Samstag, 16. Juni 2007

Informationsflut

So geschehen am 16. Juni 2007...



Ich mache mich auf den Weg zum Bahnhof. Die Zeit reicht super. Ich könnte sogar den direkten Zug nach Bern nehmen, der um 06:30 Uhr ab Zofingen fährt. Weil ich an mein gigantisches RedBull denke, und nicht bis Bern warten will, entschliesse ich mich dazu, doch über Olten zu gehen. Gut, mein Zug sollte um 06:35 Uhr ab Zofingen fahren. Mir fällt auf, dass diese alte Kiste recht spät einfährt, aber was soll's. Denke mir nichts mehr dabei.
Ich setze mich in einen der fast leeren Wagen. Durch das Fenster sehe ich den Direkten nach Bern auf Gleis 3. Ein Typ mit Überkleidung steigt aus. Gelb und schmutzig ist sie. Ich fange an über Überkleidung nachzudenken. Wäre nichts für mich. Der Typ setzt sich ebenfalls in diesen Zug, ins Abteil neben meinem.
06:37 Uhr:: Ich höre eine Frau im Abteil hinter meinem sagen: "Schon wieder Verspätung!" Dann geht noch das Licht aus. Und ich höre wie die Frau ihrem Kollegen erzählt, dass sie auf der einen Heimfahrt nach Olten kein Licht im Zug hatten. Die ganze Strecke wäre der Zug ohne Licht gefahren. Eine finstere Reise auf einer Strecke mit zahlreichen Tunnels.
06:40 Uhr:: Eine Angestellte der SBB kommt in den finsteren Wagon. Sie teilt uns mit, dass wir den Regio nach Olten um 06:44 Uhr auf Gleis 3 (!!! DREI !!!) nehmen müssen. Dieser Zug fahre nicht. Der lässige Typ neben an: "Und schaffen wir es morgen? Beim 3. Mal?!" Ich muss lachen. Denn schon am Vortag fuhr der Zug nicht nach Olten. Aber dazu später. Die Angestellte teilte ihm in sehr arrogantem und selbstgefälligem Ton mit, dass sie sich immerhin schon die Mühe mache, durch den ganzen Zug zu gehen! Wow! Grosstat!
Jo, wir pilgern also alle gen Gleis 3 wo der Regio nach Lenzburg steht. Dieser weisse neue Zug. Der fährt gewöhnlich auf Gleis 1. Aber da stand ja noch jener nach Olten, der sich nicht wegbewegen wollte. In grünen Buchstaben verkündet der kleine weisse Zug gut sichtbar, dass sein Ziel Lenzburg ist. Ich schaue auf die Signaltafel des Perrons, die verkündet, dass dieser Zug hiernach Olten fährt. Okey. Möglicherweise haben sie den Text noch nicht geändert. Kommt ja vor. Und schliesslich hat die SBB-Angestellte ja von Gleis 3 gesprochen. Die wird es ja wohl wissen. So ergiesst sich die Menschenmasse, eben noch auf dem Perron stehend, in den kleinen weissen Zug. Die Leute sitzen und stehen darin, alle in der Hoffnung, dass der Boden aufgrund der Überbelegung nicht durchbricht.
06:50 Uhr:: Der Regio von Luzern-Olten fährt ein. Auf Gleis 2. Der kleine weisse Zug wird immer leichter und leichter. All die fehlgeleiteten Passagiere verlassen ihn und eilen zum blauen grossen Regio, wo sie sich verteilen. Sitzend und stehend.
06:51 Uhr:: Der Zug fährt los - etwa. Jene Zeitangabe ist ohne Gewähr. Jedenfalls kommt er viel zu spät in Olten an. Gleich auf dem Gleis daneben fährt der IR nach Bern um 07:04 Uhr. Oke, nehmen wir den. Welch wunderbare Idee! ! !
Jedenfalls ist der Zug fast leer, füllt sich erst in Burgdorf oder so.
07:50 Uhr:: Der Zug fährt in Bern ein. Ich rufe ins Geschäft an und teile mit, dass ich mich wohl um ca. 15 Minuten verspäten werde.
Wieso der 35er nicht nach Olten gefahren ist, weiss ich bis heute nicht. Und heute Morgen habe ich im Buch Wunschkolumnen eben eine Kolumne über die Informationsgewalt der SBB gelesen. Zufälle gibts. ^_^
Kommen wir doch noch kurz zum Vortag:
Der 35er steht bereit. Die Fahrgäste steigen ein. Um 06:27 Uhr ertönt die Lautsprecherdurchsage: "Betriebsstörung in Basel. Wegen einer Betriebsstörung in Basel fährt dieser Regio nicht nach Basel. Betriebsstörung in Basel. Wegen einer Betriebsstörung in Basel fährt dieser Zug heute nicht nah Basel."
Uns egal. Wir wollen ja nicht bis Basel - nur bis Olten. Nachdem keiner der Fahrgäste ausgestiegen ist kommt die Durchsage noch mal: "Betriebsstörung in Basel. Wegen einer Betriebsstörung in Basel fährt dieser Zug heute nicht nach Basel. Dieser Zug bleibt in Zofingen stehen."
Ahaaaa! O_o So ist das. Wir steigen aus und grade reicht es mir noch um den 30er nach Bern zu erwischen. Juuu

Mittwoch, 20. Dezember 2006

Reserviert !

So geschehen am 20.12.2006



Und wieder mal ein Morgen voller Harmonie, Ruhe und Gelassenheit in der Schweiz. Der EC von Olten nach Luzern ist der Schauplatz des Harmonisierens zwischen alten und jungen Menschen und deren Machtspielchen.
Du willst in den Zug einsteigen und wirst von einem Dir entgegen fallenden Fahrgast fast erschlagen. Woher der kommt? Die Frau wollte eben ihren Fuss die erste Stufe setzen als sie von einer Rentnerin und deren Koffer zur Seite geschubst wird. Man ist zwangsweise an ein Rugbyspiel erinnert.
Schliesslich haben wir es auch geschafft, in den Zug zu steigen. Wir gehen durch den Gang. Vor mir: Stau. hinter mir eine gehässige Frau, die mich dauernd anschubst. Sichtlich gestresst ist die Alte. Möglicherweise weil sie schon mit einem Fuss im Grabe steht? Oh ja, ich erkenne die Umrisse des Todes dicht hinter ihr. Er schwingt seine Sense... ^^ Zumindest könnte man das meinen.
Ich mache einen Schritt zurück und dränge sie so nach hinten. Sie drängt sich an mir vorbei - ohne Rücksicht auf Verluste -, knallt einem sitzenden Fahrgast ihre Tasche an den Kopf und herrscht die Leute an, die in einem Viererabteil sitzen: "Wir haben reserviert! Das sind unsere Plätze!" Die Fahrgäste im Abteil sind ganz erstaunt über diesen Tonfall und diese Lautstärke so früh am Morgen und schauen sich ungläubig an. Da brüllt die Alte noch mal: "Das sind unsere Plätze! Da steht es angeschrieben! Könnt ihr nicht lesen?! Verschwindet von hier!" Die Leute stehen auf und wollen das Abteil eben verlassen als die nette alte Frau schon wieder zu krähen anfängt: "Frechheit so etwas!" Sie dreht sich um und sieht, dass auch im Abteil nebenan Reservationsschilder angebracht sind. Da wird es ihr zu viel: "Ihr könnt auch gleich gehen! Da ist nämlich auch reserviert! Macht doch die Augen auf!" In der Schlange hinter mir befinden sich Fahrgäste, die sich auf Kosten des Reibeisens vor mir köstlich amüsieren, sowie auch der Rest des Altersausflugs, von denen allesamt nach vorne drängen. 

GEDULD IST AUS DER MODE GEKOMMEN

Es ist doch wirklich ein Phänomen. Diejenigen, die den ganzen Tag über Zeit hätten zu verreisen, reisen stetig zu Stosszeiten und regen sich dann auf, weil es so viele Leute hat...

Montag, 18. Dezember 2006

CHF 1000,-


Es ist Freitagmorgen und fast nichts los in unserer kleinen Buchhandlung. Da kommt ein Familienvater, der aussieht wie der Bürstenbinder, der sein ganzes Leben lang nur Parisienne geraucht hat, zur Kasse und legt ein Buch hin. Er öffnet seinen Geldbeutel, in dem eine purpurne 1000-Franken-Note frisch fröhlich vor sich hinkichert und fragt: „Können Sie mir auf einen 1000er wechseln?“
„1000er nehmen wir nicht an.“ Da darf die purpurne Note weiterhin in der dunklen Brieftasche schlummern, während er anfängt los zu jammern: „Gottverdammt noch mal!“, und in dem Augenblick fällt mir eine Szene aus dem kleinen Arschloch ein, da wo der Vater seine Calvin Klein Unterhose sucht, die das kleine Arschloch als Kopfbedeckung trägt. Der Vater hämmert gegen die Tür mit den Worten, Verdammte Drecksauscheisse, wo ist meine Calvin Klein Unterhose!!! „Kein Geschäft hier nimmt diesen Scheiss an! Wohin kommt man denn da noch?! Gottverdammt noch mal! Wo wird man dieses Dreckszeug los?!“ Ich frage mich, ob ich wohl was sagen soll und denke, dass er die Worte ja nicht an mich gerichtet hat sondern an die Luft vor ihm. Ich höre mir seinen Ausbruch an und sehe, wie es der Frau peinlich ist und denke, dass er ein gutes Beispiel für seinen kleinen Sohn ist, der ihn mit weit aufgerissenen Augen anstarrt. Da legt er wieder los: „Hier gibt’s ja nicht mal einen scheiss Automaten, der diesen Scheiss annimmt!“ – Denken wir da nicht alle an Homer Simpson? Wie er da am Telefon sitzt und sagt: „Das sind wirklich die beschissensten Bescheisser die uns beschissen haben.“ Juuu, zum Glück habe ich das, was man Körperbeherrschung nennt, und breche somit nicht in schallendes Gelächter aus und hinterlasse somit vor lauter Lachen auch keine Urinlache hinter der Kasse. Haben wir alle noch mal Schwein gehabt. Da wendet er den Blick zu mir und sagt in einem ruhigen und höflichen Ton: „Tut mir leid, dann können wir das Buch nicht nehmen. Einen schönen Tag wünsch ich noch.“ Als wäre nichts gewesen, wünsch ich der Familie auch einen schönen Tag. Im rausgehen flucht er seine Frau an: „Das ist doch echt nicht zu glauben! Ein neues Center und keiner nimmt diesen Scheiss an!“
Ja ja, und somit gehören sämtliche Geschäfte im Center zu beschissenen Scheissern, die diesen Scheiss nicht annehmen… ^^

Freitag, 1. Dezember 2006

Aber es steht im Katalog !


Kommt eine verbittert dreinschauende Kundin auf mich zu und zeigt mir den Katalog des Betriebs. Mit ihrem schrumpligen Finger deutet sie auf ein Buch auf der aufgeschlagenen Seite des Hauptkatalogs. "Haben sie das?" Natürlich nicht, da wir ja keine erotischen Roman am Lager haben dürfen. "Und das?" Wieder deutet sie auf das Buchcover, auf dem ein blonder Mann mit entblösstem Oberkörper eine Blondine im roten Kleid und halb entblösstem Busen in den Armen hält. Nein auch das haben wir nicht da. Wie auch? Ich verneine freundlich. Sie wird langsam stinkig. Blättert hektisch weiter und zeigt wieder auf ein solches Buch. "Und das? Haben sie das?!" "Nein auch das haben wir nicht hier." Und nun folgt ein spannender Dialog:
"Haben sie eigentlich auch etwas aus dem Katalog da!"
"Wir haben einiges aus dem Katalog am Lager, aber längst nicht alles."
"Und wieso nicht?!"
"Wir hätten gar nicht genug Platz für alles."
"Und ist alles was sie hier haben auch im Katalog?"
"Nein."
Somit trabt sie aus dem Geschäft, ohne Danke oder auf wieder sehen.

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Kommt eine Kundin in den Laden galoppiert, schnappt sich schnaubend wie ein Vollblüter nach einem Rennen einen Katalog und blättert ihn hektisch durch. Da das schnaubende Pferd, dass da vor mir steht und wie ein Hund hechelt eher einem gemästeten Spanferkel gleicht und bei der Atmung auch genau so grunzt beginne ich mich zu fragen, ob sie den heutigen Tag wohl ohne Herzinfarkt überstehen wird?
Nach langem blättern hat sie die ersehnte Seite endlich gefunden und teilt mir - noch immer schnaubend - mit, dass sie diesen Artikel haben muss und deutet mit ihrem fleischigen Finger auf ein Buch, dessen Cover ich nicht erkennen kann, da ihr Finger in seiner ganzen Breite das ganze Bild verdeckt. Endlich erkenne ich das Cover und verneine. Darauf die Kundin: "Aber es ist im Katalog!" Sie schreit, ja brüllt schon fast. Gerade so als ob es um Leben Tod ginge. "Wir haben nicht alles hier, was im Katalog ist."
"Aha! Wieso gibt es dann überhaupt einen Katalog?! Dann muss ich die Scheisse trotzdem wieder bestellen!"
"Ich kann ihnen Titel auch in die Filiale kommen lassen."
"Aber dann muss ich wieder herkommen und sie holen?"
"Ähm... ja."
"Ich komme nicht noch mal her! Dann bestelle ich es lieber übers Internet, dann muss ich nur zum Briefkasten und nicht noch mal hier raus!"
Mit diesen Worten stampft sie davon. Ob der Boden nun Löcher bekommen hat? Dellen? Nein nichts. "Mein liebes Walross", denke ich, "ein Spaziergang zum Briefkasten ist ja gut und recht, aber ein paar Meter weiter würden auch nicht schaden."

Donnerstag, 30. November 2006

Die Hieroglyphen eines Flyers


Ich stehe hinter der Kasse und was tue ich? Genau kassieren. Kommt eine Kundin und legt einen Artikel hin, der während der Eröffnung einiges günstiger war. Die Eröffnung war vor einer Woche. Ich nötige den müden Scanner, der seine Arbeit wohl nicht sonderlich mag, den EAN-Code einzulesen. Er reagiert wieder nicht. Gut, dann schüttle ich dich eben wieder wach. Aha, nun sind wir wach und lesen auch ganz brav diese schwarzen Balken ein. Der Preis erscheint auf dem Display und ich nenne ihn der Kundin. Diese echauffiert sich: "Sie wissen aber schon, dass das im Katalog nur die Hälfte kostet!" Möglich wär's ja. Also frage ich sie ganz höflich in welchem Katalog sie den Preis denn gesehen hätte. "Haben sie es im Hauptkatalog gesehen?"
"In dem der kürzlich kam!" Ich hole den Hauptkatalog hervor und frage sie, ob es in jenem gewesen sei. "Nein! Dieser Dünne, der vor etwa 2 Wochen im Briefkasten lag!" Sie kramt den Eröffnungsfyler hervor und deutet triumphierend auf den dort angegebenen Preis: "Sehen sie!" Ihrem Mann scheint das Gehabe seiner Frau sichtlich peinlich. Ich zeige ihr auf dem Flyer die Daten. Und was steht da zu lesen? Eröffnungspreise vom...bis. Genau 3 Tage waren die Preise so. Es steht sogar in grossen orangen Lettern auf der Hauptseite des Flyers. Ihr Mann: "Siehst du! Ich habs dir doch gesagt." "Schon gut! Ist ja nicht meine Schuld, dass der Flyer so unübersichtlich ist!" "Lesen muss man eben können, Schatz."
Und somit hat ihr Gatte alles gesagt, was es da noch zu sagen gegeben hätte.

Am zweiten Eröffnungstag kommt eine Kundin und legt mir einen Stoss Bücher für ca. CHF 210,- hin. Ich lese sie, im stetigen Machtkampf mit dem Scanner, ein und nenne er ihr den Preis. Sie starrt mich mit weit aufgerissenen Augen an, gerade so als hätte eben eines ihrer Kinder seine Schokoladenhände an ihrem Pelzmantel abgewischt. "Wie, was?!" "210 Franken macht das" "Das ist aber ohne Rabatt!" Erst verstehe ich gar nicht was die gute Frau meint. Wieso sollte sie Rabatt erhalten? Bevor ich nachfragen kann, antwortet sie mir auf eine nicht gestellte Frage: "Hier im Flyer steht gross..." und sie deutet mit ihrer blutrot lackierten Kralle auf den Schriftzug des Flyers, der ihr und mir und jedem der sich für den Flyer interessiert mitteilt: 50% Eröffnungsrabatt auf alle CDs, DVDs, Kalender und Boutiqueartikel. Ich nicke und mache sie darauf aufmerksam, dass da nichts von Büchern steht. Sie bezahlt und giftet im Hinausgehen ihre Kollegin an: "Das hätte man auch draufschreiben können! Dann heisst es grossartig 50% und dann sowas! So fängt man Kunden! Betrug ist sowas!"

Sonntag, 26. November 2006

Fanlliebe


26. November 2006

Der Bassist einer sehr erfolgreichen Band sagte in einem Interview, dass sie, die Fans, sie, die Band, entführen, ihnen folgen und sie missbrauchen sollen. Wie ernst er das gemeint hat weiss keiner. Er hätte auch nicht gedacht, dass es in der Schweiz so kranke Menschen gibt, die sich denken, na gut, wie du willst.
Ich bin einer dieser kranken Menschen. War ich doch neulich mit einer Freundin am Konzert eben dieser Band. Meine Freundin hatte damals und noch heute Gefallen am Schlagzeuger gefunden. Ich verliebte mich in den Bassisten, der so gottvergessen schön ist. ♥_♥ Für uns war klar, wir müssen etwas unternehmen, ansonsten sehen wir die nie wieder. Gesagt getan? Nein. Wir gingen ohne zu handeln nach hause und waren tot betrübt.

Ein Bekannter aus Deutschland bot sich an, den Bassisten zu entführen, einfach damit ich wieder glücklich sein kann. Gesagt getan? Righty right!
Ich liess mir von einem Bekannten einen 170X200X200 (HxBxT) gläsernen Kasten in Holzfassung zimmern. Er baute den Kasten in meinem Arbeitszimmer zusammen und dachte, es wäre für ein neues Fotoshooting. Meine abstrakten und teilweise recht wunderlichen Fotografien kennt er ja schliesslich gut, also stellte er auch keine Fragen.
Ich ging zum Gestüt in der Nähe um mir Boxeneinstreu in Form von Sägespänen zu besorgen. Netterweise bekam ich eine ganze Karre umsonst. Ich streute den Glaskasten aus. An die Luftlöcher an den Seiten und in der Decke hatte er also auch gedacht. Perfekt. Ich befestigte eine Wasserflasche an der Halterung - sonst wäre mein armer Bassist verdurstet. Er hatte alles, was er brauchte. Wasser, eine Schale Reis und ein Laufrad, damit er nicht verkommt. So der gläserne Käfig war fertig.
Am Abend kam mein Bekannter vorbei. Er trug eine Art Leichensack auf den Schultern. Darin war mein Bassist. Ich konnte mein Glück kaum fassen. Juhuuu. Er war noch betäubt. Mein Bekannter setzte ihn im Käfig ab und ging wieder. Ich verschloss die Tür des Glaskastens und kochte Abendessen: Sushi. Schliesslich war der Bassist Japaner.
Ich stelle einen Teller mit frischen Sushi durch die kleine Luke in den Glaskasten und wartete. Ich muss einige Stunden gewartet haben, denn ich schlief ein. Geweckt wurde ich von den Sonnenstrahlen, welche durch die kleinen Ritzen der Holzläden schienen. Vor mir im Glaskasten sass mein Bassist. MEIN Bassist. Er war also zu sich gekommen. Dieses Freudengefühl, das ich hatte, ist kaum zu beschreiben. Es war so herrlich. Ich hatte, was ich wollte! Er gehörte mir! Mein. Mein Eigentum!
Leider wollte er nicht mein lebendiges Plüschtier sein. Er machte Zicken, prügelte gegen das Glas und klang sehr zornig. Ich konnte ja kein Wort verstehen. Wie auch?

Also brachte ich ihm einen Block und einen Kugelschreiber. Er schrieb mir eine ganze Menge japanischer Zeichen auf und gab mir den Block mit grimmiger Miene zurück. Ich setzte mich hin und holte einen japanisch-deutsch Dix hervor und musste jedes verdammte Zeichen nachschlagen. Es hatte keinen Wert. Einen Teil konnte ich verstehen - nach etlichen Stunden des Übersetzens. Er wollte raus, wissen, was das sollte und was ich vor hatte. Tja, ich konnte es ihm nicht verständlich machen, dass er nun mein Besitz war und somit mein lebendiges Plüschtier zum knuddeln. Als ich den Glaskasten betreten wollte, griff er mich an. Also ging ich nicht mehr hinein.

Ich brachte ihm auch nichts mehr zu essen und auch kein Wasser. Das hatte er davon. Ich wollte ihm ja nichts antun, obwohl er das nach seiner Aussage in diesem Interview gewollt hätte. Ich wollte nur eine lebendige Puppe zum knuddeln und schminken und gern haben. Er konnte das nicht verstehen. Selbst Schuld.
Er lebt noch immer. Liegt in den Sägespänen und verdurstet langsam. Ich denke, ich werde ihm nachher eine Flasche Wasser bringen. Mal sehen, vielleicht können wir ja noch mal von vorne anfangen? 



© Navi M.

Sonntag, 6. August 2006

Der Rasenmäher


6. August 2006


5 Kinder, 3 Katzen, 4 Hunde, 2 Elternteile. Das ist Familie Vick. Herr und Frau Vick machen ihrem Namen alle Ehre, könnte man jetzt denken. Aber das denkt man nur, wenn man der deutschen Rechtschreibung nicht mächtig ist. =)
Frau Vick, und darüber berichteten die Zeitungen noch lange Zeit später, war an diesem folgenschweren Tag mal wieder ausser Haus. Herr Vick wohlmöglich bei der Arbeit. Der Kinderwagen, in dem die neugeborenen Zwillinge schliefen, stand vor dem Haus - in praller Sonne. Der kleine Sohn Tim, der zwei Jahre älter als sein Bruder David ist/war spielte mal wieder nackt auf der Strasse vor dem Haus. Das er nicht schon längst Opfer eines Pädophilen geworden ist, grenzt an ein Wunder. 

Der kleine David, grad mal 6 Jahre alt, entdeckte and diesem Tag den Rasenmäher. Vater Vick, hatte ihn am Vorabend nicht in den Geräteschopf gestellt. Klein David gelang es, den Rasenmäher in Gang zu bekommen. Ein vertrautes Surren hallte durch die Nachbarschaft. Der Geruch nach gemähtem Gras verbreitete sich. Das Nachbarsmädchen sonnte sich auf dem Dach des Elternhauses und störte sich sehr an jenem Geruch. Also packte sie ihr Zeug zusammen und verzog sich ins Haus.
Kurz darauf ging ein unbeschreiblicher Schrei durch die Luft. Ein helles Kreischen. Das Kreischen eines Kindes, dass seinen Willen nicht bekommt. Doch in diesem Fall sollte es anders sein. Das Gekreische eines Kindes, das allmählich ganz gehäutet wird.
Tim ging ganz langsam in den Garten. Nun kreischte auch er. Kreischte den Namen seines Bruders. Es war Nachmittag. 13:30 Uhr. Keiner hörte die Kinder. Alle waren bei der Arbeit. Das Nachbarsmädchen hatte, gestört vom Lärm des Rasenmähers, ihre neue Tokio-Hotel-CD aufgedreht und blätterte mit den Kopfhörern auf dem Kopf in einer Illustrierten. Wippte mit den Füssen auf und ab. Auf und ab. Und genau so trat der kleine Tim von einem Bein aufs andere. Auf und ab. Auf und ab.
Der Darm des kleinen David - noch nicht tot - wickelte sich immer mehr um die Innereien des Rasenmähers. Der Beutel färbte sich in ein tiefes rot. Einer der Hunde begann den Beutel abzulecken. 
Nach wenigen Minuten war alles vorbei. Die Schreie waren nur noch Erinnerungen in den Bäumen. Ein leises Wimmern war im Garten der Familie Vick zu vernehmen. Tim. Tim sass auf dem Boden, die Hände vors Gesicht geschlagen und weinte bitterlich.
Der Rasenmäher summte nun kaum hörbar. Verklemmt. Vom kleinen David war kaum noch was übrig geblieben. Und das, was da im Garten herum lag, landete in den Mägen der Hunde.
Und während Hund Mikrok auf dem einen Auge des kleinen Davids herum kaute, starb einer der Zwillinge im Kinderwagen in der prallen Sonne. 

Die Hunde leckten den Rasenmäher ab und kauten auf Davids Überresten herum. Sie leckten und geiferten. Rissen den Beutel des Mähers auf und knurrten. Gierten nach Blut und Fleisch des toten Kindes. 
Tim weinte noch immer als Frau Vick nach Hause kam. Erst begriff sie gar nicht, was geschehen war. Hatten die Hunde doch schon beinahe das einst rote Gras wieder grün geleckt und gefressen. Sie ging wortlos ins Haus uns schloss die Tür. Tim weinte noch immer. Die Hunde leckten sich die Pfoten.
Die Nägel des Nachbarmädchens wurden rot lackiert.


© Navi M.

Montag, 31. Juli 2006

Die Hitze kann dem Verstand ganz schön zusetzten

Die Buchhandlung, ein Neubau. Jahr 2005. Wir verfügen über eines der teuersten und besten Lüftungssysteme der Zeit. Daher haben wir im Inneren von unserem Glasbunker auch immer 5-8°C wärmer als draussen. Im Winter wäre das ja bestimmt von Vorteil. Aber im Sommer?

Kürzlich: J. und ich stehen an Kasse 1. Ich mache für einen tätowierten Typen ein paar Geschenke, wohl für seine Kinder. J. kassiert bei einer älteren Dame Mitte 40 ein und sagt zu mir: "Ich kann nicht verstehen, wieso I. die Türe immer geschlossen haben will. So hat man gar keinen Sauerstoff mehr. Ich ersticke noch hier drin!" Die Kundin zu J.: "Es gibt immer Leute, die nicht begreifen, dass man die Türen geschlossen halten muss, wenn man eine Klimaanlage hat!" J.: "Wir haben ja gar keine Klimaanlage." "Ah, nicht." Und sie nimmt ihr Zeug und verlässt das Geschäft. J. zu mir: "Du, wieso hat mich die jetzt so angefahren?" Ich breche in schallendes Gelächter aus (die Hitze kann dem Verstand ganz schön zusetzen) und sage, dass ich keine Ahnung habe.
Sie lacht ebenfalls schallend und sagt: "Es gibt schon kreuzdumme Personen!" Der wartende Kunde: "Ich hoffe, sie meinen nicht uns." Mein Kunde: "Anwesende ausgeschlossen." J. bedient den wartenden Kunden. Als er rausgeht dreht er sich nochmals um und sagt zu meinem Kunden ganz amüsiert: "Sagen sie mir dann Bescheid, wenn sie das selbe über mich sagt, ja?", lächelt und geht.

Das ist ein Geschenk !



31. Juli 2006


Ist euch schon einmal aufgefallen, dass der Mensch immer weniger Anstand besitzt? Kein Guten Morgen, kein Danke, kein ich hätte gerne. Er nimmt nicht mal mehr die Sonnenbrille ab, wenn er ein Geschäft betritt. Manche tragen gar ihre Sonnenbrille und haben die Stöpsel ihres I-Pods in den Ohren, hören in einer für die Ohren gänzlich ungesunden Lautstärke, die zu einem Hörgerät im 23 Lebensjahr führt, Musik und schreien die Buchhändlerin an, weil sie sich sonst selbst nicht hören. 

Das wohl beste Beispiel für die unhöfliche Art des Menschen mit Seinesgleichen umzugehen ist die Dienstleistung des Geschenkverpackens.
"Das gibt ein Geschenk!" "Das ist zum Schenken!" "Ich will, dass sie mir das einpacken!" "Können sie mir das noch ein bisschen einpacken?" "Geschenk!" "Kann ich das als Geschenk haben?" "Einpacken!"

Für alle, denen das lästig ist:
Auf jene Fragen: "Das gibt ein Geschenk!" "Kann ich das als Geschenk haben?" erwidere ich ein: "Schenken kann ich ihnen das nicht."
Meistens merken sie es und fragen, ob man es dann einpacken würde. Meist mit einem Lächeln. Aha.

"Geschenk!"
"Wie bitte?" als hätte man die Person nicht verstanden. Oder man ignoriert es einfach, holt eine Plastiktasche hervor und schiebt das Buch hinein. Dann schaffen es die werten Kunden doch noch ganz höflich zu fragen, ob man es noch geschenkverpacken könnte.
"Einpacken!" (Was ein Kunde an Weihnachten 2004 zu J. schrie. Sie holte daraufhin eine Plastiktasche hervor und packte das Buch hinein. Die Frau des Brüllers fragte daraufhin ganz höflich und kleinlaut (da ihr das Verhalten ihres Mannes oberpeinlich und unangenehm war) ob sie es als Geschenk verpacken könnte.

"Das gibt ein Geschenk!" 
a) ignorieren
b) "Aha. Ja hätten sie denn gerne, dass ich es ihnen einpacke?" "Ja gerne."

"Können sie mir das noch ein bisschen einpacken?"
"Ich kann es auch ganz einpacken. Erweist sich meist als einfacher."

Weihnachten 2004
Ein Kunde zu I.: "Das ist ein Geschenk!" Sie daraufhin ganz erfreut: "Für mich? Dankeschön!" Der total irritierte Kunde: "Ähm... ich meinte eigentlich, ob sie mir das einpacken würden."

Kürzlich eine Kundin zu mir: "Packen sie mir die 5 Sachen noch schön ein?"
"Schön ist immer individuell."
"(lacht) ich denke schon, dass sie das schön machen."
Ich in Gedanken: "Hueregottverdammt, ich weiss ja, dass der Mensch und die ganze verdammte Zeit in Eile geraten sind, aber ist es wirklich so verflucht schwierig ein Buch einzupacken?! Der Mensch ist echt nicht mehr selbstständig! Geht in ein Geschäft und es ist natürlich selbstverständlich, dass die gekauften Sachen noch verpackt werden. Als ob man das nicht mehr selber machen könnte. Wäre doch eine ideale Beschäftigung während dem Fernsehen! Ah diese Idioten immer! Nichts, gar nichts können sie mehr selbst machen. Sie schaffen es ja nicht mal, ihre EC-Karte durch das Gerät zu ziehen... Obwohl es noch angezeichnet ist, wie..."

Tipp von einer Freundin:
Wenn das nächste Mal einer sagt: "Das gibt ein Geschenk!" Dann das Papier hervorholen, auch eine Schere und Klebestreifen. Dem Kunden vor die Nase stellen mit den Worten: "Hier bitte."
Eine revolutionäre Idee wäre auch der Selbstbedienungs-Päckchentisch. Die Kunden dürften sich selber im verpacken üben. Wäre ganz bestimmt sehr amüsant zum zu schauen! (<- mittlerweile gibt es die in div. Geschäften ^_^ Ja, der Wandel der Zeit)

Übe Dich in Geduld - und es wird sich auszahlen



31. Juli 2006


Egal ob der Tag ein Samstag ist, ob es Weihnachtsverkauf ist oder sonst ein Tag unter der Woche, an dem grad viel los ist. Diese enorme Geduld der Wartenden ist immer wieder erstaunlich.
Vor Kasse 1 sammelt sich eine Warteschlange, na ja, eher eine Wartemasse an, denn in einer Schlange stehen können sie nicht. Sie stehen irgendwo in der Gegend herum und fragen sich dann auch noch, wieso andere vor ihnen an die Reihe kommen. An Kasse 1 herrscht viel Betrieb. 3 Buchhändlerinnen stehen dahinter und kassieren ein oder machen Geschenke. Jawoll Geschenke, denn der Mensch ist ja nicht mehr selbstständig...
Wir zwei, an Kasse 2 stehende Buchhändlerinnen haben nichts zu tun. Keiner beachtet Kasse 2. Wird gekonnt ignoriert. Manche wartenden Köpfe drehen sich ab und an in unsere Richtung, kommen jedoch nicht herüber. Möglicherweise ist Kasse 2 ja nur Dekoration? Das denke ich auch. Mhm...

"Sie können auch hier zur Kasse 2 kommen!" ruft meine Kollegin. Köpfe drehen sich. Fragezeichen verdecken die Gesichter. Soll ich oder soll ich nicht? Hm... eine gewichtige und auch schwere Frage. Und doch! Zwei Personen fassen Mut, setzen einen Fuss vor den anderen und machen sich auf den beschwerlichen Weg zur Kasse 2. Möglicherweise sind ja die zwei Stufen abschreckend und ein triftiger Grund, wieso Kasse 2 gemieden wird?
Kaum sind die beiden heil und sicher an Kasse 2 angekommen, fassen auch andere der Wartenden Mut und begeben sich, ganz dem Gruppenzwang verschrieben, zur Kasse 2. 
Soll einer denken, dass sei immer so, so hat er sich getäuscht. Man kann auch an Kasse 2 stehen und den Wartenden zurufen. Köpfe drehen sich eventuell. Aber es kommt auch vor, dass man lieber wartet als die zwei Stufen zur Kasse 2 hinab zu steigen. Denn Kasse 1 hat ja eine 1 und ist somit quasi Firstclass. Wer sich herablässt und zur Kasse 2 geht, der ist nicht mehr in der Upperclass. Oh ja... ich verstehe es ja, dass der Gruppendruck und natürlich auch das Ansehen an so einem Tag innert weniger Minuten schwinden kann.
Anderes Beispiel: J. steht an Kasse 1 und bedient alleine 4 Kunden. An Kasse 2 stellt sich ein alter Veck (Rentner) auf. Kaum angekommen, schaut er wütend um sich und schreit: "Wird man hier auch bedient?!"

Anderes Beispiel: Vor Kasse 1 hat sich die übliche Meute versammelt, die ihre Bücher bezahlen will. Aber längst nicht alle. Von zehn Personen wollen 5 bezahlen, 3 haben ein Buch bestellt und 2 wollen eine Auskunft. Sei es nun über ein Buch oder über irgendeine Strasse oder ein Geschäft. Möglicherweise auch eine Wegbeschreibung.
Die Buchbesteller warten geduldig vor Kasse 1, um ihren vorher sorgfältig überlegten Spruch aufzusagen: "Hallo, ich war vor ca. 4 Tagen hier und habe, bei Ihrer Kollegin ein Buch bestellt. Der Autor war... Moment... wie hiess der auch gleich... ähm... ah ja, Jane Austen. Ich weiss den Titel allerdings nicht mehr. Aber es ist ein Taschenbuch, ein hellblaues Taschenbuch. Von einem dbv Verlag."
"Bestellte Bücher sind im oberen Stock an Kasse 4 abzuholen." Und das wars auch schon mit der Geduld. Genervt erklimmen sie Treppe. Alte Leute nehmen die Treppe, die jungen benutzen den Lift. 
Anderes Beispiel: Wieder die übliche Meute vor Kasse 1. Ein alter Veck als einer der Hintersten: "Hier muss man immer warten! Herrgott, geht das mal vorwärts da vorne!" J. steigt in den Lift und sagt: "Herrgott, im Coop müssen Sie auch warten!" 

© Navi M.

Von Diäten und McDonalds

31. Juli 2006


Eine Kundin fragt mich nach Kochbüchern zum Thema Diät oder auch einfach nur Abnehmen bei Kindern. Mit dabei hat sie ein Mädchen und einen Jungen die schätzungsweise etwa 7 und 9 Jahre alt sind. Ihr Sohn müsse etwas abnehmen, wie man sehen könne.
Sie blättert in einigen Büchern herum, ist hellbegeistert und möchte sie auch gleich mitnehmen.
Während die Mutter an der Kasse in ihrem Kleingeld herumkramt, fragt die kleine Tochter: "Mami, fahren wir jetzt zu McDonalds?" Die Mutter nickt.

O-h-n-e  W-o-r-t-e


Freitag, 28. Juli 2006

Schild vor dem Kopf



28. Juli 2006


Eine Geschichte über den Alltag einer Buchhändlerin...

Wie in jedem anderen Geschäft auch, steht eine Kundenleittafel zwischen der Treppe und dem Lift, Fahrstuhl oder Aufzug. Das Parterre bietet zwei Kassen. Kasse 1 und Kasse 2. Letztere der beiden wird gerne ignoriert. Aber dazu in einer anderen Geschichte.

An jeder Kasse steht weiss auf rot: "Bestellte Bücher im 1. Stock an Kasse 4". Auch die Kundenleittafel, auch ein Stück das meisterlich ignoriert wird, gibt für jeden, der sich dafür interessiert, Auskunft darüber, dass bestellte Bücher im oberen Stock an Kasse 4 abgeholt werden müssen.

Freitag der 28. Juli 2006

Steht ein bebrillter Mann in grünem T-Shirt vor Kasse 2 (staun, hat mal einer Kasse 2 entdeckt!!!) und schaut ziemlich genervt zu J., die eine Kundin berät. Ist ja schrecklich, dass man eben mal ein paar Minuten warten muss. Aber auch die Warterei passt hervorragend in eine andere Geschichte.
Als er mich kommen sieht strahlt er mich schon von weitem an. "Guten Morgen", grüsse ich den seltsamen Zeitgenossen. "Guten Morgen, Meier mein Name, ich habe ein Buch bestellt."
"Bestellte Bücher dürfen Sie gerne im oberen Stock an Kasse 4 abholen."
"Aha.", der Ton wird scharf und der grün bekleidete Typ wird ärgerlich, "Wie wäre es, wenn sie langsam aber sicher mal ein Schild aufstellen würden, damit man nicht vergebens warten muss?!" Ich deute auf die Beschriftung. Weiss auf rot, righty right. "Sehen sie, hier steht es ja, und genau so auch bei Kasse 1, wie auch auf der Kundenleittafel." Der nette Kunde, schaut kurz. Sichtlich nicht beeindruckt davon. "Aha, ja da läuft man ja auch gleich hin!" Mit einer zornigen Wende begibt er sich in Richtung Treppe, steigt diese hoch und grinst mich an. Ich schüttle nur den Kopf und frage mich, wieso der Typ ein Buch bestellt, wo er ja offensichtlich nicht lesen kann.

Mittwoch, 5. April 2006

Windelwechsel

Was die Abholkasse doch so alles erleben darf... Kommt eine Mutter mit ihrem kleinen Kind in den Armen zur Kasse und fragt R, ob es auf der Toilette einen Wickeltisch gäbe. R verneint. Darauf die Kundin: "Ist ja schönes Wetter draussen, dann geh ich eben raus. Gibt ja gleich einen Park da neben dem Starbucks. Sie geht mit dem Kind davon. Wenige Minuten später verbreitet sich im ganzen oberen Stockwerk ein wirklich widerlicher Geruch. Sämtliche Kunden rümpfen die Nase, genauso das Personal. Der Gestank wird immer schlimmer und ich lebe in der Angst, dass er sich in den Wänden, den Polstern und in den Büchern festsetzt und man den nie wieder rauskriegt. R geht zur Kinderecke und erkennt die Kundin, die eben nach dem Wickeltisch gefragt hat wieder. Sie kniet auf dem Boden in der Kinderecke und wickelt ihr Kind auf dem Spielteppich. R bleibt stehen und glaubt ihren Augen nicht mehr trauen zu können und macht die Kundin darauf aufmerksam, dass das hier nicht geht. Ich hingegen habe grosses Mitleid mit der armen Mutter. Sie wollte doch in den Park und hat den Ausgang aus unserem Geschäft nicht mehr gefunden. Denke ich. Zum Glück hat sie uns durch den beissenden Geruch auf sich aufmerksam machen können. In ihrer grossen Not, wusste sie sich wohl nicht mehr anders zu helfen, als an unseren Geruchssinn zu appellieren. Die arme verwirrte Frau. Man stelle sich vor, R hätte sie nicht gefunden. Sie wäre übers Wochenende eingesperrt gewesen... Wohlmöglich wäre sie verhungert oder gar gezwungen gewesen ihr Kind zu essen, so wie im Film "Überleben". Sie wäre in ihrer Not zur Kannibalin geworden... Aber so weit ist es ja nicht gekommen. Sie hat R dann gefragt, ob R ihre Windel entsorgen würde. R teilte ihr mit, dass sie diese mitnehmen müsse.
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Kommt ein Mann und spaziert an der Kasse vorbei zu den Toiletten. In der Hand eine Plastiktüte. Kurz darauf kommt er wieder zurück - ohne Plastiktüte. M, der die Tüte aufgefallen ist spricht den Mann darauf an: "Entschuldigung, sie hatten doch vorhin noch eine Plastiktüte bei sich?" Der Mann schaut sie an und erwidert: "Ähm ja... darin waren schmutzige Windeln, die ich eben auf der Toilette entsorgt habe." M weist ihn daraufhin, dass so etwas künftig nicht mehr vor zu kommen hat. Jawoll! Gut, andererseits verbreitet sich dieser fiese Geruch ja nur in der Herrentoilette. 

Donnerstag, 9. März 2006

Auf dem Friedhof von Montmartre


9. März 2006


«Auf dem Friedhof von Montmartre, weint sich aus der Winterhimmel.»

Kalt, die Luft im Februar. Meine Beine spüre ich kaum noch, doch das ist egal. Ich denke an den Weihnachtsabend. An jene verhängnisvolle Nacht… Was muss er für Schmerzen gehabt haben. Was für Qualen muss er gelitten haben. Stundenlang, und dann spürte er nichts mehr.
Es hat angefangen zu schneien. Schon wieder. Liegt doch schon ein ganzer Meter Schnee. Die Gräber tragen weisse Mützen. Der Friedhof sieht in der Winternacht aus, wie auf einem schönen Gemälde. Ich entflamme das Streichholz und zünde mit seiner Flamme den Docht der roten Grabkerze an. Die Schatten der reliefartigen Buchstaben seines Namens tanzen. Tanzen auf kalten Stein. Mich fröstelt, als ich seinen Namen lese. Erik, warum nur Erik? Was habe ich nur getan?!

Die Erinnerung an den Weihnachtsabend holt mich ein. Ich sehe uns. Erik und ich tanzend am "Totentanz". Um uns herum tanzen andere, wie wir. Schwarz. Alle tragen wir schwarze Kleider. Erik trägt ein Hemd aus weisser Seide mit Rüschen und einen schwarzen Blazer. Barock. Ich schaue in seine grünen Augen und spüre Liebe. Wir sind für einander bestimmt.

Zu schnell ist der Ball vorbei. Erik und ich gehen über den Parkplatz. Ich rutsche auf einer vereisten Stelle aus, er fängt mich auf. Wir lachen. Zum ersten Mal in meinem Leben bin ich glücklich. Richtig glücklich. Nach meiner schlimmen Kindheit bei Pflegeeltern, die mich nie gemocht haben, habe ich endlich einen Menschen gefunden, der mich liebt und den ich liebe.

Unbedingt will ich ans Steuer. Zwar habe ich erst den Lernfahrausweis, aber doch beherrsche ich das Fahren schon sehr gut. Erik ist skeptisch. Meint, es sei zu gefährlich. Ich bestehe darauf. Bis er nachgibt, schaue ich ihn mit grossen Augen an. Er lächelt, wobei seine langen Eckzähne zum Vorschein kommen. Schon wirft er mir die Autoschlüssel zu.

Die Strassen sind weiss. Die ganze Landschaft scheint im Schnee zu ertrinken. Erik sagt mir, wie sehr er mich liebt. Alles ist perfekt.

Ich trete auf die Bremse! Reisse das Steuer herum! Alles dreht sich! Ich habe keine Kontrolle mehr über den Wagen. Eich wuchtiger Schlag! Der Aufprall. Der Airbag! Ein schwarzer Schleier fällt. Ich verliere das Bewusstsein.

Erik sitzt neben mir. Von Zweigen und Metall durchbohrt. Doch er lebt. Alles bekommt er mit. Er muss schreckliche Schmerzen haben. Blut läuft aus seinem Mund.
Davon wüsste ich nichts, hätte ich nicht die Polizeifotos gesehen. Als die Feuerwehr ihn nach zwei Stunden aus den Trümmern seines Autos holt, stirbt er.

Ich sehe seine grünen Augen, ebenso grün, wie die Pille mit dem Totenkopf. Seine grünen Augen. Er liebt mich. Die grüne Pille. Sie verspricht mir Spass. Erik ist gegen Drogen. Ich ja auch, aber… Erik ist tot… ich auch – irgendwie.

Wegen einer Frau und einer Elefantenherde, die aus vielen rosa Elefanten bestanden hat, hab ich meinen Freund getötet. Eine Halluzination. Grüne Pillen und rosa Elefanten.

Ich kann mich nicht mehr bewegen. Zu kalt ist der Winter. Ich weine im Schnee liegend. Der Himmel weint auch, ich spüre seine Tränen auf meiner Haut.
Wir weinen. Erik im Himmel und ich auf der Erde.

Ich lege mich vor sein Grab. Die Glieder sind steif. Ich bin müde. Der schwarze Schleier. Ich sterbe…

Erik, bald schon werde ich bei DIR sein.


© Navi M.

Dienstag, 20. Dezember 2005

Sesam öffne Dich!




Bevor sich die Türen öffnen, stehen meist schon einige ganz ungeduldige Leute davor, die unbedingt als erste den Laden betreten wollen...

An einem Samstag war das. J und ich öffneten und rollten die Kojen mit den Modern-Antiquariat-Büchern hinaus aufs Trottoir, kommt ein Mann vorbei und fragt J: "Haben sie auch ein Pissoir?"

J daraufhin: "Nein haben wir nicht, wir sind Frauen."
der alte Mann: "Wo gehen sie dann pissen?" und geht davon.

In einer Parallelwelt wäre das wohl so abgegangen:

Kommt ein älterer Mann vorbei und sagt zu J.: "Guten Tag, wie geht es ihnen?" darauf hätte J wohl geantwortet: Guten Tag, danke. Und ihnen?"

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Es ist, ich glaube es war ein Freitag, würde aber keinen Eid darauf ablegen, 08:45 Uhr und draussen auf der Strasse vor der mächtigen Glastür versammeln sich bereits die ersten Kunden. Sie treten ungeduldig von einem Bein aufs andere und wollen hereingelassen werden. J zu mir: "Hast du mal zur Tür geschaut? Die sind doch echt nicht normal!" Ich nicke ihr zu. Einer der Kunden zeigt uns seine Uhr. Wieso auch immer... Schliesslich dauert es noch bis 9:00 Uhr.


Die Menschenmenge wird immer grösser. Es sieht so aus, wie ein Geschwür das stetig wächst und wächst und wächst. Jedenfalls öffnen wir den mächtigen Glaskasten pünktlich um 9:00 Uhr. Ich beginne, die Kojen heraus zu räumen. Die Menschenmenge steht zu dem Zeitpunkt in einem Halbkreis hinter mir. Da ertönt die Stimme eines alten Mannes: "Ist jetzt wohl geöffnet?" Seine Frau: "Ich weisses nicht."
Der Mann: "Das scheint niemand so recht zu wissen..."
Darauf ich: "Es ist 9:00 Uhr."
Der Mann: "Aha, das heisst sie öffnen heute doch noch."
Ich: "Ja, wie jeden Tag pünktlich um 9:00 Uhr."
Der Mann: "Das sollte man wissen..."
Ich deute auf den Aufkleber mit den Öffnungszeiten bei der Tür: "Dort stehen sonst die Öffnungszeiten angeschrieben."

Samstag, 5. November 2005

Der neue Stephen King


Bald ist es soweit und der neue Stephen King Roman kommt auf den Markt. Wir schreiben das Jahr 2005 - wohlgemerkt! Der neue Roman, um welchen es sich handelt ist Band 7 der Dark Tower Saga. Zu Deutsch Der dunkle Turm. Der Band: Der Turm. Eben erst ist Susannah erschienen und wie gesagt, soll bald "Der Turm" folgen.

Das Telefon klingelt. Ich melde mich mit dem Standartsatz. Darauf die Kundin am Telefon: "Sie ich habe da eine Frage... weiss allerdings nicht ob sie mir weiterhelfen können..." Ich beruhige sie, denn wir helfen ja gerne weiter. Panik ergreift mich, dass sie wohl etwas verflucht schweres auf dem Herzen hat. Und dann kommt die Frage (wäre das ein Hörbuch oder ein Film würde jetzt der Soundtrack zu Der weisse Hai ertönen): "Ist ihnen Stephen King ein Begriff?" Ich könnte losheulen vor Lachen. Ob mir Stephen King ein Begriff sei? Im Alter von 10 Jahren habe ich Cujo gelesen. "Ja, der ist mir ein Begriff." "Haben sie sein neues Buch schon?" "Meinen sie Susannah?"
"Nein, das neuste vom dunklen Turm!"
"Das neuste vom dunklen Turm ist zur Zeit Susannah."
"Ich bin mir sicher dass es nicht das neuste ist."
"Also, Schwarz, drei, tot, Glas, dann folgte letztes Jahr Wolfsmond und kürzlich erst ist Susannah erschienen."
"Aber es gibt noch eins."
"Der letzte Band. Der Turm."
"Ja genau! Haben sie das schon?"
"Nein, das ist noch gar nicht erschienen. Es ist angekündigt auf den..." 

"Das heisst sie haben es nicht im Laden?"

"Nein, denn ist noch nicht erhältlich."
"Gut, wenn sie nicht mal den neusten Stephen King haben, dann gehe ich eben zu Orell Füssli!"
Und somit hörte ich nach Füssli nur noch das vertraute und hektische Pipen in der Leitung. "Na dann, viel Glück!" ^^

Donnerstag, 29. September 2005

Edward Munch - Der Schrei



28. September 2005


Mit nur einem Wort lässt sich dieses Bild beschreiben: 



Angst 

Es ist die Edward Munchs selbst. Jene, die ihn laut eines Tagebucheintrages während eines unbeschwerten Spazierganges mit Freunden überkam. Er verspürte einen Hauch von Schwermut, der Himmel färbte sich bedrohlich rot. Er blieb stehen, lehnte sich an den Zaun, wo nicht weit unter dieser Brücke ein Schlachthof stand und in dessen Nähe eine psychiatrische Klinik für Frauen, in der unter anderem auch seine Schwester auf ihren Tod wartete. Er sah die flammenden Wolken wie Blut den blauschwarzen Fjord und die Stadt Olso, welche 1900 von diesem Blickwinkel ein begehrtes Postkartenmotiv war. Seine Freunde gingen unbekümmert weiter, merkten nichts von all dem. Munch jedoch stand da, zitternd vor Angst, einen unendlichen Schrei fühlend, der durch die Natur ging.

Jenes Bild existiert in den verschiedensten Versionen und Techniken. Ein totenkopfcharakterliches Selbstbildnis mit weit aufgerissenen Augen und in einer für den Menschen typischen Geste des Erschreckens.

Beklemmend und zugleich inspirierend.

© Navi M.

Mittwoch, 2. Februar 2005

Lothar an Nathanael


1. Februar 2005


O Nathanael, Freund. Eure Zeilen lasen sich wie die jenen eines Buches, liessen mich zugleich erschaudern! Nathanael. Geister der Vergangenheit ersuchen Euch, ihnen die Tore Eures Verstandes zu öffnen und sie herein zu bitten. Freund, seit wachsam, denn der Wahnsinn lauert vor Euren Toren. Hierzu möchte ich Euch in den diesigen Seiten anvertrauen, wie ich fühlte. Seid gewiss, Ihr und einzig Ihr wisst um dies:

Nathanael, das Leben ist mir zu wider. Bald schon werde ich ihm überdrüssig. Werde dem Richter entgegen treten und Busse meiner vergangnen Taten ablegen. Denn die Geister der Vergangenheit ruhen nimmer!

Es ist eine stinkende Welt in welcher wir gehen und streben nach immer Neuem. Eine stinkende Welt, nicht nur weil ich den Gang zur Dusche bisher gemieden habe und mich der Geruch eins toten Tieres verfolgt, welches heutig von den wandelnden Grabstätten zu Mittag verspeist wurde. Dessen Geruch hat sich meiner angenommen als ich kurz in der häuslichen Küche war um mich mit einem Teller Salat zu speisen. Bitte verzeiht den Unterbuch, aber angesichts dessen, dass mein Geruch betörend während, schickt es sich nicht noch weiterhin zu schreiben. Denn Euch so gegenübertreten würd ich nimmer. Nun ehe ich noch einen Satz schreibe, werd ich die Feder beiseite legen und mich unter die Dusche verfügen.

Gewiss doch, reichlich spät meld ich mich zurück. Doch übermannte mich zuvor der Kasten der Sucht! O du grimmige Welt! Hinfort mit dir, Teufelszeug! Welch Satan hat dich in seiner finstersten Stunde erschaffen?! Du verruchtes Wesen stiehlst mich meiner Zeit! O du Ausgeburt der Hölle, wieso nur vermag ich nicht dir zu trotzen?! Nathanael, mein Freund, jene Zeit werd ich auf dem Sterbebett beklagen! Solls denn in der Tat so sein, dass ich mein kürzlich Leben so unbedacht verschwende?!

Mein Gemüt einst so ausgeglichen und klar, nun fast gänzlich trüb. Nun wieder zwingts mich, Euch mein Freund warten zu lassen. Denn meine grässlich, ja hässlich und kränklich Haut giert nach Lotion!

Ölig, wie eine Ölsardine meld ich mich zurück – und auch fast so tot…
Ich führe ein aussichtsloses Leben und eine Gier meines Innern will’s beenden. Doch da ist was anderes, tief, so tief in der tiefsten Höhle meiner Seele, dort wo Fledermäuse an den Füssen von der Decke hängen, dieses Etwas hält mein verdürstet Sein zurück! O mein Freund, wieso kann ich diese Misere des stetigen Verfalls, ja Zerfallens nicht mit unerträglicher Leichtigkeit beenden?! Freu ich mich meines Lebens zu sehr? Oder bin ich von feiger Natur? Tendieren tut’s mich Letzterem…

Überall ist Bitterkeit, Verzweiflung und der Tod. Not und totes Fleisch - … In meinen jungen Jahren, dennoch so verbittert wie ein alter Tattergreis. So verderbt und bitter. Es ist so bitter, mein Herz so bitter und ich mag es, weil es bitter ist…

Hoffte heute auf eine Lieferung meiner Bestellungen. Doch nichts geschah, wollte eintreffen. Ersätzlichst hin ein Brief Deiner Gestalt! O, welch Freudgefühl kam in mir hoch! Anfänglich las sich schwer Dein Wortgebild. Eure Hand war ins Unerkennbare abgedriftet.

O, Freund, werde morgen wieder dem gewohnten Gang nachgehen. Zur Arbeit pilgern. Woher der Wandel? Ich bin gestärkt. Stark sein und über die Schwachen spotten. Hohn und Schande über sie! So solls denn sein.

Mein arm verkümmert Freund, nur zu gut weiss ich um Euren Schmerz, Euer Leid, Euren Kummer! Geht’s mir doch zu oft so!

Ich bin verdammt auf Ewig abhängig zu sein. O meine frigide Seele komm und eile herbei. Brauche Dich in meiner Not! Es ist eine stinkende Welt!!!
HASS auf meine Gefühle und Emotionen! Ich durchschreite eine Hölle, wie nur Ihr sie kennt.

Nathanael, Freund, ein Treffen schlag ich vor am Wochenende. Am Nachmittag am Sonntag? Nicht draussen umherwandern, wie wir dies so oft getan, zu kalt ist die Kälte. Kommt zu mir, ich bin daheim.

Aussprechen, Reden, einander gegenseitig neuen Lebensmut einhauchen!
Kommt und besucht mich. Denn ohnehin ist alles übel! Und Übel ist alles!

Es grüsst Euch Euer Blutsbruder
Lothar aus dem sumpfigen Hopes End, dem Höllenpfuhl.

Nun denn, gut Nacht.

© Navi M.

Mittwoch, 1. Dezember 2004

Wolf


1. Dezember 2004

Ich schleiche umher, geschwächt, kränklich, vor Hunger, aus Not.
Hab ich doch seit Tagen nichts mehr gegessen. Seit Tagen, seit dem die Jäger wieder durch die Wälder streifen und alles erlegen, was vier Beine hat.
Lang ists her, da sah ich auf einer grossen Weide, eingezäunt, Schafe. Viele Schafe. Es tat mir Leid, doch ich hatte solchen Hunger, dass ich eines fressen wollte. Stürzte mich auf ein junges Schäfchen, biss ihm das Genick entzwei auf dass es nicht mehr merkte. Genüsslich verzehrend den Leichnam des Schafs ertönte ein Schuss. Nicht Der Schuss des Jägers sondern des Hirten. Fast zeitgleich verspürte ich einen pochenden Schmerz an meinem Bein. Das Blei seiner Kugel hatte mich durchbohrt. Mich getroffen. Mühsam und unter grossen Schmerzen jage ich davon, denn er wollte mich töten, dessen bin ich mir gewiss.
Hinter mir her donnernd eine weitere Kugel, mich verfehlend.

Die Wunde ist verheilt. Die Narbe blieb zurück. Aus Wunden werden Narben, und Narben bleiben hässlich. Nicht am Äusseren ists, dass  man sie hässlich misst. Hässlich sind einzig die Erinnerungen an deren Entstehung. Den Moment, in dem die Kugel mein Fleisch zerfetzte ...
Hungernd seit Tagen, nichts zu essen, durch die Wälder streifend auf der Suche. So lange Zeit  ohne Essen, dass ich fast gänzlich geschwächt bin.
Ich rieche, ich rieche Fleisch! Kann es denn wirklich sein? Fleisch? Nach all den Tagen des Hungerns... Spielt mir mein Verstand denn einen hinterlistgen Streich? Was solls.
Ich gehe dem Geruch nach. Beinahe wahnsinnig vor Hunger.
Komme in das kleine Dorf und sehe ein Kind. Ein Kind vor einem Mülleimer sitzend Fleisch in seinen Händen haltend. Fleisch! Langsam schleiche ich mich zu ihm hin. Keiner sieht mich.
~Noch eine Kugel würde ich jetzt nicht überleben~Ich habe lange Hunger gelitten. ZU lange. So lange, dass ich fast zu schwach bin, meine Zähne in das Fleisch zu bohren. Doch ich schaffe es. Gierig kaue, ja verschlinge, was ich abgebissen. Nicht nur das Fleisch in des Kindes Händen, sondern diese gleich mit. Ich mache mich über das kreischende Kind her. Zerbeisse seine Halsschlagader auf dass es nichts mehr spürt. Durch des Kindes Geschrei eilen Eltern herbei. Geschrei wird erhoben. Geschrei! Geschrei um ein Gewehr! Um ein Gewehr die Bestie zu töten! Die Bestie zu töten ehe sie das Kind verschlingt!
Zu spät, gesättigt renne ich davon. Zurück in den Schutz des Waldes. Habe ein Dorf gefunden. Ein Dorf mit vielen Kindern. Viel lebendiges Fleisch zum Fressen.
Ich bin der Wolf, der eure Kinder frisst...

© Navi M.

schlampig


1. Dezember 2004

Die Stadt liegt noch im Dunkel. Dunkel. Früher hätte diese Bezeichnung wohl noch gepasst. Doch durch die vielen Strassenlaternen und die weihnachtlichen Dekorationen an allen Fenstern und über den Strassen war es richtig hell. Nebel lag über den Strassen, durchbrochen vom Scheinwerferlicht eines haltenden Buses. Die Türen gingen auf. Inmitten einer Menschenmenge war auch sie. Sylvana Borger.
Der Anfangs feine Nieselregen wurde schliesslich ein kräftiger Regenschauer. Bis Sylvana an ihrem Arbeitsplatz, wo sie eine Ausbildung im Detailhandel absolvierte, ankam, war sie vom Regen durchnässt. In letzter Zeit schien sie wie vom Pech verfolgt. Alles schien sich gegen sie verschworen zu haben. Sogar ihre Arbeitskolleginnen. Einzig die Chefin hielt zu ihr; Nur Gott allein weiss wieso.
Sylvana erschien regelmässig 5-10 Minuten zu spät im Geschäft. Sie konnte sich das erlauben, denn die Chefin sagte nichts. Wenn alle anderen 15 Minuten Pause machten, machte Sylvana 25. Sie war auch diejenige, die immer zu früh Mittagspause machte, und zu spät zurückkam. Die Stimmung im Team war dementsprechend mies. Keiner konnte Sylvana mehr leiden. Sie konnte sich alles erlauben...
Sylvana war im 2. Lehrjahr und somit verantwortlich für die Müllpressanlage. Diese war eine schwerer grosser Kasten, der den Müll presste und sich im Untergrund des Gebäudes befand. Da die Maschine schon einige Jahre auf dem Buckel hatte, musste man den Müll jeden Tag einmal pressen. Mit mehr wäre die Maschine nicht mehr fertig geworden.
Papier und Karton wurden separat in einen grossen Müllcontainer entsorgt.
Nicole, die im 1. Lehrjahr war, hatte die Aufgabe den Müll zu trennen. Sylvana musste ihn dann lediglich in die Anlage, resp. den Container werfen.
Natürlich erledigte sie auch diese Arbeit sehr schlampig, wie all die anderen Aufgaben:
An der Kasse liess sie stets die Quittungen herumliegen, stempelte die Gutscheine nicht, räumte keine Kleider ein, ja nicht mal die Klospülung betätigte sie - geschweige denn die Hände zu waschen. Sylvana war ein wirklich fauler Mensch! Die anderen mussten ständig hinter ihr aufräumen, ihre Fehler ausbügeln und sich wegen ihrem Verhalten bei den Kunden entschuldigen.
Sylvana bestand auch darauf, dass die im 1. Lehrjahr den Müll entsorgen sollte. Damit kam sie aber nie durch.
An diesem Tag stapelte sich der Müll bereits wieder. Seit zwei Tagen hatte sie ihn nicht entsorgt. Sie hatte keine Lust dazu. Da die Chefin es ihr an diesem ausdrücklich befahl, machte sie sich auf zur Luke der Müllpresse um den Müll hineinzuwerfen.
Es war viel zu viel, als die alte laute Maschine das hätte bewältigen können. Nach lautem Quietschen und Knarren setzten sich die beiden Wände in Bewegung und versuchten den Müll zu zerdrücken. Dann, setzte sie aus. Nichts funktionierte mehr. Nichts überlegend kletterte Sylvana in den Müllschacht um die Säcke wieder hinauf zu nehmen und es mit weniger zu versuchen. Sie zerrte an den Säcken und hievte diese mühsam nach Oben. Als sie etwa die Hälfte der Säcke wieder draussen hatte, ging das Quietschen und Knarren erneut los, worauf sich die Wände aufeinander zu bewegten. Sylvana wollte so schnell wie nur möglich aus der Müllpresse rausklettern, doch dies gelang ihr nicht.
Kurz bevor es zu spät war schaffte sie es, blieb jedoch mit den Stoffbändern ihrer Hose irgendwo hängen. Wohl wissend, dass, sollte sie die Bänder nicht los bekommen, ihr Bein zu Brei zerquetscht würde, zerrte sie daran. Die Wände kamen immer näher. In panischer Hektik oder hektischer Panik zerrte sie weiter und weiter. Die Wände kamen immer näher.
Dann geschah es! Um haaresbreite hatte sie es geschafft. Ihr Bein war draussen, ehe die Wände zusammenstiessen.
Als sie sich wieder voneinander weg bewegten, griff Sylvana nach den nächsten Säcken und warf sie in den Schacht. Aber diesmal nur noch 4 auf einmal. Unter gar keinen Umständen hätte sie nochmals da in diesen Schacht runter steigen wollen. Schon gar nicht nach dieser Erfahrung von vorhin.
Hinter Sylvana lagen noch 3 Müllsäcke. Einen nach dem anderen packte sie und wünschte ihnen einen guten Flug. Die Wände der Müllpresse bewegte sich wieder aufeinander zu. Sylvana beugte sich hervor um dem Spektakel nochmals zu zuschauen. Dann verlor sie das Gleichgewicht durch einen Stoss in die Kniekehlen. Sylvana ruderte verzweifelt mit den Armen, doch das half nichts. Sie stürzte in die Müllpresse und wurde samt Müllsäcken zu einer breiigen Masse zusammengedrückt.

Den Stoss in die Kniekehlen erhielt sie nicht etwa von einer gehässigen und rachsüchtigen Arbeitskollegin. Nein. Sondern durch den Kartonstapel, der sich durch das Rattern der Maschine gelöst und von dem Wagen gerutscht war.
Hätte Sylvana ihre Sache richtig gemacht und den Müll jeden Tag entsorgt, wäre das nicht passiert und sie wäre wohl noch am Leben.

Jeder Mensch wusste, dass man sich nicht direkt vor die Öffnung stellt. Zu hoch ist das Risiko in die Presse zu fallen...
 


© Navi M.

Dienstag, 16. November 2004

Familienvater

26. November 2004


Obwohl Sonntag ist, sitzt er in seinem Büro. Schon ganz früh am Morgen war er aufgestanden um für seine Familie frische Brötchen zu holen und anschliessend gleich ins Büro zu hetzen.
Es kam oft vor, dass der Vater am Sonntag nicht daheim war. Aber böse war ihm niemand deswegen. Seine Familie hatte ihn sehr lieb.

Fast wäre er eingenickt. Er brauchte Schlaf. In den letzen Wochen hatte er kaum geschlafen und war gezwungen, dies alsbald nachzuholen. Mal wieder richtig lange und ausgiebig zu schlafen. Nein, er darf nicht schlafen. Muss noch diese Präsentation fertig stellen. Mit einem weiteren Becher Kaffee wird es schon gehen. Koffein hält ihn schon seit Jahren auf Trab.

Der Regen schlägt unnachgiebig an die Scheibe seines Büros. Immer diese Unwetter!


Um 15:30 Uhr hat er seine Arbeit beendet und gespeichert. Nun noch den Computer herunterfahren und das Licht löschen. Das Büro muss er auch noch abschliessen. Und immer dieser Regen!
Immerhin steht sein Auto direkt vor dem Ausgang. Er wird von ein paar Regentropfen getroffen. Sie hinterlassen hellgraue Spuren auf seinem weissen Hemd. Glänzende Kugeln bleiben auf seiner Jacke zurück.
Nun aber nichts wie nach hause!

Immer noch herrscht starker Regen...

Die Autobahn ist wirklich verdammt nass. Aquaplaning. Die Scheibenwischer werden heute wieder gefordert. Sie arbeiten und arbeiten, haben keine Pause um mal wieder Luft holen zu können. Sie geben ihr Bestes, kommen aber einfach nicht gegen das Heer des Wassers an.

Diese verdammten Raser! Gehören alle weggesperrt! Krepierst hoffentlich, du verdammter Idiot!

Zwei dunkle Klappen fallen zu. Von oben nach unten. Schon wieder auf die Augen. Die Lieder sind so schwer, wollen schon wieder zufallen. Schlafen. Wie gerne würde er jetzt einfach schlafen. Sich hinlegen und einen Ausflug ins Schlummerland unternehmen. Das Schlummerland mit seinen vielen Attraktionen. Dort kann sogar eine Kuh fliegen. Man kann auf Wolken gehen.

Eine Hupe! Die Augen weit aufgerissen. Reflex und mit dem Fuss auf die Bremse getreten. Wasser! Das Auto kommt ins Schleudern, knallt in die anderen, die vor ihm im Stau stehen. Zu viele Geräusche, als dass man aller Herkunft hätte ausmachen können. Ein stechender Schmerz im Gesicht. Regen tropft in die tiefen Wunden. Die Scheibe ist hin. Blut. Überall ist Blut. Sein Blut. Der Wagen überschlägt sich. Metallteile werden eingedrückt. Teile werden durch die Luft geschleudert. Der Wagen kommt auf der Nebenspur zum stehen.

Wieder eine Hupe. Eine mächtige aber. Er öffnet die Augen und sieht grade noch den LKW, der auf ihn zu gebremst kommt. Metall wird zerbeult. Etwas bohrt sich in seinen Bauch. Beine hat er längst nur noch bis zu den Knien. Füsse und Unterschenkel sind bereits zu einer breiigen Masse zerdrückt worden. Blut spritzt aus seinem Mund. Das Lenkrad hat seinen Brustkasten zerdrückt. Die Luft wird knapp.
Eingeklemmt zwischen irgendwelchen Teilen sieht man seine Hand. Die Finger gebrochen. Der Nagel des Zeigefingers schaut aufrecht nach Oben. Ein Glassplitter hat sich zwischen ihn und das Nagelbett geschoben. Blut. Überall Blut. Sein Blut.
Es vermischt sich mit dem Regen und verteilt sich auf der gesamten Fahrbahn.

Zu hause läuft der Fernseher. Die Kinder und die Frau schauen sich einen Actionfilm an, welchen er ihnen am Samstag mitgebracht hatte. Ein Auto überschlägt sich. Die Insassen sterben. Der Sohn jubelt voller Freude über den Schrotthaufen, der vorhin noch ein Auto war. Die Töchter wissen nicht recht, ob ihnen das nun gefällt oder nicht. Mutter greift in die Schüssel mit dem Popcorn und schaut auf die Uhr. Er ist noch immer nicht da. Wann nimmt er denn endlich mal seine Ferien? Er muss sich mal ausruhen. Sein Job bringt ihn noch mal um!

Sirenen des Krankenwagens, der Polizei und der Feuerwehr sind zu hören. Der LKW-Fahrer steht vor dem PW. Hat einen Schock.

Die Feuerwehrmänner schneiden ihn aus dem Fahrzeug raus. Einer hebt ihn an. Er will ihn rausziehen. Ein Widerstand. Der Feuerwehrmann zieht heftiger und verliert das Gleichgewicht, als der Körper nachgibt. Auf dem Rücken auf der Strasse liegend, hält der Mann einen Oberkörper. Abgetrennt.
Seine Innereien ziehen eine Linie. Liegen auf dem Feuerwehrmann, auf der Strasse und im Wagen. Und überall ist Blut. Sein Blut. Sein Fleisch.
Er merkt nichts davon. Denn er ist tot.

Er hinterlässt eine Frau und drei Kinder…

© Navi M.

Dienstag, 9. November 2004

Geldfälscher


An einem ruhigen Morgen. Der Laden ist fast menschenleer. Einzig in der hinteren Ecke bei der EDV tummeln sich zwei Jugendliche, die sich nicht entscheiden können. Wir sind alle gut gelaunt, was sehr selten ist in jenem Betrieb. Reden miteinander und stehen uns die Beine in den Bauch weil einfach nichts zu tun ist. Der Himmel strahlt in hellem Blau und bauschige Wolken tummeln sich in ihm. Sonnenstrahlen erhellen das ganze Schauspiel und muten einen vollkommenen Tag an. Nicht das wir den Tag gesehen hätten. Der Laden liegt in einer Ecke des Centers, der keinen Kontakt zur Aussenwelt zulässt. Das einzige Fenster ist im Büro und selbst dieses zeigt in einen Schacht. Ob Tag oder Nacht, ob Regen oder Sonnenschein, wir hatten nie einen Schimmer davon, wie es draussen aussah.
Da verzogen sich die bauschigen weissen Wolken und der Himmel wurde finster und trüb. Gewitterwolken zogen auf. Denn einer der begehrtesten Kunden kommt stampfend in den Laden. Top geschalt und immer unfreundlich. Ob er überhaupt in der Lage ist zu lächeln? Keiner weiss es. Dies ist eine Frage, die wohl immer unbeantwortet bleiben wird. Genau so wie die Fragen über das Bermudadreieck, Nebellichter und schwarze Löcher. Alle kennen ihn, ich nicht. Daher sind plötzlich alle mit Aufräumen beschäftigt. Er wuchtet sich und seinen Bierbauch, der mindestens 20cm über den Hosenbund ragt in meine Richtung. Abhauen kann ich nicht mehr, da das Monstrum bereits Augenkontakt mit mir aufgenommen hat. Ist man soweit gegangen, gibts kein Zurück mehr. Man ist hilflos ausgeliefert. Wie dem auch sei. Er kommt dampfend, wie eine Dampfwalze zu mir herübergerollt und fragt in überheblichem Ton: "Haben Sie das Buch von Pascal Mercier?" (Betonung auf DAS Buch. Da zu der Zeit der "Nachtzug nach Lissabon" in aller Munde und auch auf der Bestsellerliste war, geht jeder Mensch davon aus, dass auch dieser Titel gesucht wird.) "Meinen Sie den Nachtzug nach Lissabon?" "Er wird wohl noch andere Werke verfasst haben! Oder haben Sie nur das hier?!" Freundlich, wie ich bin, zeige ich ihm die anderen Werke Merciers. Er braucht mich nicht mehr und ich gehe zurück zur Kasse, wo S und S mir zulächeln. Aha, fertig mit Aufräumen? Gut. Herr Dr. Dampfwalze rollt zur Kasse, zu S. Legt ihr einen Stapel Bücher hin und will mit einem 1000-Franken-Schein bezahlen. Er zückt dieses putzige und exakt einmal genau in der Mitte gefaltete Scheinchen und streckt es S hin. Diese "Wir nehmen keine 1000er an." In dem Moment kann man bei genauem Hinsehen erkennen, wie sich eine Ader des Zorns auf der makellosen Stirn abdrückt. Die Gesichtsfarbe von einem gesunden hellen Beige weicht in ein oranges Rot. Ein herrlicher Farbverlauf. Wirklich! Auf den Farbverlauf, welchen die wütenden Dampfwalze nicht mitbekommen hat folgt ein heftiger Wortwechsel: "Wie bitte?! Das ist auch Geld!" Worauf sie: "Sie könnte gefälscht sein." Ich glaube mich verhört zu haben. Gehts der noch gut?! Na ja, wir können auf eine entsprechende Reaktion gefasst sein. Wieso gibts hier eigentlich keinen Sessel? Sessel und Popcorn wären jetzt grad recht!
"Was?! Was erlauben Sie sich! Ich und ein Geldfälscher! Na warten sie! sie... - wissen sie was? Behalten sie ihre Bücher." Somit macht er auf dem Absatz kehrt und verlässt fluchend den Laden: "Mit schweizer Geld kann man heut zu Tage nicht mal mehr in der Schweiz bezahlen! Das ist auch Geld! Ich ein Geldfälscher!" Bravo S, der kommt bestimmt so schnell nicht wieder. Es fehlten nur noch die Worte, Sie hören von meinem Anwalt!

Donnerstag, 16. September 2004

Fett wie das Leben und zweimal so hässlich



16. September 2004


Ein Mann von edlem Hause, der seinen Wohlstand durch sein Äusseres zum Ausdruck bringt. Geizig, egoistisch, kümmert sich einen Dreck um die anderen. Die Armen. Jene, die nicht mal annährend so viel haben, wie er selbst. Auf der einen Seite, die reichen mit ihren Festen, prunkvoll und überladen, wie das Tachmahal. Daneben das krasse Gegenstück. Die Armen, die verhungern. Daher mein Titel „Fett wie das Leben und zweimal so hässlich“ wie es. Hässlich gleich der Grausamkeit der Spezies Mensch mit Seinesgleichen. Doch im Schatten lauert immer der Tod. Die ganzen Hirnwindungen kreisen um diesen Gedanken:
Sterben muss jeder irgendwann.

Auch sehe ich darin den stetigen Wandel. Den langsamen Verfall, der bei der Geburt einsetzt und vermutlich erst dann aufhört, wenn der Tod einsetzt. Erst dann, wenn Gevatter Tod sich Deiner bemächtigt.

Das Bild eines jungen Mannes, daneben ein halb verwester Leichnam. Abgesehen vom Gesicht fast gänzlich verrottet. Von Würmern zerfressen. Ein zerfressner Leichnam.
Oh ja, ist denn nicht die Welt auch einer? Ein zerfetzter Leichnam? Meine ist es. Und dies nur wegen dem Giftmüll. Giftmüll. So masse ich mir an, die Menschheit zu nennen. Er modert, tötet, schlachtet, metzelt, zerstört und kommt damit auch noch durch. Macht sich aber in die Hose, wenn sich unsere Mutter Natur mal zur Wehr setzt. Zu viele Tote gibt es dann zu beklagen. Die Götter werden aus Verzweiflung verflucht. Zu unrecht. Denn es ist Eigenverschulden.

Mit einem Herzen, welches sich voll herbstmelancholischer Freude in ein schwärzeres Schwarz verfärbt, schrieb ich diesen Text.

Und am Ende wartet auf jeden und alles, kein Geringerer als Gefatter Tod.



© Navi M.

Dienstag, 13. April 2004

McDonald's im ICN

Es geschah im Jahr 2004...

Wo soll das alles noch hinführen?!
Sitzt man im ICN von Winterthur nach Olten. Mit dabei, im überfüllten Zug, eine indische Familie. Das ohnehin schon fette Kind schreit und brüllt und heult. Mama holt schnell diese uns allen bekannte braune Tüte hervor, jene mit dem gelben M auf rotem Hintergrund und holt eine Cola und eine Schachtel hervor. Noch immer schreit das fette Kind, welchem eine Schüssel voller Salat besser bekommen würde, wie dieses fetttriefende ungesunde Zeug, welches die gute und ebenfalls fette Mama in den Knaben hinzustopfen beginnt. Obwohl sich nun dieser unangenehme Geruch im ganzen Wagon ausbreitet, ja sich regelrecht in die Sitzbezüge frisst, hat das ganze einen Vorteil: Der fette Knabe schreit nicht mehr. Nein. Manch einer würde sich da glücklich schätzen. Aber nicht jemand, dem Schmatzgeräusche und Ge-ka-utes dermaßen gegen den Strich gehen! Denn der fette Bengel kaut mit offenem Mund, zermantscht diesen ohnehin schon eklig anzuschauenden Burger und schafft es doch irgendwie, nur Gott allein weiss wie, wieder zu schreien! Den Hals könnte ich dir umdrehen! Würde ich vielleicht auch machen, wenn ich nicht in der Angst leben würde, dass du mir dann dein Zerkautes anspucken würdest... Jedenfalls greift die werte Frau Mama, bereit alles zu geben um ihrem Kinde stets zu Hilfe zu kommen, vehement zum Colabecher. Wohlgemerkt: Large! Der fette Junge, im Alter von vielleicht neun Jahren, schafft es doch tatsächlich die Cola zu trinken OHNE dass     sein zermantschter Burger aus dem Mund quillt. Dafür gibts doch immerhin ein BRAVO!!! 

Anmerkung: Nein, der eben erwähnte Geruch ist nicht verflogen, im Gegenteil! Die Fressorgie hat eben erst begonnen: Das fette Kind hat doch tatsächlich diesen BigMac klein gekriegt und macht sich nun, vielleicht aus Angst zu verhungern?, über die große Packung Chicken-Nuggets her. 
Ich verbinde den Geruch so langsam mit dem Nebel in "The Fog- Nebel des Grauens". So furchtbar ist er! Er breitet sich aus. Frisst sich in meine Kleidung, unfähig es zu verhindern sitze ich da und sehe meinem Ende entgegen. Der Geruch hat einen Weg in meine Nase gefunden. Nun ist es aus!
"Nächster Halt, Lenzburg!"
Neeeeeiiiiiiiiin! Sie bleiben sitzen. Entweder weil das noch nicht ihre Station ist oder weil sie ihre Hintern, diese geradezu wuchtigen Hintern, nicht mehr hochkriegen. Wie auch immer, so oder so, mein Elend ist bestehend.
Mit dem Öffnen der Türen hat sich zumindest der üble Geruch etwas verzogen. Heil dir, oh du Sauerstoff! Unverbraucht und klar! Reinheit der Natur! Dir sei Dank!
Mit dem Gedanken, dass es nun nicht mehr schlimmer werden kann schaue ich aus dem Fenster. Eine Stimme: "Ist hier noch frei?" Ein Rentner, der sich ins Abteil neben dem meinigen pflanzt. So viel zum Thema, es kann nicht mehr schlimmer werden! Der MC-Geruch ist nur noch sekundär. Denn geradezu überwältigend ist der Geruch, welcher von diesem "Knochensarg" freigesetzt wird! Ich könnte kotzen. Einfach so auf den Boden kotzen! Wieso duschen die sich nicht mehr? Als ob das nicht schon genug wäre, fängt er an zu röcheln und zu schmatzen, wie die Senioren das so gut können und mich zur Weißglut treiben!
Der ältere Herr verlässt uns in Aarau jedoch. Dem Himmel sei Dank! 
Nun hoffe ich die Strecke bis Olten ohne meine Nase beleidigende Gerüche fortsetzen zu können. Kuhl! Hat geklappt, denn: "Nächster Halt Olten!"
Ich bin frei!!!