sein Mobiltelefon rein. Da eine Zweite und noch einer. Es werden immer mehr. Ähnlich den "Zombies" in Stephen King's "Cell" mutieren sie von liebevollen Menschen in schnaubende Bestien, tun sie alle ihren Unmut über die "Unfähigkeit der SBB" kund.
"Eine Katastrophe ist das! Ich ersticke in diesem Scheisszug!"
"Scheiss SBB!"
"Sie haben's wieder geschafft, scheiss SBB!"
und so weiter...

Der Zug setzt sich 6 Minuten zu spät in Bewegung. Alle Fenster stehen offen. Es weht ein kühler Wind durch die Waggons.
Irgendwann kurz nach Spreitenbach bleibt der Zug stehen, um sich schleichend wieder in Bewegung zu setzen.
Ich erinnere mich, an die Erzählung einer Bekannten. Sie erzählte mir, wie sie den SBB-Supergau erlebt hatte. Sass sie in einem Zug, kurz vor dem Tunnel bei Spreitenbach, als alles versagte. Das gesamte Schienennetz war lahm gelegt (wegen eines Eichhörnchens... darüber sollte man jetzt gar nicht weiter nachdenken...). Sie war mit unzähligen anderen Passagieren über eine Stunde lang in dem Waggon eingesperrt. Garend. Irgendwann wurden dann die Türen geöffnet und sie konnten ins Freie und frische Luft atmen. Man bedenke hier, dass bei einem Stromausfall auf keine Klimaanlage mehr funktioniert und sich so ein Waggon, in der prallen Sonne stehend, doch recht schnell aufheizt...

Jedenfalls war es dann 19:00 Uhr und wir hatten noch nicht einmal Aarau erreicht. Ich rief meinen Vater an, ob er mich in Olten abholen möchte, was er dann auch getan hat.
Bei Dulliken schlich die Kiste wieder in einem Tempo, dass man jede Schnecke für einen Sprinter gehalten hätte. Der Gestank der Bremsen durchströmte den Waggon. Wir drohten zu ersticken. War dies ein perfider Plan, um die Überbevölkerung im Keim zu ersticken?

10 Minuten zu spät trafen wir dann in Olten ein. Die Anschlüsse konnten natürlich nicht abgewartet werden. Besonders dann nicht, wenn die Passagiere den Zug nicht verlassen. Die Türen der alten Waggons liessen sich nicht öffnen. Wir standen, einander anstarrend, in den Gängen. Wieder stimmte man in Klagelieder gegen die SBB ein.
Schliesslich sah man ein paar Menschen am Zug entlang gehen. Sie mussten von hinten kommen. So machten sich alle Passagiere auf den Weg zum hintersten Waggon, dessen eine Tür offen stand. Ich hatte glücklicherweise nur zwei Waggons zu passieren. Andere Passagiere hatten da einen weit längeren Fussmarsch vor sich. Tatsächlich, diese eine Tür stand unter Einfluss eines ohrendurchdringenden hohen Pfeiftons offen.
Wir gingen neben dem Zug entlang wieder die ganze Strecke nach vorne in Richtung Unterführung. Ein gestresster Schaffner passierte mich rennenderweise und schrie seinem Kollegen zu, dass sich die Türen nicht öffnen liessen. Noch immer gab es ein paar gefangene Menschen, die hinter den Türen standen und raus in die Freiheit wollten...

Wie ich die Unterführung verlassen hatte und bei den Parkplätzen stand, war auch der Zug nicht mehr am Bahnhof. Offenbar konnten doch noch alle Menschen befreit werden.

Während der Heimfahrt sahen wir einen Zug auf der Brücke Richtung Bern stehen. Der stand einfach still, als würde er auf bessere Zeiten warten. Es war eben dieser Zug mit den Kriegswaggons...

Hach SBB, Eure Passagiere lieben Euch für solche Survival-Abenteuer! ^_^


Freitag, 23. Mai 2014

Hanging in the balance

(Orignal German text was written on Saturday, 2013/09/28 "Auf der Kippe")


Her picture in the mirror seemed to be unreal. This woman wasn't her. Couldn't be her. The bursted lip. The dried up blood spatters in her face. The formerly white and now blood soaked summer dress. The dark blue, nearly black, and swollen right eye. From her perfectly drawn black eyelid line were only some dark smudged lines left. Her preferred eyeliner from Shiseido, which had let look her so perfect and so beautiful yesterday, turned her into a monster over night. She was only a shadow of herself now. 
"This is not me!"
She stared into the strange face in the mirror, and that face just stared back.
A parallel universe had just to exist. An other world, in which she was staying in front of the mirror, brushing her hair with a smile and where she was happy. Tears run down over her cheeks. Tears of the lack of comprehension. Tears of fear. Tears of desperation - tears of hate.
The view from her deformed self in the mirror averting, she groped after her scalpel. But she felt no pain. There was a huge and deep wound in her leg. The blood was running down and built a small puddle round her foot. Again and again she dragged the cold blade through her naked skin. Nothing. Just emptiness. There was no sign of the usual relief. The blade felt down. She left the bathroom.
Beside her bed cowering on the cold floor, she was reflecting the past night. How could he have done that? How could she have let him do that? Has she ever been happy together with him?
Certainly they had spent good and beautiful hours together, but they had often fought together as well. Way too often. She couldn't remember, when he had caused her physical pain for the first time. It must have been a long time ago in the past...
Lately, it happened more and more often, that he was hurting her. That he vent his wrath on her. All his accumulated aggressions. Why, she didn't know.
She thought of her best friend, who told her on the phone recently, that she would not recognize her: "I've always looked up to you. You've always been my role model. What happened?! Why do YOU of all people acquiesce that?!" She didn't know an answer. When did this negative metamorphosis start? In former times she didn't acquiesce something from anyone.
She was deeply astonished by the fact, that Vanessa, her best friend, looked up to her. She admired her all the time. Vanessa was such a strong woman and she was so proud of being friends with this "amazon". But now? She was nothing! Because of HIM she had turned away from her friends. Even her horse she had turned away her back, because of her boyfriend was more important. Her boyfriend. Her first boyfriend. Everyone wanted him, but she has got him! And now? What did she has now? Nothing. She had a violent and hot-tempered goon, who had found his true love in cigarettes and alcohol. She couldn't explain, why she was together with such a person for such a long time. What happened with her? She had given him all her love, but it was never enough. She had done everything for him, but it just was not enough. She always had bowed to him. He wanted it that way. He was the lord. He was in authority - always. Contradiction meant torture. She had learned that slowly and painful. She had never lied nor cheated on him. He lied constantly and had some affairs, what she had suspected. Later on, her suspicion should be confirmed. She learned of all his girls and was able to uncover some lies. When she had spoken to him about that, he lost control of his temper, denied everything and threw her one of his combat boots in the face. Despite the pain, she had dared, even presumed to counter something. The answer came in a flash hurtled towards her - in the form of his fist, which gouged between her ribs and his combat boots, with whom he had beaten her until the darkness of unconsciousness occurred her.
While she thought further about it, she took off her stiff summer dress. In some places it stuck on her skin. Stucket the clotted blood. Back in the bathroom she stood unter the shower. The cold water was a blessing. She washed the blood out of her hair and from her skin. She wanted to clean herself. She wanted to wash herself free of her past and so she remained for 50 minutes under the cooling water jet. 

Despite of her injuries, the woman, who was now staring at her in the mirror, didn't look broken and desperate anymore. Something had changed. The eyes of the woman in the mirror shone full of joie de vivre. On her face was a smile of trimuph. In her mind she saw the last pictures of her ex boyfriend. How his motionless body lay on the sofa. He had no more power over her. He was no more the lord over her. 

In the mirror cabinet was still the "murder weapon", which she had to destroy. So she unscrewed the lid of the small dark glass bottle and poured the deadly rest into the toilet. The bottle landed in the trash can. To see was the white label added with the beautifully curved writing "Wolfsbane". Beside lay a book with the title "The deadliest plants of Europe".



Freitag, 9. Mai 2014

In the cemetery of Montmartre

(orignal text was written on Thursday, 2009/03/09 "Auf dem Friedhof von Montmartre")

«In the cemetery of Montmartre, cries from the winter sky»

Cold, the air in February. I can just barely feel my legs yet, but it doesn't matter. I'm remembering the christmas eve. This one fateful night... How tortured he must have been suffering to dead. For hours and hours... and hours... till the end came.
The snow is falling. Again. There is already so much snow on the ground. All the gravestones have got white bonnets. In the winter night, the cemetery looks like it was a beautiful painting.
I'm inflaming the match and lightening the red grave candle's wick with its flame. The shadows of the relief-like letters of his name are dancing with the candle's flame in the wind. Dancing on a cold stone. I'm shivering while I'm reading his name. Erik. Why? Why was it you?! What have I done?!

I'm getting overhauled by the memories of the christmas eve. I see us. Erik and me, dancing at the "Danse macabre". There are others dancing around us. Others like us. Black. All are we wearing black clothes. Erik is wearing a flouncy shirt of white silk combined with a black blazer. Baroque. I'm peering into his green eyes. Everything I feel is love. Deep true love. We are meant for each other.

The ball is over. Too fast. Erik and me are walking through the car park. I'm slipping on a iced place, but he catches me softly. We're laughing. For the first time of my life, I'm happy. Honestly... After my bad childhood with several foster parents, which never have loved me, did I finally find someone, who loves me.

Imperatively do I want do drive the car. I just have the learner's license indeed, but nevertheless am I a good driver. Erik is sceptic. Means it is too dangerous tonight. I insist. I'm looking with begging eyes into his green ones, till he says yes. He is smiling, whereupon his long vampire fangs are visible.  He throws the keys over to me.

The streets are white. The trees are white too. We're driving through a peaceful winter wonderland. We're alone in the streets. The world is us. The future as well.
Erik tells me how deep his love for me is. Everything is perfekt.

I'm slamming on the brakes! I'm trying to alter the course! Everything is turning. I'm losing control... I lost the control over the car. A pound! The crash! The airbag! A dark curtain is falling down. I'm passing out.

Erik is sitting next to me. Perforated with metal and branches. But he is alive. He must have horrible pain. Blood is running out of his mouth.
I wouldn't know that, if I hadn't seen the pictures the police showed me. When the firefighters fetched him out of the wreck of his car after two hours, is he dying.

I can see his green eyes, just as green as the pill with the skull picture. His green eyes. He loves me. The green pill. It promises fun. The green pill. It makes you happy. The green pill.
Erik avoids drugs. Me too, actually... but...
Erik is dead... me too - in some way.

Because of a woman and a bound of rosy elephants in the street did I kill my boyfriend. It was hallucination. Green pills and rosy elephants.

I'm no more able to move. The winter is too cold. I'm crying lying in the snow. The sky is crying too. I can feel its cold tears on my cold skin.
We both are crying. Erik up in the sky and me down here on earth. On the ground.

I'm lying in front of his grave. I can't move anymore. I'm tired. The black curtain. I'm dying.
Can you see me dying? I'm dying alone...

Erik, soon I will be together with you again.

Mittwoch, 26. März 2014

Die Gunst Ihrer Majestät der Würfel

Es weint sich aus der Winterhimmel… unter dessen Tränen gehe ich schnellen Schrittes zu diesem seltsamen Gebilde aus Würfeln, zu dem ich von Ihrer Majestät zitiert wurde. 
Am Tage zuvor wurde mir, durch einen Boten Ihrer Majestät ein Schriftstück überbracht, in dem ich zu Hofe zitiert wurde. Natürlich überlegte ich mir, ob es nicht besser wäre ins Exil zu gehen. Irgendwo fernab des Würfelpalastes. Aber ich entschied mich zum würdevollen letzten Gang… 

Zu Hofe wurde ich vom Geschmeiss kritisch beäugt. Es wurde getuschelt. Einige hielten bereits Steine in den Händen. „Der der ohne Sünde ist werfe den ersten Stein“ Sollte dies mir gelten? 

Keine Zeit des Wartens. Ich wurde sogleich zu Ihrer Majestät und dessen Gefolgsmann und Untertan vorgelassen. Ich sollte mich setzen - im Verhörzimmer. Wie im Film wurde mir ein Scheinwerfer ins Gesicht gehalten. Ich wurde angebrüllt: „Gestehe! Gestehe endlich! Verdammtes Weibsstück! Gestehe!“
Gar grausge Sünden, welche mir zur Last gelegt wurden sollte ich gestehen getan zu haben. Einiges entsprach der Wahrheit. Anderes war zu verschleiert, als dass man von wahren Begebenheiten hätte sprechen können. 
Mir wurden Bilder gezeigt. Bilder auf denen einstige Kollegen abgebildeten waren, welche das Verhör nicht überstanden hatten. 
Ich schwieg. 
Die Daumenschrauben wurden angelegt. Ich schwieg. 
Mir wurde kontinuierlich mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen. Ich schwieg. 

Der Untertan Ihrer Majestät brüllte mich, die Nerven bereits verloren, an: „Gestehe! Gestehe endlich! Verräter! Du sollst brennen! Brennen sollst Du!!!“
Ich schwieg. 

Ihre Majestät erhob sich. In den mit pompösen goldenen Ringen geschmückten Fingern hielt er eine Schriftrolle, welche er ausrollte. Mit einem selbstgefälligen überlegenen Grinsen, las er mir meine Vergehen vor…
 - INSUBORDINATION
 - PERFIDIE
 - HOCHVERRAT
Je nach dem war die Strafe Folter oder Tod durch Folter. Mir wurde unterbreitet zu gestehen, damit ich einen schnellen fast schmerzfreien Tod sterben würde. Sollte ich weiterhin nicht gestehen, sollte ich brennen. Also waren die Steine des Geschmeiss’ nicht für mich bestimmt gewesen. Immerhin ein Trost, wenn auch ein schwacher. 

Während mir mit einer recht stumpfen Klinge, der grosse Zehe abgesäbelt wurde, sollte ich meine Unterschrift unter das, mit krakeliger Hand verfasste, Geständnis setzen. Ich musste 8 Zehen, 3 Finger und ein Ohr einbüssen, ehe die feinen Herren zu der Einsicht kamen, dass ich die mir vorgeworfenen Vergehen nicht begangen hatte. 

Ihre Majestät war ratlos. Ihrer Majestät Untertan kochte vor Wut. Er wusste es. Er wusste genau, dass ich die Schreiben verfasst hatte, welche das Königreich in Verruf brachten. Sämtliche Schriftstücke waren aus meiner Hand verfasst worden. Dennoch gestand ich nicht. Wozu auch? 
Ihrer Majestät blonder Untertan rückte seine Brille zurecht und bemerkte, „Selbst wenn dieses Weibsstück schuldig ist, ohne die 3 Finger ihrer rechten Hand, wird sie keine Schriftstücke mehr verfassen können.“
Er hatte ja keine Ahnung, dass ich die Schreiben mit der linken Hand verfasst hatte. 
Ich wurde aus dem Verhör entlassen und von den mir zur Last gelegten Vergehen freigesprochen. Sobald etwas Zeit verstrichen ist, werde ich erneut Schriftstücke unters Volk bringen. Sollten sie mir den linken Arm nehmen, werde ich die Texte diktieren. Schneiden sie mir die Zunge heraus, werde ich dennoch in der Lage sein, meine Schriftstücke zu verbreiten. Und selbst wenn sie mich töten, so werden meine Schriftstücke doch weiter existieren. 
Das Volk weiss, um die finsteren Machenschaften Ihrer Majestät Untertan und wird sich auflehnen. Verteidigungsanlagen werden errichtet werden. 

Gestern erst hörte ich die Stimme eines alten Mannes sagen: „Lass uns gehen zu Henri, und sprechen über REVOLUTION.“

Dienstag, 11. März 2014

Meine Sitzreihe ist nicht vorhanden

Ich mag den Typen vom KLM-Kundendienst, mit dem ich dieses sympathische Telefonat führen durfte wirklich.

Kurz nach Erhalt der Mail über den Flugzeug-change verfiel ich in panische Angst. Auslöser war die Frage nach dem Sitzplatz, welchen ich im A380 mit Bedacht gewählt hatte.
Über die Website war beim Seatmap noch immer das des A380 hinterlegt, also blieb mir nichts anderes übrig, als den Kundendienst anzurufen.
Ein sehr sympathischer, entweder neuer oder noch recht junger, Mitarbeiter meldete sich. Mit meinem Anliegen war er kurz überfordert und fragte, ob ich kurz Zeit hätte, er würde seinen Supervisor diesbezüglich fragen. Natürlich hatte ich Zeit :-)
Er meldete sich kurz darauf wieder und verkündete die frohe Botschaft:
Die Sitzplätze werden übernommen. Das heisst, Sie haben in der B777 die gleiche Sitzplatznummer, wie im A380. 
DAS irritierte mich doch stark, denn hatte ich doch das Seatmat der AF B777-200 auf dem Bildschirm vor mir und da war keine Sitzreihe L verzeichnet. Reihe K war die Letzte. Dies teilte ich dem Mitarbeiter mit und brachte ihn so etwas ins Schleudern. Ein witziger Dialog folgt:
"Sind Sie sicher? Das... ähm... kann eigentlich nicht sein."
"Ja, ich habe das Seatmap der B777-200 vor mir, und da existiert keine Sitzreihe L."
"Ähm... *seufz*... ja da bin ich grad überfragt. Haben Sie noch etwas Zeit? Ich würde meinen Supervisor nochmals fragen."
"Ja natürlich, kein Problem."
"Vielen Dank. Kleinen Moment. Bin gleich zurück. - Sind sie noch da?"
"Ja."
"Danke fürs wiederholte Warten! Also, mein Supervisor hat gesagt, die Sitzplätze werden übernommen und die Sitzreihe L ist in der B777-200 vorhanden."
"Okeee? Jetzt bin ich irritiert."
"Woher haben Sie denn das Seatmap?"
"Von der Page der AirFrance."
"Omg... ähm... ja dann wird es sich wohl um ein Altes handeln. Also Sie haben wirklich den Sitzplatz XX L, denn das ist bei uns im System so erfasst und in diesem System können wir keine Sitzplätze vergeben, die nicht vorhanden sind."
"Achso. Oke. Na gut. Und wo genau befindet sich denn dieser Platz? Ich achte immer auf Notausgang und vorallem darauf, dass ich keinen **** Gof hinter mir sitzen habe."
"Ähm ja... also Sie haben zwei Sitzreihen hinter sich."
"Kann man das noch ändern?"
"Leider nein. Ich habe nur noch einen freien Sitzplatz und der befindet sich in der Mitte in der Mitte."
"Omg...nein Danke. Das nun wirklich nicht. Und den Flug umbuchen, ginge das?"
"Moment.... nein leider nicht, weil Sie bei den Tarifbestimmungen akzeptiert haben, dass Umbuchungen nicht möglich sind. Hald weil der Flug so günstig war."
"Und gegen Aufpreis geht auch nicht?" frage ich mit leichter Verzweiflung in der Stimme.
"*lach*, leider nein. Ich kann wirklich nichts für Sie tun. Tut mir leid."
"Na ja, dann kann man nichts machen. Schade, aber trotzdem vielen Dank."
"Ja sehr gerne. Und über den Sitzplatz machen Sie sich keine Sorgen. Der wird schon da sein."
"Ja da bleibt mir ja nichts anderes übrig, als Ihnen zu vertrauen, was?"
"Hehe, ja scheint so."
"Gut, dann gehe ich am 30. in diese B777 und lasse mich überraschen, ob mein Sitzplatz vorhanden ist."
"*lach*, ich hoffe doch! Also Sie werden bestimmt einen Sitzplatz haben."
"Und wenn nicht, mache ich Tragflächen-Surfing. *lach*"
"*lachanfall* oder so!"
"Gut, vielen Dank nochmals."
"Ich danke auch - und frohe Weihnachten."
"Das wünsche ich Ihnen auch  - Dankeschön."

Tja, und so lasse ich mich überraschen, ob die B777-200 der Air France einen Sitzplatz für mich bereit hält. Eine Freundin meinte, wenn nicht, kannst Du Business fliegen. Ist doch auch schön. Haha wir werden sehen.

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#navilicious

Sonntag, 23. Februar 2014

Der neue Lehrer

Was er über seinen Vorgänger wusste, waren recht unerfreuliche Sachen. Um sich bei seiner Klasse beliebt zu machen, wollte er dessen Fehler nicht wiederholen. Frischen Wind ins Klassenzimmer bringen! DAS, ja das war seine Mission! Er würde es schon schaffen!

Seine Klasse, eine Abschlussklasse bestehend aus 16-jährigen starrköpfigen Teenagern, beäugte ihn sehr kritisch. Auf seinen Morgengruss wollte kaum einer eingehen. So schrieb er seinen Namen in grossen Lettern mit weisser Kreide an die Wandtafel.
Gernot Rudolfshain
Seine Schüler tuschelten. GerNOT, ja in Note werden wir den versetzen!
Er drehte sich um und schaute mit seinen leuchtend blauen Augen in die finster dreinblickenden Gesichter seiner Klasse 4B. Einer der Schüler drückte auf dem Mobiltelefon herum, was zu dem Zeitpunkt eher aussergewöhnlich war.
Er nahm die Kreide wieder auf:
Gernot Rudolfshain
Als er sich mit seinem blonden Haarschopf wieder umdrehte, schaute er in lauter fragende Gesichter. So versuchte er es auf die gönnerhafte Art. "Nennt mich Gernot.", verkündete er sich seiner Sache sicher.
Er hatte die Kids! Das Eis schien gebrochen!

Gernot merkte nicht, wie ihm alles entglitt. Anfangs mochten ihn alle Schüler, doch mit der Zeit tanzten sie ihm auf der Nase herum. So brüllte er den Jungen mit dem Mobiltelefon nahezu täglich an, das (anfänglich) Ding und (schliesslich) das scheiss Ding wegzulegen. Der Junge grinste hämisch und telefonierte während den Stunden.
Gernot wollte hart durchgreifen und bediente sich den Methoden seines Vorgängers. So brüllte er den Jungen mit dem Mobiltelefon an, er möge dieses verdammte scheiss Ding endlich weglegen, sonst müsse er nachsitzen!
Da kicherte das aufsässige dicke Mädchen in der 2. Reihe. Auf seinen grimmigen Blick reagierte sie mit abwertendem Gelächter.
"Gernot, du bist ein Versager! Glaubst du wirklich, du kannst herkommen, einen auf Kumpel machen und dann wenn dich keiner ernst nimmt, auf streng machen? Bei deinem Vorgänger hats funktioniert. Das war auch ein Despot. Aber du? Sorry. No chance."
Weitere Stimmen meldeten sich in ähnlicher Weise:
"GerNOT, oh GerNOT, sehe sie doch, deine NOT!"
"Hey Keule, nimms easy. Kriegst die Kohle ja doch - egal ob der Laden läuft oder nicht!"
"Ja Alter! Meinst musst jetzt auf dicke Hose machen und wir nehmen dich ernst?"
"Komm runter. Mach dich nicht lächerlich!"
"Ja Gerni, ziehs durch! Sind ja nur noch 10 Monate!"
"Rudi bleib zuhaus. Wir rocken die Bude schon!"
"Ey Chef, du hast eh keine Ahnung, von dem was du tust. Also lass es! Wir wissens besser!"
"Joa! Wir sind die Chegger! Verzieh dich!"

Gernot wusste sich nicht mehr zu helfen. So verliess er sein Klassenzimmer auf der 7. Etage und ging nach unten ins Lehrerzimmer. Dort heulte er sich bei den anderen Lehrern und dem Hauswart über seine Klasse aus.
"Ich ertrage das nicht mehr! Die tanzen mir auf der Nase rum! Ich verstehe das nicht! Schlimmer als mein Vorgänger kann ich ja kaum sein! Wieso machen die das?! Ich habe die Kontrolle verloren. Jeder macht, was er will! Ich habe versagt... *snieff* Wie bekomme ich die je wieder in den Griff?! Es ist nicht auszuhalten, was da abgeht! Ich drehe noch durch! *snieff* Meine Klasse... Chaos! Das sind keine Teenager, das sind Monster! Monster, die mir entglitten sind! Oder es waren keine Monster und ich habe sie zu welchen gemacht... Ich will nicht mehr!"

Keiner der Teenager der Klasse 4B hätte sich je träumen lassen, was sie am kommenden Tag im Klassenzimmer vorfanden. Der leblose Körper des revolutionären Lehrers Gernot Rudolfshain hing, an einem um den Hals geknüpften Strick, von der Decke. Die beigefarbene Hose wies dunkle, durch die letzte Darmentleerung hervorgerufene Flecke auf. Die Hitze des Sommers bildete mit den Fäkalien einen unerträglichen Geruch, der noch Wochen nach seiner Bestattung im Zimmer hing.
An seinem rosafarbenen Hemd war eine DIN A4 Seite befestigt, auf der geschrieben stand "Ich wollte nicht hören, ich wollte nicht sehen und ich wollte nichts sagen.  Ich habe versagt."

Ein Gewinn für die Menschheit

Unschlüssig darüber, ob sie angesichts der gegenwärtigen politischen Situation etwas über die Herkunft ihres damaligen Vorgesetzten sagen soll oder nicht, sitzt sie vor ihrem Macbook Air... 

Jener Tag wird in die Geschichte eingehen als "Der Tag, an dem ihr Gesicht stillstand - und zu einem Dauergrinsen erstarrt war".
Wir schreiben den 31. Oktober 20XX, einen "kalten Winterbastard" von Morgen. Draussen ist es noch dunkel, wie könnte es auch anders sein, wenn man das Studio um 05:10 Uhr verlassen muss... Der Weg zum Hotel ist zu Fuss zwar nur an die fünf Minuten lang, aber man muss ja 10 Minuten vor der Zeit anfangen, nicht wahr? 

Obschon das Frühstück offiziell um 06:00 Uhr beginnt, stehen die ersten geschäftigen Gäste oft schon gegen kurz nach halb sechs verwirrt um sich blickend im Restaurant. So auch an diesem letzten Tag im Oktober 20XX. 
Zusammen mit der Lehrtochter wird sie das Frühstück bewältigen, was an diesem ruhigen Tag leicht machbar ist. 
Gegen 08:00 Uhr kommen zwei Menschen gleichzeitig auf sie zu und sprechen sie an. Einerseits der gefürchtete (und von ihr verachtete) Managing Director, den wir (um etwaigen Proceßen zu entgehen) Jochen Kruse nennen, andererseits ein chinesischer Gast. Da der Gast Vorrang hat, wendet sie sich diesem zu. Kurz darauf betritt sie das Office, wo der gute Jochen Kruse, mit der Frisur eines 12-jährigen Schuljungen, abgespreizten Fingers den Zucker in seinem Kaffee umrührt. Angesichts der vier Zuckertütchen, hiesse es wohl eher, "den Kaffee in seinen Zucker rührt"... 
Nun gut, den Blick in seine Tasse gerichtet, herrscht er sie an: "Haben Sie verlernt guten Morgen zu sagen oder was?!" 
Es folgt der 1:1 Dialog:
"Guten Morgen Herr Kruse, geht es ihnen gut?", sagt sie ganz unbekümmert, wohl wissend, was am Abend zuvor geschehen war.
"Ja! Aber ich glaube ihnen geht es nicht mehr gut, oder?!"
"Mir geht es wieder besser, danke der Nachfrage." war sie doch die Tage zuvor von einer üblen Magendarm heimgesucht worden, was unter Anderem Grund für dieses Wortgefecht war...
"Sie sollten sich besser mal entschuldigen, für das, was am Samstag hier los war!"
"Ich? Wofür denn?"
"Sie haben ja keine Ahnung, was hier los war!", worin er sich kräftig irrte. Natürlich war ihr bereits zugetragen worden, was sich an besagtem Abend so alles ereignet hatte:
Einerseits hatte er sie alleine im ausgebuchten Restaurant eingeteilt gehabt. Alle anderen sollten im Saal eingesetzt werden. Weil sie aber aufgrund der Magendarmgrippe nicht anwesend war, musste er ans Werk. Gäste, die ein 3-Gang-HP-Menü gebucht hatten, bekamen plötzlich ein 5-Gang-Menü. Die Gäste mussten recht lange auf ihr Essen warten, da er teilweise vergas, Tische abzurufen. Sei er angeblich runter in die Küche gerannt und habe gebrüllt, er brauche sofort das verdammte Fressen für Tisch 11! Die warten schon eine Ewigkeit! Vom Sous-Chef kam nur die Reaktion, dass sie keinen Bon für Tisch 11 hätten. Das wäre ihm grad scheissegal! Er brauche das verdammte Essen! Worauf der Sous-Chef entgegnete, dass es kein Essen ohne Bon gebe, Weisung von ihm persönlich. So hätte es in seinem Gehirn kurz rotiert und er habe wohl überlegt, wie viel Sinn es machte, noch weiter zu diskutieren, oder ob es nicht klüger wäre, wie jeder Kellner, an die Kasse zu gehen und den Tisch abzurufen. Er entschied sich für Letzteres, worauf er dann auch das Essen bald bekam. Er sei so etwas von abgesoffen. Da wären Gäste ganz ohne Getränke gewesen, andere hätten den falschen Wein bekommen, und so weiter. 
Sie erfreute sich an diesen Nachrichten natürlich, hatten der gute Jochen Kruse und sie doch einmal ein Gespräch, in dem es darum ging, dass er gerne mal ihr Jöbchen machen könne und sie seinen harten Job! (Aus sicherer Quelle wusste sie, dass er sich gelegentlich einer Flasche Weisswein widmete, worauf sie fast gesagt hätte, "Im Büro sitzen, Leute schikanieren und Weisswein trinken, ja ich denke, nach ein paar Jahren des harten Studiums, schaffe ich dies auch", um der Quelle nicht in den Rücken zu fallen, unterliess sie es aber) Tja, offenbar war er doch nicht in der Lage ihr "Jöbchen" zu bewältigen.

"Hier war das reinste Chaos! Andere hatten auch ein bisschen Magenschmerzen, aber die sind alle zur Arbeit gekommen und haben sich nicht einfach so einen schönen Abend gemacht, nicht so wie sie, die sich einfach mal so eine 4-tägige Auszeit nimmt!"
"Herr Kruse, ich war wirklich krank."
"Och, SIE tun mir aber leid... Da kommen mir gleich die Tränen!"
"Hätte ich herkommen und über ihren Schreibtisch kotzen sollen, damit sie mir das glauben?"
Ein irritierter Blick, da nicht gewohnt, dass ein Mitarbeiter so mit ihm spricht, gefolgt von einem seichten Lächeln.
"Und wenn ich sie schon anrufe, könnten sie auch ans Telefon gehen!"
"Ich war die ganze Nacht damit beschäftigt, mich zu übergeben und habe folglich am Nachmittag geschlafen."
"Sie haben mein vollstes Mitleid!"
"So etwas will und brauche ich nicht, Herr Kruse. Merken sie eigentlich, in welchem Ton sie mit den Mitarbeiterin reden? Das ihre Ausdrucksweise ebenfalls zu wünschen übrig lässt? Genauso die Ansage auf meiner Combox."
"Was soll denn damit gewesen sein?!"
"DAS wissen sie selber ganz genau. - Schön dass sie ans Telefon gehen! - und dann war noch das wegen der -angeblichen- Krankheit."
"Genau! Ich bekomme noch ein rechtsgültiges Zeugnis von ihnen!"
"Herr Kruse, ich habe den Arzt gefragt, ob das so gültig ist. Selbst wenn er es auf ein Stück benutztes Toilettenpapier geschrieben hätte, wäre es gültig."
"Das ist mir scheissegal! Das akzeptiere ich jedenfalls so nicht!"
"Wie sie meinen. Gerne bringe ich ihnen heute Nachmittag ein Neues."
"Ich bitte darum!"

Während dem Gespräch musste sie ihn 5x fragen, ob es ihm denn lieber wäre, wenn sie den November nicht mehr machen würde. Ging ihr eigentlicher Saison-Vertrag nur bis Ende Oktober, wurde aber angefragt, den November durch noch zu bleiben. Natürlich hatte er diese Frage immer umgangen.
Schliesslich:
"Nein Herr Kruse, ich behafte sie jetzt darauf. Ziehen sie es vor, den November ohne mich zu machen?"
Er wägte offensichtlich kurz ab, was das zu bedeuten hätte. Einerseits wollte er sie nicht mehr im Hotel haben, andererseits waren sie dann eine Person zu wenig - und er hatte keine Lust noch einmal im Service auszuhelfen.
"Das müssen sie entscheiden!"
"Gut, dann habe ich heute meinen Letzten."
"Dann bekomm ich aber noch eine schriftliche Kündigung von ihnen!"
"Ja, bringe ich ihnen heute Nachmittag sehr gerne vorbei."

Das erstaunlichste an dieser Unterhaltung war, das er sie permanent angebrüllt hatte, sie aber total ruhig geblieben war. 
Sie hatte die Stimme ihrer Mutter im Kopf, die sagte, sie solle ruhig bleiben und bloss nicht ausfallend werden. An diesen Rat hielt sie sich - fast...
Als er das Office durch die Bar verlassen wollte und ihr den Rücken gekehrt hatte, konnte sie nicht umhin, ihm noch einpaar abschliessende Worte mit auf den Weg zu geben: 
"Sie sind ein Gewinn für die Menschheit, Herr Kruse." , sagte sie im Ton von Peter Jecklin in der Rolle des Rico Prader in "Grounding". Er blieb darauf kurz stehen, ging dann aber weiter. Der Mann, im Sessel der Bar sitzend, hielt sich die Zeitung vors Gesicht und lächelte ihr gewinnend zu, als sie an ihm vorbei ging. Die Gäste im Restaurant hatten alles mitbekommen, war das Office doch recht ringhörig. Zwei junge Schweizer hörte sie sagen "War das der Chef? Scheisse was für ein Arschloch!", ein Rentnerpärchen meinte, "Das hat sie richtig gemacht! So eine Person sollte kein Chef sein!"
Alle Gäste nickten ihr gewinnend zu, die einen lachten permanent. 
Den ganzen Tag über hatte sie ein breites Grinsen im Gesicht, was bis zum Abend dann doch ein bisschen schmerzhaft war... -_^

-> Kurz nach ihrer Kündigung, wurde Jochen Kruse entlassen. Man benötige seine Dienste nicht mehr, hiess es seitens Management. 
Ausschlaggebend dafür waren wohl seine Nachricht auf ihrer Combox (welche sich als Soundmodul in diesem Blog, sicher gut machen würde), welche die Direktorin zu hören bekommen hatte. Dazu kamen noch diverse belastende Aussagen einiger Angestellter. Es machte den Anschein, als wäre Mobbing für ihn die wichtigste Führungsqualität gewesen. Von den weiteren Anschuldigungen und der darauffolgenden Gerichtsverhandlung erfuhr sie nichts. 

Montag, 17. Februar 2014

There is someone walking behind me...

Im DVD-Player rotierte Final Destination 3. Im Kino war ihr die Ironie des Songs nicht aufgefallen. Oder doch, und sie erinnerte sich einfach nicht mehr daran... There is someone walking behind you ertönte aus dem Autoradio, just in dem Moment als sich der führerlose LKW bedrohlich den Akteuren näherte...
Über solche Ereignisse amüsierte sie sich jedes Mal erneut. Schliesslich konnte sie da noch nicht ahnen, dass dieser Songtext bald Bezug zu ihrem Leben nehmen würde...

Sie war ein Freak, lebte in einer Welt bestehend aus Filmzitaten. Sie war das personifizierte IMDB. Oft wurde sie von anderen Filmfreaks so bezeichnet, was sie mit Stolz erfüllte.
Kontakt zu Gleichgesinnten pflegte sie nur über Foren und Chatrooms im Internet. Wahre Freundschaften kannte sie nicht. Hatte sie nie kennen gelernt. In der Sparte about me ihres Chatprofils stand daher, wie nicht anders zu erwarten, ein Filmtitel, dem es nichts weiter hinzu zufügen gab: Odd girl out

Ihre besorgte Mutter warnte sie vor der Gefahr aus dem Internet. Da würden sich nur Pädophile und anderweitig Geisteskranke herumtreiben. 
Ihre Mutter hatte keine Ahnung! Na ja, vielleicht doch, in Anbetracht des Films Megan is missing... Aber IHR würde so etwas nicht passieren. Schliesslich traf sie sich nie mit Menschen. Also wäre die Chance, als Leiche in einer blauen Plastiktonne verscharrt zu werden, sehr gering.

Ihre zahlreichen Accounts wurden plötzlich vermehrt angeklickt. Anhand der IPs erkannte sie, dass da draussen jemand war, dem sie wohl imponierte. Sie erntete immer mehr und mehr Klicks und Likes. Von jener IP schienen verschiedene Konten auszugehen. Möglicherweise ein Internetkaffee? 

Sich über ihre ansteigende Popularität im Internet freuend, machte sie sich, nichts böses ahnend, auf den Weg zur Arbeit. Die Arbeit... Ein Ort, für welchen sie diverse treffende Filmtitel aufzählen konnte: 
Cube, Ein Gebäude voller Räume, in welchen grosse Gefahr lauerte, wie bei ihrer Arbeit als Zimmermädchen... 
Stephen King's Misery, weil sie sich angesichts ihrer Cheffin, wie Paul Sheldon fülte...
Men behind the sun, weil sie sich teilweise in der Rolle eines "Baumstammes" wiederfand. Als unfreiwilger Teilnehmer an einem Experiment der Unit 731...
Das Haus der Vergessenen, weil die gefangenen Kinder, genau wie der Abteilungsleiter und dessen Assistenz, nichts hörten, nichts sahen und nichts sagten... 
Und so weiter... 

Immer öfter hörte sie auf dem Heimweg Schritte hinter sich, konnte aber nie jemanden sehen. In ihrer Handtasche lagen alsbald eine Schere, ein Springmesser, ein Butterfly, ein Pfefferspray als auch Schlagringe verborgen. Sie wollte sich ja verteidigen können...- im Ernstfall... 

Eines Tages sah sie eine finstere Gestalt unter ihrem Fenster stehen. Sie meinte, jene Gestalt auch auf dem Heimweg schon gesehen zu haben. War sie in Halloween?! Verfolgt von Michael Myers?! Wohl kaum! Aber ganz wohl war ihr nicht mehr... 

Als ob dieser Stalker nicht schon genug gewesen wäre, nahmen auch die Mobbingattacken seitens ihres Abteilungsleiters zu. Er liess keine Gelegenheit aus, um ihr eins reinzuwürgen. Zum einen waren ihre Arbeitszeiten Jenseits von Eden und auch aus ihren 2 freien Tagen wurde ein Tag und zwei halbe. Er kritisierte sie, wo er nur konnte. Ihn hätte man in einer blauen Kunststofftonne verscharren sollen! 

Die Gestalt trieb sich täglich vor dem Plattenbau herum, in dem sie wohnte. Sie erhielt anonyme Anrufe und dazu fand sie nahezu jeden Tag einen anonymen Brief in ihrem Briefkasten vor. 

Ihre Mutter meinte, das wäre bestimmt einer dieser Freaks aus dem Internet! 
Woher hätte sie denn wissen sollen, dass es ihrer Tochters Chef war, der sie stalkte und belästigte? 
Der freundlich und sympathisch wirkende blonde Mann mit den trübblauen Augen, der sie immer so fröhlich anlächelte, wenn sie ihre Tochter von der Arbeit abgeholt hatte... 

Im Gerichtssaal gestand er dann seine Tat ein. Er sei es gewesen, der das 18-jährige Mädchen brutal vergewaltigt und sie anschliessend, bei lebendigem Leib, in den grossen Wäschetrockner gesteckt hatte. Er hatte so etwas in My bloody Valentine gesehen. Natürlich im Remake von 2009. Sie kannte die Szene aus dem Original von 1981. 

Während ihr verbrühter, mit Blasen überzogene Körper im Trockner rotierte, lief im Radio Don't fear the reaper.

Donnerstag, 6. Februar 2014

Eine Auszeichnung - ein Abschied

Liebe Leser, geschätztes Publikum

Im Glauben vorsichtig genug zu sein, erstellte ich diesen Blog und schrieb unbekümmert Geschehnisse aus dem Alltag in der Gastronomie nieder. Witzig und unterhaltend waren sie.

Mich unbekümmert in den Gefilden des www aufhaltend, schreibend, lachend und einfach verweilend, begann ich einen Fehler, dessen Echo mich gestern in Form eines Schriftstücks ereilte. Ich möge dies bitte unterlassen.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge schickte ich meine Texte heute Morgen in die ewigen Jagdgründe. Wurde nicht auch Eric Draven dahingeschickt?
Wäre ich Mrs. Rockefeller und könnte mir, gekleidet in ein CHANEL Kostüm, Pelzmantel um die Schultern und der echten Louis Vuitton (wobei diese Marke ihren Glanz verloren hat, daher eher einer Yves Saint Laurent, oder PRADA) am Arm, die CHANEL goat boots an den Füssen, den Gerichtssaal betreten und die Kosten gleich bar mit Scheinen aus meiner goldenen mit Swarovski besetzten Geldklammer entrichten, würde ich weiterziehen.
Allerdings bin ich nicht Mrs. Rockfeller, noch Mrs. Gates und auch nicht die Tochter Howard Hughes. Ich bin ein ganz normaler "Büezer" aus dem Mittelland, der sich zu beugen hat.

Sollte mein Buch je erscheinen, werde ich mich wohl gen Elba ins Exil begeben müssen. Oder sonst wohin XD Kleiner Scherz am Rande (des Wahnsinns).

Jedem Schriftsteller (noch masse mich mir nicht an, mich so zu nennen, existiert mein Erstling doch in unvollendeter Form zuweilen als xxx.pages) bricht das Herz, wenn er der Zensur unterliegt. Zusehen muss, wie sein Herzblut versiegt. (Die schwarze Spinne). Daher mein weinendes Auge. Das Lachende aber, rührt daher, dass ich zensiert wurde!
Bin ich doch nicht "webfamous" (dies nur in sehr begrenztem Rahmen) und doch wurde ich zensiert!
Meine Werke sind der Zensur zum Opfer gefallen! Zugegeben, es erfüllt mich schon ein wenig mit Stolz. ^_^

Nun denn, "gastrogeplauder" exisitert nun nicht mehr. "snieff"

Freitag, 10. Januar 2014

Tortured


Die Sonne hing am Mittagshimmel und warf ihre wärmenden Strahlen gen Erdboden. Was für ein wunderbarer Frühlingstag!
Der kleine Alpi tobte mit seinen gleichaltrigen Freunden über die saftigen und weiten Wiesen des Bauernhofes. Seine Mutter sonnte sich fernab in der Nähe des grossen Kirschbaumes. Auch sie genoss den Frühling. Ganze Schwärme von Zitronenfaltern flogen in Pirouetten durch die Lüfte und bildeten bunte Farbkleckse auf dem sonst so blauen Himmel. 

Alpi spürte einen heftigen Schlag auf dem Hinterkopf und sackte zusammen. Als er die Augen wieder öffnete, war es dunkel um ihn. Es dauerte einige Minuten, bis er richtig zu sich kam, hatte es der zuvor verabreichte Schlag doch in sich gehabt. 
Nervös in die Dunkelheit hineinblickend, stellte er fest, dass er nicht allein war. Das Atmen Anderer war zu hören. Nun überlegte er, ob es sinnvoll wäre, in die Runde zu fragen, wer denn da sei. Allerdings hätte dies auch eine schlechte Idee sein können. Vielleicht sollte er ja noch immer bewusstlos da liegen? Alpi spielte beide Szenerien gedanklich durch und entschied sich dann doch, seinen ganzen Mut zusammen zu nehmen und sich bemerkbar zu machen. „Wer ist da?“ flüsterte er. Seine Stimme wollte einfach nicht fest sein, sie versagte. „Ich bin Lexi. Alpi, bist du das?“ hörte er eine vertraute Stimme fragen. Es war Lexi! Eine seiner Freundinnen. „Ja Lexi, ich bins! Wo sind wir hier? Was ist passiert?!“ „Ich weiss es nicht, Alpi… Ich weiss es nicht.“ Er hörte, wie Lexi zu wimmern begann. Da meldeten sich  weitere seiner Freunde zu Wort. Sie waren alle da. Jeder einzelne seiner Freunde, mit denen er zuvor noch auf der grossen Wiese gespielt hatte. Was war nur los? Keiner hatte eine Antwort auf die Frage. Keiner. Ausser dem kleinen Lyzander. „Mein Bruder hat mir von sowas erzählt. Er hat gesagt, man wacht an einem finsteren Ort auf. Dann sieht man kurz die Sonne und hört Schreie. Gequälte Schreie. Und dann ist man plötzlich selber der, der schreit und brüllt. Und dann wird es wieder schwarz.“ Lyzander’s grosser Bruder war vor einem halben Jahr spurlos verschwunden. Keiner hatte einen Anhaltspunkt. Keiner wusste, ob er abgehauen oder entführt worden war. Keki gefiel diese finstere Prophezeiung gar nicht, und so kam es, dass er den kleinen Lyzander anherrschte, er solle sein Maul halten! 
Die Luft an jenem finsteren Ort wurde immer drückender. Der Durst immer grösser. Einer von Alpis Freunden konnte sich nicht mehr auf den Beinen halten und brach in sich zusammen. Tolle. Er war der Erste, der es hinter sich hatte. Zwei Stunden, nach dem er zusammengebrochen war, war er tot. 
Alpi und seinen Freunden wurde die Tatsache bewusst, dass sie sich in echter Gefahr befanden. Das es kein Entrinnen geben würde. Möglicherweise war doch etwas Wahres an dem, was der kleine Lyzander erzählt hatte. Es herrschte eine beklemmende Stille. Jeder schien über das Selbe nachzudenken… 

Auf einmal wurde die Tür aufgerissen! Sie waren von der Helligkeit geblendet und sahen nicht, was vor ihnen lag. Eine dunkle bedrohlich wirkende Gestalt kam auf sie zu. In der Mitte des Gefängnisses blieb er stehen und brüllte: „RAUS HIER!“ Doch keiner wagte sich zu bewegen. Mit einer blutverschmierten Metallstange schlug er auf Lila ein. Sie brach zusammen. Er schlug weiterhin auf sie ein. Trat mit seinen Stahlkappenstiefeln in ihre Rippen. Erneut brüllte er, dass sich alle von hier verpissen sollen. Lyzander ging voran. Wow, war der mutig. Die anderen folgen ihm zaghaft. Die bedrohliche Gestalt schlug weiter wahllos mit seiner Metallstange auf Alpis Freunde ein. Neues Blut klebte daran. Tropfte herunter. Lilas Blut. Lila. Alpi drehte sich nach ihr um. Lila lag auf dem Boden, schwer atmend. Die Augen waren geschlossen. Blut rann aus der grossen, das Gehirn freilegenden Wunde, übers Gesicht auf den Boden. Sie zuckte. Lila. 

Es wurde wieder dunkel. Schreie waren zu hören. Schmerzensschreie. Folter und Tod schien ihr Schicksal zu sein. Dies liessen jene Schreie vernehmen. 
Es war dunkel und eng. Sie konnten weder vor noch zurück. Sie alle standen da in der Dunkelheit und warteten. Die Luft war stickig und trocken. Ein fauliger Geruch nach geronnenem Blut und Fäkalien drang zu ihnen durch. „Wir werden alle sterben…“ flüsterte Lyzander. „Mein Bruder hatte recht.“ Keki, wimmerte: „Ich will nicht sterben.“ 
Gellende Männerstimmen waren zu vernehmen: „HOSTEL mal anders, was?! HAHAHAHA“
„Hast Du den Kleinen vorhin gesehen? Wie der gezappelt hat, als ich ihn aufgeschlitzt habe? Wie ein verdammter Fisch am Haken!“
„Dafür hat mich die andere vorwurfsvoll angeglotzt, als ihr das verdammte Blut aus der verdammten Kehle geschossen kam.“
„Hey Männer! Ist doch scheissegal! Die fühlen ohnehin nichts. Wozu der ganze Scheiss mit betäuben? Frag mal Karl, der hat eben eine Niere rausgeschnitten. Die hat vielleicht herumgebrüllt.“
„Ah das war die Kleine von Karl? HAHAHA. Als ob DIE noch eine Niere brauchen würde.“
„Achtung Männer! Nachschub! Weiter gehts!“

Einer nach dem anderen wurde geholt. Alpi zitterte. Er blieb als Letzter zurück. Er hörte die gequälten Schreie all seiner Freunde. Er wusste, sie litten alle Höllenqualen, ehe sie verstarben. Alpi hoffte, sie mögen es bei ihm schnell erledigen. Dann war auch er an der Reihe…
Einer der Männer kam zu ihm. Packte ihn. Zerrte ihn weiter. Alpi wehrte sich. Versuchte dem Mann in die Hand zu beissen. Schlug und trat nach ihm. Da kam ein zweiter Mann dazu, der Alpi einen Stromschlag verpasste. Dieser rannte los. Er rannte über den anderen Mann hinweg. Blieb stehen. Musste sich orientieren. Schaute hin und her. Rannte weiter. Dann rutschte er aus und landete auf dem Bauch. Stiess sich das Kinn am Boden. Er schaute um sich. Er lag in einer riesigen Blutlache. Er war im Blut seiner Freunde ausgerutscht und lag nun dort. Ein Blick nach oben. Panik! Er sah seine Freunde. Alle in der Mitte aufgeschlitzt. Sämtliche Innereien lagen unter ihnen auf dem dunkelroten Boden. 
Es war Lexi, die mit aufgeschlitztem Bauch da hing und zappelte. „Lexi….“ Diese schaute ihn hilfesuchend flehend an. Er konnte ihr nicht helfen. Was hätte er tun können? „Es tut mir leid.“ flüsterte er, stand auf und versteckte sich hinter einer grossen Maschine. 
Fremde Schreie waren zu hören. Er sah die Mutter von jemandem. Sie wurde aufgehängt. Ein Messer wurde ihr in den Bauch gerammt und mit aller Gewalt nach unten gerissen. In ihrem Bauch klaffte eine grosse Wunde. Sie schrie und brüllte. Sie flehte den Mann an, damit aufzuhören. Sie gehen zu lassen. Dann flehte sie nur noch, er möge sie doch töten. JETZT. Der Mann ignorierte ihr Gezappel genauso wie ihr Flehen. Er begann ihr die Eingeweide herauszureissen. Alpi sah wie die Farbe aus ihren Augen verschwand. Weiss und Rot. Sie schrie noch einmal. Das letzte Mal. Dann kam ein weiterer Mann hinzu, der ihr den Kopf abschnitt. Mit einer grossen Klinge fing er an durch ihren Hals zu säbeln. Sie gurgelte, rang nach Luft. Lebte noch immer. Der Kopf landete in der Blutlache auf dem Boden. Wurde in eine Ecke gekickt. Achtlos. Alpi blickte in die toten Augen. Da wurde schon eine weitere Mutter aufgehängt. Alpi schlich weiter zurück. Er musste entkommen. Er musste hier raus…

Alpi gelang schliesslich die Flucht. Bezahlt hatte er diese mit seinem rechten Auge. Doch er rannte weiter und weiter. Schliesslich wurde auf einer Landstrasse von einem Ehepaar gefunden und mit nach hause genommen, wo sie ihn gesund pflegten. 
Alpi trifft in jeder Nacht in seinen Träumen auf seine Freunde. Er sieht sie auf der grünen Wiese. Diese verfärbt sich bald in ein dunkles Rot. Blutgetränkt. Seine Freunde sieht er abgeschlachtet da liegen. Diese Bilder wird er für den Rest seines Lebens nicht mehr los werden. Sie werden ihn stetig begleiten. In der Erinnerung oder im Traum.

Er hat es nie jemandem erzählt. Das Ehepaar jedoch schien darum zu wissen, kümmerten sie sich doch liebevoll um ihn. Es war ihnen egal, dass seine rechte Kopfhälfte entstellt war. Den anderen Kühen im Stall auch.



Dienstag, 7. Januar 2014

Seewasser für die Gäste

Mir wurde die Ehre zu Teil in einem der wohl schönsten Hotels der Schweiz arbeiten zu dürfen. Von Bergen, Wäldern, See und Wasserfällen umgeben, waren die knapp 6 Monate nebst der Hektik der Hotellerie einfach traumhaft. Arbeiten möchte ich der Hektik wegen nicht mehr dort, aber übernachten tu ich alle Jahre mal wieder im "Märchenschloss".

Wir hatten Glasflaschen mit Kristallprägung. Das Etikett schien aus dem 17. Jahrhundert zu stammen und verriet den Namen des Hotels und ausserdem dass es sich um hoteleigenes Wasser handelte. An dieser Stelle möchte ich sagen, dass ich nicht näher auf eben jenes Wasser eingehen werde, weil ich mich nicht plötzlich auf der Anklagebank eines Gerichtsaals wiederfinden möchte.

Die Gäste, die dieses Wasser bestellten, stellten oft die Frage, woher das Wasser denn sei? Ob es sich um Seewasser handle? Jene Frage erschien mir stets recht eigenartig. Seewasser für die Gäste eines hochangesehenen 4-Sternehauses... haha Nein. Es handelte sich dabei um Quellwasser.
Ich war beim Mittagsservice im Restaurant als ich von einem älteren Ehepaar gefragt wurde, was für Wasser das denn sei. Quellwasser von der hauseigenen Quelle. Der Mann schmunzelte und meinte, er habe schon gedacht, es sei vom Wasserfall. Ob wir Jemanden hätten, der die Flaschen da abfülle?
Da der Mann zu Scherzen aufgelegt war, entgegnete ich, dass unsere Azubis das zweifelhafte Vergnügen hätten, sich in die tosenden Fluten zu begeben und Wasser abzufüllen, wenn sie eines Fehlers bezichtigt würden. Der Mann schaute mich prüfenden Blickes an, merkte dann, dass es nicht ernst gemeint war und begann schallend zu lachen. Schliesslich stimmte auch seine Gattin und das Ehepaar am Nebentisch in das Gelächter ein.


Mir winkte nebst einem guten Trinkgeld im Verlauf des Nachmittages ein weiterer Schwatz mit eben jenem Paar. Da sie drei Tage bei uns waren, gab es bei jeder Begegnung etwas zu Lachen. ^_^