Sonntag, 13. September 2015

Gesellschaftliche Konvention: Das Bierli

Nahezu jeden Samstag verbringen wir den Feierabend auf der Dachterrasse des Betriebs und trinken ein zwei Bierchen. Die Einen trinken eines mehr, die Anderen eines weniger. Meistens geht es auf. Wenn nicht, muss jemand in den sauren Apfel beissen, gen Coop pilgern und Neues besorgen. Ich war das noch nie. Unsere männlichen Genossen sind eben noch Gentlemen und so geht einer von ihnen. Aber meist wird schon im Voraus genug des kühlen blonden Getränks organisiert.

So kam ich nicht umhin, mir ein paar Gedanken übers Biertrinken zu machen...

Bier muss einfach sein!

Nicht das jetzt jemand denkt, ich hätte ein Alkoholproblem. Ich bin weit davon entfernt. Und zwar so weit, wie ich nicht mehr in der versoffenen Gastronomie tätig bin. Aber ich dachte, wenn ich schon einen Eintrag zum Thema Bier schreibe, kann ich mir auch eines genehmigen, nicht? 
Neben mir steht eine Dose des neuen "Fäldschlössli Braufrösch". Seit diese rote Dose in den Kühlregalen des Coop vertreten ist, gibt es für mich nur noch ein "Braufrösch" als samstäglichen Feierabendtrunk, denn es ist herrlich mild!

Wenn wir uns zurück erinnern, weit zurück in jene frühen Kindertage, zu denen wir gerade noch Erinnerungen abgespeichert haben, sehen wir Familienfeste oder einfach Besuche. Die Erwachsenen, also der männliche Anteil, hatten stets eine Flasche Bier in der Hand. Ich höre die Stimme meines Vaters fragen "Nemsch no es Bierli?" oder die Stimme meines Onkels, der einen Kasten Bier mitgebracht hatte und meinte, das müsse mein Vater mal probieren. 

Es gibt kein Fest, keine Feier, ob öffentlich oder im Familienkreis, kein Konzert, wo es nicht etwa auch Bier gäbe. 

Ein "Fäscht", wie mein einer Arbeitskollege, das immer so schön auszudrücken weiss, ohne Bier ist hierzulande unvorstellbar. 

Wie viele Menschen trinken nach der Arbeit das sogenannte Feierabendbier? 
Ich denke, Bier kommt vor allen anderen Getränken. Kaffee könnte ihm wohl das Wasser reichen.. oder auch nicht?



Ein Bier ist immer freundschaftlich...

... es sei denn, es wird in eine Glasfalsche über jemandes Kopf geschlagen...
Ernsthaft jetzt, jeder hat sein Bierchen in der Hand und es versteht sich von selbst, dass man anstösst. Dabei schaut man dem Gegenüber in die Augen und sagt einen Trinkspruch, egal in welcher Sprache. Sei es "Kampai", "Nastrovje", "Prost", "Zum Wohl", "Santé"... egal in welcher Sprache der Trinkspruch ausgesprochen wird, er muss einfach sein. Seit ich Hostel 2 gesehen habe, lautet mein Trinkspruch Nastrovje. ^_^
Man stösst an und trinkt in einer freundschaftlichen Runde, während dem man sich unterhält. Sei es in unserer Dachterrassenrunde über Kunden, das Leben oder meistens über Filme. In der Mitte des Tisches steht immer ein Sixpack Quöllfrisch. Vor mir steht ein Braufrisch und manchmal sieht man gar ein Chopfab, das übrigens auch nicht zu verachten ist. 
Egal in welcher Runde man sich befindet, sobald ein Bier da ist, scheint alles gut. Man hat Gleichgesinnte. Sitzt man in einer Bar, trinkt man plötzlich mit einer Gruppe wildfremder Menschen und erhebt die Flasche zum Gruss. Bier verbindet. 


Bier und Black Metal

Während der Zeit, die ich in der (hauptsächlich Zürcher) Black Metal Szene zugebracht habe, ist wahrlich viel Bier geflossen. Viel ist gar kein Ausdruck. Ich erinnere mich gut an den ersten PDW-Tag, an dem ich, die dem Trinken nicht gewöhnt war, bereits nach zwei Bier schwankenden Schrittes gen Toilette wackelte. 
An Konzerten und Treffen war immer literweise Bier bereit. Man war an einem Konzert, trank sein Bier. Sah ein bekanntes Gesicht und erhob die Flasche zu Gruss. Ein Bier sagt mehr als tausend Worte. Das grösste Problem bei Konzerten war stets, wann trinke ich nur mein Bier? Bei welcher Band will ich bangen und bei welcher kann ich mein Bierchen trinken? Das waren noch Probleme... Oder man gab sein Bierchen in die Obhut des Freundes, des Kumpels, der Freundin und gesellte sich zu den bangenden Black Metallern. Das waren noch Zeiten, die ich hin und wieder vermisse... 
Bei solchen Erinnerungen muss ich stets lächeln. Es waren stupide Zeiten. Es waren gute Zeiten. 
Ich erinnere mich an zwei Typen in Gestalt eines Kleiderschranks, die sich die Fresse einschlagen wollten, schliesslich der eine dem anderen aber ein Bierchen spendierte und so tranken sie brüderlich und das Kriegsbeil wurde weggespült - mit Bier. 
Im Black Metall ging es ohnehin meist friedlich zu und her. Nie werde ich die Genossen von damals vergessen. Das Gelächter. Die Sprüche. Die Stimmung. Die Sympathie. Die Musik! 

Es Bierli


Oft macht man sich ja über die Schweizer lustig, weil wir unsere Verniedlichungsform "li" haben. So auch beim Bier. Jedes Mal, wenn ich über Whatsapp eine Nachricht erhalte, in der "Bierli" steht, muss ich unweigerlich lächeln. Ein "Bierli" ist etwas unschuldiges. Etwas gutes. 
So traf ich mich erst am vergangenen Montag mit einer Freundin auf ein Bierli in Olten an der Aare. Der Text lautete in etwa "Hökle mer chli ad Aare ufnes Bierli". "Hökle" ist auch so was... von "hocken" das Schweizer Wort für "sitzen". "Hökle" ist niedlich. "Hökle" ist etwas gutes, etwas niedliches, etwas unschuldiges, wie das "Bierli". 
Bierli ist fast schon liebevoll, vor allem dann, wenn es aus dem Mund eines Mannes kommt. So hörte ich doch neulich im Zug gen Olten einen jungen Typen zum anderen sagen "Holen wir uns nachher ein Bierli". Ich musste schmunzeln. 

Meiner Meinung nach ist die gesellschaftliche Konvention des Biertrinkens etwas gutes. So lange es zelebriert und nicht mit Füssen getreten wird. 

Und somit schliesse ich diesen Text für heute, erhebe mein Bierli und ende mit einem Nastrovje!






Samstag, 1. August 2015

Der schwangere Mann


Es war ein wunderbarer Tag, nicht vom Arbeiten her, da wir kaum etwas zu tun hatten, aber das Wetter war perfekt. Nicht zu heiss, nicht zu kalt, einfach angenehm sonnig. Die perfekte Kulisse also für die Anfangssequenz einer Nicholas-Sparks-Verfilmung...

Miralind und ich hielten uns am Empfang auf und verhandelte gewichtige Themen, welche natürlich allesamt mit dem Job zu tun hatten - denn Privatgespräche waren ja nicht erlaubt. Und da Schafe und ihre „Maaa“-Laute zum Arbeitsalltag gehörten - zumindest seit diesem Kunden, der sich in (s)einer Schafphase befunden hatte - und hoch im Kurs stehen, war das Thema Schaf an der Tagesordnung und so sprachen wir gerade über Schafe, als das Unaussprechliche geschah…

Eine Erschütterung war zu spüren und so dachten wir unweigerlich an ein Erdbeben der Stärke 2. 
Aber hier in der Schweiz? Mitten in Zürich? Die Erschütterungen wurden schlimmer. Ich betrachtete die Kreise, die sich in meiner Wasserflasche bildeten und dachte natürlich gleich an einen T-Rex! Ich sagte zu Miralind, das müsse ein T-Rex sein! Etwas anderes sei gar nicht möglich! 

Die Pforte zu unserem kleinen und buchschwangeren Reich öffnete sich und ein als Schwangerschaftsbauch getarnter Bierbauch schwappte herein. Kurz darauf folgte der dazugehörige Mann. Übrigens kreisten zwei kleine, ebenfalls schwanger aussehende Männlein in einer Umlaufbahn um ihn. Hätten wir den Mann von hinten betrachten wollen, hätten wir erst noch einmal volltanken müssen.
Ich flüsterte zu Miralind, da kommt ein schwangerer Mann. Miralind brach natürlich in schallendes Gelächter aus. Miralind bricht bei allem, was ansatzweise witzig ist, in schallendes Gelächter aus. Dafür liebe ich sie einfach. Die Arbeitstage ohne sie ähneln den letzten Tagen des Caligula: düster und am Anfang einer Entropie… 

Jedenfalls kam der mit einer weissen Zeltplane überspannte Bierbauch auf uns zu. Dicht gefolgt von dem dazugehörigen, verschwitzten Mann, der seine Augen und einen Teil seiner Nervosität, hervorgerufen durch seine Unsicherheit, hinter einer dieser peinlich-sportlichen Sonnenbrillen mit Spiegelgläsern zu verbergen wusste.
Wie es so üblich ist, hat er natürlich keine Anstalten gemacht, seine Brille abzunehmen. Wieso auch? Schliesslich besitzen rund 70% aller Menschen, die unser kleines Reich betreten, diesen Anstand nicht. 

Er öffnete den Mund und seine hohe zitternde Stimme war von Nervosität geschwängert. Dieser Mann triefte - vor Schweiss und Unsicherheit. 
„Ihr seid das aller Letzte!“ 
Miralind und ich schauten einander an. 
„Ihre Firma hat en Bogen deutlich überspannt! Vor 10 Jahren haben sie noch das 10. Buch Mose verkauft und nannten andere Idioten! Und letzte Woche haben sie da draussen einen Sexfilm verkauft! Euch ist nichts heilig!“ 
Als ich zu Miralind schaute, graute mir, denn ich rechnete fest damit, dass ihre grossen Augen bald schon die Höhlen verlassen und mit einem schmatzenden Laut auf den Boden aufschlagen würden, so entsetzt starrte sie ihn an. 
Für mich, die den ersten Arbeitstag nach den wohlverdienten Ferien hatte, war der Mann nur lästig und ich war genervt, dass er diesen schönen Tag mit seinem geistigen Dünnschiss überschatten wollte. So teilte ich ihm desinteressiert mit, er möge seine Beschwerde doch bei den Zuständigen anbringen, wir arbeiteten schliesslich nur hier. 
„Nein! Ich will nicht noch rechtlich gegen sie vorgehen! Es reicht, wenn ich das hier sage! Sie müssen das wissen!“
„Ja dann, dankeschön.“ flötete ich. 
„Bitte“ krähte er vom Ausgang her. Miralind und ich brachen in schallendes Gelächter aus, worauf sich erst der schwanger anmutende Bauch umdrehte, und kurz darauf der dazugehörige Mann. Ob er uns einen bösen Blick zugeworfen hat? Wir werden es nie erfahren. Schliesslich können wir nicht durch Spiegelgläser sehen. Jedenfalls starrte er noch durch die grossen Fenster zu uns herein und wir lachten noch so lange, bis erst der Bauch und kurz darauf der dazugehörige Mann verschwunden waren.























Sachen gibts…


So geschehen in der dritten Juliwoche 2015...


W E R B U N G

und für alle, die es interessiert... während meiner Bildersuche bin ich auf folgenden geistreichen Artikel gestossen:

JURASSIC PARK ICE CUBES


Die Schafphase


Miralind und ich durchlebten einen ereignisreichen Arbeitstag. Schliesslich war es ein Freitag und jener Wochentag verläuft bei uns immer ereignisreich. Da haben alle Psychopathen Freigang und beehren uns mit einem Besuch. 
Einmal, es war ein Freitag, verlief alles harmlos und normal und wir hörten entfernt schon die Titelmelodie von TWILIGHT ZONE. Rod Serling kam um die Ecke geschlichen und begann seinen Prolog zu unserem Freitag und schloss mit den üblichen Worten „…in der Twilight Zone.“

Wie dem auch sei. Ein Mann steuerte auf mich zu und erkundigte sich nach diesem schwedischen Autor der schon ein paar Bücher geschrieben hat. 
Ähm ja… 
Nach kurzem Hin und Her stellte sich heraus, dass die Rede von Knausgard war (der zwar aus Norwegen kommt, aber wie sagte Flip in "Fascht e Familie" doch immer so schön? "Kei Detail"). So begleitete ich ihn zu dessen Büchern und fragte, ob er noch etwas möchte. 
Er entgegnete mir mit einem „Maaaa“.
Etwas irritiert und ein lautes Lachen verkneifend ging ich zu der guten Miralind, die mich schon - aufgrund meiner typischen Mimik - erwartungsvoll anstrahlte. So stellte ich ihr eine Frage: „Was bedeutet ‚Maaa‘? Heisst das ‚Oh vielen Dank!‘ oder ‚Verzieh dich endlich?‘“
Miralind und ich philosophierten über die Meinung des Lautes „Maaa“. Nach zahlreichen Vermutungen und Spekulationen kamen wir schliesslich zum Schluss, dass „Maaa“ definitiv dem Schafslaut nachempfunden sein musste. 
So sagte ich zu Miralind, „wenn mich das nächste Mal einer nervt, sage ich auch nur noch ‚Maaa‘.“ Sie meinte daraufhin, sie starre die Kunden dann nur noch an und mache „Maaa“. So brachen wir erstmal in schallendes Gelächter aus und spielten ein paar  mögliche Situationen durch. 

Die Schlüsselszene ging in etwa wie folgt. Es ist doch schon ein Weilchen her und ich erinnere mich nicht mehr 1:1 an jedes Wort, aber in etwa so hat es sich zugetragen:
Miralind als Kundin und ich als ich

Ich: „Guten Tag“
M: „Ich will diesen Bestseller haben! Von diesem Mann!“
Ich: „Welchen meinen sie denn genau?“
M: „Na dieser Bestseller! Den  müssen sie schon kennen, bei diesem Beruf! Also ehrlich!“
Ich: „Maaa!“
M: o_O
Ich: „Verzeihung, ich befinde mich eben in meiner Schafphase. Maaaaaaaaaa“

Und so ist der Ausdruck Schafphase entstanden und wir befinden uns seither fast täglich in einer solchen - wenn auch nur zum Spass. 

Übrigens wird der eine Computer seit dem immer wieder von einem Schaffigürchen, welches ich aus der Kinderabteilung ausgeliehen habe, geziert. Irgendjemand, der dem Schaf-Hype nicht erlegen ist, bringt es immer wieder zurück in die Abteilung und ich hole es immer wieder. 

Denn, dem Schafphasen-Kunden sei Dank, vermag ein Schaf auch den finstersten Arbeitstag zu erhellen! 








Mittwoch, 3. Juni 2015

Nachbarn aus der Hölle II - Brief: Fassung 1

(Auf dem Küchentisch lag schliesslich eine stark abgeschwächte Variante, welche dem Hausherren noch immer zu drastisch war... Fassung 1 haben meine Nachbarn nie zu Gesicht bekommen - noch nicht mal Fassung 2. Aber sollten sie meinen Blog lesen, dürften sie wissen, dass sie gemeint sind - in dem Fall: HALLOOOOO ^_^)

Werte Nachbarn

Die Grenze der Geduld ist nun endgültig erreicht. 
Es ist der Toleranz genug, dass wir die Lärmkulisse, welche tagtäglich zu uns herüber schwappt schweigend hingenommen haben - über viele Jahre.
Könnte man morgens einmal ausschlafen, wird man sicherlich vom Gebell des einen Hundes und dem doch recht lauten Organ der Hundehalterin aus dem Schlaf gerissen. 

Angesichts des enormen Lärms, der jeden Tag, in jeder Woche, in jedem Monat, in jedem Jahr, seit Anbeginn der Zeit, als Sie Aarburg verlassen und hier her gezogen sind, von Ihnen produziert wird, ist es wohl nicht zu viel verlangt, wenn immerhin in der Nacht Ruhe einkehrt. 

Wenn nicht der Hund nach 22:00 Uhr wie von Sinnen über die ganze Dauer seines Aufenthalts im Garten bellt, dann wird irgendetwas umgeräumt, oder Türen werden zu gedonnert, oder die Eheprobleme werden brüllend und tobend ausgetragen, oder es werden Beziehungsprobleme gelöst. Letztere meist nach 23:00 Uhr. Zum Zeitpunkt des Schreibens schlägt die Uhr 23:19 Uhr und noch immer ist keine Ruhe im Hause S. eingekehrt oder besser gesagt, ums Hause S. 

Die Hunde würden nicht dergestalt in fast schon krankhaftes Dauergebell übergehen, wenn Sie, werte Hundehalter, einfach mit ihnen Gassi gehen würden - sowie das alle anderen Hundehalter machen. In unserer Strasse haben wir gleich zwei vorbildliche Hundehalter, die mehrmals am Tag mit ihren Vierbeinern spazieren gehen - fragen Sie jene doch einfach nach einer Anleitung. Ich bin sicher, sie helfen Ihnen gerne - einfach den Hunden zuliebe. 

Als ebenfalls arbeitende Menschen, werden Sie sicher verstehen, dass wir zumindest in der Nacht gerne Ruhe hätten und durchschlafen möchten, dies ist in diesem Jahr allerdings erst gegen Mitternacht möglich. 

Wir ersuchen Sie hiermit ein bisschen Rücksicht auf Ihre Nachbarn zu nehmen. Gerade wenn man in einem Quartier wohnen darf, wie der ____strasse, ist Rücksichtnahme oberstes Gebot - besonders wenn man Zaun an Zaun lebt. Der Lärm kennt jedoch keine Zäune, weder den unseren noch zwei drei weitere. Nun legt sich Ihre Stirn in Falten und Sie schauen einander entgeistert an. Was könnte "Rücksichtnahme" nur bedeuten? Mir ist bewusst, dass Ihnen die Existenz jenes Wortes gänzlich unbekannt ist. Dem ist aber leicht Abhilfe zu schaffen. Gehen Sie in eine Buchhandlung und fragen Sie nach einem gelben Buch namens DUDEN. Hier sei angemerkt, dass die Mehrzahl keineswegs "Dudens" oder "Dudene" ist - dies erwähne ich einfach, damit Sie sich nicht blamieren. Natürlich habe ich bedacht, dass Ihnen auch Buchhandlungen fremd sein könnten. An der Stelle sind wir froh darüber, dass wir im 21. Jahrhundert leben und es DUDEN auch online gibt. Öffnen Sie Ihren Webbrowser, geben Sie Google.ch ein und suchen Sie nach "DUDEN" und "Rücksicht". Sie werden innert Kürze fündig werden und den Freiraum in Ihrem Oberstübchen mit Wissen füllen. 

Ist es wirklich in Ihrem Sinne, von der ganzen Nachbarschaft verachtet zu werden - wie es bereits in Aarburg der Fall war? Dort geriet man damals in regelrechte Partystimmung, als der Umzugswagen vorgefahren wurde. Schätzen Sie wirklich Ablehnung und Zorn? Liegt Ihnen wirklich an einem Konflikt? 
Wir für unseren Teil können uns das nicht vorstellen. Aber bei Ihnen muss man ja auf Einiges gefasst sein - nur nicht auf das Triebwerk einer B777, welches auf Ihr Haus stürzt und dem Lärm mit lautem Krachen ein Ende setzt. Aber die Hoffnung stirbt zu letzt. 

Zu den Eckdaten, die Ihnen wohl nicht bekannt sind:

Während der Ruhezeit nicht erlaubt ist:
- Lautes Spielen
- Kindergeschrei während der Ruhezeit und an Sonn- und Feiertagen
- Andauerndes Herumspringen von Kindern, ausserhalb der Ruhezeiten
- Dauernde Handwerksarbeiten an Sonn- und Feiertagen sowie während der Ruhezeiten
- Rasenmähen an Sonn- und Feiertagen sowie während der Ruhezeiten
- Lautes Feiern bis in alle Nacht hinein
- Streitgespräche während der Nachtruhe
- Andauerndes Zuschlagen von Türen und Fenstern
- Als Nachtruhe gilt die Zeit zwischen 22 Uhr und 6 Uhr.

Zusätzlich gelten an Sonn- und Feiertagen sowie an Werktagen der Mittag von 12:00 Uhr bis 13:00 Uhr als Ruhezeit.

Art. 684.2 ZGB: Verboten sind insbesondere alle schädlichen (…) nicht gerechtfertigten Einwirkungen durch Rauch (…) Lärm oder Erschütterung.

Auszug aus dem Polizeireglement der Gemeinden im Einzugsgebiet der Regionalpolizei Zofingen:
§ 12.1 In Wohngebieten ist das Arbeiten mit lärmigen Werkzeugen und Maschinen (z.B. Rasenschneiden, Hämmern, Fräsen, Bohren usw.) im Freien wie folgt verboten:
Montag - Samstag 12:00 Uhr bis 13:00 Uhr
Montag - Freitag bis 06:00 Uhr und ab 20:00 Uhr
Samstag bis 07:00 Uhr und ab 18:00 Uhr
Sonn- und Feiertage ganztags (ausgenommen Ostermontag und Pfingstmontag)

§ 12.2 In der Zeit von 22:00 Uhr bis 06:00 Uhr ist jeder Lärm verboten, der die Nachtruhe stört.

Da Sie nun mit den Gepflogenheiten vertraut sind, hoffen wir darauf, dass sich nun daran gehalten wird. 

Um meine Aggression über Ihr asoziales Verhalten zu unterstreichen möchte ich anmerken, dass, dürfte ich eine Schrotflinte mein Eigen nennen, ich längst geschossen hätte. Man mag viel Negatives über die Amerikaner sagen, aber... oh wie oft wünschte ich mir bereits eine Schrotflinte... Als unser Grundstück widerrechtlich von Ihrem Wurf betreten wurde, wäre in Texas das Gesetz auf meiner Seite gewesen und ich hätte sie alle erschiessen dürfen. Wieso sind die Gesetze in der Schweiz nur so lasch? 
Des öfteren habe ich schon mit dem Gedanken gespielt, Ihr Haus niederzubrennen. Aber bei meinem Glück, würde dann ein Neues hingestellt und Sie würden wieder neben uns wohnen. Ich hatte nie etwas mit Religion am Hut, aber seit einigen Wochen nun, falte ich abends stets meine Hände zum Gebet und ersuche sämtliche Gottheiten aller möglicher Religionen (je mehr desto besser, oder?), er oder sie möge/n meine Gebete endlich erhören, und ein verdammtes Triebwerk oder ein ganzes verdammtes Kleinflugzeug in Ihr verfluchtes Haus steuern. 
Ich bezeichne mich als ruhigen, leicht introvertierten, und friedlichen Veganer, der im Einklang mit der Natur lebt und Gewalt und Streit aus dem Weg geht. Aber Sie zwingen einen regelrecht dazu, gewalttätig zu werden. Wenn man über 10 Jahre neben einer permanenten Lärmkulisse leben muss wo alles Reden nichts nützt, den Lärm eher noch verstärkt, und man sich dann dazu entschliesst, eine ganze Familie samt Tieren abzuschlachten, muss man sich nicht wundern. Menschen werden von Menschen in den Wahnsinn getrieben. Psychisch zermürbt. Schuldig sind die Schuldigen, werte Nachbarn.

Sie müssen wissen, seit es irgendeine mies gelaunte Gottheit wollte, dass Sie und Ihr Nachwuchs aus der Hölle, hier her ziehen, und Sie es auch getan haben, ist unser gutes Leben vorbei. Fragt mich jemand, wo ich denn wohne, bleibt mir, als stets ehrlichem Menschen, nichts anderes übrig als zu antworten "neben dem Portal zur Hölle". Antwortete ich etwas anderes, müsste ich ja lügen. 

Dann würde mich noch interessieren, wieso Ihr Jüngster immer brüllt, als teste man mittelalterliche Folter- und Hinrichtungsmethoden an ihm. Wenn Sie wünschen, mache ich ihn gern mit welchen bekannt, vielleicht weiss er dann wieder wo er ist - und dass er, in seinem Leben keinen Grund hat, solch ein Geschrei zu zelebrieren. 

So, nun dürften Sie im Bilde sein. 

Wir danken für die Kenntisnahme

Nachbarn aus der Hölle I

Wir hatten ein gutes Leben. Selbst als wir noch in einer Mietwohnung gewohnt hatten, war unser Leben gut. Dann zogen wir in dieses Haus... in dieses alte Haus... und nein dies hier artet nicht in eine Gruselgeschichte über ein Spukhaus aus - obschon hier paranormale Aktivitäten zu verzeichnen sind, aber dies ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden.

Wie dem auch sei, als wir in eben jenes Haus gezogen sind, begrüssten wir die Nachbarn. Zur Rechten ein junges Ehepaar, welches sich das Elternhaus mit der Mutter teilte und dem Hund natürlich. Der Rüde, welcher auf den Namen Ivan hörte, wurde nach dem seine Zeit auf Erden abgelaufen war, durch ein ähnliches Modell gleicher Rasse ersetzt. Diesmal durch eine Hundedame. Jene Nachbarn leben noch immer neben uns, mittlerweile mit einem Kind. Wir unterhalten uns gerne mit ihnen. Es sind angenehme Zeitgenossen. Eben solche Menschen, mit denen man gerne Zaun an Zaun wohnt.
Und hier beginnt sich die Geschichte zu verfinstern... Das Haus zur Linken... ein altes Haus... ein schauderhaftes Haus... ein Haus, welches in den Jahren immer mehr von der dunklen Seite in Besitz genommen wurde... solange bis es schliesslich zum direkten Portal zur Hölle wurde...

Die ersten Nachbarn, die wir in diesem Haus kennen lernen durften, waren Italiener. Ein pensioniertes Ehepaar, welches täglich, ganz nach italienischer Manier, sämtliche Kinder zum Essen bei sich hatte. Der Mittag war daher immer recht laut - aber es waren freundliche und angenehme Menschen, sodass einen das nicht gestört hat. Man konnte sich gar mit dem nervtötenden Gekläffe des Mini-Hundes anfreunden. Doch als die Jahre verstrichen, zog das Ehepaar in eine Wohnung, da man sich nicht mehr in der Lage sah, ein Haus zu bewirtschaften - vom Garten ganz zu schweigen. Abschied wurde zelebriert, Möble wechselten kostenlos ihre Besitzer...
Es folgte ein junges Ehepaar. Bald schon hatten sie einen Hund und mir graute vor dem Tag, an dem eines dieser peinlichen Schilder vor dem Haus oder Banner am Balkon hängen würde, mit den Worten "Wir sind schwanger" oder einfach mit dem Namen des eben geworfenen kleinen Menschen. So weit sollte es jedoch nicht kommen. Erst kam ein Hund, der nach 3 Monaten bereits in den Garten ziehen musste, wo er zwar eine kleine Hütte hatte, aber es doch an Wärme fehlte. An Wärme einer Heizung bei kalten Herbsttagen, und an Wärme der Besitzer. Der Hund verschwand irgendwann wieder, zurück blieb die Hütte. Leer und verlassen.
Dann stellte sich heraus, dass er seine Frau oder Freundin mehrmals in der Woche betrogen hatte. Öfters konnte man ihn mit einer anderen Frau (es war nicht immer die gleiche) auf dem Motorrad davon fahren sehen. Gleich nach der Kurve wurde angehalten und sich leidenschaftlich geküsst. Irgendwann wurde das Haus verkauft und die beiden gingen getrennte Wege...
Hätte er sie mal nicht betrogen, könnten wir jetzt ein schönes Leben führen. So gesehen, ist er Schuld.

Was dann folgte ist an Grauen kaum in Worte zu fassen. Es handelte sich um die Familie Fick, welche ihrem Namen doch alle Ehre macht - 8 Kinder (eines aus erster Ehe - dieser Mann war klug und floh, als er noch konnte), 3 Hunde, ca. 35 Katzen und irgendwelche Nagetiere.
Über Familie Fick liesse sich in der Tat ein Buch schreiben... Was wir alles erleben durften, in den Tagen der Nachbarschaft...

Meiner Theorie zufolge, lebt Herr Fick nur noch in diesem Haus der Verdammnis, weil sich kein Mensch so viele Alimente leisten kann. Zahl mal für 8 Kinder und eine Frau, die mehr breit als hoch und stinkfaul ist. Da kann man sich eigentlich nur noch erhängen...
Oft habe ich versucht mich in diesen Mann hineinzuversetzen und ehrlich, jedes mal bin ich zu dem Schuss gekommen, dass ich entweder auswandern und unter neuer Identität leben oder mich erhängen würde.
Nun wird man sich aufregen und sagen, der Mann sei daran auch beteiligt und so... ja das ist er wirklich, dennoch hält niemand so ein Weib auf Dauer aus.
Würden Sie es denn schätzen, wenn Ihre Frau im Garten steht, bekleidet in ein Nachthemd, dass den 70ern entsprungen ist - und ihrer doch recht umfangreichen Person nicht sehr schmeichelt, da es zwei Nummern grösser hätte ausfallen dürfen, und Sie anbrüllt? Das ist wirklich so geschehen. Sie stand in eben diesem Nachthemd im Garten und brüllte ins Haus, wo sich der Mann aufhielt - bis er dann mit den Hunden spazieren gegangen ist - was sie nicht mitbekommen hat, da im Garten schreiend und so schrie sie weiter ins leere Haus. Da kam die ganze Gossensprache zum Vorschein:
- Fick! Du verdammter Hund! Verpiss dich endlich!
- Fick! Ohne Dich sind wir besser dran! Hau ab, verpiss dich! Lass uns allein!
- Fick! Du elender Waschlappen! Ich hab genug von dir, du verweichlichter Dreckskerl!
- Fick! Du "Schofsäcku", du bist zu nichts nutze!
- Wie konnte ich mir nur auf so einen jämmerlichen Taugenichts einlassen!
und so ging es etwa über 40 Minuten weiter...
Einmal brüllte sie, er wäre eine Flasche im Bett - und doch haben sie 7 Kinder zusammen gezeugt... Irgendetwas muss er ja richtig gemacht haben...

Das Organ dieser Frau ist eine Tortur für jedermanns Ohren. Eine doch recht maskuline Stimme hat sie. Noch nie habe ich sie in einem normalen Ton reden hören. Man möchte meinen, diese Frau arbeite als Marktschreier oder irgendwo auf einem Bazar - aber dafür ist sie ja zu faul. Sie zieht es vor, den ganzen Tag zuhause herum zu hocken, sich nicht um die Kinder, geschweige denn um die Tiere zu kümmern und ihren Mann zur Schnecke zu machen, wenn er nach einer 10-Stunden-Schicht nach hause kommt. Sie züchtet Katzen in ihrem Keller. Die Rasse ist mir nicht bekannt, da ich mich nicht für Katzen interessiere. Jedenfalls handelt es sich um diese langhaarigen Biester mit diesem griesgrämig gezüchteten Gesicht.
Ein Teil ihrer Katzensammlung ist im grossen Regen im Keller ersoffen. Sie waren in den Ferien und hatten niemanden, der für die Tiere organisiert. So kam dann die Feuerwehr, da auch unser Haus sich mit Wasser gefüllt hatte. Und als man dann bei der Familie Fick war, kam ein Feuerwehrmann aus dem Haus gerannt, der sich erstmal auf die Strasse übergeben musste. Mit weit aufgerissenen Augen, in denen das blanke Entsetzen auszumachen war, stammelte er: Er habe noch nie so etwas ekelhaftes gesehen! Der ganze verdammte Keller sei verschissen. Ein paar der Katzen wären versoffen und überall schwimme Scheisse herum. Katzenscheisse. Und der Gestank! Er habe schon vieles gesehen und vieles GEROCHEN, aber so etwas... nein... das sei einfach zu viel...

Ende von Teil 1

Sonntag, 1. Februar 2015

Buchhändler-Humor und Versprecher

"Meine Kollegin im Computer schaut das gerne für sie nach."

"Kafka gibt es nicht in englischer Übersetzung."
"Das wäre auch sehr kafkaesk!"
"Ein wahrer Buchhändler-Witz" *hust*

"Den nächsten Kunden, der des Grüssens nicht mächtig ist, erschlage ich mit einem Reclam!"
"Wieso mit einem Reclam und nicht mit einem fetten Lexikon?"
"Weil es mit einem Reclam länger dauert und somit schmerzhafter ist!"

Ich erzähle "kompletten Scheiss"

Es war ein ruhiger Winterabend, draussen war es bereits seit rund drei Stunden dunkel und der Feierabend rückte in greifbare Nähe. Ein normal wirkender Kunde betrat den Laden, erkundigte sich nach einem Buch, welches nur noch in einer anderen Filiale vorhanden war, war der Faulheit wegen nicht gewillt die paar Meter zu jener Filiale zu gehen und wollte den Titel bestellen.
Immer wieder wundere ich mich über die Faulheit des Menschen... Man kann bei uns vor der Tür ins Tram ein- und vor der Tür der nächsten Filiale aussteigen. Aber gut.
Der Herr bedankte sich und verliess das Geschäft, verlor sich in der Dunkelheit einer Winternacht, wie sie so nie wieder sein würde. Und ich für meinen Teil, ahnte nichts vom Grauen, welches noch folgen mochte...

Rund 10 Minuten später kam jener Kunde erboster Miene und festen Schrittes in die Buchhandlung geeilt. Seine zur finsteren Fratze verzogenen Gesichtszüge liessen nichts Gutes erahnen. So fauchte er gleich los: "Was erzählen Sie mir eigentlich für einen kompletten SCHEISS?!"
"Entschuldigung?"
"Wenn es in der anderen Filiale vorrätig ist, dauert die Lieferung sicher nicht bis Donnerstag! Dann haben sie es morgen hier!"
"Nein haben wir nicht. Wir beziehen die Waren bei unseren Lieferanten und nicht von anderen Filialen."
"BULLSHIT! Das haben sie immer gemacht! Sie erzählen mir einen absoluten Mist!"
"Was genau ist der Grund dafür, dass sie mich hier so anfahren?"
"Weil sie mich so schlecht bedienen! Wo ist die Chefin?!"
"Um diese Zeit ist weder eine Abteilungs- noch die Filialleitung im Haus."
"Ja klaaaar! Verarschen kann ich mich selbst! Was für ein Zufall!"
"Sie können gerne morgen Vormittag wieder kommen, dann sind meine Vorgesetzten im Haus."
"Wie ist ihr Name!"
Obschon es mehr ein Ausruf denn eine Frage war, sagte ich ihm meinen Namen mit der Frage, ob ich ihm diesen sonst aufschreiben solle. Er stapfte eine Etage weiter und jammerte meiner Arbeitskollegin sein Leid. Diese bestätigte, dass wir keine Ware bei anderen Filialen beziehen. Da schien es allerdings kein Problem mehr zu sein...
Schliesslich kam er wieder in meine Etage und bellte mir entgegen: "Ihre Kollegin hat die Bestellung so ausführen können, wie ICH das GEWOLLT habe! SIE konnte das! Nicht so wie sie! Sie können es nicht!"
"Ja anscheinend muss ich ein richtiger Idiot sein, was?"
"ÄCH!", winkt ab, geht ab.
"Noch einen schönen Abend!"

Mitleidige Kundinnen wünschten mir in freundlichstem Tonfall einen schönen und wohlverdienten Feierabend.

Sollte dieser Mensch nochmals bei mir auftauchen, wird er gleich an einen anderen Kollegen verwiesen. Oder ich erschlage ihn mit einem Buch vom Lappi von Olten. -_^




...und dann fiel eine Tür mit lautem Knall ins Schloss...

Heute wurde mir einmal mehr die Ehre zu Teil einen Stehlunch betreuen zu dürfen.
Ganze 20 Personen (4120 Knochen, man stelle sich das vor!) waren gemeldet. Davon versprach ich mir eigentlich einen ruhigen Mittagsdienst. Denkste.

Der Lunch war aufgebaut, die Küche abgezogen, Vorleger verteilt und da marschierten auch bereits die ersten zwei Gäste ins Foyer. Jenes Foyer grenzt an einen, heute nicht belegten und daher meine Abräumstation beherbergenden, Konferenzraum. Die Abräumstation war auch startklar und wartete nur auf verschwendete Nahrungsmittel, darunter u.a. zerstückelte, marinierte und gekochte Tierkadaverteile, schmutzige Teller und Tassen und einer dieser weissen riesigen Plastikeimer wollte mit schmutzigem Besteck gefüllt werden - ob er das wollte, wage ich allerdings zu bezweifeln, denn wer möchte schon mit schmutzigem Besteck gefüllt werden?

Da ich vergessen hatte, mir ein Plateau, eines der guten, mitzunehmen, ging ich nochmals zurück in die Pantry. Auf dem Rückweg zum Foyer telefonierte ich mit dem Sous-Chef und klärte gewichtige Fragen bezüglich Lunchthemen. Wieder im Foyer (noch immer telefonierend) krähte ein Gast auf mich ein. Ich deutete auf mein Telefon, sagte, ich sei gleich bei ihm und ging in den Konferenzraum. Der leicht cholerisch wirkende und sich nicht ganz unter Kontrolle zu haben scheinende Gast (mit einer gelben Krawatte, die farblich so gar nicht zu diesem leicht beigen Hemd passen wollte), brüllte (ja wahrlich, er brüllte! Es war nicht einfach etwas lauter gesprochen, die Tonlage war bereits in Gebrüll übergegangen) "Ich dachte Sie arbeiten hier!", und knallte, seine ganze Aggression in den Arm packend, die Tür hinter mir zu.
Die aufkeimende Aggression meinerseits versuchte ich sogleich im Keim zu ersticken. Echt, schon wieder? War da nicht erst am vergangenen Samstag einer, der mich als Idiot beschimpft hatte. Was war nur los mit den Gästen? Befinden sich allesamt etwa im Weihnachtsstress und haben in der Hektik des Alltags Anstand und Geduld verloren? Der KNIGGE sollte auf deren Wunschliste ganz oben stehen...

Ja, ich spiele mit dem Gedanken, mir 3-6 graue BZ-Boxen gefüllt mit KNIGGE ins Hotel zu bestellen und jedem Gast, von dem ich denke, er sollte sich diesen zu Gemüte führen, einen mitzugeben...




Witzige Kundenfragen und Ähnliches...

2015/01/xx


"Guten Tag, Ich suche das neue Buch von Daiotschiiines."
"?_?" möglicherweise ein mir unbekannter Schriftsteller?
"Diese weissen Bücher! Von diesem Engländer, der Honig geschrieben hat!"
"Meinen Sie Ian McEwan?"
"Ja genau den!"
gemeint war der DIOGENES Verlag, der genau so ausgesprochen wird, wie er sich schreibt. Nichts Englisches, da in der Schweiz ansässig. 

"Grüezi, Ich suche das Buch XXXX."
"Das ist leider vergriffen."
"Das kann nicht sein! Es ist gelb!!!"
"?_?"

Freitag, 2. Januar 2015

Für Sevimausi, einen wahren Freund

Es muss im Jahr 2012 gewesen sein oder auch 2011. Um das genaue Datum ermitteln zu können, müsste ich in meinem CV bzw. meinen Arbeitszeugnissen nachschauen, da ich aber grad so schön bequem in meinem pflaumenfarbenen viktorianischen Samtsessel sitze und nicht aufstehen mag - denn dann müsste ich ja das Macbook Air weglegen, bleibt die Angabe des Jahres wage im Raum bzw. im Cyberspace stehen.
Jedenfalls war es in jenem Jahr, als ich auf einen ganz speziellen Menschen traf. Um diese Person, geht es hier.

Mein schwuler Freund (jede Frau sollte einen haben), Trendy Mandy, nahm sich 2010 das Leben. Er war dieser eine jene wahre Freund. Einer von der Sorte, der einem stets die Wahrheit entgegen schmetterte. Als wir uns das erste Mal trafen, trug ich eine weisse lange Bluse, von welcher er stets sagte, ich sähe damit aus wie eine Krankenschwester, fehle nur die Stethoskop-Halskette. Wenn wir zusammen Klamotten kaufen gingen, kamen immer äusserst ernüchternde Kommentare und so wurden viele Sachen nicht gekauft. Wer möchte schon wie ein Mehlsack herumlaufen?
Wir hatten stets so viel Spass zusammen, bis dann die Depressionen einsetzten, die Cutterei losging (ob er das von mir abgekupfert hat werde ich nie erfahren). Aber selbst dann war ich meist in der Lage ihn aufzuheitern. Bis dann der Anruf kam. Jener Anruf, den niemand je erhalten sollte. "Mandy ist tot. Er hat sich erhängt."
Der einst blaue Himmel wurde kurzerhand von einer ganzen Armada Kumulus Nimbus durchzogen und wollte über einen langen, verdammt langen Zeitraum nicht mehr aufhellen... Mein Leben war vorbei. Mein bester Freund war ins Reich der Toten gepilgert...
Mandy war ein so spezieller Mensch, dass ich dachte, nie wieder auf jemanden von diesem Format zu treffen. Das stimmte - bis zu oben erwähntem Jahr:

Ich sollte ein kurzes Gastspiel bei einem Sklaventreiber haben - auf seiner als Restaurant getarnten Baumwollplantage schuften, bis die Hände blutig gescheuert, die Fusssohlen voller Schwielen waren und meine einst weisse Bluse durch die zahlreichen Peitschenschläge blutrot und zerrissen war... Da traf ich auf meinen Leidensgenossen, dessen einst weisses Hemd in ebensolchem Zustand war, wie die meine Bluse.
Andere Sklaven hielten ihn für geisteskrank. Mich übrigens auch. Oder sie waren zerfressen von Neid und Missgunst. Ständig waren wir die Opfer ihrer durchschaubaren Hasstiraden und Intrigen. Gemeinsames Leid verbindet wahrlich. Wir wurden Freunde.
#Sevilicious zu jenem Zeitpunkt noch "Seviiii" kurz darauf dann "Sevimausiii" schien mir zu verrückt. Doch er war nicht verrückter als ich - nur auf eine leicht abweichende Art. Ich mochte ihn. Er war vorlaut, witzig, hinterlistig, amüsiert, amüsant, angepisst, pissig, zickig, humorvoll, zynisch, skeptisch und hatte aber vor allem ein riesiges Herz. Die anderen Sklaven hatten Mühe mit seiner Art. Auch der Sklaventreiber konnte und wollte nicht zwei Sklaven dieser Gattung bei sich haben. So verliess ich nach knapp drei Monaten jene Plantage. Hocherfreut über die neugewonnene Freiheit, aber auch von grosser Trauer erfüllt, da ich meine Sevimaus zurücklassen musste.
Zwei Jahre siechten dahin. Dann wurde auch er in die Freiheit entlassen. Gut ein Jahr später konnten wir endlich auf unsere Freiheit und das Ende der Sklaverei anstossen. Wir waren frei! Wir waren bester Laune! Uns ging es gut! Obschon wir einander länger nicht gesehen hatten (gut 3 Jahre) standen wir uns noch näher als zuvor.
Einige Kilometer trennen uns voneinander. Doch glücklicherweise leben wir in einem Zeitalter, in dem Apple an der Macht ist und wir mit iPhones, Skype, Facetime und co ausgerüstet sind. So kam es dann, dass wir oft ganze Nächte lang mit Skypen oder Telefonieren verbracht hatten. Telefonieren immer dann, wenn wir entweder nicht gestylt, in einem dunklen Raum waren oder Skype mal wieder seine Störungen hatte.

Im Frühjahr 2014 verbrachte ich einen Monat in Japan. Zwei Wochen lang wurde ich von einer Freundin begleitet. Danach war ich drei Wochen alleine. Traf mich mit Freunden, hütete krank das Bett und genoss die Freiheit des Nichtstuns. Genoss es erneut frei zu sein - hatte ich eben einen Job gekündigt und liess die Seele baumeln, wie man so schön sagt. Sevimausi war stets bei mir. Entweder in Whatsapp oder in Skype. Stetig hielten wir Kontakt. War ich down brachte er mich zum Lachen. Auf ihn war stets Verlass.
In Odaiba fand ich das perfekte Souvenir für ihn. Bzw. Zwei. Leider haben wir uns bis zum heutigen Zeitpunkt nicht wieder gesehen und so hüte ich jene schönen Sachen noch ein Weilchen. ^_^
Nüchternen Wortes (und Verstandes) warnte er mich vor dem Psychopaten Yoko. Als ich im Herbst desselben Jahres wieder nach Japan ging, war er dagegen. Er war dagegen, dass ich mich wieder mit Yoko traf und konnte gar nicht oft genug erwähnen, wie krank es denn ist, zwei Nächte bei dem Typen zu verbringen. Fast so als hätte er geahnt, in welch grausigem Domizil ich würde dahin vegetieren müssen.
Als ich mich dann auf dem Weg nach Japan befand, schickte ich ihm, bei jeder W-LAN-Verbindung ein Video oder zumindest eine Nachricht. Fast panisch dachte ich an die eine Woche "Mit Yoko auf Reisen", nicht wissend, ob ich je über W-LAN verfügen würde. Immer dann, wenn Yoko ausser Haus war, erhielt Sevimausi ein neues Video. Meine Leidensgeschichte.
Als ich dann die zwei Nächte bei Yoko hauste, in einem Zimmer, hinter der Garage, mit fleckigem Teppichboden, einer toten Kakerlake und fleckigen Decken plus einem übel riechenden Badezimmer, lachte er mich erst aus und meinte, er hätte mich ja gewarnt. Er habe gar kein Mitleid. Als ich ihm dann die Fotos von der Casa de Yoko geschickt hatte, kam eine Voice-Message, in welcher er sein Mitleid kundtat. Er freute sich ausserdem darüber, dass ich bald schon wieder in der schönen Schweiz sein würde.
Sevimausi war immer bei mir (wenn auch "nur" online) wenn ich ihn gebraucht habe.

Dieser recht persönliche Text entstand, weil heute etwas sehr... na ja... eigenwilliges und für die unseren Charakter typisches passiert ist.
Sevimausi erhielt ein Neujahresgeschenk von mir und ich eines von ihm.

2015 wird unser Jahr werden. Wir werden ENDLICH zusammen nach Paris, in die verdammtnochmal romantischste Stadt auf diesem Planeten, reisen und das #vivilicious Evangelium verbreiten haha -_^

Sevimüsli, Du besch eifach ZU abgfahre, als das me Dech ned chönt gärn ha!
Uf alli Ewigkeit wersch en Platz i mim Herz ha (i dem Teil, wo ned zuegfrore ond met Iszäpfe verhange esch). I freu mi of Paris. I freu mi uf eusi Souvi-Öbergab und druf Dech öfters zgseh!
In stetiger nie enden wollender Liebi
Navimausi

Sonntag, 28. Dezember 2014

Nahezu fossile EDV

Zeigte sich ein Gast recht echauffiert über die Aktualität unserer Gästecomputer, welche ausschliesslich für unsere Businessgäste zugänglich waren.
Erst funktionierte der USB-Stick nicht, worauf der Herr meinte, ich könne diese fossilen Computer auf die nächste Müllkippe bringen. Ich überlegte kurz, ob ich nicht entgegnen soll "ein Muesum wäre doch bei fossilen Computern ein viel besserer Abnehmer.", habe es dann aber unterlassen. Er schnaubte und fügte hinzu, dass so etwas eine regelrechte Zumutung sei! So etwas könne doch in der heutigen Zeit nicht wahr sein! 
Er wollte mir die Unterlagen dann per E-Mail senden, was sich aufgrund von Wartungsarbeiten am Mailserver, welche natürlich gerade in dieser halben Stunde stattgefunden hatten, verzögert hätte. Also fragte ich, ob er nicht einen anderen Stick, habe und es mit jenem nochmal versuchen möchte. 
Kurz darauf kam er wieder mit einem anderen Stick vorbei. Er grinste mich an und meinte, er versuche es noch mit jenem. Ein Jauchzen war zu vernehmen und er schrie, er habe Erfolg! Der Stick funktioniere! Was war ich erleichtert. ^_^
Während der Tintenstrahldrucker *hust* seine Arbeit tat, kam der Herr wieder zu mir und fragte, ob die Drucker aus dem Jahre 1992 stammten. Damals hätte man sich mit solch antiquierten Modellen abmühen müssen.
Er wisse, ich könne nichts für die minderwertige Ausstattung des Gästecorners, aber er möchte mir dennoch sagen, dass er kürzlich in Amsterdam gewesen sei, den Namen des Hotels habe er vergessen, aber da sei ein jeder Meetingraum mit einem Drucker ausgestattet.Wir sollen uns doch mal Gedanken darüber machen. Denn schliesslich nutze ihm der schönste Raum nichts, wenn er dann so etwas zum Drucken vorgesetzt bekomme.
Er ging wieder zurück zu seinen Gästen um nach ca. 10 Minuten wieder zu kommen, um sein Druckerzeugnis abzuholen. Beim Eingang zum Gästecorner lauschte er erst und meinte dann ganz bestürzt, dass das Ding ja immernoch nicht fertig ausgedruckt habe. Ein amüsiertes Lächeln konnte ich mir da nicht mehr verkneifen. Er meinte dann, es sei wirklich eine Zumutung in einem V--I--P--Bereich mit solchen Urgesteinen arbeiten zu müssen. Wenn er 100 Seiten zum Ausdrucken habe, müsse er ja einen Tag früher anreisen. Ich lachte amüsiert und nickte. Auch er war bereits nicht mehr sauer, sondern leicht amüsiert - oder auch bereits so sehr in seiner Verzweiflung, dass sein Zustand in latenten Wahnsinn überging?
Er habe sich einen anderen Standart versprochen. Sein Homeoffice wäre ja besser ausgestattet! Er habe 3(!) Laserdrucker darin stehen! Einer davon ist in Farbe. Die kosten heute auch nicht mehr alle Welt! So fragte er dann ob ich denn noch einen TINTENSTRAHLdrucker zu hause hätte? "Nein, auch ich habe zwei Laserdrucker - einer davon in Farbe." Nun lachte er laut los und meinte nur: "Sehen Sie?"
Unterdessen war der Drucker mit der Arbeit fertig. Als der Gast mit seinen Papieren wieder an mir vorbeiging meinte er nur, ich solle ihn bitte zitieren und dies alles meinen Vorgesetzten mitteilen.
Sehr gerne -_^

Zugegeben, als er Anfangs maulte, dachte ich nur "schon wieder einer dieser gestressten Businesstypen", doch seine Aussagen waren so schön, dass ich ihn zum Schluss richtig mochte. Schliesslich hatte er ja nicht ganz Unrecht...

Eigentlich hätte ich mir seinen Namen heraussuchen und ihm eine Dankeskarte schicken sollen - ausgedruckt auf dem Tintenstrahldrucker. Er erhellte meinen tristen Tag in jenem düsteren Hotel doch erheblich ^_^ 





Sprechende Fahrstühle und fehlende Meeting-Etagen

Kommt ein gänzlich aufgelöster (erst jetzt während dem Umschreiben dieser Erzählung fällt mir auf, wie makaber das klingt... Ein gänzlich aufgelöster Gast, wäre wohl kaum noch in der Lage, irgendwo hin zu gehen...naja), ja ver(w)irrter Gast zu mir gestürmt. 
"Sie! Verzeihen Sie bitte! Können Sie mir vielleicht helfen? Ich habe ein Meeting in der 14. Etage. Aber der Fahrstuhl sagt, dass sich dort nur das Parkhaus befindet?"
Erstmal bin ich mir nicht sicher, ob ich über die Existenz eines sprechenden Fahrstuhls erstaunt sein, oder ob ich so tun sollte, als hätte er das nicht gerade eben gesagt. Ich entscheide mich schliesslich für Letzteres und antworte ihm, dass sich in der 14. Etage auch Meetingräume befinden. Beruhigt und doch etwas misstrauisch geht er zu den Fahrstühlen, schaut kurz in die Kabine um dann wieder zu mir zurückzukommen: "Sind Sie sich da auch wirklich sicher? Da steht wirklich nur Parking."
"Nein, sicher bin ich mir nicht. Selbst war ich noch nie da oben. Aber meine Kollegen reden immer davon. Kommen Sie, gehen wir doch zusammen nachschauen.", würde ich gerne zur Antwort geben. Anstelle davon sage ich nur, dass ich mir dessen ganz sicher bin und sich nebst dem Parking auch Meetinräume da oben befinden.

Ein Arbeitskollege von mir meinte nur: "Hättest doch sagen sollen: WAS?! Da oben gibt es gar keine Räume?! Meine Kollegen haben mich demnach immer verarscht, wenn sie gesagt haben, sie gehen nach oben! Was für eine masslose Frechheit!"

13.12.2013

Anmerkung: 
2014 habe ich Japan in einem Airporthotel um die Existenz sprechender Fahrstühle erfahren. Beim betreten der Kabine wünschen sie einen guten Tag, dann weisen sie daraufhin, dass die gewünschte Etage erreicht wurde und man vorsichtig aussteigen soll. Beim Aussteigen auf einer Etage, wünschen die Fahrstühle einen angenehmen Aufenthalt. Verlässt man die Kabine in der Lobby wünschen sie einen schönen Tag. 
Nun braucht es wahrlich keine Liftboys mehr... schade. 

Wo aller Anstand fehlt

Eine riesige Veranstaltung gibt es heute zu bewältigen. Wir alle nennen sie nur "Das grosse Fressen", denn etwas anderes ist es nicht. Rund 600 Gäste sind gemeldet. Erfahrungswerte zeigten, dass sich diese 600 sehr hungrigen Menschen den ganzen Tag in der Nähe des Buffets aufhalten und drei bis viermal Nachschlag holen. Man muss sich all diese Menschen, dicht aneinandergedrängt in einem engen Foyer vorstellen. Am besten schaut man sich dazu Bilder überfüllter japanischer Züge an und denkt sich einfach ein 10 Meter langes Buffet und eine Reihe Stehtische dazu.
Andererseits erinnert es auch an eine Viehherde. Unsereins denkt dabei natürlich gleich an Schlachtvieh beim Verzehr der Henkersmalzeit ehe es seinen letzten Gang über das grüne Lenoleum gen Old Sparkey antritt. Jener Anblick zeigt mal wieder auf, dass der Mensch nicht anders ist als Vieh - mit der Ausnahme, dass er sich gegenseitig abschlachtet - meist im Namen der Religion. So ist der Kirche Vergangenheit von einem mit dem Blut Unschuldiger (aka Ungläubiger/Hexen) durchtränkten Leichentuch bedeckt. Aber ich schweife ab - wie so oft -_^
In diesem Jahr jedoch, sollte es nicht ganz so arg werden, war doch wunderbares Wetter gemeldet, weshalb eine Vielzahl an Gästen ausblieb.

Ich erspähe drei Teller bei der Bierzapfanlage, wo noch immer diese inzwischen betrunkenen Ukrainer stehen, und räume sie ab. Als ich zurückkomme hält mir ein Deutscher eine Colaflasche vors Gesicht: "Können Sie mir mal helfen?!" Da ich absolut keine Ahnung habe, worauf der gute Mann hinaus will, frage ich, trotz seines scharfen Tones, noch freundlich nach: "Entschuldigen Sie, wobei denn?" Der Mann, der unverkennbar auf dem Rücken eines Vollblüters im Jagdgalopp durch die Kinderstube gehetzt war, rollt mit den Augen und hat dann tatsächlich den Nerv mir folgende Worte entgegen zu schleudern: "Die Flasche festhalten, damit ich sie öffnen kann! Sind Sie ein Idiot?!" Das wars. Hilfsbereit halte ich die Flasche fest und sage: "Liebend gerne halte ich Ihnen, der kein Idiot ist, die Flasche fest, damit Sie sie öffnen können!" Er schüttelt genervt den Kopf, rollt mit den Augen und beugt sich kurz übers Getränkebuffet um sich des Flaschenöffners zu entledigen. Die in mir aufkeimende Wut drängt mich dazu, ihm in diesem Moment einen kräftigen Arschtritt zu verpassen, damit er filmreif übers ganze Getränkebuffet fliegt. Die rationaldenkende Seite in mir, hält mich gerade noch davon ab. Schliesslich bin ich auf Arbeit. Also packe ich meine ganze Wut in ein messerscharfes "Bitte sehr der Herr. Sehr gerne geschehen!" Und so gehts wie im Kindergarten weiter. Kommt von ihm ein entnervtes "Danke sehr!!!", worauf ich entgegne: "Bitte sehr! Man darf trotzdem anständig bleiben!" Worauf er meint, "Ja merken Sie sich das! Sie sind diejenige, die keinen Anstand besitzt! Ich bin schliesslich Gast hier!" Mit den Worten dreht er sich ab und macht einen Schritt. Doch ehe er entkommen kann, gebe ich ihm mit belehrendem Ton mit auf den Weg: "Wissen Sie, wie man in den Wald schreit, kommts zurück!" Er schüttelt den Kopf und verschwindet in der Viehherde äh, Menschenmenge. 

Rund 4 Stunden später kommt einer der Veranstalter auf mich zu und fragt, ob ich die Person sei, die mit einem seiner Gäste ein Problem gehabt habe. Zwei Minuten später darf ich mich seiner Assistentin erklären. Als sie und drei weitere Damen, die hinter ihr stehen, hören, dass dieser Mensch mich als Idiot bezeichnet hatte, halten sie erschreckt den Atem an. "Ungeheuerlich!" In der Tat.

Eine meiner Arbeitskolleginnen meint nur, sie bewundere mich, für meine Zurückhaltung, hätte sie ihm wohl links und rechts eine runtergehauen...
In Gedanken male ich mir eine Gegenüberstellung aus: Der Typ, der aus der Haut fährt, weil ich ja keinen Anstand besitze und ich, die das letzte bisschen Geduld verliert, zu allem bereit die Ärmel hochkrempelt und entscchlossen fordert: "Jetzt reichts! Alter komm her! Wir gehen vor die Tür und tragens aus!"

So weit sollte es nicht kommen. Die Angelegenheit war vom Tisch.

- Ein Bericht vom 9.12.2013

Dienstag, 28. Oktober 2014

Nicht von dieser Welt...

Mein Sitznachbar wurde von einem brennenden Gegenstand so heftig am Kopf getroffen, dass er das Bewusstsein verlor. Mit meiner Decke versuchte ich das in Flammen stehende Etwas zu löschen. Sonst hätte ich zusehen müssen, wie sich erst Blasen auf der Haut des Herren auf Sitz 48B gebildet hätten, welche dann aufgeplatzt wären und sich seine Haut in Flammen aufgelöst oder einfach schwarz geworden wäre. Möglicherweise wäre er auch geschmolzen, wie der Typ in Indiana Jones - Jäger des verlorenen Schatzes, dessen Haut und Blut wie flüssiges Wachs gen Boden flossen, bis nur noch das Skelett übrig war.
Einerseits habe ich meinem Sitznachbarn das Leben gerettet, weil ich nicht zusehen wollte, wie seine Augäpfel gen Boden kullern, ich den üblen Geruch nach verbrannter Haut nicht direkt neben mir haben und nicht selbst in Flammen stehen wollte. Mir gefällt meine Haut da wo sie ist und wie sie ist.
Als ich meine Decke weggenommen hatte, erkannte ich, dass der Gegenstand ein verkohltes Baby war. Deswegen hat das Balg also plötzlich aufgehört zu heulen. Alles klar.
Der vordere Teil der Kabine stand in Flammen. Ein blutiger Ball schoss umher, wie ein Pingpongball - nur viel grösser. Grösser und in Gestalt eines Babys. Es war ein weiteres Baby, das nicht gesichert und somit zum Wurfgeschoss mutiert war. Danke liebe Eltern... Danke, dass Ihr Euch an die Sicherheitsvorschriften haltet! Wegen Eurer scheiss ungesicherten Brut, wäre mein Sitznachbar fast verbrannt!
Welche sadistische Gottheit war wohl dafür verantwortlich, dass solche Idioten auf meinem Flug waren?

Es roch nach verbrannten Haaren, nach verbrannter Haut. Menschen schrieen umher. Der Airbus wackelte heftiger als diese eine Jahrmarktsattraktion und drohte förmlich auseinander zu brechen.
Ein Koffer, oder das zermatschte Ding, das vor wenigen Minuten noch ein plärrendes Baby gewesen war, traf mich derart am Kopf, dass auch ich das Bewusstsein verlor und es meinem Sitznachbar gleichtat, in dem ich vor mich hin schlummerte.

Als ich wieder zu mir kam, brüllten diejenigen, die noch nicht dem Flammentod erlegen waren, umher, kletterten in den Trümmern des brennenden Infernos umher und versuchten verzweifelt am leben zu bleiben. Der vordere Teil des Airbus, samt Cockpit war verschwunden. Weggebrochen. Der mittlere Teil war in weiter Ferne auszumachen. Die Maschine war in drei Teile zerbrochen.
Sämtliche Passagiere, die im mittleren Teil gesessen hatten, waren in der Flammenhölle gebraten worden. Mein Sitz, im Heck der Maschine, rettete mir das Leben - vorerst.
Ich wollte aufstehen und davon laufen, doch wurde ich durch etwas im Sitz gehalten. Panik kam auf. Dann erst realisierte ich den noch immer geschlossenen Sicherheitsgurt. Ich hatte mich immer über die Menschen lustig gemacht, die eine Flugzeugkatastrophe nur nicht überlebt hatten, weil sie zu doof waren, den Sicherheitsgurt zu öffnen. Tja... Hochmut kommt vor dem Fall, was? Nun gehörte ich auch zu diesen Idioten. Zumindest fast, denn ich konnte den Gurt noch rechtzeitig öffnen - glaubte ich. Doch dann hörte ich wieder dieses Geräusch. Ein Röcheln. Ein Schnauben. Etwas, das ich zuvor für einen technischen Defekt gehalten hatte. Es war kein technischer Defekt. Es war etwas Unmenschliches. Es war wie eine Art Knurren einer Bestie. Nicht von einem Tier. Nicht von einem Menschen. Von einer, aus einem Horrorroman entsprungenen Kreatur, die Tod und Verdammnis bringen würde. Nun konnte ich die Umrisse erkennen. Die Kreatur befand sich etwa 10 Sitzreihen vor mir. Hatte sie mich gesehen? Sie hatte mich gesehen. Wir blickten einander direkt in die Augen. Sie blickte in meine verängstigten Blauen und ich in seine leblosen Schwarzen. Das Röcheln wurde stärker und lauter. Ich sah Klauen und messerscharfe Zähne. Die Gestalt schoss auf mich zu. Ich würde sterben.

Als ich die Augen öffnete, war die Kreatur verschwunden. Das Knurren war noch da. Es dauerte einen Moment bis ich begriff, dass das alles nur ein Traum war und ich mich in diesem Hostel befand. Es dauerte einen weiteren Moment, bis ich begriff, dass das Röcheln und Knurren, von dem ich noch immer behaupte, dass es unmenschlich war, nichts anderes war, als das Schnarchen, der Person im Zimmer neben mir...
Ich drückte mir das Kissen aufs Ohr und zog die Decke über den Kopf, was diese bestialischen Laute allerdings nur leicht dämmten. Es hörte sich an, als wäre dieses Geschnarche mit Dolby Surround Sound ausgestattet. Es war nicht von dieser Welt...
Ich dachte an Homer Simpson, wie er aus dem Fenster brüllt "Kann ich endlich mal Ruhe haben!". Mir fiel "Das kleine Arschloch" ein, mit den Worten "Sie hören nun, sehr seltsame Geräusche."
Ich dachte an meinen Eispickel und daran, die Kreatur im Zimmer neben mir zu erstechen, einfach damit ich in Ruhe schlafen konnte... Den Eispickel hätte man mir beim Sicherheits-Check am Flughafen ohnehin abgenommen, daher musste ich mich meinem Schicksal - einer schlaflosen Nacht, fügen...

Morgen werde ich mir Oropax besorgen...

Montag, 13. Oktober 2014

Trendy Mandy - in loving Memory

Armando C. ist ein Leichnam und ruht rund 2 Meter tief unter der Erdoberfläche. Zu Lebzeiten hat er diese mit knappen 155cm überragt und mit ca 45kg belastet. Er hat ihr also nicht geschadet, doch das Leben schadete ihm und zwar dergestalt, dass er keinen anderen Ausweg sah und 2010 seinen Ausstieg gab.
Als ich durch seinen damaligen Freund, dessen Namen ich mir aus reiner Dekadenz partout nicht merken wollte, vom Tod meines besten Freundes erfahren musste, starb ein Teil von mir.
Den Namen dieses Menschen, werde ich eventuell in meinem Moleskine über das Jahr 2010 notiert haben. Vielleicht aber auch nicht. Als er mich anrief und seinen Namen nannte, wusste ich jedenfalls nicht, mit wessen verheulter Stimme ich da das Vergnügen hatte und fragte recht barsch nach. Erst als Du sagtest, Du seist Mandos Freund, dämmerte es mir. Da war ja jemand... Das war die einzig nette Geste seinerseits. Dass er mich über den Tod von meinem Bunny informiert hatte. Aus reinem Pflichtbewusstsein heraus, lud er mich sogar zur Beerdigung ein. Was hat er angenommen, was ich da tun würde? Ehe sie Mandy's Holzkiste in der Erde versenkten, seinen Körper leblos prügeln und in das Loch werfen? Wäre ich zur Beisetzung gegangen, wäre wohl neben Armando's Leiche auch noch die seines "Freundes" verscharrt worden...

Trendy Mandy

Dein lebloser Körper lag bei -8°C in einem, für Leichenschauhäuser typischen, Kühlschrank. Bei dieser Temperatur können sich Bakterien kaum vermehren und so wird die Autolyse hinausgezögert.
Schliesslich wurdest Du in einem hölzernen Sarg unter die Erde gebracht. Hierzulande ruht man auf einer saugfähigen Matratze, welche die letzen Flüssigkeiten aufsaugt. Anderswo wärest Du auf Stroh, Sägemehl oder Torf gebettet worden. Nett.
Der Sarg besteht aus Holz, weil er luftdurchlässig ist, sprich der Sauerstoff gelangt aus dem Boden in den Sarg, sodass der Körper gut verwesen kann - anstatt einfach zu verfaulen.
Wenn wir nun wüssten, wieviel Sauerstoff und Wasser in der Erde ist, unter der Du begraben liegst, könnte man genauer sagen, wie lange der Verwesungsprozess dauert. Aber da uns jenes Wissen verwehrt bleibt, begnügen wir uns mit dem Wissen, dass das Gewebe nach gut 12 Jahren völlig zersetzt ist. Dein Gerippe wird noch etwas länger brauchen. Nach der üblichen Ruhezeit von 30 Jahren wir von Dir nichts mehr übrig sein. Nur noch die Erinnerung an Dich.
Aber freu Dich. Dass Du von Würmern gefressen wirst, ist nur ein Mythos. Denn Würmer leben in einer Tiefe von 30cm und Dein Grab befindet sich gut 2m unter der Erdoberfläche.
Würde man Dich also heute exhumieren, bestünde die Chance, dass man Dich noch annähernd erkennen würde. Ich sage das nur für den Fall, dass jemand eine indianische Grabstädte finden und Friedhof der Kuscheltiere Realität werden lassen möchte...

Im Internet haben wir uns damals kennen gelernt. Schliesslich waren wir in Aarau am Bahnhof verabredet. Den würdest Du heute übrigens gar nicht wieder erkennen. Unseren Treffpunkt gibt es gar nicht mehr. Na ja. Ich sah Dein Gesicht in der Menge. Das angepisste Gesicht eines kleinen Thai, der mit finsterer Miene die Menge nach mir absuchte. Ich trug diese weisse lange Bluse, von der Du immer als den "Ärtzekittel" gesprochen hattest. Ich habe dieses Teil immer noch in meinem Schrank hängen. Habe sie aber seit Deinem Tod nie mehr getragen. Aber das ist wohl mehr Zufall. Aber vielleicht würde ich dann auch permanent an Dich und unsere gemeinsame Zeit denken und wie ein Schlosshund heulen.
Jedenfalls warst Du immer ehrlich, manchmal verletzend ehrlich, aber ehrlich. Du hast mir immer gesagt, ob mir etwas steht oder nicht. Beim Shoppen muss ich daher oft an Dich denken. Aber andererseits sind einige Jahre verstrichen und ich weiss mich nun einzukleiden -_^
Du wirst jetzt auf Deiner Wolke sitzen und Dir Deinen Teil dazu denken. Nur Geduld, wir werden uns wieder sehen und dann können wir uns bis in alle Ewigkeit austauschen.
Ein Lächeln legte sich über das zuvor noch finstere Gesicht. Du hättest einfach keinen Bock neue Leute zu treffen, war die Antwort auf die Frage nach der finsteren Miene. Wir waren uns jedoch gleich sympathisch und quatschten über alles und jeden. Es war so, als kannten wir uns schon seit Jahren. So entstand eine innige Freundschaft, die noch über Deinen Tod hinaus geht. Eine Freundschaft, wie wir sie pflegten, werde ich kein zweites Mal erfahren... Es war einzigartig, absolut inkommensurabel.

Es war 2010, als ich mit diesem Praktikum beschäftigt war. Es war das Jahr, in dem Du eine neue Lehrstelle antreten solltest, dies auch tatest - für ca. 2 Wochen. Bis Dir Spott und Hohn zu viel wurden und Du den Entschluss gefasst hast, abzutreten.

Nie werde ich vergessen, wie wir damals, es muss 2003 oder 2004 gewesen sein, in Zürich, entweder am HB oder an der Bahnhofstrasse sassen, und uns über die Kleidung der Leute amüsierten. Erinnerst Du Dich an den Sommer der Nippel? Den Sommer, an dem ein beängstigend grosser Teil der Frauen, beschlossen hatte, ohne BH aus dem Haus zu gehen. Erinnerst Du Dich an die Anblicke? Das würdest Du bestimmt, aber Du bist ja nicht mehr da.

Du hattest diesen Hund, namens Marley. Siehst Du, an dessen Namen erinnere ich mich sogar. Aber an den Deines "Freundes"? Fehlanzeige. War Marley ein Rottweiler? Ich weiss es nicht mehr. Wir waren in Zürich. Unten an der Limmat und haben den warmen Sommertag genossen, gelacht und haben gequatscht und getratscht. Wir waren gut im Tratschen... haha

Nie werde ich unseren Ausflug nach Bern vergessen. Ausgerechnet am heissesten Tag des Jahres fuhren wir dahin. Es war heisser als es die Feuer in der Hölle je sein werden!
Erinnerst Du Dich an den Typen mit seiner Fönstimme? "Gets do ned no es Wasser dezue?" XD

Bunny, ich stelle mir oft die Frage, wäre es anders gekommen wenn... Heute ist so ein Tag, was auch Anlass für diesen Text war...
Wärst Du heute noch da, wenn ich Zeit für Deinen letzten Anruf gehabt hätte? Du warst verzweifelt, wolltest reden. Musstest reden. Ich war immer für Dich da gewesen. Aber nicht zu dem Zeitpunkt, an dem Du mich so dringend gebraucht hattest. Ich war damit beschäftigt eine Bewerbung zu kreieren, für eine Stelle, für die ich dann eine Absage bekommen habe. Haha... ja! Dafür habe ich Deinen Anruf ignoriert und mir gedacht, ich kann ja dann zurück rufen. Als ich das dann irgendwann getan habe, war es zu spät. Da hingst Du bereits, mit einer Schlinge um den Hals, in der Wohnung dieser Kreatur, die sich Deinen "Freund" nannte.
Wärst du heute noch unter uns, wenn Du nicht bei dem hättest wohnen müssen? Bei ihm, wo Du so unglücklich warst? Wärst Du noch unter uns wenn da nicht diese Kreaturen auf der Arbeit gewesen wären, die Dich tagtäglich fertig gemacht haben?
So hast Du mich mit der Schuld, die mich trifft, zurück gelassen. Ich erlebe Höllentage, an denen mich die Schuld aufzufressen droht. Aber sie sind nicht mehr so häufig, wie unmittelbar nach Deinem Abgang.

Trendy Mandy, der Tag wird kommen, an dem ich vor unseren Schöpfer treten und meinen letzten Wunsch äussern darf. Der wird da sein, Dir eine runterhauen zu dürfen.
Eines Tages werden wir uns wieder begegnen. Du wirst Dein jugendliches Antlitz bewahrt haben - ganz wie Dorian Gray. Ich werde dann entweder 29 sein, (falls ich den kommenden Flug nach Japan aufgrund eines Dschihadisten oder so nicht überleben sollte) oder ich werde Dir als alte faltige Frau gegenübertreten. Deine Worte werden dann, wie immer, ehrlicher Natur sein und Du wirst mir sagen, wie scheisse ich mit Falten aussehe... Ich freue mich! ^_^

Trendy Mandy,
Ruhe in Frieden