Donnerstag, 29. September 2005

Edward Munch - Der Schrei



28. September 2005


Mit nur einem Wort lässt sich dieses Bild beschreiben: 



Angst 

Es ist die Edward Munchs selbst. Jene, die ihn laut eines Tagebucheintrages während eines unbeschwerten Spazierganges mit Freunden überkam. Er verspürte einen Hauch von Schwermut, der Himmel färbte sich bedrohlich rot. Er blieb stehen, lehnte sich an den Zaun, wo nicht weit unter dieser Brücke ein Schlachthof stand und in dessen Nähe eine psychiatrische Klinik für Frauen, in der unter anderem auch seine Schwester auf ihren Tod wartete. Er sah die flammenden Wolken wie Blut den blauschwarzen Fjord und die Stadt Olso, welche 1900 von diesem Blickwinkel ein begehrtes Postkartenmotiv war. Seine Freunde gingen unbekümmert weiter, merkten nichts von all dem. Munch jedoch stand da, zitternd vor Angst, einen unendlichen Schrei fühlend, der durch die Natur ging.

Jenes Bild existiert in den verschiedensten Versionen und Techniken. Ein totenkopfcharakterliches Selbstbildnis mit weit aufgerissenen Augen und in einer für den Menschen typischen Geste des Erschreckens.

Beklemmend und zugleich inspirierend.

© Navi M.

Mittwoch, 2. Februar 2005

Lothar an Nathanael


1. Februar 2005


O Nathanael, Freund. Eure Zeilen lasen sich wie die jenen eines Buches, liessen mich zugleich erschaudern! Nathanael. Geister der Vergangenheit ersuchen Euch, ihnen die Tore Eures Verstandes zu öffnen und sie herein zu bitten. Freund, seit wachsam, denn der Wahnsinn lauert vor Euren Toren. Hierzu möchte ich Euch in den diesigen Seiten anvertrauen, wie ich fühlte. Seid gewiss, Ihr und einzig Ihr wisst um dies:

Nathanael, das Leben ist mir zu wider. Bald schon werde ich ihm überdrüssig. Werde dem Richter entgegen treten und Busse meiner vergangnen Taten ablegen. Denn die Geister der Vergangenheit ruhen nimmer!

Es ist eine stinkende Welt in welcher wir gehen und streben nach immer Neuem. Eine stinkende Welt, nicht nur weil ich den Gang zur Dusche bisher gemieden habe und mich der Geruch eins toten Tieres verfolgt, welches heutig von den wandelnden Grabstätten zu Mittag verspeist wurde. Dessen Geruch hat sich meiner angenommen als ich kurz in der häuslichen Küche war um mich mit einem Teller Salat zu speisen. Bitte verzeiht den Unterbuch, aber angesichts dessen, dass mein Geruch betörend während, schickt es sich nicht noch weiterhin zu schreiben. Denn Euch so gegenübertreten würd ich nimmer. Nun ehe ich noch einen Satz schreibe, werd ich die Feder beiseite legen und mich unter die Dusche verfügen.

Gewiss doch, reichlich spät meld ich mich zurück. Doch übermannte mich zuvor der Kasten der Sucht! O du grimmige Welt! Hinfort mit dir, Teufelszeug! Welch Satan hat dich in seiner finstersten Stunde erschaffen?! Du verruchtes Wesen stiehlst mich meiner Zeit! O du Ausgeburt der Hölle, wieso nur vermag ich nicht dir zu trotzen?! Nathanael, mein Freund, jene Zeit werd ich auf dem Sterbebett beklagen! Solls denn in der Tat so sein, dass ich mein kürzlich Leben so unbedacht verschwende?!

Mein Gemüt einst so ausgeglichen und klar, nun fast gänzlich trüb. Nun wieder zwingts mich, Euch mein Freund warten zu lassen. Denn meine grässlich, ja hässlich und kränklich Haut giert nach Lotion!

Ölig, wie eine Ölsardine meld ich mich zurück – und auch fast so tot…
Ich führe ein aussichtsloses Leben und eine Gier meines Innern will’s beenden. Doch da ist was anderes, tief, so tief in der tiefsten Höhle meiner Seele, dort wo Fledermäuse an den Füssen von der Decke hängen, dieses Etwas hält mein verdürstet Sein zurück! O mein Freund, wieso kann ich diese Misere des stetigen Verfalls, ja Zerfallens nicht mit unerträglicher Leichtigkeit beenden?! Freu ich mich meines Lebens zu sehr? Oder bin ich von feiger Natur? Tendieren tut’s mich Letzterem…

Überall ist Bitterkeit, Verzweiflung und der Tod. Not und totes Fleisch - … In meinen jungen Jahren, dennoch so verbittert wie ein alter Tattergreis. So verderbt und bitter. Es ist so bitter, mein Herz so bitter und ich mag es, weil es bitter ist…

Hoffte heute auf eine Lieferung meiner Bestellungen. Doch nichts geschah, wollte eintreffen. Ersätzlichst hin ein Brief Deiner Gestalt! O, welch Freudgefühl kam in mir hoch! Anfänglich las sich schwer Dein Wortgebild. Eure Hand war ins Unerkennbare abgedriftet.

O, Freund, werde morgen wieder dem gewohnten Gang nachgehen. Zur Arbeit pilgern. Woher der Wandel? Ich bin gestärkt. Stark sein und über die Schwachen spotten. Hohn und Schande über sie! So solls denn sein.

Mein arm verkümmert Freund, nur zu gut weiss ich um Euren Schmerz, Euer Leid, Euren Kummer! Geht’s mir doch zu oft so!

Ich bin verdammt auf Ewig abhängig zu sein. O meine frigide Seele komm und eile herbei. Brauche Dich in meiner Not! Es ist eine stinkende Welt!!!
HASS auf meine Gefühle und Emotionen! Ich durchschreite eine Hölle, wie nur Ihr sie kennt.

Nathanael, Freund, ein Treffen schlag ich vor am Wochenende. Am Nachmittag am Sonntag? Nicht draussen umherwandern, wie wir dies so oft getan, zu kalt ist die Kälte. Kommt zu mir, ich bin daheim.

Aussprechen, Reden, einander gegenseitig neuen Lebensmut einhauchen!
Kommt und besucht mich. Denn ohnehin ist alles übel! Und Übel ist alles!

Es grüsst Euch Euer Blutsbruder
Lothar aus dem sumpfigen Hopes End, dem Höllenpfuhl.

Nun denn, gut Nacht.

© Navi M.

Mittwoch, 1. Dezember 2004

Wolf


1. Dezember 2004

Ich schleiche umher, geschwächt, kränklich, vor Hunger, aus Not.
Hab ich doch seit Tagen nichts mehr gegessen. Seit Tagen, seit dem die Jäger wieder durch die Wälder streifen und alles erlegen, was vier Beine hat.
Lang ists her, da sah ich auf einer grossen Weide, eingezäunt, Schafe. Viele Schafe. Es tat mir Leid, doch ich hatte solchen Hunger, dass ich eines fressen wollte. Stürzte mich auf ein junges Schäfchen, biss ihm das Genick entzwei auf dass es nicht mehr merkte. Genüsslich verzehrend den Leichnam des Schafs ertönte ein Schuss. Nicht Der Schuss des Jägers sondern des Hirten. Fast zeitgleich verspürte ich einen pochenden Schmerz an meinem Bein. Das Blei seiner Kugel hatte mich durchbohrt. Mich getroffen. Mühsam und unter grossen Schmerzen jage ich davon, denn er wollte mich töten, dessen bin ich mir gewiss.
Hinter mir her donnernd eine weitere Kugel, mich verfehlend.

Die Wunde ist verheilt. Die Narbe blieb zurück. Aus Wunden werden Narben, und Narben bleiben hässlich. Nicht am Äusseren ists, dass  man sie hässlich misst. Hässlich sind einzig die Erinnerungen an deren Entstehung. Den Moment, in dem die Kugel mein Fleisch zerfetzte ...
Hungernd seit Tagen, nichts zu essen, durch die Wälder streifend auf der Suche. So lange Zeit  ohne Essen, dass ich fast gänzlich geschwächt bin.
Ich rieche, ich rieche Fleisch! Kann es denn wirklich sein? Fleisch? Nach all den Tagen des Hungerns... Spielt mir mein Verstand denn einen hinterlistgen Streich? Was solls.
Ich gehe dem Geruch nach. Beinahe wahnsinnig vor Hunger.
Komme in das kleine Dorf und sehe ein Kind. Ein Kind vor einem Mülleimer sitzend Fleisch in seinen Händen haltend. Fleisch! Langsam schleiche ich mich zu ihm hin. Keiner sieht mich.
~Noch eine Kugel würde ich jetzt nicht überleben~Ich habe lange Hunger gelitten. ZU lange. So lange, dass ich fast zu schwach bin, meine Zähne in das Fleisch zu bohren. Doch ich schaffe es. Gierig kaue, ja verschlinge, was ich abgebissen. Nicht nur das Fleisch in des Kindes Händen, sondern diese gleich mit. Ich mache mich über das kreischende Kind her. Zerbeisse seine Halsschlagader auf dass es nichts mehr spürt. Durch des Kindes Geschrei eilen Eltern herbei. Geschrei wird erhoben. Geschrei! Geschrei um ein Gewehr! Um ein Gewehr die Bestie zu töten! Die Bestie zu töten ehe sie das Kind verschlingt!
Zu spät, gesättigt renne ich davon. Zurück in den Schutz des Waldes. Habe ein Dorf gefunden. Ein Dorf mit vielen Kindern. Viel lebendiges Fleisch zum Fressen.
Ich bin der Wolf, der eure Kinder frisst...

© Navi M.

schlampig


1. Dezember 2004

Die Stadt liegt noch im Dunkel. Dunkel. Früher hätte diese Bezeichnung wohl noch gepasst. Doch durch die vielen Strassenlaternen und die weihnachtlichen Dekorationen an allen Fenstern und über den Strassen war es richtig hell. Nebel lag über den Strassen, durchbrochen vom Scheinwerferlicht eines haltenden Buses. Die Türen gingen auf. Inmitten einer Menschenmenge war auch sie. Sylvana Borger.
Der Anfangs feine Nieselregen wurde schliesslich ein kräftiger Regenschauer. Bis Sylvana an ihrem Arbeitsplatz, wo sie eine Ausbildung im Detailhandel absolvierte, ankam, war sie vom Regen durchnässt. In letzter Zeit schien sie wie vom Pech verfolgt. Alles schien sich gegen sie verschworen zu haben. Sogar ihre Arbeitskolleginnen. Einzig die Chefin hielt zu ihr; Nur Gott allein weiss wieso.
Sylvana erschien regelmässig 5-10 Minuten zu spät im Geschäft. Sie konnte sich das erlauben, denn die Chefin sagte nichts. Wenn alle anderen 15 Minuten Pause machten, machte Sylvana 25. Sie war auch diejenige, die immer zu früh Mittagspause machte, und zu spät zurückkam. Die Stimmung im Team war dementsprechend mies. Keiner konnte Sylvana mehr leiden. Sie konnte sich alles erlauben...
Sylvana war im 2. Lehrjahr und somit verantwortlich für die Müllpressanlage. Diese war eine schwerer grosser Kasten, der den Müll presste und sich im Untergrund des Gebäudes befand. Da die Maschine schon einige Jahre auf dem Buckel hatte, musste man den Müll jeden Tag einmal pressen. Mit mehr wäre die Maschine nicht mehr fertig geworden.
Papier und Karton wurden separat in einen grossen Müllcontainer entsorgt.
Nicole, die im 1. Lehrjahr war, hatte die Aufgabe den Müll zu trennen. Sylvana musste ihn dann lediglich in die Anlage, resp. den Container werfen.
Natürlich erledigte sie auch diese Arbeit sehr schlampig, wie all die anderen Aufgaben:
An der Kasse liess sie stets die Quittungen herumliegen, stempelte die Gutscheine nicht, räumte keine Kleider ein, ja nicht mal die Klospülung betätigte sie - geschweige denn die Hände zu waschen. Sylvana war ein wirklich fauler Mensch! Die anderen mussten ständig hinter ihr aufräumen, ihre Fehler ausbügeln und sich wegen ihrem Verhalten bei den Kunden entschuldigen.
Sylvana bestand auch darauf, dass die im 1. Lehrjahr den Müll entsorgen sollte. Damit kam sie aber nie durch.
An diesem Tag stapelte sich der Müll bereits wieder. Seit zwei Tagen hatte sie ihn nicht entsorgt. Sie hatte keine Lust dazu. Da die Chefin es ihr an diesem ausdrücklich befahl, machte sie sich auf zur Luke der Müllpresse um den Müll hineinzuwerfen.
Es war viel zu viel, als die alte laute Maschine das hätte bewältigen können. Nach lautem Quietschen und Knarren setzten sich die beiden Wände in Bewegung und versuchten den Müll zu zerdrücken. Dann, setzte sie aus. Nichts funktionierte mehr. Nichts überlegend kletterte Sylvana in den Müllschacht um die Säcke wieder hinauf zu nehmen und es mit weniger zu versuchen. Sie zerrte an den Säcken und hievte diese mühsam nach Oben. Als sie etwa die Hälfte der Säcke wieder draussen hatte, ging das Quietschen und Knarren erneut los, worauf sich die Wände aufeinander zu bewegten. Sylvana wollte so schnell wie nur möglich aus der Müllpresse rausklettern, doch dies gelang ihr nicht.
Kurz bevor es zu spät war schaffte sie es, blieb jedoch mit den Stoffbändern ihrer Hose irgendwo hängen. Wohl wissend, dass, sollte sie die Bänder nicht los bekommen, ihr Bein zu Brei zerquetscht würde, zerrte sie daran. Die Wände kamen immer näher. In panischer Hektik oder hektischer Panik zerrte sie weiter und weiter. Die Wände kamen immer näher.
Dann geschah es! Um haaresbreite hatte sie es geschafft. Ihr Bein war draussen, ehe die Wände zusammenstiessen.
Als sie sich wieder voneinander weg bewegten, griff Sylvana nach den nächsten Säcken und warf sie in den Schacht. Aber diesmal nur noch 4 auf einmal. Unter gar keinen Umständen hätte sie nochmals da in diesen Schacht runter steigen wollen. Schon gar nicht nach dieser Erfahrung von vorhin.
Hinter Sylvana lagen noch 3 Müllsäcke. Einen nach dem anderen packte sie und wünschte ihnen einen guten Flug. Die Wände der Müllpresse bewegte sich wieder aufeinander zu. Sylvana beugte sich hervor um dem Spektakel nochmals zu zuschauen. Dann verlor sie das Gleichgewicht durch einen Stoss in die Kniekehlen. Sylvana ruderte verzweifelt mit den Armen, doch das half nichts. Sie stürzte in die Müllpresse und wurde samt Müllsäcken zu einer breiigen Masse zusammengedrückt.

Den Stoss in die Kniekehlen erhielt sie nicht etwa von einer gehässigen und rachsüchtigen Arbeitskollegin. Nein. Sondern durch den Kartonstapel, der sich durch das Rattern der Maschine gelöst und von dem Wagen gerutscht war.
Hätte Sylvana ihre Sache richtig gemacht und den Müll jeden Tag entsorgt, wäre das nicht passiert und sie wäre wohl noch am Leben.

Jeder Mensch wusste, dass man sich nicht direkt vor die Öffnung stellt. Zu hoch ist das Risiko in die Presse zu fallen...
 


© Navi M.

Dienstag, 16. November 2004

Familienvater

26. November 2004


Obwohl Sonntag ist, sitzt er in seinem Büro. Schon ganz früh am Morgen war er aufgestanden um für seine Familie frische Brötchen zu holen und anschliessend gleich ins Büro zu hetzen.
Es kam oft vor, dass der Vater am Sonntag nicht daheim war. Aber böse war ihm niemand deswegen. Seine Familie hatte ihn sehr lieb.

Fast wäre er eingenickt. Er brauchte Schlaf. In den letzen Wochen hatte er kaum geschlafen und war gezwungen, dies alsbald nachzuholen. Mal wieder richtig lange und ausgiebig zu schlafen. Nein, er darf nicht schlafen. Muss noch diese Präsentation fertig stellen. Mit einem weiteren Becher Kaffee wird es schon gehen. Koffein hält ihn schon seit Jahren auf Trab.

Der Regen schlägt unnachgiebig an die Scheibe seines Büros. Immer diese Unwetter!


Um 15:30 Uhr hat er seine Arbeit beendet und gespeichert. Nun noch den Computer herunterfahren und das Licht löschen. Das Büro muss er auch noch abschliessen. Und immer dieser Regen!
Immerhin steht sein Auto direkt vor dem Ausgang. Er wird von ein paar Regentropfen getroffen. Sie hinterlassen hellgraue Spuren auf seinem weissen Hemd. Glänzende Kugeln bleiben auf seiner Jacke zurück.
Nun aber nichts wie nach hause!

Immer noch herrscht starker Regen...

Die Autobahn ist wirklich verdammt nass. Aquaplaning. Die Scheibenwischer werden heute wieder gefordert. Sie arbeiten und arbeiten, haben keine Pause um mal wieder Luft holen zu können. Sie geben ihr Bestes, kommen aber einfach nicht gegen das Heer des Wassers an.

Diese verdammten Raser! Gehören alle weggesperrt! Krepierst hoffentlich, du verdammter Idiot!

Zwei dunkle Klappen fallen zu. Von oben nach unten. Schon wieder auf die Augen. Die Lieder sind so schwer, wollen schon wieder zufallen. Schlafen. Wie gerne würde er jetzt einfach schlafen. Sich hinlegen und einen Ausflug ins Schlummerland unternehmen. Das Schlummerland mit seinen vielen Attraktionen. Dort kann sogar eine Kuh fliegen. Man kann auf Wolken gehen.

Eine Hupe! Die Augen weit aufgerissen. Reflex und mit dem Fuss auf die Bremse getreten. Wasser! Das Auto kommt ins Schleudern, knallt in die anderen, die vor ihm im Stau stehen. Zu viele Geräusche, als dass man aller Herkunft hätte ausmachen können. Ein stechender Schmerz im Gesicht. Regen tropft in die tiefen Wunden. Die Scheibe ist hin. Blut. Überall ist Blut. Sein Blut. Der Wagen überschlägt sich. Metallteile werden eingedrückt. Teile werden durch die Luft geschleudert. Der Wagen kommt auf der Nebenspur zum stehen.

Wieder eine Hupe. Eine mächtige aber. Er öffnet die Augen und sieht grade noch den LKW, der auf ihn zu gebremst kommt. Metall wird zerbeult. Etwas bohrt sich in seinen Bauch. Beine hat er längst nur noch bis zu den Knien. Füsse und Unterschenkel sind bereits zu einer breiigen Masse zerdrückt worden. Blut spritzt aus seinem Mund. Das Lenkrad hat seinen Brustkasten zerdrückt. Die Luft wird knapp.
Eingeklemmt zwischen irgendwelchen Teilen sieht man seine Hand. Die Finger gebrochen. Der Nagel des Zeigefingers schaut aufrecht nach Oben. Ein Glassplitter hat sich zwischen ihn und das Nagelbett geschoben. Blut. Überall Blut. Sein Blut.
Es vermischt sich mit dem Regen und verteilt sich auf der gesamten Fahrbahn.

Zu hause läuft der Fernseher. Die Kinder und die Frau schauen sich einen Actionfilm an, welchen er ihnen am Samstag mitgebracht hatte. Ein Auto überschlägt sich. Die Insassen sterben. Der Sohn jubelt voller Freude über den Schrotthaufen, der vorhin noch ein Auto war. Die Töchter wissen nicht recht, ob ihnen das nun gefällt oder nicht. Mutter greift in die Schüssel mit dem Popcorn und schaut auf die Uhr. Er ist noch immer nicht da. Wann nimmt er denn endlich mal seine Ferien? Er muss sich mal ausruhen. Sein Job bringt ihn noch mal um!

Sirenen des Krankenwagens, der Polizei und der Feuerwehr sind zu hören. Der LKW-Fahrer steht vor dem PW. Hat einen Schock.

Die Feuerwehrmänner schneiden ihn aus dem Fahrzeug raus. Einer hebt ihn an. Er will ihn rausziehen. Ein Widerstand. Der Feuerwehrmann zieht heftiger und verliert das Gleichgewicht, als der Körper nachgibt. Auf dem Rücken auf der Strasse liegend, hält der Mann einen Oberkörper. Abgetrennt.
Seine Innereien ziehen eine Linie. Liegen auf dem Feuerwehrmann, auf der Strasse und im Wagen. Und überall ist Blut. Sein Blut. Sein Fleisch.
Er merkt nichts davon. Denn er ist tot.

Er hinterlässt eine Frau und drei Kinder…

© Navi M.

Dienstag, 9. November 2004

Geldfälscher


An einem ruhigen Morgen. Der Laden ist fast menschenleer. Einzig in der hinteren Ecke bei der EDV tummeln sich zwei Jugendliche, die sich nicht entscheiden können. Wir sind alle gut gelaunt, was sehr selten ist in jenem Betrieb. Reden miteinander und stehen uns die Beine in den Bauch weil einfach nichts zu tun ist. Der Himmel strahlt in hellem Blau und bauschige Wolken tummeln sich in ihm. Sonnenstrahlen erhellen das ganze Schauspiel und muten einen vollkommenen Tag an. Nicht das wir den Tag gesehen hätten. Der Laden liegt in einer Ecke des Centers, der keinen Kontakt zur Aussenwelt zulässt. Das einzige Fenster ist im Büro und selbst dieses zeigt in einen Schacht. Ob Tag oder Nacht, ob Regen oder Sonnenschein, wir hatten nie einen Schimmer davon, wie es draussen aussah.
Da verzogen sich die bauschigen weissen Wolken und der Himmel wurde finster und trüb. Gewitterwolken zogen auf. Denn einer der begehrtesten Kunden kommt stampfend in den Laden. Top geschalt und immer unfreundlich. Ob er überhaupt in der Lage ist zu lächeln? Keiner weiss es. Dies ist eine Frage, die wohl immer unbeantwortet bleiben wird. Genau so wie die Fragen über das Bermudadreieck, Nebellichter und schwarze Löcher. Alle kennen ihn, ich nicht. Daher sind plötzlich alle mit Aufräumen beschäftigt. Er wuchtet sich und seinen Bierbauch, der mindestens 20cm über den Hosenbund ragt in meine Richtung. Abhauen kann ich nicht mehr, da das Monstrum bereits Augenkontakt mit mir aufgenommen hat. Ist man soweit gegangen, gibts kein Zurück mehr. Man ist hilflos ausgeliefert. Wie dem auch sei. Er kommt dampfend, wie eine Dampfwalze zu mir herübergerollt und fragt in überheblichem Ton: "Haben Sie das Buch von Pascal Mercier?" (Betonung auf DAS Buch. Da zu der Zeit der "Nachtzug nach Lissabon" in aller Munde und auch auf der Bestsellerliste war, geht jeder Mensch davon aus, dass auch dieser Titel gesucht wird.) "Meinen Sie den Nachtzug nach Lissabon?" "Er wird wohl noch andere Werke verfasst haben! Oder haben Sie nur das hier?!" Freundlich, wie ich bin, zeige ich ihm die anderen Werke Merciers. Er braucht mich nicht mehr und ich gehe zurück zur Kasse, wo S und S mir zulächeln. Aha, fertig mit Aufräumen? Gut. Herr Dr. Dampfwalze rollt zur Kasse, zu S. Legt ihr einen Stapel Bücher hin und will mit einem 1000-Franken-Schein bezahlen. Er zückt dieses putzige und exakt einmal genau in der Mitte gefaltete Scheinchen und streckt es S hin. Diese "Wir nehmen keine 1000er an." In dem Moment kann man bei genauem Hinsehen erkennen, wie sich eine Ader des Zorns auf der makellosen Stirn abdrückt. Die Gesichtsfarbe von einem gesunden hellen Beige weicht in ein oranges Rot. Ein herrlicher Farbverlauf. Wirklich! Auf den Farbverlauf, welchen die wütenden Dampfwalze nicht mitbekommen hat folgt ein heftiger Wortwechsel: "Wie bitte?! Das ist auch Geld!" Worauf sie: "Sie könnte gefälscht sein." Ich glaube mich verhört zu haben. Gehts der noch gut?! Na ja, wir können auf eine entsprechende Reaktion gefasst sein. Wieso gibts hier eigentlich keinen Sessel? Sessel und Popcorn wären jetzt grad recht!
"Was?! Was erlauben Sie sich! Ich und ein Geldfälscher! Na warten sie! sie... - wissen sie was? Behalten sie ihre Bücher." Somit macht er auf dem Absatz kehrt und verlässt fluchend den Laden: "Mit schweizer Geld kann man heut zu Tage nicht mal mehr in der Schweiz bezahlen! Das ist auch Geld! Ich ein Geldfälscher!" Bravo S, der kommt bestimmt so schnell nicht wieder. Es fehlten nur noch die Worte, Sie hören von meinem Anwalt!

Donnerstag, 16. September 2004

Fett wie das Leben und zweimal so hässlich



16. September 2004


Ein Mann von edlem Hause, der seinen Wohlstand durch sein Äusseres zum Ausdruck bringt. Geizig, egoistisch, kümmert sich einen Dreck um die anderen. Die Armen. Jene, die nicht mal annährend so viel haben, wie er selbst. Auf der einen Seite, die reichen mit ihren Festen, prunkvoll und überladen, wie das Tachmahal. Daneben das krasse Gegenstück. Die Armen, die verhungern. Daher mein Titel „Fett wie das Leben und zweimal so hässlich“ wie es. Hässlich gleich der Grausamkeit der Spezies Mensch mit Seinesgleichen. Doch im Schatten lauert immer der Tod. Die ganzen Hirnwindungen kreisen um diesen Gedanken:
Sterben muss jeder irgendwann.

Auch sehe ich darin den stetigen Wandel. Den langsamen Verfall, der bei der Geburt einsetzt und vermutlich erst dann aufhört, wenn der Tod einsetzt. Erst dann, wenn Gevatter Tod sich Deiner bemächtigt.

Das Bild eines jungen Mannes, daneben ein halb verwester Leichnam. Abgesehen vom Gesicht fast gänzlich verrottet. Von Würmern zerfressen. Ein zerfressner Leichnam.
Oh ja, ist denn nicht die Welt auch einer? Ein zerfetzter Leichnam? Meine ist es. Und dies nur wegen dem Giftmüll. Giftmüll. So masse ich mir an, die Menschheit zu nennen. Er modert, tötet, schlachtet, metzelt, zerstört und kommt damit auch noch durch. Macht sich aber in die Hose, wenn sich unsere Mutter Natur mal zur Wehr setzt. Zu viele Tote gibt es dann zu beklagen. Die Götter werden aus Verzweiflung verflucht. Zu unrecht. Denn es ist Eigenverschulden.

Mit einem Herzen, welches sich voll herbstmelancholischer Freude in ein schwärzeres Schwarz verfärbt, schrieb ich diesen Text.

Und am Ende wartet auf jeden und alles, kein Geringerer als Gefatter Tod.



© Navi M.

Dienstag, 13. April 2004

McDonald's im ICN

Es geschah im Jahr 2004...

Wo soll das alles noch hinführen?!
Sitzt man im ICN von Winterthur nach Olten. Mit dabei, im überfüllten Zug, eine indische Familie. Das ohnehin schon fette Kind schreit und brüllt und heult. Mama holt schnell diese uns allen bekannte braune Tüte hervor, jene mit dem gelben M auf rotem Hintergrund und holt eine Cola und eine Schachtel hervor. Noch immer schreit das fette Kind, welchem eine Schüssel voller Salat besser bekommen würde, wie dieses fetttriefende ungesunde Zeug, welches die gute und ebenfalls fette Mama in den Knaben hinzustopfen beginnt. Obwohl sich nun dieser unangenehme Geruch im ganzen Wagon ausbreitet, ja sich regelrecht in die Sitzbezüge frisst, hat das ganze einen Vorteil: Der fette Knabe schreit nicht mehr. Nein. Manch einer würde sich da glücklich schätzen. Aber nicht jemand, dem Schmatzgeräusche und Ge-ka-utes dermaßen gegen den Strich gehen! Denn der fette Bengel kaut mit offenem Mund, zermantscht diesen ohnehin schon eklig anzuschauenden Burger und schafft es doch irgendwie, nur Gott allein weiss wie, wieder zu schreien! Den Hals könnte ich dir umdrehen! Würde ich vielleicht auch machen, wenn ich nicht in der Angst leben würde, dass du mir dann dein Zerkautes anspucken würdest... Jedenfalls greift die werte Frau Mama, bereit alles zu geben um ihrem Kinde stets zu Hilfe zu kommen, vehement zum Colabecher. Wohlgemerkt: Large! Der fette Junge, im Alter von vielleicht neun Jahren, schafft es doch tatsächlich die Cola zu trinken OHNE dass     sein zermantschter Burger aus dem Mund quillt. Dafür gibts doch immerhin ein BRAVO!!! 

Anmerkung: Nein, der eben erwähnte Geruch ist nicht verflogen, im Gegenteil! Die Fressorgie hat eben erst begonnen: Das fette Kind hat doch tatsächlich diesen BigMac klein gekriegt und macht sich nun, vielleicht aus Angst zu verhungern?, über die große Packung Chicken-Nuggets her. 
Ich verbinde den Geruch so langsam mit dem Nebel in "The Fog- Nebel des Grauens". So furchtbar ist er! Er breitet sich aus. Frisst sich in meine Kleidung, unfähig es zu verhindern sitze ich da und sehe meinem Ende entgegen. Der Geruch hat einen Weg in meine Nase gefunden. Nun ist es aus!
"Nächster Halt, Lenzburg!"
Neeeeeiiiiiiiiin! Sie bleiben sitzen. Entweder weil das noch nicht ihre Station ist oder weil sie ihre Hintern, diese geradezu wuchtigen Hintern, nicht mehr hochkriegen. Wie auch immer, so oder so, mein Elend ist bestehend.
Mit dem Öffnen der Türen hat sich zumindest der üble Geruch etwas verzogen. Heil dir, oh du Sauerstoff! Unverbraucht und klar! Reinheit der Natur! Dir sei Dank!
Mit dem Gedanken, dass es nun nicht mehr schlimmer werden kann schaue ich aus dem Fenster. Eine Stimme: "Ist hier noch frei?" Ein Rentner, der sich ins Abteil neben dem meinigen pflanzt. So viel zum Thema, es kann nicht mehr schlimmer werden! Der MC-Geruch ist nur noch sekundär. Denn geradezu überwältigend ist der Geruch, welcher von diesem "Knochensarg" freigesetzt wird! Ich könnte kotzen. Einfach so auf den Boden kotzen! Wieso duschen die sich nicht mehr? Als ob das nicht schon genug wäre, fängt er an zu röcheln und zu schmatzen, wie die Senioren das so gut können und mich zur Weißglut treiben!
Der ältere Herr verlässt uns in Aarau jedoch. Dem Himmel sei Dank! 
Nun hoffe ich die Strecke bis Olten ohne meine Nase beleidigende Gerüche fortsetzen zu können. Kuhl! Hat geklappt, denn: "Nächster Halt Olten!"
Ich bin frei!!!

Mittwoch, 7. April 2004

Daath Uranos - Der Tod Gottes

- Vorwort - 
Dieser Text war reine Provokation. Ich war damals in meiner Gothic-Phase und ganz klischeehaft angetan von Satan, von der dunklen Seite (der Macht - ja mit hat Imperator Palaptine immer am besten gefallen), von Anton Szandor LaVey (dessen Werke ich noch immer in meiner Bibliothek führe, da seine sarkastischen Worte einfach wunderbar zu lesen sind) und von allem, was irgendwie mit Horror zutun hatte oder andere Menschen schockierte. Ich durfte einen Sargrucksack mein Eigen nennen, welcher für reichlich Gesprächsstoff bei den Einheimischen gesorgt hatte. 
Jedenfalls hatte ich erfahren, dass unser Lehrer, jener für den dieser Aufsatz bestimmt gewesen war, ein Vollchrist sei. Ein Jesusfreak. Ein Zeuge Jehovas. Aus Indiana Jones und der letzte Kreuzzug haben wir gelernt, dass sich Jehova im Lateinischen mit "I" schreibt. Also Zeuge Iehovas. 
Also betrachtete ich es als meine Pflicht, diesen Menschen zu provozieren. Und so lieferte ich eine vor lauter Klischees nur so triefende Erzählung ab, auf die ich auch noch stolz war. 
Nett, dass ich immerhin soviel Grösse besessen hatte, und nicht vom "Nekronomikon" sondern vom "Delomelanicon" geschrieben hatte. 
Meine Informationen hatte ich von einer Website, die Satan huldigte. 




7. April 2004

Tief in einer Welt, wo Gefühle nichtig sind, war er eingesperrt, vor Hass schon völlig blind. Die Rede ist von Haboryin, welcher aus der Unterwelt empor gestiegen kam, die Erde an sich zu reißen...

Nachdem gossen Krieg, der letzen Schlacht, dem Krieg zwischen Himmel und Hölle im Jahre 2666, hatte sich die Erde, so wie wir sie kannten verändert. Die Städte lagen in Schutt und Asche. Die Menschheit war beinahe gänzlich ausgerottet, von den Tieren ganz zu schweigen. Als Schlachtfeld zwischen Himmel und Hölle diente die Erde.  Haboryin und seine Höllenbrut gingen als Sieger hervor. Haboryin, Luzifer, Satanayel oder schlicht und einfach der Teufel, wie er von den Christen bezeichnet wird, war nun Herrscher der Erde. Gott ist tot, so die Gedanken vieler. Doch sie irrten. Denn es gab ihn noch. Haboryin und eine Gruppe rebellischer Menschen wussten um das Geheimnis den endgültigen Tod Gottes herbeizuführen. Das Delomelanicon. In Haut gefallener Engel gebunden und mit Menschenblut geschrieben birgt es die Geheimnisse aller Grimoiren und magischen Systeme. Dieses Wissen in des Teufels Händen oder eines anderen Höllenwesens würde das Aus für Gott und die Menschheit bedeuten. Haboryins Graf der unhimmlischen Engel Halphas hatte die Aufgabe seine Heere in die Erde hinauszuschicken, mit dem Ziel das Delomelanicon zu finden. 

Die noch wenigen Menschen glaubten sich verloren, was sie sicherlich auch gewesen wären, hätte es da nicht Van, Sohn des Valafar, dem Herzog der unhimmlischen Engel, und Velu mate, der Friedhofsmutter, gegeben. Unter den Menschen wurde gemunkelt, dass Van der Auserwählte sein müsse,  der aus der Unterwelt zur Erde gekommen, die Menschheit zu retten. Zweifel und großes Misstrauen  waren berechtigt, denn Van selbst ist ein Wesen der Unterwelt…

Van durchstreifte einen Friedhof, was er immer tat, wenn er seine Mutter sehen wollte. Vor einem großen keltischen Kreuz blieb er stehen und las die in Stein gemeißelten Zeilen: „Gewidmet all denen, die ihr Leben in der Letzen Schlacht ließen“ Es war ein Massengrab. Bei so vielen Menschen war dies die einzige Lösung, denn so viele Gräber wie es Leichen gab, hätte man gar nicht ausheben können. „Mutter?!“ Kaum hatte er ausgesprochen erschien ihm mit einem sanften Windstoss, die Reinkarnation seiner Mutter. „Van mein Sohn, höre mich an: Der Krieg zwischen dem Himmels- und Höllenreich hat viele Opfer gefordert. Die größten Zahlen findest du bei den Menschen, von welchen es nur noch wenige gibt. Einige Rebellen, die in der Letzten Schlacht gekämpft haben um ihren Planeten und einige verängstigte, die zufälligerweise noch am Leben sind. Van, diese Menschen haben alles verloren. Ihre Familien, ihre Freunde, ihre Heimat. Alles. Die Zahl der Rebellen sinkt von Tag zu Tag. Du weißt um die Macht des Delomelanicon und auch wo es sich befindet. Und genau dies ist wichtig! Haboryin weiß nicht um den Ort, wo es sich befindet. Van, es ist an dir die Erde zu retten und Haboryin dahin zurückzuschicken wo er hingehört! Ich weiß, dass es schwierig ist. Zumal Valafar dein Vater ist, und diese Tat Hochverrat bedeuten würde. Du würdest deinen Vater und sämtliche Dämonenwesen kränken und in so eine Rage versetzen, dass es ihnen egal wäre wer du bist und du einen elendigen Tod sterben würdest. Den Anfang würden deine Qualen am Vaitarane machen, dem Fluss auf dem Weg der Verdammten zur Hölle, der Urin, Eiter und Blut anstelle von Wasser führt. Was danach auf dich zukommen würde, will ich mir gar nicht vorstellen. Van, du bist der Einzige, der diese Macht besitzt. Du weißt um die Geheimnisse Narakas, unserer Heimat. Es tut mir weh, dich meinen einzigen Sohn mit dieser Aufgabe in den Kampf gegen Luzifer zu schicken. Van, es liegt nun an dir. Wirst du dich den Gefahren stellen und dem Bösen entsagen?“ Van saß mittlerweile neben dem Keltenkreuz. Ungläubig starrte er seine Mutter an. Er konnte nicht fassen, dass all die Geschichten, die von einem Auserwählten der Hölle erzählen, nun wahr werden würden und ER dieser jenige sein würde. „Mutter…ich …ich…ich kann nicht…ich …“ „Van, auch ich könnte auf Gottes Herrschaft verzichten. Aber was ist die Erde ohne die Menschen? Luzifer sieht das nicht. Wenn alle Menschen tot sind, wo bleibt dann meine Aufgabe? Ich bin Totenwächterin werde dann aber keine Toten mehr haben. Was ist mit Hananel, Pan, Grendel und all den anderen Dämonenwesen? Sie alle würden ihre Aufgaben verlieren und am Ende bliebe uns nur noch einander gegenseitig zu bekämpfen und zu töten. Wir würden uns auslöschen und jegliche Form von Leben mit dazu. Und am Ende gäbe es nichts mehr, außer ein paar Wenigen, die überlebt haben würden. Überlebt nur um sich dem Tod entgegen zu sehnen.“ Van nickte seiner Mutter zu und machte sich auf den Weg zu dem Ort wo vor einigen Jahren noch die Schweiz war. Er ging ein Bündnis mit den Rebellen ein, welche ihm auf der Suche nach dem Delomelanicon eine große Hilfe waren. Einige der Rebellen trauten dem Sohn des Dämonen nicht über den Weg andere schlossen Freundschaft mit ihm und waren gewillt für ihn zu sterben. 

Der Weg ins einstige Bern war ein Leichtes. Denn erst kurz davor wurden sie von Basasael, dem 13. der Gefallenen Engel entdeckt. In Naraka, dem Höllenreich gab es ein riesengroßes Aufsehen, da Van sich mit dem Feind verbündet hatte. Valafar war gewillt seinen Sohn zu quälen und zu töten, wie sie es für gewöhnlich mit den Engeln des Himmelreiches zu machen pflegten. Haboryin hatte nun den Anhaltspunkt, dass das Delomelanicon irgendwo im einstigen Bern sein musste. Sofort schickte er sämtliche Dämonen- und Höllenwesen dorthin, was für Van und die Rebellen höchste Gefahr zu bedeuten hatte. Denn was kann ein Mensch gegen einen Dämon ausrichten? Und mit wie vielen Dämonen würde ein Einzelner fertig werden? 

Vor den Ruinen der Landesbibliothek, in deren Innern sich das Delomelanicon befindet, wurden sie aufgehalten. Haboryin wusste nun wo das Delomelanicon war. Also konnte er den Befehl geben, die Rebellen töten zu lassen. Was er auch tat. 

Aus dem Nichts tauchten plötzlich die 3 Höllenhunde auf, welche sich sofort auf die Menschen stürzten. Van entkam mit einigen Rebellen in die Ruinen der Landesbibliothek. Er stieg immer weiter nach unten, die Menschen mit ihm. Zu unterst angekommen, schauten sie sich kurz um. Schon kam Hefaido Hen, geflügelter Götterkönig der Unterwelt, in höllischem Tempo angebraust. Die Rebellen waren ihm egal. Seine 3 glühend roten Augen waren ausschließlich auf Van gerichtet. Hefaido Hen ging zum Angriff über. Ehe Van abwehren konnte, kam schon Satael, einer der 200 gefallenen Engel, der es ebenfalls auf Van abgesehen hatte. Die Rebellen schossen mit Pfeil und Bogen und Gewehren und verteidigten sich mit Schwertern. Grendel, ein dämonisches Moorungeheuer, welches sich von Menschenfleisch ernährt, nahm sich ihrer an. Flink wie er ist, nagte er sich von einem Menschen zum anderen ohne verletzt zu werden. 

Van lag am Boden. In seinem Bauch klaffte eine große Fleischwunde. Hefaido Hen hatte mit seinen Klauen begonnen, Stücke aus Van zu reißen. Trotz entsetzlicher Schmerzen gelang es Van zum Dolch zu greifen und ihn in Hefaido Hens Auge zu stoßen, worauf dieser schrille und gleichzeitig krächzende Schreie ausstoßend die Flucht ergriff. Satael und Grendel gingen nun auf Van zu. Er wusste, dass dies wohl das Ende sein würde. In jener scheinbar ausweglosen Situation erschien auf einmal Babel, einer der heiligen 12 Engel. Er kam Van zu Hilfe damit dieser weiter in die Gemäuer der Bibliothek vordringen konnte um das Delomelanicon zu finden. Aus seiner Wunde rann Blut. Rotes Blut, was für einen Dämonen untypisch ist.  In einem der unzähligen Korridore stieß er auf eine Menge alter Bücher. Er wusste, dass da das Delomelanicon sein musste. Hinter sich hörte er schlurfende Schritte, wie es nur Grendel sein konnte. Umso mehr Grund für Van sich zu beeilen. Von Regal zu Regal arbeitete er sich vor und fand es schließlich in einem der hintersten Regale. Das Delomelanicon! Als Grendel, welcher inzwischen dicht bei ihm stand, das Delomelanicon sah, wich er voller Demut und einer Spur Angst zurück.

„Ateh! Malkuth! Ve-Geburah! Ve-Gedulah! Leolam! Amen!!!“ schrie Van die Formel, welche das Buch veranlasste, sich zu öffnen. Mit dem Öffnen des Buches war ein Donnergrollen zu hören. Violette und rote Blitze schossen umher. Windstürme wirbelten Bücher durch die Räume. Ein Getose gleich der Apokalypse… 

Sämtliche Dämonenwesen ergriffen in dem Getose die Flucht. Konnte es wirklich sein? Hatte er es wirklich geschafft? Hatte er das Böse besiegt? Denn die grauen Wolken welche seit der Letzten Schlacht den Himmel der Erde behangen hatten verzogen sich und strahlend blauer Himmel kam zum Vorschein. 

Alle Menschen, etwa 500 kamen im einstigen Bern zusammen um den vermeintlichen Helden zu feiern. 

Der Rest der Menschheit wurde im Krieg ausgelöscht. Man lebte auch in dem Glauben, die Dämonenwesen mit samt der Hölle wären vernichtet worden. 

Gott offenbarte Van sein Gesicht und zeigte seine Dankbarkeit, in dem er der Menschheit noch eine Chance gab. Aber sie sollten die Erde diesmal mit mehr Bedacht nutzen. 

Und am ersten Tag schuf Gott klaren Himmel und eine Erde, so wie sie vorher war und er sah, dass es gut war…

Tief im Höllenreich hörte man Haboryin schreien: „Daath – Uranos!!!!!“ Und so geschah es. Und Satan sah, dass es gut war…

© Navi M.

Montag, 8. März 2004

Das Bettelweib von Locarno


8. März 2004
- Eine Zusammenfassung -

Vor langer Zeit stand bei Locarno ein Schloss, in welchem ein betagtes Bettelweib, von der Hausfrau eingelassen, dem Marchesen gezwungen, sich trotz ihrer schlechten Verfassung, hinter den Ofen zu begeben, wobei sie stürzte und verstarb.
Etliche Jahre danach fanden sich Gäste im Schlosse ein, die einen Spuk erlebt zu haben glaubten. Der Marchese wollte der Sache nachgehen und fand sich samt Frau und Hund im Gästezimmer ein.
Um Mitternacht schrak der Hund auf und wich dem Unsichtbaren.
Bevor sie das Anwesen verlassen konnten, brannte das Schloss, von dem Marchesen entflammt, lichterloh. Noch heute liegen an des Bettelweibes Stelle, des Marchesen verbrannte Knochen in jener einstigen Zimmerecke.

© Navi M.

Dienstag, 13. Mai 2003

Entlang den Bahngleisen


 2003



Heut ist ein Schultag und wir ahnen nichts von dem Grauen, das noch folgen mag...

Auf dem Heimweg, wir sitzen im Zug, ich schaue aus dem Fenster und überlege mir, ob ich wohl den Gleisen entlang nach hause gehen soll – von Winterthur nach Olten. Sanfte Regentropfen, die an das Fenster prasseln holen mich aus meinen Gedanken. Das nächste woran ich mich erinnere ist, dass Kyra und ich den Bahngleisen entlang gehen. Kyra. Kyra hat braunes, lockiges Haar, welches ihr bis zu den Schultern reicht. Auch ihre Augen sind braun. Ihr blaues Sweatshirt ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Das merkwürdige daran ist, ich kenne diese Kyra nicht. Wenn ich jetzt daran zurückdenke, so habe ich keine Ahnung wer dieses Mädchen war. Da schien sie meine beste Freundin zu sein. Ich fühlte, dass sie es war. Aber ich kenne dieses Mädchen nicht.
Wir gehen zwischen den Gleisen her und drehen uns abermals um, um zu sehen ob ein Zug angerollt kommt. Aber kein Zug weit und breit. Bis zu einem Bahnhof, welcher dem Zürcher Stadelhofen gleicht, denn dort rollt als einzige eine S-12 nach Brugg geräuschlos an uns vorbei. Heute frage ich mich, warum ich das nicht suspekt fand.
Neben den Bahngleisen sehen wir ein grosses Rohr aus Beton liegen. Es führt einen Hang hinunter,  zu einem alten Fabrikgebäude. Einem Labyrinth aus leer stehenden Lagerhallen. Wir überquerten die Gleise ohne auf etwaige Züge zu achten und rannten zu dem Betonrohr, kletterten hinunter zu den Lagerhallen.
Jene Hallen waren gross und lang aber nicht sehr breit. Hohe Wände aus Beton und ganz oben unter dem Dach eine Reihe mit kleinen Fenstern. Der Tag ging binnen weniger Sekunden in Nacht über. Kyra war nun nicht mehr bei mir. Es war James, eine Freundin aus der Schule, die nun an meiner Seite in jener düstren Baute stand. Wir schauten uns um. Es war unheimlich und dennoch gingen wir weiter, immer tiefer in das Gebäude rein. Eine Sirene ertönte, rote Lichter drehten sich wie verrückt im Kreise. Ein Alarm ging los. James und ich rannten davon. Aus einem oder gar mehreren Lautsprechern ertönte eine mechanische Stimme die folgenden Befehl sprach: Gehen Sie nicht weiter. Bleiben Sie sofort stehen! Das ist ein Befehl!  Ich drehte mich um und hörte wie der Lautsprecher diese Durchsage wiederholte. Immer und immer. Wir rannten davon, als wäre der Leibhaftige persönlich hinter uns her, aus diesem Gebäude. Doch wir rannten nicht wie geplant nach draussen sondern ins Innere einer anderen Halle. Wir betraten diese und sahen ganz weit hinten in weiter Ferne eine Lichtschimmer. Den Blick auf dieses Licht gerichtet marschierten wir weiter geradewegs auf diesen Lichtschimmer zu. Es war so dunkel, wie im inneren eines Scheisshauses auf dem Land. Und wieder heulte eine Sirene auf. Dann das rote wild rotierende Licht und schliesslich die Lautsprecherdurchsage. James rannte davon ich ihr zögernd hinter her. Doch als ich der Durchsage zuhörte, glaubte ich zu spinnen. Endgültig verrückt geworden zu sein, denn sie befahl uns nicht stehen zu bleiben sondern gab folgendes von sich: Nicht stehen bleiben. Laufen Sie weg! In wenigen Sekunden wird ein säurehaltiges Gas ausströmen, das sich in ihre Haut fressen wird! Laufen Sie um Ihr Leben! Auch als ich die Durchsage zum zweiten Mal hörte, konnte ich es noch immer nicht richtig fassen, was ich da hörte. Von der Angst gepackt rannte ich, wie ich noch nie zuvor gerannt bin. Raus. Ich wollte nur raus aus dieser verfluchten Halle. Raus und endlich daheim sein.
Als wir aus jener Halle raus kamen, war bereits wieder Tag und hinter uns lag nur eine Lagerhalle. James war verschwunden. An ihrer Stelle war dafür Kyra wieder bei mir. Es war, als ob James nie bei mir gewesen wäre. Kyra rannte und rannte. Sie kletterte die Betonröhre hinauf und ich schrie ihr von Pan besessen hinterher, dass sie auf mich warten solle. Doch als ich diese verdammte Röhre empor geklettert war, war Kyra nicht mehr da. Verschwunden, einfach so weg. Dafür lehnte sich ein blonder Junge lässig an dem Betonrohr und grinste mich an. Kyra sei weg, verkündetet er mir voller Stolz. Ich hätte ihm die Augen auskratzen könne, so wütend war ich. Doch sein Blick wurde ernst und er fügte hinzu, dass ich es ihr gleich tun solle. Es würde mir besser bekommen. Ich ahnte ja nicht, wie Recht er hatte… Dann verschwand er hinter Büschen, welche zuvor noch nicht da gewesen waren. Kyra war weg und der Junge genauso. An James konnte ich mich nicht mal mehr erinnern. Was blieb mir also anderes übrig, als mich allein auf den Heimweg zu begeben? Neben dem Betonrohr waren einzelne Sträucher und dazwischen verlief ein Weg hindurch, welcher vorhin auch noch nicht da war. Der Weg lag inmitten von Sträuchern, welche sich rechts und links des Weges befanden. Die Bahngleise waren etwas weiter weg als vorhin. Und, die Sträucher bedeckten einen Zaun, der es verhinderte, dass man von meinem Standpunkt aus auf die Gleise gelangen konnte. Aber zuvor waren wir ja auch über die Gleise dahin gelangt. Da war kein Zaun. Auch dieser verdammte Weg war noch nicht da gewesen.
Nicht mal zurück hätte ich gekonnt. Hinter mir war ein mächtiger Zaun und Sträucher und Bäume und der Weg zum Bahngleis war ja auch durch einen Zaun und die Sträucher versperrt. Irgendetwas wollte mich auf diesen Weg bringen. Irgendeine Macht. Dessen bin ich mir heute sicher.
Da ich keine andere Option hatte, ausser nochmals zu diesen unheimlichen Lagerhallen hinunter zu steigen oder diesen neuen Weg zu benutzen, wählte ich den neuen Weg. Die Sträucher waren grün und saftig, auch das Gras, das hoch gewachsen war. Die Sonne schien auf mich nieder und ich fühlte mich irgendwie geborgen. Es war ein herrlicher Sommertag, einer wie er im Buche steht. Nicht zu heiss und doch geht ein lauer Wind. Wunderbar!
Wie ich so den Weg entlang ging und den Sommertag am geniessen war, dachte ich zunächst an nichts Böses. Dann rollte eine S-Bahn geräuschlos an mir vorbei. Ich wunderte mich nicht mal darüber, dass die S-Bahn leise an mir vorbei schlich. Es war, als würde ich sie ohne Ton im Fernseher sehen.
Ein bisschen weiter vorne sah ich dann eine rote Bank. Wie ich so war, überlegte ich mir folgendes: „Hm… da könnte ich ja theoretisch übernachten.“ Aber als ich dann diesen Mann sah, der mit einer Sense das Gras schnitt, dachte ich, dass das wohl keine so gute Idee wäre. Obwohl der Mann freundlich aussah und nur am arbeiten war, dachte ich, dass vielleicht ein böser Mensch vorbei kommen könnte, während ich am schlafen war. Ein Mörder, Vergewaltiger oder sonst ein Psychopath. Meine Gedanken bildeten sich weiter aus, ohne dass ich es wollte. Ich dachte daran, ja stellte mir vor, wie ich da am schlafen bin und dieser Mann mit der Sense auf mich zu kommen würde und böse Absichten hatte.
Von meinen Gedanken so angewidert und verängstigt ging ich an der Bank vorbei. Ich wollte nur noch nach hause. Wiederum dachte ich, dass es ein so schöner Tag ist, an dem mir wohl kaum was passieren könne. Bis mir klar wurde, dass ich neben dem Mann mit der Sense die einzige Person war, die sich auf diesem Weg befand. Und schon wurde mir wieder etwas mulmig zumute. Ich ging an dem Mann mit der Sense vorbei. Er lächelte mich freundlich an und ich nickte ihm zu. Irgendetwas an seinem Blick irritierte mich jedoch. Ich drehte mich noch mal um und sah, dass sein Gesicht ein anderes war, als jenes, welches mich gegrüsst hatte. Es sah so böse aus. Ohne mir etwas anmerken zu lassen ging ich weiter. Noch nie war mir so unheimlich. Ich hatte Angst. Aber all diese Gedanken, dass er ein Mörder oder so sein könnte, all diese Gedanken um sein Gesicht. Ich schrieb es meiner Paranoia zu und ignorierte es. Trotzdem musste ich mich noch mal umdrehen und ich sah, dass sein Gesicht keine böse Fratze mehr war. Es sah wieder genau so freundlich aus wie zuvor. „Alles nur Einbildung! Schau dir noch mehr solcher Filme an. Lies noch mehr solcher Bücher… War nur Einbildung. Geh endlich mal zum Psychiater!“, sagte ich zu mir. Ich tat alles als Einbildung ab und schob es meiner Paranoia zu. Ich meine, wie oft kommt es im realen Leben vor, dass sich ein nett aussehender, arbeitender Mann in eine monströse Bestie verwandelt und mich verfolgt um mich umzubringen? Ich sage es euch: Nie! Ausser in Horrorfilmen passiert so was niemandem. Aber genau solche Gedanken hatte ich immer. Zum Beispiel wenn ich am Abend durch die Strassen ging und mir jemand entgegen kam, da dachte ich immer, es wäre ein Mörder, der mich umbringen will. Oder ich konnte nie auf den Dachboden, selbst nicht mal wenn das Licht an war. Ich dachte immer, dass da oben etwas sei. Ein Gespenst, ein Monster, der Typ aus Hellraiser… Oder wenn ich aus dem Keller kam, dann dachte ich auch immer, es würde mich jemand oder etwas verfolgen… Oder dann das berühmte Monster unter dem Bett…
Wie dem auch sei. Ich ging weiter. Bevor der Weg in einen kleinen Feldweg abzweigte, sah ich den Bahnhof von Zürich. Einen davon jedenfalls. Obwohl er so aussah wie der in Winterthur, war es einer von Zürich. Anstelle zum Bahnhof zu gehen und den nächsten Zug zu nehmen ging ich daran vorbei und bog in den Feldweg ein. Daneben lag eine Lagerhalle einfach so auf dem Feld. Das Gebäude passte überhaupt nicht in dieses Bild. Sie war gross und grau. Es sah so aus, als hätte man sie dort mal kurz zwischen gelagert und dann vergessen. Ich machte mir keine Gedanken mehr über die Halle, als ich ein brummendes Geräusch vernahm. Es war mir vertraut, doch konnte ich es nicht zuordnen. Es wurde immer lauter und ich verspürte eine Bedrohung, obwohl ich wusste, dass es ein harmloses Geräusch war. Als ich weiter ging und um die Lagerhalle bog, sah ich einen Mann mit einem roten Rasenmäher. Der Mann sah fast so aus, wie jener von vorhin mit der Sense. Den Rasenmäher kannte ich irgendwo her. Dann fiel mir nur der Name Stephen King ein. Der Rasenmähermann. Der hatte genau so einen Mäher. Mit einem Lächeln im Gesicht ging ich weiter. Ich fand das voll witzig, dass der Typ da genau so einen Rasenmäher hatte. Erst jetzt sah ich, dass nach der Lagerhalle nur noch Felder vor mir lagen. Nichts ausser diesem Weg und weiten Feldern, dahinter mal ein Wald, der gespenstisch aussah und in weiter Ferne lag. Ich tat was jeder andere auch getan hätte. Ich drehte um und ging zurück. Vorbei am Mann mit dem Rasenmäher. Als ich diesen ein Stück hinter mir gelassen hatte, hörte ich, dass der Rasenmäher lauter wurde, sprich er näher kam. Der Mann verfolgte mich. Er kam mit seinem Rasenmäher immer näher und wollte mir damit über die Füsse fahren. Schon mal gesehen, was so ein Mäher mit einem Fuss machen kann?! Ich rannte davon und der Typ jagte hinter mir her. Ich rannte und rannte, hinter mir der lärmende Rasenmäher, der immer näher kam. Ich hoffte dass es nur ein Traum sei und ich bald aufwachen würde. Denkste.
Als ich wieder bei der Verzweigung war, rannte ich nach rechts. Wieso ich nicht nach Links zum Bahnhof gerannt bin ist mir heute noch ein Rätsel. Als ich nicht mehr konnte hielt ich inne und der Typ kam immer näher. Ich versuchte dem Rasenmäher auszuweichen und gleichzeitig ihn dem Typen zu entreissen. Es ging um Leben und Tod. Entweder er oder ich. In meiner Todesangst, ich wurde geradezu von Pan getrieben, gelang es mir schliesslich, den Rasenmäher an mich zu reissen und ihm erstmal über die Füsse zu fahren. Er versuchte immer noch, mir den Mäher zu entreissen. Ich sah keine andere Wahl. Ich war in solch einem Wahn, dass ich nicht mehr klar denken konnte. Ich wollte nur noch eines und zwar diesem Albtraum entkommen. Ich machte ihn fertig. Nahm den Mäher und drückte ihn gegen seinen Bauch. Seine Eingeweide wurden zerkleinert. Blut spritze nur so durch die Luft. Als er am Boden lag ergriff ich meine Chance und machte Gebrauch vom Rasenmäher. Alles war voller Blut. Seine Schreie werden mich wohl noch bis an mein Lebensende verfolgen. Es war ein Gekreische. Die Klingen des Rasenmähers bearbeiteten  seinen ganzen Körper. Das Gesicht den Torso, die Arme, die Beine. Alles. Als er sich nicht mehr regte und wirklich alles voller Blut und Innereien war, schaltete ich den Mäher aus und machte mich davon. Natürlich trieften meine Kleider nur so vor Blut. Aber als ich mich einige Meter entfernt hatte, da waren sie sauber. So als wäre nie etwas passiert. Ich schaute mich um. Es war ein ganz normaler Tag. Ich konnte kein Blut an mir entdecken also begann ich mich zu fragen, ob ich mir das nur eingebildet hatte. Doch dem war nicht so. Denn als ich um das Gebäude bog sah ich ihn. Den massakrierten geschundenen Körper des Typen, den ich eben umgebracht zu haben glaubte. Blut tropfte… es war keine Spur von Haut mehr sichtbar. Seine Augäpfel hingen so im Gesicht… Er kam auf mich zu…

© Navi M.

Samstag, 18. Juli 1998

Die Areuse-Schlucht


Klassenlager in Vaumarcus, 2. Sekundarschule 1998 

Der Dienstagvormittag war sehr anstrengend. Wir mussten sehr früh aus den Federn. Für die meisten von uns war es sehr hart. Na ja, wir quatschten in der Nacht vom Montag auf den Dienstag sehr lange. Einige konnten ca. fünf Stunden - andere gerade mal eine Stunde schlafen. Es war ja auch die Rede von die Nacht durchmachen und so ähnlich.
Aber kommen wir besser wieder zurück zum Dienstag.
Der Grund für die frühe Hetzerei war das, was ich jetzt zu beschreiben versuche. Unser eigentliches Ziel galt der Areuse-Schlucht. Aber noch vor diesem zauberhaften Ort sollten uns grauenvolle Ereignisse bevorstehen... Lange Fußmärsche auf Asphalt oder Naturwegen. Es war grauenvoll. Meine Füße schmerzten zum Teil so schrecklich, dass ich dachte, es ginge dem Ende zu mit meinen armen und so wehrlosen Füßchen. "Oh, welch Tragödie, welch mit Schmerzen verbundenes Schicksal!" 

Wiederum etwas anderes waren die Naturpfade. Man schickte uns sozusagen unbewaffnet und als ahnungslose Opfer in den Dschungel. Auf jeder Seite lauerten Gefahren. Zu meiner Linken ging es steil die Schlucht hinunter, hinab ins mit Steinen durchsetzte Wasser. Zu meiner Rechten jedoch wartete der "Tod". Pflanzen, befallen von tödlichen Kreaturen, auch Zecken genannt. Wenn sich so ein Geschöpf im menschlichen Körper einnistet und man bemerkt dies nicht, so kann man daran zu Grunde gehen.

Wieder ging es steile und teilweise rutschige Steinwege hinunter. Doch glücklicherweise mussten wir nicht lange weitergehen, denn der Rastplatz wartete auf uns. Ein ziemlich feuchter Ort, welcher auch mit kleineren Lebensformen bewohnt war. Steffi und ich fanden auf dem Holztisch eine Leiche vor. Der Autopsiebericht (von mir festgestellt) ergab, dass das "Knuddelwürmchen" eines natürlichen Todes gestorben war. Tod durch austrocknen. Nach einer geraumen Zeit ging es weiter zum Hauptteil der Schlucht. Es war gefährlich, und trotzdem war der Ort eine natürliche Idylle, die einen Hauch Romantik ausstrahlte. Gefährlich war es da, weil die Steine so nass waren. Deshalb rutschte man häufig und leicht aus. Die Metallstangen, die als Festhaltemöglichkeit dienten, waren teilweise nicht aufzufinden oder beschädigt. Steffi und ich machten uns Gedanken darüber, wie es wohl wäre, wenn man da hinunter stürzen würde...
© Navi M.



- Nachwort- 

Als dieser Aufsatz entstanden ist, war ich in der Oberstufenklasse der Schule Pfaffenäcker in Oftringen. 
Unser Klassenlager, ein wahrlicher Bastard, sollte in Vaumarcus stattfinden. Ich erinnere mich noch gut an die Unterkunft in diesem brobdingnagischen Gebäudekomplex. Auch erinnere ich mich daran, dass der Bus nicht bis zur Anlage gefahren ist und wir einen weiten Weg zu Fuss zurücklegen mussten. Vaumarcus. Wie kommt man auf Vaumarcus?
Es gab zwei Massenschläge. Mädchen und Jungen waren getrennt. Wir hatten Stockbetten aus gelb bemaltem Metall und durchgelegenen weichen Matratzen. Das Zimmer der Jungen sah, und das wusste ich damals noch nicht, denn ich sollte erst später eines besuchen, einem KZ nicht ganz unähnlich. Die Lehrer und Betreuer hatten sich viel einfallen lassen. Eine ganze Woche musste geplant sein. An einem Tag sollten wir eine Wanderung zur Areuse-Schlucht unternehmen. Heute würde ich so etwas geniessen. Damals waren wir eher mit jammern beschäftigt. Undankbare Teenies eben. 
Ich erinnere mich, dass ich die Lagerschreiberin war und jeden Tag eine Eintragung darüber schreiben durfte, was wir gemacht hatten. Am zweitletzten Tag oblag uns die Aufgabe, einen Aufsatz über das Klassenlager zu verfassen. 
Meiner trug den Titel "Als ahnungslose Opfer im Dschungel". Obschon ich in obigem Text eigentlich nur mit Wehklagen beschäftigt war, waren meine Lehrer begeistert. Der Text wurde vor beiden Klassen vorgelesen. Bei Schulaufführungen wurde er ebenso zum Besten gegeben. 
Wieso habe ich nie etwas aus meinem Talent gemacht? Stephen King war 27, als ihm 400'000 Dollar für Carrie geboten worden waren.
Genau mein Alter... -_^