Mittwoch, 4. November 2015

Das Internet ist voll von Psychopathen

Wir schreiben den 5. November 2015. Wir leben in einem Zeitalter, in dem Autos fliegen können und wir anstelle von Skateboards Hoverboards benutzen, um vorwärts zu kommen. Unsere Haustüren lassen sich per Fingerabdruck öffnen und Pizza Hut hat eine Pizza erfunden, die beim Backen um ein Vierfaches grösser wird. Pepsi hat Cola ausgestochen, Hunde gehen ohne Herrchen Gassi und wenn wir zufälligerweise in einen Teich fallen, trocknet unsere Kleidung von selbst. Keiner hat ein Smartphone in der Hand. Keiner hat einen iPod oder geschweige denn die weissen Stöpsel in den Ohren, keiner hat überteuerte Beats by Dr. Dre auf dem Kopf oder nutzt das Internet. Das Internet existiert gar nicht.  Jetzt wissen wir, dass etwas nicht stimmt...

Im richtigen Jahr 2105 hat man sich nicht viel zu sagen. Trifft man sich mit Freunden, sitzt man zwar in der Gruppe da, aber jeder schaut auf diesen kleinen Bildschirm, den er in der Hand hat. Hören will man ohnehin nichts, das signalisieren die Kopfhörer...
Aber, das Internet ist aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Es bestimmt unser Leben.
Wir können einen ganzen Nachmittag auf der Webseite von Zalando verbringen und Kleidung und Accessoires einkaufen, die uns dann portofrei zur Anprobe zugeschickt werden. Kosmetikprodukte aus Japan bekomme ich bei Amazon, Produkte von Shiseido bei easycosmetic. Bestelle ich wieder Produkte für über CHF 300,- sperrt man meine Kreditkarte, weil man denkt, es handle sich um eine seltsame Transaktion. Wer kauft schon Kosmetika für über CHF 300,- ein? Guter Mann, eine Frau, die das dreissigste Lebensjahr erreicht und der rapiden Hautalterung entgegenwirken will!
Jedenfalls können wir sogar Lebensmittel im Internet einkaufen, die einem noch am selben Tag geliefert werden.
Wollte man sich früher eine Pizza bestellen, war man gezwungen dort anzurufen. Dank Foodarena, bestellt man sich die Pizza mit ein paar Klicks online.
Fahrpläne finden wir online, Veranstaltungen, Flüge, Hotels... Ja gar unsere Bankgeschäfte wickeln wir online ab.
Wir sparen uns auch die Briefmarken, in dem wir Emails verschicken. Wer heiraten will, sucht sich online auf der Webseite einer Vermittlungsagentur jemanden aus. Oder man trifft sich online auf Seiten wie Paarship...
Wenn wir eine Fremdsprache lernen wollen, können wir dies auch online machen. And here we go!

Seit kurzem unterrichte ich Deutsch über eine Webseite. Allerdings bekomme ich da kaum Studenten, weil die Deutschen Preisdumping betreiben. Sorry, ich bin Schweizer und unterrichte auch online zu einem Schweizer Lohn. Welcher geistig gesunde Mensch, unterrichtet 45min für CHF 5,-?
Jedenfalls bin ich noch auf einer anderen Webseite angemeldet, wo es um Sprachaustausch für Japanisch geht. Und dort habe ich den Musiker kennen gelernt.

Immer wieder fragen mich die Leute, "Wo hast du ihn kennen gelernt? Im Internet??? o_O" und fallen dergestalt rapide ins Loch, dass man nicht einmal mehr ein rettendes Seil hinterher werfen kann. Ja. Im Internet! Herzlich willkommen im RICHTIGEN Jahr 2015!
Aber im Internet wimmelt es von Psychopathen!
Korrekt! Das passt ja dann perfekt... Moment ich schnall kurz meine Zwangsjacke zu...
Ich könnte in einem Vorgarten verscharrt werden - ja. Die Wahrscheinlichkeit, dass einem das passiert mit jemandem, den man beispielsweise in einer Bar kennen gelernt hat, ist allerdings grösser. Ich müsste mich schwer täuschen, dass Ted Bundy damals mit einem Smartphone unterwegs war, und Frauen im Chat kennengelernt, sich mit ihnen getroffen und sie dann verstümmelt hat. Ted Bundy machte das noch ganz altmodisch. Oder Jeffrey Dahmer? Der ging gern in Clubs, nahm jemanden mit nachhause und die Person ward nicht mehr gesehen...
Wenn wir schon dabei sind, die 33 Leichen junger Männer, die man aus John Wayne Gacy's Keller exhumiert hat, verfügten auch noch nicht über einen Internetanschluss. Vielleicht hatte einer einen alten Atari zu hause, wer weiss... Aber keinen Internetzugang, keinen Chatroom, etc...

Ja liebe Leute, die Welt vor dem Internet schon voll von Psychopathen... 

Mittwoch, 28. Oktober 2015

Parasit

"Gegenwärtig ist zu sagen "es tobt ein Krieg in mir"...
Ich weiss, dass ich mir das von der Seele schreiben muss, jedoch muss ich meine Worte mit Bedacht wählen... schliesslich gab es schon einmal von einem ehemaligen Arbeitgeber eine Abmahnung... Einer solchen möchte ich dieses Mal entgehen.
Die Zeit wird kommen... 
Bald ist Halloween und somit Zeit für eine Horrorgeschichte? Möglicherweise eine Geschichte, über eine intrigante schwangere Frau, die ein Höllenbaby ausstösst? Verachtung gepaart mit dem Besuch eines Parasitenmuseums in Meguro, Tokyo, können erstaunliche Geschichten hervorbringen... 
Warten wir's ab 
„kiki“-Emoticon
 Aber, etwas wird bald geschrieben worden sein..."
- Navi M. Gray auf Facebook am 27.10.2015

Es war ein sonniger Tag, an dem SIE ihre neue Stelle als leitende Assistentin in einer nicht zu verachtend grossen Pharamaunternehmung antreten durfte. 
Bereits in ihrer alten Firma, wucherte SIE eines Virus gleich, und zerstörte, was es zu zerstören gab. Wie ein Parasit frass SIE sich durch die Firma und spann Netze aus Intrigen, welche SIE alle schriftlich festhalten musste, um sich nicht zu vertun. Kaum ein Wort, das über ihre spröden Lippen kam, entsprach der Wahrheit. Wenn SIE den Mund aufmachte und zu, nicht mit, ZU jemandem sprach, kam dieser jemand in den zweifelhaften Genuss, ihren schlechten Atem einzuatmen. Ihr Mundgeruch erinnerte an einen verwesenden Leichnam - ob der eines Tiers oder Menschen sei dahingestellt. 
Bald schon erzählten sich die ersten Mitarbeiter Geschichten darüber, dass jedes Mal, wenn SIE einen Raum betrat, ein beissender Geruch nach Schwefel in der Luft hing. Eine Abgesandte aus der Hölle, meinten die einen. Eine wandelnde Grabstädte, meinten andere. 
Langjährige Angestellte wurden entlassen, aufgrund von Fehlern, die sie nicht begonnen hatten. SIE dafür schon. SIE drehte alles so, dass SIE nie die Schuldige war. Selbst wenn SIE von Betroffenen darauf angesprochen wurde, wies SIE jegliche Schuld von sich. Wurde die Situation heikel, spielte SIE ihren Joker aus. SIE begann zu wimmern und zu wehklagen. Ihre Klagelieder waren stets von gleichem Inhalt. So etwas widerfahre ihr nur, weil SIE eine Auswärtige sei. Bereits in ihrer letzten Firma, sei SIE gemobbt worden. Dass ihr das jetzt wieder passieren müsse... 
SIE kletterte die Karriereleiter steil nach oben, auch wenn das bedeutete, mit einem Vorgesetzten zu schlafen, tat SIE das. SIE wollte nach oben. Dazu kam ihr jedes Mittel recht! Natürlich wurde die Anzahl der Leute, die SIE verabscheuten immer grösser. Feinde hatte SIE genug. So manch einer verlor seinen Job wegen ihrer Intrigen. So manch einer schwor auf Rache. Manche schworen gar auf Blutrache. 

Erwiesen ist nichts, aber man erzählt sich, es sei diese zarte unscheinbare Frau gewesen, die dem Treiben ein Ende gesetzt hat. Jene Frau durfte eine hohe Position ihr Eigen nennen. SIE gierte nach jener Position. So kam es, dass die unscheinbare Frau entlassen wurde, aufgrund eines Zwischenfalls in der Forschungsabteilung. Drei Personen kamen auf abscheuliche Art und Weise ums Leben. Jene Personen erforschten einen Erreger, welcher eine noch unbekannte Form Nekrotisierender Fasziitis auslöste, kam man damit in Berührung. Den Kollegen blieb nur eines: Durch dickes Glas zu beobachten, wie den drei Kollegen im Labor die Haut vom Körper gefressen wurde. Deren Haut begann anzuschwellen. Blasen bildeten sich, die innert Kürze platzten. Flüssigkeit trat aus. Die Haut, die Unterhaut und die Muskelfaszien lösten sich auf. 
Dies innert 30 Minuten. 30 Minuten Qualen. 30 Minuten bis zum Tod... als die Nervenbahnen begannen sich aufzulösen, verspürten die drei wohl keine Schmerzen mehr. Sie bekamen nicht mit, wie schliesslich nur noch eine Pfütze aus Blut und ein paar Eingeweiden von ihnen zurück blieb. Und die Knochen natürlich. 
SIE hatte ja keine Ahnung mit wem SIE sich angelegt hatte und so trat die kleine unscheinbare Frau eines Abends, ganz klassisch auf dem schwach beleuchteten Parkplatz an SIE heran. Sie blickte SIE an und murmelte etwas, das für SIE unverständlich war. 
Nach diesem Abend ging dann alles ziemlich schnell... 

SIE verkündete voller Freude, SIE sei schwanger. Auf die Frage "von wem?" hatte sie allerdings keine Antwort. Schliesslich kamen vom 65-jährigen Firmeninhaber bis hin zum rangniedrigsten Chef jeder in Frage. Es war ihr jedoch egal. Denn SIE wusste, wer SIE war und das Kind konnte man ja zu Forschungszwecken verwenden. SIE dachte nicht im Traum daran, diesen kleinen Menschen nach der Geburt zu behalten. Zur Forschung ja. 
Ein weiterer Untersuch bei der Frauenärztin zeigte, dass SIE Drillinge erwarte. SIE freute sich darüber, denn so hatte sie gleich drei Babys, die SIE zur Forschung missbrauchen konnte. 
Etwas später, zeigte eine weitere Untersuchung, dass von den Drillingen nur noch zwei da waren. Wie konnte das möglich sein? Keiner wusste es... SIE dachte nicht weiter darüber nach. Die Frau bei der ersten Untersuchung musste geschlampt haben. Ganz einfach. 
SIE wurde während der gesamten Schwangerschaft von stechenden Schmerzen heimgesucht. Ihr Bauch wuchs in rasantem Tempo und so auch der Fötus in ihr - oder das fötusähnliche Wesen, dass da in ihr keimte und gedieh... 

Aus dem Protokoll des Leichenbeschauers geht folgendes hervor: 
Als man SIE gefunden hatte, war SIE noch am leben. In ihrem Bauch klaffte ein grosses Loch und alles war mit ihrem Blut verschmiert. In ihrem Bauch bewegte sich eine unbekannte Lebensform, welche entnommen und erforscht wurde. Die Tests ergaben, dass es sich bei der Lebensform um ihr Kind handelte, welches von einem Parasiten absorbiert wurde. Offenbar hatte es nie Drillinge gegeben. Fälschlicherweise wurde der Parasit als Fötus angesehen, der den einen Zwilling dann absorbiert hatte und sich danach dem zweiten Kind widmete. Der Parasit hatte, als er nicht mehr ausreichend Platz im Bauch des Wirts hatte, die Bauchdecke durchstossen. Welche Schmerzen SIE hatte erleiden müssen, ist kaum auszudenken. Offiziell ist SIE hinter her gestorben.
Doch, so habe ich vernommen, wurde SIE zu Forschungszwecken in ein Labor ihrer ehemaligen Firma gebracht, wo sie am leben erhalten wird und als Wirt für weitere Parasiten dient. Schliesslich hat ihre Firma eine grosse Abteilung, die sich der Erforschung von Parasiten jeglicher Art widmet. Dort in einem Labor liegt sie festgeschnallt und dient als "Leihmutter" für Parasiten. 
Und wenn sie noch immer nicht gestorben ist, dann dient und leidet sie noch heute.



Das schöne an solchen Geschichten ist, es muss nicht alles 100% stimmig sein - möglich wärs aber. Ausserdem konnte nie erwiesen werden, wie SIE sich mit diesem Parasiten infiziert hat. Manche sagen ja, sie wäre von der unscheinbaren Frau verflucht worden. Andere halten das aber für zu sehr "Drag me to hell". Möglicherweise war SIE beim Präparieren einer ihrer Intrigen zu unvorsichtig? Wer weiss...
In dem Sinne, bedanke ich mich dafür, dass Ihr Euch die Zeit genommen habt, meine kleine Geschichte zu lesen. Ich hoffe, sie gefällt Euch so gut, wie dem Parasiten die Föten gefallen haben -_^
Eure, Navi M. Gray

Sonntag, 13. September 2015

Gesellschaftliche Konvention: Das Bierli

Nahezu jeden Samstag verbringen wir den Feierabend auf der Dachterrasse des Betriebs und trinken ein zwei Bierchen. Die Einen trinken eines mehr, die Anderen eines weniger. Meistens geht es auf. Wenn nicht, muss jemand in den sauren Apfel beissen, gen Coop pilgern und Neues besorgen. Ich war das noch nie. Unsere männlichen Genossen sind eben noch Gentlemen und so geht einer von ihnen. Aber meist wird schon im Voraus genug des kühlen blonden Getränks organisiert.

So kam ich nicht umhin, mir ein paar Gedanken übers Biertrinken zu machen...

Bier muss einfach sein!

Nicht das jetzt jemand denkt, ich hätte ein Alkoholproblem. Ich bin weit davon entfernt. Und zwar so weit, wie ich nicht mehr in der versoffenen Gastronomie tätig bin. Aber ich dachte, wenn ich schon einen Eintrag zum Thema Bier schreibe, kann ich mir auch eines genehmigen, nicht? 
Neben mir steht eine Dose des neuen "Fäldschlössli Braufrösch". Seit diese rote Dose in den Kühlregalen des Coop vertreten ist, gibt es für mich nur noch ein "Braufrösch" als samstäglichen Feierabendtrunk, denn es ist herrlich mild!

Wenn wir uns zurück erinnern, weit zurück in jene frühen Kindertage, zu denen wir gerade noch Erinnerungen abgespeichert haben, sehen wir Familienfeste oder einfach Besuche. Die Erwachsenen, also der männliche Anteil, hatten stets eine Flasche Bier in der Hand. Ich höre die Stimme meines Vaters fragen "Nemsch no es Bierli?" oder die Stimme meines Onkels, der einen Kasten Bier mitgebracht hatte und meinte, das müsse mein Vater mal probieren. 

Es gibt kein Fest, keine Feier, ob öffentlich oder im Familienkreis, kein Konzert, wo es nicht etwa auch Bier gäbe. 

Ein "Fäscht", wie mein einer Arbeitskollege, das immer so schön auszudrücken weiss, ohne Bier ist hierzulande unvorstellbar. 

Wie viele Menschen trinken nach der Arbeit das sogenannte Feierabendbier? 
Ich denke, Bier kommt vor allen anderen Getränken. Kaffee könnte ihm wohl das Wasser reichen.. oder auch nicht?



Ein Bier ist immer freundschaftlich...

... es sei denn, es wird in eine Glasfalsche über jemandes Kopf geschlagen...
Ernsthaft jetzt, jeder hat sein Bierchen in der Hand und es versteht sich von selbst, dass man anstösst. Dabei schaut man dem Gegenüber in die Augen und sagt einen Trinkspruch, egal in welcher Sprache. Sei es "Kampai", "Nastrovje", "Prost", "Zum Wohl", "Santé"... egal in welcher Sprache der Trinkspruch ausgesprochen wird, er muss einfach sein. Seit ich Hostel 2 gesehen habe, lautet mein Trinkspruch Nastrovje. ^_^
Man stösst an und trinkt in einer freundschaftlichen Runde, während dem man sich unterhält. Sei es in unserer Dachterrassenrunde über Kunden, das Leben oder meistens über Filme. In der Mitte des Tisches steht immer ein Sixpack Quöllfrisch. Vor mir steht ein Braufrisch und manchmal sieht man gar ein Chopfab, das übrigens auch nicht zu verachten ist. 
Egal in welcher Runde man sich befindet, sobald ein Bier da ist, scheint alles gut. Man hat Gleichgesinnte. Sitzt man in einer Bar, trinkt man plötzlich mit einer Gruppe wildfremder Menschen und erhebt die Flasche zum Gruss. Bier verbindet. 


Bier und Black Metal

Während der Zeit, die ich in der (hauptsächlich Zürcher) Black Metal Szene zugebracht habe, ist wahrlich viel Bier geflossen. Viel ist gar kein Ausdruck. Ich erinnere mich gut an den ersten PDW-Tag, an dem ich, die dem Trinken nicht gewöhnt war, bereits nach zwei Bier schwankenden Schrittes gen Toilette wackelte. 
An Konzerten und Treffen war immer literweise Bier bereit. Man war an einem Konzert, trank sein Bier. Sah ein bekanntes Gesicht und erhob die Flasche zu Gruss. Ein Bier sagt mehr als tausend Worte. Das grösste Problem bei Konzerten war stets, wann trinke ich nur mein Bier? Bei welcher Band will ich bangen und bei welcher kann ich mein Bierchen trinken? Das waren noch Probleme... Oder man gab sein Bierchen in die Obhut des Freundes, des Kumpels, der Freundin und gesellte sich zu den bangenden Black Metallern. Das waren noch Zeiten, die ich hin und wieder vermisse... 
Bei solchen Erinnerungen muss ich stets lächeln. Es waren stupide Zeiten. Es waren gute Zeiten. 
Ich erinnere mich an zwei Typen in Gestalt eines Kleiderschranks, die sich die Fresse einschlagen wollten, schliesslich der eine dem anderen aber ein Bierchen spendierte und so tranken sie brüderlich und das Kriegsbeil wurde weggespült - mit Bier. 
Im Black Metall ging es ohnehin meist friedlich zu und her. Nie werde ich die Genossen von damals vergessen. Das Gelächter. Die Sprüche. Die Stimmung. Die Sympathie. Die Musik! 

Es Bierli


Oft macht man sich ja über die Schweizer lustig, weil wir unsere Verniedlichungsform "li" haben. So auch beim Bier. Jedes Mal, wenn ich über Whatsapp eine Nachricht erhalte, in der "Bierli" steht, muss ich unweigerlich lächeln. Ein "Bierli" ist etwas unschuldiges. Etwas gutes. 
So traf ich mich erst am vergangenen Montag mit einer Freundin auf ein Bierli in Olten an der Aare. Der Text lautete in etwa "Hökle mer chli ad Aare ufnes Bierli". "Hökle" ist auch so was... von "hocken" das Schweizer Wort für "sitzen". "Hökle" ist niedlich. "Hökle" ist etwas gutes, etwas niedliches, etwas unschuldiges, wie das "Bierli". 
Bierli ist fast schon liebevoll, vor allem dann, wenn es aus dem Mund eines Mannes kommt. So hörte ich doch neulich im Zug gen Olten einen jungen Typen zum anderen sagen "Holen wir uns nachher ein Bierli". Ich musste schmunzeln. 

Meiner Meinung nach ist die gesellschaftliche Konvention des Biertrinkens etwas gutes. So lange es zelebriert und nicht mit Füssen getreten wird. 

Und somit schliesse ich diesen Text für heute, erhebe mein Bierli und ende mit einem Nastrovje!






Samstag, 1. August 2015

Der schwangere Mann


Es war ein wunderbarer Tag, nicht vom Arbeiten her, da wir kaum etwas zu tun hatten, aber das Wetter war perfekt. Nicht zu heiss, nicht zu kalt, einfach angenehm sonnig. Die perfekte Kulisse also für die Anfangssequenz einer Nicholas-Sparks-Verfilmung...

Miralind und ich hielten uns am Empfang auf und verhandelte gewichtige Themen, welche natürlich allesamt mit dem Job zu tun hatten - denn Privatgespräche waren ja nicht erlaubt. Und da Schafe und ihre „Maaa“-Laute zum Arbeitsalltag gehörten - zumindest seit diesem Kunden, der sich in (s)einer Schafphase befunden hatte - und hoch im Kurs stehen, war das Thema Schaf an der Tagesordnung und so sprachen wir gerade über Schafe, als das Unaussprechliche geschah…

Eine Erschütterung war zu spüren und so dachten wir unweigerlich an ein Erdbeben der Stärke 2. 
Aber hier in der Schweiz? Mitten in Zürich? Die Erschütterungen wurden schlimmer. Ich betrachtete die Kreise, die sich in meiner Wasserflasche bildeten und dachte natürlich gleich an einen T-Rex! Ich sagte zu Miralind, das müsse ein T-Rex sein! Etwas anderes sei gar nicht möglich! 

Die Pforte zu unserem kleinen und buchschwangeren Reich öffnete sich und ein als Schwangerschaftsbauch getarnter Bierbauch schwappte herein. Kurz darauf folgte der dazugehörige Mann. Übrigens kreisten zwei kleine, ebenfalls schwanger aussehende Männlein in einer Umlaufbahn um ihn. Hätten wir den Mann von hinten betrachten wollen, hätten wir erst noch einmal volltanken müssen.
Ich flüsterte zu Miralind, da kommt ein schwangerer Mann. Miralind brach natürlich in schallendes Gelächter aus. Miralind bricht bei allem, was ansatzweise witzig ist, in schallendes Gelächter aus. Dafür liebe ich sie einfach. Die Arbeitstage ohne sie ähneln den letzten Tagen des Caligula: düster und am Anfang einer Entropie… 

Jedenfalls kam der mit einer weissen Zeltplane überspannte Bierbauch auf uns zu. Dicht gefolgt von dem dazugehörigen, verschwitzten Mann, der seine Augen und einen Teil seiner Nervosität, hervorgerufen durch seine Unsicherheit, hinter einer dieser peinlich-sportlichen Sonnenbrillen mit Spiegelgläsern zu verbergen wusste.
Wie es so üblich ist, hat er natürlich keine Anstalten gemacht, seine Brille abzunehmen. Wieso auch? Schliesslich besitzen rund 70% aller Menschen, die unser kleines Reich betreten, diesen Anstand nicht. 

Er öffnete den Mund und seine hohe zitternde Stimme war von Nervosität geschwängert. Dieser Mann triefte - vor Schweiss und Unsicherheit. 
„Ihr seid das aller Letzte!“ 
Miralind und ich schauten einander an. 
„Ihre Firma hat en Bogen deutlich überspannt! Vor 10 Jahren haben sie noch das 10. Buch Mose verkauft und nannten andere Idioten! Und letzte Woche haben sie da draussen einen Sexfilm verkauft! Euch ist nichts heilig!“ 
Als ich zu Miralind schaute, graute mir, denn ich rechnete fest damit, dass ihre grossen Augen bald schon die Höhlen verlassen und mit einem schmatzenden Laut auf den Boden aufschlagen würden, so entsetzt starrte sie ihn an. 
Für mich, die den ersten Arbeitstag nach den wohlverdienten Ferien hatte, war der Mann nur lästig und ich war genervt, dass er diesen schönen Tag mit seinem geistigen Dünnschiss überschatten wollte. So teilte ich ihm desinteressiert mit, er möge seine Beschwerde doch bei den Zuständigen anbringen, wir arbeiteten schliesslich nur hier. 
„Nein! Ich will nicht noch rechtlich gegen sie vorgehen! Es reicht, wenn ich das hier sage! Sie müssen das wissen!“
„Ja dann, dankeschön.“ flötete ich. 
„Bitte“ krähte er vom Ausgang her. Miralind und ich brachen in schallendes Gelächter aus, worauf sich erst der schwanger anmutende Bauch umdrehte, und kurz darauf der dazugehörige Mann. Ob er uns einen bösen Blick zugeworfen hat? Wir werden es nie erfahren. Schliesslich können wir nicht durch Spiegelgläser sehen. Jedenfalls starrte er noch durch die grossen Fenster zu uns herein und wir lachten noch so lange, bis erst der Bauch und kurz darauf der dazugehörige Mann verschwunden waren.























Sachen gibts…


So geschehen in der dritten Juliwoche 2015...


W E R B U N G

und für alle, die es interessiert... während meiner Bildersuche bin ich auf folgenden geistreichen Artikel gestossen:

JURASSIC PARK ICE CUBES


Die Schafphase


Miralind und ich durchlebten einen ereignisreichen Arbeitstag. Schliesslich war es ein Freitag und jener Wochentag verläuft bei uns immer ereignisreich. Da haben alle Psychopathen Freigang und beehren uns mit einem Besuch. 
Einmal, es war ein Freitag, verlief alles harmlos und normal und wir hörten entfernt schon die Titelmelodie von TWILIGHT ZONE. Rod Serling kam um die Ecke geschlichen und begann seinen Prolog zu unserem Freitag und schloss mit den üblichen Worten „…in der Twilight Zone.“

Wie dem auch sei. Ein Mann steuerte auf mich zu und erkundigte sich nach diesem schwedischen Autor der schon ein paar Bücher geschrieben hat. 
Ähm ja… 
Nach kurzem Hin und Her stellte sich heraus, dass die Rede von Knausgard war (der zwar aus Norwegen kommt, aber wie sagte Flip in "Fascht e Familie" doch immer so schön? "Kei Detail"). So begleitete ich ihn zu dessen Büchern und fragte, ob er noch etwas möchte. 
Er entgegnete mir mit einem „Maaaa“.
Etwas irritiert und ein lautes Lachen verkneifend ging ich zu der guten Miralind, die mich schon - aufgrund meiner typischen Mimik - erwartungsvoll anstrahlte. So stellte ich ihr eine Frage: „Was bedeutet ‚Maaa‘? Heisst das ‚Oh vielen Dank!‘ oder ‚Verzieh dich endlich?‘“
Miralind und ich philosophierten über die Meinung des Lautes „Maaa“. Nach zahlreichen Vermutungen und Spekulationen kamen wir schliesslich zum Schluss, dass „Maaa“ definitiv dem Schafslaut nachempfunden sein musste. 
So sagte ich zu Miralind, „wenn mich das nächste Mal einer nervt, sage ich auch nur noch ‚Maaa‘.“ Sie meinte daraufhin, sie starre die Kunden dann nur noch an und mache „Maaa“. So brachen wir erstmal in schallendes Gelächter aus und spielten ein paar  mögliche Situationen durch. 

Die Schlüsselszene ging in etwa wie folgt. Es ist doch schon ein Weilchen her und ich erinnere mich nicht mehr 1:1 an jedes Wort, aber in etwa so hat es sich zugetragen:
Miralind als Kundin und ich als ich

Ich: „Guten Tag“
M: „Ich will diesen Bestseller haben! Von diesem Mann!“
Ich: „Welchen meinen sie denn genau?“
M: „Na dieser Bestseller! Den  müssen sie schon kennen, bei diesem Beruf! Also ehrlich!“
Ich: „Maaa!“
M: o_O
Ich: „Verzeihung, ich befinde mich eben in meiner Schafphase. Maaaaaaaaaa“

Und so ist der Ausdruck Schafphase entstanden und wir befinden uns seither fast täglich in einer solchen - wenn auch nur zum Spass. 

Übrigens wird der eine Computer seit dem immer wieder von einem Schaffigürchen, welches ich aus der Kinderabteilung ausgeliehen habe, geziert. Irgendjemand, der dem Schaf-Hype nicht erlegen ist, bringt es immer wieder zurück in die Abteilung und ich hole es immer wieder. 

Denn, dem Schafphasen-Kunden sei Dank, vermag ein Schaf auch den finstersten Arbeitstag zu erhellen! 








Mittwoch, 3. Juni 2015

Nachbarn aus der Hölle II - Brief: Fassung 1

(Auf dem Küchentisch lag schliesslich eine stark abgeschwächte Variante, welche dem Hausherren noch immer zu drastisch war... Fassung 1 haben meine Nachbarn nie zu Gesicht bekommen - noch nicht mal Fassung 2. Aber sollten sie meinen Blog lesen, dürften sie wissen, dass sie gemeint sind - in dem Fall: HALLOOOOO ^_^)

Werte Nachbarn

Die Grenze der Geduld ist nun endgültig erreicht. 
Es ist der Toleranz genug, dass wir die Lärmkulisse, welche tagtäglich zu uns herüber schwappt schweigend hingenommen haben - über viele Jahre.
Könnte man morgens einmal ausschlafen, wird man sicherlich vom Gebell des einen Hundes und dem doch recht lauten Organ der Hundehalterin aus dem Schlaf gerissen. 

Angesichts des enormen Lärms, der jeden Tag, in jeder Woche, in jedem Monat, in jedem Jahr, seit Anbeginn der Zeit, als Sie Aarburg verlassen und hier her gezogen sind, von Ihnen produziert wird, ist es wohl nicht zu viel verlangt, wenn immerhin in der Nacht Ruhe einkehrt. 

Wenn nicht der Hund nach 22:00 Uhr wie von Sinnen über die ganze Dauer seines Aufenthalts im Garten bellt, dann wird irgendetwas umgeräumt, oder Türen werden zu gedonnert, oder die Eheprobleme werden brüllend und tobend ausgetragen, oder es werden Beziehungsprobleme gelöst. Letztere meist nach 23:00 Uhr. Zum Zeitpunkt des Schreibens schlägt die Uhr 23:19 Uhr und noch immer ist keine Ruhe im Hause S. eingekehrt oder besser gesagt, ums Hause S. 

Die Hunde würden nicht dergestalt in fast schon krankhaftes Dauergebell übergehen, wenn Sie, werte Hundehalter, einfach mit ihnen Gassi gehen würden - sowie das alle anderen Hundehalter machen. In unserer Strasse haben wir gleich zwei vorbildliche Hundehalter, die mehrmals am Tag mit ihren Vierbeinern spazieren gehen - fragen Sie jene doch einfach nach einer Anleitung. Ich bin sicher, sie helfen Ihnen gerne - einfach den Hunden zuliebe. 

Als ebenfalls arbeitende Menschen, werden Sie sicher verstehen, dass wir zumindest in der Nacht gerne Ruhe hätten und durchschlafen möchten, dies ist in diesem Jahr allerdings erst gegen Mitternacht möglich. 

Wir ersuchen Sie hiermit ein bisschen Rücksicht auf Ihre Nachbarn zu nehmen. Gerade wenn man in einem Quartier wohnen darf, wie der ____strasse, ist Rücksichtnahme oberstes Gebot - besonders wenn man Zaun an Zaun lebt. Der Lärm kennt jedoch keine Zäune, weder den unseren noch zwei drei weitere. Nun legt sich Ihre Stirn in Falten und Sie schauen einander entgeistert an. Was könnte "Rücksichtnahme" nur bedeuten? Mir ist bewusst, dass Ihnen die Existenz jenes Wortes gänzlich unbekannt ist. Dem ist aber leicht Abhilfe zu schaffen. Gehen Sie in eine Buchhandlung und fragen Sie nach einem gelben Buch namens DUDEN. Hier sei angemerkt, dass die Mehrzahl keineswegs "Dudens" oder "Dudene" ist - dies erwähne ich einfach, damit Sie sich nicht blamieren. Natürlich habe ich bedacht, dass Ihnen auch Buchhandlungen fremd sein könnten. An der Stelle sind wir froh darüber, dass wir im 21. Jahrhundert leben und es DUDEN auch online gibt. Öffnen Sie Ihren Webbrowser, geben Sie Google.ch ein und suchen Sie nach "DUDEN" und "Rücksicht". Sie werden innert Kürze fündig werden und den Freiraum in Ihrem Oberstübchen mit Wissen füllen. 

Ist es wirklich in Ihrem Sinne, von der ganzen Nachbarschaft verachtet zu werden - wie es bereits in Aarburg der Fall war? Dort geriet man damals in regelrechte Partystimmung, als der Umzugswagen vorgefahren wurde. Schätzen Sie wirklich Ablehnung und Zorn? Liegt Ihnen wirklich an einem Konflikt? 
Wir für unseren Teil können uns das nicht vorstellen. Aber bei Ihnen muss man ja auf Einiges gefasst sein - nur nicht auf das Triebwerk einer B777, welches auf Ihr Haus stürzt und dem Lärm mit lautem Krachen ein Ende setzt. Aber die Hoffnung stirbt zu letzt. 

Zu den Eckdaten, die Ihnen wohl nicht bekannt sind:

Während der Ruhezeit nicht erlaubt ist:
- Lautes Spielen
- Kindergeschrei während der Ruhezeit und an Sonn- und Feiertagen
- Andauerndes Herumspringen von Kindern, ausserhalb der Ruhezeiten
- Dauernde Handwerksarbeiten an Sonn- und Feiertagen sowie während der Ruhezeiten
- Rasenmähen an Sonn- und Feiertagen sowie während der Ruhezeiten
- Lautes Feiern bis in alle Nacht hinein
- Streitgespräche während der Nachtruhe
- Andauerndes Zuschlagen von Türen und Fenstern
- Als Nachtruhe gilt die Zeit zwischen 22 Uhr und 6 Uhr.

Zusätzlich gelten an Sonn- und Feiertagen sowie an Werktagen der Mittag von 12:00 Uhr bis 13:00 Uhr als Ruhezeit.

Art. 684.2 ZGB: Verboten sind insbesondere alle schädlichen (…) nicht gerechtfertigten Einwirkungen durch Rauch (…) Lärm oder Erschütterung.

Auszug aus dem Polizeireglement der Gemeinden im Einzugsgebiet der Regionalpolizei Zofingen:
§ 12.1 In Wohngebieten ist das Arbeiten mit lärmigen Werkzeugen und Maschinen (z.B. Rasenschneiden, Hämmern, Fräsen, Bohren usw.) im Freien wie folgt verboten:
Montag - Samstag 12:00 Uhr bis 13:00 Uhr
Montag - Freitag bis 06:00 Uhr und ab 20:00 Uhr
Samstag bis 07:00 Uhr und ab 18:00 Uhr
Sonn- und Feiertage ganztags (ausgenommen Ostermontag und Pfingstmontag)

§ 12.2 In der Zeit von 22:00 Uhr bis 06:00 Uhr ist jeder Lärm verboten, der die Nachtruhe stört.

Da Sie nun mit den Gepflogenheiten vertraut sind, hoffen wir darauf, dass sich nun daran gehalten wird. 

Um meine Aggression über Ihr asoziales Verhalten zu unterstreichen möchte ich anmerken, dass, dürfte ich eine Schrotflinte mein Eigen nennen, ich längst geschossen hätte. Man mag viel Negatives über die Amerikaner sagen, aber... oh wie oft wünschte ich mir bereits eine Schrotflinte... Als unser Grundstück widerrechtlich von Ihrem Wurf betreten wurde, wäre in Texas das Gesetz auf meiner Seite gewesen und ich hätte sie alle erschiessen dürfen. Wieso sind die Gesetze in der Schweiz nur so lasch? 
Des öfteren habe ich schon mit dem Gedanken gespielt, Ihr Haus niederzubrennen. Aber bei meinem Glück, würde dann ein Neues hingestellt und Sie würden wieder neben uns wohnen. Ich hatte nie etwas mit Religion am Hut, aber seit einigen Wochen nun, falte ich abends stets meine Hände zum Gebet und ersuche sämtliche Gottheiten aller möglicher Religionen (je mehr desto besser, oder?), er oder sie möge/n meine Gebete endlich erhören, und ein verdammtes Triebwerk oder ein ganzes verdammtes Kleinflugzeug in Ihr verfluchtes Haus steuern. 
Ich bezeichne mich als ruhigen, leicht introvertierten, und friedlichen Veganer, der im Einklang mit der Natur lebt und Gewalt und Streit aus dem Weg geht. Aber Sie zwingen einen regelrecht dazu, gewalttätig zu werden. Wenn man über 10 Jahre neben einer permanenten Lärmkulisse leben muss wo alles Reden nichts nützt, den Lärm eher noch verstärkt, und man sich dann dazu entschliesst, eine ganze Familie samt Tieren abzuschlachten, muss man sich nicht wundern. Menschen werden von Menschen in den Wahnsinn getrieben. Psychisch zermürbt. Schuldig sind die Schuldigen, werte Nachbarn.

Sie müssen wissen, seit es irgendeine mies gelaunte Gottheit wollte, dass Sie und Ihr Nachwuchs aus der Hölle, hier her ziehen, und Sie es auch getan haben, ist unser gutes Leben vorbei. Fragt mich jemand, wo ich denn wohne, bleibt mir, als stets ehrlichem Menschen, nichts anderes übrig als zu antworten "neben dem Portal zur Hölle". Antwortete ich etwas anderes, müsste ich ja lügen. 

Dann würde mich noch interessieren, wieso Ihr Jüngster immer brüllt, als teste man mittelalterliche Folter- und Hinrichtungsmethoden an ihm. Wenn Sie wünschen, mache ich ihn gern mit welchen bekannt, vielleicht weiss er dann wieder wo er ist - und dass er, in seinem Leben keinen Grund hat, solch ein Geschrei zu zelebrieren. 

So, nun dürften Sie im Bilde sein. 

Wir danken für die Kenntisnahme

Nachbarn aus der Hölle I

Wir hatten ein gutes Leben. Selbst als wir noch in einer Mietwohnung gewohnt hatten, war unser Leben gut. Dann zogen wir in dieses Haus... in dieses alte Haus... und nein dies hier artet nicht in eine Gruselgeschichte über ein Spukhaus aus - obschon hier paranormale Aktivitäten zu verzeichnen sind, aber dies ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden.

Wie dem auch sei, als wir in eben jenes Haus gezogen sind, begrüssten wir die Nachbarn. Zur Rechten ein junges Ehepaar, welches sich das Elternhaus mit der Mutter teilte und dem Hund natürlich. Der Rüde, welcher auf den Namen Ivan hörte, wurde nach dem seine Zeit auf Erden abgelaufen war, durch ein ähnliches Modell gleicher Rasse ersetzt. Diesmal durch eine Hundedame. Jene Nachbarn leben noch immer neben uns, mittlerweile mit einem Kind. Wir unterhalten uns gerne mit ihnen. Es sind angenehme Zeitgenossen. Eben solche Menschen, mit denen man gerne Zaun an Zaun wohnt.
Und hier beginnt sich die Geschichte zu verfinstern... Das Haus zur Linken... ein altes Haus... ein schauderhaftes Haus... ein Haus, welches in den Jahren immer mehr von der dunklen Seite in Besitz genommen wurde... solange bis es schliesslich zum direkten Portal zur Hölle wurde...

Die ersten Nachbarn, die wir in diesem Haus kennen lernen durften, waren Italiener. Ein pensioniertes Ehepaar, welches täglich, ganz nach italienischer Manier, sämtliche Kinder zum Essen bei sich hatte. Der Mittag war daher immer recht laut - aber es waren freundliche und angenehme Menschen, sodass einen das nicht gestört hat. Man konnte sich gar mit dem nervtötenden Gekläffe des Mini-Hundes anfreunden. Doch als die Jahre verstrichen, zog das Ehepaar in eine Wohnung, da man sich nicht mehr in der Lage sah, ein Haus zu bewirtschaften - vom Garten ganz zu schweigen. Abschied wurde zelebriert, Möble wechselten kostenlos ihre Besitzer...
Es folgte ein junges Ehepaar. Bald schon hatten sie einen Hund und mir graute vor dem Tag, an dem eines dieser peinlichen Schilder vor dem Haus oder Banner am Balkon hängen würde, mit den Worten "Wir sind schwanger" oder einfach mit dem Namen des eben geworfenen kleinen Menschen. So weit sollte es jedoch nicht kommen. Erst kam ein Hund, der nach 3 Monaten bereits in den Garten ziehen musste, wo er zwar eine kleine Hütte hatte, aber es doch an Wärme fehlte. An Wärme einer Heizung bei kalten Herbsttagen, und an Wärme der Besitzer. Der Hund verschwand irgendwann wieder, zurück blieb die Hütte. Leer und verlassen.
Dann stellte sich heraus, dass er seine Frau oder Freundin mehrmals in der Woche betrogen hatte. Öfters konnte man ihn mit einer anderen Frau (es war nicht immer die gleiche) auf dem Motorrad davon fahren sehen. Gleich nach der Kurve wurde angehalten und sich leidenschaftlich geküsst. Irgendwann wurde das Haus verkauft und die beiden gingen getrennte Wege...
Hätte er sie mal nicht betrogen, könnten wir jetzt ein schönes Leben führen. So gesehen, ist er Schuld.

Was dann folgte ist an Grauen kaum in Worte zu fassen. Es handelte sich um die Familie Fick, welche ihrem Namen doch alle Ehre macht - 8 Kinder (eines aus erster Ehe - dieser Mann war klug und floh, als er noch konnte), 3 Hunde, ca. 35 Katzen und irgendwelche Nagetiere.
Über Familie Fick liesse sich in der Tat ein Buch schreiben... Was wir alles erleben durften, in den Tagen der Nachbarschaft...

Meiner Theorie zufolge, lebt Herr Fick nur noch in diesem Haus der Verdammnis, weil sich kein Mensch so viele Alimente leisten kann. Zahl mal für 8 Kinder und eine Frau, die mehr breit als hoch und stinkfaul ist. Da kann man sich eigentlich nur noch erhängen...
Oft habe ich versucht mich in diesen Mann hineinzuversetzen und ehrlich, jedes mal bin ich zu dem Schuss gekommen, dass ich entweder auswandern und unter neuer Identität leben oder mich erhängen würde.
Nun wird man sich aufregen und sagen, der Mann sei daran auch beteiligt und so... ja das ist er wirklich, dennoch hält niemand so ein Weib auf Dauer aus.
Würden Sie es denn schätzen, wenn Ihre Frau im Garten steht, bekleidet in ein Nachthemd, dass den 70ern entsprungen ist - und ihrer doch recht umfangreichen Person nicht sehr schmeichelt, da es zwei Nummern grösser hätte ausfallen dürfen, und Sie anbrüllt? Das ist wirklich so geschehen. Sie stand in eben diesem Nachthemd im Garten und brüllte ins Haus, wo sich der Mann aufhielt - bis er dann mit den Hunden spazieren gegangen ist - was sie nicht mitbekommen hat, da im Garten schreiend und so schrie sie weiter ins leere Haus. Da kam die ganze Gossensprache zum Vorschein:
- Fick! Du verdammter Hund! Verpiss dich endlich!
- Fick! Ohne Dich sind wir besser dran! Hau ab, verpiss dich! Lass uns allein!
- Fick! Du elender Waschlappen! Ich hab genug von dir, du verweichlichter Dreckskerl!
- Fick! Du "Schofsäcku", du bist zu nichts nutze!
- Wie konnte ich mir nur auf so einen jämmerlichen Taugenichts einlassen!
und so ging es etwa über 40 Minuten weiter...
Einmal brüllte sie, er wäre eine Flasche im Bett - und doch haben sie 7 Kinder zusammen gezeugt... Irgendetwas muss er ja richtig gemacht haben...

Das Organ dieser Frau ist eine Tortur für jedermanns Ohren. Eine doch recht maskuline Stimme hat sie. Noch nie habe ich sie in einem normalen Ton reden hören. Man möchte meinen, diese Frau arbeite als Marktschreier oder irgendwo auf einem Bazar - aber dafür ist sie ja zu faul. Sie zieht es vor, den ganzen Tag zuhause herum zu hocken, sich nicht um die Kinder, geschweige denn um die Tiere zu kümmern und ihren Mann zur Schnecke zu machen, wenn er nach einer 10-Stunden-Schicht nach hause kommt. Sie züchtet Katzen in ihrem Keller. Die Rasse ist mir nicht bekannt, da ich mich nicht für Katzen interessiere. Jedenfalls handelt es sich um diese langhaarigen Biester mit diesem griesgrämig gezüchteten Gesicht.
Ein Teil ihrer Katzensammlung ist im grossen Regen im Keller ersoffen. Sie waren in den Ferien und hatten niemanden, der für die Tiere organisiert. So kam dann die Feuerwehr, da auch unser Haus sich mit Wasser gefüllt hatte. Und als man dann bei der Familie Fick war, kam ein Feuerwehrmann aus dem Haus gerannt, der sich erstmal auf die Strasse übergeben musste. Mit weit aufgerissenen Augen, in denen das blanke Entsetzen auszumachen war, stammelte er: Er habe noch nie so etwas ekelhaftes gesehen! Der ganze verdammte Keller sei verschissen. Ein paar der Katzen wären versoffen und überall schwimme Scheisse herum. Katzenscheisse. Und der Gestank! Er habe schon vieles gesehen und vieles GEROCHEN, aber so etwas... nein... das sei einfach zu viel...

Ende von Teil 1

Sonntag, 1. Februar 2015

Buchhändler-Humor und Versprecher

"Meine Kollegin im Computer schaut das gerne für sie nach."

"Kafka gibt es nicht in englischer Übersetzung."
"Das wäre auch sehr kafkaesk!"
"Ein wahrer Buchhändler-Witz" *hust*

"Den nächsten Kunden, der des Grüssens nicht mächtig ist, erschlage ich mit einem Reclam!"
"Wieso mit einem Reclam und nicht mit einem fetten Lexikon?"
"Weil es mit einem Reclam länger dauert und somit schmerzhafter ist!"

Ich erzähle "kompletten Scheiss"

Es war ein ruhiger Winterabend, draussen war es bereits seit rund drei Stunden dunkel und der Feierabend rückte in greifbare Nähe. Ein normal wirkender Kunde betrat den Laden, erkundigte sich nach einem Buch, welches nur noch in einer anderen Filiale vorhanden war, war der Faulheit wegen nicht gewillt die paar Meter zu jener Filiale zu gehen und wollte den Titel bestellen.
Immer wieder wundere ich mich über die Faulheit des Menschen... Man kann bei uns vor der Tür ins Tram ein- und vor der Tür der nächsten Filiale aussteigen. Aber gut.
Der Herr bedankte sich und verliess das Geschäft, verlor sich in der Dunkelheit einer Winternacht, wie sie so nie wieder sein würde. Und ich für meinen Teil, ahnte nichts vom Grauen, welches noch folgen mochte...

Rund 10 Minuten später kam jener Kunde erboster Miene und festen Schrittes in die Buchhandlung geeilt. Seine zur finsteren Fratze verzogenen Gesichtszüge liessen nichts Gutes erahnen. So fauchte er gleich los: "Was erzählen Sie mir eigentlich für einen kompletten SCHEISS?!"
"Entschuldigung?"
"Wenn es in der anderen Filiale vorrätig ist, dauert die Lieferung sicher nicht bis Donnerstag! Dann haben sie es morgen hier!"
"Nein haben wir nicht. Wir beziehen die Waren bei unseren Lieferanten und nicht von anderen Filialen."
"BULLSHIT! Das haben sie immer gemacht! Sie erzählen mir einen absoluten Mist!"
"Was genau ist der Grund dafür, dass sie mich hier so anfahren?"
"Weil sie mich so schlecht bedienen! Wo ist die Chefin?!"
"Um diese Zeit ist weder eine Abteilungs- noch die Filialleitung im Haus."
"Ja klaaaar! Verarschen kann ich mich selbst! Was für ein Zufall!"
"Sie können gerne morgen Vormittag wieder kommen, dann sind meine Vorgesetzten im Haus."
"Wie ist ihr Name!"
Obschon es mehr ein Ausruf denn eine Frage war, sagte ich ihm meinen Namen mit der Frage, ob ich ihm diesen sonst aufschreiben solle. Er stapfte eine Etage weiter und jammerte meiner Arbeitskollegin sein Leid. Diese bestätigte, dass wir keine Ware bei anderen Filialen beziehen. Da schien es allerdings kein Problem mehr zu sein...
Schliesslich kam er wieder in meine Etage und bellte mir entgegen: "Ihre Kollegin hat die Bestellung so ausführen können, wie ICH das GEWOLLT habe! SIE konnte das! Nicht so wie sie! Sie können es nicht!"
"Ja anscheinend muss ich ein richtiger Idiot sein, was?"
"ÄCH!", winkt ab, geht ab.
"Noch einen schönen Abend!"

Mitleidige Kundinnen wünschten mir in freundlichstem Tonfall einen schönen und wohlverdienten Feierabend.

Sollte dieser Mensch nochmals bei mir auftauchen, wird er gleich an einen anderen Kollegen verwiesen. Oder ich erschlage ihn mit einem Buch vom Lappi von Olten. -_^




...und dann fiel eine Tür mit lautem Knall ins Schloss...

Heute wurde mir einmal mehr die Ehre zu Teil einen Stehlunch betreuen zu dürfen.
Ganze 20 Personen (4120 Knochen, man stelle sich das vor!) waren gemeldet. Davon versprach ich mir eigentlich einen ruhigen Mittagsdienst. Denkste.

Der Lunch war aufgebaut, die Küche abgezogen, Vorleger verteilt und da marschierten auch bereits die ersten zwei Gäste ins Foyer. Jenes Foyer grenzt an einen, heute nicht belegten und daher meine Abräumstation beherbergenden, Konferenzraum. Die Abräumstation war auch startklar und wartete nur auf verschwendete Nahrungsmittel, darunter u.a. zerstückelte, marinierte und gekochte Tierkadaverteile, schmutzige Teller und Tassen und einer dieser weissen riesigen Plastikeimer wollte mit schmutzigem Besteck gefüllt werden - ob er das wollte, wage ich allerdings zu bezweifeln, denn wer möchte schon mit schmutzigem Besteck gefüllt werden?

Da ich vergessen hatte, mir ein Plateau, eines der guten, mitzunehmen, ging ich nochmals zurück in die Pantry. Auf dem Rückweg zum Foyer telefonierte ich mit dem Sous-Chef und klärte gewichtige Fragen bezüglich Lunchthemen. Wieder im Foyer (noch immer telefonierend) krähte ein Gast auf mich ein. Ich deutete auf mein Telefon, sagte, ich sei gleich bei ihm und ging in den Konferenzraum. Der leicht cholerisch wirkende und sich nicht ganz unter Kontrolle zu haben scheinende Gast (mit einer gelben Krawatte, die farblich so gar nicht zu diesem leicht beigen Hemd passen wollte), brüllte (ja wahrlich, er brüllte! Es war nicht einfach etwas lauter gesprochen, die Tonlage war bereits in Gebrüll übergegangen) "Ich dachte Sie arbeiten hier!", und knallte, seine ganze Aggression in den Arm packend, die Tür hinter mir zu.
Die aufkeimende Aggression meinerseits versuchte ich sogleich im Keim zu ersticken. Echt, schon wieder? War da nicht erst am vergangenen Samstag einer, der mich als Idiot beschimpft hatte. Was war nur los mit den Gästen? Befinden sich allesamt etwa im Weihnachtsstress und haben in der Hektik des Alltags Anstand und Geduld verloren? Der KNIGGE sollte auf deren Wunschliste ganz oben stehen...

Ja, ich spiele mit dem Gedanken, mir 3-6 graue BZ-Boxen gefüllt mit KNIGGE ins Hotel zu bestellen und jedem Gast, von dem ich denke, er sollte sich diesen zu Gemüte führen, einen mitzugeben...




Witzige Kundenfragen und Ähnliches...

2015/01/xx


"Guten Tag, Ich suche das neue Buch von Daiotschiiines."
"?_?" möglicherweise ein mir unbekannter Schriftsteller?
"Diese weissen Bücher! Von diesem Engländer, der Honig geschrieben hat!"
"Meinen Sie Ian McEwan?"
"Ja genau den!"
gemeint war der DIOGENES Verlag, der genau so ausgesprochen wird, wie er sich schreibt. Nichts Englisches, da in der Schweiz ansässig. 

"Grüezi, Ich suche das Buch XXXX."
"Das ist leider vergriffen."
"Das kann nicht sein! Es ist gelb!!!"
"?_?"

Freitag, 2. Januar 2015

Für Sevimausi, einen wahren Freund

Es muss im Jahr 2012 gewesen sein oder auch 2011. Um das genaue Datum ermitteln zu können, müsste ich in meinem CV bzw. meinen Arbeitszeugnissen nachschauen, da ich aber grad so schön bequem in meinem pflaumenfarbenen viktorianischen Samtsessel sitze und nicht aufstehen mag - denn dann müsste ich ja das Macbook Air weglegen, bleibt die Angabe des Jahres wage im Raum bzw. im Cyberspace stehen.
Jedenfalls war es in jenem Jahr, als ich auf einen ganz speziellen Menschen traf. Um diese Person, geht es hier.

Mein schwuler Freund (jede Frau sollte einen haben), Trendy Mandy, nahm sich 2010 das Leben. Er war dieser eine jene wahre Freund. Einer von der Sorte, der einem stets die Wahrheit entgegen schmetterte. Als wir uns das erste Mal trafen, trug ich eine weisse lange Bluse, von welcher er stets sagte, ich sähe damit aus wie eine Krankenschwester, fehle nur die Stethoskop-Halskette. Wenn wir zusammen Klamotten kaufen gingen, kamen immer äusserst ernüchternde Kommentare und so wurden viele Sachen nicht gekauft. Wer möchte schon wie ein Mehlsack herumlaufen?
Wir hatten stets so viel Spass zusammen, bis dann die Depressionen einsetzten, die Cutterei losging (ob er das von mir abgekupfert hat werde ich nie erfahren). Aber selbst dann war ich meist in der Lage ihn aufzuheitern. Bis dann der Anruf kam. Jener Anruf, den niemand je erhalten sollte. "Mandy ist tot. Er hat sich erhängt."
Der einst blaue Himmel wurde kurzerhand von einer ganzen Armada Kumulus Nimbus durchzogen und wollte über einen langen, verdammt langen Zeitraum nicht mehr aufhellen... Mein Leben war vorbei. Mein bester Freund war ins Reich der Toten gepilgert...
Mandy war ein so spezieller Mensch, dass ich dachte, nie wieder auf jemanden von diesem Format zu treffen. Das stimmte - bis zu oben erwähntem Jahr:

Ich sollte ein kurzes Gastspiel bei einem Sklaventreiber haben - auf seiner als Restaurant getarnten Baumwollplantage schuften, bis die Hände blutig gescheuert, die Fusssohlen voller Schwielen waren und meine einst weisse Bluse durch die zahlreichen Peitschenschläge blutrot und zerrissen war... Da traf ich auf meinen Leidensgenossen, dessen einst weisses Hemd in ebensolchem Zustand war, wie die meine Bluse.
Andere Sklaven hielten ihn für geisteskrank. Mich übrigens auch. Oder sie waren zerfressen von Neid und Missgunst. Ständig waren wir die Opfer ihrer durchschaubaren Hasstiraden und Intrigen. Gemeinsames Leid verbindet wahrlich. Wir wurden Freunde.
#Sevilicious zu jenem Zeitpunkt noch "Seviiii" kurz darauf dann "Sevimausiii" schien mir zu verrückt. Doch er war nicht verrückter als ich - nur auf eine leicht abweichende Art. Ich mochte ihn. Er war vorlaut, witzig, hinterlistig, amüsiert, amüsant, angepisst, pissig, zickig, humorvoll, zynisch, skeptisch und hatte aber vor allem ein riesiges Herz. Die anderen Sklaven hatten Mühe mit seiner Art. Auch der Sklaventreiber konnte und wollte nicht zwei Sklaven dieser Gattung bei sich haben. So verliess ich nach knapp drei Monaten jene Plantage. Hocherfreut über die neugewonnene Freiheit, aber auch von grosser Trauer erfüllt, da ich meine Sevimaus zurücklassen musste.
Zwei Jahre siechten dahin. Dann wurde auch er in die Freiheit entlassen. Gut ein Jahr später konnten wir endlich auf unsere Freiheit und das Ende der Sklaverei anstossen. Wir waren frei! Wir waren bester Laune! Uns ging es gut! Obschon wir einander länger nicht gesehen hatten (gut 3 Jahre) standen wir uns noch näher als zuvor.
Einige Kilometer trennen uns voneinander. Doch glücklicherweise leben wir in einem Zeitalter, in dem Apple an der Macht ist und wir mit iPhones, Skype, Facetime und co ausgerüstet sind. So kam es dann, dass wir oft ganze Nächte lang mit Skypen oder Telefonieren verbracht hatten. Telefonieren immer dann, wenn wir entweder nicht gestylt, in einem dunklen Raum waren oder Skype mal wieder seine Störungen hatte.

Im Frühjahr 2014 verbrachte ich einen Monat in Japan. Zwei Wochen lang wurde ich von einer Freundin begleitet. Danach war ich drei Wochen alleine. Traf mich mit Freunden, hütete krank das Bett und genoss die Freiheit des Nichtstuns. Genoss es erneut frei zu sein - hatte ich eben einen Job gekündigt und liess die Seele baumeln, wie man so schön sagt. Sevimausi war stets bei mir. Entweder in Whatsapp oder in Skype. Stetig hielten wir Kontakt. War ich down brachte er mich zum Lachen. Auf ihn war stets Verlass.
In Odaiba fand ich das perfekte Souvenir für ihn. Bzw. Zwei. Leider haben wir uns bis zum heutigen Zeitpunkt nicht wieder gesehen und so hüte ich jene schönen Sachen noch ein Weilchen. ^_^
Nüchternen Wortes (und Verstandes) warnte er mich vor dem Psychopaten Yoko. Als ich im Herbst desselben Jahres wieder nach Japan ging, war er dagegen. Er war dagegen, dass ich mich wieder mit Yoko traf und konnte gar nicht oft genug erwähnen, wie krank es denn ist, zwei Nächte bei dem Typen zu verbringen. Fast so als hätte er geahnt, in welch grausigem Domizil ich würde dahin vegetieren müssen.
Als ich mich dann auf dem Weg nach Japan befand, schickte ich ihm, bei jeder W-LAN-Verbindung ein Video oder zumindest eine Nachricht. Fast panisch dachte ich an die eine Woche "Mit Yoko auf Reisen", nicht wissend, ob ich je über W-LAN verfügen würde. Immer dann, wenn Yoko ausser Haus war, erhielt Sevimausi ein neues Video. Meine Leidensgeschichte.
Als ich dann die zwei Nächte bei Yoko hauste, in einem Zimmer, hinter der Garage, mit fleckigem Teppichboden, einer toten Kakerlake und fleckigen Decken plus einem übel riechenden Badezimmer, lachte er mich erst aus und meinte, er hätte mich ja gewarnt. Er habe gar kein Mitleid. Als ich ihm dann die Fotos von der Casa de Yoko geschickt hatte, kam eine Voice-Message, in welcher er sein Mitleid kundtat. Er freute sich ausserdem darüber, dass ich bald schon wieder in der schönen Schweiz sein würde.
Sevimausi war immer bei mir (wenn auch "nur" online) wenn ich ihn gebraucht habe.

Dieser recht persönliche Text entstand, weil heute etwas sehr... na ja... eigenwilliges und für die unseren Charakter typisches passiert ist.
Sevimausi erhielt ein Neujahresgeschenk von mir und ich eines von ihm.

2015 wird unser Jahr werden. Wir werden ENDLICH zusammen nach Paris, in die verdammtnochmal romantischste Stadt auf diesem Planeten, reisen und das #vivilicious Evangelium verbreiten haha -_^

Sevimüsli, Du besch eifach ZU abgfahre, als das me Dech ned chönt gärn ha!
Uf alli Ewigkeit wersch en Platz i mim Herz ha (i dem Teil, wo ned zuegfrore ond met Iszäpfe verhange esch). I freu mi of Paris. I freu mi uf eusi Souvi-Öbergab und druf Dech öfters zgseh!
In stetiger nie enden wollender Liebi
Navimausi

Sonntag, 28. Dezember 2014

Nahezu fossile EDV

Zeigte sich ein Gast recht echauffiert über die Aktualität unserer Gästecomputer, welche ausschliesslich für unsere Businessgäste zugänglich waren.
Erst funktionierte der USB-Stick nicht, worauf der Herr meinte, ich könne diese fossilen Computer auf die nächste Müllkippe bringen. Ich überlegte kurz, ob ich nicht entgegnen soll "ein Muesum wäre doch bei fossilen Computern ein viel besserer Abnehmer.", habe es dann aber unterlassen. Er schnaubte und fügte hinzu, dass so etwas eine regelrechte Zumutung sei! So etwas könne doch in der heutigen Zeit nicht wahr sein! 
Er wollte mir die Unterlagen dann per E-Mail senden, was sich aufgrund von Wartungsarbeiten am Mailserver, welche natürlich gerade in dieser halben Stunde stattgefunden hatten, verzögert hätte. Also fragte ich, ob er nicht einen anderen Stick, habe und es mit jenem nochmal versuchen möchte. 
Kurz darauf kam er wieder mit einem anderen Stick vorbei. Er grinste mich an und meinte, er versuche es noch mit jenem. Ein Jauchzen war zu vernehmen und er schrie, er habe Erfolg! Der Stick funktioniere! Was war ich erleichtert. ^_^
Während der Tintenstrahldrucker *hust* seine Arbeit tat, kam der Herr wieder zu mir und fragte, ob die Drucker aus dem Jahre 1992 stammten. Damals hätte man sich mit solch antiquierten Modellen abmühen müssen.
Er wisse, ich könne nichts für die minderwertige Ausstattung des Gästecorners, aber er möchte mir dennoch sagen, dass er kürzlich in Amsterdam gewesen sei, den Namen des Hotels habe er vergessen, aber da sei ein jeder Meetingraum mit einem Drucker ausgestattet.Wir sollen uns doch mal Gedanken darüber machen. Denn schliesslich nutze ihm der schönste Raum nichts, wenn er dann so etwas zum Drucken vorgesetzt bekomme.
Er ging wieder zurück zu seinen Gästen um nach ca. 10 Minuten wieder zu kommen, um sein Druckerzeugnis abzuholen. Beim Eingang zum Gästecorner lauschte er erst und meinte dann ganz bestürzt, dass das Ding ja immernoch nicht fertig ausgedruckt habe. Ein amüsiertes Lächeln konnte ich mir da nicht mehr verkneifen. Er meinte dann, es sei wirklich eine Zumutung in einem V--I--P--Bereich mit solchen Urgesteinen arbeiten zu müssen. Wenn er 100 Seiten zum Ausdrucken habe, müsse er ja einen Tag früher anreisen. Ich lachte amüsiert und nickte. Auch er war bereits nicht mehr sauer, sondern leicht amüsiert - oder auch bereits so sehr in seiner Verzweiflung, dass sein Zustand in latenten Wahnsinn überging?
Er habe sich einen anderen Standart versprochen. Sein Homeoffice wäre ja besser ausgestattet! Er habe 3(!) Laserdrucker darin stehen! Einer davon ist in Farbe. Die kosten heute auch nicht mehr alle Welt! So fragte er dann ob ich denn noch einen TINTENSTRAHLdrucker zu hause hätte? "Nein, auch ich habe zwei Laserdrucker - einer davon in Farbe." Nun lachte er laut los und meinte nur: "Sehen Sie?"
Unterdessen war der Drucker mit der Arbeit fertig. Als der Gast mit seinen Papieren wieder an mir vorbeiging meinte er nur, ich solle ihn bitte zitieren und dies alles meinen Vorgesetzten mitteilen.
Sehr gerne -_^

Zugegeben, als er Anfangs maulte, dachte ich nur "schon wieder einer dieser gestressten Businesstypen", doch seine Aussagen waren so schön, dass ich ihn zum Schluss richtig mochte. Schliesslich hatte er ja nicht ganz Unrecht...

Eigentlich hätte ich mir seinen Namen heraussuchen und ihm eine Dankeskarte schicken sollen - ausgedruckt auf dem Tintenstrahldrucker. Er erhellte meinen tristen Tag in jenem düsteren Hotel doch erheblich ^_^ 





Sprechende Fahrstühle und fehlende Meeting-Etagen

Kommt ein gänzlich aufgelöster (erst jetzt während dem Umschreiben dieser Erzählung fällt mir auf, wie makaber das klingt... Ein gänzlich aufgelöster Gast, wäre wohl kaum noch in der Lage, irgendwo hin zu gehen...naja), ja ver(w)irrter Gast zu mir gestürmt. 
"Sie! Verzeihen Sie bitte! Können Sie mir vielleicht helfen? Ich habe ein Meeting in der 14. Etage. Aber der Fahrstuhl sagt, dass sich dort nur das Parkhaus befindet?"
Erstmal bin ich mir nicht sicher, ob ich über die Existenz eines sprechenden Fahrstuhls erstaunt sein, oder ob ich so tun sollte, als hätte er das nicht gerade eben gesagt. Ich entscheide mich schliesslich für Letzteres und antworte ihm, dass sich in der 14. Etage auch Meetingräume befinden. Beruhigt und doch etwas misstrauisch geht er zu den Fahrstühlen, schaut kurz in die Kabine um dann wieder zu mir zurückzukommen: "Sind Sie sich da auch wirklich sicher? Da steht wirklich nur Parking."
"Nein, sicher bin ich mir nicht. Selbst war ich noch nie da oben. Aber meine Kollegen reden immer davon. Kommen Sie, gehen wir doch zusammen nachschauen.", würde ich gerne zur Antwort geben. Anstelle davon sage ich nur, dass ich mir dessen ganz sicher bin und sich nebst dem Parking auch Meetinräume da oben befinden.

Ein Arbeitskollege von mir meinte nur: "Hättest doch sagen sollen: WAS?! Da oben gibt es gar keine Räume?! Meine Kollegen haben mich demnach immer verarscht, wenn sie gesagt haben, sie gehen nach oben! Was für eine masslose Frechheit!"

13.12.2013

Anmerkung: 
2014 habe ich Japan in einem Airporthotel um die Existenz sprechender Fahrstühle erfahren. Beim betreten der Kabine wünschen sie einen guten Tag, dann weisen sie daraufhin, dass die gewünschte Etage erreicht wurde und man vorsichtig aussteigen soll. Beim Aussteigen auf einer Etage, wünschen die Fahrstühle einen angenehmen Aufenthalt. Verlässt man die Kabine in der Lobby wünschen sie einen schönen Tag. 
Nun braucht es wahrlich keine Liftboys mehr... schade.